Nokia 2008
17.05.08 Beerdigung in Bochum
12.05.08 Strategische Neuausrichtung als Software- und Dienstleistungsanbieter
12.05.08 Microsoft will Telekomausrüster kaufen
13.04.08 Teure Schnäppchenjagd für Nokia?
09.04.08 Sozialplan für Bochum
20.02.08 Gewerkschaftsbund wirft Nokia Ausbeutung und Sklaverei vor
02.02.08 Verfahren wegen Subventionsbetrug eingeleitet
31.01.08 Schwindende Hoffnungen
31.01.08 Ein Kommentar: Solidarität
30.01.08 Image bricht drastisch ein
30.01.08 Zerschlagung des Nokia Werks in Bochum
30.01.08 Probleme im Bochumer Werk schon länger im Aufsichtsrat diskutiert
22.01.08 Pressekonferenz zur Jahresbilanz abgesagt
19.01.08 Zeitarbeitsfirmen kündigen Leiharbeiter
19.01.08 Pläne für R&D weltweit
19.01.08 Geplante Ausgliederungen von Service und R&D in Bochum
19.01.08 Solidarität mit den Mitarbeitern in Bochum
17.01.08 Vom Regen in die Traufe für Ex-BenQ Mitarbeiter
15.01.08 Handy-Produktion in Deutschland wird geschlossen, R&D in Bochum verkauft
InWaChRo-News: Samstag, 17.05.08
Nokia: Beerdigung in Bochum
Am Freitag war der letzte Arbeitstag für die meisten Beschäftigten im Nokia Handywerk in
Bochum. 150 der 2300 Mitarbeiter werden noch bis zur endgültigen Abwicklung des Werkes
weiter arbeiten. Sicherlich keine leichte Aufgabe.
"Im Januar ist das Werk gestorben, und heute war die Beerdigung",
sagte die
Betriebsratsvorsitzende Gisela Achenbach mit Tränen in den Augen.
Den lauten Protesten zu Beginn des Jahres war ein stilles Ende gefolgt. Die Produktion
war bereits am Mittwoch eingestellt worden. Am Freitag Morgen montierte die Bestückerin
K.L. die letzten 30 Telefone. Timo Elonen, einer der beiden Geschäftsführer des
Bochumer Werks, machte ein letztes Foto und wollte, wie K.L. empfand, auf Kumpel
machen. "Am liebsten hätte ich gesagt: "Habt ihr 'se nich' mehr alle".
Der letzte Arbeitstag ging zu Ende. Die Mitarbeiter erhielten ihre Papiere, gaben nach
ihrer letzten Schicht ihre Arbeitskleidung und sonstige dem Werk gehörende Dinge ab. Eine
offizielle Verabschiedung oder etwas Ähnliches gab es nicht. Die Mitarbeiter blieben
unter sich. Die Teams setzten sich zu einem letzten Kaffee zusammen, bevor sie ihren
bisherigen Arbeitsplatz endgültig verließen.
Kaum einer blickte zurück auf das Werk. Die Kollegen umarmten sich, manche gingen wortlos
durch das Werkstor - Tränen in den Augen hatten fast alle. "Ich hätte nicht gedacht, dass
es mich so mitnehmen würde", sagte Betriebsrat Frank Schubert, auch wenn er schon die
letzten Tage und Nächte nur über diesen Tag nachgedacht habe.
Bisher haben nur rund 120 Mitarbeiter einen neuen Job gefunden, berichtete Schubert
weiter. Dies seien im Wesentlichen besser bezahlte Entwicklungsingenieure gewesen. Sie
sind zum Großteil in das europäische Forschungszentrum des kanadischen
Blackberry-Hersteller RIM gewechselt. Achenbach sagte, sie habe es noch ganz gut
getroffen, denn sie könne in Altersteilzeit gehen, "aber Sorgen mache ich mir um die
Leute um die 50, die schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben."
Die Hoffnung der meisten liegt nun auf der Beschäftigungsgesellschaft, die am 6. Juni
vorgestellt werden soll. "Das darf keine Gesellschaft sein, die nur wartet und nichts
tut", sagte Gisela Achenbach, "neben der Suche nach Investoren für das Werksgelände
sollen die Kollegen für neue Jobs weitergebildet werden."
Hoffen wir, dass nicht auch diese Hoffnung zerstört wird.
Wir wünschen den Kolleginnen und Kollegen des ehemaligen Bochumer Nokia Werks für die
Zukunft alles Gute.
"Hoffnung ist nicht die Überzeugung dass etwas gut ausgeht,
sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."
Váslav Havel
Chronik der Ereignisse
(iw)
InWaChRo-News: Montag, 12.05.08
Nokia: Strategische Neuausrichtung als Software- und Dienstleistungsanbieter
Bei der Jahreshauptversammlung von Nokia am 08.05.2008 im Helsinki Fair Center sprach der
Vorstandsvorsitzende Olli-Pekka Kallasvuo über die Zukunft von Nokia.
„Unser Ziel ist es,
weniger ein klassischer Hersteller zu sein, sondern mehr wie eine Internetfirma zu
handeln“, so Kallasvuo.
Nokia sieht Firmen wie Apple, Microsoft und Google als seine zukünftigen Konkurrenten an,
sagte Olli-Pekka Kallasvuo den Aktionären. Nokia wird laut Kallasvuo in die
Geschäftsfelder „Geräte und Services“, sowie Nokia Siemens Networks aufgeteilt. Unter
„Geräten und Services“ werden die bisherigen Geschäftsgebiete Mobile Phones, Multimedia
und Enterprise Solutions zusammengefasst.
Mobile Phones ist, wie aus den Geschäftszahlen zu erkennen ist, momentan das tragende
Geschäft, also das, wovon Nokia derzeit lebt (so wie früher von den Gummistiefeln). Die
Handyentwicklung dient als finanzielle Basis für die Neuausrichtung, soll aber immer mehr
in den Hintergrund treten. Nokia sieht sich für die Zukunft als Internetfirma, wird also
den Bereich Multimedia ausbauen. Es ist damit zu rechnen, dass Enterprise Solutions
mittelfristig zur Disposition stehen wird.
Als klassischer Gerätehersteller passt Nokia Siemens Networks nicht mehr in die
Neuausrichtung von Nokia als Software- und Dienstleistungsanbieter. Hinzu kommt, dass
NSN sich nicht wie erwartet positiv entwickelt, sondern mit einem negativen Ergebnis
(Marge: -9,8 Prozent) und im Verhältnis zum Umsatz hoher Mitarbeiterzahl das
Geschäftsergebnis von Nokia belastet. Es ist daher zu erwarten, dass sich Nokia von
NSN trennen wird.
(iw/cr)
InWaChRo-News: Montag, 12.05.08
Nokia: Microsoft will Telekomausrüster kaufen
Laut der Online-Ausgabe des Nachrichtenmagazins „der Standard“ hat Microsoft,
Spekulationen aus Stockholmer Börsenkreisen zufolge, ernsthaftes Interesse daran, das
schwedische Telekommunikationsunternehmen Ericsson aufzukaufen. Analysten äußerten sich
skeptisch zu diesen Verkaufsgerüchten. Falls Microsoft tatsächlich einen Telekomanbieter
haben möchte, so Anders Elegemyr von der isländischen Bank Glitnir, wäre Nokia die
glaubwürdigere Wahl.
Klar dürfte sein, wenn Microsoft Nokia wirklich aufkaufen sollte, dann wird Microsoft
Nokia Siemens Networks abstoßen, denn dies passt genauso wenig in dessen Portfolio wie
in das geplante Portfolio von Nokia. Die Hürde, dass der Joint Venture Vertrag zwischen
Nokia und Siemens bis September 2011 läuft, dürfte für Nokia überwindbar sein, wenn
Siemens dem Verkauf zustimmt.
(cr/iw)
InWaChRo-News: Sonntag, 13.04.08
NSN: Teure Schnäppchenjagd für Nokia?
Die Verlagerung der Produktion von Bochum in das rumänische Cluij könnte Nokia teuer zu
stehen kommen. Nokia droht nach Aussage des Direktors des Industrieparks Tetarom der
Verlust von Steuervergünstigungen, weil Nokia weit mehr als die angekündigten 60
Millionen Euro an dem neuen Standort investiert. Nach den Regeln der Europäischen
Kommission dürfe Nokia die Steuervorteile eines Industrieparks nur bei abschreibbaren
Ausgaben bis zu 50 Millionen Euro in Anspruch nehmen.
Damit sei die Befreiung von der Immobiliensteuer für 30 Jahre gefährdet. Der Vertrag mit
den rumänischen Behörden sollte Ende April unterzeichnet werden. Die Schließung des
Werkes Nokia Bochum kostet den Handy-Hersteller noch weitere 200 Millionen Euro. Weiter
kommen die Einbußen durch den Kaufboykott erzürnter deutscher Kunden hinzu.
Auch, wenn es den Mitarbeitern von Nokia Bochum wenig nutzt: Ihr Protest und die breite
Resonanz in der Öffentlichkeit, hat das Augenmerk auf die Subventionsjagd der Konzerne
gerichtet. Vielleicht beginnen die europäischen Politiker, darüber nachzudenken, ob
Subventionen wirklich dauerhaft Arbeitsplätze schaffen oder, ob es nicht sinnvoller wäre,
die Gelder anderweitig zu verwenden.
(iw)
InWaChRo-News: Mittwoch, 09.04.08
Nokia: Sozialplan für Bochum
Gesamtbetriebsrat und Nokia einigten sich gestern über die Eckpunkte eines Sozialplans.
Insgesamt wird dieser Nokia 200 Millionen Euro kosten – fast dreimal soviel wie das
ursprüngliche Angebot von Nokia. Jeder der 2.300 Mitarbeiter bekommt also im Durchschnitt
87.000 Euro. 15 Millionen des Betrages fließen in eine Beschäftigungsgesellschaft, die
bis Anfang 2010 laufen wird. Die Details des Sozialplans, insbesondere die
Abfindungsmatrix, werden im Laufe der nächsten zwei Wochen festgelegt werden.
300 Mitarbeiter aus der Entwicklung sollen von zwei anderen Firmen übernommen werden.
Die Staatsanwaltschaft Bochum hat die Ermittlungen wegen eines möglichen
Subventionsbetrugs gegen Nokia mittlerweile eingestellt. Das Land Nordrhein-Westfalen
fordert weiterhin von Nokia die Rückzahlung von Subventionen in Höhe von rund
60 Millionen Euro, da das Unternehmen Zusagen bei der Schaffung von Stellen nicht
eingehalten habe.
Das Bochumer Werk erwirtschaftete 2007 einen Gewinn von 134 Mio. Euro. Für die Schließung
des Werkes zahlt Nokia 200 Mio. Euro für den Sozialplan und möglicherweise 60 Mio. Euro
an Subventionen zurück. Insgesamt zahlt Nokia also etwa doppelt soviel für die
Schließung, wie das Werk im Jahr an Gewinn erzielte.
(cr)
InWaChRo-News: Mittwoch, 20.02.08
Nokia: Gewerkschaftsbund wirft Nokia Ausbeutung und Sklaverei vor
Das neue Nokia-Werk im rumänischen Jucu bei Cluj sollte vor allem eines sein - billig.
Doch billig genügt Nokia immer noch nicht. Mitarbeiter in Rumänien sollen 60 bis
70 Stunden pro Woche schuften. Dazu will Nokia eine Änderung des rumänischen
Arbeitsgesetzes erreichen, um die Ausbeutung der Mitarbeiter zu legalisieren. Nach dem
rumänischen Arbeitsrecht sind derzeit höchstens 48 Stunden zulässig. Der rumänische
Arbeitsminister Paul Pacuraru bestätigte vor einigen Tagen, Nokia habe bei ihm eine
Änderung des Arbeitsgesetzes mit dem Ziel beantragt, dieses flexibler zu machen.
Die Gesundheit der Mitarbeiter wird sicher Schaden nehmen, aber das ist Nokia
offensichtlich egal. Dann werden die Mitarbeiter eben weggeworfen, neue eingestellt
oder Nokia zieht weiter wie ein Heuschreckenschwarm, der das Land leer gefressen hat.
Der rumänische Gewerkschaftsbund Cartel Alfa wirft Nokia Sklaverei vor, so etwas sei
„Ausbeutung“. Anstatt mehr Beschäftigte einzustellen, wolle Nokia auf diese Weise seinen
Profit steigern.
Mit diesen Forderungen nach einem 12-Stunden Arbeitstag nähern wir uns in Europa wieder
den Verhältnissen im 19. Jahrhundert zu Beginn der Industrialisierung. Damals hatte man
einen 14- bis 18-Stunden Arbeitstag verbunden mit Existenznot durch zu niedrige Löhne,
mit unsicheren Arbeitsplätzen, individueller Entfremdung, mit Fließbandarbeit, miserablen
Wohnverhältnissen, wie sie in Rumänien sowieso schon herrschen. Konzerne wie Nokia
scheinen überhaupt keine Hemmungen mehr zu haben, sich gegen jegliche gesellschaftlichen
Normen zu stellen. Wenn ein solcher Wind über Europa weht, dann entsteht sozialer
Sprengstoff, der sich, wie die Geschichte zeigt, irgendwann entladen wird.
Nokia wies unterdessen die Beschuldigungen zurück. Unternehmenssprecherin Arja Suominen
sagte in Helsinki, die Medienberichte über Anläufe zur Ausweitung der Wochenarbeitszeit
über das gesetzliche Limit hinaus seien falsch. Man weise sie "scharf zurück“. Sie
erklärte: "Nokia hält sich weltweit an die arbeitsrechtlichen Bestimmungen und Gebräuche
im Rahmen der in den jeweiligen Ländern geltenden Gesetze."
Toll! Konzerne wie Nokia wollen durch ihre wirtschaftliche Macht Druck auf die
Regierungen ärmerer Länder ausüben, um die dortigen Gesetze zu ihren Gunsten zu ändern.
Damit wird Ausbeutung legalisiert. Die Legalisierung wird aber den sozialen Sprengstoff
nicht entschärfen - im Gegenteil. Wenn die Arbeitnehmer der ärmeren Länder dann nicht nur
billiger, wie jetzt schon, sondern auch noch wesentlich länger arbeiten, wird dieser
Druck sich noch mehr auf die sogenannten Hochlohnländer auswirken. Die Regierungen dieser
Länder knicken vor der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit weiter ein und liberalisieren den
Arbeitsmarkt weiter. Auf der Strecke bleiben die Menschen.
(iw/cr)
InWaChRo-News: Samstag, 02.02.08
Nokia: Verfahren wegen Subventionsbetrug eingeleitet
Die Staatsanwaltschaft Bochum hat gegen Nokia ein Ermittlungsverfahren wegen des
Verdachts des Subventionsbetruges eingeleitet. „Es liegen uns fünf Betrugsanzeigen vor,
daher mussten wir ein entsprechendes Verfahren in die Wege leiten“, sagte Staatsanwalt
Bernd Bienioßek. Es sei allerdings nicht klar, ob sich genug Anhaltspunkte für den
Vorwurf finden ließen.
Nokia soll den Vorwürfen zufolge die Zahl der zugesagten Arbeitsplätze im Bochumer Werk
jahrelang unterschritten haben und damit gegen die Subventionsvereinbarungen verstoßen
haben. Nokia habe das Soll von 2860 Arbeitsplätzen in Bochum im Jahr 2002 um 318, 2003
um 368 und 2004 um 347 Beschäftigte unterschritten, sagte der Sprecher des
Wirtschaftsministeriums, Joachim Neuser.
Das Wirtschaftsministerium von NRW will nun bis Mitte kommender Woche entscheiden, ob
Nokia die Millionen-Subventionen zurückzahlen muss.
Nokia wies diese Vorwürfe zurück. Die nordrhein-westfälische Landesbank habe von Nokia
regelmäßig alle relevanten Fakten zu Zahl und Art der geschaffenen Arbeitsplätze und die
Verwendung der Subventionen erhalten, teilte das Unternehmen am Freitag in
Espoo / Finnland mit. Die Bank habe keine Bedenken bezüglich dieser Dokumente geäußert.
Nokia gehe deshalb davon aus, sich entsprechend der Vertragsbedingungen verhalten zu
haben.
(iw)
InWaChRo-News: Donnerstag, 31.01.08
Nokia: Schwindende Hoffnungen
Nokia erteilte den Bemühungen von Politik und Gewerkschaft, das endgültige Aus für das
Bochumer Werk noch abzuwenden einen Dämpfer: "Es ist ausgesprochen unwahrscheinlich, dass
irgendwelche neuen Fakten auftauchen, die ein Umdenken bei uns zur Folge haben könnten",
sagte Unternehmenssprecherin Arja Suominen in Helsinki. Nokia wies Presseberichte, das
Werk in Bochum sei mit einem Gewinn von 134 Mio. Euro im Jahr 2007 sehr profitabel
gewesen, zurück. "Die 134 Mio. EUR werden dem Werk innerhalb der Nokia GmbH in Deutschland
zwar zugewiesen. Sie repräsentieren aber ganz und gar nicht die wahre Ertragskraft der
Fertigungsstätte", sagte Suominen.
Auch die Hoffnungen der Betriebsratsvorsitzenden Gisela Achenbach auf einen europäischen
Aktionstag oder sogar europaweite Streiks haben sich zerschlagen. Die Betriebsratsvertreter
der europäischen Nokia-Standorte vereinbarten am Mittwoch in Brüssel lediglich
Verhandlungen mit dem Management.
Das Treffen der europäischen Arbeitnehmervertreter von Nokia in Brüssel endete mit einem
Eklat. Achenbach warf den finnischen Gewerkschaftsvertretern mangelnde Solidarität vor.
Diese hätten Verständnis für die Entscheidung von Nokia, das Bochumer Werk zu schließen,
gezeigt. Nokia sei nun einmal ein globales Unternehmen. Als Reaktion auf diese
Rechtfertigungsversuche der Konzernpolitik durch die finnische Delegation brach der
Bochumer Nokia-Betriebsrat empört die Gespräche ab. "Da waren wir persönlich beleidigt
und tief enttäuscht", so die Betriebsratsvorsitzende Gisela Achenbach.
Trotzdem konnte ein neuer Gesprächstermin vereinbart werden, berichtete NRW-IG
Metall-Sprecher Wolfgang Nettelstroth, "Gemeinsam mit unseren europäischen Kollegen
richten wir weiter alle unsere Bemühungen darauf, dass der Bochumer Standort erhalten
bleibt".
(iw)
InWaChRo-News: Donnerstag, 31.01.08
Ein Kommentar: Solidarität
Der erste Aufschrei ist groß. Medien berichten. Kameras richten sich auf die Betroffenen.
Proteste vor den Werkstoren. Politiker zertrümmern demonstrativ ihre Nokia Handys und
mischen sich unter die Demonstranten. Umfragen ziehen das Nokia Image ins Tief.
Die ersten Tage sind vorbei. Nokia ist noch im Gespräch, aber das Interesse schwächt sich
sichtbar ab. Die Zeit des Wartens beginnt. Die erste große Solidarität schwächt sich ab.
Europaweit kommt sie nicht zum Entstehen. Gespräche ja, Streiks nein. Ist doch jeder
insgeheim froh, dass es nicht das eigene, sondern das deutsche Werk getroffen hat. Man
will die Aufmerksamkeit des Konzerns nicht auf das eigene Land ziehen. Solidarität ist
etwas Schwieriges. Wir fordern es, wenn es uns selbst trifft, wenn wir nichts mehr zu
verlieren haben. Wir erwarten von den anderen das Gleiche zu tun. Doch schielt nicht
auch unser Blick zu den Mächtigen in der Konzernzentrale, wenn es um die Frage geht,
gefährdet die Solidarität meinen Arbeitsplatz? Wer darf über die Antwort richten? Wohl
niemand. Es sind die eigenen Werte, es ist das eigene Stehvermögen, das eigenen Gefühl
für Verantwortung für sich und die anderen, kurz das eigene Gewissen, dem man hier
verpflichtet ist. Solidarität zu fordern ist leicht, sie zu geben weit schwerer. Bald
werden die Nokia Mitarbeiter wieder auf sich gestellt sein - wie damals die BenQ
Mitarbeiter. Wer fragt heute noch nach diesen? Dann beginnt die kleine Solidarität. Die
Betroffenen selbst müssen sie üben, sich helfen, erklären, Wege suchen. Die Wege werden
unterschiedlich sein.
Solidarität verlischt meist wie Strohfeuer. Warum ist das so? Weil Solidarität früher
beginnt, auf ein solides Fundament zurückgreifen können muss. Solidarität beginnt heute
beim Kollegen, bei kleinen tröstenden Gesten, bei der nächsten Ausgliederung, bei einem
Nein zu einer ungebührlichen Forderung des Arbeitgebers, beginnt mit der Aufmerksamkeit
im Betrieb. Dies übt den Mut, die Menschlichkeit, den Zusammenhalt. Das bewahrt vor
Überraschungen. Dann hat man zusammen eine kleine Chance, das Strohfeuer der großen
Solidarität am Brennen zu halten, dann könnte es sein, dass dieses Feuer der Solidarität
überspringt und einen Konzern doch noch zum Umdenken zwingt.
(iw)
InWaChRo-News: Mittwoch, 30.01.08
Nokia: Image bricht drastisch ein
Mittlerweile ist das Image des Handyherstellers Nokia auf einen Tiefpunkt gesunken.
Nach Umfragen des Kölner Marktforschungsinstituts Psychonomics sei der Einbruch der
Marke „geradezu dramatisch“. Befragt wurden laut "Wirtschaftswoche" täglich tausend
Bundesbürger. Die Befragung lief vom 15. Januar (Tag der Bekanntgabe der Werkschließung)
bis zum 23. Januar. Es ergaben sich folgende Ergebnisse:
- Der Imagewert sank von plus 41 auf minus 14 Prozent.
- Die Bereitschaft Nokia weiterzuempfehlen sank von plus 48 auf minus sechs Prozent.
- Das Image Nokias als guter Arbeitgeber brach von plus 44 auf minus 37 Prozent ein.
- Das Qualitätsempfinden, das zuvor mit 62 Prozent deutlich über dem Wettbewerbern
lag, sank auf fünf Prozent und damit noch unter die sechs Prozent des chinesischen
Herstellers LG.
(iw)
InWaChRo-News: Mittwoch, 30.01.08
Nokia: Zerschlagung des Nokia Werks in Bochum
Die Mitarbeiter des Bochumer Nokia Werkes haben die Hoffnungen noch nicht aufgegeben.
Politiker führen Gespräche, doch Konkretes für die Rettung des Nokia Werkes ergab sich
nicht. Laut «Rheinischer Post» könnte das Nokia-Werk mit einer Einmal-Investition von
14,3 Millionen Euro gerettet werden, die die Kapazität ohne zusätzliche Mitarbeiter
verdoppele. Diese Investition wäre bei einem Gewinn von 134 Mio. Euro, den das Bochumer
Werk erwirtschaftete, möglich gewesen. Dies geht aus einem internen Konzeptpapier hervor,
so die Rheinische Post. Damit würde Nokia Bochum die Produktivität des neuen Nokia-Werkes
in Rumänien erreichen.
Doch im Hintergrund laufen die Verhandlungen zur Zerschlagung des Nokia-Werkes in Bochum
weiter.
Für die Sparte „Core Software“, die für die Software in Handys zuständig ist, zeigt
einem Bericht „Der Welt“ zufolge der finnisch-indische Konzern Sasken starkes Interesse.
Als Nokia-Zulieferer sei Sasken vor allem an den Technologieplattformen im Bochumer Werk
interessiert, um weiter zielgenau für Nokia produzieren zu können. In der Software-Sparte
sind etwa 150 Mitarbeiter beschäftigt. Sasken selbst beschäftigt weltweit 3500 Mitarbeiter.
Die Autosparte, die beispielsweise Freisprechanlagen für Nokia hergestellt hatte, möchte
Nokia an den ehemaligen Manager Razvan Olosu und an den Finanzinvestor Equity Partners
verkaufen. Die Verhandlungen laufen bereits. Zu diesem Bereich gehören in Bochum 200
Mitarbeiter.
Zwischen Nokia und Landespolitikern wird diskutiert, ob Mitarbeiter des Bochumer Werkes
bei Zulieferfirmen der Autobranche unterkommen können.
(iw)
InWaChRo-News: Mittwoch, 30.01.08
Nokia: Probleme im Bochumer Werk schon länger im Aufsichtsrat diskutiert
Die Bildzeitung berichtete in ihrer Samstagsausgabe, dass im Aufsichtsrat die Probleme
des Bochumer Werkes seit 2004 regelmäßig diskutiert wurden. Dabei sei es wiederholt um
die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit und die vergleichsweise hohen Lohnkosten des Bochumer
Werks gegangen. Verschiedene Lösungsmöglichkeiten seien diskutiert worden. Das Blatt
beruft sich dabei auf unternehmensnahe Kreise.
Im Aufsichtsrat sitzt unter anderem die
Betriebsratschefin Gisela Achenbach. Sie und andere Betriebsratsmitglieder hatten in den
vergangenen Tagen immer wieder erklärt, die Schließung des Bochumer Nokia-Werks sei aus
ihrer Sicht sehr überraschend erfolgt. Es ist durchaus möglich, dass die Schließung
selbst überraschend erfolgte. Zu bedenken ist: Hätten die Mitarbeiter nicht früher über
die Wettbewerbsprobleme des Werkes informiert werden müssen. Zumindest eine Familie, die
in der ARD über ihre desolate finanzielle Lage im Fall der Werkschließung berichtete,
hätte dann vom Kauf ihres Hauses abgesehen.
Dies ist der Grund, warum wir auch über Gerüchte berichten, auch wenn uns regelmäßig von
einigen vorgeworfen wird, Panik zu verbreiten. Wenn man rechtzeitig weiß, dass ein Risiko
besteht oder bestehen könnte, dann überlegt man es sich sehr gut, ob man Schulden
aufnehmen soll. Weiter ist uns wichtig, dass ihr euch mental auf eventuellen
Arbeitsplatzverlust vorbereiten könnt.
(iw)
InWaChRo-News: Dienstag, 22.01.08
Nokia: Pressekonferenz zur Jahresbilanz abgesagt
Nokia will bei der Veröffentlichung seiner Jahresbilanz nicht die in den vergangenen
Jahren stets übliche Pressekonferenz abhalten. Aus der Konzernzentrale in Helsinki wurden
gestern Berichte skandinavischer Medien zurückgewiesen, wonach dies eine Reaktion auf die
massive Kritik an der bevorstehenden Schließung des Bochumer Nokia-Werkes sei. Es habe
niemals Pläne für eine solche Pressekonferenz gegeben. Deshalb sei auch nichts abgesagt
worden.
Der eifrige Leser der Nokia-Homepage, findet dort jedoch noch eine
Pressmitteilung von
Nokia:
“Nokia's fourth quarter and full-year 2007 result press conference
January 22, 2008
Nokia will hold a press conference in conjunction with its fourth quarter and full-year
2007 result. The press conference will be held at Nokia House, Keilalahdentie 4, Espoo,
and start shortly after 4 p.m. Finnish time.”
Tja, Vertuschen will gelernt sein. Oder: Lügen haben kurze Beine.
(cr)
InWaChRo-News: Samstag, 19.01.08
Nokia: Zeitarbeitsfirmen kündigen Leiharbeiter
Wegen der geplanten Schließung des Nokia-Werks in Bochum, haben jetzt schon zahlreiche
Leiharbeitnehmer von ihren Firmen die Kündigung erhalten. Eine Randstad-Sprecherin hatte
gegenüber Medien die Entlassungen zwar nicht offiziell bestätigt, sie aber auch nicht
dementiert. Eine Sprecherin der Zeitarbeitsfirma Adecco, die mit rund 500 Angestellten
bei Nokia vertreten war, sagte, Anfang kommender Woche würden die ersten vorsorglichen
Kündigungen ausgesprochen.
Bisher waren mehr als 1.000 Angestellte von Zeitarbeits-Firmen ständig bei Nokia tätig.
Die ersten Leiharbeiter wurden laut WDR 2 bereits am Donnerstag, dem 17.01.2008 mit
Wirkung zum 24.1.2008 gekündigt. "Nokia will keine Leiharbeiter mehr in den Werken sehen",
sagte eine Produktionshelferin im Gespräch mit WDR 2.
Die Hoffnung, dass man bei einer Zeitarbeitsfirma beim Wegfall des Arbeitgebers schnell
in ein anderes Arbeitsverhältnis vermittelt wird, zerschlägt sich somit. Die
Leiharbeitnehmer sind die ersten, die ihren Arbeitsplatz räumen müssen.
(iw/cr)
InWaChRo-News: Samstag, 19.01.08
Nokia: Pläne für R&D weltweit
Die Strategie für Nokia Research Center wurde in den vergangenen beiden Jahren
überarbeitet. Als Teil dieser Strategie beschloss das Management, die Aktivitäten in der
Nähe ausgewählter Forschungsuniversitäten in aller Welt anzusiedeln, mit denen Nokia eng
in Innovationsprojekten zusammenarbeitet. Dazu gehören der Universitäten Peking (China),
Helsinki und Tampere (Finnland), Cambridge (Großbritannien) sowie Stanford und Cambridge
(USA).
Nokia will die R&D in Zukunft nur noch auf größere Standorte mit langfristiger
strategischer Bedeutung konzentrieren. Ein Kriterium für diese Standorte ist, dass sie
über genügend Ressourcen für Neuentwicklungen oder Weiterentwicklungen bis hin zur
Serienreife verfügen. Die Parallelen zur
NSN-Strategie sind auch hier
erkennbar.
Um den deutschen Markt bedienen zu können, verbleiben in Deutschland Vertrieb und
Marketing. In Düsseldorf hat Nokia ein starkes Vertriebsteam. Ein Bereich Devices R&D,
der vermutlich Kundenanpassungen für den deutschen Markt machen soll, wird hier bleiben.
Ulm wird laut Mitteilung von Nokia an die Mitarbeiter weiter eine bedeutende Rolle im
Nokia Devices R&D Team spielen. Weiter beabsichtigt Nokia zukünftige
Geschäftsmöglichkeiten im Bereich Internet Services in Deutschland zu eruieren. Es ist
davon auszugehen, dass es sich auch hier weitgehend um Vertriebstätigkeiten handeln wird.
(cr/iw)
InWaChRo-News: Samstag, 19.01.08
Nokia: Geplante Ausgliederungen von Service und R&D in Bochum
In Folge der geplanten Produktionsverlagerung von Bochum nach Ungarn, Rumänien und
Finnland, wird Nokia auch Bereiche in Bochum, die nicht zur Produktion gehören,
stilllegen.
Der Service-Bereich in Bochum wird gemäß der globalen Outsourcing-Strategie von Nokia
ausgegliedert, wie dies bereits in anderen Ländern geschehen ist. Parallelen zur
NSN-Strategie -Ausgliederung zu „trusted partners“ und zur Service-Gesellschaft Nokia
Siemens Networks Services Deutschland GmbH & Co. KG (VTS) - sind deutlich erkennbar.
Über den Bereich “Line fit automotive business“ verhandelt Nokia bereits mit einem
potenziellen Käufer. Den Bochumer Forschungs- und Entwicklungsbereich „Adaptation
software“ will Nokia an Sasken Technologies verkaufen. Die Verkaufsverhandlungen sind
noch nicht abgeschlossen.
(cr/iw)
InWaChRo-News: Samstag, 19.01.08
Nokia: Solidarität mit den Mitarbeitern in Bochum
„Am Beispiel Nokia in Bochum sieht man die Konzernstrategie, Fertigungs- und
Entwicklungsarbeitsplätze in Niedriglohnländer zu verlagern. Es ist erfreulich, dass die
Politik endlich mal Kenntnis davon nimmt. Diese Verlagerungen passieren in kleinerem
Rahmen laufend und enden damit, dass Arbeitnehmer in Deutschland arbeitslos werden und
gezwungen sind, niedriger qualifizierte Jobs anzunehmen, oder ins Ausland abzuwandern.
Die Politik lässt sich ständig von diesen Konzernchefs beraten, die sich aber lediglich
der Gewinnmaximierung verpflichtet fühlen und keine irgendwie geartete soziale
gesellschaftliche Verantwortung übernehmen wollen. Ihr Ziel ist, die Gesetzgebung
mittelfristig so zu verändern, dass die soziale Marktwirtschaft, die im Grundgesetz
festgeschrieben ist, langsam aber sicher ausgehöhlt und in der Praxis durch eine reine
Marktwirtschaft ersetzt wird. Der durchschnittliche Arbeitnehmer, kranke oder behinderte
Menschen haben in dieser Gesellschaft dann keine Chance mehr. Deswegen brauchen wir
einen europaweiten Mindestlohn und keine Subventionen für Konzerne mehr.“
Diesen Text haben wir an die SPD Nordrhein-Westfahlen
(
http://www.nrwspd.de/nonokia/)
geschickt. Wer sich solidarisch mit den Bochumer Kollegen zeigen will, sollte sich hier
ebenfalls eintragen und die Situation bei Nokia Siemens Networks schildern.
(iw/cr)
InWaChRo-News: Donnerstag, 17.01.08
Nokia / BenQ: Vom Regen in die Traufe für Ex-BenQ Mitarbeiter
Heute Nokia, gestern BenQ, morgen …? Ende 2006 schloss BenQ Mobile. Etwa 3000 Mitarbeiter
verloren ihren Arbeitsplatz. Während ein Drittel von ihnen immer noch auf der Suche nach
einem neuen Job ist, kamen manche BenQ-Kollegen im 70 Kilometer entfernten Bochum bei
Nokia unter. Die Freude von damals über den neuen Job dürfte den Mitarbeitern noch lebhaft
im Gedächtnis sein. Jetzt stehen sie zum zweiten Mal vor dem Aus.
Mit BenQ und Nokia beschlossen international aufgestellte Konzerne, dass sich die
Handy-Produktion in Deutschland nicht mehr lohne. Veli Sundbäck, Vorstandsmitglied beim
finnischen Handykonzern Nokia, erklärte, dass die Arbeitskosten im Bochumer Werk zwar
»klar unter fünf Prozent« aller Kosten lägen, aber viel höher seien als die in Rumänien.
Die BenQ-Mitarbeiter mussten jetzt zum zweiten Mal lernen, dass die Vorstellung von einem
sicheren Arbeitsplatz heute Illusion ist.
(iw/cr)
InWaChRo-News: Dienstag, 15.01.08
Nokia: Handy-Produktion in Deutschland wird geschlossen, R&D in Bochum verkauft
Nokia will die Fertigung von Mobiltelefonen bis Mitte 2008 aus dem Bochumer Werk nach
Rumänien, Ungarn und Finnland verlagern und den Fertigungsstandort Bochum schließen.
Unternehmenssprecherin Arja Suominen sagte: "Bochum war einfach als Standort nicht global
konkurrenzfähig zu machen. Deutschland ist ein sehr teures Land für unsere Produktion."
Auch die Bochumer Forschungs- und Entwicklungsabteilung soll verkauft werden. Für
Spitzenprodukte mit Bedarf an hochqualifizierter Arbeitskraft ist die Verlagerung nach
Finnland geplant.
Nach der Insolvenz von BenQ und dem Abzug von Motorola liegt mit Nokias Rückzug die
Handyproduktion in Deutschland endgültig brach.
Damit stehen etwa 2000 der 2300 Beschäftigten vor der Arbeitslosigkeit. Die
Zulieferunternehmen werden durch diese Verlagerung auch in Mitleidenschaft gezogen. Auch
hier dürfte es zu erheblichem Personalabbau kommen. Die IG Metall kündigte an, dass sie
mit Nokia über angemessene Sozialpläne für die Beschäftigten und die Gründung einer beE
verhandeln werden.
(iw/cr)