Alcatel Lucent 2008
17.02.08 Keine Angst vor dem Scheinriesen
17.02.08 Kunde droht mit Auftrag
12.02.08 Mit Mut gegen den Frust
03.02.08 Wut über Job-Abbau - UMTS R&D wird nach Frankreich verlagert
24.01.08 Erneuter Stellenabbau bei Alcatel-Lucent
24.01.08 Ein Streik der besonderen Art
17.01.08 Unterrichtung des Wirtschaftsausschusses unter lebhaften Interesse der Belegschaft
13.01.08 Ausgliederung zu Wipro geplant
13.01.08 Gefühlschaos gegen Fakten
InWaChRo-News: Sonntag, 17.02.08
Alcatel-Lucent: Keine Angst vor dem Scheinriesen
Die Mitarbeiter sollten zunächst die Gespräche im Wirtschaftsausschuss und die
Verhandlungen mit dem Betriebsrat über Interessenausgleich und Sozialplan abwarten.
In der Zwischenzeit solltet ihr euch über eure Rechte und Handlungsmöglichkeiten bei den
verschiedenen Formen des Stellenabbaus wie Aufhebungsvertrag, Beschäftigungsgesellschaft,
betriebsbedingte Kündigung etc. informieren.
Betriebsbedingte Kündigungen sind wie der Scheinriese Tur Tur bei Jim Knopf. Je näher man
ihm kommt, das heißt je detaillierter man die rechtlichen Fakten eines
Kündigungsschutzprozesses betrachtet, desto kleiner wird die Angst, weil der Scheinriese
schrumpft. Mit betriebsbedingten Kündigungen rechnen wir aufgrund unserer bisherigen
Erfahrungen nicht, da Kündigungen für den Arbeitgeber stets mit hohen Risiken und Kosten
verbunden sind. Der Arbeitgeber muss nämlich bei Kündigungen eine
Sozialauswahl über den
Betrieb durchführen und wird daher nicht genau die Mitarbeiter los, die er gerne kündigen
möchte. Dies kann er nur durch „freiwillige Maßnahmen“ erreichen. Damit diese zum Ziel
führen, zeigt er immer den Scheinriesen Tur Tur (betriebsbedingte Kündigung) vor. Zu
hundert Prozent ausschließen kann man betriebsbedingte Kündigungen natürlich nicht.
(cr/iw)
InWaChRo-News: Sonntag, 17.02.08
Alcatel-Lucent: Kunde droht mit Auftrag
Auf der Nürnberger
Betriebsversammlung
vom 15.2.08 beklagte der aus Stuttgart angereiste
Vorstandsvorsitzender Wolfgang Weik die negative globale Bilanz des Konzerns und die
schlechten Marktaussichten. Er erklärte den Mitarbeitern, dass die UMTS Entwicklung nun
doch nicht komplett geschlossen wird. Offensichtlich hatte man übersehen, dass bis 2010
noch ein Auftrag für AT&T abzuarbeiten ist.
Die Betriebsversammlung soll fortgesetzt werden, wenn der Vorstand Pläne hat, über die er
berichten kann, will oder darf. Zunächst sollen diese Pläne aber mit dem
Wirtschaftsausschuss beraten werden, berichtet Netzwerk-IT.
(iw/cr)
InWaChRo-News: Dienstag, 12.02.08
Alcatel-Lucent: Mit Mut gegen den Frust
Wir verstehen, dass ihr frustriert seid und die Situation für viele ausweglos erscheint.
Der Gedanke, aus Wut, Frust oder Hoffnungslosigkeit Alcatel-Lucent zu verlassen mag
vielen als der einzige Weg erscheinen. Es ist im Sinne des Managements, wenn sich eine
solche Hoffnungslosigkeit verbreitet und ihr euch von negativen Emotionen zur Unterschrift
unter einen Aufhebungsvertrag hinreißen lasst.
Doch diese Entscheidung solltet ihr genau überlegen, euch die Alternativen, die es gibt
anschauen und diese immer wieder gegeneinander abwägen. Fällt diese Entscheidung erst
dann, wenn euch alle daraus folgenden Konsequenzen bewusst sind. Da auch bei euch im
Wesentlichen Mitarbeiter über 45 Jahren angesprochen werden, ist die Arbeitsmarktsituation
für ältere Arbeitnehmer genau zu betrachten. Wenn ihr euch umschaut, bauen alle größeren
Unternehmen insbesondere Mitarbeiter über 45 Jahren ab. Schätzt selbst die Aussichten,
einen anderen Arbeitsplatz zu finden, realistisch ein. Schaut dazu in die
Internet-Jobbörsen, bewerbt euch probeweise, um ein Gefühl zu bekommen, wie ihr auf dem
Arbeitsmarkt ankommt.
Die hässlichste Folge einer aus der Emotion heraus getroffenen Entscheidung ist Hartz IV.
Diese Folge verdrängen alle in ihrem ersten Frust, ihrer Enttäuschung über das Management,
in dem Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Das böse Erwachen und der hohe psychische Druck
kommen dann meistens direkt nach der Unterschrift. So erreichen uns immer wieder
teilweise verzweifelte E-Mails von Mitarbeitern, die unterschrieben haben, um dem
psychischen Druck zu entkommen.
Niemand kann versprechen, dass Hartz IV nie kommt. Aber unsere Erfahrung ist, dass man
mit einer Hartz IV-Situation wesentlich besser umgehen kann, wenn man zuvor alle
Möglichkeiten analysiert und für sich ausgeschöpft hat. Denn nur dann kann man sich
sagen: „ich habe alles versucht“. Ansonsten treten unweigerlich Selbstvorwürfe ein –
„hätte ich doch…“
Zu den Alternativen, die man durchdenken sollte, gehört auch, solange wie möglich in der
Firma zu bleiben. Jeder Monat, jedes Jahr ist ein Monat, ein Jahr mehr ohne Hartz IV und
damit ein gewonnener Monat, ein gewonnenes Jahr. Ein Monat, ein Jahr mehr auch in der
Rentenversicherung. Die Kollegen, die 2003 bei Siemens um ihren Arbeitsplatz gekämpft
haben, hatten die Strategie, jeder Monat mehr ist ein Gehalt mehr zum Überleben. Heute
haben sie durch diese Strategie bereits 5 Jahre und 4 Monate ihren Arbeitsplatz erhalten
und haben noch Kündigungsschutz bis 30.9.2009. Manche haben dadurch inzwischen auch ihren
tariflichen Kündigungsschutz erreicht, den auch viele von euch haben dürften. Tariflichen
Kündigungsschutz haben nach dem Metall-Tarifvertrag Tarif-Mitarbeiter, die 50 Jahre alt
sind und mindestens 15 Jahre im Unternehmen bzw. 55 Jahre und mindestens 10 Jahre im
Unternehmen sind.
Wir möchten euch Mut machen, nicht einfach aufzugeben, sondern erst einmal alle Wege zu
suchen, die euch offen stehen und euch dann in Ruhe für den für euch besten Weg zu
entscheiden.
Ihr könnt uns eure Fragen und Informationen gerne (
auch anonym) schicken. Wenn diese von
allgemeinem Interesse sind, werden wir dazu einen Artikel auf der Homepage
veröffentlichen.
(iw/cr)
InWaChRo-News: Sonntag, 03.02.08
Alcatel-Lucent: Wut über Job-Abbau - UMTS R&D wird nach Frankreich verlagert
Wie wir am 24.1.2008 berichteten, sollen in diesem Jahr 270 Ingenieure in Nürnberg
Alcatel-Lucent verlassen. Obwohl die Zahlen den Mitarbeitern bereits bekannt waren,
machte eine Aussage viele Mitarbeiter fassungslos: Forschung und Entwicklung für den
Mobilfunkstandard UMTS sollen von Nürnberg in das Stammland von Alcatel, die bei dem
Joint-Venture die Führung haben, nach Paris verlagert werden. Diese Verlagerung betrifft
100 Arbeitsplätze.
„Mein Bereich verschwand heute. Ich war sehr aufgewühlt und konnte heute Mittag nicht
einmal meiner Frau von den Ereignissen erzählen, ohne mit der Stimme zu stocken und mit
Tränen in den Augen. Es war heute hart.“
Viele schockte auch die Art und Weise, wie ihnen der Vorstand diese Nachricht überbrachte,
nämlich per Webcast. Zentral von Stuttgart aus informierte der Alcatel-Lucent Vorstand
die betroffenen deutschen Standorte. Für jeden Bereich wurden nach einer kurzen
Begründung die Entlassungszahlen für Deutschland bekanntgegeben. Entlassen wird fast
überall, insgesamt gibt es einen Abbau von 658 Arbeitsplätzen.
In Nürnberg bat der Betriebsratsvorsitzende alle Kollegen, die auf der linken Seite saßen,
aufzustehen. Die Anzahl der Stühle dort entsprachen der Anzahl der geplanten Entlassungen.
Damit wurde eindrucksvoll demonstriert, welche Ausmaße der geplante Stellenabbau hat.
Die Betriebsversammlung wurde dann unterbrochen und soll erst dann fortgesetzt werden,
wenn der komplette Vorstand anwesend ist, damit die Mitarbeiter Auge in Auge mit ihm
reden können. Die Nürnberger Belegschaft machte ihrer Wut anschließend auf einer
Protestkundgebung Luft.
In Frankreich will Alcatel-Lucent 398 Stellen abbauen, damit erhöht sich die Gesamtzahl
des Personalabbaus in Frankreich auf 1.868 seit Alcatel-Lucent im Dezember 2006 die
Geschäftstätigkeit aufgenommen hat. Es sollen jetzt weltweit 4.000 mehr Stellen abgebaut
werden, von denen 3200 auf Europa entfallen. Insgesamt erhöht sich damit die Abbauzahl
auf 16.500 Arbeitsplätze weltweit.
Alcatel-Lucent musste im letzten Jahr drei Gewinnwarnungen herausgeben. Die Aktien verloren
mehr als 60 Prozent im letzten halben Jahr. Mach Reuters ist dies hauptsächlich auf die Schwierigkeiten,
durch den Zusammenschluss von Alcatel und Lucent entstanden, zurückzuführen.
(cr/iw)
InWaChRo-News: Donnerstag, 24.01.08
Alcatel-Lucent: Erneuter Stellenabbau bei Alcatel-Lucent
Mitarbeiter von Nokia Siemens Networks sollten aufmerksam die Entwicklung bei
Alcatel-Lucent verfolgen. Hier wie dort fusionierten zwei Unternehmen. Bei Alcatel-Lucent
hat Alcatel das Sagen, bei Nokia Siemens Networks Nokia. Dass Nokia nicht zimperlich mit
Mitarbeitern umgeht, wissen wir spätestens seit der angekündigten Schließung des Nokia
Werkes in Bochum.
Was ist bei Alcatel-Lucent geschehen? Seitdem der große französische Alcatel-Konzern die
kleinere amerikanische Lucent Technologies Ende 2006 übernommen hatte, versuchen beide
Teile, so viele Funktionen und Projekte samt Personal zu retten, wie sie können. Doch der
größere Partner Alcatel hat dabei mehr Erfolg. 2007 folgte dann, wie bei Nokia,
Stellenabbau. In Nürnberg sollten im ehemaligen Lucent-Headquarter
300 Entwicklerarbeitsplätze entfallen. Etwa 130 bis 140 Mitarbeiter nahmen das
Trennungsangebot an. Vor kurzem reagierte Alcatel-Lucent - wie NSN - mit
Ausgliederungsplänen zu Wipro.
Jetzt wurde bekannt, dass in den deutschen
Standorten
weiterer Stellenabbau erfolgen soll. In Nürnberg sollen bis Ende des Jahres 271
Arbeitsplätze entfallen. Dies entspricht einem Abbau von fast 28 Prozent der Nürnberger
Belegschaft. Damit ist das ehemalige Es hat der Belegschaft dort nicht geholfen, dass
über 100 Entwickler das "Trennungsangebot" 2007 angenommen haben. Unterm Strich bleibt
die vor einem Jahr genannte Zahl von ungefähr 300 Arbeitsplätzen, die Nürnberg abbauen
muss, bestehen.
Weltweit sollen, wie Pat Russo, Vorstandsvorsitzender von Alcatel-Lucent, bereits im
Oktober 2007 verkündete, 4000 Stellen abgebaut werden.
Nach diesem Abbau würden in Nürnberg nur noch 709 Beschäftigte verbleiben. Dies gefährde
nach Ansicht von Kennern der Materie über kurz oder lang den gesamten Standort im
Nordosten Nürnbergs. In der Lokalpresse wird dies bereits kritisch kommentiert.
Link zu Netzwerk IT:
Alcatel-Lucent
(iw)
InWaChRo-News: Donnerstag, 24.01.08
Alcatel-Lucent: Ein Streik der besonderen Art
Die Mitarbeiter in Nürnberg reagierten empört auf die erneuten Abbaupläne von insgesamt
271 Stellen. "Eine schreiende Ungerechtigkeit", kommentierten Mitarbeiter die neuen
Abbaupläne des Konzerns. Nach bekannt werden des erneuten Stellenabbaus trafen sich die
Nürnberger Kollegen spontan zu einer Informationsveranstaltung. Ganze Abteilungen
beschlossen nicht mehr zu arbeiten und um 12.00 Uhr gemeinsam nach Hause zu gehen.
Etwa 80 Mitarbeiter trafen sich am Haupteingang und verließen gemeinsam das
Firmengelände. Viele haben die Firma individuell verlassen. Die Mehrzahl der Büros war
bereits am frühen Nachmittag verwaist.
Was lehrt uns das? Koordinierte Inanspruchnahme von Gleitzeit kann der Firma auf völlig
legale Weise demonstrieren: Es reicht! Wir sind nicht mehr bereit, uns alles gefallen zu
lassen. Die Alcatel-Lucent Kollegen haben nun bereits zum zweiten Mal ihre Angst
überwunden und scheuten sich nicht mehr aufzufallen. Dies stärkt den Zusammenhalt der
Belegschaft und demonstriert dem Betriebsrat die Forderung der Belegschaft, harte
Verhandlungen zu führen.
Die Alcatel-Lucent Kollegen versuchen möglichst frühzeitig ihren Standpunkt klar zu
machen und in die Öffentlichkeit zu bringen. Viele wissen inzwischen - abwarten, hoffen
oder den Kopf in den Sand zu stecken, verhindert eine befürchtete Standortschließung,
vorbereitet durch scheibchenweisen Stellenabbau und Outsourcing nicht. Sich Wehren, laut
zu sagen, was in einem Großkonzern passiert, schafft Bewusstsein in der Öffentlichkeit.
Nokia in Bochum ist nur die Spitze des Eisberges und zeigt besonders deutlich, wie
Konzerne denken und handeln. Der jetzige Protest für die Belegschaft von Nokia in Bochum,
der heutige Protest der Belegschaft von Alcatel-Lucent, der Protest der Belegschaft von
Opel oder AEG 2006, der Protest der Siemens-Belegschaft 2003 und viele andere verpuffen
nur dann nicht, wenn Mitarbeiter immer mehr den Mut finden, sich gegen diese
Vorgehensweise der Konzerne laut und immer wieder zu wehren. Alle Arbeitnehmer müssen von
der Politik und den Arbeitgebern ein soziales Miteinander aller einfordern. Und diese
Forderung ist keine Bittstellerei, sondern festgeschrieben im Grundgesetz der
Bundesrepublik Deutschland.
Nur so wird sich die Politik daran erinnern, dass in unserem Grundgesetz in
Art. 20 steht: "Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer
Bundesstaat." Art. 14 II GG vertieft den Willen des Gesetzgebers zur sozialen
Marktwirtschaft: "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der
Allgemeinheit dienen." Darin begründet sich die soziale Marktwirtschaft, die nicht durch
eine Grundgesetzänderung zu Gunsten der Konzerne abgeschafft werden kann. Art. 20 GG ist
aufgrund von Art. 79 III GG nicht änderbar.
Die soziale Marktwirtschaft ist damit ein fundamentaler Bestandteil unserer Rechtsordnung.
Und diese zu bewahren ist Aufgabe eines jeden. Darauf sollte sich die Politik besinnen.
Wir sollten uns diese Grundsätze nicht durch die Profitsucht von Konzernen aushöhlen
lassen.
(iw)
InWaChRo-News: Donnerstag, 17.01.08
Alcatel-Lucent: Unterrichtung des Wirtschaftsausschusses unter lebhaften Interesse der Belegschaft
Heute fand bei Alcatel-Lucent in Nürnberg die Unterrichtung des Wirtschaftsausschusses und
des örtlichen Betriebsrats über die bevorstehende Ausgliederung zu Wipro statt. Nach
Betriebsverfassungsgesetz hätte diese Unterrichtung schon vor Wochen erfolgen müssen.
Diese Unterrichtung wurde in der Belegschaft mit lebhaftem Interesse verfolgt. Etwa 100
Beschäftigte bildeten ein Spalier vor den Räumen des örtlichen Betriebsrats, ohne jedoch
den Beginn der Sitzung zu behindern. Die etwa hundert Kollegen zeigten durch ihre
physische Präsenz dem Arbeitgeber deutlich, dass sie weder bereit sind, die Verletzung
ihrer Rechte hinzunehmen noch mit dem generellen Vorhaben einverstanden sind, komplette
Entwicklungsabteilungen auszulagern.
Die Betriebsleitung hielt auch heute die Unterrichtung der Arbeitnehmervertreter für eine
Formsache. Sie schickte Vertreter, die aus Sicht des Wirtschaftsausschusses nicht
bevollmächtigt waren, zu verhandeln. Die Arbeitnehmervertreter forderten die
Firmenvertreter auf, Arbeitsdirektor Jürgen Pösinger zu konsultieren und ihn aufzufordern,
persönlich die beabsichtigte Auslagerung der Access-Beschäftigten zu Wipro zu erläutern.
Weiter kritisierten sie, dass die Unterlagen über die Auslagerung dem Wirtschaftsausschuss
erst zu Beginn der Sitzung zugestellt worden seien, und so keine ausreichende
Vorbereitungszeit zur Verfügung gestanden hätte. Bereits nach flüchtigem Durchblättern war
zu erkennen, dass die bereit gestellten Unterlagen nicht die Voraussetzungen für eine
umfassende Unterrichtung enthielten.
Die Arbeitnehmervertreter unterbrachen daraufhin die Sitzung. Die Belegschaft verharrte
währenddessen weiter im Spalier auf dem Gang. Schließlich kehrten die
Firmenvertreter – wieder die Reihe der etwa hundert Mitarbeiter passierend - mit einer
Vollmacht des Arbeitsdirektors zurück. Die Sitzung wurde fortgesetzt. Ergebnisse sind
derzeit noch nicht bekannt.
(iw)
InWaChRo-News: Sonntag, 13.01.08
Alcatel-Lucent: Ausgliederung zu Wipro geplant
Nachdem der geplante Betriebsübergang von NSN Radio Access zu Wipro gescheitert ist,
möchte nun Wipro diesen Deal mit Alcatel-Lucent machen. So plant Alcatel-Lucent nun, die
Entwicklung des Produktes AnyMedia, das nach unseren Informationen ein Access-Produkt
ist, auszugliedern.
Wipro war bereits auf einer Mitarbeiterveranstaltung bei Alcatel-Lucent und sagte, dass
sie dringend Mitarbeiter für anstehende Projekte, auch außerhalb Alcatel-Lucent,
benötigen. Die indische Wipro beschäftigt mehr als 10.000 „Wanderarbeiter“ (itinerant
employees) und 7.500 Consultants. Diese Firma verleiht Arbeitnehmer an andere Firmen,
bzw. diese bearbeiten Aufträge von anderen Firmen. Es handelt sich also um nichts
anderes als Zeitarbeit, die man genauso gut bei Manpower, Adecco, Randstad etc. machen
kann.
Die Kollegen fragten auf der Mitarbeiterveranstaltung die Wipro-Manager nach den Gründen
für den geplatzten Übergang bei NSN. Die Manager antworteten, es hätte bei NSN ein
"package" gegeben und die Mitarbeiter hätten lieber das „package“ genommen als zu Wipro
überzugehen.
Diese Darstellung ist nicht ganz korrekt, denn erst nachdem die überwiegende Mehrheit der
NSN-Kollegen mehrfach versicherte nicht zu Wipro überzugehen, wurde zwischen Betriebsrat
und NSN vereinbart, dass der geplante Ramp Down ihres Projektes innerhalb von NSN
durchgeführt wird und parallel dazu Einsatzmöglichkeiten am Standort für die später frei
werdenden Kollegen gefunden werden.
(iw/cr)
InWaChRo-News: Sonntag, 13.01.08
Alcatel-Lucent: Gefühlschaos gegen Fakten
Auch die Alacatel-Lucent-Kollegen stellen sich die Frage: Ist es besser, bei
Alcatel-Lucent zu bleiben oder zu Wipro überzugehen? Sie argumentieren wie ihre Kollegen
bei NSN: Mit Alcatel-Lucent geht es immer nur bergab. Die Mitarbeiter fragen sich, ob sie
als deutsches "Front-End" eines Off-Shoring Unternehmens nicht eine sicherere Zukunft
haben als in einem Konzern, der offen zugibt, immer mehr R&D Tätigkeiten auszulagern.
Weiter herrscht die Angst vor, dass sich mit Wipro ein neuer „Fall BenQ“ anbahnt. Dann
schwanken die Gefühle wieder und es wird gefragt: Oder besteht hier wirklich die Chance,
aus der kränkelnden Telekommunikationsbranche in eine weniger anfälligen Bereich wie
beispielsweise Automatisierungstechnik oder Ähnliches zu wechseln?
Bei diesen Überlegungen sollte man sich das Beispiel BenQ vor Augen halten. Siemens
Mobile Devices war hoch defizitär, als der Bereich zu BenQ Mobile überging. Mobile
Devices war jedoch im Weltmarkt eingeführt und hatte daher in einem wachsenden Markt
eine Chance, saniert und wieder profitabel zu werden. Insbesondere, da Siemens für die
Sanierung eine Mitgift in Millionenhöhe zahlte und die Nutzung des Markennamens „Siemens“
für 5 Jahre garantierte. Trotz dieser relativ guten Voraussetzungen
scheiterte BenQ
Mobile, weil der taiwanesische Eigentümer das Geld, die Patente, Lizenzen und sonstigen
Werte aus BenQ Mobile abzog und damit die Insolvenz herbeiführte.
Alle Unternehmen, die derzeit für Outsourcing akquiriert werden, haben weder die
notwendige Größe um am Weltmarkt zu bestehen, noch besitzen sie eine eingeführte Marke
bzw. einen über lange Jahre aufgebauten Kundenstamm. Auch ein tragfähiges Geschäftsmodell
(wenn sie überhaupt eines haben) ist nicht zu erkennen.
Damit haben diese Unternehmen alle wesentlich schlechtere Voraussetzungen als BenQ. Wenn
also BenQ schon gescheitert ist, wie soll dann ein solches Unternehmen die Zukunft der
Mitarbeiter sicherstellen? Insbesondere wenn man gerade im Entwicklungsbereich bedenkt,
dass ein Software-Ingenieur in Bangalore etwa 12.000 Euro Bruttogehalt im Jahr erhält.
Am 31.12.2007 endete die bei BenQ nach der Insolvenz eingerichtete Beschäftigungsgesellschaft.
2500 von den 3000 betroffenen Mitarbeitern waren in die Beschäftigungsgesellschaft
gewechselt. Davon übernahm Siemens 330 Mitarbeiter, also 13,2 Prozent.
Etwa 1000 ehemalige BenQ-Mitarbeiter, also 40 Prozent, sind heute arbeitslos.
(cr/iw)