Quo vadis- wohin gehst du - Mobile Phones?
Siemens-Konzern Chef v.Pierer:
"Das Massengeschäft verstehen wir nicht"
"Das Massengeschäft verstehen wir nicht," so Siemens-Konzern Chef Heinrich von Pierer.
Die Übernahme der Leitung
von I&C durch den Konzernchef selbst verheißt für die MitarbeiterInnen möglicherweise
nichts Gutes. Wie die Wirtschaftswoche Nr. 35 vom 21.08.03 berichtet, könnte die
Zerschlagung von ICM bevorstehen. Insbesondere für Mobile Phones sieht es so aus, als ob
der Konzernchef sich von diesem Bereich, der die vorgegebenen Gewinnmargen weit verfehlt hat,
trennen möchte. Die Suche nach einem Partner oder Käufer geht weiter. Zur Zeit ist NEC im
Gespräch, aber auch die chinesischen Firmen TCL oder Ningbo Bird. Die MitarbeiterInnnen
sind beunruhigt, vor allem auch durch den Stellenabbau bei ICM N in der Martinstraße. Damit
ist der Stellenabbau von Mch H verdächtig nah an Mobile Phones herangeschwappt.
Der Sturm, der über I&C hinwegfegt flaut nicht ab; erst Massenentlassungen bei
ICN, die auch einige Mitarbeiter von IC Mobile erfasst haben, jetzt eine erneute
Welle des Stellenabbaus bei ICM N (Mobile Netze), verteilt auf mehrere Standorte.
Was kommt als Nächstes? Mobile Phones? Cordless Phones? Die Übernahme der Leitung
von I&C durch den Konzernchef selbst verheißt für die MitarbeiterInnen möglicherweise
nichts Gutes. Wie die Wirtschaftswoche Nr. 35 vom 21.08.03 berichtet, könnte die
Zerschlagung von ICM bevorstehen. Festnetzsparte (ICN) und Mobilfunktsparte
ICM könnten ganz oder in Teilen, etwa beim Servicebereich, aber auch vertrieblich, zusammengelegt werden. "So könnte Pierer weitere Kosten sparen", so
die Wirtschaftswoche. Mitarbeiter, die früher die Nutzung solcher Synergieeffekte
begrüßt hätten, beschleicht heute bei solchen Überlegungen ein flaues Gefühl.
Dieser Artikel in der Wirtschaftswoche und die Ergänzung dazu
im Manager Magazin 9/03 lässt die Belegschaft von ICM, insbesondere die von
ICM MP, Mobile Phones, aufschrecken. Wohin will der Siemens Konzern mit ihr gehen?
Oder geht er gar ohne sie? Diese Fragen stellen sich die Mitarbeitern erneut,
nach dem vor einem Jahr, der Verkauf an Motorola an ihnen vorübergegangen ist.
Es fällt auch bei Mobile Phones und Cordless Phones angesicht des erneuten
Stellenabbaus bei ICM N immer schwerer die Tatsache zu verdrängen, dass kein
Arbeitplatz mehr sicher ist. Der Stellenabbau in Mch H ist verdächtig nah an
diese Bereiche herangeschwappt. Die Martinstraße, wo Stellen abgebaut werden,
gehört zum gleichen Betrieb. Die Belegschaft ist unruhig und kann es trotzdem
nicht glauben und so erzeugen Artikel wie in der Wirtschaftswoche ambivalente
Gefühle: "Mich kann es nicht treffen, aber," so nagen die Zweifel inzwischen
"ist das wirklich so? Wird ein Verkauf oder ein Joint Venture von Mobile Phones
nicht alles verändern; die Entwicklung nach China gehen?" Still, und fast
ein wenig heimlich, wird darüber nachgedacht, wo der eigene Arbeitsplatz
einzuordnen ist. Auffällig ist auch, dass ausgerechnet jetzt etlichen Kandidaten
der 3. Stellenabbauwelle empfohlen wird, sich bei Mobile Phones zu bewerben.
Hier eröffnet sich beliebiger Interpretationsspielraum: Ist Mobile Phones sicher
oder dient es als Weg, Mitarbeiter elegant durch Verkauf oder Joint Venture los
zu werden? Diese Frage muss sich jeder selbst beantworten. Tatsache ist, es gibt
für Mitarbeiter von I&C heute kaum mehr Orientierungspunkte, die stabil sind, alles ist
im Fluss, in ständiger Bewegung. Bei Umorganisationen taucht unwillkürlich die
Frage auf: Werde ich umorganisiert, damit man mich leichter abbauen kann? Wenn
ich mich jetzt verändere, wechsle ich dann vielleicht in einen Bereich, der heute
sicher zu sein scheint, morgen aber neuen Abbaumaßnahmen unterworfen wird?
Und neu ist die Frage, die sich Mitarbeiter stellen: "Wie ist der Betriebsrat
dort, wo ich hingehen möchte, stark oder schwach?" Erkundigungen werden auch
über NCI darüber eingeholt. Ein unerwartetes Phänomen der Mitbestimmung über
betriebliche Belange. Bekommen Unternehmensteile mit schwachen Betriebsrat
mittelfristig Probleme bei der Besetzung ihrer Stellen mit ihren
Wunschkandidaten? Denn die Belegschaft hat begriffen, der einzige ruhende Pol
ist der Betriebsrat, allen voran der Betriebsrat Mch H. "Wenn schon abgebaut",
so ein Mitarbeiter, "dann am liebsten in Mch H; da hat man wenigstens
standhafte und kompetente Verbündete", und bei ICN in Mch H sind
z.Z die sichersten Arbeitsplätze, dank Kündigungschutz durch die
Arbeitszeitverkürzung, erstritten durch den Betriebsrat in zähen Verhandlungen.
Zurück zu den Plänen von Heinrich v. Pierer. Trotz Programmen zur Steigerung der Rentabilität, wie die Operation 2003 hängt die
gesamte Kommunikationssparte den hoch gesteckten Reditenzielen von 5 bis 11%
erheblich hinterher. In der Handysparte lag die Marge bei 0,8%, bei den IT
Dienstleistungen bei 1,3 Prozent. Die Festnetze verzeichneten ein Minus von 7,4%.
Ob Thomas Ganswindt den Turnaraound tatsächlich erreicht, bleibt spannend zu beobachten.
Besonders schlecht läuft es bei den Handys. Die Sparte verbucht einen Verlust von
42 Millionen Euro. Ohne Auflösung von Garantierückstellungen und weiterer
Sonderregelungen würde der Verlust sich auf 100 Millionen Euro erhöhen.
"Vom Massengeschäft verstehen wir nichts," sagte Heinrich v. Pierer auf einer
Betriebsversammlung in Perlach vor etlichen Wochen. Damit distanzierte sich der
Konzernchef das erste Mal von seinem Lieblingskind, den Handys.
Die Modehandys, Xelibris, scheinen kurz vor dem Aus zu stehen: "Wir haben das Modegeschäft
nicht verstanden," sagte George Appling, verantwortlich für das ehrgeizige Xelibri-Projekt, zur Wirtschaftswoche. Absatzzahlen will
er nicht nennen. Die Wirtschaftswoche interpretiert dieses Schweigen als:
Das Geschäft läuft nicht. Aber auch bei den klassischen Siemens Handys sieht es
nicht viel besser aus. Bei Vodaphones erfolgreichem Handyportal ist Siemens nicht
dabei. "Stattdessen," so die Wirtschaftswoche, "wählten die Briten Handyhersteller
wie Sharp und Panasonic, die 'technisch viel weiter sind,' sagte Markus René Lause,
Produktmanger von Vodaphone. Sein Kommentar zu Siemens: "Zu schlechte Displays
und keine integrierte Digitalkamera." Trotz Austausch von Führungskräften,
Meldungen von erhöhten Verkaufszahlen, ist der Vorsprung der Konkurrenz wohl kaum
aufzuholen.
Pierer würde den Bereich Mobile Phones am liebsten verkaufen. Doch dies gestaltet sich als
schwierig. Eine Neuauflage mit Motorola wird es nicht geben. Als Alternative
bleibt nur die Suche nach einem Partner. Zur Zeit ist der japanische Konzern NEC im Gespräch,
aber auch Partner im asiatischen Raum wie TCL oder Ningbo Bird.
Diese Firmen können preiswerter und schneller produzieren als Siemens und diese
Firmen haben hohes Interesse an den Vertriebskanälen der Siemens AG. Ein
"erhoffter Nebeneffekt", so die Wirtschaftswoche, "Ein chinesischer Partner
für Handys würde gleichzeitig den Aufbau von Mobilnetzen in China voranbringen."
"Die chinesischen Handy-Hersteller bringen konkurrenzfähige Produkte auf den Markt, und
das bei äußerst günstigen Herstellungskosten. Ihr Bedrohungspotential für die derzeitige
Hackordnung im weltweiten Handy-Marktanteil sollte nicht unterschätzt werden", meint auch
David Carey, President von Portelligent. (Näheres dazu in EETimes.de)
"Noch ist die Lage blutig", sagt ein Siemens-Berater
in der Wirtschaftswoche, "aber es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn es nächstes
Jahr nicht besser wird." Der Pakt mit dem Teufel war schon immer ein gefährlicher
Pakt, man erinnere sich an Gretchen in Goethes Faust, die dem Pakt des Faust mit
Mephisto zum Opfer fiel. Hoffentlich spielen nicht die Mitarbeiter die Rolle des Gretchens
in diesem Stück.
Infos und Links:
NEC:
"Sie sehen: Es gibt gute Gründe für eine erfolgreiche Zukunft mit NEC.
Starten Sie jetzt." Dieser Slogan scheint Heinrich v. Pierer zu gefallen:
Das Unternehmen
NEC Handys
Standorte
Ningo Bird
Ningo Bird
Chinesischer Handymarkt
China's Mobile Phone Industry to Be Boosted After WTO
Chinesische Handy-Hersteller fordern Nokia und Motorola heraus
(jp)