Burnout
Sich selbst zu auszubrennen heißt,
im Inneren ein Häufchen Asche zu werden.
Burnout - Gefahr für viele
Stress im Projekt, die Angst vor Arbeitsplatzverlust, Mehrarbeit aus
Ergänzungstarifverträgen, um den Betrieb zu retten, Überstunden, um nicht negativ
aufzufallen, Zweitjob, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können, zu hohe
Erwartungen, Zeitdruck, Terminnot, Unklarheiten in den hierarchischen Strukturen,
unklare Ziele und Konzepte, wachsende Komplexität, Unüberschaubarkeit der
Arbeitsabläufe, unzureichende Unterstützung durch Vorgesetzte - all das und noch viel
mehr kann über Monate und Jahre hinweg zu einem Burnout-Syndrom führen. Die
10-Std-Grenze, die man als Arbeitnehmer pro Tag nicht überschreiten darf, wird in
vielen Firmen täglich von vielen Mitarbeitern überschritten. Man nimmt Arbeit mit nach
Hause, ein, zwei Stunden oder mehr am Wochenende ist für viele normal.
Burnout, zu deutsch ausbrennen, beginnt zunächst positiv. Viele Betroffene gehen
engagiert und mit viel Elan an die Arbeit. Sie wollen sie erfolgreich zu Ende bringen.
Interessante Arbeiten spornen sie an. Mehrarbeit ist willkommen, gibt sie doch Zeit, das
Ziel zu erreichen. Immer mehr Arbeit häuft sich bei ihnen, sind sie doch stets da und
leistungsbereit. Es entsteht der Eindruck der eigenen Unentbehrlichkeit. Das macht stolz,
gibt Sicherheit.
Das Gefühl, eigentlich nie mehr richtig Zeit zu haben, kommt schleichend und geht
einher mit der wachsende Verleugnung eigener Bedürfnisse. Man hat immer weniger Zeit für
Freunde und Familie, den Sport, die Hobbys, private Treffen werden verschoben und immer
wieder abgesagt. Nach und nach mündet das Engagement in ein Nachjagen von Terminen,
Meetings, Arbeitspaketen. Planungen laufen ins Leere, rauben Zeit, die man nicht hat.
Das Gefühl, es ist alles zu viel, macht sich mehr und mehr breit.
Einher geht dies mit Erschöpfung, die zunächst noch weggedrängt werden kann. Aber man
spürt, dass man immer schwerer auf die Füße kommt, der Schlaf immer weniger erholsam
wird. Man verdrängt, reißt sich zusammen, denn man glaubt den Zwängen nicht mehr
entkommen zu können. Der Feierabend und das Wochenende reichen dazu nicht aus. Man
schleppt sich zum Urlaub, hofft hier abschalten zu können. Doch der Telefonanruf des
Chefs über das Handy unterbricht die Erholung, nur eine kurze Frage, deren Beantwortung
Stunden am heimischen PC zur Folge hat. Es geht an die Substanz. Man wird anfällig für
Erkältungs- und Durchfallerkrankungen, reagiert gereizt auf seine Umgebung, hat
Magenproblem, Sodbrennen oder spürt manchmal einen dumpfen Druck auf das Herz. Man
findet sich die wenigen Stunden seiner Freizeit erschöpft vor dem Fernseher wieder.
"Wir haben so viel Arbeit", heißt es, wenn man die Menschen fragt. "Es ist anders nicht
zu schaffen" und manche Chefs geben deutlich zu verstehen, wenn du nicht mitmachst, dann
fliegst du. Doch, die Leser unserer Seite wissen: Es ist nicht so einfach zu fliegen,
schon gar nicht, wenn man nicht will.
Menschen, die Burnout-Symptome an sich feststellen, sollten darüber nachdenken, ihr Leben zu
verändern. Ansonsten stehen am Ende immer häufigere Fehlzeiten, sinkende Leistung,
innere Kündigung, das Gefühl der Sinnlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung.
Man kann nicht mehr. Dann lockt die Abfindung. Man erliegt der Verlockung, um zu
entfliehen. Den Arbeitsplatz, den man ursprünglich retten wollte, hat man selbst
aufgegeben, weil man zu viel gearbeitet hat.
Leiden Sie unter dem Burnout Syndrom?
Hier kann man testen, ob man Anzeichen eines Burn-out-Syndroms hat.
Burnout-Test
Was man gegen Burnout tun kann
Wehret den Anfängen ist hier der beste Rat. Je eher man Burnout erkennt, desto größer
die Möglichkeit, die Sache selbst wieder in den Griff zu bekommen. Fortgeschrittenes
Burnout erfordert medizinische und psychologische Hilfe.
Der erste Schritt ist, sich zu fragen, was ist für mich wichtig. Wie müsste mein Leben
aussehen, damit ich mich zufrieden und glücklich fühle. Ein ausgiebiger Spaziergang
alleine durch die Natur hilft, sich der Antwort auf diese Frage zu nähern.
Der zweite
Schritt ist zu fragen: Was drängt mich? Was treibt mich? Wer treibt mich?
Der dritte
Schritt ist zu fragen: Warum lasse ich mich treiben? Komme ich damit meinen Zielen, die
ich erreichen will, wirklich näher, oder erfülle ich nur die Anforderungen und Wünsche
anderer?
Der nächste Schritt ist dann, die Dinge, die drängen, aufzuteilen in: "Dringend
und wichtig für mich" und in "Drängend, aber nicht wichtig für mich". Nun setze man
Prioritäten. Was will ich wirklich erreichen? Was kostet mich das an Gesundheit? Muss
ich für diese Ziele Freunde und Familie vernachlässigen? Warum wollte ich Familie,
warum will ich Freunde? Bin ich noch ein Freund, ein Vater, eine Mutter oder
funktioniere ich nur, einem Roboter gleich? Stehen diese Ziele, die ich am höchsten
priorisiert habe, wirklich an oberster Stelle. Sind sie es wert, dass ich andere Ziele
dafür opfere? Es empfiehlt sich, sich diese Fragen mehrmals zu stellen, mehrmals
abzuwägen und zu entscheiden. Denn, es ist erstaunlich wie leicht der Mensch sich selbst
belügen kann.
Dann, wenn man weiß, welche Ziele die eigenen sind und welche einem von außen
aufgedrückt worden sind, muss man beginnen konsequent die Ziele zu verfolgen, die man
erreichen will. Reinhold Messner sagte einmal: "Man muss wissen, wo der Berg steht". Man
lege fest, welchem Ziel man diese Woche näher kommen möchte und frage sich am Abend,
welchem meiner (nicht der anderen) Ziele bin ich heute einen Schritt näher gekommen.
Warum bin ich ihm näher gekommen? Warum bin ich ihm nicht näher gekommen? Es hilft,
wenn man sich bei seiner Wochenplanung in seinem Terminkalender einen Platz belegt, der
nur den eigenen, ganz konkreten Zielen gehört. Dies kann das "Fußballspielen" mit dem
Sohn sein, um wieder ein Vater zum Anfassen zu werden "der Theaterbesuch", um seinem
Geist mehr als nur technische Daten zu bieten "das Lesen eines guten Buches", um andere
Welten kennenzulernen "das Lernen einer Sprache" oder was immer wichtige Ziele für einen
sind. Fernsehen allerdings steht Zielen im allgemeinen im Wege, zumindest das Fernsehen,
was aus Gewohnheit geschieht und häufig in sinnlosem Herumzappen endet.
Macht man sich diese Gedanken immer wieder, hält an seinen Zielen fest, notiert, ob und
wie man sie erreicht, dann wird man erkennen, dass Glück und Zufriedenheit sich aus
vielen Dingen zusammensetzt, die den Menschen als Ganzes umfassen, physisch, sozial,
mental und seinem Wunsch, Spuren zu hinterlassen. Burnout hat dann keine Chance. Und die
Arbeit, die einen heute aufzufressen droht, geht leichter von der Hand. Manchmal ist weniger mehr.
Berufsunfähigkeitsrente bei Burnout
Während einige Mitarbeiter ohne Arbeit dastehen, gibt es auch Kollegen, nicht nur bei
Nokia Siemens Networks, die unter viel zu großer Arbeitsbelastung leiden. Angst vor
dem Arbeitsplatzverlust manchmal aber auch übersteigertes Pflichtgefühl („wenn ich das
nicht mache, geht das Projekt den Bach runter“) führen dazu, dass Kollegen ihre
Grenzen physisch und psychisch überschreiten.
Macht man das über eine zu lange Zeit, stellt sich irgendwann das Gefühl ein, es ist
alles zu viel, ich schaff es nicht mehr. Schließlich ist der Erschöpfungszustand
andauernd. Es ist auch nicht einfach sich einzugestehen, dass man ausgebrannt,
depressiv, unkonzentriert und ständig müde ist. Dabei müssen nicht alle Symptome
gleichzeitig auftreten. Man fühlt sich so ohnmächtig, dass man aus diesem Teufelskreis
nicht mehr entfliehen kann.
Die drastische Zunahme psychischer Erkrankungen ist eine bedenkliche Entwicklung.
Immer weniger Arbeitnehmer melden sich krank. Die Zahl derer, die wegen psychischer
Beschwerden ausfallen, ist dagegen zwischen 2001 und 2006 um 17 Prozent gestiegen,
so eine Untersuchung des BKK-Bundesverbandes. Eine alarmierende Zahl. Während die
„normale“ Ausfallzeit bei 12,2 Tagen liegt, sind psychisch Kranke im
Durchschnitt 30,4 Tage arbeitsunfähig. Besonders auffällig sei die Zunahme von
Depressionen, so die Untersuchung weiter. Die Fehlzeiten wegen Depressionen stiegen
zwischen 2001 und 2006 um 35 Prozent an und dauerten im Durchschnitt 44 Tage.
Ein kleiner Trost, so mag es auf den ersten Blick erscheinen, ist das Urteil des
Landgerichtes München I, das am 23.3.2006 entschieden hat, dass die
Berufsunfähigkeitsversicherung bei einem Burn-out-Syndrom eine Rente zahlen muss. Den
Schaden hat jedoch der Mitarbeiter, der eine bleibende Beeinträchtigung seiner
Gesundheit davon trägt. Aber auch die Firma sollte erkennen, dass sich die Ausbeutung
der Mitarbeiter, wie sie derzeit immer stärker betrieben wird, für sie mittelfristig
nicht lohnt. Der Mitarbeiter, häufig ein Know-How-Träger fällt bei einem
Burn-out-Syndrom sehr plötzlich aus. Es ist keine Zeit, das Know How, die
Verbindungen zum Kunden oder Lieferanten, an andere Mitarbeiter zu übergeben.
Es liegt im Interesse aller, darauf zu achten, dass die Arbeitsbelastung der
Mitarbeiter nicht überhand nimmt. Die Mitarbeiter sollten vor allem selbst darauf
achten, sie machen sich damit ihr ganzes Leben kaputt. Wofür?