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Am Day 1 hat die trans-atlantische Fusion von Alcatel und Lucent zunächst 12.500 Stellen weltweit bedroht. Kaum 9 Monate später wird schon über bis zu 30.000 Entlassungen spekuliert. Betroffen sind alle Bereiche. Statt Kräfte zu bündeln gibt es überall fragwürdige "Synergien". So einfach ist das nicht, deshalb tauschen sich hier Alcatel-Lucent-Beschäftigte aus, informieren sich gegenseitig und suchen nach neuen Wegen.

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Autoren:
Inken Wanzek,
Christine Rosenboom

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Alcatel Lucent 2008



17.02.08   Keine Angst vor dem Scheinriesen
17.02.08   Kunde droht mit Auftrag
12.02.08   Mit Mut gegen den Frust
03.02.08   Wut über Job-Abbau - UMTS R&D wird nach Frankreich verlagert
24.01.08   Erneuter Stellenabbau bei Alcatel-Lucent
24.01.08   Ein Streik der besonderen Art
17.01.08   Unterrichtung des Wirtschaftsausschusses unter lebhaften Interesse der Belegschaft
13.01.08   Ausgliederung zu Wipro geplant
13.01.08   Gefühlschaos gegen Fakten



InWaChRo-News: Sonntag, 17.02.08

Alcatel-Lucent: Keine Angst vor dem Scheinriesen
Die Mitarbeiter sollten zunächst die Gespräche im Wirtschaftsausschuss und die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über Interessenausgleich und Sozialplan abwarten. In der Zwischenzeit solltet ihr euch über eure Rechte und Handlungsmöglichkeiten bei den verschiedenen Formen des Stellenabbaus wie Aufhebungsvertrag, Beschäftigungsgesellschaft, betriebsbedingte Kündigung etc. informieren.

Betriebsbedingte Kündigungen sind wie der Scheinriese Tur Tur bei Jim Knopf. Je näher man ihm kommt, das heißt je detaillierter man die rechtlichen Fakten eines Kündigungsschutzprozesses betrachtet, desto kleiner wird die Angst, weil der Scheinriese schrumpft. Mit betriebsbedingten Kündigungen rechnen wir aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen nicht, da Kündigungen für den Arbeitgeber stets mit hohen Risiken und Kosten verbunden sind. Der Arbeitgeber muss nämlich bei Kündigungen eine Sozialauswahl über den Betrieb durchführen und wird daher nicht genau die Mitarbeiter los, die er gerne kündigen möchte. Dies kann er nur durch „freiwillige Maßnahmen“ erreichen. Damit diese zum Ziel führen, zeigt er immer den Scheinriesen Tur Tur (betriebsbedingte Kündigung) vor. Zu hundert Prozent ausschließen kann man betriebsbedingte Kündigungen natürlich nicht.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Sonntag, 17.02.08

Alcatel-Lucent: Kunde droht mit Auftrag
Auf der Nürnberger Betriebsversammlung vom 15.2.08 beklagte der aus Stuttgart angereiste Vorstandsvorsitzender Wolfgang Weik die negative globale Bilanz des Konzerns und die schlechten Marktaussichten. Er erklärte den Mitarbeitern, dass die UMTS Entwicklung nun doch nicht komplett geschlossen wird. Offensichtlich hatte man übersehen, dass bis 2010 noch ein Auftrag für AT&T abzuarbeiten ist.

Die Betriebsversammlung soll fortgesetzt werden, wenn der Vorstand Pläne hat, über die er berichten kann, will oder darf. Zunächst sollen diese Pläne aber mit dem Wirtschaftsausschuss beraten werden, berichtet Netzwerk-IT.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Dienstag, 12.02.08

Alcatel-Lucent: Mit Mut gegen den Frust
Wir verstehen, dass ihr frustriert seid und die Situation für viele ausweglos erscheint. Der Gedanke, aus Wut, Frust oder Hoffnungslosigkeit Alcatel-Lucent zu verlassen mag vielen als der einzige Weg erscheinen. Es ist im Sinne des Managements, wenn sich eine solche Hoffnungslosigkeit verbreitet und ihr euch von negativen Emotionen zur Unterschrift unter einen Aufhebungsvertrag hinreißen lasst.

Doch diese Entscheidung solltet ihr genau überlegen, euch die Alternativen, die es gibt anschauen und diese immer wieder gegeneinander abwägen. Fällt diese Entscheidung erst dann, wenn euch alle daraus folgenden Konsequenzen bewusst sind. Da auch bei euch im Wesentlichen Mitarbeiter über 45 Jahren angesprochen werden, ist die Arbeitsmarktsituation für ältere Arbeitnehmer genau zu betrachten. Wenn ihr euch umschaut, bauen alle größeren Unternehmen insbesondere Mitarbeiter über 45 Jahren ab. Schätzt selbst die Aussichten, einen anderen Arbeitsplatz zu finden, realistisch ein. Schaut dazu in die Internet-Jobbörsen, bewerbt euch probeweise, um ein Gefühl zu bekommen, wie ihr auf dem Arbeitsmarkt ankommt.

Die hässlichste Folge einer aus der Emotion heraus getroffenen Entscheidung ist Hartz IV. Diese Folge verdrängen alle in ihrem ersten Frust, ihrer Enttäuschung über das Management, in dem Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Das böse Erwachen und der hohe psychische Druck kommen dann meistens direkt nach der Unterschrift. So erreichen uns immer wieder teilweise verzweifelte E-Mails von Mitarbeitern, die unterschrieben haben, um dem psychischen Druck zu entkommen.

Niemand kann versprechen, dass Hartz IV nie kommt. Aber unsere Erfahrung ist, dass man mit einer Hartz IV-Situation wesentlich besser umgehen kann, wenn man zuvor alle Möglichkeiten analysiert und für sich ausgeschöpft hat. Denn nur dann kann man sich sagen: „ich habe alles versucht“. Ansonsten treten unweigerlich Selbstvorwürfe ein – „hätte ich doch…“

Zu den Alternativen, die man durchdenken sollte, gehört auch, solange wie möglich in der Firma zu bleiben. Jeder Monat, jedes Jahr ist ein Monat, ein Jahr mehr ohne Hartz IV und damit ein gewonnener Monat, ein gewonnenes Jahr. Ein Monat, ein Jahr mehr auch in der Rentenversicherung. Die Kollegen, die 2003 bei Siemens um ihren Arbeitsplatz gekämpft haben, hatten die Strategie, jeder Monat mehr ist ein Gehalt mehr zum Überleben. Heute haben sie durch diese Strategie bereits 5 Jahre und 4 Monate ihren Arbeitsplatz erhalten und haben noch Kündigungsschutz bis 30.9.2009. Manche haben dadurch inzwischen auch ihren tariflichen Kündigungsschutz erreicht, den auch viele von euch haben dürften. Tariflichen Kündigungsschutz haben nach dem Metall-Tarifvertrag Tarif-Mitarbeiter, die 50 Jahre alt sind und mindestens 15 Jahre im Unternehmen bzw. 55 Jahre und mindestens 10 Jahre im Unternehmen sind.

Wir möchten euch Mut machen, nicht einfach aufzugeben, sondern erst einmal alle Wege zu suchen, die euch offen stehen und euch dann in Ruhe für den für euch besten Weg zu entscheiden.

Ihr könnt uns eure Fragen und Informationen gerne (auch anonym) schicken. Wenn diese von allgemeinem Interesse sind, werden wir dazu einen Artikel auf der Homepage veröffentlichen.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Sonntag, 03.02.08

Alcatel-Lucent: Wut über Job-Abbau - UMTS R&D wird nach Frankreich verlagert
Wie wir am 24.1.2008 berichteten, sollen in diesem Jahr 270 Ingenieure in Nürnberg Alcatel-Lucent verlassen. Obwohl die Zahlen den Mitarbeitern bereits bekannt waren, machte eine Aussage viele Mitarbeiter fassungslos: Forschung und Entwicklung für den Mobilfunkstandard UMTS sollen von Nürnberg in das Stammland von Alcatel, die bei dem Joint-Venture die Führung haben, nach Paris verlagert werden. Diese Verlagerung betrifft 100 Arbeitsplätze.

„Mein Bereich verschwand heute. Ich war sehr aufgewühlt und konnte heute Mittag nicht einmal meiner Frau von den Ereignissen erzählen, ohne mit der Stimme zu stocken und mit Tränen in den Augen. Es war heute hart.“

Viele schockte auch die Art und Weise, wie ihnen der Vorstand diese Nachricht überbrachte, nämlich per Webcast. Zentral von Stuttgart aus informierte der Alcatel-Lucent Vorstand die betroffenen deutschen Standorte. Für jeden Bereich wurden nach einer kurzen Begründung die Entlassungszahlen für Deutschland bekanntgegeben. Entlassen wird fast überall, insgesamt gibt es einen Abbau von 658 Arbeitsplätzen.

In Nürnberg bat der Betriebsratsvorsitzende alle Kollegen, die auf der linken Seite saßen, aufzustehen. Die Anzahl der Stühle dort entsprachen der Anzahl der geplanten Entlassungen. Damit wurde eindrucksvoll demonstriert, welche Ausmaße der geplante Stellenabbau hat. Die Betriebsversammlung wurde dann unterbrochen und soll erst dann fortgesetzt werden, wenn der komplette Vorstand anwesend ist, damit die Mitarbeiter Auge in Auge mit ihm reden können. Die Nürnberger Belegschaft machte ihrer Wut anschließend auf einer Protestkundgebung Luft.

In Frankreich will Alcatel-Lucent 398 Stellen abbauen, damit erhöht sich die Gesamtzahl des Personalabbaus in Frankreich auf 1.868 seit Alcatel-Lucent im Dezember 2006 die Geschäftstätigkeit aufgenommen hat. Es sollen jetzt weltweit 4.000 mehr Stellen abgebaut werden, von denen 3200 auf Europa entfallen. Insgesamt erhöht sich damit die Abbauzahl auf 16.500 Arbeitsplätze weltweit.

Alcatel-Lucent musste im letzten Jahr drei Gewinnwarnungen herausgeben. Die Aktien verloren mehr als 60 Prozent im letzten halben Jahr. Mach Reuters ist dies hauptsächlich auf die Schwierigkeiten, durch den Zusammenschluss von Alcatel und Lucent entstanden, zurückzuführen.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Donnerstag, 24.01.08

Alcatel-Lucent: Erneuter Stellenabbau bei Alcatel-Lucent
Mitarbeiter von Nokia Siemens Networks sollten aufmerksam die Entwicklung bei Alcatel-Lucent verfolgen. Hier wie dort fusionierten zwei Unternehmen. Bei Alcatel-Lucent hat Alcatel das Sagen, bei Nokia Siemens Networks Nokia. Dass Nokia nicht zimperlich mit Mitarbeitern umgeht, wissen wir spätestens seit der angekündigten Schließung des Nokia Werkes in Bochum.

Was ist bei Alcatel-Lucent geschehen? Seitdem der große französische Alcatel-Konzern die kleinere amerikanische Lucent Technologies Ende 2006 übernommen hatte, versuchen beide Teile, so viele Funktionen und Projekte samt Personal zu retten, wie sie können. Doch der größere Partner Alcatel hat dabei mehr Erfolg. 2007 folgte dann, wie bei Nokia, Stellenabbau. In Nürnberg sollten im ehemaligen Lucent-Headquarter 300 Entwicklerarbeitsplätze entfallen. Etwa 130 bis 140 Mitarbeiter nahmen das Trennungsangebot an. Vor kurzem reagierte Alcatel-Lucent - wie NSN - mit Ausgliederungsplänen zu Wipro.

Jetzt wurde bekannt, dass in den deutschen Standorten weiterer Stellenabbau erfolgen soll. In Nürnberg sollen bis Ende des Jahres 271 Arbeitsplätze entfallen. Dies entspricht einem Abbau von fast 28 Prozent der Nürnberger Belegschaft. Damit ist das ehemalige Es hat der Belegschaft dort nicht geholfen, dass über 100 Entwickler das "Trennungsangebot" 2007 angenommen haben. Unterm Strich bleibt die vor einem Jahr genannte Zahl von ungefähr 300 Arbeitsplätzen, die Nürnberg abbauen muss, bestehen.

Weltweit sollen, wie Pat Russo, Vorstandsvorsitzender von Alcatel-Lucent, bereits im Oktober 2007 verkündete, 4000 Stellen abgebaut werden.

Nach diesem Abbau würden in Nürnberg nur noch 709 Beschäftigte verbleiben. Dies gefährde nach Ansicht von Kennern der Materie über kurz oder lang den gesamten Standort im Nordosten Nürnbergs. In der Lokalpresse wird dies bereits kritisch kommentiert.
Link zu Netzwerk IT: Alcatel-Lucent
(iw)


InWaChRo-News: Donnerstag, 24.01.08

Alcatel-Lucent: Ein Streik der besonderen Art
Die Mitarbeiter in Nürnberg reagierten empört auf die erneuten Abbaupläne von insgesamt 271 Stellen. "Eine schreiende Ungerechtigkeit", kommentierten Mitarbeiter die neuen Abbaupläne des Konzerns. Nach bekannt werden des erneuten Stellenabbaus trafen sich die Nürnberger Kollegen spontan zu einer Informationsveranstaltung. Ganze Abteilungen beschlossen nicht mehr zu arbeiten und um 12.00 Uhr gemeinsam nach Hause zu gehen. Etwa 80 Mitarbeiter trafen sich am Haupteingang und verließen gemeinsam das Firmengelände. Viele haben die Firma individuell verlassen. Die Mehrzahl der Büros war bereits am frühen Nachmittag verwaist.

Was lehrt uns das? Koordinierte Inanspruchnahme von Gleitzeit kann der Firma auf völlig legale Weise demonstrieren: Es reicht! Wir sind nicht mehr bereit, uns alles gefallen zu lassen. Die Alcatel-Lucent Kollegen haben nun bereits zum zweiten Mal ihre Angst überwunden und scheuten sich nicht mehr aufzufallen. Dies stärkt den Zusammenhalt der Belegschaft und demonstriert dem Betriebsrat die Forderung der Belegschaft, harte Verhandlungen zu führen.

Die Alcatel-Lucent Kollegen versuchen möglichst frühzeitig ihren Standpunkt klar zu machen und in die Öffentlichkeit zu bringen. Viele wissen inzwischen - abwarten, hoffen oder den Kopf in den Sand zu stecken, verhindert eine befürchtete Standortschließung, vorbereitet durch scheibchenweisen Stellenabbau und Outsourcing nicht. Sich Wehren, laut zu sagen, was in einem Großkonzern passiert, schafft Bewusstsein in der Öffentlichkeit. Nokia in Bochum ist nur die Spitze des Eisberges und zeigt besonders deutlich, wie Konzerne denken und handeln. Der jetzige Protest für die Belegschaft von Nokia in Bochum, der heutige Protest der Belegschaft von Alcatel-Lucent, der Protest der Belegschaft von Opel oder AEG 2006, der Protest der Siemens-Belegschaft 2003 und viele andere verpuffen nur dann nicht, wenn Mitarbeiter immer mehr den Mut finden, sich gegen diese Vorgehensweise der Konzerne laut und immer wieder zu wehren. Alle Arbeitnehmer müssen von der Politik und den Arbeitgebern ein soziales Miteinander aller einfordern. Und diese Forderung ist keine Bittstellerei, sondern festgeschrieben im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland.

Nur so wird sich die Politik daran erinnern, dass in unserem Grundgesetz in Art. 20 steht: "Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat." Art. 14 II GG vertieft den Willen des Gesetzgebers zur sozialen Marktwirtschaft: "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen." Darin begründet sich die soziale Marktwirtschaft, die nicht durch eine Grundgesetzänderung zu Gunsten der Konzerne abgeschafft werden kann. Art. 20 GG ist aufgrund von Art. 79 III GG nicht änderbar.

Die soziale Marktwirtschaft ist damit ein fundamentaler Bestandteil unserer Rechtsordnung. Und diese zu bewahren ist Aufgabe eines jeden. Darauf sollte sich die Politik besinnen. Wir sollten uns diese Grundsätze nicht durch die Profitsucht von Konzernen aushöhlen lassen.
(iw)


InWaChRo-News: Donnerstag, 17.01.08

Alcatel-Lucent: Unterrichtung des Wirtschaftsausschusses unter lebhaften Interesse der Belegschaft
Heute fand bei Alcatel-Lucent in Nürnberg die Unterrichtung des Wirtschaftsausschusses und des örtlichen Betriebsrats über die bevorstehende Ausgliederung zu Wipro statt. Nach Betriebsverfassungsgesetz hätte diese Unterrichtung schon vor Wochen erfolgen müssen.

Diese Unterrichtung wurde in der Belegschaft mit lebhaftem Interesse verfolgt. Etwa 100 Beschäftigte bildeten ein Spalier vor den Räumen des örtlichen Betriebsrats, ohne jedoch den Beginn der Sitzung zu behindern. Die etwa hundert Kollegen zeigten durch ihre physische Präsenz dem Arbeitgeber deutlich, dass sie weder bereit sind, die Verletzung ihrer Rechte hinzunehmen noch mit dem generellen Vorhaben einverstanden sind, komplette Entwicklungsabteilungen auszulagern.

Die Betriebsleitung hielt auch heute die Unterrichtung der Arbeitnehmervertreter für eine Formsache. Sie schickte Vertreter, die aus Sicht des Wirtschaftsausschusses nicht bevollmächtigt waren, zu verhandeln. Die Arbeitnehmervertreter forderten die Firmenvertreter auf, Arbeitsdirektor Jürgen Pösinger zu konsultieren und ihn aufzufordern, persönlich die beabsichtigte Auslagerung der Access-Beschäftigten zu Wipro zu erläutern. Weiter kritisierten sie, dass die Unterlagen über die Auslagerung dem Wirtschaftsausschuss erst zu Beginn der Sitzung zugestellt worden seien, und so keine ausreichende Vorbereitungszeit zur Verfügung gestanden hätte. Bereits nach flüchtigem Durchblättern war zu erkennen, dass die bereit gestellten Unterlagen nicht die Voraussetzungen für eine umfassende Unterrichtung enthielten.

Die Arbeitnehmervertreter unterbrachen daraufhin die Sitzung. Die Belegschaft verharrte währenddessen weiter im Spalier auf dem Gang. Schließlich kehrten die Firmenvertreter – wieder die Reihe der etwa hundert Mitarbeiter passierend - mit einer Vollmacht des Arbeitsdirektors zurück. Die Sitzung wurde fortgesetzt. Ergebnisse sind derzeit noch nicht bekannt.
(iw)


InWaChRo-News: Sonntag, 13.01.08

Alcatel-Lucent: Ausgliederung zu Wipro geplant
Nachdem der geplante Betriebsübergang von NSN Radio Access zu Wipro gescheitert ist, möchte nun Wipro diesen Deal mit Alcatel-Lucent machen. So plant Alcatel-Lucent nun, die Entwicklung des Produktes AnyMedia, das nach unseren Informationen ein Access-Produkt ist, auszugliedern.

Wipro war bereits auf einer Mitarbeiterveranstaltung bei Alcatel-Lucent und sagte, dass sie dringend Mitarbeiter für anstehende Projekte, auch außerhalb Alcatel-Lucent, benötigen. Die indische Wipro beschäftigt mehr als 10.000 „Wanderarbeiter“ (itinerant employees) und 7.500 Consultants. Diese Firma verleiht Arbeitnehmer an andere Firmen, bzw. diese bearbeiten Aufträge von anderen Firmen. Es handelt sich also um nichts anderes als Zeitarbeit, die man genauso gut bei Manpower, Adecco, Randstad etc. machen kann.

Die Kollegen fragten auf der Mitarbeiterveranstaltung die Wipro-Manager nach den Gründen für den geplatzten Übergang bei NSN. Die Manager antworteten, es hätte bei NSN ein "package" gegeben und die Mitarbeiter hätten lieber das „package“ genommen als zu Wipro überzugehen.

Diese Darstellung ist nicht ganz korrekt, denn erst nachdem die überwiegende Mehrheit der NSN-Kollegen mehrfach versicherte nicht zu Wipro überzugehen, wurde zwischen Betriebsrat und NSN vereinbart, dass der geplante Ramp Down ihres Projektes innerhalb von NSN durchgeführt wird und parallel dazu Einsatzmöglichkeiten am Standort für die später frei werdenden Kollegen gefunden werden.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Sonntag, 13.01.08

Alcatel-Lucent: Gefühlschaos gegen Fakten
Auch die Alacatel-Lucent-Kollegen stellen sich die Frage: Ist es besser, bei Alcatel-Lucent zu bleiben oder zu Wipro überzugehen? Sie argumentieren wie ihre Kollegen bei NSN: Mit Alcatel-Lucent geht es immer nur bergab. Die Mitarbeiter fragen sich, ob sie als deutsches "Front-End" eines Off-Shoring Unternehmens nicht eine sicherere Zukunft haben als in einem Konzern, der offen zugibt, immer mehr R&D Tätigkeiten auszulagern.

Weiter herrscht die Angst vor, dass sich mit Wipro ein neuer „Fall BenQ“ anbahnt. Dann schwanken die Gefühle wieder und es wird gefragt: Oder besteht hier wirklich die Chance, aus der kränkelnden Telekommunikationsbranche in eine weniger anfälligen Bereich wie beispielsweise Automatisierungstechnik oder Ähnliches zu wechseln?

Bei diesen Überlegungen sollte man sich das Beispiel BenQ vor Augen halten. Siemens Mobile Devices war hoch defizitär, als der Bereich zu BenQ Mobile überging. Mobile Devices war jedoch im Weltmarkt eingeführt und hatte daher in einem wachsenden Markt eine Chance, saniert und wieder profitabel zu werden. Insbesondere, da Siemens für die Sanierung eine Mitgift in Millionenhöhe zahlte und die Nutzung des Markennamens „Siemens“ für 5 Jahre garantierte. Trotz dieser relativ guten Voraussetzungen scheiterte BenQ Mobile, weil der taiwanesische Eigentümer das Geld, die Patente, Lizenzen und sonstigen Werte aus BenQ Mobile abzog und damit die Insolvenz herbeiführte.

Alle Unternehmen, die derzeit für Outsourcing akquiriert werden, haben weder die notwendige Größe um am Weltmarkt zu bestehen, noch besitzen sie eine eingeführte Marke bzw. einen über lange Jahre aufgebauten Kundenstamm. Auch ein tragfähiges Geschäftsmodell (wenn sie überhaupt eines haben) ist nicht zu erkennen.

Damit haben diese Unternehmen alle wesentlich schlechtere Voraussetzungen als BenQ. Wenn also BenQ schon gescheitert ist, wie soll dann ein solches Unternehmen die Zukunft der Mitarbeiter sicherstellen? Insbesondere wenn man gerade im Entwicklungsbereich bedenkt, dass ein Software-Ingenieur in Bangalore etwa 12.000 Euro Bruttogehalt im Jahr erhält.

Am 31.12.2007 endete die bei BenQ nach der Insolvenz eingerichtete Beschäftigungsgesellschaft. 2500 von den 3000 betroffenen Mitarbeitern waren in die Beschäftigungsgesellschaft gewechselt. Davon übernahm Siemens 330 Mitarbeiter, also 13,2 Prozent. Etwa 1000 ehemalige BenQ-Mitarbeiter, also 40 Prozent, sind heute arbeitslos.
(cr/iw)