TietoEnator - 2007
28.07.07 Wolfgang Blume wird neuer Deutschlandchef
24.07.07 Drastischer Gewinneinbruch im zweiten Quartal
11.07.07 Arbeitsmangel bei Ex-Siemens-Kollegen
08.07.07 Entwicklung in Backnang wird ausgelagert
08.07.07 Langfristig sichere Arbeitsplätze bei TietoEnator?
InWaChRo-News: Samstag, 28.07.07
TietoEnator: Wolfgang Blume wird neuer Deutschlandchef
Wolfgang Blume wird zum 01.09.2007 Vorsitzender der Geschäftsführung der TietoEnator
Deutschland GmbH. Er übernimmt gleichzeitig die Leitung des Geschäftsbereichs "Telecom
R&D Networks & Automotive". Der 53-jährige ist promovierter Mathematiker und hat drei
Kinder. Er war fast 15 Jahre lang in verschiedenen Funktionen als Projektleiter,
Abteilungsleiter, Projektdirektor und Entwicklungsleiter bei Alcatel tätig und kam
2004 durch die Übernahme der S.E.S.A. AG zu TietoEnator. Seit Anfang 2007 ist Blume
Division Manager Telecom Integration Services. "Meine neue Aufgabe ist zugleich eine
alte", sagte Blume. "Ich kann meine ganzen Erfahrungen einbringen und bewege mich auf
vertrautem Terrain - zudem gibt mir Jürgen Hatzipantelis einen gut aufgestellten und
profitablen Bereich in die Hand."
Jürgen Hatzipantelis, der bisherige Vorsitzende der deutschen Geschäftsführung
wechselt zur Danet GmbH, einem IT-Consulting- und Dienstleistungsunternehmen mit
Sitz in Weiterstadt. Dort nimmt er die neu geschaffene Position als Geschäftsführer
Vertrieb und Marketing ein. Die Danet GmbH hatte 2005 einen Umsatz von 56 Mio. Euro
und 500 Mitarbeiter. Jürgen Hatzipantelis verlässt TietoEnator auf eigenen Wunsch.
"Wir bedauern den Weggang von Jürgen sehr", sagte Ari Vanhanen, President
Telecom&Media. "Wir wissen, dass dies kein einfacher Entschluss für ihn war. Wir
respektieren, dass er sich nach der erfolgreichen Integration der S.E.S.A. AG
sowie der Eingliederung der Siemens R&D-Sparte jetzt anderen Aufgaben widmen will.
Wir wünschen ihm alles Gute für seine neue Position und danken ihm für die extrem
erfolgreichen Jahre, die er unserem Unternehmen mit seinem Team beschert hat."
(cr)
InWaChRo-News: Dienstag, 24.07.07
TietoEnator: Drastischer Gewinneinbruch im zweiten Quartal
Am Freitag, dem 20.07.2007 gab TietoEnator seine Geschäftszahlen für das zweite
Quartal bekannt.
Der Umsatz stieg zwar um 5 Prozent auf 434,2 Mio. Euro, die Umsatzrendite betrug
jedoch nur noch 9,9 Mio. Euro nach 26,3 Mio. Euro im Vorjahr. Dies bedeutet einen
Rückgang um 62,4 Prozent. Der Gewinn vor Steuern betrug 8,9 Mio. Euro und blieb damit
um 64,8 Prozent hinter dem Gewinn des Vorjahres in Höhe von 25,3 Mio. Euro zurück. Der
Nettogewinn brach um 71,8 Prozent auf 4,8 Mio. Euro (Vorjahr 17 Mio. Euro) ein.
TietoEnator erreichte dabei eine Marge von 3,4 Prozent (Vorjahr 5,5 Prozent). Die
Restrukturierungskosten fielen mit 3,3 Mio. Euro (Vorjahr 4,2 Mio. Euro) geringer aus
als erwartet.
Höhere Personal- und Zulieferungskosten sowie unveränderte Durchschnittspreise wirkten
sich nach Angaben von TietoEnator negativ auf die Profitabilität aus. Insbesondere der
Banking & Insurance-Geschäftsbereich verzeichnete in diesem Quartal einen Verlust. Die
schwache Performance des Geschäftsbereichs Gesundheitswesen setzte sich fort.
Åke Plyhm, Stellvertretender CEO von TietoEnator, kommentiert die Geschäftszahlen wie
folgt: "Unsere Ergebnisse für das zweite Quartal sind nicht zufriedenstellend.
Zahlreiche Faktoren senken derzeit unsere Profitabilität, wobei die schwache
Performance des Geschäftsbereiches Banking & Insurance in diesem Quartal erschwerend
hinzukam. Die Profitabilitätsprobleme werden nacheinander in Angriff genommen und
gelöst. Das Wachstum ist weiterhin stark und wir müssen diese Impulse nutzen, um
unsere Profitabilität zukünftig wieder in eine positive Richtung zu lenken."
Das Unternehmen geht davon aus, dass es schwer ist, das zuvor angekündigte Ziel einer
Steigerung der Umsatzrendite gegenüber dem Vorjahr zu erreichen.
Nach Bekanntgabe der enttäuschenden Zahlen rutschte die Aktie um 15,52 Prozent auf
20,08 Euro ab.
(cr)
InWaChRo-News: Mittwoch, 11.07.07
TietoEnator: Arbeitsmangel bei Ex-Siemens-Kollegen
Die ehemaligen Siemens-Mitarbeiter, die in der EWSD-Entwicklung und in der technischen
Dokumentation, beschäftigt waren, sind am 01.07.2006 zu TietoEnator übergegangen.
Diese Mitarbeiter waren zunächst mit Service und Wartung für EWSD beschäftigt. Später
wurden ihre Aufgaben abgelöst durch Aufträge wie Systemtest von der Siemens Networks
GmbH & Co. KG im Bereich Mobile Networks.
Nach dem Start des Joint Ventures am 01.04.2007 wurden viele dieser Projekte von Nokia
Siemens Networks gestoppt. Seither sind viele der Ex-Siemens-Mitarbeiter nicht mehr
ausgelastet. Die von Thomas Ganswindt versprochenen VDO-Aufträge blieben aus. Der
Versuch, Folgeaufträge von Nokia Siemens Networks oder anderen Firmen zu akquirieren,
verliefen bisher nach Angaben von Mitarbeitern nicht sehr erfolgreich. Die
Ex-Siemens-Mitarbeiter sind jedoch bis 30.06.2009 durch eine rechtssichere
Nichtkündigungsgarantie vor dem Arbeitsplatzverlust geschützt.
Inzwischen bereitet TietoEnator die Mitarbeiter auf Kosteneinsparungen vor. Dabei ist
die Rede von "Flexibilisierungen" im Einkommen. TietoEnator strebt nach
Mitarbeiterangaben einen um 20 Prozent niedrigeren Stundensatz an, der sich in den
Einkommen niederschlagen dürfte. Senkung der Gehälter ist derzeit ein allgemeiner
Trend des Arbeitgeberlagers. So mussten viele Siemens-Mitarbeiter bei der
ERA-Einführung Gehaltsabgruppierungen um bis zu 30 Prozent hinnehmen.
(cr/iw)
InWaChRo-News: Sonntag, 08.07.07
Ericsson: Entwicklung in Backnang wird ausgelagert
Erst Anfang 2006 hatte Ericsson den Standort Backnang, der etwa 27 km nordöstlich von
Stuttgart in Baden-Württemberg liegt, mit rund 900 Beschäftigten von Marconi übernommen.
Viele Mitarbeiter hielten das damals noch für einen Glücksfall. Bereits ein halbes
Jahr später gab Ericsson bekannt, dass 228 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren
sollten. Die Niederlassung solle im Gegenzug aber längerfristig erhalten bleiben,
teilte der Betriebsratsvorsitzende Rolf Lohrmann (IG Metall) damals mit. Stefan Kindt,
Geschäftsführer von Ericsson, wollte den Standort zumindest für die kommenden zwei
Jahre, also bis August 2008 erhalten.
Am 29.06.2007 meldete Heise, dass Ericsson beschlossen hat, die Entwicklungssparte am
Standort Backnang mit rund 370 der verbliebenen 700 Mitarbeiter auszulagern. Im
Gespräch sind noch zwei Unternehmen, eines davon ist TietoEnator.
Auch hier erkennt man wieder das alte Muster, dem Konzerne folgen: Ein Betrieb wird
übernommen. Nach einer kurzen Anstandsfrist von einem halben bis einem Jahr erfolgt
Stellenabbau mit der Hoffnung, dass der Standort erhalten bleibt. Schließlich folgt
die Auslagerung der Entwicklung.
Daran erkennt man wieder, dass die Hoffnung des GBR "Die Erfahrungen aus den
Restrukturierungen bei COM in den letzten Jahren zeigen, dass die einzige Perspektive
die nächste Restrukturierung war. Das soll nun grundsätzlich geändert werden." nur ein
Luftschloss ist.
(cr)
InWaChRo-News: Sonntag, 08.07.07
TietoEnator: Langfristig sichere Arbeitsplätze bei TietoEnator?
Immer häufiger taucht das Unternehmen TietoEnator auf, wenn es in den Schlagzeilen
heißt, Arbeitsplätze aus Forschung und Entwicklung werden ausgegliedert.
Im Juli 2006 übernahm TietoEnator die EWSD-Entwicklung mit etwa 250 Mitarbeitern von
Siemens. Dafür sagte Siemens Aufträge in Höhe von 100 Mio. EUR zu. Da bereits zum
Start des Joint Ventures Nokia Siemens Networks bekannt wurde, dass mit TietoEnator
über die Übernahme eines Bereiches in München verhandelt wird, scheint es geboten,
sich erneut mit diesem Thema auseinanderzusetzen.
Nokia Siemens Networks muss die Beschäftigung der eigenen Mannschaft sicherstellen.
NSN wird schon Schwierigkeiten haben, den Personalabbau um 18,2 Prozent zu erreichen.
Wenn NSN zusätzlich Aufträge an andere Firmen vergibt anstatt die verbleibenden
Mitarbeiter damit zu beschäftigen, dürfte ein noch höherer Abbau notwendig sein.
Daher wird es wohl über die garantierte Auftragshöhe von 100 Mio. EUR hinaus, zu der
NSN als Rechtsnachfolger von Siemens verpflichtet ist, derzeit keine zusätzliche
Beauftragung von TietoEnator durch NSN geben.
Die Bemühungen von TietoEnator zusätzliche Projekte bei NSN zu akquirieren, laufen
daher vermutlich nicht sehr erfolgreich. Die Verhandlungen zwischen TietoEnator und
NSN zur Ausgliederung von Forschung und Entwicklung in München, sind vermutlich
aufgrund der ausbleibenden Aufträge von NSN ins Stocken geraten. Laut IG Metall
erklärte der Arbeitgeber schriftlich, dass derzeit keine Ausgliederungen geplant
sind, was auf einen Abbruch der Verhandlungen mit TietoEnator hinweisen könnte.
Das Geschäftsmodell von TietoEnator beruht darauf, Mitarbeiter anderer Firmen gegen
die Zusicherung von Aufträgen dieser Firmen zu übernehmen. Darüber hinaus muss
TietoEnator zusätzlich Aufträge akquirieren und Entwicklungstätigkeiten durch die
vorhandene Mannschaft anbieten. Dieses Modell funktioniert nur dann, wenn TietoEnator
moderat wächst und zusätzliche Aufträge hereinholen kann. Verlässt sich die Firma
alleine auf die bei einer Übernahme zugesagten Aufträge, dann wird dieses
Geschäftsmodell sehr schnell zusammenbrechen.
Nehmen wir einmal an, eine Firma akquiriert keine zusätzlichen Aufträge sondern
verlässt sich alleine auf die Übernahme von Mitarbeitern gegen Aufträge. Nehmen wir
weiter an, ein übernommener Mitarbeiter bringt Aufträge für zwei Mitarbeiter mit.
Die Firma kann nun ihre 2 Mitarbeiter voll beschäftigen. Nach einem Jahr ist deren
Auftrag erledigt. Damit diese nun nicht ohne Arbeit dasitzen, müssten im 2. Jahr zwei
weitere Mitarbeiter von einer anderen Firma mit vier Aufträgen übernommen werden,
um alle beschäftigen zu können. Im dritten Jahr wären es schon 4 Mitarbeiter mit
8 Aufträgen, im vierten Jahr 8 Mitarbeiter mit 16 Aufträgen. Die Mitarbeiterzahl
wächst dabei exponentiell an. Es handelt sich um ein typisches Schneeballsystem,
das sehr schnell zusammenbricht. Man kann das Eintreten des Schneeballeffekts nur
verhindern, wenn man zusätzliche Aufträge ohne Mitarbeiter gewinnen kann. Dies geht
in ausreichendem Maße nur mit moderatem Wachstum.
Wir beobachten in letzter Zeit verstärkt Mitarbeiterübernahmen für den
Telekom & Media-Bereich von TietoEnator, verbunden mit der Übertragung von
Restarbeiten auf TietoEnator. Die Konzerne benutzen TietoEnator offensichtlich als
Mitarbeiter-Entsorger.
Etwa gleichzeitig zur Übernahme des EWSD-Bereichs sagte TietoEnator zu, eine
Mehrheitsbeteiligung an der polnischen RTS Networks zu erwerben, einen Anbieter von
Forschungs- und Entwicklungs- Services, der hauptsächlich für Com arbeitete. Dadurch
kamen weitere 110 Mitarbeiter zu TietoEnator. Im Januar 2007 schließlich stellte
TietoEnator 140 Mitarbeiter ein, die früher Softwareentwicklung und Systemtest für
BenQ in Wroclaw, Polen durchgeführt haben. Sie sollen nun für Kunden im Forschungs-
und Entwicklungsbereich arbeiten. Auch Ericsson verhandelt mit TietoEnator über die
Ausgliederung der Entwicklung mit 370 Mitarbeitern in Backnang.
Die Mitarbeiterzahl von TietoEnator ist 2006 um 4,5 Prozent auf 14.597 gestiegen, der
EBit
lag mit 127,7 Mio. EUR deutlich unter den 183,3 Mio. EUR des Jahres 2005. Die
Marge ist von 12,7 Prozent im Vorjahr auf 7,8 Prozent im Jahr 2006 eingebrochen. Der
Umsatz
ist 2006 von 1.681,6 Mio. EUR auf 1.645,5 Mio. EUR gefallen.
Man erkennt also einen rückläufigen Trend bei Umsatz, EBit und Marge, während die
Mitarbeiterzahl steigt. Wenn es TietoEnator nicht gelingt, neue Aufträge ohne
Mitarbeiter zu akquirieren und sich immer mehr auf die Übernahme von ausgegliederten
Firmenteilen mit Restaufträgen für die übernommenen Mitarbeiter spezialisiert, dann
werden sie über kurz oder lang massiv Personal abbauen müssen.
Der Fehler in dem Geschäftsmodell ist unserer Meinung nach: Der Prozess der
Ausgliederung der Entwicklungstätigkeiten der Konzerne, deren Wachstum und damit die
Erteilung von Folgeaufträgen für Firmen wie TietoEnator dauert zu lange, um eine
nachhaltige Entwicklung des Unternehmens und damit einen sicheren Arbeitsplatz für
die Mitarbeiter zu garantieren.
(cr/iw)
Autoren: Inken Wanzek, Christine Rosenboom
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