SIS
Siemens IT Solutions & Services GmbH & Co. OHG
17.10.07 Betriebsrat der SIS Region Südbayern begrüßt Lösung der ETV-Eingruppierungsverfahren
14.10.07 Abschließende Lösung der ETV-Eingruppierungsverfahren
07.10.07 Abschließende Lösung der ETV-Eingruppierungsverfahren
11.06.07 SIS soll doppelt so schnell wachsen wie das weltweite Bruttosozialprodukt
10.06.07 Sinn und Unsinn von Mitarbeiterbefragungen
05.06.07 Offener Brief an den Bereichsvorstand
02.06.07 SIS- Entwicklung Förderung Anerkennung?
27.05.07 SIS- Ersteintarifierung: Widerspruch oder lieber nicht?
23.05.07 SIS - ETV - Höher gestuft
21.05.07 SIS- 5-Punkte-Plan für Betroffene der ETV-Tarifherabstufung
20.05.07 ETV-Ein Rundumschlag gegen die Tarifmitarbeiter
20.05.07 Tariftabellen
18.05.07 Mitarbeiter über Gehaltseinstufung nach ETV geschockt
InWaChRo-News: Mittwoch, 17.10.07
SIS - Betriebsrat der SIS Region Südbayern begrüßt Lösung der ETV-Eingruppierungsverfahren
Mit E-Mail vom 16.10.2007 werden die betroffenen Mitarbeiter von SIS vom
Betriebsrat der SIS Region Südbayern darüber informiert, daß er den "Vorschlag für eine
abschließende Lösung der ETV - Eingruppierungsverfahren" begrüßt.
Dabei stört sich der Betriebsrat nicht daran, daß in Zeiten steigender
Lebenshaltungskosten eine Einkommenseinbuße von bis 12,5% für den Einzelnen einen mehr
als herben Einschnitt bedeutet.
Er stört sich daran, daß es Passagen gibt, die zuviel Spielraum für Interpretationen
lassen. Es ist löblich, daß man hier aufmerksam und vorsichtig geworden ist.
Trotzdem sollte sich der Betriebsrat auch diese Argumentation vor Augen halten:
Die bisher duchgeführten Einsparungsmaßnahmen habe bereits ausreichend Erfolg gezeigt, so
daß sich SIS erholt hat.
Momentan werden Einkommensdifferenzen über Ausgleichzahlungen ausgeglichen, so daß es
dadurch keinen finanziellen Vorteil für die Firma gibt.
Das heißt, die aktuellen guten Ergebnisse sind völlig unabhängig von weiteren
Einkommenseinbußen bei den Mitarbeitern.
Es besteht also keine Notwendigkeit, weiteren Einkommensverlusten, egal in welcher Höhe,
zuzustimmen.
Stellt der Betriebsrat sich auf diese Weise auf die Seite der Betriebsleitung, so muß er
sich auch bewußt sein, daß die "abschließende Lösung der ETV - Eingruppierungsverfahren"
weder logisch, noch gerecht ist und weder die Moral der Mitarbeiter bessern noch auf ihre
Akzeptanz stoßen wird.
Möglicherweise werden die Mitarbeiter ihren Unmut über solche Lösungen auch bei der
nächsten Betriebratswahl manifestieren.
(hz)
InWaChRo-News: Sonntag, 14.10.07
SIS: Neue Jobs hauptsächlich in Niedriglohnländern
Siemens IT Solutions and Services (SIS) will nach Aussage des Spartenchefs Christoph
Kollatz neue Arbeitsplätze künftig vor allem in Indien, Russland und auf den Philippinen
schaffen.
"Wollen wir konkurrenzfähig bleiben, können wir nicht mehr 100 Prozent der Wertschöpfung
für deutsche Kunden auch in Deutschland erbringen", sagte Kollatz der "Berliner Zeitung"
vom Samstag.
In den letzten drei Jahren, so Kollatz weiter, habe SIS dort durchschnittlich in diesen
Ländern jeweils 30 Prozent zusätzliche Jobs geschaffen. Nur so könne SIS die Zahl der
Jobs in Deutschland auf dem "bisherigen Niveau halten, oder sogar leicht ausbauen",
behauptet Kollatz.
Dem aufmerksamen Leser fällt hier sofort ein Widerspruch auf.
Auf der einen Seite behauptet Kollatz, dass auch der Service für die deutschen Kunden aus
Konkurrenzgründen in Niedriglohnländern erbracht werden muss. Dies hat voraussichtlich
eine weitere Reduzierung der Arbeitsplätze in Deutschland zur Folge, denn so billig wie
in Indien, Russland und den Philippinen können Mitarbeiter in Deutschland wegen der hohen
Lebenshaltungskosten nie arbeiten. Auf der anderen Seite verwendet Kollatz den Aufbau in
den Niedriglohnländern als Begründung für den Erhalt und leichten Ausbau der Jobs in
Deutschland.
Dies entbehrt jeder Logik und ist nichts anderes als die Aneinanderreihung von Phrasen
zur Beruhigung der deutschen SIS-Mitarbeiter und der Öffentlichkeit.
(iw/cr)
InWaChRo-News: Sonntag, 07.10.07
SIS - Abschließende Lösung der ETV-Eingruppierungsverfahren
In diesen Tagen haben die betroffenen Mitarbeiter eine E-Mail von SIS-HR mit einem
Vorschlag für eine "Abschließende Lösung der ETV-Eingruppierungsverfahren" erhalten.
SIS HR informiert darüber, dass sich die Betriebsleitung mit Vertretern des
Gesamtbetriebsrates der Siemens AG auf eine Vorgehensweise verständigt, die den
örtlichen Betriebsräten in Form einer Betriebsvereinbarung zur Annahme empfohlen
wird. Diese Empfehlung beinhaltet im Wesentlichen für die Ersteintarifierung eine
Ableitung des neuen Tarifentgelts aus dem bisherigen - ähnlich der bestehenden
Regelung für die Regionalorganisation Deutschland. Der wichtigste Punkt hierbei:
die Differenz zwischen den tariflich abgesicherten Entgeltbestandteilen zum
31.01.2007 (bis dahin galt der Flächentarifvertrag) einerseits und den neuen
tariflichen Entgeltbestandteilen ab dem 01.02.2007 (gemäß ETV SIS) andererseits
darf maximal 12,5 % betragen.
Die Historie der Eingruppierungen zur Erinnerung:
Im Ergänzungstarifvertrag für SIS §5 heißt es:
In Abänderung von § 7 der Tarifvertraglichen Sondervereinbarung vom 23.01.2005 werden
die Beschäftigten entsprechend der ausgeübten Tätigkeiten anforderungsgerecht
eingruppiert und den entsprechenden Entgeltgruppen und Entgeltstufen zugeordnet.
Nachdem es aufgrund der Ersteintarifierung massive Widersprüche gegeben hat, wurde von
Siemens IT Solutions and Services (SIS) und dem Gesamtbetriebsrat der Siemens AG ein
"tragfähiger Kompromiss" zur Eintarifierung gefunden, am 16.7.2007 per E-Mail
bekanntgegeben und umgehend umgesetzt. Dieser sah die Einordnung der Mitarbeiter in
Mindestentgeltgruppen in Abhängigkeit von ihren vorherigen Entgeltgruppen vor, was in
der Regel nach wie vor eine Herabgruppierung bedeutete.
Offensichtlich war der Kompromiss nicht so tragfähig wie erhofft und die erwünschte
Größenordnung an Rücknahmen von Widersprüchen durch die Mitarbeiter fand nicht statt.
Deshalb also nun die oben genannte Empfehlung für eine abschließende Lösung. Ganz
offen bezieht man sich nun ausschließlich auf den finanziellen Part. Die Mitarbeiter
wollen durch ihre Widersprüche erreichen, dass der Wechsel der Tarifsysteme ohne
finanzielle Einbußen erfolgt. Auch wenn diese fürs erste durch Ausgleichszahlungen
abgefangen werden, weiß doch jeder Mitarbeiter um die Folgen für die zukünftigen
Jahre.
Faire und gerechte Eingruppierungen sind kein Thema mehr, finanzielle Gerechtigkeit
erst recht nicht. Auch wenn es darum geht, die Angelegenheit schnellstmöglich über
den Tisch zu bringen, stehen doch noch einige Fragen im Raum:
Ist die "abschließende Lösung" nicht Vertragsbruch gegenüber ETV § 5?
Welche Begründung gibt es dafür, dass die Mitarbeiter eine willkürliche
Gehaltsminderung um bis zu 12,5 % zusätzlich zu den vorhergehenden Einsparmaßnahmen
akzeptieren sollen?
Wenn es ausschließlich um die Wiederherstellung des Betriebsfriedens und den Abschluss
der leidigen Angelegenheit der Eingruppierung geht, kann man der Betriebsleitung nur
empfehlen, den einzig richtigen Schritt zu tun und eine glaubwürdige 1:1 Umsetzung
ohne weitere finanzielle Einbußen vorzunehmen.
Allenfalls eine Heraufgruppierung von bisher zurückgestellten Mitarbeitern ist
akzeptabel.
Spannend wird auf jeden Fall auch die Reaktion der Betriebsräte. Es bleibt nur zu
hoffen, dass sie nicht vor dem Hintergrund der schnellen Lösung einem Flickwerk
zustimmen, dass in dieser Form nicht geeignet ist, Vertrauen oder gar Gerechtigkeit
zu schaffen bzw. wieder herzustellen.
(hz)
InWaChRo-News: Montag, 11.06.07
SIS soll doppelt so schnell wachsen wie das weltweite Bruttosozialprodukt
Siemens legt eine hohe Messlatte für die Siemens IT-Sparte SIS an.
Nach Aussage des SIS-Chefs Christoph Kollatz im Handelsblatt soll SIS in den nächsten
Jahren doppelt so schnell wachsen wie das weltweite Bruttosozialprodukt. Mittelfristig
erwartet Siemens, dass SIS das Konzernwachstum unterstützt.
SIS wurde Anfang dieses Jahres aus dem bisherigen IT-Bereich SBS sowie einigen
ausländischen IT-Töchtern des Konzerns mit vielen Mitarbeitern in Niedriglohnländern
geformt. Der Bereich hat derzeit eine Marge von 5,2 Prozent. Diese spiegle laut
Kollatz das tatsächliche Leistungsvermögen wider, da im zweiten Quartal des Jahres
keine Sonderbelastungen aus der Restrukturierung mehr auftraten. "Wir ernten die
Früchte der harten Sanierungsarbeit aus den vergangenen 18 Monaten.", sagte Kollatz
in einem Interview mit "absatzwirtschaft online".
Mit den bestehenden Programmen beabsichtigt Kollatz die Produktivität um 1,5 Mrd.
Euro zu steigern. "... die Hälfte entfällt dabei auf Personalkosten, die andere auf
Material. Wir haben in den vergangenen anderthalb Jahren weltweit rund 5 500 Stellen
abgebaut. Zudem haben wir niedrigere Arbeitskosten in Deutschland durch einen
Ergänzungstarifvertrag mit der IG Metall. Beim Material haben wir es geschafft, die
Kosten in den Griff zu bekommen."
Kollatz führt die Tatsache, dass SIS (SBS) nicht verkauft wurde auf die eigene
Leistungsfähigkeit zurück, aber auch darauf, dass der Siemens Konzern erkannt hat,
dass "IT und Software für das gesamte Unternehmen immer wichtiger werden. Wir können
als IT-Spezialisten die einzelnen Bereiche in ihren Geschäften unterstützen."
Daher soll die IT-Sparte enger mit anderen Konzernbereichen verzahnt werden. "Wir
konzentrieren uns stärker als bisher auf die Branchen, in denen Siemens stark ist.
Dazu gehören unter anderem die Autoindustrie, Chemie und Pharma, Medizintechnik,
Flughäfen oder die Energieversorger", so Kollatz. Die aktuellen Kunden will Kollatz
jedoch weiter bedienen und "gemeinsam mit ihnen wachsen".
Für die Mitarbeiter dürfte dieser Kurs zunächst einmal den Abschluss der bisherigen
Restrukturierung bedeuten. Klar ist jedoch: Werden die Ziele nicht erreicht - wächst
SIS also nicht doppelt so schnell wie das weltweite Bruttosozialprodukt werden weitere
Restrukturierungswellen auf die Mitarbeiter zukommen. Eine Ausgliederung aus dem
Siemens Konzern wird auch dann wieder zur Debatte stehen. Die neue Siemens Strategie
kann man auf einen einfachen Nenner bringen: Wer nicht funktioniert, fliegt - vermutlich
schneller als bisher.
(iw)
InWaChRo-News: Sonntag, 10.06.07
Sinn und Unsinn von Mitarbeiterbefragungen
Immer wieder werden in allen Siemensbereichen und auch anderen Unternehmen
Mitarbeiterbefragungen durchgeführt. Nach Angaben des Managements ist es das Ziel,
herauszufinden, wie zufrieden die Mitarbeiter sind und wo Verbesserungspotentiale
liegen.
So schreibt beispielsweise im neuesten SIS GO GIO DS-Newsletter das Mangement im
Bewusstsein der hohen Unzufriedenheit bei den Mitarbeitern über die
Restrukturierungsmaßnahmen in jüngster Vergangenheit und ganz aktuell über die
Eingruppierung nach ETV:
"Wir möchten das Instrument der "10 basic aspects", ergänzt um zwei Zusatzfragen,
nutzen, um auch weiterhin nahe am Puls der Zeit zu agieren. Wir hatten eine erste
Abfrage im Dezember gestartet und basierend auf den Ergebnissen diverse Maßnahmen
initiiert. Die damalige Abfrage wurde parallel
zu der Hochphase der Restrukturierung gestellt und zeigte ungeschminkt die Stimmung.
Auch diesmal haben wir einen vermeintlich unglücklichen Zeitpunkt gewählt - die
Übergabe der Eintarifierungsmeldungen.
Dennoch führen wir die Abfrage durch. Zum einen, weil wir diese Abfrage für den Mai
angekündigt hatten und wir unsere Planung einhalten und zum anderen, weil wir davon
ausgehen, dass Sie zwischen den Ereignissen differenzieren können und über die
Freitexte präzise Rückmeldungen geben. Bitte nehmen Sie an der Umfrage teil!"
Der Ansatz, Mitarbeiterumfragen durchzuführen, ist gut. Doch viele Mitarbeiter haben
das Gefühl, dass die Mitarbeiterbefragungen immer mehr zu einer Farce verkommen. Dies
äußert sich auch in einer relativ geringen und teilweise noch weiter sinkenden
Beteiligung an den Umfragen.
Warum ist das so? Diese Frage muss sich ein Management stellen. Eine schlechte
Beteiligung an Umfragen ist ein deutliches Signal für die Unzufriedenheit der
Mitarbeiter.
Die einen haben Angst, dass man ihre Aussage, wenn sie negativ ausfällt, auf ihre
Person zurückführen kann und wird, schließlich wird der unmittelbare Vorgesetzte
"gerügt", wenn aus seiner Abteilung zu viel negative Kritik kommt. Je kleiner der
Bereich ist, den man abfragt, desto unehrlicher werden die Antworten ausfallen,
schließlich will niemand auffallen, weil man glaubt, sich Auffallen angesichts
ständiger Restrukturierung, Arbeitsplatzstreichungen und gehaltlicher Abstufung,
schlicht und einfach nicht leisten zu können. Daher dürfte das Feedback ehrlicher
ausfallen, wenn die Abteilung, in der man beschäftigt ist, nicht mit angegeben
werden muss. Eine größere Einheit würde der Abfrage noch mehr nutzen.
Die anderen haben es aufgegeben ihre Meinung zu sagen, weil sich sowieso nichts ändert.
Die meisten Mitarbeiter haben das Gefühl, es bleibt sowieso alles beim Alten oder wird
sogar noch schlechter. Wenn man die Entwicklung der Siemensbereiche wie SIS, Mobile
Phones oder Com betrachtet, findet man dies bestätigt. Eine Restrukturierung jagt die
andere, Ausgliederungen werden von Eingliederungen und die wieder von Ausgliederungen
abgelöst und so geht es Jahr für Jahr, der Stand bleibt der Gleiche, der erhoffte
Durchbruch stellt sich nicht ein - im Gegenteil. Mobile Phones beispielsweise endete
in der Insolvenz. Festnetze und Mobile Netze hat Siemens ganz aus seinem Portfolio
gestrichen. Wozu also Mitarbeiterumfragen, wenn der Einfluss auf die Geschäftspolitik
nicht zu erkennen ist?
Bleibt die letzte Gruppe, die es noch nicht aufgegeben hat, ihre Meinung zu äußern.
Hier hört man häufig die Kritik, dass die Fragen, die Situation nicht treffen. In der
Not vergibt man seine Punkte. Manchmal gelingt auch eine präzise und differenzierte
Antwort.
Doch spiegeln diese Antworten dann wirklich das Bild der Mitarbeiter wieder, wenn sie
unter diesen Rahmenbedingungen, denen Mitarbeiterumfragen unterliegen, zustande kommen?
Besteht dann nicht die Gefahr, dass das Management, die Umfrage so auslegt, wie es
sie sehen will? Wägt es die positiven Antworten wirklich gegen die Masse derer ab,
die nichts sagen oder gegen die Antworten, die aus Angst, nicht auffallen zu wollen,
positiver ausgefallen sind, als empfunden?
Das Management, zumindest das SIS-Mangement, möchte ", dass Sie zwischen den
Ereignissen differenzieren ... und über die Freitexte präzise Rückmeldungen geben."
Aber: die Mitarbeiter möchten, dass sie präzises Feedback auf ihre Anregungen bekommen.
Sie möchten sehen, dass ihre Anregungen, ihre Meinung etwas bewirkt. Sie können sehr
wohl differenzieren und sehen vielleicht besser als das Management, dass die alt
hergebrachten Restrukturierungsmethoden nicht greifen. Sie sehen, wo es in den
Prozessen hakt, denn sie arbeiten täglich mit oder gegen sie.
Das Management sollte das auch sehen, den Mitarbeitern das Gefühl geben, dass ihre
Kritik nicht ignoriert wird, dass sie für Kritik nicht bestraft, sondern belohnt
werden. Es muss den Mut haben, Neues auszuprobieren, ihre Mitarbeiter wirklich ernst
nehmen, ihnen Feedback geben, ihre Ideen aufgreifen und pragmatisch umsetzen.
Dann, aber nur dann, wird die Beteiligung an Mitarbeiterumfragen wieder steigen, die
Antworten werden ehrlicher und angstfrei gegeben. Dann machen Mitarbeiterumfragen Sinn.
Ansonsten aber verkommen Mitarbeiterumfragen tatsächlich immer mehr zu einer Farce.
Es wäre an der Zeit vom Gegeneinander wieder zu einem Miteinander zu finden. Aber dazu
muss sich das Management ändern. Es muss aufhören Mitarbeiter nur als Kostenfaktoren
zu betrachten, die den Gewinn drücken. Es muss erkennen, das es einer Firma nur dann
gut geht, wenn die Interessen aller Raum finden. Einen Firmenerfolg durch ewigen
Stellenabbau und Ausgliederungen von Bereichen mit zu geringen Margen herbeizuführen,
ist nicht wirklich eine unternehmerische Leistung. Solange Mitarbeiter das Gefühl
haben, immer dann "geopfert" zu werden oder tatsächlich "geopfert" werden, wenn die
Marge steigen muss, solange wird der Unternehmens/Geschäftsbereichs-Erfolg vor sich
hindümpeln.
(iw/hz)
InWaChRo-News: Dienstag, 05.06.07
SIS: Offener Brief an den Bereichsvorstand
Der SIS-Betriebsrat aus Braunschweig wendet sich mit einem Offenen Brief an den
Bereichsvorstand, um eine Klärung der ETV-Eingruppierung zu erreichen. Die Mitarbeiter
bei SIS sind aufgebracht über den offensichtlichen Missbrauch des Ergänzungstarifvertrags
zum Lohndumping.
Wir wünschen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie dem Betriebsrat, dass die Bereichsleitung
sich zu einem für beide Seiten befriedigenden Kompromiss durchringen kann.
(iw)
InWaChRo-News: Samstag, 02.06.07
SIS: Entwicklung Förderung Anerkennung?
Mitarbeiter bei SIS versuchen zu verstehen, was bei ihrer Ersteintarifierung nach ETV
eigentlich passiert ist. Eine Mitarbeiterin, die massiv herabgestuft worden war, brachte
die Diskrepanz zwischen der Welt "vor dem ETV" und "nach dem ETV" mit folgenden Worten
zum Ausdruck:
"Wann hat mein Chef mich eigentlich belogen? Bei meinen EFA-Mitarbeiter-Gesprächen, Jahr
um Jahr oder hier mit dieser Eintarifierungsmitteilung? Wir hatten doch erst vor ein paar
Wochen ein EFA-Monitoring-Gespräch, da hat er mich noch gelobt, meine Arbeitsqualität,
meine Termintreue und Verlässlichkeit und kein Wort fiel, ich sei in der falschen
Tarifgruppe. Wie passt denn das zusammen?".
Gar nicht. Die Schlange, die hier EFA aus dem Paradies vertreibt, heißt ETV, genauer gesagt,
seine nicht nach vollziehbare Umsetzung durch den Arbeitgeber.
Denn eines ist klar: Der Ursprung für die Abkürzung EFA - Entwicklung Förderung Anerkennung
gilt in den Augen vieler Mitarbeiter so nicht mehr. "Der ETV gleicht einem Kulturschock",
so die Mitarbeiterin verärgert weiter, "Für die neue Kultur, ausgedrückt durch den ETV
passt wohl besser: Endlos Fordern und Ausbeuten."
In der EFA-Gesamtbetriebsvereinbahrung heißt es:
"Der EFA-Prozess gliedert sich in folgende Teilschritte:
...
Feedbackgespräch; dabei bedeutet "Feedback", dass der Mitarbeiter von der Führungskraft eine
offene und ehrliche Rückmeldung aus der EFA-Runde erhält.
...In der EFA-Runde befassen sich die Führungskräfte mit jedem Mitarbeiter. Dabei wird nicht
nur das Einkommen überprüft, sondern es werden alle Parameter betrachtet, die für
Entwicklung, Förderung und Anerkennung bedeutsam sein können."
Vor diesem Hintergrund bleiben zwei Schlussfolgerungen: Entweder die entsprechenden
Vorgesetzten haben sich bisher bei der Einschätzung ihrer Mitarbeiter massiv geirrt Damit
wären sie ihrer Führungsposition nicht gewachsen und selbst falsch eingestuft. Oder die
momentane Handhabung der ETV-Eintarifierungen dient dazu, entgegen dem Geist des ETV
massives Lohndumping durchzusetzen. Die Vorgesetzten werden dabei wider besseres Wissen
zu Ausführenden gemacht und büßen damit ihre Glaubwürdigkeit bei den meisten Mitarbeitern
ein.
Es bleibt zu hoffen, dass der Arbeitgeber schnellstmöglich begreift, dass
Personalkosteneinsparungen teuer kommen können, wenn dadurch die Glaubwürdigkeit und
Integrität des Arbeitgebers leidet und Mitarbeitermotivation und Loyalität der Mitarbeiter
sinken.
Bei den Untersuchungen der Gallup GmbH hat man festgestellt, dass durch mäßige Motivation
pro Mitarbeiter ein Schaden von 6500 EUR entsteht, durch absolute Demotivation sogar 11.500
EUR. Vielleicht sollte sich das SIS-Management darüber mal Gedanken machen (siehe
NCI-Artikel vom 22.03.07).
(hz)
InWaChRo-News: Sonntag, 27.05.07
SIS- Ersteintarifierung: Widerspruch oder lieber nicht?
Ein Mitarbeiter stellte sein Widerspruchsrecht in Frage:
Ist es nicht vielleicht doch besser, wenn man nicht widerspricht? Vielleicht bekommt man
ja einen Eintrag in der Personalakte oder kommt gar auf eine schwarze Liste und hat dann
im Endeffekt mit noch schlimmeren Konsequenzen zu rechnen?
Mal abgesehen davon, dass jeder Mitarbeiter Anspruch darauf hat, seine Personalakte
einzusehen und sich über dortige Eintragungen zu informieren, kann man über eventuelle
"schwarze Listen" nur spekulieren.
Stellen wir also ein paar Vermutungen an: Der Mitarbeiter verzichtet darauf Widerspruch
einzulegen. Nach menschlicher Logik kann er für sein Wohlverhalten und Verzicht in dieser
Sache eine Gegenleistung erwarten. Das ist ja letztlich auch seine Absicht. Wie sollte
diese Gegenleistung wohl aussehen?
Eine finanzielle Honorierung ist nicht zu erwarten, damit würde der Arbeitgeber den
Einspareffekt ja verkleinern oder zunichte machen und vor allem hätte er das ohne die
Fehleingruppierungen einfacher haben können.
Was gibt es noch? Für den Fall eventueller betriebsbedingter Kündigungen, den
Nichtwidersprecher verschonen?
Das ist nicht zu erwarten, denn der Arbeitgeber entscheidet nicht nach menschlicher
Logik, sondern nach unternehmerischer. Und wenn er Personal einsparen will, dann
entscheidet er möglicherweise nach folgenden Gesichtspunkten:
- Um die Firma weiter voranzubringen, muß er zwar weniger, aber gutes Personal
behalten, trennt sich folglich lieber von Mitarbeitern, die nicht so gute Leistungen
bringen. Wenn jemand keinen Widerspruch eingelegt hat, heißt das entweder, dass der
Mitarbeiter die Eingruppierung für gerechtfertig hält, er also kein besonders
hochwertiger Mitarbeiter ist oder er ist sich seines Potentials nicht bewusst und
aus diesem Grund nicht so wertvoll.
- Eines der häufigsten Auswahlkriterien für Kündigungen bzw. Blaue Briefe ist das
Alter. Unabhängig von der Leistung werden ältere Mitarbeiter bei Stellenabbau
bevorzugt angesprochen. Der Arbeitgeber will dadurch den Betrieb verjüngen.
- Wenn sich der Arbeitgeber von Mitarbeitern trennen will, dann soll es natürlich
reibungslos ablaufen. Widerstand ist nicht erwünscht. Also wählt er vermutlich
Nichtwidersprecher, denn die haben bereits still gehalten und die Wahrscheinlichkeit,
eine erfolgreiche Kündigung durchzubringen ist wesentlich höher als bei einem
Widersprecher, der sich seiner Rechte bewusst ist und sich auch dafür einzusetzen
weiß.
- oder er sucht die Mitarbeiter entsprechend den Vorschriften des Kündigungsschutzgesetzes
aus, was er ohnehin tun müsste, häufig allerdings nicht tut. Dies eröffnet dem
Mitarbeiter dann die Möglichkeit, einen Kündigungsschutzprozess zu gewinnen.
Nicht zu vergessen ist der Aspekt, dass der Vorgesetzte nichts ist ohne seine Mitarbeiter
und eine Firma nichts ohne ihre Arbeitnehmer. Je mehr also Widerspruch einlegen, umso
kleiner ist die Wahrscheinlichkeit, dass dem Einzelnen allein aus dieser Tatsache Nachteile
erwachsen und umso größer ist die Chance, eine gerechte Lösung für alle zu erreichen.
Im Übrigen sind die Mitarbeiter nicht allein mit ihren Widersprüchen. Die örtlichen
Betriebsräte stehen eindeutig auf der Seite der Mitarbeiter und kämpfen oft mit großem
persönlichen Einsatz für die Belegschaft.
Noch ein Fakt, der betriebsbedingte Kündigungen wieder in den näheren zeitlichen Bereich
rücken könnte. Im ETV steht zwar:
§11 Absatz 2
"Darüber hinaus besteht Übereinstimmung dahingehend, daß eventuell notwendige
Personalanpassungsmaßnahmen bis zum 30.09.2009 ohne betriebsbedingte Kündigungen
vorgenommen werden."
Aber in den Schlussbestimmungen § 12 steht:
"Im Falle einer ganzen oder teilweisen Eingliederung der Siemens IT Solutions and Services
GmbH & Co. OHG GmbH & Co. OHG in die Siemens AG (z. B. durch Anwachsung,
Verschmelzung) gelten die Regelungen dieses Ergänzungstarifvertrages für die Laufzeit
dieser Vereinbarung mit Ausnahme von § 11 Absatz 2 dieses Ergänzungstarifvertrages
unverändert fort."
(hz)
InWaChRo-News: Mittwoch, 23.05.07
SIS - ETV - Höher gestuft
Nach Angaben von Betriebsräten gibt es sie tatsächlich, die Glücklichen, die bei der
Eintarifierung höher gestuft wurden. Natürlich stellt sich da sofort die Frage: Gibt es
tatsächlich nach all dem Unrecht doch noch gerechte Behandlung bei SIS?
Die Statistik beweist es und Zahlen lügen nicht, heißt es.
Es heißt aber auch, glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.
Wenn also die Tatsache stimmt, dass es Höherstufungen gibt, bleibt also nur, genauer
hinzuschauen.
Was für Leistungen muss man denn erbracht haben, damit einem so etwas widerfahren kann,
dass man so anerkannt und wertgeschätzt wird?
So berichtet beispielsweise ein jüngerer Kollege, dass er zu den höher gestuften
Mitarbeitern gehört.
Allerdings, so erzählt er, habe er, wie es allgemein üblich war, auf einer geringeren
Tarifstufe angefangen, sich über die Jahre hinweg Erfahrungen angeeignet und immer
anspruchsvollere Aufgaben und höhere Verantwortung übernommen. Befördert worden sei er
aber nie. Er gibt zu, dass er lange Zeit
entweder zu bescheiden oder zurückhaltend war, um rechtzeitig einen Sprung in eine höhere
Tarifgruppe zu fordern, stets auf faire Einschätzung vom Vorgesetzten gehofft hat, das
allerdings vergebens. Als er dann doch seinen Vorgesetzten des Öfteren auf eine höhere
Eingruppierung ansprach, wurde er vor dem Hintergrund der schlechten wirtschaftlichen Lage
bei SBS und den Sparvorgaben schlichtweg auf bessere Zeiten vertröstet.
In gewisser Weise war also bei einigen die Hoffnung berechtigt, mit dem ETV endlich die
versprochene Leistungsgerechtigkeit zu erlangen und entsprechend der inzwischen
selbstverständlichen Tätigkeiten und Verantwortungen eintarifiert zu werden. Haben sich
diese Hoffnungen denn nun erfüllt? Vielleicht bei dem einen oder anderen.
Bemerkenswerter sind aber die Fälle, wo sich die Höhergestuften letztlich auch in die Reihe
der Widerspruchserheber einreihen müssen, weil sie trotz Höherstufung noch immer meilenweit
von einer gerechten Eintarifierung entfernt sind und nach dem neuen System kaum eine Chance
sehen, dass sich das in naher Zukunft ändern wird.
Die Höherstufung hat also nicht viel mit Gerechtigkeit oder Wertschätzung zu tun. Sie ist
das niederschmetternde Ergebnis eines jahrelangen Kampfes um eine leistungsgerechte
Bezahlung.
Nein, die Zahlen lügen wirklich nicht, aber die Menschen, die sie benutzen, interpretieren
sie stets so, dass sie die eigenen Argumente stützen.
(hz)
InWaChRo-News: Montag, 21.05.07
SIS- 5-Punkte-Plan für Betroffene der ETV-Tarifherabstufung
Wer nicht kämpft, hat schon verloren.
Also soll an dieser Stelle eine Hilfe für all jene gegeben werden, die von Herabstufungen
durch den ETV betroffen sind und selber Hilfe suchen oder jemanden kennen, der welche
braucht.
Schock überwinden
Niemand, der von einer Herabstufung betroffen wurde, sollte sich deswegen minderwertig
fühlen oder seine Leistungen in Frage stellen. Hier geht es nicht mehr um den Menschen an
sich, auch nicht um seine Leistung. Der Arbeitgeber versucht nichts anderes als die
Ware Arbeitskraft möglichst billig einzukaufen. Dazu hat er durch die Gewerkschaften das Mittel, den ETV, zur Verfügung gestellt bekommen und wird es nutzen ohne Ansehen der einzelnen Person.
Also Kopf hoch und kämpfen.
Raus aus der Isolation
Der Arbeitgeber ist gegenüber dem Arbeitnehmer zur vertraulichen Behandlung seiner
persönlichen Daten verpflichtet. Der Arbeitnehmer selbst ist nicht zur Geheimhaltung
dieser verpflichtet. Er entscheidet selbst, wem er wie viel von seinen persönlichen
Daten preisgibt. Also aufeinander zugehen und reden. Man fühlt sich gleich ein bisschen
weniger schlecht, wenn man sieht, den anderen geht es genauso. Wichtig ist auch, aufmerksam
auf Mitkollegen zu achten. Nicht jedem gelingt es, den Schock zu überwinden, die Angst
vor dem finanziellen Einbruch zu beherrschen. Psychische und physische Probleme sind
nicht selten Folgen, mit denen man nicht mehr allein klarkommt.
Eventuell ein Gespräch mit einem Betriebsrat vereinbaren.
Informationen sammeln
Neben den offiziellen Informationsmails, die im Laufe der letzten Monate an jeden
Tarifmitarbeiter gingen, gibt es ausreichend Informationen und Dokumente auf den
Betriebsseiten und den Betriebsratsseiten zum ETV. Diese umfassen neben den vertraglichen
Grundlagen zum ETV Tariflisten, Tätigkeitsbeschreibungen und Niveaubeispiele.
Widerspruch gegen die Eingruppierung
Gegen die Eingruppierung kann man innerhalb von 4 Wochen widersprechen. Die Widerspruchsfrist
läuft ab Übergabetag, also merken und im Auge behalten.
Auf den Betriebsratsseiten wird auf die Widerspruchsmöglichkeiten und die Einhaltung der
Widerspruchsfrist hingewiesen und es werden Musterwidersprüche angeboten.
Für den Widerspruch ist erforderlich:
- Den Musterwiderspruch des Betriebsrats verwenden und die darin enthaltene
Begründung individuell anpassen.
- Beschreibung der eigenen Tätigkeit. Dazu verwende man das letzte EFA-Gespräch,
ein eventuelles Zwischenzeugnis und die Niveaubeispiele, zu finden auf der
BR-Homepage. Um hier nichts zu übersehen und auf die richtigen Formulierungen
entsprechend der Tätigkeitsbeschreibung zu achten, sollte man sich gegenseitig mit
Tipps unterstützen. Wenn man Glück hat passen ein oder mehrere der angebotenen
Niveaubeispiele auf die eigene Tätigkeit. Empfehlenswert ist es daher, sich mit
betroffenen Kollegen abzustimmen.
- Das Widerspruchschreiben ohne Tätigkeitsbeschreibung schickt man an den Vorgesetzten
und die Personalabteilung. Zeitgleich schickt man das Widerspruchsschreiben und die
Tätigkeitsbeschreibung an den Betriebsrat.
- Dann heißt es abwarten, wie die paritätische Kommission entscheidet. Wer sich ein
Bild machen will, wie das Äquivalent bei Siemens letztes Jahr gelaufen ist, schaut
auf www.nci-net.de -> Arbeitsplatz -> Gehalt (ERA) oder auch auf
www.nci-br.de -> Aktuelles -> ERA
Für einen eventuellen. Widerspruch gegen die Leistungsbeurteilung:
- Den Musterwiderspruch des Betriebsrats verwenden und die darin enthaltene Begründung individuell anpassen.
- Das Widerspruchsschreiben schickt man an den Vorgesetzten und den Betriebsrat.
Wohin mit der Wut
In die richtigen Bahnen lenken. Niemandem ist geholfen, wenn man plötzlich wegen
Arbeitsverweigerung oder Störung des Betriebsfriedens eine Abmahnung oder Kündigung erhält.
Der Vorgesetzte ist in aller Regel nur der gut bezahlte Handlanger des Arbeitgebers und hat
im Interesse der eigenen Karriere nicht allzu viel Handlungsspielraum. Das soll keine
Entschuldigung oder Rechtfertigung sein, weil man immer eine Wahl hat. Trotzdem oder gerade
deshalb sind hier eine respektvolle Distanz und ein gesundes Misstrauen angebracht.
Öffentlichkeit ist ein Mittel, mit dem man etwas erreichen kann und über den direkten
Vorgesetzten hinaus einen gewissen Einfluss auf den Arbeitgeber hat. Je mehr also mithelfen,
die SIS-Seiten von nci-net mit Leben zu füllen, sei es mit Erfahrungsberichten,
Stimmungsbildern, Informationen, Tipps, kurz allem, was helfen kann, umso mehr können wir
gemeinsam erreichen. Diese Seiten werden von Gewerkschaften und Arbeitgeber "be(ob)achtet"
(hz)
InWaChRo-News: Sonntag, 20.05.07
SIS: ETV-Ein Rundumschlag gegen die Tarifmitarbeiter
Ob sich die Gewerkschaft bewusst ist, wie scharf das Werkzeug ist, das sie den Arbeitgebern
mit dem ETV in die Hand gegeben hat? Die Einschnitte, die hiermit gemacht werden, treffen
die Mitarbeiter empfindlich. Welche Folgen dies für die Motivation der Belegschaft hat,
wird sich zeigen.
Sicherlich ist es so, dass nur die von der Eintarifierung negativ Betroffenen aufschreien.
Doch das sind im Moment gefühlte 100%. Deshalb ist die Gewerkschaft hier gefordert
nachzufragen. Wie viele Tarifmitarbeiter wurden herab gestuft, wie viele wurden hoch
gestuft, wie viele bleiben auf der gleichen Tarif-Stufe?
Auch bei der Leistungsbeurteilung sollte die Gewerkschaft nachfragen, denn laut
tarifvertraglicher Regelung sollte die Leistungskomponente im betrieblichen Durchschnitt
bei 11,25 % liegen.
Es braucht sich keiner etwas vormachen lassen. Die Formulierung, dass niemand einen
Einkommensverlust hat, weil Differenzen durch die monatliche Ausgleichszulage und die
einmalige Sonderzahlung aufgefangen werden, ist in jeder Beziehung eine Mogelpackung.
Diese Ausgleichsbeträge nehmen an keiner Tariferhöhung teil, damit ist effektiv eine
Gehaltsminderung schon zu Laufzeiten des ETV vorprogrammiert. Immerhin befinden wir uns
in einem wirtschaftlichen Aufschwung. Mal abgesehen davon, dass Urlaubsgeld und Höhe des
13. Monatsgehalts zu völlig unabwägbaren Größen geworden sind, gibt es keine Aussage
darüber, was mit der Ausgleichszulage nach dem Ende der ETV-Laufzeit wird. Der Extremfall
wird so aussehen, dass viele Tarifmitarbeiter plötzlich mit zwei Dritteln Ihres Gehaltes
dastehen.
Wie sieht es mit der Gerechtigkeit aus? Immerhin war die Neueintarifierung nicht als
Personalkosteneinsparungsmöglichkeit schlechthin vorgesehen. Es ging u.a. darum, die
aktuelle Tätigkeit des Mitarbeiters anhand der Tätigkeitsbeschreibungen in die passende
Tarifgruppe einzuordnen und damit Leistungsgerechtigkeit herzustellen.
Die Fakten:
Wenn man sich die Tätigkeitsbeschreibungen nach den alten Tarifgruppen I bis VII für die
Angestellten und die der neuen Tarifgruppen A bis H anschaut, so fällt sofort ins Auge,
dass bis auf die Anpassungen, die aus der Zusammenführung Lohn und Gehalt entstanden sind,
eine ziemlich genaue 1:1 Abbildung möglich ist. Lediglich D und E gemeinsam entsprechen
Tarifgruppe IV. Wenn man sich jedoch die zugehörigen Gehaltshöhen anschaut, so stimmen sie
merkwürdigerweise nicht mehr überein. Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind alle neuen
Tarifentgelte niedriger als ihre alten Äquivalente.
Zusätzlicher Griff in die Tasche der Mitarbeiter:
Wenn man davon ausgeht, dass die bisherigen Vorgesetzten kompetent gearbeitet haben, Ihre
Mitarbeiter entsprechend Ihrer Qualifikation eingesetzt und eingestuft haben, Tarifsprüngen
nur dann zugestimmt wurde, wenn es auch gerechtfertigt war, müsste also bei der Mehrzahl
der Fälle eine ziemliche genaue 1:1 Umsetzung der Tarife stattgefunden haben.
Da die neuen Tarifentgelte durch die Bank weg niedriger sind, müsste der Arbeitgeber mit
den dadurch entstehenden Einsparungen zusammen mit den vorausgegangenen ETV-Maßnahmen
ausreichend Personalkostensenkungen gewonnen haben.
Dies hat dem Arbeitgeber offensichtlich nicht genügt. Er hat zusätzlich die Mitarbeiter
bis zu zwei Tarifstufen niedriger eingestuft, und will offensichtlich durch Lohndumping
eine weitere Kosteneinsparung erreichen.
Der ETV bedeutet nichts anderes als einen Knick in der finanziellen Karriere, auf die man
bisher vertrauen konnte.
Das Ziel des ETV ist also ausschließlich massive Personalkostensenkung.
Die Folgen - Demotivation:
In den Betrieben wird heftig diskutiert, wie es zu diesen Gehaltseinstufungen kommt.
Mitarbeiter erzählen, die unmittelbaren Vorgesetzten hätten keinerlei Mitspracherecht
bei der Eintarifierung ihrer Mitarbeiter gehabt. Es hätte Vorgaben für die zu vergebenden
Tarifgruppen gegeben. Individuelle Tätigkeitsmerkmale wurden erst gar nicht abgeglichen.
Manche Mitarbeiter sind der Meinung, die Herabstufungen um teilweise zwei Tarifstufen
fanden unter der Vorahnung statt, dass viele Mitarbeiter Einspruch einlegen werden. Man
wird dann in der Einigung eine Tarifgruppe nachgeben und hat den doppelten Effekt, die
Mitarbeiter beruhigt zu haben und trotzdem massive Einsparungen vorgenommen zu haben.
Die Motivation der Mitarbeiter ist völlig am Boden. Natürlich hat jeder das Recht,
gutes Geld für gute Arbeit zu bekommen. Eine derartige Abwertung der Leistung Einzelner
und/oder ganzer Gruppen/Abeilungen wird sich in Demotivation niederschlagen. "Ob ich
mich jetzt noch so reinhänge", sagte ein Mitarbeiter, "ist zweifelhaft. Ich mache meinen
Job - aber nicht mehr."
Die Konsequenz für die Mitarbeiter:
- Schock überwinden.
- Selbst aktiv werden. Hierzu kommt ein eigenständiger Artikel, weil es sonst an
dieser Stelle zu viel wird.
Die Konsequenz für den Arbeitgeber:
- Die Stimmung unter den Mitarbeitern aufnehmen und vor allem ernst nehmen.
- In Zukunft auf teure Berater verzichten, die solches Vorgehen zur Sanierung
empfehlen und das eingesparte Geld schleunigst einsetzen, um die Fehleintarifierungen
zu korrigieren.
Die Moral:
Die scheint SIS inzwischen auch abhanden gekommen sein. Hoffen wir bei den Verantwortlichen
auf etwas, was bei jedem Mitarbeiter als selbstverständlich vorausgesetzt wird:
Kritikfähigkeit und der Wille Fehler zu erkennen und zu beheben.
Tariftabellen
(hz)
InWaChRo-News: Freitag, 18.05.07
SIS (Ex-SBS): Mitarbeiter über Gehaltseinstufung nach ETV geschockt
Wir werden alle in diesen Tagen unsere vorläufige Einkommensmitteilung gemäß
Ergänzungstarifvertrag (ETV) Siemens IT Solution and Services (SIS), kurz ETV-Mitteilung
bekommen. Kollegen aus anderen Bereichen haben sie bereits vor Wochen erhalten.
Ich bin also heute dran. Doch vorher habe ich noch ein fachliches Gespräch mit einem
Kollegen. Er schaut mich so merkwürdig an, fragt wie es mir geht und druckst auf die
Gegenfrage rum. Schließlich sagt er mir, wie er sich fühlt, seit er weiß, dass er mit
FII eingestuft wurde. Er spricht leise und vorsichtig, nennt es zurückhaltend eine Frechheit.
Viel mehr ist erst mal nicht aus ihm herauszubekommen.
Merkwürdigerweise bin ich noch relativ ruhig. Irgendwo in mir drin ist noch ein Rest
Glauben an eine faire Einschätzung unserer Leistung. Doch, wenn ich mir meinen Kollegen
anschaue, er ist genial und unglaublich kreativ und dann FII, kommen mir Zweifel? Ich
schiebe diese Gedanken erst mal weg, man denkt ja immer, dass es einen besser erwischt
und dass es vielleicht im Fall des Kollegen einen Grund geben könnte.
Ich habe im Vorfeld natürlich auch die Tätigkeitsbeschreibungen gelesen, die auf unsere
Abteilung eigentlich nur mit viel Fantasie anzuwenden sind. Sie sind für ganz andere
Bereiche geschrieben worden. Ich erwarte aber eine Klärung dahingehend, dass ich für meinen
Job eine Tätigkeitsbeschreibung analog dazu erhalten werde und sich diese Diskrepanzen
klären.
Mein Chef bittet mich rein, er sieht blass aus, hat vorhin schon gesagt, dass er schlecht
geschlafen habe. Ob es mit den ETV-Mitteilungen zu tun hat? Schlechtes Gewissen vielleicht?
Mal sehen. Vorsichtigerweise habe ich mir Reaktionen für jeden Fall zurechtgelegt.
Mein Chef erklärt mir, wer an der Eintarifierungsrunde teilgenommen hat: Er, sein
Vorgesetzter und noch jemand vom HR [Human Resources]. Ich atme schon mal auf, denn
bisher hat mein Chef mich ausschließlich immer gelobt und wenn er meine Tätigkeit
einschätzen musste, kann nichts schief gehen. Da kommt es "…FII" und er schiebt mir
die Mitteilung über den Tisch. Tatsächlich FII. Ich merke wie ich versteinere, schaue
meinen Chef an und biege im Kopf ab nach Plan B.
Plan A war, meinem Chef für seine umgesetzte Wertschätzung zu danken und trotz der bereits
vorausgegangenen Maßnahmen, ihm meine hohe Motivation zu versichern, ihm zu sagen, dass
wir ihm unsere Anerkennung im Führungsgespräch vor ein paar Wochen zu Recht gezollt haben,
wenn da mindestens HII gestanden hätte. Wie in einem Film merke ich, wie Plan B all das
überblendet. Ich sage erst einmal nichts.
Mein Chef fragt mich, was ich dazu meine. Meine Antwort: "Ich nehme es zur Kenntnis."
Er scheint verblüfft. Ich frage nach der Tätigkeitsbeschreibung und bekomme nur die
allgemeine vorgehalten, nichts Individuelles, für meinen Job Angepasstes. In dem Moment
begreife ich, dass die Eintarifierung nicht dazu da ist, die tatsächlichen Tätigkeiten
real einzuschätzen, sondern schlichtweg Gehaltseinsparung bedeutet.
Mein Chef versucht erneut ins Gespräch zu kommen und ich merke, wie er versucht, ein
eingelerntes Programm abzuspulen. Man spürt förmlich, dass die Vorgesetzten geschult
wurden, wie sie in solchen Situationen zu reagieren haben. Er setzt an, ich hätte doch
im Vorfeld die Tätigkeitsbeschreibungen gelesen. Er fragt, wo ich mich denn selbst sehen
würde. Ich antworte, dass die Eintarifierung doch hinter verschlossenen Türen stattgefunden
hätte und dass doch wohl gleiches Recht für alle gelten würde. Er startet noch einen
Versuch. Man würde doch an meinem Gesicht sehen, dass ich nicht zufrieden bin. Ich antworte
ihm, dass er mich doch im Vorfeld auch nicht gefragt hat. Er versucht eine Rechtfertigung,
Reden mit den Mitarbeitern im Vorfeld sei nicht vorgesehen. Ich antworte, was man dann denn eigentlich von den
Mitarbeitern erwarten würde. Ihm gehen die spärlichen Argumente aus. Offensichtlich habe
ich nicht wie vorgesehen reagiert und er bestätigt mir, dass wir dann wohl fertig sind.
Das Ganze hat 5 Minuten gedauert.
Als ich zu meinen Kollegen zurückkomme, sehe ich auf einmal ringsum fragende, betretene
Gesichter. Ich mache den Anfang und sage, was bei mir gelaufen ist und das Eis bricht.
Offensichtlich haben die meisten, die gleiche Erfahrung machen müssen.
Mehr als das eben selbst Erlebte hat mich aber die Enttäuschung, Wut, Hilflosigkeit in den
Gesichtern meiner Kollegen betroffen gemacht. So habe ich sie noch nie gesehen und ich
frage mich ob "die da Oben" sich bewusst sind, dass sie die zukünftigen gesenkten
Personalkosten noch teuer zu bezahlen haben.
Von einer Kollegin aus einem anderen Bereich erfahre ich, dass die Situation dort die
Gleiche ist. Dass sie von einem kooperativen Chef erfahren hat, dass die direkten
Vorgesetzten gar keine wirkliche Einschätzung vornehmen konnten, sondern Vorgaben bekamen,
wie viel Leute in welcher Tarifgruppe zu stehen haben. Die Vorgesetzten "durften" die
Vorgabe nur noch verteilen.
Von einem anderen Kollegen erfahre ich, dass auch dort die Situation die Gleiche sein muss,
denn nach der Ausgabe der ETV-Mitteilungen waren die Büros in seinem Bereich wie verwaist.
Die Leute waren nicht mehr in der Lage zu arbeiten, haben sich krank melden müssen oder
erst mal frei genommen, um den Schock zu verarbeiten.
Wenn man bedenkt, dass das Ganze vor dem Hintergrund wirtschaftlichen Aufschwungs,
erreichter Quartalsziele und steigender Managergehälter stattfindet, fühlt man ohnmächtige
Wut in sich aufsteigen.
(hz)
Autoren: Inken Wanzek, Christine Rosenboom
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