
Apr. 15, 04
Herrn xxx
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Sehr geehrter Herr xxx,
‚offshoring’, ‚outsourcing’, zu hohe oder zu niedrige Sozialstandards, - die Standortdebatte um Deutschland ist voll entbrannt. Die Großkonzerne gehen provokant in Drohgebärde über, indem sie die Verlegung von Arbeitsplätzen ins europäische Ausland und nach Übersee ankündigen. Offen werden Sozial- und Steuersysteme wie in China und Indien gegen Deutschland ausgespielt. Die Firma Siemens und insbesondere deren ITK-Geschäftsbereiche, die ihren Sitz in München haben, scheinen hier die Vorreiterrolle spielen zu wollen.
Wir, der NCI in der
Münchner Hofmannstraße ist ein loses Netzwerk von z.T. langjährigen,
hochqualifizierten Siemensangestellten aus Entwicklung, Marketing und Vertrieb,
das sich die Erhaltung der Arbeitsplätze am Standort – und in Deutschland - zum
Ziel gesetzt hat.
Die gegenwärtige Entwicklung
erfüllt uns mit tiefer Sorge, nicht nur wegen des unsensiblen Vorgehens der
Industrieverbände mit der Siemens AG als Speerspitze, sondern auch weil
wir keine adäquaten Antworten der Politik sehen. Die hilflose
Auslieferung von Konzernspitzen und Politik an die internationalen Finanzmärkte
scheint vollzogen. Das bisherige Erfolgsmodell: ‚Freie und Soziale
Marktwirtschaft’ wird diffamiert und aufgekündigt.
Deshalb und weil wir sicher sind, dass wir für die Ängste und Sorgen der großen Mehrheit der abhängig Beschäftigten sprechen, ersuchen wir um einen Gesprächstermin mit Ihnen Herr Sinner.
Wir sind der Überzeugung, dass
hier ein direkter Dialog Not tut. Es erscheit uns wichtig, dass die
Politik einen direkten Eindruck von den Bürgern gewinnt, - d.h., Informationen
aus erster, betroffener Hand über die Vorgänge in den Unternehmen und den
Standortzustand gewissermaßen aus der Sicht von ‚Unten’ und ‚Hinten’. Außerdem
würden wir gerne mit Ihnen über von uns ausgearbeitete Gegenmaßnahmen
diskutieren.
Bitte nehmen Sie Sich die Zeit
für uns, - wir haben was zu sagen.
Nichts geringeres als der Arbeitsplatz Deutschland steht zur Disposition
!!!
Mit freundlichen Grüßen
NCI Netzwerk Kooperative & Initiative
Artikel URL:
http://de.news.yahoo.com/040323/295/3y9jw.html
Dienstag 23. März 2004, 10:42 Uhr
Jeden Monat fallen
Tausende IT-Stellen weg
Hamburg (pte) - Die deutsche IT-Branche hat im vergangenen
Jahr insgesamt 70.000 Arbeitsplätze eingebüßt. Deutschland gerate als
Hightech-Standort gegenüber Ländern mit niedrigem Gehaltsniveau mehr und mehr
ins Hintertreffen, sagte IBM-Deutschland-Chef Walter Raizner http://www.ibm.de
gegenüber der Financial Times Deutschland (FTD). Offshoring, also die
Auslagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland, sei ein Thema für jede Industrie
und jede Branche, betonte Raizner. Gut ausgebildete Software-Entwickler
verdienen in Schwellenländern wie Indien, China, Rumänien oder Russland nur ein
Drittel des Gehalts eines deutschen Angestellten. Ein weiterer Grund für den
Arbeitsplatzabbau in Deutschland sind für Raizner die besseren
Rahmenbedingungen im Ausland: "Eine der Hauptursachen der Arbeitslosigkeit
sind die inflexiblen Arbeitsmarktgesetze." "Wenn wir da nicht
mitziehen, dann sind wir nicht wettbewerbsfähig, verlieren Marktanteile und
letztendlich einen Teil der Arbeitsplätze in Deutschland", verteidigte
auch SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann entsprechende Outsourcing-Pläne.
Bei der Auslagerung gehe es auch darum, von einem erwarteten Wachstum in einer
Region zu profitieren, betonte Siemens-ICN-Chef Thomas Ganswindt. Erst gestern,
Montag, waren Siemens-Pläne bekannt geworden, wonach die Zahl der Arbeitsplätze
in Deutschland "im fünfstelligen Bereich" reduziert werden soll.