Wir stehen hinter unseren behinderten und älteren Kollegen

Integration of

handicapped persons

 
 

Netzwerk der betroffenen

Siemens MitarbeiterInnen

 

 

 

 

Sehr geehrter Herr Dr. von Pierer,

 

die Schwerbehinderten und älteren MitarbeiterInnen der Münchner Hofmannstraße und hinter ihnen stehend über 700 Mitglieder des NCI bitten um Ihre Unterstützung. Warum? Weil Moral Chefsache ist, wie Sie ja selbst sagen.

Es ist nicht zu verstehen, warum die Firma Siemens bei ihrem ICN-Personalabbau in der Münchner Hofmannstraße sage und schreibe 80 % der Schwerbehinderten aussondert.

 

Wir sehen unsere schwerbehinderten Kolleginnen und Kollegen durch diese Vorgehensweise massiv diskriminiert und benachteiligt. Wollen Sie die Hofmannstraße zur behindertenfreien Zone machen?
 
Noch vor ein paar Monaten stand in unserer schönen Siemens-Hochglanzbroschüre, es dürfe nie Behinderten-Ghettos geben, und prompt wird genau das realisiert: Die Schwerbehinderten sollen nicht mehr mit ihren nicht behinderten Kollegen in einem Raum sitzen und werden in eigenen Gebäuden untergebracht. Kasernierung und Arbeitsentzug  oder die gezielte Zuteilung unterqualifizierter Jobs als Zermürbungstaktik,  um sie so lange psychisch unter Druck zu setzen, bis sie das Unternehmen endlich freiwillig verlassen?

Einen neuen Höhepunkt erreicht dieses Vorgehen mit der angekündigten Versetzung der I&C-Schwerbehinderten und langjähriger älterer Mitarbeiter ins Project Assignment (interne Zeitarbeit an verschiedenen Standorten), zum Münchner Flughafen (und das ohne „Rückflugticket“). Es wird versucht, die "freiwillige" Unterschrift zu dieser Versetzung durch mehrstündige Personalgespräche zu erzwingen. Darüber hinaus befürchten die MitarbeiterInnen eine Zwangsversetzung wie bereits im Falle einiger langjähriger Mitarbeiter geschehen. Soll dadurch auf subtile Weise der Druck immer weiter erhöht werden, nach dem Motto, noch eine kleine Schikane, und noch eine, und irgendwann werden sie’s dann hoffentlich begriffen haben und gehen? Jobvermittlung wäre auch vom derzeitigen Standort aus möglich; soll das wirklich Zufall sein, dass die Schwerbehinderten an den weitest möglich entfernten Ort im Münchner Großraum versetzt werden sollen,  perfekt ausgegrenzt von den nicht behinderten Kollegen, aus den Augen aus dem Sinn? Ist es Zufall, dass man einen Ort ausgewählt hat, der für manche Kollegen tägliche Fahrtwege von bis zu 5 Stunden bedeutet? Für manche Behinderte bedeutet dies eine physische Unmöglichkeit, oder zumindest eine weitere Beeinträchtigung ihrer Gesundheit.

Unser Appell: Bitte beenden Sie umgehend diese Politik der Ausgrenzung, der Isolierung und Diskriminierung Ihrer älteren und schwerbehinderten Mitarbeiter!

 

NCI fordert für unsere älteren und schwerbehinderten Kolleginnen und Kollegen eine Re-Integration in den Betrieb München Hofmannstraße durch einen Dauerarbeitsplatz, der es insbesondere den Schwerbehinderten ermöglicht mit ihrer Behinderung ein Leben ohne Zukunftsangst, ohne psychische Unterdrückung und in relativer physischer Gesundheit zu führen.

Und aller-wenigstens:

Bitte stürzen Sie niemanden vor Weihnachten durch eine Zwangsversetzung zum Flughafen in eine Krise. Gerade jetzt in der Weihnachtszeit, in einer Zeit der gesteigerten Sensibilität, wiegen Schicksalsschläge und Perspektivlosigkeit doppelt schwer. Bitte helfen Sie, Kurzschlussreaktionen zu vermeiden.
Ein Akt der Menschlichkeit, der die Bereitschaft zur Suche nach anderen Lösungen signalisiert, würde von allen Betroffenen mit großer Dankbarkeit und Erleichterung aufgenommen werden.
Es wäre ein wahrhaftes Zeichen, dass eine Koexistenz von Profit und Moral möglich ist.
 
Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen für Weihnachten und das neue Jahr

 

Die Schwerbehinderten des ICN/NCI und

Kolleginnen und Kollegen des Mitarbeiternetzes NCI