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01.06.07   Mitarbeiter haben Arbeit wieder aufgenommen
29.05.07   Mitarbeiter mit schwarzen Sheriffs aus dem Betrieb eskortiert
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InWaChRo-News: Freitag, 01.06.07

Bartsch GmbH: Mitarbeiter haben Arbeit wieder aufgenommen
Wie wir am 29.05.07 berichteten wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bartsch GmbH unter Einsatz von Schwarzen Sheriffs aus dem Firmengelände begleitet, nachdem unmittelbar zuvor die Betriebsschließung des Standorts Ottobrunn bekannt gegeben worden war.

Die Gewerkschaft ver.di, die der Betriebsrat eingeschaltet hatte, hat den Kolleginnen und Kollegen geraten ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Dies haben sie inzwischen getan. Damit konnte verhindert werden, dass die Mitarbeiter isoliert und voller Angst zu Hause von jeglicher Information abgeschnitten sind. Weiter ist es nur so möglich, zu beobachten, was mit den Aufträgen und Maschinen, die nach Polen ausgelagert werden sollen, passiert. Betriebsbedingte Kündigungen wurden bisher noch nicht ausgesprochen.

Die Geschäftsleitung bewegte sich inzwischen auch auf den Betriebsrat zu. Am 4.6. ist auf Wunsch der Geschäftsleitung ein Gespräch mit dem Betriebsrat angesetzt. Ein Vertreter von ver.di wird auf Wunsch des Betriebsrats daran teilnehmen. Die Geschäftsführerin Frau Kahlenberg ist diese Woche abgetaucht.

Am 6.6.07 wird eine Betriebsversammlung für die Mitarbeiter stattfinden.
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 29.05.07

Mitarbeiter mit schwarzen Sheriffs aus dem Betrieb eskortiert
Bartsch GmbH in Ottobrunn, Die Bartsch GmbH produziert Flugtickets. Sie hat 300 Mitarbeiter.

16.Mai. Die Geschäftsführung hat kurzfristig eine Betriebsversammlung einberufen. Die Geschäftsführerin Eva-Maria Kahlenberg verkündete vollkommen überraschend für die Belegschaft die bevorstehende Schließung der Druckerei. Der Betriebsrat war erst unmittelbar vor der Betriebsversammlung über die Betriebsschließung unterrichtet worden.

Während drinnen die Belegschaft die Nachricht noch nicht einmal richtig begriffen hat, beziehen "Schwarze Sheriffs" Posten vor den Ausgängen, Maschinen und Umkleideräumen.

Die Geschäftsführerin gibt bekannt, dass die Maschinen an die polnische Firma "Samin Druk" in Brodnica verkauft werden. Mit dem Abbau der Maschinen soll bereits am 1.7. begonnen werden.

Nach dieser Ankündigung müssen die Beschäftigten innerhalb von drei Stunden ihre Sachen packen und unter Bewachung die Betriebsräume verlassen. Sie bleiben bis auf weiteres vom Betrieb ausgesperrt. Laut Geschäftsführerin Kahlenberg befürchten die polnischen Käufer, die geschockten Angestellten "könnten mit Sabotage an den Maschinen reagieren oder die Situation eskalieren". Für die anstehenden Abwicklungsarbeiten können sich die Beschäftigten "bewerben".

Interessenausgleich und Sozialplan soll nach Vorstellung der Bartsch GmbH bereits Anfang dieser Woche über die Bühne gehen. Für den Betriebsrat kommen Verhandlungen unter Druck und ohne die Belegschaft jedoch nicht in Frage. Er schaltete ver.di ein. "Mit dieser Überrumpelungsaktion sollen offensichtlich grundlegende Rechte der Mitarbeiter ausgehöhlt werden, denn mit der Aussperrung wird ein ordentlicher Informationsaustausch verhindert", sagte Bernd Mann von ver.di. Über Telefonketten lädt der Betriebsrat derzeit zu einer Betriebsversammlung am Montag, den 04.06.07, 14.00 Uhr ein.

Der Schock ist noch nicht verdaut. Am 22.05.07 lag ein Schreiben im Briefkasten: "Man teilte uns schriftlich mit, dass wir ab 1. Dezember die Möglichkeit hätten, in Polen zu arbeiten", erzählt Betriebsrätin Ivonne Kircher. Mitarbeiter der Bartsch GmbH Ottobrunn würden bei Bewerbungen in Polen bevorzugt behandelt werden. Wer nicht nach Polen geht, dem droht die Kündigung. auf die Frage von Merkur online "Erhalten alle 65 Betroffenen die Kündigung?", antwortete Kahlenberg, "Ja, ja. Definitiv."

Unter jeglicher Missachtung der Rechte des Betriebsrats und der Beschäftigten will die Geschäftsleitung die Betriebsschließung durchführen. Begründet wird diese Aktion mit: "der Druck im internationalen Geschäft, rückläufige Umsätze und der Trend zu elektronischen Flugtickets" habe die Lage dermaßen zugespitzt, dass nur die Auslagerung nach Polen als Lösung übrig blieb. Die Standorte Rheinstetten und Wechmar der Bartsch-Gruppe sind von der Produktionsverlagerung nicht betroffen.

Nach Angaben von ver.di und des Betriebsrats sei seit Ende 2005 versucht worden, Informationen über die Zukunft der Bartsch GmbH in Ottobrunn zu erhalten. Auf ein Angebot von ver.di zu einem Sanierungstarifvertrag sei nicht reagiert worden. Die Geschäftsleitung bestreitet dies. Sie behauptet: "Wir haben Vorschläge gemacht, wie die Firma zu retten wäre, aber der Betriebsrat hat nie Folge geleistet." Bei der Art und Weise wie die Bartsch GmbH mit ihren Mitarbeitern umgeht, wirkt diese Aussage nicht sehr glaubwürdig.

Die Dreistigkeit des Vorgehens ist von der Geschäftsleitung der Bartsch GmbH in Ottobrunn ist nicht zu überbieten. Unter krasser Missachtung der Rechte des Betriebsrats und der Belegschaft will die Geschäftsleitung ihre Pläne durchdrücken. Mitarbeiter sprachen von "Wildwest-Atmosphäre".

Wer sich an einer Solidaritätserklärung für die Mitarbeiter der Bartsch GmbH beteiligen möchte, schicke bis morgen Abend ein paar Zeiten an info@nci-net.de. Aus den Zuschriften stellen wir eine Erklärung für die Mitarbeiter zusammen. Die Zuschriften werden wie immer vertraulich behandelt. Die Mitarbeiter sollen wissen, dass dieses dreiste Vorgehen gegen sie öffentlich geworden ist.
(iw)




Autoren: Inken Wanzek, Christine Rosenboom
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