Ausgliederung Siemens Enterprise
23.11.06 Enterprise Geschäftsführer ausgeschieden
22.11.06 BenQ-Pleite verhindert Verkauf von Enterprise
18.11.06 Situation Enterprise
07.11.06 Kein Käufer für Enterprise in Sicht
29.08.06 Sicherheit von ATZ-Verträgen
28.08.06 Enterprise: Widersprechen oder nicht?
26.08.06 Was ist eine GmbH & Co. KG und Übersicht über bereits gegründete Gesellschaften
26.08.06 Enterprise Aufspaltung
26.08.06 Com- Betriebsübergänge: Widerspruchsfrist läuft seit heute
25.08.06 Enterprise: Abspaltung schon seit Juni geplant
21.08.06 Siemens Enterprise Communications Management GmbH gegründet
15.08.06 Steht Siemens vor dem Verkauf von SBS und Enterprise?
15.08.06 Pensionärsregelung aus bilanztechnischen Gründen abgelehnt
13.08.06 Enterprise-Interimsgesellschaft: GmbH gegründet
10.08.06 Betriebsvereinbarungen
07.08.06 Kein Übergangsmandat für den GBR
06.08.06 Überleitungsvereinbarung Enterprise
06.08.06 Vereinbarte Maßnahmen werden weitergeführt
05.08.06 IA-BA: Freigestellte Betriebsräte
03.08.06 Geplanter Versetzung zu Enterprise kann widersprochen werden
03.08.06 Interessenausgleich RD
03.08.06 Regelungen für Firmenwohnungen
03.08.06 Vereinbarung wird nicht mehr gelebt - so die Betriebsleitung
01.08.06 Widerspruch gegen die Versetzung zu Enterprise (Central Functions u.ä.)
31.07.06 Betriebsstruktur nach der Betriebsabspaltung von Com Carrier und Com Enterprise
30.07.06 Handlungsoptionen für Enterprise Mitarbeiter und Mitarbeiter von CF-Enterprise
30.07.06 Unklare Zukunft von Enterprise - eine Zumutung für die Mitarbeiter
22.07.06 Zukunft von Enterprise
20.07.06 Enterprise an Nortel verkauft?
16.07.06 Mögliche Auswirkungen eines Massenwiderspruchs gegen die Interimsgesellschaft
13.07.06 Nicht unter Zeitdruck setzen
16.07.06: Neuerstellung
InWaChRo-News: Donnerstag, 23.11.06
Enterprise: Geschäftsführer ausgeschieden
Bei der Neueintragung der Enterprise Communications Management GmbH am 14.8.06 ins
Handelsregister wurden Robert Streicher und Jörg Weber als Geschäftsführer eingesetzt.
Dazu kamen Anfang Oktober Reinhard Benditte, Andreas Bernhard, Gerhard Otterbach und
Thomas Zimmermann.
Am 27.10.06 sind laut Handelsregister Robert Streicher und Jörg Weber als Geschäftsführer
wieder ausgeschieden. Wir wissen nicht, wie das zu deuten ist, vielleicht kann uns das
jemand sagen. Allerdings wären sechs Geschäftsführer auch etwas übertrieben.
(cr)
InWaChRo-News: Mittwoch, 22.11.06
BenQ-Pleite verhindert Verkauf von Enterprise
Laut FTD sind die Verhandlungen über den Verkauf von Enterprise vorerst gescheitert. Siemens
und die Finanzinvestoren Permira und Appollo hatten monatelang verhandelt. Die vorgesehene
Struktur wäre so ähnlich wie bei BenQ gewesen, also Trennung von Kapital und Mitarbeitern.
Ein Ausschlachten von Enterprise wäre zu befürchten gewesen. Zusätzlich hätte Siemens
einen dreistelligen Millionenbetrag drauflegen müssen.
Das Aus bei den Gesprächen ist eine direkte Folge der BenQ-Insolvenz und der damit verbundenen
öffentlichen Diskussion über die soziale Verantwortung von Siemens. Auch die Verwicklung von
Siemens in die Korruptions- und Schmiergeldaffaire spielte dabei eine Rolle. Kleinfeld wollte
durch den Stopp des Verkaufs neuen Aufruhr vermeiden. "Nach dem Ärger mit BenQ hat Siemens
kalte Füße bekommen", hieß es in Verhandlungskreisen. Dabei dürfte wohl auch die im Januar
anstehende Vertragsverlängerung von Klaus Kleinfeld als Siemens Vorstandsvorsitzender eine
Rolle spielen. Ein neuer Skandal könnte sich darauf negativ auswirken.
Die Verkaufsgespräche gehen weiter, sagte ein Siemens Pressesprecher. Allerdings sind Permira
und Appollo nach Aussagen verhandlungsnaher Personen die letzten Interessenten gewesen. Cisco
beobacht lediglich. Ein Gebot erscheint wenig wahrscheinlich. Für das Scheitern der
Verhandlungen spricht auch, dass Klaus Kleinfeld auf der Jahrespressekonferenz am 9. November
nicht mehr wiederholt habe, Enterprise bis Jahresende zu verkaufen.
Es bleibt abzuwarten, was passiert, wenn der Vertrag von Klaus Kleinfeld verlängert wird.
Doch an diesem dürfte das Schicksal von Enterprise sich nicht entscheiden. Auch ein anderer
Vorstandsvorsitzender würde wohl den Verkauf von Enterprise vorantreiben, zumal Siemens sich
von der Telekommunikation verabschiedet hat. Doch den Mitarbeitern gibt es wenigstens einen
Aufschub.
Quelle: Börse-Online
(iw)
InWaChRo-News: Samstag, 18.11.06
Situation Enterprise
Auch bei Enterprise bemerkte Siemens in den FAQs, dass zusammen mit den Mitarbeitern auch
alle Vermögensgegenstände einschließlich der Patente in die Siemens Enterprise Communications
GmbH & Co. KG übergegangen sind. Die Zukunft von Enterprise können wir aber bisher dennoch
nicht einschätzen.
(cr)
InWaChRo-News: Dienstag, 07.11.06
Kein Käufer für Enterprise in Sicht
Bereits im Oktober berichteten Insider, der von der Deutschen Bank und Morgan Stanley
betreute Verkauf der Sparte verzögere sich. Laut einer Meldung von Reuters nehmen nun
auch die letzten Finanzinvestoren Abstand vom Kauf von Enterprise. Enterprise Networks
erwirtschaftete zuletzt mit rund 16.000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 3,5
Milliarden Euro.
Der Rückzug der Investoren dürfte zwei Gründe haben. Zum einem fürchten Investoren zum
derzeitigen Zeitpunkt ähnlich im Rampenlicht zu stehen wie BenQ, wenn sie bei Enterprise
harte Einschnitte vornehmen. Zum anderen nutzen sie den Imageverlust von Siemens, um den
Preis zu drücken. Statt eine Kaufpreis zu bieten, fordern sie ähnlich wie bei BenQ vor einem Jahr eine
Mitgift von mehreren Millionen Euro, um den operativen Verlust auszugleichen. Siemens
hatte BenQ Taiwan 413 Millionen Euro geschenkt, damit sie die Handysparte übernimmt.
Vorwürfe hagelt es auch aus dem Kreis der Aktionäre. Diese werfen Siemens vor, den acht
Milliarden Euro Deal mit den Finanzinvestoren Permira, Blackstone, Apollo Management L.P.
und Merrill Lynch zugunsten von Nokia Siemens Networks ausgeschlagen zu haben, der nur
einen Gesamtwert von sechs bis sieben Milliarden Euro hat.
Die Mitarbeiter von Enterprise sehen sich nach wie vor einer unklaren Zukunft gegenüber.
Das BenQ-Desaster gibt ihnen zwar einen Aufschub, doch dauerhaft wird es aber Enterprise nicht
vor einem Verkauf und damit harten Sanierungseinschnitten oder gar der "Ausschlachtung"
retten. Das Warten geht weiter. Jeder Monat ist ein Monat Gehalt. "Vielleicht schaffen
wir es ja noch ein Jahr", sagte ein Mitarbeiter. Die Stimmung bei Siemens Enterprise ist
nach wie vor am Nullpunkt. "Doch man versucht, so gut es geht, seinen Alltag zu leben und
nicht jeden Tag daran zu denken, was alles auf uns zu kommen könnte."
(iw)
Di, 29.08.06: Enterprise: Sicherheit von ATZ-Verträgen
Kollegen in der aktiven Phase der ATZ, die in die Siemens Enterprise Management
GmbH & Co. KG mit übergehen sollen, machen sich vermehrt Sorgen darüber, was mit
ihrem Vertrag, ihrer Betriebsrente passiert, wenn die neue Firma in Insolvenz geht.
Die Siemens Enterprise Management GmbH & Co. KG haftet, auch wenn sie den
Siemens-Konzern irgendwann einmal verlässt (dazu wäre aber erforderlich, dass ein
Käufer gefunden wird), mit ihrem gesamten Vermögen für die Forderungen der
Mitarbeiter. Wenn dieses Vermögen dafür nicht ausreicht, dann ist die Firma
insolvent und der Pensionssicherungsverein tritt für die bereits erworbenen
Betriebsrenten-Ansprüche ein. Darüber hinaus haftet Siemens nach §613a BGB
gesamtschuldnerisch mit der neuen Firma für alle Ansprüche der Mitarbeiter, die
vor dem Betriebsübergang entstanden sind und innerhalb eines Jahres nach dem
Betriebsübergang fällig werden. Genaueres zum Thema Betriebsrente könnt ihr hier
nachlesen: So, 16.07.06: Was passiert mit der Betriebsrente beim Betriebsübergang?
Die Kollegen möchten außerdem wissen, ob sie nicht sicherer sind, wenn sie dem
Betriebsübergang widersprechen.
Mitarbeiter in der aktiven Phase der ATZ riskieren bei einem Widerspruch gegen den
Betriebsübergang z.B. eine Versetzung zu einem weiter entfernten Standort (möglich
ist bei Tarif-Mitarbeitern: bayernweit, AT: deutschlandweit). Auch eine
betriebsbedingte Kündigung für Mitarbeiter in der aktiven Phase der ATZ ist möglich.
In diesem Fall sind die freien passenden Stellen bei der Siemens AG, die man nach
einer maximal 6-monatigen Weiterbildung ausüben könnte, ausschlaggebend für den
Kündigungsschutzprozess. Raten in Bezug auf einen Widerspruch im Fall von Enterprise
können wir leider nichts (siehe Artikel Mo, 28.08.06: Enterprise: Widersprechen oder
nicht?), da die Zukunft von Enterprise völlig offen ist.
Einen Vordruck für einen Widerspruch (auch danach werden wir gefragt), gibt es nicht.
Die wichtigsten Widerspruchsgründe gegen Versetzungen zu Enterprise bzw. gegen den
Betriebsübergang haben wir hier zusammengestellt: So, 30.07.06: Handlungsoptionen
für Enterprise Mitarbeiter und Mitarbeiter der Central Functions, die Enterprise
zugeordnet werden .
(cr)
Mo, 28.08.06: Enterprise: Widersprechen oder nicht?
Immer wieder kommen Anfragen besorgter Kollegen, die zu Enterprise gehören und die
wissen möchten, ob sie dem Betriebsübergang in die Siemens Enterprise Management
GmbH & Co. KG widersprechen sollen.
Um es vorweg zu sagen: Wir können Euch weder zu- noch abraten. Es muss allein eure
Entscheidung sein und es ist wie eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera.
Die Verhandlungen mit Nortel und Avaya, die zumindest eine gewisse Chance für eure
Zukunft bedeutet hätten, müssen gescheitert sein. Auch den erfolgreichen Verkauf an
einen möglichen anderen Käufer (KKR, Cisco) hätte man längst bekannt gegeben. Da
dies nicht geschehen ist, dürften auch diese Verhandlungen gescheitert sein,
vermutlich weil sich Klaus Kleinfeld ein weiteres finanzielles Geschenk in der Höhe
wie beim "Verkauf" von MD an BenQ nicht leisten kann. Eine Perspektive für Enterprise
sehen wir daher im Moment nicht.
Da in der beE nach unseren Informationen erst ca. 30 Mitarbeiter angekommen sind,
freiwillige Interessenten für die beE - egal woher sie kommen - generell abgewiesen
werden und auch eine Warteliste für die beE existiert, ohne dass die Mitarbeiter
wirklich in die beE wechseln dürfen, könnte man auf die Idee kommen, dass die
Entsorgung der Mitarbeiter kostengünstiger über die Enterprise-Ausgliederung
abgewickelt werden soll.
Welche Möglichkeiten habt ihr also?
- Ihr könnt eurem Übergang widersprechen. Es dürfte dann eine betriebsbedingte
Kündigung folgen. Ihr könnt dann versuchen, die Kündigungsschutzklage mit den
freien Stellen in der Siemens AG, auf die ihr ggf. nach einer maximal
6-monatigen Weiterbildungsmaßnahme passt, zu gewinnen. Dieser Weg ist jedoch
risikobehaftet.
- Ihr könnt in die neue Gesellschaft mitgehen und hoffen, dass euch euer
Arbeitsplatz noch eine Weile erhalten bleibt. Für wie lange das sein wird,
können wir Euch leider nicht sagen.
Eigentlich kann man auf einer solchen Grundlage, aus der Ungewissheit heraus, keine
Entscheidung treffen. Dennoch steht diese Entscheidung jetzt für euch an. Nur Siemens
wäre in der Lage, euch notwendigen Informationen zu geben. GBR und Betriebsrat müssen
aktiv von ihrem Informationsrecht Gebrauch machen und permanent beim Vorstand, bei
Klaus Kleinfeld, nachfragen. Fragt daher immer wieder beim Betriebsrat nach.
Wie auch immer ihr euch entscheidet, wir können euch nur raten, sofort mit Bewerbungen
bei anderen Unternehmen anzufangen.
Wir halten diese Nicht-Information durch Siemens und das Schweigen des GBR/BR für
unentschuldbar.
(iw/cr)
Sa, 26.08.06: Com: Was ist eine GmbH & Co. KG und Übersicht über bereits gegründete Gesellschaften
Um noch einmal zu veranschaulichen, was eine GmbH und eine KG ist, und wie aus den beiden
Gesellschaftsformen eine GmbH & Co. KG entsteht, haben wir das einmal
grafisch dargestellt.
Neu ins Handelsregister in Leipzig eingetragen wurde nun am 23.8.2006 die Siemens
Enterprise Communications Manufacturing GmbH & Co. KG. Welche Gesellschaften für die
Com-Übergänge inzwischen gegründet wurden geht aus unserer
zweiten Grafik hervor.
(cr)
Sa, 26.08.06: Enterprise: Aufspaltung
Zur Gründung zweier Enterprise-Interimsgesellschaften erreichte uns folgende, plausibel
erscheinende Theorie:
Vor kurzen wurde bei Com in Mch H der Bereich "Direct Touch" gegründet. Dieser Bereich
betreut die TOP 500 Kunden weltweit, also die großen Geschäftskunden, sog. Key Accounts.
Es könnte daher folgende Aufteilung erfolgen:
Leipzig - kompletter Mittelstandsbereich
München - ausschließlich die TOP-500 und die Key Account Kunden
(cr)
Fr, 25.08.06: Abspaltung schon seit Juni geplant
Wie wir berichteten, wurde im August sowohl in Leipzig, als auch in München eine Siemens
Enterprise Communications Management GmbH gegründet.
Heute erreichte uns die seltsame Nachricht, bei der am 9.8.06 in Leipzig ins
Handelsregister eingetragenen Firma handle es sich in Wirklichkeit um die Siemens
Enterprise Communications Manufacturing GmbH und diese wäre eine 100%ige Tochter der
Siemens Enterprise Communications Management GmbH. Sie wäre weiterhin nicht als persönlich
haftender Gesellschafter der Enterprise Communications Management GmbH & Co. KG vorgesehen.
Dies ist falsch. Genaue Nachforschungen im Zentralhandelsregister haben ergeben:
- Eine Siemens Enterprise Communications Manufacturing GmbH existiert nicht, es
gibt weder im Zentralhandelsregister, noch in einem sonstigen Handelsregister eine
Eintragung für diese Firma.
- Die in Leipzig neu gegründete Firma heißt Siemens Enterprise Communications
Management GmbH und ist daher namensgleich mit der in München gegründeten Firma.
Dies geht so aus den Handelsregistereinträgen vom 9.8.06 beim Amtsgericht Leipzig
und vom 22.8.06 beim Amtsgericht München hervor.
- Die Leipziger Firma kann schon allein deswegen nicht als 100%ige Tochter der
Siemens Enterprise Communications Management GmbH in München gegründet worden sein,
da sie zeitlich vor dieser entstanden ist.
- Der Gesellschaftsvertrag der Leipziger Siemens Enterprise Communications Management
GmbH wurde bereits am 8.6.06 abgeschlossen. Siemens hat also mit der
Enterprise-Ausgliederung bereits begonnen, bevor der Siemens-Nokia-Deal und der
geplante Verkauf von Enterprise, am 19.6.06 bekannt gegeben wurden.
- Laut Eintrag im Zentralhandelsregister ist die Leipziger GmbH ebenso wie die aus
München als persönlich haftende Gesellschafterin die Siemens Enterprise
Communications GmbH & Co. KG vorgesehen.
- Geschäftsführer der Leipziger Siemens Enterprise Communications Management GmbH
sind Klemens Frohnapfel und Axel Gebhardt
Da Siemens nicht umsonst zwei namensgleiche GmbHs mit dem gleichen Zweck gründet, ist davon
auszugehen, dass Enterprise entweder unmittelbar nach oder gleichzeitig mit dem
Betriebsübergang am 1.10.06 aufgespaltet wird. Da die Firmen ihren Sitz in Leipzig und
München haben, liegt es nahe, anzunehmen, dass der ostdeutsche Teil (Magdeburg, Berlin,
Cottbus, Dresden, Leipzig, Chemnitz und Erfurt) in die Leipziger Firma übergehen wird,
alle anderen Betriebe in die Münchner GmbH & Co. KG.
(cr)
Mo, 21.08.06: Enterprise: Siemens Enterprise Communications Management GmbH gegründet
Am 14.8.2006 wurde die Siemens Enterprise Communications Management GmbH unter der
Handelsregisternummer HRB 163415 beim Amtsgericht München eingetragen. Sitz der
Gesellschaft ist München, Hofmannstraße 51. Diese Gesellschaft soll der Komplementär,
also der persönlich haftende Gesellschafter der Siemens Enterprise Communications
GmbH & Co. KG (= Enterprise-Interimsgesellschaft) werden. Geschäftsführer der GmbH
sind Robert Streicher und Jörg Weber.
Wir fragen uns, warum die am 9.8.06 unter der Handelsregisternummer HRB 22594 beim
Amtsgericht Leipzig neu eingetragene Siemens Enterprise Communications Management GmbH
gegründet wurde. Zwei GmbHs für den gleichen Zweck werden nicht benötigt. Ist bereits
jetzt eine Aufspaltung der Enterprise-Interimsgesellschaft geplant?
(cr)
Di, 15.08.06: Steht Siemens vor dem Verkauf von SBS und Enterprise?
Die Presse tut mal wieder das, was Klaus Kleinfeld am meisten hasst. Sie spekuliert.
Siemens kommentiert wie immer: "Marktgerüchte kommentieren wir nicht".
Die Verhandlungen über den Verkauf von SBS und Enterprise können innerhalb weniger Wochen
abgeschlossen werden.
Im Falle von SBS sind Finanzinvestoren und Wettbewerber aus dem europäischen Ausland in
Diskussion. Doch auch bei SBS dürfte es wie bei der Handy Sparte eher ein großzügiges
Geschenk werden als ein klassischer Verkauf. Die Verkaufsgespräche drehen sich um die Höhe
der Zahlung, heißt es. "Wir sind operativ bei SBS auf gutem Wege", hatte der Konzernchef
erklärt. Warten wir ab wie hoch das Geldgeschenk ausfällt.
Bei dem bereits angekündigten Verkauf von Enterprise rechnet Siemens den Kreisen zufolge
mit einem Erlös von 1 bis 1,3 Milliarden Euro.
Artikel bei Finanznachrichten
(iw)
So, 13.08.06: Enterprise-Interimsgesellschaft: GmbH gegründet
Am 9.8.06 wurde unter der Handelsregisternummer HRB22594 beim Amtsgericht Leipzig die
Siemens Enterprise Communications Management GmbH neu eingetragen. Sie hat ihren Sitz
in der Hertzstraße 2 in 04329 Leipzig. Diese GmbH wird der Komplementär, also der
persönlich haftende Gesellschafter, der noch zu gründenden Enterprise-Interims- GmbH & Co.
KG sein.
(cr)
So, 06.08.06: Überleitungsvereinbarung Enterprise
Die Überleitungsvereinbarung von Enterprise ist nahezu identisch zu der von Siemens Carrier
GmbH &Co.KG.
Übersicht Betriebsvereinbarungen
Überleitungsvereinbarung Enterprise
(iw)
Do, 03.08.06: Geplanter Versetzung zu Enterprise kann widersprochen werden
Wie heute auf der Mitarbeiterversammlung in der Hofmannstraße gesagt wurde, beabsichtigt
Siemens die Versetzungslisten für die Mitarbeiter der Central Functions nächste Woche beim
Betriebsrat abzugeben. Erstmal zur Klarstellung: im Gesetz gibt es den Begriff
Sammelversetzung nicht, es handelt sich bei den Versetzungen um personelle Einzelmaßnahmen.
Wenn der Betriebsrat diesen "Sammel-Versetzungen" zustimmt, hat er von seinem
Mitbestimmungsrecht bereits Gebrauch gemacht und kann nachträglich nicht mehr
widersprechen, wenn ihr das dann tut.
Falls man euch also bereits mündlich mitgeteilt habt, dass ihr zu Enterprise versetzt
werden sollt, und ihr dieser Versetzung widersprechen wollt, dann solltet ihr nicht damit
warten, bis ihr eure Versetzung (Siemens sagt dazu Zuordnung) schriftlich mitgeteilt
bekommt. Dann hat der Betriebsrat nämlich bereits zugestimmt. Ihr könnt bereits jetzt der
geplanten Versetzung mit den bereits genannten Gründen widersprechen.
Bitte meldet Euch beim Betriebsrat (APA = Ausschuss für personelle Angelegenheiten),
wenn ihr widersprechen wollt, denn nur wenn er dies weiß, wird er widersprechen.
(cr)
Di, 01.08.06: Widerspruch gegen die Versetzung zu Enterprise (Central Functions u.ä.)
Wenn Mitarbeiter die Enterprise zugearbeitet haben (z.B. Central Functions) ihrer
Versetzung zu Enterprise widersprechen (Widerspruchsgründe hier),
dann passiert ihnen nichts. Widerspricht auch
der Betriebsrat der Versetzung seid ihr nicht versetzt, bleibt also bei der Siemens AG.
Stimmt er der Versetzung zu, seid ihr versetzt.
Verweigert der Betriebsrat seine Zustimmung, wird Siemens versuchen euch nach
§100 BetrVG
dennoch zu versetzen. Siemens muss sich aber dann innerhalb von 3 Tagen die Zustimmung zu
eurer Versetzung vom Arbeitsgericht ersetzen lassen.
Nach unserer Einschätzung ist es unwahrscheinlich, dass Siemens diese Zustimmung erhält,
denn es droht Arbeitsplatzverlust . Dies ist durch den IA/SP zum Stellenabbau bei Com
nachweisbar. Das Gericht könnte zwar argumentieren, die Bedrohung durch eine Kündigung sei
auch bei Siemens gegeben. Bei Siemens gibt es aber vergleichbare freie Stellen für die
Mitarbeiter der Central Functions. Freie Stellen gibt es in der neuen Enterprisegesellschaft jedoch nicht, da diese von Anfang an Personal abbaut. Außerdem ist die Gefahr gekündigt zu werden gerade beim angekündigten Verkauf an einen Finanzinvestor extrem hoch.
Die "weiche" Nicht-Kündigungszusage bis 9'2009 können Siemens / GBR höchstens für die
Interimsgesellschaft zusagen. Sie gilt nicht für die Gesellschaft, an die die Enterprise
GmbH verkauft wird.
Angesichts der unklaren Lage von Enterprise sind - abhängig vom Käufer - die Chancen,
seinen Arbeitsplatz zu behalten bei Siemens höher.
Wir appelieren daher nochmals an Siemens, den Betriebsübergang für Enterprise auszusetzen
bis die Zukunft von Enterprise geklärt ist.
(cr)
So, 30.07.06: Handlungsoptionen für Enterprise Mitarbeiter und Mitarbeiter der Central Functions, die Enterprise zugeordnet werden
Begreiflicherweise sind die Mitarbeiter der Central Functions (CF), die Enterprise zugeordnet
werden genauso beunruhigt wie die Enterprise Mitarbeiter selbst. Unter CF fassen wir im
Folgenden alle Mitarbeiter zusammen, die zu Enterprise versetzt werden.
Welche Möglichkeiten habt ihr, um die Gefahr des Arbeitsplatzverlustes zu mindern. Leider
müssen wir sagen: Ihr müsst eine Risikoabschätzung vornehmen.
Alle: Welche Möglichkeiten zu handeln habt Ihr prinzipiell?
- CF: Ihr und der Betriebsrat könnt begründet der Versetzung zu Enterprise widersprechen,
denn es liegen Widerspruchsgründe gegen die Versetzung eindeutig vor.
- Alle: Ihr könnt dem Betriebsübergang in die neue Enterprise-Gesellschaft widersprechen.
Auch hier liegen anerkannte Widerspruchsgründe vor
CF: Widerspruch gegen die Versetzung
Es liegen für Euch und den Betriebsrat folgende Widerspruchsgründe gegen die Versetzungen
vor:
- §99 II Nr. 3 BetrVG: Der Arbeitnehmer ist durch die Versetzung von Kündigung bedroht,
da im IA/SP, Personalabbau angekündigt ist. Auch Mitarbeiter ohne blauen Brief
sind davon bedroht, denn im Falle von Kündigungen muss der AG eine Sozialauswahl
treffen, wie immer die aussieht.
- §99 II Nr. 4 BetrVG: Der Mitarbeiter wird durch diese Maßnahme benachteiligt, ohne
dass dies aus betrieblichen oder in der Person des AN vorliegenden Gründen
gerechtfertigt ist, wenn er z.B. bisher nur 40% für Enterprise gearbeitet hat,
aber 60% für Carrier gearbeitet hat. Es ist nicht einzusehen, warum ausgerechnet
er dorthin gehen soll. Das wäre Willkür. Eine Sozialauswahl wäre erforderlich.
- §99 II Nr. 5 BetrVG: Eine nach §93 erforderliche Ausschreibung der Stelle im Betrieb
ist unterblieben
Mitarbeiter und BR können aus diesen Gründen widersprechen.
Bitte teilt dem Betriebsrat mit, wenn Ihr Eurer Versetzung zur Einheit Enterprise
widersprechen wollt.
CF: Was wird nach einem Widerspruch gegen die Versetzung passieren?
Der Arbeitgeber wird nach §100 BetrVG die Maßnahme vorläufig durchführen, bevor der
Betriebsrat sich (innerhalb von 3 Tagen) geäußert oder wenn dieser die Zustimmung
verweigert hat. Stimmt der Betriebsrat der Versetzung zu oder äußert er sich innerhalb
der gesetzlichen Frist nicht, dann ist der Arbeitnehmer versetzt.
Verweigert der Betriebsrat seine Zustimmung, dann hat der Arbeitgeber den Arbeitnehmer
über die Sach- und Rechtslage aufzuklären (§100 I 2 BetrVG). Außerdem muss der Arbeitgeber
den BR informieren.
Wenn der Arbeitgeber die Zustimmung vom Arbeitsgericht nicht bekommt, dann bleibt der
Arbeitnehmer dort, wo er ist. Bekommt der Arbeitgeber die Zustimmung des Arbeitsgerichts,
dann ist der Arbeitnehmer versetzt. Der Arbeitnehmer kann aber trotzdem gegen die
Versetzung klagen, denn obiger Gang zum Gericht bezieht sich nur auf die fehlende
Zustimmung des Betriebsrats.
Alle: Widerspruch gegen den Betriebsübergang
- CF: Schwebendes Verfahren gegen die Versetzung (wenn man innerhalb von 3 Wochen
Klage gegen die Versetzung erhoben hat oder die Zustimmung noch nicht ersetzt ist)
- Alle: Gefahr des baldigen Verlustes des Arbeitsplatzes, begründet durch IA/SP
- Alle: Je nach finanzieller Ausstattung des neuen Unternehmens: ggf. schlechte Bonität
der neuen Firma
Alle: Risikoabwägung
CF: Chance bei Widerspruch gegen Versetzung und Betriebsübergang:
Der Mitarbeiter bleibt nach beiden Widersprüchen in der Siemens AG. Da anerkennenswerte
Widerspruchsgründe gegen den Betriebsübergang vorliegen, muss der Arbeitgeber eine
Sozialauswahl über den Restbetrieb machen. Diese kommt im Falle der Mitarbeiter der
Central Function zum Tragen, wenn es im Restbetrieb Mitarbeiter gibt, die eine ähnliche
Arbeit machen und in auf gleichen Hierarchiestufe stehen. Zwischen AT und Tarif wird hier
nicht unterschieden, sondern nur zwischen Chef und Mitarbeiter.
Muss der Arbeitgeber eine Sozialauswahl durchführen und kommt diese auch zum Tragen, dann
stehen die Chancen gut, einen Kündigungsschutzprozess zu gewinnen. Es ist fraglich, ob der
Arbeitgeber dann kündigt.
Alle: Chance ohne Widerspruch gegen die Versetzung, aber mit Widerspruch gegen den Betriebsübergang:
Ähnlich wie oben. Allerdings fehlt als Widerspruchsgrund das "schwebende Verfahren". Da
aber andere Widerspruchsgründe vorhanden sind, ist dies kein entscheidendes Kriterien.
Es ist für einen Richter nur klarer ersichtlich, dass der Mitarbeiter um seinen Arbeitsplatz
fürchtet, wenn er der Versetzung in einen gefährdeten Bereich widersprochen hat und ggf.
Klage erhoben hat.
Enterprise Mitarbeiter, für CF-Mitarbeiter dürfte es einfacher sein, müssen sich jedoch Gedanken darüber machen, ob es
im Siemens Restbetrieb noch vergleichbare Mitarbeiter gibt. Nur dann kommt die Sozialauswahl
zum Tragen.
Für alle bleiben die freien Stellen in der Siemens AG, mit denen man einen
Kündigungsschutzprozess gewinnen kann.
CF: nur Widerspruch gegen die Versetzung:
In diesem Fall macht man den Betriebsübergang mit. Man befindet sich dann in der neuen
Einheit mit dem kompletten Kündigungsrisiko.
Alle: Chance bei Übergang ohne Widersprüche:
Dies ist nicht abschätzbar, solange der Verkäufer nicht bekannt ist. Sowohl bei einem
Finanzinvestor als auch bei Cisco schätzen wir das Risiko des Arbeitsplatzverlustes hoch
ein. Bei Nortel, Avaya oder vergleichbaren Partnern hättet ihr unserer Einschätzung nach
eine Chance. Aber diese Einschätzung müsst ihr selbst treffen, nicht blind unserer Analyse
folgen. Wir arbeiten nur wie die Börsen-Analysten, wir geben aus unserer Erfahrung heraus
diese Analyse der Situation als Grundlage für eure Entscheidung ab.
Alle: Was konkret tun?
- CF: Mitarbeiter der Central Functions sollten der Versetzung vorsorglich
widersprechen, der BR natürlich auch. Damit ist dieser Punkt zumindest mal
gesichert. Wenn man später mitgehen will, kann man das.
- CF: Wenn ihr Klage gegen die Versetzung erheben wollt, müsst ihr das innerhalb von
drei Wochen tun. Nutzt aber diese drei Wochen. Wartet ab (auch wenn es zermürbend
ist), ob die Zukunft von Enterprise geklärt ist. Wenn nach diesen drei Wochen immer
noch unklar ist, wer der Käufer ist oder sich herausstellt, dass der Käufer ist eine
Katastrophe für die Arbeitsplätze, dann könnt ihr Klage gegen die Versetzung
einreichen. Muss nicht unbedingt gemacht werden, es entfällt dann nur der
Widerspruchsgrund "schwebendes Verfahren". Im Falle eines Kündigungsschutzprozesses
mit der Siemens AG kommt auch der Widerspruch ohne Klageerhebung zum Tragen.
- Alle: Informiert der Arbeitgeber die Mitarbeiter umfassend unter genauer Darstellung
der wirtschaftlichen Folgen beginnt die Vier-Wochenfrist für den Widerspruch zu
laufen. Nutzt auch diese vier Wochen, um abzuwarten, ob bzgl. Enterprise eine
Entscheidung fällt.
Fraglich ist sowieso, ob Siemens euch umfassend informieren kann, denn:
- Siemens kündigt an, dass Enterprise abgestoßen wird. Siemens kann Euch aber nicht
sagen kann, an wen. Damit sind die wirtschaftlichen Folgen für Euch unklar. Damit
seid ihr nicht vollständig unterrichtet
- Darüber hinaus muss Siemens alle verborgenen Protokollnotizen offen legen, ansonsten
seid ihr nicht vollständig unterrichtet.
Wenn ihr nicht umfassend informiert seid, beginnt die Widerspruchsfrist nicht zu laufen.
Dann nämlich könntet ihr noch nachträglich dem Betriebsübergang widersprechen. Wir gehen
davon aus, dass ein Gericht - insbesondere unter den gegebenen Umständen - unserer
Einschätzung folgt.
Zusammenfassung
Die überaus unklare Situation von Enterprise empfiehlt es für die CF-Mitarbeiter nach
individueller Überlegung, einer Zuordnung (Versetzung) zu Enterprise zu widersprechen.
Dies muss unverzüglich erfolgen. Teilt dem Betriebsrat mit, dass ihr der Versetzung
widersprecht, damit auch er widersprechen kann.
Wartet die Zeit bis zum Betriebsübergang ab. Eventuell klärt sich dann die Situation bzgl.
Enterprise
Siemens hat Schwierigkeiten, Euch (alle Enterprise MA+CF) ohne Nennung des Käufers,
vollständig und umfassend über die wirtschaftlichen Folgen des Betriebsübergangs zu
informieren. Ihr seid auch nicht vollständig informiert, wenn Siemens Protokollnotizen
zurückhält. Damit läuft die Widerspruchsfrist nicht und ihr könnt dem Betriebsübergang
auch noch nachträglich widersprechen.
(iw)
So, 30.07.06: Unklare Zukunft von Enterprise - eine Zumutung für die Mitarbeiter
Die Zukunft von Enterprise ist nach wie vor im Dunkeln. Die Siemens AG äußert sich dazu
nicht. Auch auf der Siemens Pressekonferenz wich die Konzernleitung den drängenden Fragen
der Journalisten aus.
Für die Journalisten ging es nur um einen Artikel in der Zeitung für die Siemens Enterprise
Mitarbeiter geht es um ihre Zukunft. Wir wissen, wie sehr die unklare Situation an den
Nerven der Kolleginnen und Kollegen zerrt. Siemens ist das egal. Wichtig scheint für den
Konzern nur zu sein, dass Klaus Kleinfeld zum 01.10.06 der Presse mitteilen kann: Ich habe
das Com Problem gelöst. Was mit den Mitarbeitern passiert ist ihm offensichtlich egal.
Wir fordern die Aussetzung der Enterprise Betriebsabspaltung und die Aussetzung des
Betriebsübergangs
Wir fordern die Siemens AG auf, Verantwortung für die Mitarbeiter zu übernehmen.
Verantwortung für die Mitarbeiter von Enterprise zu zeigen, bedeutet, die Betriebsabspaltung
und die Überführung in eine Interims-Gesellschaft solange auszusetzen bis die Zukunft von
Enterprise geklärt ist.
Analyse der Situation auf Basis spärlicher Fakten
Siemens zwingt uns in die Arbeit von Analysten. Ähnlich wie Finanzanalysten, die aufgrund
der Marktbeobachtungen und vieler einzelnen Indizien, eine Prognose für die Entwicklung
einer Firma abgeben, können wir Euch zu diesem Zeitpunkt bzgl. Enterprise nur mit einer
Prognose dienen, der wir die uns bekannten Fakten, Indizien und Erfahrungen zugrunde legen..
Diese Analyse kann Euch Eure Entscheidung nicht abnehmen. Wir betonen dies ausdrücklich.
Fakten und Indizien
- Klaus Kleinfeld sagte in der Pressekonferenz, dass man mit mehreren Partner sprechen
würde. Auf die Nachfrage ob Nortel dabei sei, gab es keine Antwort.
- Die einzige Aussage, die Siemens bzgl. Enterprise auf der Pressekonferenz traf,
war, dass die Restrukturierungskosten von Com im 2. Halbjahr des Geschäftsjahres
im wesentlichen bei Enterprise anfallen.
- Wir wissen, dass mit Nortel, Avaya, KKR, Cisco und Huawei bereits verhandelt wurde.
Diese geht aus Informationen in der Presse Anfang Juli hervor.
- Uns wurde mitgeteilt, dass Siemens zurzeit mit nur noch zwei Partnern verhandelt,
von denen einer ein Finanzinvestor sei. Wie gesichert diese Information ist, ist
schwer einzuschätzen.
- In der Protokollnotiz zur Überleitungsvereinbarung Enterprise, Punkt 9:Anteilsverkauf
heißt es: "Die Firmenseite erklärt, dass es sich bei einem Anteilsverkauf
(share-deal) nicht um einen Betriebsübergang handelt." Ebenso ist in der Präambel
der Überleitungsvereinbarung von einem Anteilsverkauf die Rede: "Für die
übertretenden Mitarbeiter des Tarifkreises gelten die folgenden Regelungen, die von
dem geplanten Anteilsverkauf unberührt bleiben"
Was kann man daraus schließen?
Die Verhandlungen mit Nortel und Avaya sind vermutlich gescheitert. Würde Siemens mit
diesen Partnern noch weiter verhandeln, dann hätte Klaus Kleinfeld auf der Pressekonferenz
am 27.07.06 ziemlich sicher auf die Fragen der Journalisten, insbesondere auf die Nachfrage,
ob mit Nortel noch verhandelt wird, geantwortet, die Verhandlungen laufen noch, schließlich
war allen bekannt, dass mit Nortel und Avaya verhandelt wurde. Das hat er nicht getan. Die
Fragen waren ihm und Joe Kaeser sichtlich unangenehm. Man gewann den Eindruck, dass sie von
einem Erfolg weit weg sind.
Die zweifache Erwähnung des Shared Deals in der Protokollnotiz zur Überleitungsvereinbarung
von Enterprise (auf die wir in den nächsten Tagen noch näher eingehen) spricht gegen einen
Verkauf und eine Eingliederung von Enterprise in ein bestehendes Unternehmen. Dieses würde
nämlich einen Betriebsübergang bedingen. Das wiederum spricht gegen einen Verkauf an Nortel,
Avaya oder Huawei. Verbleiben von den bekannten Verhandlungspartnern KKR und Cisco. Cisco
ist stark auf dem Gebiet der privaten Netzwerke, also auf dem Geschäftsfeld von Enterprise.
Cisco setzt aber auf andere Technologie. D.h Cisco könnte Enterprise aufkaufen wollen, um
lediglich die Marktanteile zu übernehmen. Wäre dies der Fall ist zu vermuten, dass dies
viele Arbeitsplätze kosten wird. Nicht viel besser dürfte es für die Arbeitsplätze im Falle
von KKR aussehen. Finanzinvestoren wollen eine schnelle Rendite sehen, auch wenn es sich
nicht um Hedge Fond handelt.
Was kann man tun?
Unter diesen unklaren Voraussetzungen muss man sich Handlungsoptionen überlegen. Wir werden
dies gemeinsam mit Euch tun.
Wesentlich dabei ist, nicht in Panik zu verfallen, sondern, die Zeit, die das ganze
Verfahren bietet, zu nutzen.
Für den Eintritt in die beE gilt nach wie vor, die eingehende Prüfung der Frage: Droht mir
Hartz IV. Wenn ja, ist das ein Worst Case. Denn dann hat man sich mit dieser
beE-Entscheidung mit Sicherheit ins Aus geschossen.
Jeden Tag kann es zu einer Entscheidung bzgl. Enterprise kommen. Daher
Trefft keine übereilten Entscheidungen!
Wir betonen nochmals, dass es sich hier um eine Einschätzung der Lage handelt. Wenn Siemens
nicht möchte, dass wir diese Überlegungen anstellen, sollen sie Klarheit für die
Mitarbeiter schaffen, entweder durch Aussetzung der Enterprise-Abspaltung oder zumindest
durch Offenlegung des Verhandlungsstandes.
(iw)
Sa, 22.07.06: Zukunft von Enterprise
Wie wir aus zahlreichen E-Mails entnehmen können, sind die Enterprise-Kollegen und die
Kollegen aus den Zentralstellen in großer Sorge über ihre Zukunft. Durch die fehlende
Kommunikation schwindet das Vertrauen in die Zukunft von Enterprise immer mehr. Diese
Sorge ist verständlich. Viele Kollegen der Central Functions denken daher über einen
Widerspruch gegen die Versetzung zu Enterprise nach, da sie zwar bei Carrier eine
Zukunft für sich sehen, nicht jedoch bei Enterprise.
Wie wir bereits am 20.7.06 berichteten, gibt es Hinweise darauf, dass der Verkauf von
Enterprise bereits abgeschlossen wurde. Wir gehen davon aus, dass der Aufsichtsrat in
seiner am Mittwoch stattfindenden Sitzung diesem Verkauf zustimmen wird. Die
Bekanntgabe des Verkaufs dürfte dann in einer Pressekonferenz am 27.7.06 stattfinden.
Die Verhandlungen zum Interessenausgleich / Sozialplan (IA/SP) zur Betriebsaufspaltung
am 1.8.06 werden nächste Woche stattfinden.
Die Mitarbeiter sollten die voraussichtliche Bekanntgabe des Verkaufes am 27.7.06 und
den Abschluss des IA/SP abwarten, bevor sie irgendwelche Entscheidungen treffen.
(cr/iw)
Do, 20.07.06: Enterprise an Nortel verkauft?
Seit Tagen bekommen wir von unterschiedlichen Seiten Hinweise darauf, dass der Verkauf
von Enterprise abgeschlossen ist. Als wahrscheinlicher Käufer wird Nortel genannt.
Diese Information ist jedoch nicht gesichert. Da wir wissen, dass ihr wie auf heißen
Kohlen sitzt, wollten wir euch diese Information vorab zukommen lassen. Bis Ende des
Monats, voraussichtlich am 27.7.06 soll der Käufer von Siemens bekannt gegeben werden.
(iw/cr)
So, 16.07.06: Mögliche Auswirkungen eines Massenwiderspruchs gegen die Interimsgesellschaft
Viele Enterprise-Mitarbeiter befürchten, in der Interimsgesellschaft entsorgt
zu werden. Sie hoffen, dass es einen Weg gibt, bei Siemens bleiben zu können
und Siemens selbst würde dann Enterprise sanieren oder wenigstens an ein
Unternehmen verkaufen, in dem sie eine Zukunft haben. Der Widerspruch gegen
den Betriebsübergang in die Interimsgesellschaft, insbesondere da er ja
begründet erfolgen kann (drohender Arbeitsplatzverlust), scheint Vielen das
geeignete Mittel zu sein.
Angenommen, ein großer Teil der Enterprise-Mitarbeiter widerspricht dem
Betriebsübergang in die Interimsgesellschaft.
Dann scheitert der Betriebsübergang in die Enterprise-Interimsgesellschaft.
Enterprise bleibt zunächst bei der Siemens AG. Das wäre natürlich mit einem
erheblichen Imageverlust für Siemens und für Klaus Kleinfeld persönlich
verbunden. Man kann also davon ausgehen, dass er nicht besonders erfreut
reagieren würde.
Klaus Kleinfeld hat keine Geduld zu sanieren. Es ist daher unwahrscheinlich,
dass er den Widerstand der Belegschaft dadurch belohnt, dass Siemens den
Enterprise-Bereich selbst saniert. Das wäre ein völliger Gesichtsverlust für
Kleinfeld. Er würde damit einen Präzedenzfall schaffen und könnte auf
absehbare Zeit keinen anderen Bereich mehr verkaufen.
Klaus Kleinfeld wird versuchen Enterprise schnellstmöglich an Avaya oder
Nortel, mit denen ja schon Verkaufsverhandlungen stattfinden, zu verkaufen,
um eine Schadensbegrenzung zu erreichen. Diese Verkaufsverhandlungen könnten
jedoch daran scheitern, dass keiner einen Betrieb haben möchte, in dem
größere Unruhe herrscht.
Klaus Kleinfeld schreckt auch nicht davor zurück, unter größeren Verlusten
für Siemens zu verkaufen, wie wir am Beispiel MD gesehen haben. Falls die
Verhandlungen mit Avaya und Nortel scheitern wird er versuchen, Enterprise
schnellstmöglich abzustoßen. Widerstand aus dem Aufsichtsrat ist aufgrund der
schwierigen Situation dann nicht mehr zu erwarten.
Ein Verkauf an Finanzinvestoren wie KKR (Kohlberg, Kravis, Roberts & Co.),
mit der bereits verhandelt wird, ist dann wahrscheinlich. Eine Ausschlachtung
von Enterprise mit der Vernichtung vieler Arbeitsplätze könnte die Folge sein.
Dadurch, dass die Enterprise-Mitarbeiter nicht wissen, wie ihre Zukunft
aussieht, wenn sie in die Interimsgesellschaft übergehen, könnten sich viele
für einen Widerspruch entscheiden.
Siemens sollte daher den Übergang der Enterprise-Mitarbeiter in die
Interimsgesellschaft aussetzen, solange bis bekannt ist, an wen Enterprise
verkauft wird.
Aufgrund von Hinweisen aus internen Kreisen haben wir die Hoffnung, dass der
(uns noch nicht bekannte) Käufer bereits gefunden ist und dies von Siemens
bis Ende Juli bekannt gegeben wird.
(iw/cr)
Do, 13.07.06: Nicht unter Zeitdruck setzen
Die Enterprisekollegen mit "blauen Briefen" haben Zeit bis 31.10.06
(Achtung auf Konditionen achten) zu überlegen, ob sie
in die beE gehen wollen oder nicht. Bis dahin ist vielleicht näheres über einen möglichen
Verkauf bekannt, sodass man eine bessere Entscheidungsbasis hat. Alle Enterprise-Kollegen
haben ab der Unterrichtung über den Betriebsübergang (ca. Ende August) 4 Wochen Zeit zu
überlegen, ob sie widersprechen wollen. Auch hier sollte man diese Frist ggf. ausnutzen um
zu sehen, wie es mit Enterprise weitergeht.
Setzt euch nicht selbst unnötig unter Zeitdruck!
(cr)
Autoren: Inken Wanzek, Christine Rosenboom
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