Artikel: April 2006

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So, 30.04.06: TietoEnator: Restrukturierung im Telekommunikationsbereich
Der Gewinn vor Steuern (Ebit) von TietoEnator fiel im 1. Quartal 2006 auf 31,9 Mio. EUR Als wichtigste Gründe für den geringeren Gewinn gibt TietoEnator die Kosten für hinter den Erwartungen zurückbleibende Projekte (ca. 6 Mio. EUR), Restrukturierungsausgaben (ca. 7 Mio. EUR) und den Rückgang des Profitniveaus im Telekommunikationsgeschäft an. In Folge fiel der Aktienkurs von TietoEnator auf 24,89 EUR. Insgesamt verlor die Aktie damit seit Jahresbeginn ca. 19% an Wert. Der Aktienkurs sinkt also seit Jahresanfang kontinuierlich.

TietoEnators Vorstandsvorsitzender Pentti Heikkinen kommentierte den Gewinnrückgang: „Der Preisverfall und das Tempo der Verlagerung in den Low-Cost-Bereich im Telekommunikationsgeschäft haben uns überrascht. So viele Projekte gleichzeitig verzeichnen zu müssen, die hinter den Erwartungen zurückbleiben, ist inakzeptabel.“

Laut TietoEnator wird das Erreichen hoher Wachstumsraten zunehmend schwieriger, da der Preisdruck im Telekommunikationsbereich stark ist und die Arbeiten zunehmend aus Low-Cost-Regionen geliefert werden. Uns überrascht es, dass das Management von TietoEnator über diese seit 2002 stattfindende Entwicklung überrascht ist. Das zeigt, dass das Management von TietoEnator offensichtlich mit der schnellen Entwicklung auf dem Telekommunikationsmarkt nicht Schritt halten kann.

TietoEnator beginnt jetzt mit Verhandlungen über Personalabbau im Telekommunikationsbereich in Schweden. Betroffen sind etwa 75 Mitarbeiter aus Forschung und Entwicklung. Diese Maßnahmen sind nach TietoEnator aufgrund einer zu niedrigen Personalauslastung und der Änderung der Kundenanforderungen an die Kompetenz der Mitarbeiter erforderlich. Die Kosten für die Restrukturierung werden auf ca. 5 Mio. EUR im zweiten Quartal geschätzt.

TietoEnator entlässt also Mitarbeiter aus Forschung und Entwicklung, also dem Bereich, aus dem die Siemens-Mitarbeiter kommen, die übergehen sollen. Sie entlassen, weil die schwedischen Kollegen zu teuer sind, übernehmen aber Siemens-Mitarbeiter, die auch nicht aus einer Low-Cost-Region stammen. TietoEnator entlässt die schwedischen Mitarbeiter, einerseits weil sie nicht ausgelastet sind und andererseits weil TietoEnator es versäumt hat, sie rechtzeitig entsprechend der Kundenanforderungen weiter zu qualifizieren, übernimmt aber Siemens-Mitarbeiter, die Spezialisten für EWSD, also eine veraltete Technik sind. Hinzu kommt, dass die Mitarbeiter mit den Projekten, die mit übergehen nur zu 40% ausgelastet sind. Wenn TietoEnator also in Schweden bereits wegen mangelnder Auslastung und Qualifikation abbaut, ist zu erwarten, dass sie dies in absehbarer Zeit auch in Deutschland tun werden, insbesondere dann, wenn der Aktienkurs weiter fällt.
(cr)

So, 30.04.06: BAG-Präsidentin verteidigt erneut Kündigungsschutz
In ihrem Interview mit dem „Deutschlandradio Kultur“ verteidigte Ingrid Schmidt, die Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts den Kündigungsschutz für Arbeitnehmer. Sie sieht keinen Zusammenhang zwischen Kündigungsschutz und Massenarbeitslosigkeit. Insbesondere hält sie es für ein „Scheinproblem“, wenn Politiker und Arbeitgeber behaupten, der Kündigungsschutz sei eine wesentliche Ursache für fehlende Beschäftigung. Es sei nicht gelungen „diese These in irgendeiner Weise zu verifizieren“.

Pro Jahr werden ca. 6 Mio. Kündigungen ausgesprochen, davon entfallen nach Fr. Schmidt jedoch nur ein Drittel auf arbeitgeberseitige Kündigungen. Von diesen wiederum gehen nur 300.000 in ein arbeitsgerichtliches Verfahren. Das bedeutet, dass lediglich 15% der Kündigungen durch den Arbeitgeber von den Gerichten auf ihre Rechtmäßigkeit hin überprüft werden.

Man könne sicherlich auch darüber diskutieren ob man den Kündigungsschutz bei betriebsbedingten Kündigungen durch ein Abfindungsmodell ersetzen kann, so Fr. Schmidt weiter. Bisher hat ein Arbeitnehmer nur das Recht, die Kündigung auf ihre soziale Rechtfertigung hin überprüfen zu lassen. Ist sie das, dann bekommt er nichts. Ist sie das nicht, dann besteht sein Beschäftigungsverhältnis fort. Ersetzt man diesen Kündigungsschutz durch ein Abfindungsmodell, bei dem pro Jahr der Beschäftigung bspw. ein halbes Monatsgehalt bezahlt werden muss, dann wird dieses Modell teurer als das bestehende, weil dann bei jeder betriebsbedingten Kündigung eine Abfindung zu zahlen ist. Vergleicht man das mit den statistischen Zahlen - lediglich 300.000 Kündigungen (s.o.) kommen ins Klageverfahren und oft werden Abfindungen ausgehandelt, die unter einem halben Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr liegen - dann wird schnell deutlich, dass Abfindungslösungen zwar den Vorteil haben, schnell Rechtssicherheit herbeizuführen, dass sie aber auch die Kosten für ein Arbeitsverhältnis deutlich erhöhen, so die BAG-Präsidentin.
Interview mit dem Deutschland Radio Kultur
(cr)

Sa, 29.04.06: Ist alles ist schon beschlossene Sache? - ein Kommentar
Wie ist die Situation bei Com? Wir müssen die 8 bis 11 Prozent Zielmarge erreichen, andere schaffen das auch, sagt Klaus Kleinfeld. Gleichzeitig hängt ein Damoklesschwert über uns Mitarbeitern, von dem wir nicht einmal genau wissen, wie es aussieht. Aber manchmal schlägt es zu, dann müssen wieder einige hundert von uns gehen. Nicht gerade ideale Voraussetzungen um sich auf seine Arbeit konzentrieren zu können, Höchstleistungen zu schaffen und auch noch innovativ zu sein.

Klaus Kleinfeld in der SiemensWelt: "Und genauso wie in einer Familie gebe es im Unternehmen Rechte, Pflichten und Werte, die für alle gelten." Sind manche von uns mehr "alle" als andere? Was ist das für ein Familienvater, der seinem Kind (nennen wir es Com), das zweimal hintereinander eine drei geschrieben hat androht: ‚Einmal dulde ich das noch, aber dann erwarte ich die Note 1 oder 2, die Besten in deiner Klasse schaffen das schließlich auch. Wenn du es nicht schaffst und zwar aus dir selbst heraus, schmeiß ich dich raus und adoptiere einfach ein anderes Kind.'? Ein guter Vater würde zu seinem Kind stehen und alles tun, um ihm über diese Krise hinweg zu helfen. Kleinfeld soll also nicht von Familie sprechen.

"Entscheidend ist, wie wir miteinander umgehen. Das Wichtigste dabei ist Ehrlichkeit" Klaus Kleinfeld weiter. Wie ehrlich ist es, seinen Mitarbeitern auf der Betriebsversammlung zu sagen. "ich habe nicht die Absicht, Com zu verkaufen", etwa einen Monat später Journalisten gegenüber dann doch recht deutlich zu machen, dass Verkaufsverhandlungen stattfinden? Wie ehrlich ist es, wenn jemand versucht, eine öffentliche Diskussion über Spekulationen zur Zukunft von Com zu verhindern während er gleichzeitig kurz vor dem Abschluss des Kaufvertrages mit Motorola steht? Die Mitarbeiter dürfen das natürlich nicht erfahren. Man will nicht, dass die Verhandlungen durch die Unruhe in der Belegschaft, die diese Nachricht zweifellos erzeugen würde, gestört werden.

Warum so fragt man sich, hat der Gesamtbetriebsrat keinen über die Wirtschaftsausschuss-Sitzung hinausgehenden Informationsbedarf? Warum ist es nicht notwendig, zunächst einmal die örtlichen Betriebsräte zu informieren und die Angaben der Firma durch wirtschaftliche Berater überprüfen zu lassen? Wie kommt es, dass man sich sofort darauf einigt, "einen Interessenausgleich für ca. 1.000 Mitarbeiter zu erarbeiten …", ohne dass vorher die örtlichen Betriebsräte und Mitarbeiter in den Betrieben informiert werden, ohne dass zuvor Beratungen stattfinden und ohne den örtlichen Betriebsräten Gelegenheit zu geben, das wirtschaftliche Konzept von Wirtschaftsberatern überprüfen zu lassen. Ist alles ist schon beschlossene Sache?
(cr)

Fr, 28.04.06: Abbau von 1000 Stellen bei Com - Im Fokus: München und Karlsruhe
Wie Siemens heute bekannt gab, wurden die Arbeitnehmervertreter im Wirtschaftsausschuss über den geplanten Stellenabbau bei Com informiert. Nach ausführlicher Erörterung der erforderlichen Personalmaßnahmen wurde zwischen Belegschaftsvertretung und Firmenleitung beschlossen, eine Verhandlungsdelegation zu berufen, die einen Interessenausgleich für ca. 1.000 Mitarbeiter zu erarbeiten hat. Hier fragen wir uns, wozu haben wir eigentlich noch örtliche Betriebsräte, wenn der GBR alles an sich reißt?

Betroffen von dem Stellenabbau sind Entwicklung, Verwaltung und Vertrieb. Laut Frankfurter Rundschau stünden "Im Fokus der Streichungspläne … München als Entwicklungsstandort und die Fertigung in Karlsruhe…".

Der Stellenabbau "… wird substantiell sein", heißt es bei Siemens. Die endgültige Dimension des nahenden Jobabbaus, wollte im Konzern und seinem Umfeld vorerst niemand abschätzen. Den Abbau von 2600 Stellen im Jahr 2003 bezeichnete Siemens damals nicht als substantiell. Außerdem sind aus voran gegangenen Abbaumaßnahmen aus Siemenssicht noch rund 3000 Personen zu viel an Bord.

Klaus Kleinfeld und Heinz-Joachim Neubürger appellierten gestern auf der Halbjahrespressekonferenz an die Journalisten, keine weitere öffentliche Diskussion über den Stellenabbau bei Com zu führen. Entweder zeigt dies Konzeptlosigkeit oder der Siemens-Vorstand will verhindern, dass seine Strategiepläne vorzeitig durch Schlussfolgerungen der Belegschaft bekannt werden.

Es ist also anzunehmen, dass es nicht bei der Streichung von 1000 Stellen bleiben wird. Dieser Abbau dient wohl im Wesentlichen dazu, Com für potenzielle Käufer attraktiver zu machen. Dies erhärtet die These, dass das von uns gestern vorgestellte dreistufige Modell zum Personalabbau bei Com zutreffend ist.
Artikel bei de.internet.com
Artikel: Frankfurter Rundschau
(iw/cr)

Do, 27.04.06: Com: Stellenabbau und weitere Verkäufe angekündigt - Ist das der Abschied von Siemens?
Auf der Halbjahrespressekonferenz berichtete Klaus Kleinfeld, dass Siemens im zweiten Quartal des Geschäftsjahres einen unerwartet hohen Gewinnzuwachs um 14 Prozent auf € 887 Mio. nach Steuern verzeichnet hat. Im abgelaufenen Quartal stieg der Auftragseingang bei Com um 4 Prozent auf € 3,6 Mrd., der Umsatz um 7 Prozent auf € 3,4 Mrd. Das Bereichsergebnis brach jedoch um 75 Prozent auf € 27 Mio. ein. Damit ergibt sich für Com eine Ergebnismarge von nur noch 0,8 Prozent.

Com ist also weiter denn je von seiner Zielmarge (8-11%) entfernt. Daher kündigte Klaus Kleinfeld mit den Worten "Wir sind noch nicht am Ende der Fahnenstange" weiteren Stellenabbau in "signifikantem" Ausmaß an.

Konkret heißt das, dass der Bereichsvorstand mit Unterstützung des Zentralvorstandes bereits ein weit reichendes Programm zum Personalabbau aufgesetzt hat. Dieses wurde bereits gestern den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat bekannt gegeben und wird morgen dem Wirtschaftsausschuss (WA) vorgestellt. Das dürfte auch der Grund sein, weshalb die für vergangenen Mittwoch angesetzte FN-Mitarbeiterversammlung kurzfristig auf den 10.5.06 verschoben wurde. Das Ergebnis dieser WA-Sitzung wird lt. Klaus Kleinfeld morgen der Öffentlichkeit bekannt gegeben.

Auf die Frage, ob es bei Com zu einem (Teil-) Verkauf kommen werde, antwortete Klaus Kleinfeld ausweichend, es würde sich am Markt viel tun, weitere Äußerungen des Vorstands würden nur Spekulationen anheizen, die Siemens nicht haben wolle und die nicht unbedingt förderlich seien. Auf die Nachfrage "wenn Sie jetzt sagen ‚nein, das kommt nicht in Frage', dann würden Sie die Spekulationen ja beenden …" lachte Klaus Kleinfeld und sagte nur: "Die Frage habe ich verstanden". Keine Antwort ist auch eine Antwort.

Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger appellierte an die Presse, das Thema des Restrukturierungskonzeptes bei Com sorgsam zu behandeln, da Beratungen stattfänden und es aus Siemenssicht fatal wäre, wenn morgen in der Überschrift stehe da werde jetzt das und das bei Com kommen. Diese Aussage unterstreicht nochmals, wie ernst die Lage bei Com ist.

In den vergangenen sechs Monaten wurden in Deutschland bereits 1500 Stellen hauptsächlich bei Enterprise Networks abgebaut. Geplant war der Abbau von 4500 Stellen. Folglich müssen mindestens weitere 3000 Stellen abgebaut werden.

Aufgrund der Aussagen von Klaus Kleinfeld und Heinz-Joachim Neubürger auf der Halbjahrespressekonferenz und weiterer uns vorliegender Informationen erwarten wir folgendes Szenario für Com für den Zeitraum bis April 2007:
  1. Personalabbau durch beE, Aufhebungsverträge, vorzeitige Beendigung (VB)1
  2. Verkauf von Com an einen oder mehrere Unternehmen wie z.B. Motorola mit entsprechenden Betriebsübergängen
  3. Betriebsschließung mit den nicht verkäuflichen Teilen von Com einschließlich der Mitarbeiter, die dem Betriebsübergang widersprochen haben. In diesem Fall wird es einen Sozialplan geben. Dieser ist erzwingbar.
Klaus Kleinfeld zählt FN nicht zu den Wachstumsfeldern, auf die sich Com in den nächsten Monaten fokussieren soll. Daher erwarten wir, dass der Personalabbau (Punkt 1) sich hauptsächlich auf Com FN erstrecken wird.

Die Lage ist ernst.


1  In diesem Modell rechnen wir nicht mit betriebsbedingten Kündigungen. Hundertprozentig ausschließen kann man Kündigungen natürlich nicht. Laufende Kündigungsschutzprozesse wären jedoch kontraproduktiv für Siemens, denn wenn die Betreffenden nach zwei Jahren am LAG gewinnen würden, dann müssten sie wieder in der Siemens AG integriert werden, obwohl es Com dann nicht mehr gibt. Es ist natürlich möglich, jederzeit eine weitere Kündigung nachzuschieben. Für eine Kündigungsschutzklage sind Sozialauswahl und offene Stellen zum Zeitpunkt der Kündigung maßgeblich
(cr/iw)

Do, 27.04.06: Siemens Huizingen: Protest gegen Betriebsschließung
Rund 100 Mitarbeiter von Siemens in Huizingen protestieren am Morgen vor dem Hauptsitz des Elektronik-Konzerns in Anderlecht. Sie wehren sich gegen Umstrukturierungspläne des Unternehmens. Siemens will sein Service-Zentrum für Kommunikationstechnik in Huizingen schließen und alle Beschäftigten entlassen. In der Abteilung Kommunikations-Systeme haben sich Überkapazitäten aufgetan, denn der Verkauf von Telefonzentralen für Unternehmen und Bürogebäude geht immer weiter zurück. Die Direktion des belgischen Werks des deutschen Technologie-Unternehmens begründet die angekündigten Entlassungen mit dem Rückgang der Nachfrage bei solchen Installationen.
Artikel bei vrtnieus
Artikel bei brf
(gz)

Do, 27.04.06: Das Ende der Mobilnetzbetreiber
WLAN, Wimax, gepushte E-Mails und Internet-Telefonie kratzen am klassischen Geschäftsmodell der Mobilnetzbetreiber. Das Ende einer Ära ist angebrochen. Die neuen Techniken stellen UMTS in den Schatten und schmälern den finanziellen Erfolg der Mobilfunkbetreiber. Sie könnten dann zu einem ähnlichen Schicksal wie die Festnetzbetreiber verdammt werden. Es mag noch ein paar Jahre dauern. A ber dann ist wohl auch der Traum vom jetzigen Mobilfunknetz ausgeträumt.
Artikel bei Heise-online
(lv)

Do, 27.04.06: Leserbrief zu Artikel: "Ab 35 zum alten Eisen?"
zu diesem Thema:
Ich hatte mit 32 mal ein Vorstellungsgespräch, bei dem ich so etwa 100 % gepasst hatte. (vielleicht 95 %). Aber irgend wann sagte der Abteilungsleiter: "Ich will aber einen jungen Mann mit 27 ...". - Das war bei Siemens Mch H und ist schon eine Weile her.
(Name der Redaktion bekannt)

Mi, 26.04.06: Ab 35 zum alten Eisen?
Der Jugendwahn bei Konzernen treibt immer bizarrere Blüten. Dem schwedischen Mobilfunkausrüster Ericcson ist der Altersdurchschnitt von 41 Jahren in Schweden und 39 Jahren konzernweit zu hoch. Die Zielmarge heißt Nokia. Dort beträgt das Durchschnittsalter der Arbeitnehmer 35 Jahre.

Um diese Marge zu erreichen sollen 1.000 Beschäftigte im Alter von 35 bis 50 Jahren das Unternehmen verlassen. Die frei werdenden Stellen sollen mit deutlich jüngeren Beschäftigten neu besetzt werden.

Streben Konzerne wieder die Einführung von Kinderarbeit in Europa an, nach dem Motto diese kosten wenig, sind willig und können sich nicht wehren? Gesellschaftlich gesehen ist dieser Jugendwahn verantwortungslos. Wie soll eine Gesellschaft funktionieren, wenn nur Menschen bis 35 Jahren im Arbeitsprozess willkommen sind?
de.internet.com
(iw)

Di, 25.04.06: Illegal ausgespähte Betriebsratsdaten nun endlich durch Siemens vernichtet
Wie wir berichteten, spähte die Siemens AG mit rechtswidriger Unterstützung der Staatsanwaltschaft München während der Kündigungswelle 2003 am Standort Siemens München Hofmannstraße die Daten und den E-Mail-Verkehr des damaligen Betriebsratsvorsitzenden Heribert Fieber und des Sprechers des Personalausschusses B.E. aus. Als 2005 diese Datenausspähung ans Licht kam, unternahmen die Betroffenen gerichtliche Schritte gegen diese Vorgehensweise und den Missbrauch der illegal erhobenen Daten.

Die Staatsanwaltschaft München I teilte nun Mitte April mit, dass alle bei Siemens jemals widerrechtlich gespeicherten oder zwischengespeicherten Daten in der "Affaire Datenbeschaffung" restlos gelöscht sind. Damit sind die ausgespähten Daten nicht mehr zitierfähig, selbst wenn noch übersehene Kopien vorhanden sein sollten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gemäß §202a StGB weiter gegen alle Datenerheber und Anwender, die Missbrauch mit diesen Daten getrieben haben. Das Dienstaufsichtsbeschwerdeverfahren gegen die in die Datenausspähung verwickelte Staatsanwältin H. ruht bis das Verfahren nach §202a StGB abgeschlossen ist.
(iw)

So, 23.04.06: Konzernversetzungen Com IT nach SHC
Im Zusammenhang mit den uns bekannt gewordenen Versetzungsabsichten der Siemens AG von Com IT-Mitarbeitern zu SHC weisen wir auf folgendes hin. Rechtlich gesehen ist zu unterscheiden, ob im Arbeitsvertrag eine Konzernversetzungsklausel enthalten ist oder nicht. Diese Klausel besagt, dass der Arbeitgeber den Mitarbeiter nicht nur innerhalb des Unternehmens Siemens AG, sondern auch zwischen Unternehmen des Siemens-Konzerns (also z.B. von Com zur SHC, von VDO zu SBS, …) versetzen kann.

Tarifmitarbeiter
Tarifmitarbeiter haben keine Konzernversetzungsklausel in ihrem Arbeitsvertrag. Der Arbeitgeber kann sie daher nur innerhalb der Siemens AG versetzen. Ein Wechsel zu SHC wäre für sie daher keine Versetzung, sondern würde den Abschluss eines neuen Arbeitsvertrages erforderlich machen. Dies hat den Nachteil, dass der Mitarbeiter (im Gegensatz zu einem Betriebsübergang) insbesondere Betriebszugehörigkeitszeiten nicht mitnimmt, es sei denn, das aufnehmende Unternehmen sichert dies schriftlich zu.

Übertarifliche Mitarbeiter
Übertarifliche Mitarbeiter, die eine Konzernversetzungsklausel im Arbeitsvertrag haben, kann der Arbeitgeber in Deutschland konzernweit versetzen (falls der Mitarbeiter die weltweite Versetzungsklausel unterschrieben hat, dann kann er auch weltweit versetzt werden). Nach BAG-Rechtsprechung löst eine Konzernweite Versetzungsklausel aber auch einen konzernweiten Kündigungsschutz aus. D.h. im Falle einer betriebsbedingten Kündigung kann der Arbeitnehmer sich auf freie Arbeitsplätze im Konzern berufen. Der konzernbezogene Kündigungsschutz ist dann die Kehrseite der konzernweiten Versetzbarkeit. Die Sozialauswahl ist jedoch immer betriebsbezogen, also nicht konzernweit.

Für übertarifliche Mitarbeiter ohne Konzernversetzungsklausel gilt das gleiche wie das für Tarifmitarbeiter gesagte.

Mitarbeiter mit Altersteilzeit
Mitarbeiter, die sich bereits in der Freistellungsphase befinden können nicht mehr betriebsbedingt gekündigt werden. Bei ihnen kommt allenfalls eine Kündigung wegen Verrat von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen oder Diffamierung des Arbeitgebers in Frage. Würden die Mitarbeiter, die sich in der Freistellungsphase befinden, in die SHC GmbH & Co. KG versetzt werden, dann sichert §8a AltersteilzeitG sie für den Insolvenzfall ab.

Mitarbeiter, die sich in der aktiven Phase (Arbeitsphase) des Blockmodells befinden, können wie andere Vollzeitmitarbeiter auch betriebsbedingt gekündigt werden. Es gelten die Kriterien des Kündigungsschutzgesetzes. Der Arbeitgeber ist jedoch bei vorzeitiger Beendigung des Altersteilzeitverhältnisses im Blockmodell verpflichtet, die vom Arbeitnehmer erbrachte Vorleistung auszugleichen (Schadensersatz nach §812 I BGB). Das ist ein absoluter Ausnahmefall, der z.B. bei einer Betriebsschließung, z.B. bei Insolvenz eintreten kann. Im Normalfall können Mitarbeiter mit ATZ-Verträgen nicht gekündigt werden, da es sich um befristete Verträge handelt.
(cr)

Fr, 21.04.06: Bewegungen bei Com IT?
Wie wir erfahren haben, werden bei Com IT überwiegend ältere Mitarbeiter, auch mit Altersteilzeitverträgen angesprochen, dass sie sich zu SHC versetzen lassen sollen. SHC (Siemens Home and Office Communication Devices GmbH und Co. KG) ist die 100%ige Siemens-Tochter, in die CPE am 1.10.2005 ausgegliedert wurde. SHC gehört zum Siemens-Konzern. Betroffen sind alle drei Münchner Standorte (Mch P, M und H).

Beim Verkauf von Firmenteilen versucht das Management in der Regel, "die Braut für den Kauf schön", also den zu verkaufenden Bereich für den Käufer attraktiv zu machen. Attraktiv ist ein Bereich für den potenziellen Käufer nur dann, wenn er das eigene Portfolio passt, oder sich Synergieeffekte nutzen lassen und wenn der Mitarbeiterstamm kein zu hohes Durchschnittsalter aufweist, denn nach Ansicht der Arbeitgeber sind ältere Mitarbeiter zu teuer und unflexibel und haben einen erhöhten Krankenstand.

Legt man diese Kriterien zugrunde, könnte die Versetzung der älteren Mitarbeiter von Com IT nach SHC ein Hinweis darauf sein, dass Com IT zum Verkauf ansteht. Es ist wahrscheinlich, dass Motorola an Com IT nicht interessiert ist, da sie über diese Dienstleistung schon verfügen dürften. Wie aus Pressemeldungen bekannt ist, möchte Motorola primär Mobile Networks erwerben.

In das Portfolio von TietoEnator würde Com IT jedoch passen. TietoEnator hat aber bereits mit dem Kauf von Com FN PV PD und Com CD NI UD zugesichert, eine bestimmte Anzahl von älteren Arbeitnehmern gegen Aufträge zu übernehmen. TietoEnator dürfte an weiteren älteren Mitarbeitern nicht interessiert sein, da der Betrieb einen relativ niedrigen Altersdurchschnitt hat. Insbesondere dürfte TietoEnator nicht an der Übernahme von ATZ-Verträgen interessiert sein, da diese mit erheblichen Kosten verbunden sind. Zieht Siemens deshalb die älteren Mitarbeiter von Com IT ab und möchte sie nach SHC verschieben?

Offensichtlich räumt Siemens bei Com auf. Wie uns berichtet wurde, deuten alle Anzeichen darauf hin, dass bei Com alle Verträge wasserdicht gemacht werden. Insider spekulieren, dass etwas im Busch ist, da zuletzt beim Verkauf von MD an BenQ so vorgegangen wurde.
(iw/cr)

Fr, 21.04.06: Neue Stellen in Greifswald
Zurzeit werden in Greifswald neue Stellen geschaffen, z.B. im Bereich Dokumentation. Diese Stellen passen offensichtlich auf die potentiellen zukünftigen Widersprüchler zum Übergang zu TietoEnator. Es ist zu vermuten, dass den Widersprüchlern diese Stellen angeboten werden sollen um §1 KSchG (Weiterbeschäftigung auf freien Arbeitsplätzen) zu erfüllen. Wird der angebotene Arbeitsplatz abgelehnt, dann sinken die Chancen des Mitarbeiters drastisch, eine Kündigungsschutzklage zu gewinnen.

Dies liegt daran, dass
  1. die Sozialauswahl entfällt, wenn kein anerkannter Widerspruchsgrund vorliegt. Widerspruchsgründe ist bspw. mangelnde Bonität des Käufers.
  2. die unternehmerische Entscheidung, die zum Wegfall des Arbeitsplatzes geführt hat, ist durch den Betriebsübergang hinreichend begründet
  3. der angebotene Arbeitsplatz abgelehnt wurde. Ist auch ein freier Arbeitsplatz in München oder z.B. Erlangen vorhanden, dann könnte man sich in einem Kündigungsschutzprozess auch auf diesen berufen
Ein Widerspruch kann daher ein hohes Risiko beinhalten, denn im Falle einer Kündigungsschutzklage kann der Mitarbeiter sich nur auf freie Arbeitsplätze berufen. Um sicher zu gehen, sollte er auf diese besser passen als auf die angebotenen Arbeitsplätze.

Der aufnehmende Betriebsrat ist AUB-geführt. Es muss daher davon ausgegangen werden, dass dieser der Versetzung zustimmen wird.
(cr/iw)

Fr, 21.04.06: Lucent Mitarbeiter Verlierer der Fusion?
Aufgrund des Zusammenschlusses von Alcatel und Lucent, fürchten Lucent Mitarbeiter, dass sie durch die Nutzung der Synergieeffekte ihre Arbeitsplätze verlieren werden. Der Bereichsvorstand des Geschäftsbereichs Supply Chain Networks José Mejia wird das gemeinsame Unternehmen verlassen. Dies deutet darauf hin, dass die Sparte Supply Chain Networks von Lucent den Synergieeffekten zum Opfer fallen wird. Es ist davon auszugehen, dass die Werke Nürnberg und Stuttgart zusammengeführt werden und deutlicher Arbeitsplatzabbau stattfinden wird. Offensichtlich geht der Einfluss des Lucent Managements im gemeinsamen Unternehmen deutlich zurück. Die Lucent Mitarbeiter gehen davon aus, dass sie die Verlierer der Fusion Alcatel und Lucent sind.
(cr/iw)

Mi, 19.04.06: Siemens Com mit negativem Quartalsergebnis
Das Zahlenwerk, das die Siemens AG, München, zum zweiten Quartal vorlegen wird, dürfte solide ausfallen. Der Konzern verzeichnet weiter ein sehr gutes Topline-Wachstum", sagt Analyst Frank Rothauge von Sal. Oppenheim. Beim Umsatz hat das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr den Konsensschätzungen zufolge um rund 8% und bei den Auftragseingängen sogar um 10% zugelegt. Dies gilt leider nicht für Com. Hier rechnet Rothauge aufgrund von Restrukturierungskosten von rund 150 Mio EUR mit einem Verlust von 55 Mio EUR.
Yahoo Finanzen
(jd)

Mi, 19.04.06: Com kein Thema bei Aufsichtsratsitzung am 26.04.06
Die weitere Entwicklung bei den beiden Geschäftsbereichen Communications (Com) und Siemens Business Services (SBS) der Siemens AG wird auf der kommenden Aufsichtratssitzung voraussichtlich nicht thematisiert. Änderungen der Tagesordnung sind allerdings kurzfristig möglich.
FAZ.Net
(iw)

Di, 18.04.06: Wie sieht der Arbeitsplatz bei TietoEnator aus?
99,9 Prozent der Arbeit bei TietoEnator findet überwiegend beim Kunden statt. Deshalb gibt es auch so gut wie keine festen Arbeitsplätze in den Räumen von TietoEnator. Die Büros bestehen aus "Pool-Zimmern", in denen PCs zur abwechselnden Benutzung zur Verfügung stehen. Etliche Räume sind nur mit LAN-Anschlüssen für Laptops ausgestattet.

Mitarbeiter werden in ständig wechselnden Projekten eingesetzt. Der Einsatz erfolgt auch international. In der Regel erstrecken sich die Projekteinsätze aufgrund des beschränkten Budgets der Kunden auf zwei bis drei Monate. Es gibt aber auch sehr lange Projekteinsätze bei größeren Firmen über mehrere Jahre, die aber nicht in München sein müssen. Ein Mitarbeiter könnte bspw. neun Monate in Wien, zwei Wochen in Bern, dann sechs Monate in Berlin und schließlich zwei Jahre in Bulgarien eingesetzt werden. Die TietoEnator-Mitarbeiter treffen sich vierteljährlich in Fachbereichstreffen (8-10 Mitarbeiter). Monatlich gibt es ein Geschäftsstellen-Meeting, auf dem dann für zwei Stunden alle Mitarbeiter der Geschäftsstelle zusammenkommen.

Auf die Familie wird bei der Zuweisung von Projekten kaum Rücksicht genommen. Dieser wechselnde Projekteinsatz bedeutet für ältere Mitarbeiter oder Mitarbeiter mit familiären Verpflichtungen meist eine hohe psychische Belastung. Ein Mitarbeiter kann sich de facto diesem wechselnden Projekteinsatz nicht entziehen, ansonsten riskiert er mangels vorhandener Aufgaben eine betriebsbedingte Kündigung.

Im Grunde handelt es sich um die gleiche Arbeitsweise wie in einer Zeitarbeitsfirma oder bei Project Assignment (PRA).

Sei kurzem werden bei TietoEnator überwiegend nur noch so genannte Projektverträge abgeschlossen, d.h. also befristete Arbeitsverträge über die Projektlaufzeit. Inzwischen hat ein Drittel der vierzig Mitarbeiter in der Garmischerstraße solche Verträge. Wenn allerdings ein unbefristetes Arbeitsverhältnis bestanden hat, ist eine nachträgliche Befristung des Arbeitsverhältnisses nicht möglich (§14 II 2 TzBfG). Dies ist bei den übergehenden Siemens-Mitarbeitern der Fall.
(iw/cr)

Di, 18.04.06: Modalitäten des Betriebsübergangs zu TietoEnator
Zunächst hieß es, die Siemens-Mitarbeiter sollen in den Betrieb Garmischerstraße 10 integriert werden. Nun ist im Gespräch, dass die übergehenden Siemens-Mitarbeiter einen eigenständigen Betrieb bilden und sich einen eigenen Betriebsrat wählen sollen.

Auf einer Abteilungsrunde mit TietoEnator vom 29.3.2006 wurde gesagt, dass das obere Management von TietoEnator erst während der Verhandlungen die Qualitäten der Hardwaremannschaft erkannte. TietoEnator beabsichtigte also offensichtlich ursprünglich keine Hardwareentwickler zu beschäftigen. Auch die Mitarbeiter von TietoEnator fragen sich, wie bei ihnen Hardwareentwickler eingesetzt werden sollen, halten es jedoch für möglich, dass die Geschäftsfelder entsprechend erweitert werden.

Ursprünglich war den TietoEnator-Mitarbeitern war nicht bekannt, dass Softwareentwickler von Siemens übergehen sollen. Jetzt herrscht eine gewisse Unruhe, weil man fürchtet, bei eventuellen betriebsbedingten Kündigungen in einem gemeinsamen Betrieb bei der Sozialauswahl (Altersdurchschnitt 36, mittlere Betriebszugehörigkeit 4 Jahre) zuerst gekündigt zu werden. Den Mitarbeitern sind entsprechende Erfahrungen aus dem Jahr 2001 in der TietoEnator S.E.S.A. AG noch gut in Erinnerung.

Ein eigenständiger Betrieb birgt die Gefahr einer einfach durchzuführenden Betriebsschließung. Evtl. für den Kundendienst aus Alt-EWSD- und sonstigen Verträgen benötigte Siemens-Mitarbeiter könnten vorher noch in einen anderen Betrieb der TietoEnator GmbH versetzt werden.
(cr/iw)

So, 16.04.06: Com RD: beE wieder geöffnet
Zur Zeit werden in einigen Regionalniederlassung von Com RD (Region Deutschland) wieder die beE´en geöffnet um Wechselwilligen den Ausstieg zu ermöglichen (z.B. RD Niederlassung in Essen, nicht jedoch Düsseldorf). Bisher gibt es allerdings keine Namenslisten und alles ist freiwillig. Die Öffnung der beE (beruhend auf dem Interessenausgleich vom 18.10.2005 (siehe GBR-RS 11/05 v. 21.09.2005)) bis 01.05.06 geht aus dem GBR-Rundschreiben 07/06 vom 27.03.06 hervor.
(iw)

Sa, 15.04.06: Wird Com an Motorola verkauft?
Wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung in ihrer morgigen Ausgabe berichtet, verhandelt Siemens mit dem US-amerikanischen Handy-Hersteller Motorola über den Verkauf der Com-Sparte.

Motorola ist nur am Geschäftsbereich Mobile Networks interessiert. Klaus Kleinfeld möchte jedoch die gesamte Com-Sparte, einschließlich der verlustreichen Teile im Paket verkaufen. Eine weitere Option für Siemens könnte der Verkauf der Festnetzsparte an TietoEnator sein, sodass der übrig bleibende MN-Bereich an Motorola abgegeben werden kann. Es ist damit zu rechnen, dass vorher noch eine Beschäftigungsgesellschaft (beE) eingerichtet wird, um die Mannschaft vor dem Übergang noch zu verschlanken. Alle uns vorliegenden Informationen passen zu dieser möglichen Vorgehensweise. Diese Option erscheint auch wahrscheinlicher, denn was will Motorola als Handy-Hersteller mit der Festnetzsparte?

Siemens-Aufsichtsräte rechnen damit bei ihrer nächsten Sitzung am 26.4.2006, weitere Aufschlüsse über die Zukunft von Siemens Com zu erhalten.

Die Analysten drängen Siemens zu einer schnellen Klärung der Situation bei Com. So verlangt Deutschlands größte Fondsgesellschaft DWS eine komplette und rasche Trennung von der Com-Sparte. "Die Ergebnisse sind bisher wenig erfreulich", sagte DWS-Fondsmanager Henning Gebhardt „Siemens ist immer noch einer der Underperformer im Dax, andere Konzerne mit ähnlichem Tätigkeitsfeld haben sich erheblich besser entwickelt." Klaus Kleinfeld steht unter Druck. Es ist also völlig belanglos, ob der Festnetzbereich die Marge von 8-11% erreicht. Das entscheidet höchstens über den Preis, den Siemens für Com bekommt.
(iw/cr)

Sa, 15.04.06: Gewinnwarnung von TietoEnator
TietoEnator hat am 13.4.2006 eine Gewinnwarnung herausgegeben, da das erwartete Ergebnis deutlich unterschritten wird. Dazu sind sie nach §15 WpHG (Wertpapierhandelsgesetz) verpflichtet. In Folge der Gewinnwarnung fiel der Aktienkurs von TietoEnator um ca. 9% von 30,12 EUR auf 27,41 EUR. Insgesamt verlor die Aktie damit seit Jahresbeginn YTD = 11,16% (year-to-date: Zeitraum seit Jahresanfang bis zum aktuellen Zeitpunkt) an Wert.

Die WestLB begründete den freien Fall der Aktie und die Herabstufung von Halten auf Verkaufen damit, dass TietoEnator aufgrund ausländischer Firmenzukäufe das Kerngeschäft in Finnland und Schweden vernachlässigt habe. In diesem Kerngeschäft wurden Margen von 14,8% bzw. 8,5% erwartet. Diese hohen Margen zogen zwangsläufig schwergewichtige internationale Wettbewerber an.

Die Gewinnwarnung wurde von TietoEnator selbst wie folgt begründet: Das niedriger als erwartet ausfallende Wachstum und der geringere Ertrag ist auf einige schlecht laufende Projekte und höhere Restrukturierungskosten als eingeplant zurückzuführen.

Letztes Jahr prognostizierte TietoEnator noch ein schnelleres organisches Wachstum für Anfang 2006. Im Februar korrigierte TietoEnator seine Erwartungen jedoch bereits nach unten. Und nun sind diese neuen Nachrichten ein weiterer Auslöser enttäuschter Erwartungen sagte ein Analyst in Helsinki.

Damit ist offensichtlich, dass TietoEnator eine größere Restrukturierung durchführt, die möglicherweise über den Telekommunikationsbereich (wir berichteten) hinausgeht.
(cr/iw)

Mi, 12.04.06: Sozialplanpflicht bei TietoEnator
Wir wurden gefragt, was passiert, wenn TietoEnator eine neue deutsche GmbH gründet. Insbesondere wurden Befürchtungen geäußert, dass diese dann nicht unter die Sozialplanpflicht fällt.

Wir haben zunächst festgestellt, dass sich TietoEnator 2005 neu gegründet hat. Dies geht aus einem Eintrag vom 5.12.2005 im elektronischen Bundesanzeiger hervor. Danach entstand die TietoEnator Deutschland GmbH im Dezember 2005 durch Verschmelzung der TietoEnator GmbH, Hamburg mit der TietoEnator S.E.S.A. AG und einen anschließenden Formwechsel in eine GmbH.

Es stellt sich also zunächst die Frage: "Ist TietoEnator sozialplanpflichtig?",
denn in den ersten vier Jahren nach der Gründung werden Unternehmen von der Verpflichtung zum Abschluss von Sozialplänen nach §112a II 1 BetrVG freigestellt. Der Gesetzgeber verfolgt damit den Zweck, die Unternehmer in der schwierigen Anfangsphase vom Risiko zu entlasten, im Falle des Scheiterns der Neugründung Sozialplanverpflichtungen eingehen zu müssen.

Die Befreiung von der Sozialplanpflicht gilt jedoch nicht für Unternehmen, die sich lediglich rechtlich umstrukturieren (§112a II 2 BetrVG), also bspw. zwei Unternehmen fusionieren.

Im Fall der TietoEnator Deutschland GmbH (um die es bei unserem Betriebsübergang geht) liegt also die Verschmelzung von Unternehmen auf ein neu gegründetes Unternehmen oder die Umwandlung auf ein neu gegründetes Unternehmen vor.
Die TietoEnator Deutschland GmbH ist demnach sozialplanpflichtig.

Ist eine von TietoEnator neu gegründete GmbH sozialplanpflichtig?

Hier sind zwei Fälle zu unterscheiden:
  1. Ein bestehender Betrieb wird in eine neue GmbH ausgegliedert
    Bei einer Abspaltung von Unternehmensteilen auf neu gegründete Tochtergesellschaften gilt das gleiche wie eben beschrieben. Maßgeblich ist, dass bestehende Tätigkeiten (unternehmerische Aktivitäten) in der neuen GmbH weitergeführt werden. Würde TietoEnator also einen Betrieb (Betriebsteil) in eine eigenständige GmbH abspalten, die die bisherigen Aktivitäten fortführt, dann wäre diese ebenfalls sozialplanpflichtig.
  2. TietoEnator gründet eine neue GmbH um einen Betrieb eines anderen Unternehmens darin zu übernehmen.
    Dies gilt als Neugründung und das neue Unternehmen wäre nicht sozialplanpflichtig.
Zusammenfassung:
  1. TietoEnator ist sozialplanpflichtig.
  2. Ein bestehender Betrieb, der von TietoEnator in eine GmbH ausgegliedert wird, ist ebenfalls sozialplanpflichtig
  3. Eine von TietoEnator neu gegründete GmbH, die einen Betrieb eines anderen Unternehmens übernimmt, ist nicht sozialplanpflichtig.
Quellen:
Richardi, Betriebsverfassungsgesetz, 10. Auflage 2006, BetrVG § 112 a Erzwingbarer Sozialplan bei Personalabbau, Neugründungen, RN 17-19

Kania, Erfurter Kommentar zum Arbeitsrecht, 6. Auflage 2006, BetrVG § 112a Erzwingbarer Sozialplan bei Personalabbau, Neugründungen, RN 14-18
(cr)


Di, 11.04.06: Kapitalherabsetzung bei TietoEnator
Die Hauptversammlung von TietoEnator hat am 23.3.06 eine Kapitalherabsetzung um 2.903.860 € beschlossen. Das wurde am 10.4.06 ins finnische Handelsregister eingetragen. Das Eigenkapital von TietoEnator beträgt dann 75.840.262 €. Die Kapitalherabsetzung soll durch "nullifying the company's own shares" (Aktieneinziehung) durchgeführt werden.

Eine Herabsetzung des Eigen- oder Grundkapitals erfolgt entweder, wenn man einen bestehenden Bilanzverlust buchtechnisch ausgleichen will (nominelle Kapitalherabsetzung) oder wenn man überflüssiges Kapital an die Anteilseigner verteilen will (effektive Kapitalherabsetzung).

Bei TietoEnator ist also zu hinterfragen, ob die Kapitalherabsetzung zu Sanierungszwecken durchgeführt wurde. Gemäß §§ 229 bis 236 AktG dient nämlich die vereinfachte Kapitalherabsetzung zu Sanierungszwecken. Will man seine Geschäftstätigkeit ausweiten, wie es TietoEnator laut eigener Homepage im Telekommunikationsbereich vorhat, dann nimmt man für gewöhnlich eine Kapitalerhöhung vor, keine Kapitalverminderung.

Voraussetzungen für die Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit eines Unternehmens sind:
  1. entstandene Verluste durch Herabsetzung des Grundkapitals buchtechnisch zu beseitigen
  2. dem Betrieb neue finanzielle Mittel zur Verbesserung seiner Kapitalausstattung und seiner Liquiditätslage zuzuführen
  3. diese Maßnahmen durch eine durchgreifende Reorganisation zu begleiten
Betrachten wir nun die Informationen, die wir über TietoEnator haben, ergibt sich zu diesen Punkten:
  1. Durch den Beschluss der TietoEnator Hauptversammlung am 23.3.06 wurden möglicherweise Verluste buchtechnisch ausgeglichen.
  2. Durch den Verkauf von Teilen von Com, der begleitet wird durch eine Auftragszusicherung von Siemens über fünf Jahre wird dem Unternehmen kurz- bis mittelfristig neues Kapital zugeführt.
  3. TietoEnator beabsichtigt 130 Arbeitsplätze im Bereich Telekommunikation abzubauen, was auf eine durchgreifende Reorganisaton hindeutet. Focus Money berichtet in der Ausgabe 8/2006 im Artikel "Findige Finnen" berichtet, "die [Prioritäten] hat sich der Top Manager [Heikkinen] auch für seinen inzwischen zwei Jahre andauernden Sparkurs auferlegt etwa in der Hochpreis-Region Schweden weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, steht der Abbau von 130 Arbeitsplätzen innerhalb der dort ansässigen Telekomsparte an." Dies festigt die Annahme, dass TietoEnator die Siemens Mitarbeiter nur gegen Aufträge übernimmt. Wie weit sie tatsächlich gebraucht werden und wie sicher die Arbeitsplätze sind muss gefragt werden.
Angesichts dieses Hintergrundes ist es umso wichtiger, dass Wirtschaftsausschuss und Gesamtbetriebsrat, die wirtschaftliche Lage von TietoEnator hinterfragen. Siemens und TietoEnator müssen Arbeitnehmer und Betriebsrat/GBR umfassend über den Betriebsübergang aufklären. Zu den umwandlungsrelevanten Informationen gehören auch die finanzielle Ausstattung der beteiligten Unternehmen, Personalplanung, insbesondere Personalbedarfsplanung des neuen Rechtsträgers und Absicht des neuen Rechtsträgers zur Stilllegung von Betrieben oder Betriebsteilen bzw. zu deren Spaltung oder Zusammenlegung.

Wenn ein Unternehmen sanierungsbedürftig ist, dann könnte im Fall eines Betriebsübergangs ein anerkannter Widerspruchsgrund vorliegen.

Mit dem Beschluss der Kapitalherabsetzung auf der TietoEnator Hauptversammlung steht die Frage im Raum: Ist TietoEnator sanierungsbedürftig?
(iw)

Mo, 10.04.06: Siemens CFO behauptet: unsere Gehälter sind zu hoch
Auf einer Mitarbeiterveranstaltung von Com CD BA und Com MN BA in Mch M behauptete der CFO und Com-Bereichsvorstand Karl-Heinz Seibert, wir hätten zu hohe Gehälter. Dies belegte er mit den Erfahrungen aus der Siemens-Beschäftigungsgesellschaft (beE). Sie habe gezeigt, dass die Mitarbeiter über die beE zwar einen neuen Job finden könnten, denn es seien ja gute Leute, aber sie müssten deutliche Abstriche beim Gehalt hinnehmen.

Karl-Heinz Seibert stellt fest, dass ein normaler Entwickler bei Siemens 4.400 Euro verdient, nach Vermittlung durch die beE jedoch nur noch 2.200 EUR (das sind im Jahr 26.400 EUR) bekommt. Eine technische Assistentin bekomme bei Siemens 3.500 EUR, aus der beE heraus nur 1.800 Euro (21.600 EUR pro Jahr). Karl-Heinz Seibert sagt: er ist "highly committed" (wird sich sehr dafür einsetzen), dieses Problem zu lösen.

Im Gegensatz zur Behauptung von Karl-Heinz Seibert beträgt das durchschnittliche Gehalt eines Softwareentwicklers laut StepStone 43.862 EUR, das eines Softwareentwicklers mit Berufserfahrung von 6-8 Jahren 49.300 EUR. Technische Assistenten verdienen laut gehalts-check.de im Schnitt 30.013 EUR.

  Gehalt bei Siemens Gehalt nach beE
lt. Karl-Heinz Seibert
Durchschnittliches
Gehalt
Durchschnittl. Gehalt
(Berufserfahrung 6-8 Jahre)
Softwareentwickler 52.800 26.400 43.862 49.300
Technischer Assistent 42.000 21.600 30.013 k.A.


Man muss also nach der Vermittlung durch die beE mit einem um etwa 30 Prozent niedrigeren Gehalt rechnen. Dies entspricht auch unserem Erfahrungswert.

War die beE etwa nicht nur dafür da, um Personal abzubauen, sondern auch dazu, den bei Siemens übrig gebliebenen Mitarbeitern zu "beweisen", dass sie zu viel verdienen? Oder vermittelt die beE etwa nur auf unterbezahlte Stellen?
(cr)

Mo, 10.04.06: Neue Restrukturierungswelle bei Com?
Auf einer Mitarbeiterveranstaltung von Com CD BA und Com MN BA in Mch M am 05.04.06 kündigte der CFO und Com-Bereichsvorstand Karl-Heinz Seibert in einem Nebensatz eine neue Restrukturierungswelle bei Com an.

Zur Motivation der Mitarbeiter wurden sie erst einmal mit den Worten gerügt, sie wären so schlecht und die Konkurrenz so gut, sie schreiben zu viele E-Mails und zu viele seien in Entscheidungen eingebunden. Ohne weitere Erläuterungen sagte er, der Bereich habe zu viele Mitarbeiter. Mit einer solchen Mitarbeiterschelte wird üblicherweise der Personalabbau eingeleitet.

Gleichzeitig gab Karl-Heinz Seibert Managementfehler zu, um aber anschließend die Verantwortung für diese Fehler auf die Mitarbeiter abzuwälzen: "Die Verantwortung liegt bei jedem einzelnen." So wurden die Restrukturierungskosten der beE in Höhe von 50 Mio. Euro offensichtlich nicht eingeplant.

Von mehreren Seiten wurde uns mitgeteilt, dass mit Ausgliederungen bei Com CD zu rechnen ist. Sind die Com CD – Mitarbeiter die nächsten, die zu TietoEnator wechseln sollen? Auch der bisherige Vorzeigebereich innerhalb des Com, Mobile Networks scheint diesmal betroffen zu sein.
(iw)

Mo, 10.04.06: Siemens Com soll zwei Milliarden Euro sparen
Wie das Wirtschaftsmagazin 'Focus-Money' (Montagsausgabe) berichtet, soll Siemens Com im laufenden Jahr zwei Milliarden Euro einsparen. Rund eine Milliarde davon soll durch sinkende Einkaufskosten erzeugt werden. Und die andere Milliarde?
Artikel: de.internet.com
(iw)

So, 09.04.06: Petition beim Deutschen Bundestag eingereicht
Um eine weit reichende Änderung des Betriebsverfassungsgesetzes zu verhindern, haben wir eine Petition beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags eingereicht.

Über den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages können Eingaben in eigener Sache, für andere oder im allgemeinen Interesse eingereicht werden, um zu Recht zu verhelfen, Unrecht zu verhindern oder bestehendes zu beseitigen. Hierzu gehören insbesondere Vorschläge zur Gesetzgebung.

Wie wir berichteten hat die FDP einen Antrag zur Änderung der §§ 16 Abs. 2 Satz 1 und 17 Abs. 4 Satz 1 BetrVG eingereicht, um die Einleitung der Wahl eines Betriebsrats in einem betriebsratslosen Betrieb erheblich zu erschweren. Nun reichte Johanna Weitkamp, die sich als "eine von ca. 33.000 Mitarbeiterinnen eines internationalen Technologie-Unternehmens" bezeichnet, eine Petition beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages ein, um über den FDP Antrag hinaus, alle zwei Jahre eine Abwahl des Betriebsrats durch die Belegschaft zu ermöglichen. Diese Forderung stellte vorher bereits der Kolumnist Wolfgang Münchau in seinem FTD Artikel "Barbaren vor den Toren" am 15.03.06 auf.

Johanna Weitkamp ist gleichzeitig Gründerin, Mehrheitsgesellschafterin und Geschäftsführerin der SAP Sinfonieorchester gemeinnützigen GmbH sowie Gründerin und Geschäftsführerin der SAP Kammerphilharmonie. Damit ist sie keine typische Vertreterin der Arbeitnehmerschaft, sondern primär dem Arbeitgeberlager zuzurechnen. Diese Tatsache verschwieg sie natürlich in ihrer Petition. Wie uns berichtet wurde, habe sie "Henning und Claus" (gemeint sind offensichtlich Henning Kagermann, Vorstandsvorsitzender der SAP und Claus E. Heinrich, Arbeitsdirektor der SAP) über die Einreichung dieser Petition informiert und diese hätten ihr o.k. gegeben. Bei Siemens würden Klaus und Thomas unsere E-Mail nicht einmal öffnen. Schon allein dies zeigt deutlich, wo Fr. Weitkamp steht. Gleichzeitig kündigte sie an, dass sie Kollegen bitten wird, den Petitionsausschuss mit Petitionen gleichen Inhalts zu überschütten um auf die Gesetzgebung Druck auszuüben.

Der Antrag der FDP und die Petition erheben im Wesentlichen zwei Forderungen an den Deutschen Bundestag:
  1. Die Schwelle zur Wahl eines Betriebsrates soll deutlich angehoben werden. Bisher können drei wahlberechtigte Arbeitnehmer eine Betriebsratswahl einleiten, wenn die Mehrheit der Teilnehmer an einer vorher einberufenen Betriebsversammlung keinen Wahlvorstand gewählt hat. Nun soll nicht nur die Mehrheit der Wahlberechtigten für die Einsetzung eines Wahlvorstandes erforderlich sein, sondern es müssten sich mindesten 25% (FDP) bzw. 30% (J. Weitkamp) bezogen auf alle wahlberechtigten Arbeitnehmer für die Betriebsratswahl aussprechen, bevor das Gericht einen Wahlvorstand einsetzen kann.

    Bei einer durchschnittlichen Wahlbeteiligung von 49,4% in Betrieben der IT-Branche wäre die erste Forderung nie erfüllt. Um den Wahlvorstand dann vom Gericht einsetzen lassen zu können müssten 60,7% der Arbeitnehmer, die sich an der Urabstimmung beteiligt haben, zustimmen, um die geforderten 30% aller wahlberechtigten Mitarbeiter zu erreichen. Ein solch traumhaftes Wahlergebnis wünscht sich jede Partei, aber das erreichte gerade mal die CSU in Bayern bei der Landtagswahl 2003.
  2. Alle zwei Jahre soll für die Belegschaft die Möglichkeit bestehen, den Betriebsrat abzuwählen. Stimmen weniger als 30% der wahlberechtigten Arbeitnehmer gegen einen Betriebsrat, dann ist dieser verpflichtet sich aufzulösen.
Betrachtet man die Möglichkeiten der Einflussnahme des Arbeitgebers bspw. durch Ankündigung der Verlagerung von Arbeitsplätzen oder des Firmensitzes ins Ausland, die nur verhindert werden kann, wenn die Belegschaft auf den Betriebsrat verzichtet, dann erkennt man sofort, dass es ein Leichtes für den Arbeitgeber ist, zu erreichen, dass die Belegschaft ihren Betriebsrat abwählt. Diese Möglichkeit stellte nicht nur SAP-Gründer Dietmar Hopp in Aussicht, sondern auch Johanna Weitkamp in einem offenen Brief "an die Einlader zur ersten BetrVerslg. und Positionspapier, wie man die WV-Wahl boykottiert". Die SAP-Mitarbeiter stimmten daraufhin zunächst mit 91% gegen die Einsetzung eines Wahlvorstandes und nachdem der Arbeitgeber seinen Widerstand gegen die Wahl aufgegeben hatte, stimmten plötzlich 80% der Mitarbeiter dafür. Wenn man davon ausgeht, dass die 9%, die vorher dafür waren, ihre Meinung nicht geändert haben, dann müssen wohl 71% der SAP-Mitarbeiter massiv vom SAP-Management beeinflusst worden sein.

Betrachtet man nun beide Forderungen im Zusammenhang, erkennt man, dass mittels Punkt 2 Betriebsräte relativ leicht abgewählt werden können, insbesondere dann, wenn die Arbeitnehmer ihre Rechte nicht kennen. Punkt 1 bewirkt, dass für die Neugründung eines Betriebsrats eine sehr hohe Schwelle überwunden werden muss. Das Ergebnis wird sein, dass mittelfristig in vielen Angestellten-Betrieben keine Betriebsräte mehr existieren werden.

Das Betriebsverfassungsgesetz, das dem Arbeitnehmer über den Betriebsrat viele Rechte zusichert, wäre damit de facto ausgehebelt.

Um diese weit reichende Gesetzesänderung zu verhindern, haben wir eine Petition beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags eingereicht.

Darin haben wir diese Problematik dargestellt und zu jedem Punkt des FDP Antrags und der Petition von Johanna Weitkamp eine Gegendarstellung verfasst und die Abgeordneten des Deutschen Bundestages gebeten, den FDP Antrag und die Petition von Johanna Weitkamp abzulehnen.
(iw/cr)

Fr, 07.04.06: Hallo Doku-Kollegen, die zu TietoEnator ausgelagert werden sollen
NCI tut fast alles für Euch. Hier zwei Stellen für Technische Redakteure, eine in München und eine in Karlsruhe.
Technischer Redakteur, Anwenderdokumentation, München, GER35827
Technischer Redakteur, Karlsruhe, GER38330
(iw)

Mi, 05.04.06: Fusion von Alcatel und Lucent erhöht Konkurrenzdruck auf Siemens Com
Lucent und Alcatel können durch die Fusion deutlich ihre Kosten durch Nutzung von Synergieeffekten im Forschungsbereich und Skaleneffekten bei der Produktion senken, heißt es in Analystenkreisen. Dies führe dazu, dass das neue Unternehmen mit seinen Kunden bessere Preise aushandeln könne. Damit wäre der neue Konzern wettbewerbsfähiger als Siemens und Ericsson. "Das wird vor allem den Druck auf Siemens Com und Nortel erhöhen", urteilen die Experten von Sal. Oppenheim. Hinzu kommt, dass asiatische Konkurrenten verstärkt auf den Markt drängen.

Siemens selbst nimmt die Fusion zur Kenntnis, sieht aber keinen Handlungsbedarf. Thomas Ganswindt bezeichnete die Fusion in Mitarbeiterkreisen sogar als Chance. Allerdings wirkte seine Erklärung wenig überzeugend auf die Mitarbeiter angesichts der klaffenden Spanne zwischen Realität (3,5 Prozent Marge) und Anforderung der Konzernleitung (8 Prozent Margenziel). Zuletzt schrieb Com nur wegen eines Aktienverkaufs schwarze Zahlen. Seit 2002 laufen Umstrukturierungen bei Com und tausende Stellen sind weggefallen.

Roland Pitz von der Hypo-Vereinsbank geht davon aus, dass Com sich mittelfristig zu einem Nischenanbieter entwickelt. Die Analysten rechnen nicht damit, dass sich Siemens Com durch große Zukäufe verstärkt, sondern Geschäfte eher in strategischen Partnerschaften mit Alcatel oder Nortel abwickelt.

Der scharfe Wettbewerb, hohe Forschungsausgaben und die hohe Erwartungshaltung von Analysten und Aktionären verstärkt die Hopp oder Top Menatalität großer Unternehmen. Wie es bisher aussieht, neigt sich die Waage bei Com eher zu Hopp, insbesondere, wenn Com durch die Fusion von Lucent und Alcatel auf Platz 4 im Weltmarkt abrutscht.
Artikel:Handelsblatt
(iw)

Di, 04.04.06: Kundenbewegung bei TietoEnator
Nach Durchsicht der Folien, die TietoEnator den Mitarbeitern zur Verfügung gestellt hat, fiel uns auf, dass die Liste der Kunden auf der Homepage von TietoEnator sich wesentlich von den Kunden auf der Folie unterscheidet.

Interessant ist, dass lediglich drei Firmen, nämlich T-Mobile, Vodafone und Nokia mindestens seit 2003 als Kunden angegeben sind. Bis heute weggefallen sind Proximus Belgacom Mobile, E-Plus und O2 sowie die erst neu dazu gekommenen Firmen EADS Telecom, Rohde & Schwarz, Tenovis, Orange, Tim und Lucent. Der Wegfall von Lucent könnte sich durch die Fusion mit Alcatel erklären.

Von den ursprünglich sechs Stammkunden sind 2005 die Hälfte weg gebrochen. Von den elf Neukunden des Jahres 2005 haben sich bereits mehr als die Hälfte verabschiedet. Dies stützt den Eindruck, dass TietoEnator im Laufe des Jahres 2005 das Geschäftsmodell geändert hat und jetzt Umsatz erzeugt, indem sie Mitarbeiter anderer Firmen gegen die Zusicherung von Aufträgen dieser Firmen übernimmt.

Kunde 2003 2004 2005 2006 Folie
TietoEnator
Proximus Belgacom Mobile x x x - -
E-Plus x x x x -
O2 x x x x -
T-Mobile x x x x x
Vodafone D2 x x x x x
Nokia x x x x x
EADS Telecom - - - x -
Lucent - - - x -
Rohde & Schwarz - - - x -
Tenovis - - - x -
Orange - - - x -
Tim - - - x -
Alcatel - - - x x
Ericsson/Marconi - - - x x
Nortel - - - x x
Siemens - - - x x
Arcor - - - x x
Telenor - - - - x
Telia Sonera - - - - x
Lietuvos Telekomas - - - - x
Cesky Telecom - - - - x
Delphi - - - - x
Bosch - - - - x

(cr/iw)

Mo, 03.04.06: Richtlinienkompetenz oder der Irrtum vieler Betriebsratsvorsitzender
Immer wieder werden wir gefragt, insbesondere jetzt nach den Neuwahlen, ob ein Betriebsratsvorsitzender dieses oder jenes einfach anordnen kann, ob er der Chef des Betriebsrats ist, ob er allein die Ausrichtung des Betriebsrats bestimmen kann.

Viele Betriebsratsvorsitzende sind fest davon überzeugt, eine Richtlinienkompetenz zu haben. Richtlinienkompetenz hat in Deutschland jedoch nur der Bundeskanzler. "Der Bundeskanzler", so heißt es in Art. 65 GG, "bestimmt die Richtlinien der Politik und trägt dafür die Verantwortung".

Was aber bestimmt das Gesetz für einen Betriebsratsvorsitzenden? Für diesen gilt §26 II BetrVG: "Der Vorsitzende des Betriebsrats ... vertritt den Betriebsrat im Rahmen der von ihm gefassten Beschlüsse."

Damit kann der Betriebsrat (BR) dem Betriebsratsvorsitzenden (BRV) Richtlinien oder Weisungen für Entscheidungen vorgeben und nicht umgekehrt (Fitting Rn. 25; GK-BetrVG/Wiese/Raab Rn. 35; DKK/Wedde Rn. 21). Der BRV ist insbesondere dem BR gegenüber nicht weisungsbefugt. Er gibt also nicht (wie der Bundeskanzler) die Linie der Politik des BR vor. Handelt der Vorsitzende ohne oder gegen einen Beschluss des BR, kann er abgesetzt werden, bei grober Pflichtverletzung kann sogar eine Amtsenthebung nach §23 BetrVG in Betracht kommen (DKK/Wedde Rn. 25; Fitting Rn. 27). Dies ist so, weil der Gesetzgeber den demokratischen Prozess im Betriebsrat will. Er will, dass das gesamte Gremium die Verantwortung trägt, also alle gewählten Betriebsräte zusammen, nicht eine einzelne Person.

Ein Betriebsratsvorsitzender sollte eine integrierende Persönlichkeit sein, der durch gute Moderation für eine konstruktive Diskussion im Betriebsrat wirbt, darauf achtet, dass fraktionspolitische Aspekte nicht dominieren, so dass Beschlüsse ausschließlich im Sinne der Belegschaft gefällt werden. Ein Betriebsratsvorsitzender sollte den Betriebsrat nach außen vertreten, und im Rahmen dieser Arbeit, die Belegschaft informieren, was zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat verhandelt wird, sollte Wege suchen, die Belegschaft über ihre Rechte aufzuklären, sie ermuntern, diese in Anspruch zu nehmen. Darum sei allen neu gewählten Betriebsräten ans Herz gelegt, diese Verantwortung auch wahr zu nehmen - als Gremium und diese Verantwortung gegen Vorsitzende zu verteidigen, die sich mit der Bundeskanzlerin verwechseln.

Wie sagte ein BR-Vorsitzender eines Siemens Konkurrenten: "Das höchste, was ich ohne BR-Beschluss tun kann ist, meine Bleistifte spitzen." und drückte damit aus, dass der Gesetzgeber die Verantwortung für die Betriebsratsarbeit in die Hand des Gremiums legte. In Betrieben zwischen 5001 und 6000 Mitarbeitern sind dies 62 Hände. Zwei Hände davon gehören dem Vorsitzenden. Und diese benötigt er dringend, um den BR im Rahmen seiner Beschlüsse nach außen zu vertreten. Das gilt natürlich auch für eine BR-Vorsitzende.
(iw)

Mo, 03.04.06: Geschäfts- und Personalentwicklung bei TietoEnator seit 1984
Ein entscheidendes Kriterium für die Klärung der Frage, ob man zu TietoEnator übergehen möchte oder nicht, ist die wirtschaftliche und personelle Entwicklung dieser Firma. Daher haben wir umfangreiche Recherchen durchgeführt und folgende Informationen aus den Jahren 1984 bis heute für Euch zusammengestellt.

Geschäftsfelder
TietoEnator bediente im April 2001 die Geschäftsfelder Versicherungen, Banken, Reise & Touristik sowie Telekommunikation. Seit März 2005 ist der Bereich Reise & Touristik, auf dem TietoEnator seit der Firmengründung vor 20 Jahren maßgeblich tätig war, aufgegeben worden. Neu hinzu kam 2005 oder 2006 u.a. Automotive.

Kunden
Im Bereich Telekommunikation hatte TietoEnator laut Homepage vom März 2005 hauptsächlich Provider als Kunden, nämlich E-Plus, Proximus Belgacom Mobile, O2, T-Mobile und Vodafone D2. Einziger Hersteller im Kundenstamm war Nokia.

2005 kamen überraschend alle renommierten Telekommunikationshersteller als Kunden dazu. Dieser Kundenstamm wuchs damit auf 17 Firmen an: Alcatel, Ericsson/Marconi, Nortel, Siemens, EADS Telecom, Lucent, Rohde & Schwarz, Tenovis, Arcor, orange, Tim, Wind, T-Mobile, E-Plus, Nokia, O2, Vodafone.

Auffallend ist, dass gerade Großkunden hinzugekommen sind, die im selben Zeitraum Personal abgebaut und ausgegliedert haben.

Wirtschaftliches Wachstum
Der EBit von TietoEnator sowie die Verkaufszahlen sind seit 1984 bis auf ein paar kleine Einbrüche kontinuierlich gestiegen.

Aus den Geschäftszahlen kann man erkennen, dass das Wachstum von TietoEnator gegenläufig zu dem Wachstum in der Telekommunikationsbranche ist. In den Jahren, in denen die großen Telekommunikationsfirmen Personal abgebaut haben, ist TietoEnator gewachsen. In den Jahren, in denen die Telekommunikationsfirmen Personal aufgebaut haben (Siemens zahlte im Jahr 2001 noch Kopfprämien für die Gewinnung neuer Mitarbeitern), ist das Wachstum von TietoEnator zurückgegangen.
Diagramme zur Geschäftsentwicklung

Geschäftsmodell
Das Geschäftsmodell von TietoEnator scheint darauf zu beruhen, Mitarbeiter anderer Firmen gegen die Zusicherung von Aufträgen dieser Firmen zu übernehmen. Dies ist auch aus der Entwicklung der Personalzahlen ersichtlich. Nachdem die Mitarbeiterzahl von 1999 auf 2000 um 10% gefallen ist, ist sie von Anfang 2003 (12000) bis heute (15000) gestiegen.

Personalentwicklung
Betrachtet man den großen Kundenstamm von TietoEnator im Geschäftsbereich Telekommunikation und die relativ niedrige Mitabeiterzahl (40 Festangestellte und 30 Consultants), ist es glaubwürdig, dass TietoEnator dringend Mitarbeiter benötigt. Allerdings ist durch den Zusammenschluss Telekommunikation, Automotive, Medien nicht klar erkennbar auf welches dieser drei unterschiedlichen Gebiete TietoEnator den Schwerpunkt setzen wird. Die von Siemens übergehenden Kollegen müssen sich aller Voraussicht nach auf neue Aufgabenfelder einstellen.

Rätselhaft bleibt jedoch, wozu ein Systemdienstleister wie TietoEnator Hardwareentwickler benötigt. Es besteht die Gefahr, dass diese nach einer gewissen Übergangsfrist (6 Monate bis 1 Jahr) mit einer Kündigung rechnen müssen. Im Betrieb Garmischerstraße 10 gibt es nur Softwareentwickler, also keine Vergleichspersonen für Hardwareentwickler für eine Sozialauswahl.
Details zur Personalentwicklung
(iw/cr)

So, 02.04.06: Fusion von Lucent und Alcatel vollzogen
Laut FTD haben die obersten Gremien beider Unternehmen dem Zusammenschluss der beiden Firmen zugestimmt. Der transatlantische Gesamtkonzern kommt zusammengerechnet auf 88.000 Mitarbeiter. Alcatel hält 60% des Kapitals und Lucent 40%. Hauptsitz der neuen Firma ist in Frankreich.

Im Zeitraum von drei Jahren sollen 1,4 Mrd. Euro eingespart werden. Lucent und Alcatel ergänzen sich zwar regional, technologisch aber überschneidet sich die Produktpalette. Daher ist mit Werksschließungen und Stellenabbau zu rechnen. Ein Kandidat für eine Werksschließung könnte das Nürnberger Lucent Werk sein.
Artikel: FTD
(iw)

Sa, 01.04.06: Com Ausgliederung: Depression weicht Informationsbedürfnis
Die Stimmungslage bei den von der Ausgliederung betroffenen Mitarbeitern hat sich leicht gebessert. Der anfängliche Schock-Zustand ist nach Aussage von Mitarbeitern dem Bedürfnis nach Information gewichen.

Drei Gruppen bilden sich bezüglich der emotionalen Stimmungslage heraus. Die erste Gruppe, überwiegend aus Mitarbeitern Anfang 40 oder jünger, sehen in dem Wechsel zu TietoEnator eher eine Chance. Der Grund für diesen verhaltenen Optimismus liegt aber nicht darin, dass es gelang ein positives Bild von TietoEnator zu zeichnen, sondern überwiegend an den schlechten Aussichten für Com. Aussagen wie "hier ist ja alles sowieso nur noch marode" oder " es wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben " sind die Triebfeder für einen Wechsel zu TietoEnator. Die Frage was man am besten tut, reduziert sich auf die Frage: "Wer überlebt länger, Com oder der neue Bereich bei TietoEnator." Eine zweite Gruppe informiert sich ausführlich über die Möglichkeiten und ihre Chancen bei Siemens zu bleiben, eine dritte verhält sich abwartend, sammelt ebenfalls so viel wie möglich Informationen, um ihre Entscheidung auf gesunde Füße stellen zu können.

Willkürliche Einteilungen von Vorgesetzen zu Informationsveranstaltungen, Informationsverschleierung dem Betriebsrat gegenüber wirken eher kontraproduktiv und stärken das Misstrauen. "Für uns wird das Verhalten unserer Vorgesetzten immer unglaubwürdiger. Und je mehr man fragt, desto mehr versuchen sie sich aus den Antworten zu stehlen. Keiner will so recht mit Informationen rausrücken. Aber die Vorgesetzten tun so, als ob alles in Ordnung wäre und als ob es nichts Besseres gäbe, als zu TietoEnator zu wechseln," teilten Mitarbeiter NCI mit.

Positiv ist jedoch aus unserer Sicht zu verzeichnen, dass die Mitarbeiter miteinander zu reden beginnen, sich nicht an die strikten Anweisungen ihrer Vorgesetzten gehalten haben und die Informationsveranstaltungen mehrfach besucht haben. Zur Zeit laufen rege Diskussionen über die Eindrücke, die jeder gewonnen hat.

"Ja, die Sache ist für uns alle nicht leicht. Doch je mehr wir uns gegenseitig austauschen und zusammenhalten, desto besser werden wir die Situation meistern. Ich habe in euch (NCI) eben Leute gefunden, die mich anhören und wo ich mit meinen Sorgen hin kann."

Wer Kontakt zu uns aufnehmen möchte, kann dies unter der E-Mail Adresse info@nci-net.de.
(iw)

Sa, 01.04.06: Round Table Gespräche für Com Mitarbeiter mit Vertretern von TietoEnator
Von Mittwoch bis Freitag letzter Woche fanden für die von der Ausgliederung betroffenen Com Mitarbeiter so genannte Round-Table-Gespräche statt. Vertreter von TietoEnator informierten die Betroffenen über das Unternehmen und stellten sich den Fragen der Kollegen. Bis zu 36 Mitarbeiter nahmen an den einzelnen Veranstaltungen teil. Als Gesprächspartner standen ihnen der Director Automotive GER, der Director Telecom Infratstructur/Applications, der FB-Leiter IT & NMS-Solutions, der Director Sales, der Director MNS, der Director Marketing & Communications, der Director Moble Devices und der Siemens Customer Execute zur Verfügung.

Die Mitarbeiter hätten damit einen guten Überblick über das Unternehmen bekommen können. Jedoch konnten sie nicht in allen betroffenen Abteilungen frei wählen, ob sie zu allen oder zu welcher Veranstaltung sie gehen wollten. Die Vorgesetzten teilten ihre Mitarbeiter ein und wiesen ihnen die Veranstaltung zu. Der Grund für die Einteilung sei, so die Vorgesetzten, ein beschränktes Platzkontingent. "Sonst käme nicht jeder Mitarbeiter zum Zuge," begründeten sie diese Maßnahmen. Ein Mitarbeiter sagte dazu: "Wir hätten natürlich erst mal die Bereiche genommen, die uns am verwandtesten gewesen wären. Und uns dann die anderen Bereiche noch angeschaut. Jetzt aber erhalten wir nur einen sehr einseitigen Blickwinkel. Jeder kann sich nur ein Bild von dem Bereich machen, dem er bei der Informationsveranstaltung zugeteilt wurde. Die anderen Bereiche bleiben für ihn ‚Black Boxes'. Er erfährt nur dann was, wenn von den Kollegen etwas weitergegeben wird. Er kann aber seine eigenen Fragen, die er vielleicht während der Vorstellung hätte, nicht stellen, da er ja nur einen Mitarbeiter der neuen Firma kennenlernt." Eine Mitarbeiterin bemerkte weiter: "Außerdem wird auch peinlichst darauf geachtet, dass ja keine Informationen an den Betriebsrat weitergegeben werden." und fragte sich warum, wenn doch alles in Ordnung ist.

Dieses organisatorische Defizit, das man durchaus hätte beheben können, ließ bei einigen Mitarbeitern den Eindruck entstehen, dass in der Führungsebene kein Interesse an einer umfassenden Information der Mitarbeiter bestünde.

Auffällig ist, dass Vorgesetzte, die sich vor ein paar Tagen selbst noch mit handfesten Argumenten gegen diesen Betriebsübergang ausgesprochen haben, jetzt dafür werben. Größte Bedenken waren selbst bei Vorgesetzten die fehlende Tarifbindung und die Befürchtung, dass die Arbeitszeit bei schwieriger Geschäftslage schnell von 40 auf 45 Stunden steigen könnten sowie die Befürchtung starker Gehaltsreduktionen.

Tenor der Veranstaltung war Aufbruchstimmung zu erzeugen und besonders auf die sich bietenden neuen Chancen hinzuweisen. Dies ist teilweise gelungen. Trotzdem bleibt die Sorge über die Auslastungslücke von ca. 40% in der neuen Business Unit. Auf Nachfrage in einer der Veranstaltungen wurde dies auch nicht bestritten. Die Lücke soll nach und nach mit Projekten aus dem Bereich Automotive geschlossen werden. In den Gesprächen wurde geäußert, dass Herr Ganswindt mündlich zugesichert habe, mit Aufträgen von VDO diese Lücke zu schließen oder wenigstens zu mindern. Die Frage, ob der Übergang zu TietoEnator eine neue längerfristige Perspektive ist, wurde im Tenor so beantwortet: Die Chancen sind gegeben, wir haben das schon öfter gemacht, wir wollen organisch wachsen, ein Garantie kann natürlich nicht gegeben werden.
(iw)


Sa, 01.04.06: Lucent Nürnberg - Mitarbeiter befürchten Werksschließung
Die Vertragsunterzeichnung, die das Zusammengehen Lucent und Alcatel besiegelt, stehe kurz bevor, berichtet die Financial Times unter Berufung auf informierte Kreise. Mit einer Entscheidung sei bis Dienstag zu rechnen.

Die Mitarbeiter des Lucent Werks Nürnberg befürchten nach dem Zusammenschluss Ende des Jahres eine Werksschließung. Grund für die Befürchtung liegt auch im Portfolio von Lucent Nürnberg. Das Nürnberger Werk entwickelt Produkte im Optik- und UMTS-Segment, die Alcatel selbst im Portfolio hat. Die Softwareentwicklung bei Lucent ist zum Teil bereits nach Indien verlagert. "Das Werk sei allein nicht überlebensfähig," sagte ein Mitarbeiter.

Die Fusion zwischen Lucent und Alcatel erhöht den Konkurrenzdruck auf die gesamte Kommunikationssparte. Analysten rechnen mit weiteren Fusionen in diesem Bereich.
(iw)

Sa, 01.04.06: Informationen über TietoEnator in München
TietoEnator beschäftigt in München ca. 100 fest angestellte Mitarbeiter in den Betrieben Sandstraße 33 (50 bis 60 Mitarbeiter) und Garmischerstraße 10 (ca. 40 Mitarbeiter). Zusätzlich sind ca. 30 Consultants in der Garmischerstraße beschäftigt. Schwerpunkt in der Sandstraße sind Bankwesen und Versicherung, Schwerpunkt in der Garmischerstraße sind Telekommunikation und Automotive (Software für Automobilindustrie). Die Zusage von Siemens, fünf Jahre lange Aufträge an TietoEnator zu geben, dürfte sich auf eine Zusammenarbeit zwischen vdo und Automotive beziehen, da dieser Bereich zur Zeit boomt.

In der Garmischerstraße sind nur Softwareentwickler beschäftigt. Der Betrieb benötigt nach internen Auskünften aber dringend Hardwarentwickler. Diese Lücke soll offensichtlich mit den Mitarbeitern von Com FN PV geschlossen werden. Das Durchschnittsalter im Betrieb Garmischerstraße liegt derzeit bei 35 bis 38 Jahren. Das Durchschnittsalter der übergehenden Mitarbeitern beträgt 48 Jahre mit entsprechend langer Firmenzugehörigkeit.

Die Mitarbeiter bei TietoEnator erwarten keine Kündigungen. Ihr Zutrauen zur Firma und in die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze ist sehr groß. Allerdings ist zu bedenken, dass unser Vertrauen zu Siemens Anfang 2002 ähnlich groß gewesen sein dürfte.
(iw)




Autoren: Inken Wanzek, Christine Rosenboom
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