Artikel: Mai 2006

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Mi, 31.05.06: Verhandlungen zu Stellenabbau bei Com kurz vor dem Abschluss
Die Mitteilung überrascht die Belegschaft und örtlichen Betriebsräte. Hieß es doch noch gestern die Verhandlungen zum Stellenabbau bei Com hätten noch gar nicht begonnen. Es seien noch alle Optionen offen. Heute meldet die ‚Welt' und weitere einschlägige Tageszeitungen, dass die Verhandlungen über den Abbau von 1200 Arbeitsplätzen bei Com nächste Woche zum Abschluss kommen sollen. Die Tageszeitung ‚die Welt' beruft sich dabei auf Informationen aus dem Kreis der Verhandlungspartner.

Der Gesamtbetriebsrat geht mit der Forderung, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten, in die nächste Verhandlungsrunde und erwartet außerdem ein klares Bekenntnis des Vorstands zu Com und das Offenlegen einer tragfähigen Strategie für diesen krisengeschüttelten Bereich.

Doch ob dem GBR eine tragfähige Strategie vorgelegt wird, ist mehr als zweifelhaft. Stattdessen hat der Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld weitere Belastungen für Com angekündigt. Der Jobabbau könnte noch höher ausfallen als geplant, schreibt die Welt unter Berufung auf Unternehmenskreise.

Thomas Ganswindt zuständig für Com gerät im Zentralvorstand mit seiner Strategie zunehmend unter Kritik. Es mangele an konkreten Zielen, etwa Plänen für neue Produkte, heißt es. Ein externer Prüfer habe zudem die Qualität von Einnahmen- und Ausgabenkalkulation kritisiert. Damit dürfte auch die Position von Heinrich von Pierer weiter geschwächt sein. Neigt sich das Blatt zu Kleinfeld und damit zu einem knallharten Kurs für Com?
FAZ-Net
Finanznachrichten
Manager Magazin
Aktienresearch
(iw)

Mi, 31.05.06: Neue beE-Berichte
Neue beE Berichte
"Meine Definition für beE"
"Überlegt es Euch genau"
"Die Beratung durch die beE fand ich gut"
(iw)

Di, 30.05.06: Die Freiheit der Wahl
Zuerst waren unter dem Druck des Arbeitgebers 91 Prozent der SAP Belegschaft in Walldorf und St. Leon Rot gegen die Wahl eines Betriebsrats. Dann wagten sich drei Mitarbeiter vor das Arbeitsgericht, um von ihrem Recht, verbrieft in §17 IV BetrVG, Gebrauch zu machen. Sie stellten beim Arbeitsgericht Mannheim den Antrag, einen Wahlvorstand für die Betriebsratswahl zu bestellen. Damit lösten sie eine heftige und kontroverse Diskussion aus, die nicht nur die SAP Belegschaft beschäftigte, sondern Wellen bis in die Politik schlugen. Die FDP bereitete einen Gesetzesantrag zur Änderung des Betriebsverfassungsgesetzes vor, mit dem Ziel, die Installation eines Betriebsrats vor größere Hürden zu stellen als die Wahl zum Deutschen Bundestag. Der Flügelschlag eines Schmetterlings hat einen Orkan ausgelöst.

Heute ist der Befreiungsschlag gelungen. Das Interesse in der SAP Belegschaft am Betriebsrat ist groß. Es bewerben sich über zehn Listen. Auf diesen kandidieren sage und schreibe ca. 400 Kandidaten. Niemand hatte das erwartet. Das Betriebsratsamt genießt jetzt in der bundesweiten Belegschaft der SAP AG viel Sympathie.

An dem Beispiel der BR-Wahl bei SAP sieht man zweierlei: Man sollte den Mut zum Handeln haben, sein Recht in Anspruch nehmen, wenn man von einer Sache überzeugt ist, auch wenn 99% dagegen sind. Zum anderen zeigt gerade das Geschehen bei SAP, dass Einzelne viel bewegen können. Hätte es diese drei Mitarbeiter nicht gegeben, hätten sie gesagt, uns ist das Risiko zu hoch, es ist sowieso alles aussichtslos, dann hätte es keine Diskussion in der SAP-Belegschaft und in politischen Kreisen gegeben, kein Auseinandersetzen mit den eigenen Rechten, keine Wahl, die zum Ausdruck bringt: Wir wollen die Rechte, die wir haben, nutzen.

Diese freie Wahl findet bei SAP am 21.Juni 2006 statt.

Bericht bei IG Metall Heidelberg
Die Homepage der Liste 'Pro Betriebsrat'
(iw)

Di, 30.05.06: 'Ja' und 'Nein', Wörter die Freiheit brauchen
Manchen mag der Bericht über die Personalentwicklung am Standort München Hofmannstraße erschreckt haben. Uns ehrlich gesagt auch.

Siemens hat seit 2003 nicht mehr gekündigt. Der Grund: Ein wohl überlegtes und freies Nein, vielfach gesprochen. Es mündete in den erfolgreichen Widerstand, den NCI zusammen mit dem damaligen Betriebsrat Mch H unter Anwendung der Arbeitnehmerrechte geführt hat. Dieses ‚Nein' zu den Angeboten der Siemens AG hat gezeigt, dass es für Siemens nicht so einfach ist, die Mitarbeiter zu kündigen, die sie abbauen will, wenn eine Sozialauswahl zu tätigen ist, passende offene Stellen im Unternehmen vorhanden sind, und nicht erkennbar ist, warum durch eine unternehmerische Entscheidung genau dieser Arbeitsplatz weggefallen ist. Das Kündigungsschutzgesetz, das soziale Aspekte in den Mittelpunkt stellt, steht gegen die Einstufung des Menschen als problemlos funktionierendes Maschinenteil. Und das ist gut so.

Man muss berücksichtigen, dass ein Teil des massiven Abbaus in der Hofmannstraße darauf zurückzuführen ist, dass größere Verschiebungen von Mitarbeitern in andere Standorte (Mch P und Mch MGA) stattgefunden haben. Aber der Grund dieser Verschiebungen war, dass an diesen Standorten unerfahrenere bzw. AUB-geführte Betriebsräte waren. Der größte Teil der Versetzungen wurde zur AUB-geführten Betriebsratseinheit Mch P durchgeführt. Siemens rechnete damit, an diesen Standorten leichter abbauen, leichter ein ‚Ja' bekommen zu können. Der von Siemens in Mch H nicht zu realisierende Personalabbau wurde dort dann versucht und teilweise leider auch erreicht, denn die Betriebsvereinbarungen 2005 ließen die Kündigungsmodalitäten völlig offen, auch beim Abbau in der Hofmannstraße. Das erschwerte das "Nein".

Zum Personalabbau ohne Kündigungen in Mch H und den anderen Standorten konnte es nur kommen, da die Mitarbeiter zu den "Freiwilligkeitsaktionen" nicht ‚Nein' gesagt haben. "Ja" und "Nein" an sich sind wert neutral, dann wenn der Mensch, der eines dieser Worte spricht, es aus freiem Willen tut und nicht gebeugt wurde. Die Frage stellt sich nun, war es tatsächlich immer die freie Willensentscheidung des Mitarbeiters, Siemens zu verlassen oder spielte die Angst vor Kündigung, Mobbing durch Vorgesetzte, Druckgespräche in der Personalabteilung die treibende Rolle? Oder war es einfach Unwissenheit? Für viele sicherlich, vor allem dann, wenn sie isoliert und auf sich alleine gestellt sind. Deswegen haben wir NCI gegründet.

Ein ‚Ja' oder ‚Nein', die Unterschrift, die dies ausdrückt, sollte wirklich freiwillig erfolgen und der Schritt gut durchdacht sein. Damit ihr dies einschätzen könnt, klickt mal hier.

Lasst Euch nicht aus Angst zur Freiwilligkeit zwingen. Fördert nicht den Personalabbau und den Verlust Eurer Existenzgrundlage, indem Ihr Euch nicht traut zu freiwilligen Angeboten "Nein" zu sagen. Betrachtet eure rechtliche Position mit Hilfe von Anwälten und der Unterstützung durch NCI rational. Und geht dann den Weg, der die besten Chancen bietet, einen Arbeitsplatz zu erhalten, vorausgesetzt Ihr braucht einen Arbeitsplatz.

Wenn Ihr Euch die Zeit nehmt, Eure Rechte kennen zu lernen, Euch zu solidarisieren, damit niemand alleine ist, den Mut habt, "nein" zu sagen, wo ihr nein sagen wollt, "ja" zu sagen, wo es Eurem Willen entspricht, Eure Rechte anwendet, dann ist es wahrscheinlicher, dass Siemens Lösungen sucht, die auch die Bedürfnisse der Mitarbeiter berücksichtigen.

Die kürzesten Wörter, nämlich ja und nein, erfordern das meiste Nachdenken. (Pythagoras)
(iw/cr)

Di, 30.05.06: Ein Milliarde Euro für Stellenabbau eingeplant
Es ist schon erstaunlich was sich Firmen es kosten lassen, Mitarbeiter loszuwerden, anstatt dieses Geld in die Entwicklung innovativer Produkte zu stecken, die sie dann auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig machen könnten. VW bietet seinen Mitarbeitern bis zu 250.000 Euro an, wenn sie freiwillig ihren Arbeitsplatz aufgeben. Trotz dieser hohen Summe werden wohl höchstens 4.000 Mitarbeiter zugreifen. Die anderen brauchen ihren Arbeitsplatz. Auch 250.000 Euro reichen für die meisten nicht bis zur Rente, ganz abgesehen davon, dass wohl die meisten eine deutlich geringere Abfindung bekommen würden.
Artikel: Süddeutsche Zeitung
(iw)


Mo, 29.05.06: Vorgesetzte erhöhen Druck auf Com-Mitarbeiter - Lasst Mobbing nicht zu !!!
Aus der Belegschaft wurde uns von mehreren Kollegen mitgeteilt, dass Vorgesetzte starken psychischen Druck auf einzelne Com-Mitarbeiter ausüben: Diese Maßnahmen der Vorgesetzten verstoßen gegen das Arbeits- und Strafrecht.

Bewerbung ist Privatsache!

Der Arbeitgeber und damit auch kein Vorgesetzter hat das Recht, einen Mitarbeiter zu Bewerbungen zu zwingen oder gar den Status der Bewerbungen abzufragen. Es liegt allein in der Entscheidung des Mitarbeiters, ob er dem Vorgesetzten über seine Bewerbungstätigkeiten berichtet. Wir raten dringend davor ab, Auskunft zu geben.

Es liegt ein eindeutiger Verstoß des Arbeitgebers gegen seine vertraglichen Nebenpflichten und gegen das Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers vor. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Persönlichkeit und die Privatsphäre seiner Arbeitnehmer zu schützen.

Dieses "an den Pranger stellen" sowie die weiteren Druck erzeugenden Maßnahmen sind Mobbing durch Vorgesetzte (Bossing). Es setzt die Mitarbeiter unter einen permanenten psychischen Druck. Ziel dieser Maßnahme ist die Ausgrenzung des Mitarbeiters aus der Gruppe. Zum einen zieht er sich selbst über kurz oder lang in sich zurück, um mit der Situation überhaupt noch umgehen zu können, zum anderen wissen seine Kollegen in der Regel nicht, mit der Situation umzugehen, haben Angst die nächsten auf der "schwarzen Liste der Freiwilligkeit" zu sein. Die Folge: Sie ziehen sich ihrerseits zurück.

Lasst Mobbing nicht zu! Wehrt Euch gegen Mobbing! Steht die Gruppe zusammen, greifen Mobbingmaßnahmen nicht!

Hinweise für Vorgesetzte Wir fordern das Siemens Management auf, auf die Vorgesetzten einzuwirken, diese ungesetzlichen Maßnahmen einzustellen.
(iw)

Mo, 29.05.06: Abfindung: Ermittlung des Lebensunterhalts
Zwei Kollegen haben sich Gedanken über andere Kollegen gemacht. Eine Kollegin hat uns ihre Gehaltsabrechnung geschickt, so dass Ihr sehen könnt, was Netto von einer Bruttoabfindung übrig bleibt. Wenn Ihr das wissen wollt, klickt hier

Ein Kollege hat in Excel ein Tool geschrieben, mit dem Ihr Eueren Lebensbedarf ermitteln könnt. Er hat das Tool mal für sich geschrieben und stellt es nun zur Verfügung. Er sagte explizit, wenn jemand etwas besseres hat, möge er sich melden. Ein reger Austausch wäre nützlich. Wenn Ihr das Excel-Sheet downloaden wollt, klickt hier.

Ihr findet beides natürlich auf unserer Abfindungsseite.

Vielen Dank an die Kollegen für Ihre Arbeit.
(iw)

Mo, 29.05.06: Streit in China
Die Chinesen sind nicht bereit, den hohen Profiterwartungen von Siemens und Thyssen-Krupp entgegenzukommen. "Wenn die deutsche Industrie meint, sie habe so viel Geld bezahlt, müsste alles wieder bekommen und noch hohe Profite machen, dann wird die Strecke nicht entstehen", sagte "Commander Wu" während des Schanghai-Besuchs des bayerischen Wirtschaftsministers Erwin Huber. Die Chinesen drohten andere Anbieter vorzuziehen.
Artikel: Merkur Online
(iw)

Sa, 27.05.06: Schleichende Standortauflösung?
Immer wieder müssen wir in einem Interessenausgleich lesen: „um den notwendigen Personalabbau zu erreichen und damit die Beschäftigung für die übrige Belegschaft zu sichern, werden die nachfolgend beschriebenen Maßnahmen umgesetzt.“
Mit diesem Satz beginnt die Mär „wenn ihr geht, können wir bleiben“. Leider handelt es sich hier um ein Märchen, das Münchhausen hätte erzählen können.

1998 beschäftigte Siemens noch 13600 Mitarbeiter in der Hofmannstraße. 2002 verließen über Personalabbaumaßnahmen wie New Placement 1123 Mitarbeiter die Firma. Zwischen 2002 und 2004 wurden 6749 Mitarbeiter abgebaut und das, obwohl ca. 400 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verteidigen konnten. Bis 2006 verließen durch weitere Abbauwellen und andere Maßnahmen 945 Mitarbeiter die Hofmannstraße. Aktuell ist der Abbau von weiteren 1028 Mitarbeitern in der Hofmannstraße geplant, davon sollen 263 zu TietoEnator wechseln.

Der traurige Rest von 3755 Mitarbeitern (also 27,6% der Mitarbeiterzahl von 1998) verbleibt vorläufig mit einer ungewissen Zukunft im Betrieb Hofmannstraße. Siemens hat im Zeitraum von 1998 bis 2006, also innerhalb von 9 Jahren 9845 Mitarbeiter in der Hofmannstraße abgebaut (wobei im Jahr 2000 noch eingestellt wurde), das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Abbau von 1094 Mitarbeitern, und das ist ein Abbau von 72,4% der Mitarbeiter, die 1998 in der Hofmannstraße beschäftigt waren.

Geht der Abbau in diesem durchschnittlichen Tempo weiter, dann überlebt die Hofmannstraße noch maximal 3,4 Jahre.
Grafische Darstellung
(cr)

So, 28.05.06: Siemens-Mitarbeiter schönen Image von Klaus Kleinfeld bei Wikipedia
Ja, es ist schwer der Wahrheit ins Gesicht zu sehen, die einen zwingt die heile Siemens Welt aufzugeben. Siemens Mitarbeiter haben den Wikipedia-Eintrag über den Vorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld geschönt. Kritische Äußerungen, etwa über den Verkauf der Handysparte an BenQ zu negativem Preis, wurden gestrichen und durch wohlwollendere Formulierungen ersetzt.

Ein Siemenssprecher verteidigte die Aktion "Im Wikipedia-Beitrag wurden persönliche Daten von Dr. Kleinfeld falsch dargestellt. Wir haben das Recht in Anspruch genommen, das richtig zu stellen." Fakt ist jedoch, dass man nicht durch Streichung überzeugen kann, sondern nur durch unternehmerisches Denken und Handeln, das nicht nur aus fantasielosem Stellenabbau und unrealistischen Margen besteht, die einmal im Boom der New Economy entstanden sind und nie mehr den Realitäten angepasst wurden.

Jedenfalls ist es gut, dass auf unsere Hompage die Siemens PR-Abteilung keinen Zugriff hat. Dann würde von unseren Artikeln wohl nichts mehr übrig bleiben. Zunächst würde man wohl die Datenausspähung streichen, danach Mobbing, für Siemens verlorene Gerichtsprozesse usw.
Artikel bei Spiegel Online
Artikel: de.internet.com
(iw)

Sa, 27.05.06: TietoEnator: Ein paar Gedanken ...
"Ich war solange bei Siemens, habe mich so für die Firma eingesetzt und jetzt schieben sie mich ab", war ein Gedanke, der vielen kam, als sie erfahren hatten, dass sie zu TietoEnator übergehen sollen. In denjenigen, die bereits einmal 2003/2004 durch die Kündigungsschutzprozesse gegangen sind, kam Enttäuschung hoch, die sich in den Worten ausdrückte: "Jetzt habe ich solange gekämpft, und nun schaffen sie es doch, mich loszuwerden." Begleitet wurden und werden all diese Emotionen von Zukunftsängsten. Welche Entscheidung ist richtig? Wo überlebe ich länger? Wo gehe ich wenigstens nicht mit leeren Händen? Die Gedanken gehen hin und her, drehen sich im Kreise. Kaum glaubt man eine Entscheidung gefunden zu haben, erzählt jemand eine Neuigkeit und schon beginnen sich die Gedanken wieder im Kreise zu drehen.

Gefühle beherrschen die Entscheidung, Gefühle sollten aber nicht der alleinige Ratgeber sein. Deshalb bitten wir Euch die 3-jährige-Nichtkündigungsgarantie und die Standortzusage sowie die Bereitschaft von TietoEnator-Chef Jürgen Hatzipantelis diese den Mitarbeitern schriftlich und damit rechtsverbindlich zukommen zu lassen, in Eure Entscheidung mit einzubeziehen und nüchtern zu betrachten:

"Auch in den gestrigen Informationsrunden habe ich abermals unsere Absicht erklärt, dass wir definitiv in den nächsten drei Jahren auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten, und die Mitarbeiter dies noch vor Ablauf der Widerspruchsfrist persönlich und schriftlich mitgeteilt bekommen. Bedingt durch die Tatsache, dass wir Gebäude in der Nähe des heutigen Sitzes anmieten, haben wir faktisch auch eine Standortzusage gegeben." (E-Mail von Jürgen Hatzipantelis vom 25.05.06 an NCI als Antwort auf unsere Nachfrage zu Nicht-Kündigungs- und Standortgarantie).

Was kann alles bei Siemens nach dem Widerspruch kommen? Fakt ist, Ihr habt, wenn Ihr dem Betriebsübergang widersprecht keinen Arbeitsplatz mehr bei Siemens.

Die größte Hoffnung ist bei manchen, bei Siemens wieder reintegriert zu werden und bis zur Rente einen sicheren Arbeitsplatz zu haben. Doch wie sieht die Situation bei Com aus? Eine 3-jährige Nicht-Kündigungsgarantie erhalten die Com-Mitarbeiter zurzeit von Siemens nicht - im Gegenteil, der Abbau von 1200 Arbeitsplätzen steht auf der Tagesordnung. Die Situation bei Com sieht nicht rosig aus. Die Marge liegt bei 0,8 Prozent, erreicht werden sollen 8 bis 11 Prozent bis 2007. Bei objektiver Betrachtung ein Ding der Unmöglichkeit. Weitere Auslagerungspläne liegen mit Sicherheit schon in der Schublade der Siemens AG. Betrachtet für Euch selbst die Zukunftsaussichten für Com. Versucht Eure persönlichen Aussichten, bei Siemens nach einem Widerspruch reintegriert zu werden, unter diesen Aspekten realistisch einzuschätzen.

Andere Mitarbeiter haben Angst vor Mobbing. Die Erinnerung an 2003/2004 wird wach. Damals hat Siemens die Gekündigten und nicht gekündigten Auserwählten (Ältere, Jubilare, Schwerbehinderte) ausgegrenzt, sie ohne Arbeit gelassen oder mit minderwertiger Arbeit beschäftigt. Diese Situation hat viele sehr belastet, obwohl es den starken Zusammenhalt im NCI gab und noch gibt.

Kollegen berichten uns immer wieder über Mobbing im Zusammenhang mit Personalabbau. Es beginnt mit der Aufforderung sich eine neue Stelle zu suchen, gekoppelt mit dem immer wieder kehrenden Angebot eines Aufhebungsvertrags, zu dessen Unterschrift man in langen und immer wieder kehrenden Personalgesprächen ‚überzeugt' werden soll. Der Com-Stellenabbau 2006 läuft an. Einzelne Mitarbeiter werden schon von Vorgesetzten unter Druck gesetzt. Die wenigsten Kollegen hatten in der Vergangenheit die Kraft, gegen diese Diskriminierung rechtlich vorzugehen. Ihr solltet bevor Ihr widersprecht für Euch einschätzen, wie viel persönliche Kraft Ihr und Eure Familie habt, mit dieser Möglichkeit umgehen zu können. Diese Möglichkeit zählt leider aufgrund der Erfahrung der Vergangenheit nicht zu den unwahrscheinlichsten.

Eine andere Möglichkeit für Siemens auf den Widerspruch zu reagieren, ist zumindest die AT-ler nach Greifswald zu versetzen. Greifswald ist weit. Wenn Ihr nicht mit der Familie umziehen wollt, nehmt einen Routenplaner, ein Bahntool, und errechnet wie lange ihr mit Auto oder Bahn unterwegs sein werdet, um am Wochenende nach Hause zu fahren. Rechnet die Kosten aus für diese Fahrten und die Unterkunft in Greifswald. Stellt diese Kosten und den Zeitaufwand einer eventuellen Verringerung der variablen Gehaltsanteile bei TietoEnator gegenüber. Welches Netto-Gehalt ist unter diesen Umständen höher? Denkt auch darüber nach, wie anstrengend diese Reisen nach Greifswald, insbesondere im Winter, sind und was die Trennung von der Familie für Euch und diese bedeutet.

Trotzdem ist die Versetzung nach Greifswald noch besser, wenn man in Betracht zieht, dass Siemens kündigen könnte. Über die Rechtslage dieser betriebsbedingten Kündigung, die völlig anders ist als 2003, haben wir bereits berichtet. Hier unsere Bitte, baut Eure Entscheidung nicht allein auf der Hoffnung auf: Ich kämpfe, es wird schon gut gehen. Macht nicht die Augen zu, lasst Euch nicht nur emotional steuern, sondern betrachtet die Situation und Eure Chancen im Kündigungsschutzprozess nüchtern. Wenn die Kündigung für Siemens erfolgreich sein sollte, habt ihr eine Gehaltsreduzierung um 100 Prozent, im worst case ohne Abfindung.

Es ist z. Zt. noch völlig unklar, ob Ihr als TietoEnator-Kandidaten nach einem Widerspruch in den Interessenausgleich und Sozialplan für den Stellenabbau Com mit einbezogen werdet. Der Betriebsrat will das zwar verhandeln, aber Siemens teilt bei jeder Gelegenheit mit, dass sie dies nicht wollen. Und eines bitte nicht vergessen. Falls es dem Betriebsrat gelingen sollte, Euch in den Interessenausgleich und Sozialplan mit einzubeziehen, bleibt Euch nur Aufhebungsvertrag, beE oder Kündigung. Eine Re-Integration wird dort nicht vereinbart werden. Über die Nachteile der beE gegenüber TietoEnator haben wir schon gesprochen.

Wir wissen, das viele Angst haben vor den Projekteinsätzen bei TietoEnator. Doch was wird nach drei Jahren mit Com sein? Folgt Com dem Trend, Entwicklungsaktivitäten auszulagern? Vor welcher Entscheidung steht man in drei Jahren bei Siemens. Das weiß niemand, wahrscheinlich noch nicht einmal Siemens selbst.

Dem allen steht eine 3-jährige Nicht-Kündigungsgarantie von TietoEnator gegenüber, einschließlich der Zusage in München bleiben zu können. Psychischer Druck ist nicht zu erwarten, da TietoEnator seine Verbindlichkeiten den Kunden gegenüber erfüllen muss und Eure Arbeitskraft braucht, um dies zu erreichen. Natürlich sind es wirtschaftliche Interessen, die TietoEnator zu dieser Nicht-Kündigungsgarantie bewegt haben, aber zeigt sie nicht auch, dass Euer Wissen gebraucht wird? Warum sonst sollte ein Arbeitgeber in diesen Zeiten eine solche Garantie abgeben?

Diese Gedanken, einfach so herunter geschrieben für Euch, sollen Euch ein paar Anregungen geben, um den Kreislauf der Gedanken durchbrechen zu können. Die Entscheidung selbst will und kann Euch niemand abnehmen. Unser Wunsch ist es nur, dass ihr alle Fakten gegeneinander abwägt, die Risiken einschätzt, nicht tragbare Folgen wie z.B. Hartz IV, ausschließt, Eure Gesundheit und psychische Kraft richtig einschätzt, an die Belastung in Ehe und Familie denkt, bedenkt, dass auch Ehepartner und Kinder von einem Gerichtsprozess, Trennung, Mobbing belastet werden.

Man kann kämpfen gegen Siemens, man soll es auch tun, wenn es darum geht seine Rechte zu verteidigen. Man kann auch gewinnen, aber man kann auch verlieren. Eine Garantie gibt es hier nicht. Egal wie Ihr Euch entscheidet. NCI unterstützt Euch weiter, ob bei Siemens oder bei TietoEnator.
(iw)

Copyright ©2006; C.Rosenboom, I. Wanzek Fr, 26.05.06: TietoEnator bestätigt 3-jährige Nicht-Kündigungsgarantie erneut und gibt zusätzlich Standortgarantie
Am Mittwoch, dem 24.5.06 fand ein weiteres Gespräch zwischen Jürgen Hatzipantelis und den zu TietoEnator übergehenden Mitarbeitern statt, um offene Fragen zu klären.

Dabei bekräftigte TietoEnator Chef Jürgen Hatzipantelis seine Zusage in den ersten drei Jahren nach dem Betriebsübergang nicht betriebsbedingt zu kündigen. Zusätzlich gab er eine Standortzusage, so dass die übergehenden Mitarbeiter sicher davon ausgehen können, in München bleiben zu können.

Die doppelte Garantiezusage führte bei den Mitarbeitern zu Missverständnissen, welche Garantie(n) TietoEnator nun tatsächlich abgegeben hat. Um weitere Verunsicherungen in dieser wichtigen Frage zu vermeiden, hat NCI bei Jürgen Hatzipantelis angefragt. Die Antwort, die wir von ihm erhielten, bestätigt voll und ganz die auf dem Treffen gemachte Aussagen:

"Auch in den gestrigen Informationsrunden habe ich abermals unsere Absicht erklärt, dass wir definitiv in den nächsten drei Jahren auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten, und die Mitarbeiter dies noch vor Ablauf der Widerspruchsfrist persönlich und schriftlich mitgeteilt bekommen. Bedingt durch die Tatsache, dass wir Gebäude in der Nähe des heutigen Sitzes anmieten, haben wir faktisch auch eine Standortzusage gegeben." (E-Mail von Jürgen Hatzipantelis vom 25.05.06 an NCI)
(iw)

Do, 25.05.06: TietoEnator: Widerspruchsfrist läuft erst nach vollständiger Unterrichtung
Am Mittwoch, dem 24.5.06 fand ein weiteres Gespräch zwischen Jürgen Hatzipantelis und den zu TietoEnator übergehenden Mitarbeitern statt.

Jürgen Hatzipantelis will den Mitarbeitern die Protokollnotiz, die Siemens ja nicht veröffentlichen will, sofort nach dem Übergang aushändigen. Diese Protokollnotiz enthält insbesondere mit den Regelungen über die Abfindungen wichtige Informationen über die wirtschaftlichen Folgen des Betriebsübergangs.

Die Widerspruchsfrist beginnt gemäß §613a VI BGB erst dann zu laufen, wenn die Mitarbeiter über den Übergang entsprechend §613a V BGB vollständig informiert sind. Dazu gehören auch nach Punkt 3 die wirtschaftlichen Folgen für den Mitarbeiter.

Dass der Mitarbeiter sich auf unserer Homepage die relevanten Informationen zusammensuchen kann, gilt nicht als Information durch den Arbeitgeber. Der Arbeitgeber kann sich insbesondere vor Gericht nicht darauf beziehen, dass NCI das veröffentlicht hat.

Ihr bekommt die Protokollnotiz voraussichtlich erst am 1.7.06. Damit läuft die Widerspruchsfrist eben erst ab diesem Zeitpunkt.

In diesem Fall könntet ihr euch TietoEnator also erst einmal vier Wochen lang in Ruhe anschauen. Eine sicherlich gute Lösung.
(cr/iw)

Mi, 24.05.06: Was wäre wenn, ich von meiner Abfindung/Vermögen leben müsste?
Toll sagen Sie vielleicht. Ich habe Geld! Haben Sie das wirklich? Schauen Sie genau hin. Wer zu spät hinschaut, den könnte das Leben bestrafen.

"Abfindung - was nun? Kann man von den Zinsen leben?" Zu diesem Thema hat NCI am 3. Mai 2006 eine Radiosendung gemacht. In der Sendung bekommt man einen guten Überblick, wie viel Geld man wirklich bräuchte, um z.B. 1.500 EUR im Monat zu haben. Das Beispiel handelt von einem 52-jährigen Mann, der 13 Jahre bis zur Rente überbrücken muss. Schon dieser braucht bereits brutto fast 340.000 EUR, um ausschließlich von den Zinsen leben zu können. Dann kann sich jeder ausmalen, ob seine Idee, von seinem Geld leben zu können, einigermaßen realistisch ist. Es empfiehlt sich, einen guten Finanz- oder Steuerberater aufzusuchen, um seine finanzielle Situation überprüfen zu lassen.

Brutto ist nicht gleich Netto
Abfindungen sind zu versteuern. Wenn Sie die Nettosumme errechnen wollen, klicken Sie hier.

Der tägliche Bedarf
Was ist so über das Jahr verteilt?
Wissen Sie, was so alles Vierteljährlich, Halbjährlich und Jährlich abgebucht wird? Hobby
Haben Sie oder Ihre Familie ein Hobby? Seien Sie ehrlich zu sich. Wie teuer ist es wirklich? Können Sie es sich dann noch leisten? Können und wollen Sie ggf. auf es verzichten oder ist es Ihr Traum in der gewonnen Freizeit endlich dem Hobby nachgehen zu können. Haben Sie genug Geld, um Ihre neue Freizeit und Freiheit gestalten zu können?

Krankenkasse
Wissen Sie wie viel Krankenkasse Sie zahlen? Rente
Haben Sie an Ihre Rente gedacht? Diese vermindert sich nämlich, wenn Sie nicht weiter einzahlen. Außerdem gehen Sie mit einem deutlichen Rentenabschlag in Rente, wenn sie vor 65 (oder wo immer Ihr Renteneinstiegsalter liegt) in Rente gehen. Überprüfen Sie auch Ihre private Vorsorge.

Versicherungen
Kalkulieren Sie die Versicherungsprämien ein. Überprüfen Sie, ob Sie die Versicherungen wirklich alle brauchen. Überprüfen Sie realistisch. Dann gibt es noch die Direktversicherung. Diese können Sie weiterführen, auch wenn Sie bei Siemens aufhören. Aber die Summe müssen Sie aufbringen. Sie ist höher, das sie nicht mehr unter die Sammelkonditionen fallen.

Sonstiges:
Sie haben die Aufstellung? Sie stellen fest, es ist deutlich mehr als Sie dachten. Überlegen Sie worauf Sie/Ihre Familie verzichten können. Überlegen Sie sich das aber ganz genau. Beziehen Sie die Familie in die Diskussion mit ein, wenn Sie den Familienfrieden erhalten wollen.

Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass Sie doch noch nachprüfen sollten, ob Sie einen Arbeitsplatz benötigen? Dann schauen Sie einfach wieder rein, wenn wir fragen: "Was wäre wenn ..."
(iw)

Mi, 24.05.06: Siemens Finanzchef Kaeser hält an Margenziel für Com fest
In der Finanzwelt waren Gerüchte aufgekommen, dass Siemens das Margenziel für Com senken würde. Dies dementierte Finanzchef Joe Kaeser auf der EPG-Konferenz für Analysten in Florida und bekräftigte, dass die Margenziele unverändert stehen bleiben. Damit erwartet der Siemens Vorstand nach wie vor, dass Com eine Marge zwischen acht bis elf Prozent erreicht. Com liegt derzeit bei 0,8 Prozent. Die Analysten sehen weiter - wie zu erwarten war - Handlungsbedarf und meinen Verkauf und Stellenabbau.

Was benötigt Com nun? Einen Stellenabbau von 1200 Mitarbeitern wie geplant? Oder einen Zauberstab? Der geplante Stellenabbau - unabhängig davon, ob er erfolgreich für Siemens durchgezogen werden kann oder nicht - kann angesichts der Kluft zwischen Realität und Forderung, nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Folgt dieser erneute Stellenabbau nur einer traurigen Tradition, die 2002 begonnen hat:

2002:   Stellenabbau durch New Placement
2003:   Stellenabbau durch durch beE und betriebsbedingte Kündigungen (nicht erfolgreich)
2004:   Stellenabbau durch beE und Offshoring
2005:   Stellenabbau durch beE und Ausgliederung
2006:   Stellenabbau durch ? und Ausgliederung


Die obige Liste zeigt, dass Sanierung durch Stellenabbau kein tragfähiges Konzept ist. Com ist nach Ansicht des Siemens Management immer noch nicht saniert. Ein Konzept, das nachweislich fünf Jahre lang nicht zum gewünschten Ziel geführt hat, sollte man hinterfragen?

Das Management muss, wenn es jemals diese Zielmarge erreichen will, sich wieder auf das Geschäft statt auf das Ausgliedern und Abbauen besinnen. Ein immer kleiner werdende Mannschaft, die wieder unter zunehmenden Druck steht, kann diese Zielmargen nicht erreichen, schon gar nicht unter einem Management, das seit 2002 nicht in der Lage ist, Siemens Com in sicheres Fahrwasser zu bringen. Stattdessen wirft man Jahr für Jahr Leute über Bord, damit das Boot nicht auf Untiefen aufläuft. Wäre es nicht sinnvoller endlich den Kurs zu ändern, dieses Fahrwasser zu verlassen und zu einer innovativen Arbeitsweise zurückzufinden, die Com mit einer motivierten Belegschaft voranbringen könnte. Vielleicht aber müsste man dazu Manager durch Unternehmer austauschen, die Verantwortung für das Unternehmen (zu dem auch die Mitarbeiter zählen) und nicht nur für Aktionäre empfinden?
Artikel bei FAZ.NET
(iw)


Di, 24.05.06: Was wäre wenn, ich arbeitslos wäre?
Um Euch TietoEnator-Kandidaten - aber auch für die anderen könnte es interessant sein - ein wenig bei Eurer Entscheidung zu helfen, möchten wir Euch animieren, unser durchaus ernstgemeintes, "was wäre wenn ..." Spiel mitzuspielen. Der Hauptgewinn könnte die Sicherung des Lebensunterhalts sein.

Wir beginnen mit dem Worst Case. Warum? Wenn sich herausstellt, dass man mit dem Worst Case nicht leben kann, dann sollte man alles tun, um ihn zu vermeiden. Der Worst Case ist, arbeitslos zu werden.

Bitte beantwortet Euch selbst die Frage: Was wäre wenn, ich arbeitslos wäre? (worst case)

  1. Nach Arbeitslosengeld I (ALG I) kommt AlG II (Hartz IV), da mein Vermögen auf keinen Fall bis zur Rente reicht. Hartz IV will ich nicht.
  2. Nach ALG I, habe ich ganz sicher einen Job.
  3. Ich mache mich selbständig
  4. Das ist mir egal, weil mein Vermögen bis zur Rente reicht.
  5. Das ist mir egal, mit Hartz IV kann ich auch leben
zu 1:
Sie sollten den Weg gehen, der Ihnen am sichersten Ihren Arbeitsplatz sichert. Wie dieser aussehen könnte, folgt demnächst.

zu 2: Sie sollten überprüfen, ob Ihre Einschätzung, bald einen neuen Job zu finden, realistisch ist.
Wenn sie Wir empfehlen den Beitrag "Bin ich beE tauglich" zu lesen, denn Sie befnden sich dann auf Jobsuche.

zu 3:
Überprüfen Sie bitte genau Ihre Eignung zur Selbständigkeit. Eine kleine, jedoch keineswegs erschöpfende, Anregung dazu finden sie hier

zu 4:
Pokern Sie um eine Abfindung oder um einen Arbeitsplatz, wenn Sie dazu Lust haben oder hören Sie einfach auf. Sie sind in der glücklichen Lage, keine Fehlentscheidung treffen zu können. Ihr Preis ist ggf., Einschränkung in der Lebensführung und Minderung des Vermögens. Überprüfen Sie Ihre Lebensverhältnisse jedoch äußerst genau (nicht nur Pi mal Daumen). Kalkulieren Sie die Teuerung ein. Haben Sie ein wenig Polster im Falle von unvorhergesehenen Ereignissen? Können Sie wirklich auf Ihren gewohnten Luxus verzichten, d.h. z.B. nicht mehr so oft ausgehen? Können sie sparsam leben, außer Sie schwimmen eh im Geld? Verzicht auf Auto, Skiurlaub und sonstige Annehmlichkeiten?

zu 5:
Der Kontrast zu 4. Überprüfen Sie genau, ob Ihnen Hartz IV wirklich nichts ausmacht: 345 Euro, Zwangsverpflichtung zu 1 Euro Jobs, Auszug aus der zu großen Wohnung usw. Hartz IV ist ernst gemeint. Den Leuten werden ganz realistisch 1 Euro Jobs angeboten. Bei Nichtannahme droht Kürzung um 2/3. Die Politiker denken über weitere Kürzungen nach.

Was ist herausgekommen? Halten Sie es für sich fest. Schreiben Sie es am besten aus. Vielleicht erübrigt sich jetzt bereits manche Frage. Wenn nicht, können Sie ja morgen wieder auf unserer Homepage vorbeischauen. Das (ernst gemeinte) Spiel "Was wäre wenn .." geht weiter.
(iw)

Mo, 22.05.06: Bietet Siemens beE auch für TietoEnator-Widersprüchler an?
Aus der Belegschaft wurde uns folgende Frage gestellt:
„Wird Siemens wenn ich als TietoEnator-Kandidat widerspreche die beE auch für uns Widersprüchler anbieten?“

Auf der Betriebsversammlung am 18.5.06 sagte der Betriebsratsvorsitzende, dass Siemens die Mitarbeiter, die dem Übergang zu TietoEnator widersprechen, von einem Interessenausgleich und Sozialplan bzgl. des Com-Stellenabbaus 2006 ausschließen will. Dem kann man entnehmen, dass Siemens nicht beabsichtigt, die beE auch für Widersprüchler anzubieten. Gleiches gilt dann natürlich auch für die in diesem Interessenausgleich- und Sozialplan auszuhandelnden Abfindungsregelungen. Allerdings sind die Verhandlungen zu diesem Stellenabbau noch nicht begonnen worden.

Wenn jemand mit der beE anstelle des Übergangs liebäugelt, sollte er auch einmal die 3-jährige Nicht-Kündigungsgarantie, die TietoEnator gegeben hat, näher betrachten. Diese kann man nutzen wie eine beE, die drei Jahre läuft und das bei vollem Gehalt. Natürlich muss man bei TietoEnator arbeiten, das hat jedoch den Vorteil, dass man im Job bleibt, seine Kenntnisse nicht verliert und dass man sich aus einem ungekündigten Arbeitsverhältnis heraus bewerben kann. Wie ihr aus den Berichten zur beE erkennen könnt, sind die Unterstützungen bei Bewerbungsaktivitäten durch Siemens relativ gering. Die meisten Mitarbeiter sagten, das hätten sie auch alleine gekonnt.

Mit der Variante TietoEnator hat man folgende Vorteile
  1. Zum einen kann man prüfen, ob einem der Job bei TietoEnator nicht doch gefällt.
  2. Zum anderen hat man durch die Nicht-Kündigungs-Garantie mindestens drei Jahre Zeit, sich einen neuen Job zu suchen, wenn man das möchte. Eine beE bei Siemens, auch wenn sie euch angeboten wird, wird mit Sicherheit keine dreijährige Laufzeit haben.
  3. Drittens vermeidet man das nicht unbeträchtliche Risiko, von Siemens nach dem Widerspruch betriebsbedingt gekündigt zu werden. In diesem Fall läuft man Gefahr, sofort arbeitslos zu werden und auch keine Abfindung zu erhalten. Arbeitgeber stimmen in der Regel einem Vergleich vor Gericht mit Abfindung nämlich nur dann zu, wenn der Arbeitnehmer eine Chance hat, den Prozess zu gewinnen.
  4. Viertens hat man, wenn man in diesen drei Jahren keinen neuen Job findet, immer noch den Arbeitsplatz bei TietoEnator. Dies hat man bei einer Siemens-beE nicht.
  5. Wenn ihr einen Job gefunden habt, ist es Verhandlungssache, ob ihr einen Aufhebungsvertrag mit der in der Protokollnotiz vereinbarten Abfindung bekommt. Bei Eigenkündigung entfällt die Abfindung (das ist aber auch bei Siemens so).
Bitte stellt Eure Fragen unter info@nci-net.de. Wir beantworten sie gerne.
(cr/iw)

Mo, 22.05.06: Kündigung durch Siemens nach Widerspruch gegen Betriebsübergang?
Wir haben uns schon ein wenig darüber gewundert, dass Siemens die Protokollnotiz zur Überleitungsvereinbarung nach TietoEnator nicht veröffentlicht hat, denn diese enthält nun wirklich keine Aussagen, die man vor den Mitarbeitern verbergen muss – im Gegenteil.

Auch TietoEnator-Chef Jürgen Hatzipantelis wunderte sich über deren Nicht-Veröffentlichung, hatte er doch Siemens gegenüber mehrfach eine 3-jährige-Nicht-Kündigungsgarantie für die übergehenden Mitarbeiter abgegeben. Diese Konditionen und die Nicht-Kündigungsgarantie können die Entscheidung für den Übergang zu TietoEnator positiv beeinflussen.

Man sollte annehmen, dass Siemens ebenso wie TietoEnator ein Interesse daran hat, dass möglichst wenig Mitarbeiter dem Betriebsübergang widersprechen, denn schließlich ist es erklärtes Ziel 1200 Stellen bei Com abzubauen. Siemens scheint sich also relativ sicher zu sein, die Widersprüchler auf andere Weise loswerden zu können. Deshalb haben wir die Chancen, einen Kündigungsschutzprozess nach einem Widerspruch gegen den Übergang zu gewinnen, genauer untersucht.

In Greifswald wurden bereits Stellen geschaffen, die auf die Widersprüchler passen würden. Wir erinnern uns, Siemens hat 2004 vom LAG bestätigt bekommen, dass Versetzungen von ATs nach Greifswald rechtens sind.

Die zu TietoEnator übergehenden Mitarbeiter sind überwiegend ATs. Es liegt nahe, dass Siemens, den Widersprüchlern diese Stellen anbietet und im Falle einer Kündigungsschutzklage vor Gericht nachweist, andere Stellen gäbe es in der Siemens AG für sie nicht. Die Folge: auch der Jubilarschutz für diese Mitarbeiter wäre geknackt. Die Mitarbeiter könnten sich zwar auf einen anderen vergleichbaren Arbeitsplatz berufen, müssten aber damit rechnen, dass Siemens nachweist, dass sie auf den Arbeitsplatz in Greifswald besser passen als auf den vom Mitarbeiter angegebenen.

Eine Sozialauswahl entfällt, da gerade mit den in der Protokollnotiz aufgeführten Konditionen, der 3-jährigen Nicht-Kündigungs-Garantie und der wirtschaftlichen Lage von TietoEnator kein sachlicher Grund für einen Widerspruch erkennbar ist.

Damit stehen die Chancen, eines Mitarbeiters nach dem Widerspruch gegen den Übergang den Kündigungsschutzprozess zu gewinnen deutlich schlechter als 2003.

Bleibt die Frage, warum das Siemens-Management es sich selbst so schwer macht, sein Ziel zu erreichen, Mitarbeiter abzubauen, wenn es durch einfache Information leichter erreichen könnte, dass die Mitarbeiter durch den Übergang zu TietoEnator aus der Siemens AG ausscheiden. Wollen sie etwa die verbleibenden Com-Mitarbeiter durch ausgesprochene Kündigungen erschrecken?
(iw/cr)

Copyright ©2006; C.Rosenboom, I. Wanzek Fr, 19.05.06: TietoEnator: Hatzipantelis gibt 3-jährige Nicht-Kündigungs-Garantie
TietoEnator-Chef Jürgen Hatzipantelis gab dem Betriebsrat gegenüber eine mündliche Erklärung ab, dass TietoEnator die übergehenden Mitarbeiter in den ersten drei Jahren nach dem Übergang nicht betriebsbedingt kündigen werde. Da Jürgen Hatzipantelis die Veröffentlichung der Protokollnotiz zur Überleitungsvereinbarung auf der NCI Homepage begrüßt hat und von sich aus auf den Betriebsrat wegen dieser Nicht-Kündigungs-Garantie zugegangen ist, ist davon auszugehen, dass er ernsthaft an den übergehenden Mitarbeitern interessiert ist. Er benötigt diese Spezialisten dringend, um die Verträge mit den EWSD-Kunden erfüllen zu können. Er beschränkt diese Garantie jedoch nicht auf die EWSD-Entwickler, sondern gibt sie für alle übergehenden Mitarbeiter ab.

Da Jürgen Hatzipantelis sich bereit erklärt hatte, diese Garantie auch schriftlich abzugeben, bat der Betriebsrat ihn per E-Mail, dies zu tun. Hatzipantelis Antwort lautete:

„Das ist korrekt. Ich habe den entsprechenden Passus in der Protokollnotiz so verstanden und dies auch mehrfach Siemens kommuniziert. Leider ist durch die wenig sinnhafte Teilung der Überleitungsvereinbarung in eine Protokollnotiz und die Überleitungsvereinbarung selbst mehr Verwirrung als Klärung bei den Mitarbeitern entstanden. Das ist sehr schade und für das Projekt wenig hilfreich. Deshalb bin ich auf [den Betriebsrat] zugegangen und habe mit [ihm] vereinbart, dass wir diese, wie ich meine für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wichtige Regelung klar und deutlich kommunizieren sollten. Ich habe [den Betriebsrat] auch gebeten, dies in den gestern und heute stattfindenden Mitarbeiterversammlungen, gerne auch in meinem Namen, zu kommunizieren. [Der Betriebsrat] hat darüber hinaus angeregt, dies auch schriftlich an die Mitarbeiter zu kommunizieren. Wir sind gerade dabei zu klären, in welcher Form wir das machen werden.“
(cr)

Do, 18.05.06: beE: Bewerbungstipps gut - Stellenangebot mangelhaft
Angesichts des Com-Stellenabbaus dürften für viele Mitarbeiter Berichte aus existierenden Beschäftigungsgesellschaften bei Siemens wieder interessant werden. Aus diesem Anlass hat uns ein Berliner Kollege einen aktuellen Erfahrungsbericht geschickt. Diesen findet Ihr natürlich auch auf unserer beE-Seite wieder. Darüberhinaus wollen wir auf unsere Radiosendungen zu diesem Thema hinweisen. Wir sind selbstverständlich an weiteren Berichten interessiert.

Hier nun der Bericht eines älteren Kollegen:
Um es vorweg zu nehmen, ich möchte die beE nicht „vertäufeln“. Sie ersetzt selbstverständlich nicht den Arbeitsplatz, den wir behalten oder haben möchten. Es ist aber eine gute Alternative, um nicht eine Nummer auf dem Arbeitsamt ziehen zu müssen. Mein Fazit nach 6 Monaten beE, bedingt hilfreich.

Bewerbungstipps
Wer wie ich gleich nach der Schulzeit eine Lehre bei der Siemens AG beginnen durfte, hat sich somit seit 29 Jahren nicht mit Bewerbungen und Bewerbungsgesprächen auseinandersetzen müssen. Wie muss heute ein Lebenslauf/Anschreiben aussehen, wie groß muss/darf das Bewerbungsfoto sein. Für diese Schulung (2 Tage) und die Möglichkeit sich von einem professionellen Fotografen ablichten zu lassen, bekommt die beE von mir eine eins minus. Bei 2 Jahren beE könnte man diese Themen auch etwas ausführlicher behandeln.

Stellenangebote
Veranstaltungen mit potenziellen Arbeitgebern, die letztendlich nur Personalvermittlungsfirmen waren, bringen nichts, bzw. bekomme ich auch ohne die Hilfe der beE zustande. Die Zusendung von Job-Newsletter für interne Stellen bei Siemens sind in meinen Augen ein halbherziger Versuch, Interesse an unsere Lage vorzutäuschen, da sie nicht selektiert und zum Teil auch überholt sind. Wir, Servicetechniker Telekommunikation, brauchen keine Stellenausschreibung für eine befristete Anstellung als Elektromonteur Ausschreibung 28.7.2005 Beschäftigungsbeginn 1.10.2005, Newsletter erhalten 27.4.2006 und eine befristete Anstellung als Lagerhilfsarbeiter bis zum 28.9.2006 kann ich mir auch suchen, bevor Hartz IV zuschlägt. Die Möglichkeit einer so genannten „SchnupperArbeit“ bei einem, an mir interessiertem Arbeitgeber hört sich auch erst verlockend an, bei nicht gefallen (von mir oder Arbeitgeber) bin ich ja immer noch in der beE, dafür habe ich aber vielleicht mein Fachwissen eingesetzt, um einer Firma Geld zu sparen, das sich auch Siemens mit mir als Mitarbeiter hätte verdienen können.

Vor 29 Jahren war ich stolz darauf, wie mein Vater vor mir zum großen Kreis der Siemens Familie zu gehören. Dass ich im November 2005 zur Adoption frei gegeben wurde, stimmt mich mehr als traurig.
(iw/tl)

Do, 18.05.06: Knorr-Bremse, Nutzfahrzeuge: Über gute und schlechte Mitarbeiter
Wie wir am 19.02. und 26.02.06 berichten sollten die Mitarbeiter bei Knorr-Bremse, Nutzfahrzeuge GmbH, einen neuen Arbeitsvertrag unterschreiben, der eine 42-stündige Wochenarbeitszeit vorsieht und eine nicht näher bestimmte Klausel für eine flexible Arbeitszeitregelung umfasst:

"... mit dieser Vertragsergänzung wird Ihre Arbeitszeit neu geregelt. Ab dem 1. April 2006 beträgt Ihre neu geregelte wöchentliche Arbeitszeit 42 Stunden und ist darüber hinaus mit den betrieblichen Erfordernissen abzustimmen. Es erfolgt keine Anpassung des Entgelts an die neue Arbeitszeit."

Nicht alle Mitarbeiter wollten dieser Änderung ihres Arbeitsvertrag zustimmen. 20 Prozent verweigerten ihre Unterschrift. Diese Mitarbeiter arbeiten unter den alten Vertragsbedingungen weiter. Angereichert ist deren Alltag nun mit Personalgesprächen. Ein Mitarbeiter berichtete uns: "Diese Kollegen bekommen jetzt ‚Einzelmaßnahmen'. Das sind Gespräche mit Vorgesetzten und Personalabteilung, um die Kollegen in die Knie zu zwingen. Letztendlich wird bei diesen ‚Sitzungen' natürlich genötigt - das Übliche halt."

Allein schon die Tatsache, dass der Kollege sagte, "das Übliche halt" deutet auf den sich in leider immer mehr Firmen ausbreitenden Missbrauch von Personalgesprächen mit dem Ziel Freiwilligkeit zu erzwingen hin.

Die Mitarbeiter, die von ihrem Recht Gebrauch machten, die Unterschrift unter den geänderten Arbeitsvertrag zu verweigern, sollen laut einem Geschäftsführer der Knorr-Bremse, Nutzfahrzeuge, von Gehaltserhöhungen ausgeschlossen werden. Auf einer Betriebsversammlung sagte er, dass diese Gehaltserhöhungen weit über der Tariferhöhung liege und nur den Mitarbeitern zukomme, die die geänderten Arbeitsbedingungen akzeptiert hatten. Weitere Details sind bisher den Mitarbeitern nicht bekannt.

Die Betriebsvereinbarung ist nun verabschiedet und enthält folgende Regelungen:
  1. Statt 12 Gleitzeittage für Tarifmitarbeiter gibt es nur noch 4 pro Jahr
  2. Für außertarifliche Mitarbeiter gibt es keine Gleitzeittage mehr.
  3. Statt 40 Minuten Mittagspause sind es jetzt 45 Minuten
Folgende Punkte sind nicht Teil der Vereinbarung geworden:
  1. Samstagsarbeit
  2. Kernarbeitszeiten
  3. Arbeitsbeginn statt 6 Uhr erst 7 Uhr
  4. 1 Stunde Mittagspause
An den abgewendeten Forderungen erkennt man deutlich, dass Knorr-Bremse daran interessiert ist, die Mitarbeiter solange wie möglich im Betrieb zu halten. Die Idee des 19. Jahrhunderts, nur zum Schlafen nach Hause' erfreut sich zunehmender Beliebtheit bei Arbeitgebern. Damit einher geht natürlich der Gedanke, dass knappe Freizeit noch weniger Zeit und Kraft lässt, sich mit seinen eigenen Rechten, Politik oder gesellschaftlichen Belangen auseinanderzusetzen, die Ausrichtung des Lebens nur noch auf die Firma gerichtet ist.

So definierte die Betriebsleitung nach Auskunft von Kollegen: (iw/ks)

Mi, 17.05.06: TietoEnator-Chef Hatzipantelis äußert sich zu Protokollnotiz und Kapitalherabsetzung
Der Vorsitzende der Geschäftsführung der TietoEnator Deutschland GmbH Jürgen Hatzipantelis besuchte heute in der Hofmannstraße eine Mitarbeiterveranstaltung um einige offene Fragen zum Betriebsübergang zu klären.

Auf die Frage, warum die Protokollnotiz nicht zusammen mit der Überleitungsvereinbarung veröffentlicht wurde, antwortete er, dass sich Siemens gegen die Offenlegung ausgesprochen hatte, TietoEnator dagegen sei für die Veröffentlichung gewesen. Er begrüßte daher die Veröffentlichung auf der NCI-Homepage und bestätigte die Notwendigkeit der Offenlegung gemäß §77 II 3 BetrVG.

Er fragte die Anwesenden, ob sie NCI kennen würden und äußerte sich positiv über unsere objektive und detaillierte Berichterstattung zu TietoEnator. Er nahm auch zu unserem Artikel vom 11.4.06 über die Kapitalherabsetzung bei TietoEnator Stellung. Wie wir berichteten hatte die Hauptversammlung von TietoEnator laut finnischem Handelsregister am 23.3.06 eine Kapitalherabsetzung um 2.903.860 € beschlossen. In unserem Artikel blieb die Frage offen, ob TietoEnator die Kapitalherabsetzung zum buchtechnischen Ausgleich eines Bilanzverlusts (nominelle Kapitalherabsetzung) vornimmt oder um überflüssiges Kapital an die Anteilseigner zu verteilen (effektive Kapitalherabsetzung). Jürgen Hatzipantelis erklärte den Mitarbeitern, dass diese Kapitalherabsetzung mittels Aktieneinzug durchgeführt wurde, um den Aktienkurs von TietoEnator zu stützen. Nach dieser Auskunft ist nicht davon auszugehen, dass TietoEnator sanierungsbedürftig ist. Der Aktienkurs von TietoEnator ist seit Jahresbeginn von 30,73 EUR um 22,2% auf 23,90 EUR gefallen.

Jürgen Hatzipantelis bestätigte auch, dass Siemens für ca. 5 Jahre Dienstleistungen von TietoEnator beziehen wird, deren Gesamtumfang ca. 100 Mio. EUR beträgt. Auch dies hat nur TietoEnator veröffentlicht. Siemens war nicht bereit, diese Information bekannt zu geben.
(cr/iw)

Mi, 17.05.06: Kunde droht mit Auftrag - doch Siemens übersieht den britischen Markt
Die Siemens-Tochter Home and Office Communication Devices GmbH&CoKG (SHC) kann stolz auf ihre Entwickler sein. Die auf der britischen Insel einflussreiche Zeitung ‚Which?' - das Pendent zur deutschen Zeitschrift 'Test' hat kürzlich ein Siemens Modell zu einem der besten Geräte für Vieltelefonierer gekürt. Das Interesse an Siemens Telefonen ist groß auf der Insel.

Doch es gibt dort weder die Gigaset-Telefone noch die Modems von SHC zu kaufen, weder im Laden noch im Versandhandel. Lediglich eine kleine Telefongesellschaft bietet auf ihrer Internet-Seite zwei Spezialmodelle von Siemens an, aber ausschließlich für ihre eigenen Kunden. Mögen die Briten Siemens doch nicht?

Nein, die Briten haben nichts gegen den deutschen Export - im Gegenteil. Lediglich ein winziger Managerfehler verhindert, dass Siemens an dem Geschäft mit den Telefonen nicht teilnimmt. Der Siemens Konzern hat schlicht und einfach vergessen, seine Geräte auf dem britischen Markt anzubieten - und hat es noch nicht einmal bemerkt. "Sicher verkaufen wir in England über Telefongesellschaften, die ihr eigenes Markenzeichen auf unsere Geräte kleben," meinte die SHC-Pressesprecherin zur Süddeutschen Zeitung. Doch, so ergaben die Recherchen des Londoner Pressesprechers des Konzerns, es stimmt, Siemens bietet - von Nebenstellenanlagen abgesehen - in Großbritannien nur ein einziges Gerät an und das ist nicht für breite Käuferschichten vorgesehen.

Dieses Ergebnis hat die Londoner Fiale mehr als überrascht. Schließlich zählte Siemens zeitweise zum größten ausländischen Anbieter auf der Insel und kaum ein anderes ausländisches Unternehmen hat dort eine so lange Tradition. An fehlenden Vertriebskanälen kann es also nicht liegen. Die SZ zieht den Schluss: "Die Siemens Manager scheinen Europas zweitgrößten Markt offenbar einfach übersehen zu haben. Und über Jahre hinweg hat es im ganzen Konzern keiner gemerkt."

Was aber bemerken unsere Manager dann? Sie bemerken, dass sie zu viele Mitarbeiter haben und dass diese zu teuer sind, dass der Bereich dringend aus der Siemens AG ausgegliedert werden muss, weil er zu wenig profitabel ist. Im Wesentlichen macht das Management die hohen deutschen Lohnkosten dafür verantwortlich. Gemessen an den britischen Gerätepreisen und der dort herrschenden Nachfrage spielt der deutsche Stundenlohn aber eine untergeordnete Rolle.

Vielleicht sollte sich Siemens doch wieder auf den Verkauf von Produkten besinnen und nicht nur an den An- und Verkauf von Firmen denken. Vielleicht sollten unsere Manager den Marktzwang mal anders betrachten, nämlich als den Zwang, Märkte zu sehen und die Kunden auf diesen Märkten mit den durchaus guten Siemensprodukten zu bedienen. Dann könnte es nämlich tatsächlich passieren, dass Bereiche wieder profitabel werden, worüber dann auch alle überrascht wären.

Aber dies würde bedeuten, dass man vom Global Player, der mit menschlichen und technischen Kapazitäten spielt, wieder zum soliden Unternehmer werden muss.
Quelle: SZ 08.05.06/1
(iw)

Mi, 17.05.06: Siemens stärkt Entwicklung optischer Netze in China
Siemens will im Bereich optischer Netze vor allem im asiatischen Raum wettbewerbsfähiger werden. Christian Unterberger, Leiter der Festnetzsparte bei Com, sagte dies am Dienstag. Schaue man auf die Profitabilität in dem Marktsegment, so sei eine Konsolidierung wohl erforderlich, so der Manager. Unterberger befindet sich zur Zeit auf dem Broadband World Forum Asia 2006.

Einen Tag später am 16. Mai 2006 hat Siemens den Vertrag zur Übernahme des Optik-Spezialisten Photonic Bridges Co. Ltd. mit Hauptsitz in Shanghai, China unterschrieben. Mit seinen mehr als 300 Mitarbeitern entwickelt Photonic Bridges optische Übertragungssysteme für Reichweiten bis zu 200 Kilometer.

Uns würde interessieren, wie Ihr diese Entwicklung für den Standort München einschätzt.
Artikel: FAZ
Artikel: treiber.de
(iw)

Mi, 17.05.06: Keine Personaldrehscheibe für TietoEnator-Kandidaten
‚Die Botschaft hör ich wohl - allein mir fehlt der Glaube' denken wohl so manche Mitarbeiter, die zu TietoEnator wechseln sollen. Deshalb haben sich einige von ihnen für die "Personaldrehscheibe" eingetragen, in der Arbeitsplätze z.B. bei Siemens Med in Erlangen angeboten werden. Diese Mitarbeiter bekamen folgenden Serienbrief zurück:

"Sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass diejenigen Mitarbeiter, die das Angebot haben zu TietoEnator zu wechseln, nicht in den Vermittlungspool aufgenommen werden können.
Diese Mitarbeiter haben mit dem Betriebsübergang zu Tieto Enator bereits eine gute Perspektive."


Seit Jahren darauf bedacht, verwendet die Betriebsleitung verharmlosende Worte, wenn es darum geht, die Folgen des Stellenabbaus für die Mitarbeiter zu skizzieren. So heißt es Angebot, wenn es sich um einen Verkauf handelt, Kapazitätsanpassungen statt Arbeitsplatzverlust. Verharmlosend heißt es auch Beschäftigungsgesellschaft, obwohl auch Siemens weiß, dass Beschäftigung ein rares Gut in Deutschland geworden ist. Und nach einem Jahr und ein paar Monaten ist es dann für manchen mit jeglicher Beschäftigung vorbei. ‚Rutsche in die Arbeitslosigkeit' nannten wir das 2002. Heute haben wir uns an diese Rutsche gewöhnt, an die Worte, die uns den Verleihermarkt als neue Perspektiven verkaufen, die die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen als zukunftsorientierte Strukturanpassungen bezeichnen, die uns ‚Arbeiten ohne Ende' als Möglichkeit zur Selbstentfaltung anbieten.

Trotz jahrelanger Wiederholung stößt es dem Gefühl immer wieder auf, dass die neuen Perspektiven zwar neu sein mögen, aber ihre Vorteile ziemlich einseitig verteilt sind und selten auf der Seite des Arbeitnehmers liegen. So dachte ein Mitarbeiter, ein Angebot sei etwas, dass man entweder annehmen kann, weil es zusagt, oder ablehnen kann ohne nachteilige Folgen erwarten zu müssen. Den Betriebsübergang zu TietoEnator als Angebot zu bezeichnen entspricht nur sehr bedingt der Bedeutung des Wortes. Immerhin muss man sich bei Ablehnung dieses Angebots Gedanken über das Risiko einer betriebsbedingten Kündigung ohne Sozialauswahl machen. Auch die Vorteile sind nicht frei von der Frage, wie lange hält der Arbeitsvertrag mit TietoEnator. Die guten Perspektiven sind schwer zu finden. Es mag am Blickwinkel dessen liegen, der die Folgen der Perspektiven tragen muss.

Man hätte den gravierenden Nachteil des ‚Angebots' ein wenig ausgleichen können, in dem man die Personaldrehscheibe auch TietoEnator-Kandidaten zugänglich macht. Daher bleibt es auch ein wenig zweifelhaft, ob es Siemens tatsächlich um die guten Perspektiven für die Mitarbeiter geht, oder nur schlicht und einfach darum, Kapazitäten, anzupassen, um die eigenen Perspektiven zu verbessern. Und so können wir die Worte drehen und wenden, um am Ende wieder mit Goethe festzustellen ‚Name ist Schall und Rauch'. Was bleibt ist der Mensch, der es doch immer wieder spürt, wenn Wort und Sinn voneinander abweichen, auch wenn die Propaganda sich noch so sehr bemüht.
(iw)

Mo, 15.05.06: Machtkampf bei Siemens VAI geht weiter
Nicht nur in der Führungsetage des Siemens Konzerns herrscht der Kampf um Macht und Einfluss vor, sondern auch bei Siemens VAI geht der Kampf um die Führungspositionen weiter. Wie OÖNachrichten heute meldete, geht nach VAI-Chef Gerhard Falch geht auch Finanzvorstand Erich Ennsbrunner.

In Linz heißt es, dass nach der Übernahme durch Siemens "Chaos" herrsche und Siemens "das Unternehmen ruiniert". Gerhard Flach, der in den Aufsichtsrat wechselte, appellierte in seiner Abschiedsrede an "seine" Führungskräfte, nach vorne zu schauen und weiterzuarbeiten. "Es geht um eure Arbeitsplätze", wird der scheidende VAI-Mann zitiert. Es dürfte auch um die Arbeitsplätze der Mitarbeiter gehen, die - wir berichteten - verunsichert sind.
(iw)

Mo, 15.05.06: PSE-Leitung "informiert" über COM-Auswirkungen auf PSE-MitarbeiterInnen
Auf einer Veranstaltung am letzten Freitag in Wien wollte die Leitung der PSE (Siemens AG Österreich) im Geschäftsgebiet SMC über die Auswirkungen der COM-Krise auf die Beschäftigten bei PSE SMC (ca. 400 Mitarbeiter in Österreich) informieren. Die mehrfach wiederholte Message der Geschäftsleitung sei hier kurz berichtet: Wir sind optimistisch, für die Themen der Zukunft gut aufgestellt und haben alles im Griff.

Wer konkretere Informationen über eine Personalplanung/Personalreduktion wie bei COM erwartet hatte, wurde wie folgt be(un)ruhigt: Über die "Headcounts" der wegen COM geänderten Planung müsse man in der Leitung erst noch reden. Dabei "wird (zwar) der eine oder andere betroffen sein". Aber die interne Jobbörse der PSE sei so voll, dass die offenen Positionen kaum besetzt werden könnten.

So konnte man sich nach dieser "Information" entweder beruhigt zurücklehnen oder weiter spekulieren, ob und wieviele Köpfe in der PSE wohin rollen werden und wo wohl zwecks Produktivitätssteigerung als nächstes Personal, Gehaltserhöhungen oder Raumflächen eingespart werden oder die Arbeit künftig noch billiger hin verlagert wird.
Siehe auch: Bericht in der SZ
(fw)

Mo, 15.05.06: Stolpert Siemens über das chinesische Arbeitsrecht?
Es ist erst knapp zwei Jahre her als Siemens mit hunderten von Arbeitsgerichtsprozessen in München zu kämpfen hatte, die bekanntlich zu Gunsten der Arbeitnehmer ausgegangen sind. Die Sturheit, diese aussichtslosen Prozesse durch zwei Instanzen durchzuziehen, hat dem Ruf von Siemens geschadet.

Ist Siemens nun dabei seinen Ruf als Arbeitgeber in China zu ruinieren?
155 ehemalige Mitarbeiter von Siemens Peking haben Klage bei einer chinesischen Schiedskommission für betriebliche Belange eingereicht. Die chinesischen Kollegen fordern vom Siemens Konzern RMB 1,2 Millionen, das sind umgerechnet 122.093 EUR, Peanuts würde manch ein Manager sagen.

Hintergrund der Klage ist der Verkauf des chinesischen Betriebs an BenQ im Oktober 2005. Aus diesem Verkauf leitet Siemens das Recht ab, den Mitarbeitern 33 Prozent weniger Bonus als vertraglich vereinbart zu zahlen. Die Begründung des Konzerns: Die Mitarbeiter hätten (durch den Verkauf) nur 67% ihrer Arbeitsziele erreicht. Daher könnten sie auch nur 67 Prozent des vereinbarten Bonus verlangen.

Die Arbeitnehmer berufen sich auf das chinesische Arbeitsrecht. Danach muss eine Gesellschaft klare Vorgaben machen, wenn der Lohn mit einem Bonus gekoppelt ist. Siemens habe nie eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses für 2005 angekündigt.

Die Mitarbeiter sind über das Vorgehen von Siemens sehr verärgert. Sie führen diesen Prozess weniger des Geldes wegen als vielmehr um der Gerechtigkeit willen. Die Mitarbeiter sehen schlicht und einfach nicht ein, dass sie auf einen vertraglich zugesicherten Bonus verzichten sollen, nur weil Siemens überraschend verkauft hat. Sie hätten die vertraglichen Ziele erreicht, wenn das Arbeitsverhältnis mit Siemens weitergegangen wäre.

Also, auch die Kollegen in China müssen für ihre Rechte kämpfen.
ChinaTechNews
(iw)

Mo, 15.05.06: Betriebswahl bei SAP eingeleitet: Wahlschreiben hängt aus
Die Weichen sind gestellt. 10.770 MitarbeiterInnen werden am 21.6.2006 erstmalig einen Betriebsrat bei der SAP AG wählen. Dieser Betriebsrat wird nicht nur für den Hauptbetrieb Walldorf / St. Leon-Rot zuständig sein, sondern auch für zahlreiche Nebenstandorte der SAP AG.

Das bisherige eher schwache SAP-Modell "BR-light" hat damit ausgedient.

Henning Kagermann, Vorstandsvorsitzender der SAP AG, hat auf der Hauptversammlung am 9.5.2006 laut Presseberichten zur BR-Wahl folgendes ausgeführt: "Fair und offen mit den Mitarbeitern umzugehen und ihre Interessen zu wahren, habe für das Unternehmen hohe Priorität". Gut so! Im Gegensatz dazu ist die erstmalige Gründung eines Betriebsrats bei Europas größtem Softwarehersteller SAP AG bei den Kleinaktionären auf scharfe Kritik gestoßen.
Artikel: IG Metall Heidelberg
Dokumentation bei NCI
(iw)

Mo, 15.05.06: Indien: Ausländische IT-Firmen heizen Wettbewerb ums Personal an
Unter den US-amerikanischen und europäischen IT-Firmen mit Sitz in Indien verschärft sich der Kampf ums Personal. Die Fluktation nimmt zu. Artikel: de.internet.com
(iw)

So, 14.05.06: Weitere Regelungen aus der Überleitungsvereinbarung
Wie aus der Protokollnotiz vom 04.05.06 zur Überleitungsvereinbarung für Com FN PV PD und Com CD NI UD zu TietoEnator hervorgeht (Beitrag vom 10.05.06), gelten unten stehende ergänzende Bestimmungen. Die Protokollnotiz ist Teil der Betriebsvereinbarung und rechtlich verbindlich.

Sie wurde auf der Mitarbeiterveranstaltung zwar vorgestellt, aber bis heute nicht schriftlich ausgehändigt und auch nicht im Intranet zugänglich gemacht. Die Protokollnotiz ist bisher nur beim Betriebsrat einsehbar. Eine Nichtveröffentlichung dieses Teils der Betriebsvereinbarung an den üblichen Stellen im Intranet auf den Seiten von CP, wäre jedoch ein Verstoß gegen §77 II 3 BetrVG. Danach hat der Arbeitgeber Betriebsvereinbarungen an geeigneter Stelle im Betrieb auszulegen. Sollte die Protokollnotiz nicht schriftlich ausgehändigt werden, würden unserer Ansicht nach außerdem wesentliche Informationen über die wirtschaftlichen Folgen des Übergangs nicht in Textform an die Mitarbeiter ausgehändigt. Damit hätte der Arbeitgeber nicht ordentlich über den Betriebsübergang unterrichtet und die Widerspruchsfrist gegen den Übergang würde nicht zu laufen beginnen. Wir gehen daher davon aus, dass die Protokollnotiz baldmöglichst im Intranet zugänglich sein wird.

Eingliederung in den Betrieb TietoEnator

Die Mitarbeiter aus Was bedeutet dieser Übergang in einen ‚eigenen Betrieb' für die Münchner Kollegen?
  1. Kann TietoEnator wegen Auftragsmangels, die Mitarbeiter in diesem Betrieb nicht mehr ausreichend beschäftigen, dann könnten betriebsbedingte Kündigungen oder eine Betriebsschließung anstehen.

    Im Falle einer Betriebsschließung, Im Fall von betriebsbedingten Kündigungen
  2. Der Betriebsrat München Hofmannstraße bleibt gemäß §21a III BetrVG für maximal sechs Monate für den neu gegründeten TietoEnator Betrieb zuständig. Er wird dort die Betriebsratswahl einleiten. Allerdings müssen sich im Betrieb Mitarbeiter finden, die bereit sind für den Betriebsrat zu kandidieren.
Kündigungswahrscheinlichkeit
Betriebsrat und Betriebsleitung der Siemens AG gehen davon aus, dass bis zum 30.06.2009 keine betriebsbedingten Kündigungen durch TietoEnator erfolgen werden. Allerdings ist dies keine rechtsverbindliche Zusage. Die Betriebsparteien können eine Kündigung nicht ausschließen, da das Kündigungsrecht bei TietoEnator liegt. Daher haben sie für den Fall, dass TietoEnator vor dem 30.06.2009 betriebsbedingte Kündigungen ausspricht, bereits jetzt nachfolgende Abfindungsregelung vereinbart.

Abfindungsregelung
Mitarbeiter, die vor dem 30.06.2009 bei TietoEnator durch betriebsbedingte Kündigung oder Aufhebungsvertrag ausscheiden, erhalten eine Abfindung, vorausgesetzt sie treten nicht in den Ruhestand und vorausgesetzt, der (Gesamt-) Betriebsrat von Tieto-Entor vereinbart mit TietoEnator nichts davon Abweichendes.

Achtung: Daher ist es wichtig, dass die übergehenden Mitarbeiter einen starken Betriebsrat wählen, der die ausgehandelten Konditionen genau kennt und nicht bereit ist, Schlechteres zu vereinbaren.

Die Höhe der Abfindung berechnet sich
Beispiel:
Im Falle von betriebsbedingten Kündigungen (auch Betriebsschließung) muss der Arbeitgeber bei der Kündigung die Kündigungsfrist beachten. Ist jemand länger als 20 Jahre im Betrieb beschäftigt (die Siemens-Zeiten rechnen mit), dann hat er eine Kündigungsfrist von 7 Monaten. Der Arbeitgeber muss also, um diese Frist zu wahren, 7 Monate vor dem tatsächlichen Austrittszeitpunkt, kündigen.
Angenommen TietoEnator kündigt am 31.12.06, dann scheidet ein Mitarbeiter mit siebenmonatiger Kündigungsfrist zum 31.07.07 aus. Er war also 1 Jahr und 1 Monat bei TietoEnator und erhält nach obiger Vereinbarung 80% der Abfindungssumme. Hat der Mitarbeiter nur 6 Monate Kündigungsfrist erhält er 100%, da er dann zum 30.06.07 ausscheidet.

Die Abfindung wird nur ausbezahlt, wenn unmittelbar nach dem Ausscheiden von TietoEnator keine Tätigkeit bei der Siemens AG oder einem mit dieser oder mit TietoEnator verbundenen Unternehmen aufgenommen wird. Wird innerhalb von drei Jahren eine solche Beschäftigung aufgenommen, dann besteht eine Rückzahlungsverpflichtung für den zu 3 Jahren fehlenden Zeitraum in Höhe von 1/36 der Abfindungssumme pro Monat. Zurückzuzahlen ist jedoch der entsprechende Bruttobetrag, bezahlte Steuern und Sozialabgaben werden nicht zurückerstattet. Dies sind die üblichen Konditionen bei Abfindungen in der Siemens AG.

Dienstsitz
Der Dienstsitz muss nicht identisch sein mit dem tatsächlichen Arbeitsplatz. Für die jetzigen TietoEnator Mitarbeiter, die den Betrieben in München zugeordnet sind, ist der Dienstsitz München, für die Hamburger Hamburg. Der Arbeitsplatz kann aber in Bremen, Bulgarien oder sonst wo sein.

Die Vereinbarung sagt nur zu, dass der Dienstsitz aus heutiger Sicht in räumlicher Nähe zum bisherigen Dienstsitz liegt. Sicher ist also nicht, dass man immer in seiner jetzigen Stadt bleiben kann.

Firmenwohnungen
Für Mitarbeiter, die können unbefristet in ihrer Firmenwohnung bleiben.
Alle anderen können ihre Firmenwohnung noch 5 Jahre bewohnen.

Tarifvertrag
Für Mitarbeiter, die bisher dem Ergänzungstarifvertrag (ErgTV), unterlagen, gilt nach dem Betriebsübergang der Flächentarifvertrag des jeweiligen Bundeslandes.
(iw/cr)

Sa, 13.05.06: Machtkampf zwischen Kleinfeld und Pierer
Zu Beginn seiner Karriere als Vorstandsvorsitzender wurde Klaus Kleinfeld vor allem durch zwei Dinge bekannt: Durch seine Rollex, die es plötzlich auf dem Bild nicht mehr gab und durch die Tatsache, dass er Lothar Pauly kopierte und auch ein Handy der Konkurrenz ins Bierglas warf. Unwirsches Benehmen zeichnet den Vorstandsvorsitzenden immer noch aus. So knallt er schon mal den Telefonhörer auf die Gabel, wenn er unpräzise und zudem noch langwierig vorgetragene Auskünfte bekommt.

Kleinfeld will handeln, nicht verhandeln, kaufen und verkaufen, heuern und feuern, ganz nach amerikanischen Vorbild, nüchtern, schnell, ohne langwierige Überlegungen und Diskussionen. Er ist durch und durch ein Manager der amerikanischen Art. Er erinnert an Louis XIV: "L'État c'est moi" (Der Staat bin ich). Übertragen auf Kleinfeld heißt dies: Bei Siemens entscheide ich, sonst niemand.

Damit steht er im krassen Widerspruch zu dem, was bisher an der Siemens Spitze üblich war. Bisher hatte ein Triumvirat das Sagen: Ein einflussreicher Aufsichtsratvorsitzender, ein starker Finanzvorstand und der Vorstandsvorsitzende. Dieses handelte bisher die Entscheidungen aus, die das Schicksal von Siemens bestimmten.

Inzwischen hat Kleinfeld sich bereits des starken und in der Finanzwelt anerkannten Finanzvorstandes Heinz-Joachim Neubürger entledigt und ihn durch den ihm freundlicher gesonnenen Joe Kaeser ersetzt. Mit markigen Worten, wohl um seinem Chef nicht nachstehen, führte er sich in die Finanzwelt ein. Er werde weiter hart durchgreifen. An den Margenzielen werde nicht gerüttelt. Nach dem Analysieren sei nun die Zeit des Exekutierens gekommen, so Kaeser zur Süddeutschen Zeitung kurz vor seinem Amtsantritt. Bei der Wahl seiner Worte kann einem einfachen Mitarbeiter das Grauen kommen. Sind wir versetzt ins finstere Mittelalter? Kaeser hat sich noch nicht in der Finanzwelt profiliert. Grund dürfte seine fehlende Erfahrung auf dem glatten Parkett sein.

Das Triumvirat, bestehend aus starken Persönlichkeiten, existiert mit dem Wechsel Neubürger Kaeser nicht mehr. Kleinfeld muss sich die Macht nur noch mit dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden und jetzigem Aufsichtsratvorsitzenden Heinrich von Pierer teilen. Kleinfeld war für Pierer immer die zweite Wahl als Vorstandsvorsitzender. Kleinfeld wurde von Pierers Gegenspieler und Vorgänger im Aufsichtsrat Karl-Hermann Baumann vorgeschlagen. Pierer hatte Ganswindt favorisiert.

Im Kampf um die Macht stehen sich konträre Persönlichkeiten und Konzepte gegenüber: Auf der einen Seite steht Klaus Kleinfeld als typischer Manager der amerikanischen Art, der an schnellen und kurzfristigen Erfolgen interessiert ist. Auf der anderen Seite steht Heinrich von Pierer als typischer Unternehmer mit seiner Politik der behutsamen Veränderungen, die das langfristige Überleben von Siemens im Auge hat.

Pierer hat in diesem Machtkampf eine Runde gewonnen. Es gelang ihm bis jetzt mit Unterstützung der Arbeitnehmerseite, den vollständigen Verkauf von SBS und Com zu verhindern und das Sanierungstempo zu drosseln. Dies erklärt, warum plötzlich der im Raum stehende Verkauf von Com nicht mehr tagesaktuell ist und harte Sanierungseingriffe bis ins Jahr 2007 ausgedehnt wurden. Heinrich von Pierer dürfte doch ein wenig mehr soziale Verantwortung empfinden als Kleinfeld. Dieser wird von Mitarbeitern als eiskalt bezeichnet. Sein jungenhaftes Lächeln täuscht nicht darüber hinweg. Kleinfeld verfügt - im Gegensatz zu Pierer - über kein Verantwortungsgefühl für den Standort Deutschland, hat keine historische Bindung zur Telekommunikationssparte, mit der Siemens immerhin groß geworden ist und die nach wie vor einer der Zukunftsmärkte sein wird, von denen sich ein globales Unternehmen nicht verabschieden sollte. Ohne Telekommunikation läuft nichts auf der Welt. Das sollte auch ein Klaus Kleinfeld begreifen.

Heinrich von Pierer verfügt über eine solide Mehrheit im Aufsichtsrat. Der Vorstand der Medizintechnik Erich Reinhardt steht auf Pierers Seite sowie Personalvorstand Jürgen Radomski und Gerhard Cromme, der Vorsitzende des Prüfungsausschusses.

Kleinfeld dagegen bestellt noch sein Lager. Nach der Ablösung von Neubürger ist Thomas Ganswindt, der im Zentralvorstand den Bereich Com betreut, ins Schussfeld des Vorstandschefs geraten. Kleinfeld macht keinen Hehl daraus, dass er Ganswindt am liebsten loswerden möchte. Das verhinderte bislang v. Pierer. Die operativen Ergebnisse bei SBS und Com schwächen die Position von Ganswindt. So setze Kleinfeld kurzer Hand Eduardo Montez als Com-Bereichsvorstand ein - ohne zuvor Rücksprache mit Ganswindt zu nehmen.

Wer gewinnt den Machtkampf? Bei diesem Machtkampf geht es um mehr als um zwei Personen. Er entscheidet, ob sich amerikanisches schnelllebiges Management oder deutsches Unternehmertum, mit dem Siemens immerhin über 150 Jahre existierte, durchsetzt. Vom Gewinner hängt auch das Schicksal der Mitarbeiter in den Bereichen SBS und Com ab. Gewinnt Kleinfeld, dann werden SBS und Com schnellstmöglich entsorgt. Gewinnt v. Pierer, werden diese Bereiche seiner Strategie der behutsamen Veränderung unterworfen, haben eine Chance zu überleben. ‚Behutsam' ist dabei aber unter den knallharten Umweltbedingungen in der Konzernspitze zu betrachten. Es ist durchaus möglich, dass Mitarbeiter weder das eine noch das andere als behutsam empfinden.
Quelle: Manager Magazin 5/2006.
(iw)

Fr, 12.05.06: Altersversorgung beim Übergang zu TietoEnator
Laut Gesetz würde TietoEnator die Siemens-Pensionszusage nur entsprechend der durch Siemens bis zum Zeitpunkt des Übergangs eingezahlten Beiträge übernehmen. In der Überleitungsvereinbarung ist darüber hinaus geregelt, dass bei TietoEnator die Zusage auf das Alter 60 erhalten bleibt, d.h. dass Mitarbeiter, die zu TietoEnator übergehen und jetzt unter 60 sind, Firmenrentenansprüche bis zum 60 Lebensjahr erwerben (so sie solange bei TietoEnator sind) und zwar nach den Konditionen, die heute bei Siemens gelten. Um dies zu gewährleisen, meldet sich TietoEnator bei der Pensionsfondsicherungsgesellschaft (PSG) an und führt entsprechende Beiträge ab. Allerdings ist bei TietoEnator nicht gewährleistet, dass die bei Siemens automatisch alle drei Jahre durchgeführte Anpassung ebenfalls stattfindet. Bis auf diese Erhöhung haben bezüglich Pension die zu TietoEnator übergehenden Mitarbeiter den gleichen Anspruch wie Siemens-Mitarbeiter. Hierin liegt die wesentliche Verbesserung dieser Überleitungsvereinbarung gegenüber der vorhergehenden für BenQ.
(pl)

Do, 11.05.06: Zukunft von EWSD bei TietoEnator?
Im FN All Hands -Meeting vom 10.05.2006 sagte der FN-Bereichsleiter im Bezug auf die Strategie, die man bzgl. EWSD verfolgen werde, dass man die Kunden überzeugen wolle auf das Produkt NG Metro umzusteigen oder dass sie höhere Preise akzeptieren müssten.

Dies bedeutet konkret, dass die Betreuung der EWSD Anlagen bei TietoEnator über kurz oder lang auslaufen wird. Die frei werdenden Mitarbeiter könnten dann nach Meinung des FN-Bereichsleiters Aufträge von VDO bearbeiten. Die Frage für die Mitarbeiter, die zu TietoEnator übergehen ist daher: Besitzen sie nach jahrelanger Arbeit an den EWSD-Anlagen das erforderliche Know How dazu? Was passiert mit den Mitarbeitern, die über dieses Know How nicht verfügen? Werden sie durch TietoEnator qualifiziert, um sie auf die VDO-Aufgaben vorzubereiten oder erfolgt dann eine betriebsbedingte Kündigung, da keine Beschäftigungsmöglichkeit bei TietoEnator mehr besteht?
(iw)

Do, 11.05.06: Siemens VAI: Linz gegen Erlangen und eine verunsicherte Belegschaft
Nein, es handelt sich nicht um ein Vorspiel für die Fußball WM, sondern um ein heftiges Führungsgerangel im fusionierten Unternehmen Siemens und VAI mit der Folge, dass die Belegschaft mehr und mehr demotiviert wird. "Es ist wichtig, die Motivation aufrecht zu erhalten, wobei das immer schwieriger wird", sagt der Betriebsratsvorsitzende Ernst Arter.

"Siemens VAI - als zwei der erfolgreichsten Technologiepartner der Eisen-, Stahl- und Aluminiumindustrie, haben VAI und Siemens Metals ihre Stärken gebündelt und sich zusammen getan, um die mechanische und elektrische Welt noch effektiver zusammenzuführen." heißt es auf der Homepage von Siemens VAI.

Von Stärken bündeln zur Zufriedenheit des Kunden kann bei Siemens VAI keine Rede sein. Ein Kampf um Einfluss und Posten zwischen Siemens Erlangen (dort ist die industrielle Führung für die Siemens VAI), Siemens Österreich (sie ist der offizielle Eigentümer) und dem Konzernsitz Siemens München ist entbrannt. Die Linzer fürchten, dass sie von Erlangen ausgebootet werden.

Die Auseinandersetzung gipfelt im Rücktritt von VAI-Chef Gerhard Falch. Der langjährige Firmenchef Falch wird als "Mister VAI" bezeichnet, der sich voll und ganz mit seinem Unternehmen identifizierte. Falch sagt zu seinem Rücktritt lediglich: "Der Eigentümerwechsel war eine Zäsur." Offenbar sieht "Mister VAI" keine Chance mehr, einen Rest von Eigenständigkeit der Linzer Stahlwerksbauer innerhalb des Siemens-Konzerns und dessen Bereichsleitung im deutschen Erlangen zu erhalten. Falchs Nachfolger in der VAI wird Richard Pfeffer aus Erlangen. Weiteres österreichisches Führungspersonal wird bereits gegen deutsches ausgetauscht. Im Unternehmen wird erwartet, dass noch weitere Top-Manager gehen könnten, genannt wird Walzwerks-Vorstand Karl Schwaha (57). Sein Gegenspieler aus Erlangen, Sanjeev Sinha, gilt als sein Nachfolger.

Einher mit dem Gezerre in der Führungsebene geht wie bei Siemens üblich eine Umorganisation. Nach Bekanntwerden des Rücktritts von VAI-Chef Falch hat der Betriebsratsvorsitzende Ernst Artner seinen Urlaub abgebrochen. Kurz vor der Veröffentlichung der neuen Organisationsstruktur - diese ist für Montag geplant - will er retten, was noch zu retten ist. "Uns wurde große Eigenständigkeit versprochen. Jetzt geht es darum, dass es keinen Ettikettenschwindel gibt", sagt Artner.

Viele befürchten, dass die Zusage, Siemens VAI in Linz werde das Metallurgie-Zentrum des Konzerns, nur zur Beruhigung der Kritiker des VA Tech-Verkaufs dient. "Die Musik spiele in Erlangen", heißt es. Siemens-Chefin Brigitte Ederer räumt ein, dass die Sparte industriell von Erlangen aus geführt werde und nicht von Wien oder Linz. Der Standort Linz spiele aber eine wichtige Rolle als Kompetenzzentrum.

Die VAI-Belegschaft ist stark verunsichert. Der Rücktritt von Falch hat diese Verunsicherung verstärkt. Im Betrieb wird gesagt: "Es ist wie bei einem Tischtuch, an dem von drei Seiten gezerrt wird. Dass das am Ende kaputt ist, sehen die Handelnden nicht".
Artikel:OÖNachrichten
(iw/fw)

Do, 11.05.06: Stimmung BenQ Ulm
War gestern bei BenQ Ulm, ehemals Siemens Ulm. Das sieht gespenstisch aus - vorne in der Lise-Meitner-Str. alles zu und dunkel. Ich wollte schon wieder heimfahren, hab dann aber gemerkt, daß "hinten drüben", also Richtung Hinterhof, auch nach der Entsorgung der Handy- Sparte doch noch ein Bisschen Siemens übrig ist...
(mk)

Mi, 10.05.06: Überleitungsvereinbarung zu TietoEnator
Die Überleitungsvereinbarung enthält im Wesentlichen die gesetzlichen Bestimmungen. Für entfallende spezielle Siemens-Regelungen gibt es einmalig eine Pauschale Ausgleichszahlung von 800.- EUR.
Zusammenfassend kann man sagen: Viel Papier um nichts.

Im einzelnen heißt dies:
Für Tarifmitarbeiter: Für ÜT-Mitarbeiter:
Für alle: (iw)

Mi, 10.05.06: Abbau bei Com FN S, FN A, Vertrieb
FN S (Solutions) wird das Volumen und die Zielmarge auch im FY 07 nicht erreichen. In diesem Bereich wird daher die Entwicklungsmannschaft zusammengeführt, um Synergien zu nutzen, d.h. hier wird nach Aussage des FN-Bereichsleiters eine „headcount reduction“ (Personalabbau) durchgeführt. Im Access-Bereich ist bei Passive Optical Networks (PON) der Markt in den USA bereits für die nächsten fünf Jahre zwischen den Konkurrenten aufgeteilt. Die Aufträge wurden hauptsächlich an andere Firmen vergeben. Daher ist FN A (Access) ebenfalls von Personalabbau betroffen. Im Vertriebsbereich sollen die "Go To Market"-Kosten reduziert werden. Dies führt dazu, dass innerhalb der Vertriebe Stellen abgebaut werden. München ist hier allerdings weniger betroffen. Es trifft vornehmlich die Local Companies. FN T (Transport) ist diesmal über die Vertriebskanäle hinaus nicht vom Abbau betroffen.
(iw)

Di, 09.05.06: Stimmung bei Siemens Elin und I&S auf dem Nullpunkt
Durch die Mitteilungen der Firmenleitung in den vergangenen Tagen über das sogenannte „Optimierungsprogramm“ sind die KollegInnen der österreichischen Siemens-Bereiche „Elin“ - Teil des zugekauften VA Tech Konzerns - sowie „I&S“ - Teil der Siemens AG Österreich - aufgewühlt: „Die Betroffenen werden innerhalb der nächsten Tage von ihren Vorgesetzten persönlich informiert.“ heißt es darin. Betroffen sind 250 KollegInnen bei Siemens Elin und 20 bei Siemens I&S, die einem angeblichen „Restrukturierungsbedarf“ zum Opfer fallen sollen (siehe NCI Aktuelles vom 03.05 und 05.05.06). Hatte die Firmenleitung in den vergangenen Monaten in einer gigantischen inner- und außerbetrieblichen Medienkampagne Glauben machen wollen, dass keine(r) Angst um seinen Arbeitsplatz durch den Kauf der österreichischen VA Tech durch Siemens (zusammen ca. 30.000 Beschäftigte) zu haben brauche, so werden sie jetzt eines anderen belehrt: Statt „Together“ wie die Alt- und Neu-SiemensianerInnen in Österreich auf ihren neuen Firmenausweisen und großen Zeitungsanzeigen lesen konnten, geht’s jetzt getrennt weiter; eine größere Anzahl ehemaliger VA Tech KollegInnen und eine kleinere Anzahl Siemens AG Österreich KollegInnen sollen ab in die Arbeitslosigkeit entlassen werden, da angeblich „nur so die Zukunft aller Unternehmensteile sichergestellt werden kann.“ Sehen so die im Geschäftsbericht 2005 „unseren Mitarbeitern und ihren Familien (versprochenen) besseren Zukunftsperspektiven“ für hunderte Siemens-KollegInnen aus (http://www.siemens.at/gb2005/de/eckdaten/eckdaten.htm)? Offenbar soll das Ergebnis von über 254,6 Mio € Ergebnis im letzten Geschäftsjahr weiter „optimiert“ werden (http://www.siemens.at/gb2005/de/eckdaten/lagebericht.htm).
(fw)

Mo, 08.05.06: Kein weiterer Stellenabbau bei Com RD
Nach Informationen aus der Belegschaft teilten der Regionalleiter Niederrhein der RD Siemens Telekommunikationsservices (STS) und der Leiter des Vertriebs von RD Com mit, dass bei Com RD zur Zeit keine Stellen mehr abgebaut werden sollen. Dieser Bereich sei vom aktuellen Com Abbau nicht betroffen, hieß es. Der Wechsel der Mitarbeiter in die Beschäftigungsgesellschaft (beE) scheint damit abgeschlossen. Auch wenn diese Entscheidung nur temporär sein dürfte, wollen wir diese Nachricht nicht verschweigen.
(iw)

So, 07.05.06: Überblick über den Stand des Personalabbaus bei Com


(cr/iw)

So, 07.05.06: Deutsche werden zu Gastarbeitern
Ausländische Unternehmen stellen zunehmend deutsche Fachkräfte ein, stellte die Bonner Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) fest.

Die ZAV hat die Vermittlung von deutschen Arbeitnehmern ins Ausland Anfang vorigen Jahres von der Bundesagentur für Arbeit übernommen. Sie vermittelt Fach- und Führungskräfte vorwiegend ins europäische Ausland. Die Vermittlung soll sich in Zukunft verstärkt auch auf das außereuropäische Ausland erstrecken, insbesondere auf Kanada, Neuseeland, Australien und China. Ein spezielles Austauschprogramm zwischen Deutschland und Kanada erleichtert für Bewerber unter 35 Jahren die Vermittlung. Die ZAV beschäftigt ca. 130 Mitarbeiter in fünfzehn Außenstellen. Diese kümmern sich um die Anfragen und informieren über die Arbeits- und Lebensbedingungen im jeweiligen Land. Unterstützt werden von den örtlichen Arbeitsagenturen, die Erstinformationen zum Binnenmarkt liefern, sowie von Beratern in den Grenzregionen.

12.702 Arbeitnehmer hat die ZAV im vorigen Jahr auf ausländische Arbeitsplätze vermittelt. Etwa drei Viertel von ihnen waren zuvor arbeitslos. Ins Europäische Ausland wurden 10.811 Arbeitnehmer vermittelt. Das größte Hindernis ist die Sprache. Deshalb entscheiden sich die meisten Arbeitnehmer für das deutschsprachige Ausland. In die Schweiz wurden 2.731 Personen vermittelt, nach Österreich 2.493, danach folgen die Niederlande, Norwegen, Großbritannien und Irland.

Die ausländischen Arbeitgeber schätzen - im Gegensatz zu vielen deutschen Firmen - die Erfahrung älterer Arbeitnehmer. 28 Prozent der Vermittelten waren zwischen 40 und 50 Jahre alt; neun Prozent sogar älter als 50 Jahre. "Daran zeigt sich bereits, dass Deutschland bei den Beschäftigungschancen für Ältere anderen europäischen Ländern hinterherhinkt", sagt ZAV-Direktorin Monika Varnhagen.

Kontakt: Für die erste Kontaktaufnahme hat die ZAV eine Hotline eingerichtet.
Tel: 0180-5222023 (zwölf Cent/Minute).
ZAV
ZAV Adresse
(iw)

Fr, 05.05.06: Siemens VDO wieder Teil der Siemens AG
Die Siemens VDO Automotive AG und die Siemens AG haben laut Handelsregistereintrag beim Amtsgericht München am 1.3.2006 einen Verschmelzungsvertrag abgeschlossen. Die Hauptversammlung der VDO hat dieser Verschmelzung bereits zugestimmt. Damit ist VDO wieder Teil der Siemens AG.

Der Wechsel zu VDO ist nun eine ganz normale Versetzung innerhalb der Siemens AG. Man nimmt also alle "Errungenschaften" wie Betriebszugehörigkeit, Jubilarschutz usw. im Falle eines Wechsels mit. Auch im Falle von Kündigungsschutzprozessen kann man sich nun auch auf offene Stellen von VDO berufen.
(cr)

Fr, 05.05.06: Siemens kündigt in Kärnten
42 Mitarbeiter der Gebäudetechnik-Sparte in Klagenfurt wurden zur Kündigung angemeldet. Mit der Rumpfmannschaft sei der selbe Umsatz zu schaffen.
Artikel:Kleine Zeitung Steiermark
(iw)

Mi, 03.05.06: Einrichtung einer Personaldrehscheibe zum Stellenabbau bei Com
Um versetzungswilligen Kollegen Versetzungen zu erleichtern soll bei Com eine Personaldrehscheibe eingerichtet werden. Diese Personaldrehscheibe soll offensichtlich allen Kollegen offen stehen, als nicht nur - wie bisher - denen, die von ihren Vorgesetzten dazu ausgewählt wurden. Ausgenommen sind jedoch die Mitarbeiter, die zu TietoEnator verkauft worden sind.

Versetzungswillig müssten jedoch bereit sein, München zu verlassen. Gute Karten könnten Mitarbeiter haben, die bereit sind für Siemens in Erlangen (A&D, und vor allem MED) zu arbeiten.

Niemand soll zur Zeit gezielt für die Personaldrehscheibe angesprochen werden. Allerdings ist uns heute von Mitarbeitern gemeldet wurden, dass sie bereits von ihren Vorgesetzten aufgefordert wurden, sich einen neuen Arbeitsplatz zu suchen. Es ist also zu erwarten, dass wieder erhöhter Druck auf einzelne Mitarbeiter ausgeübt wird. Wir bitten die betroffenen Kolleginnen und Kollegen, uns dies rechtzeitig mitzuteilen. Wer zu lange versucht sich alleine ständigen Personalgespräche zu erwehren, verliert unnötig viel Kraft und kann eventuell irgend wann nicht mehr durchhalten.

Ziel ist, so viel Com-Stellen wie möglich im Vorfeld abzubauen. Allerdings ist zu erwarten, dass die 1240 gestrichenen Stellen, nicht auf dies Weise abgebaut werden können. Personalmangel in Com-Bereichen, aus denen zu viele Mitarbeiter abwandern, soll durch anschließende Querversetzungen ausgeglichen werden. Wie weit diese Mitarbeiter dann in einem ev. neuen Arbeitsfeld ohne Einarbeitungszeit einsetzbar sind, bleibt zu fragen.

Im zweiten Schritt wird wohl eine beE und das Angebot von Aufhebungsverträgen folgen. Dies jedoch ist Teil der Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Betriebsleitung. Über Alternativkonzepte zum Stellenabbau bzw. Com-Verkauf wird offensichtlich nicht verhandelt. Betriebsbedingte Kündigungen wollen jedoch beide Seiten vermeiden. Die Erfahrungen von 2003/2004 am Münchner Arbeitsgericht sind noch zu allgegenwärtig.

Der Verkauf von Com oder Teilen von Com steht natürlich weiter im Raum.
(iw)

Mi, 03.05.06: Auch bei Siemens Wien gibt es Stellenabbau
Siemens Österreich wird in den nächsten Monaten bis zu 255 Mitarbeiter im neu gebildeten Cluster Siemens Elin abbauen. Dies gab Siemens Österreich am Mittwoch bekannt.
Artikel: Wiener Zeitung
(gm)

Mi, 03.05.06: Alte Konzepte, alte Appelle, wage Aussagen, aber ein Hinweis auf beE
Gestern Nachmittag fand in der Kantine der Martin-Straße das Com MN Forum statt. Es war extrem gut besucht. Beide Stockwerke der Kantine waren voll. Etliche MN-Kolleginnen und -Kollegen mussten stehen. Jeder erwartete wohl Aussagen zu dem Personalabbau. Diese kamen nur sehr wage. Die Presse berichtete bereits mehr.

Die Betriebsleitung sprach ganz klar vom Aufsetzen einer Beschäftigungsgesellschaft (beE). Man hatte den Eindruck, dass die Pläne schon fertig seien, nur wolle man es den Mitarbeitern noch nicht sagen. Dies unterstreicht auch die Aussage der Betriebsleitung am Standort Hofmannstraße, in der es hieß, dass man schon zum 30.09.06 erste Erfolge erwarte. Die Betriebsleitung in der Martinstraße wirkte angespannt. Die Furcht, die vorgegebne 8 Prozent Marge nicht bis April 2007 erreichen zu können, stand deutlich im Raum und schlug sich in einem Appell an die Mitarbeiter nieder, ihre Anstrengungen zu erhöhen. Die Frage ist allerdings, ob dies psychisch zu leisten ist mit drohenden Stellenabbau und einer ungewissen Zukunft für Com im Rücken. Neue Konzepte wurden nicht vorgestellt. "Die nächsten drei Jahre müsste man Com stabil lassen und keine neuen Umorganisationen durchführen. Dann können sich auch Prozesse mal wieder einschwingen. Dass Prozesse deshalb schlecht laufen, weil sie nach jeder Umorganisation neu definiert und an die neuen Gegebenheiten angepasst werden müssen, darauf ist wohl noch niemand gekommen - jedenfalls nicht im Management" kritisierte ein Mitarbeiter nach der Veranstaltung.
(il)

Mi, 03.05.06: Wege entstehen dadurch, dass man sie geht*

Liebe NCI-ler,

Stellenabbau, Betriebsschließung. Es ist zum Alltag geworden. Der Presse ist es kaum eine Meldung wert. Es passiert überall. Es ist nichts Besonderes mehr.

Und doch - wenn man mit dem einzelnen Menschen spricht, merkt man, dass es etwas Besonderes ist. Hinter der Fassade der Sachlichkeit, der nüchternen Information, treten plötzlich Gefühle hervor, Betroffenheit, Wut, Ohnmacht, Sprachlosigkeit, Angst vor Arbeitslosigkeit, Sorge darüber, die richtige Entscheidung zu treffen und bei manchem Kollegen Verzweiflung, Kraftlosigkeit, weil der Stress seit 2002 bei Com nicht mehr aufhört. "Das Schlimmste Gefühl ist die Hilflosigkeit", schrieb ein Kollege. Hilflosigkeit lähmt.

Doch hilflos müssen wir nicht sein. Damals als 2002/2003 die Kündigungen in München anstanden, haben wir uns gesagt: Wir lassen nicht über uns bestimmen. Wir lassen uns nicht wie die Schafe in einen von der Firma errichteten Pferch drängen. Wir fragen nach unseren Rechten und Möglichkeiten zu handeln. Wir entscheiden selbst, suchen trotz aller Schwierigkeiten und Befürchtungen, die im Raum stehen, unseren Weg und gehen diesen dann Schritt für Schritt - die meisten haben sich entschieden, diesen Weg gemeinsam zu gehen.

Der erste Schritt, der Hilflosigkeit zu begegnen, ist dieser Wandel im Denken. An die Stelle der Hilflosigkeit tritt dann Mut, Mut zum Handeln, Mut zur eigenen Verantwortung, Mut zur Entscheidung, Mut zu dieser Entscheidung zu stehen, auch wenn der Weg manchmal steinig oder kaum sichtbar ist.

Uns allen war klar und ist es bis heute: Unabhängig davon, ob wir letztlich unseren Arbeitsplatz erhalten können oder nicht (kämpfen sollten wir dafür), erhalten wir durch die Bereitschaft, aktiv zu handeln, auf jeden Fall unser Selbstbewusstsein, unsere Fähigkeit das Leben in die eigene Hand zu nehmen. Dieses Bewusstsein alles zu tun, was man tun kann, nicht aufzugeben, sondern gemeinsam, für jeden die richtige Lösung zu finden, ist ein unbezahlbares Kapital für die Zukunft, ein Kapital, das einem niemand nehmen kann, egal wie diese Zukunft aussehen wird.

Was kann nun jeder Einzelne tun?
  1. Jeder weiß etwas, was wir nicht wissen
    Teilt uns mit, was in Euren Abteilungen passiert, was Eure Vorgesetzten sagen, welche Gerüchte plötzlich auftauchen, wie die Stimmung ist. Berichte aus Euren Abteilungen sind hilfreich. Verfasst sie einzeln oder zusammen. Das, was für Euch unwichtig erscheint, ist für uns vielleicht ein wichtiges Puzzleteil.
  2. Achtet aufeinander - dort wo Menschlichkeit in Sachlichkeit erstickt werden soll, ist es an den Menschen, dies nicht zuzulassen.
    Teilt uns mit, wenn Ihr oder Kollegen von Euch unter Druck gesetzt werden. Lasst niemanden mit diesem Druck allein. Wir verfügen inzwischen über viel Erfahrung, wie man sich gegen den Druck wehren kann.
  3. Solidarisierung - kein leeres Wort
    Informiert Euch. Diskutiert miteinander. Reflektiert. Sprecht die Handlungsoptionen durch. Bildet Interessengruppen. Wenn Ihr Fragen habt, schreibt uns.
Was Ihr nicht tun solltet:
  1. Hoffen, dass jemand anders das tut, was Ihr tun könnt. Dann wird es nicht getan.
  2. Glauben, dass wir die Information schon haben. Uns macht es nichts aus, Informationen mehrfach zu bekommen.
  3. Uns nicht belästigen zu wollen. Wir machen diese Arbeit gerne für Euch. Uns macht es nichts aus mit Information und Fragen, die unsere Homepage nicht beantwortet, "belästigt" zu werden.
  4. Passiv abzuwarten, bis ein Wunder geschieht, das Euch rettet. Die Wahrscheinlichkeit, dass es ohne Euer Zutun geschieht ist relativ gering.
  5. Blind vertrauen, egal wem. Reflektiert das, was Ihr erfahrt. Unterschreibt nichts, ohne es vorher genau durchdacht und mit Menschen Eures Vertrauens diskutiert zu haben.
  6. Die Verantwortung für Euch selbst, anderen zu überlassen.
Ihr, liebe NCI-ler, wisst, dass wir Euch nach bestem Wissen und Gewissen informieren, Eure Fragen beantworten, Euch betriebsratsmäßig betreuen. An den E-Mails und den ständig wachsenden Zugriffszahlen auf unsere Homepage, sehen wir, dass Ihr uns Vertrauen entgegen bringt. Wir brauchen Euer Wissen, Eure Aufmerksamkeit. Wir brauchen dies, um Euch weiter gut informieren zu können.

Wir wollen Euch motivieren, das aufgedrückte "Projekt Stellenabbau", aktiv anzugehen, um bewusste und damit für Euch persönlich richtige Entscheidungen treffen zu können.

Der Zeitraum ist lang. Es wird Hochs und Tiefs geben. Aber Solidarität ist, dass der, der gerade mit der Situation ganz gut zurecht kommt, dem der im Tief ist, die Hand reicht, ihm zuhört, ihn hochzieht. Und der, der im Tief ist, sollte den Mut haben, die Hand zu ergreifen, damit er mit der Situation zurecht kommen kann, um dann wieder anderen die Hand reichen zu können.

Das, liebe Kolleginnen und Kollegen ist NCI. Jeder kann diese Solidarität in seiner unmittelbaren Umgebung leben. Jeder kann seinen Kollegen ansprechen. Und wenn dies tatsächlich jeder, der diesen Artikel erhält, tut, dann haben wir ganz plötzlich und von ganz allein eine flächendeckende Solidarisierung und eine Stärke, die allen hilft.

Probiert es. Es ist einfach.

Viele Grüße von Eurem NCI-Team


* Franz Kafka

Di, 02.05.06: Massiver Stellenabbau bei Com München
Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet sollen am Standort-Hofmannstraße 765 Arbeitsplätze, in Perlach 240 und in der Martinstraße 200 Arbeitsplätze gestrichen werden. Siemens dementierte diese Zahlen nicht. Damit fallen in München 1205 Arbeitsplätze bei Com weg. Der Gesamtbetriebsrat verhandelt einen Interessenausgleich und Sozialplan. Es ist davon auszugehen, dass er die üblichen Konditionen wie Aufhebungsverträge und Beschäftigungsgesellschaft enthalten wird. Wie bereits berichtet, rechnen wir nicht mit betriebsbedingten Kündigungen. Diese Vermutung äußerte nun auch die IG Metall gegenüber der Süddeutschen Zeitung.
Artikel: Süddeutsche Zeitung
(iw)

Di, 02.05.06: Motorola kauft R&D-Zentrum von BenQ in Aalborg
Mit diesem Verkauf an Motorola konzentriert BenQ Mobile die Entwicklung in München und Kamp-Lintfort. BenQ hatte am 1.10.2005 diesen Entwicklungsstandort mit 250 Mitarbeitern von Siemens im Rahmen des Verkaufs von Com MD übernommen.
Artikel: Finanztreff.de
(iw)

Di, 02.05.06: Siemens Belegschaftsaktionäre fordern Erhalt der Com Sparte
Belegschaftsaktionäre haben den Erhalt der kriselnden Kommunikationssparte Com im Konzern gefordert. "Ein Scheitern der Sanierungspolitik wäre der Super-Gau für Siemens schlechthin, eine mittlere Katastrophe für den Standort Deutschland und für den Vorstandsvorsitzenden ein Offenbarungseid", erklärte der Verein der Belegschaftsaktionäre in der Siemens AG am Montag.

(iw)

Mo, 01.05.06: Geht Enterprise an die Cycos AG?
Im Rahmen der Com-Problematik steht auch Enterprise zur Sanierung an. Wie finanzen.net berichtet, möchte die Siemens AG die Cycos AG die als Anbieter von Unified Messaging-/ Unified Communications-Lösungen für professionelle Endkunden tätig ist, stärker in die Geschäftsprozesse von Enterprise Networks einbinden. Die geplante Maßnahme ermöglicht es, durch eine einheitliche unternehmerische Führung zusätzliche Entwicklungs-, Technologie- und Vertriebssynergien zu erschließen.

Dazu will Siemens mit der Cycos AG einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag abschließen (§291 ff. AktG). Ein solcher Vertrag verpflichtet die Cycos AG, ihren gesamten Gewinn an Siemens abzuführen. Außerdem ist Siemens berechtigt, der Cycos AG Weisungen (§308 AktG) zu erteilen, die auch den Interessen der Cycos AG entgegen stehen können, jedoch für den Siemens-Konzern vorteilhaft sind. Im Gegenzug muss Siemens eventuelle Verluste der Cycos AG ausgleichen. Cycos würde nach Abschluss des Vertrages in die Siemens AG finanziell, wirtschaftlich und organisatorisch so eingegliedert, dass ihr Geschäftsbetrieb den Charakter einer Betriebsabteilung der Siemens AG hat. Ihre rechtliche Selbständigkeit bliebe jedoch erhalten.

Der Vorstandsvorsitzende von Cycos ist Jürgen Diller der zuvor als Betriebsleiter bei ICN in Berlin tätig war. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende ist Thomas Zimmermann (Bereichsvorstand von Com Enterprise Systems), der Bernd Kuhlin (Ex-Bereichsvorstand von Enterprise) am 1.9.05 im Aufsichtsrat ablöste.

Nach einer Ad Hoc-Meldung, zu der die Cycos AG gemäß §15 WpHG verpflichtet ist, war der EBit im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres negativ (-0,66 Mio. EUR; 1. Halbjahr 2004/05: -0,78 Mio. EUR).

Siemens kann also nicht an der Gewinnabführung interessiert sein, da Cycos nur einen Verlust ausweist, den Siemens laut Gesetz ausgleichen müsste. Damit kann Siemens nur an der Weisungsbefugnis interessiert sein. Warum?

Siemens könnte der Cycos AG aufgrund des Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag Weisung erteilen, den Enterprise-Bereich von Com zu übernehmen. Wenn Enterprise zur Cycos AG übergeht, dann wäre dieses Com-Problem gelöst.
(cr/iw)

Mo, 01.05.06: SBS wird nicht in andere Konzernteile eingegliedert
Wie nw-news berichtet dementierte Siemens die Meldung des Focus Siemens wolle die SBS-Sparte auflösen und in andere Konzernteile integrieren, weil kein Käufer für SBS in Sicht sei. Dieses Dementi dürfte sich jedoch im wesentlichen auf die Eingliederung der verlustreichen SBS-Sparte in andere Konzernteile beziehen, weniger auf die Abwendung der Gefahr den Verlust von 194 Millionen Euro durch Restrukturierungsmaßnahmen und Betriebsschließungen auszugleichen.
(iw)


Autoren: Inken Wanzek, Christine Rosenboom
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