Nokia-Siemens-Network
Zusammenfassung der Pressekonferenz
am 19.7.06, 11 Uhr
Überschrieben war die Pressekonferenz mit dem Slogan:
"Connecting People with a Global Network of Innovation"
In jeweils kurzen Statements des Siemens Vorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld und des
Nokia Vorstandsvorsitzenden Olli-Pekka Kallasvuo zu Beginn der Pressekonferenz wurde das
neue Joint Venture zwischen Nokia und Siemens in den höchsten Tönen gelobt. Diese
Euphorie der Vorstandsvorsitzenden zog sich durch die gesamte Pressekonferenz, teilweise
auch durch die Antworten auf kritische Fragen der Journalisten.
Klaus Kleinfeld prophezeite, dass das neue Joint-Venture zwischen Nokia und Siemens die
Telekommunikationsbranche verändern wird. Haupttriebkraft für Siemens, dieses Joint
Venture einzugehen sind die weltweite Liberalisierung, die rasante technische Entwicklung
und die technologische Konvergenz, insbesondere zwischen Festnetzen und Mobilen Netzen.
Produkte, Lösungen und Dienstleistungen kommen durch dieses Joint Venture zusammen. Als
letzten Grund nannte er den Wettbewerb auf den Markt und gab damit indirekt zu, dass
Siemens sich alleine nicht im Stande sieht, Com aus der Krise zu führen und
Markführerschaft zu erringen.
Kleinfeld sieht im neuen Unternehmen sehr große Chancen für die Zukunft: "Für die
Aktionäre ist das eine außerordentliche positive Entwicklung", sagte er. Das Unternehmen
stehe auf einer finanziell soliden Basis. Die Kundenstämme von Siemens und Nokia
ergänzten, es gäbe kaum Überschneidungen. Die Kunden hätten zum größten Teil äußerst
positiv auf das Joint Venture regiert. Es gäbe keine Probleme in der Bilanz, so Kleinfeld
weiter und dies unterscheide Nokia-Siemens Networks von den Wettbewerbern. "Ich bin
absolut überzeugt davon, dass wir die bestmögliche Lösung für Kunden, Mitarbeiter und
Aktionäre geschaffen haben." schloss Kleinfeld.
Zu Enterprise sagte Kleinfeld, dass Siemens für diesen Bereich eine gute Zukunft
sicherstellen möchte. Siemens stehe in Verhandlungen mit einzelnen Partnern. Wireless
Module, das mit 200 Mio. Euro eher als klein erachtet wird, wird in A&D integriert.
In der späteren Fragerunde wurde nochmals bzgl. Enterprise nachgefragt:
Für Enterprise werde eine Partnerschaft gesucht. Es geht eher in Richtung BenQ Lösung,
d.h. Verkauf, keine Eigenbeteiligung am neuen Unternehmen. Über den zeitlichen Rahmen ist
nichts bekannt.
Danach sprach der Vorstandsvorsitzende Nokia Vorstandsvorsitzenden Olli-Pekka Kallasvuo
von Nokia. Seinen Worten zufolge, ist dieses Joint Venture ein großer Meilenstein in der
Geschichte von Nokia. Damit wird Siemens und Nokia sofort zum führenden
Infrastrukturanbieter. Er sprach von globalen Ausmaßen, hob Siemens und seine Mitarbeiter
lobend hervor und meinte, dass durch diesen Zusammenschluss tiefstes Verständnis für die
Bedürfnisse der Kunden in End-to-End-Lösungen in Nokia Siemens Networks vorhanden ist.
Er stellte sich selbst die Frage, warum das neue Unternehmen erfolgreich sein werde. In
der Antwort bemerkte er zunächst, dass die Konkurrenz natürlich auch Ressourcen und hoch
qualifizierte Mitarbeiter hat, aber dieses Joint Venture sei einmalig und vorbereitet auf
die Konvergenz von Festnetzen und mobilen Netzen. Nokia Siemens Networks sei zwar etwas
kleiner als die beiden großen Wettbewerber, aber dies freue die Partner, weil das neue
Unternehmen dadurch die Haltung des Herausforderers annehmen wird. Letztendlich
entscheide der Kunde.
Dann wurde Olli-Pekka Kallasvuo konkreter, wechselte von seiner euphorischen
Ausdrucksweise zu konkreten Zahlen. Das neue Unternehmen berge eine umfangreiche
Kostensynergie von 1,5 Mrd. Euro bis 2010. Ob diese Synergieeffekte genutzt werden
können hängt vom ersten Jahr nach dem Start des Unternehmens (Closing) ab. Olli-Pekka
Kallasvuo glaubt weitere Synergieeffekte erzielen zu können. Erwartet werden ab sofort
zweistellige Ergebnismargen vor Restrukturierungskosen, ein sehr starker Cash Flow, d.h.
Nokia-Siemens wird schneller wachsen als der Markt, so die Erwartungshaltung. Mit Siemens
sei der richtige Partner zum richtigen Zeitpunkt gefunden worden.
Die Lobeshymne auf das neue Unternehmen ging weiter mit den Worten von CEO Simon
Beresford- Weyley von Nokia. Nokia-Siemens-Networks sei eine Gewinnerkooperation und wird
Marktführerschaft erreichen.
Nokia-Siemens-Networks sei im mobilen Bereich (70%) mit 300 Millionen Mobilfunkkunden und
Geschäftsverbindungen zu allen Hauptanbietern Nr. 2 auf dem Weltmarkt und im
Festnetzbereich (22%) Nr. 3. Im Festnetzbereich halte das Unternehmen 7 Prozent
Marktanteil in einem sehr fragmentierten Markt. Damit stehe das neue Unternehmen hinter
Erricson und liege mit Alcatel/Lucent gleich auf.
"Wir werden wunderbares Know How einbringen können. Wir haben hervorragende Stärken, ein
breites ausgewogenes Portfolio. Wir sind hervorragend aufgestellt. Der Transportbereich
von Siemens sei überwältigend, ganz fantastisch und kann sehr wirksam eingesetzt werden.
Im gleichen Ton der Begeisterung betonte er, dass die Aktionäre sagen jetzt schon, dass
noch zusätzliche Einsparungen möglich seinen. "Wir müssen an allen Ecken und Enden suchen.
" war seine Antwort auf diese Forderung.
90% der vorgesehenen Einsparung sollen in den ersten drei Jahren erfolgen. Insbesondere
in Forschung und Entwicklung, Verkauf, Marketing, Verwaltungskosten liege großes
Einsparungspotential. Die Herstellungskosten müssen um 45% gesenkt werden. Beide
Partner haben ein großes F&E Erbe. Beide Unternehmen haben hervorragende Mitarbeiter mit
"dem Glauben an Unternehmensverantwortung" Wir sind eine Gewinnerkombination.
Damit war die Einleitung durch das Management zu Ende. Die Fragerunde wurde eröffnet.
Dem aufstrebenden Unternehmen unterlief gleich zu Beginn ein technischer Fehler.
"Entschuldigung wir können sie hier vorne nicht hören!". Das Problem wurde jedoch sofort
behoben.
Die erste Frage bezog sich auf die Höhe der Restrukturierungskosten. Diese lägen bei
1,5 Mrd. Euro, wobei in den ersten zwei Jahren 1,7% aufgebraucht werden sollen.
Auf die Frage, welche Standorte in Deutschland und Finnland von der Restrukturierung
betroffen sein werden, gab es keine Auskunft. Bei Siemens seien insgesamt 32.000
Mitarbeiter, in Deutschland 11.000 Mitarbeiter betroffen. Auf Standorte sei noch nicht
herunter gebrochen worden. Betont wurde, dass auch wirklich jeder im Untenehmen davon
profitieren würde. Wie wurde nicht gesagt.
Fest steht jedoch, dass 10 bis 15 Prozent der Mitarbeiter abgebaut werden sollen.
Allerdings sollen so viele Mitarbeiter wie möglich versetzt werden. "Wir wissen noch
nicht, was in den nächsten sechs Monaten passiert.", hieß es.
Ein Scherz am Rande, eine Journalistin bemerkte u.a., dass Klaus Kleinfeld in Zukunft
wohl nicht mehr Nokia Handys in einem Glas Wasser ersäufen würde. Er versprach dies nie
wieder zu tun und empfahl Nokia ein wasserdichtes Handy zu entwickeln. Dann folgte erneut
eine Lobeshymne auf das Joint Venture, es sei ein historische Gelegenheit, die volle
Überzeugungskraft, die volle Motivation, und die Möglichkeit an dem Tempo, das heute
gefordert werde, heranzukommen, bestehe jetzt. Dies sei ein großartiger Tag. Die Frage
der Journalistin, warum Siemens und Nokia ein Joint Venture und kein Spin Off gewählt
haben, blieb unbeantwortet.
Die nächste Frage beschäftigte sich wieder mit der Restrukturierung. Wer ist davon mehr
betroffen Nokia oder Siemens. Beide Firmen bringen etwa die gleich Anzahl der Mitarbeiter in das Unternehmen ein. Der Journalist lies mitklingen, dass er erwarte, dass Siemens stärker von der Restrukturierung betroffen ist als Nokia.
Darauf gab es lediglich eine ausweichende, d.h. keine Antwort. Es sei eine 50:50
Partnerschaft, ein Finanztransfer erfolge nicht. Genau Zahlen könne man nicht nennen. Es
hänge auch sehr viel von der Kundenentwicklung ab.
Auf die Frage, ob ein Börsengang anstehe, wurde geantwortet mit "Über einen Börsengang zu
sprechen ist noch zu früh". Wieder brach der Stolz auf diesen Coup hervor: "Wir haben ein
Kind bekommen und das in drei Wochen". Diese Joint Venture mögen unsere Kunden,
Investoren und Mitarbeiter.
Ein Journalist stellte fest, dass die Besetzung des Managements sich stark Nokia zuneigt.
Die Hauptauswahlkriterien waren die Leistungen des einzelnen, wurde zur Antwort gegeben.
Wir wollten die besten für die jeweilige Funktion aus zwei erstklassigen Teams.
Die Frage, wer auf wen zugekommen ist, wurde nicht beantwortet, und mit dem Hinweis
abgetan, dass es nicht so wichtig ist in der Vergangenheit zu rühren.
Auf die Frage "Wer übernimmt die Umstrukturierungskosten von 1,5 Mrd." gab es zur
Antwort: Die neue Gesellschaft.
Ein Journalist wollte wissen: Welchen Wert, Vermögenswert, Unternehmenswert hat das neue
Unternehmen? Die Antwort dazu: Der Wert des neuen Unternehmens liegt in den Mitarbeitern.
Wir sind profitabeln vom Tag eins an. Wir erwarten, dass wir vom ersten Tag Cash Flow
haben.
Warum haben sie Ihr Joint Venture in den Niederlanden registriert?
Die Antwort: Es sei üblich diese Art von Unternehmen in den NL zu registrieren. Hier
herrschen einfache Transaktion bzgl. Zulassungen. Dann wurde nochmals darauf hingewiesen,
dass es kaum Überschneidungen auf der Kundenseite gibt. "Das begrüßen wir sehr".
Wie lange wird Com noch existieren?
Com wird bis zum Abschluss des Geschäfts existieren. Dies ist Ende des Jahres der Fall.
Die mobilen Anteile werden im Oktober übertragen. Die anderen Dinge möchte ich nicht
ansprechen.
Noch einmal sie Frage, wo stärker abgebaut werden soll. Schließlich habe Nokia hat die
stärkeren Margen.
Hier erfolgte lediglich der Hinweis auf das laufende Umstrukturierungsprogramm bei Com.
Das laufe sehr gut. Ansonsten wieder keine Aussage.
Gegen 12.04. kam der erlösende Hinweis auf das Buffet.
Autoren: Inken Wanzek
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