Artikel: Juni 2006

Fr, 30.06.06: IA / SP: Stichtag für die Berechnung der Abfindung - Vorsicht Falle
In Punkt 4.3.1 (Matrix-Abfindung beE) und Punkt 5.1 (Matrix-Abfindung ohne beE-Eintritt) heißt es: "…Stichtag für die Berechnung der Abfindung ist der 30.09.2006."

Offensichtlich wurde dieser Interessenausgleich / Sozialplan schon vor mehreren Wochen vom GBR abgenickt. Damals enthielt er vermutlich nur beE-Eintrittstermine ab dem 1.10.06. Erst nach Bekanntwerden des Nokia / Siemens - Deals wurde der 1.8.2006 nachträglich noch als beE-Eintrittstermin eingeschoben und ohne dass es GBR oder Siemens aufgefallen wäre, blieb der Stichtag für die Berechnung der 30.9.06. Man sollte eben ein Dokument vorher genau lesen, bevor man unterschreibt.

Was heißt das nun? Im Zweifelsfall gilt das, was der Wortlaut des IA / SP hergibt.

Nach dem Wortlaut bedeutet das für die Mitarbeiter, die zum 1.8.06 in die beE eintreten, dass sich ihre Abfindung nach ihrem Gehalt am 30.9.2006 berechnet. Zu diesem Zeitpunkt beträgt dieses aber nur noch 85% von dem, das sie vor der beE bekommen haben. Wer also mit dem Gedanken spielt, bereits vor dem 1.10. in die beE zu gehen, sollte sich rechtssicher, d.h in schriftlicher Form mit Unterschrift der Siemens AG, zusichern lassen, dass für ihn als Stichtag für die Berechnung der Abfindung der 31.7. gilt.

Mitarbeiter, die einen Aufhebungsvertrag abschließen, mit dem sie bereits vor dem 30.9.06 ausscheiden, haben zum Stichtag kein Gehalt mehr. Nach dem Wortlaut des IA /SP ist die Matrix-Abfindung folglich 0 €. Auch für Euch gilt: Wer bereits vor dem 30.9.06 ausscheiden will, sollte sich rechtssicher zusichern lassen, dass für ihn der Tag vor dem Ausscheiden als Stichtag für die Berechnung gilt.
(cr)

Fr, 30.06.06: IA / SP: Eintrittstermin beE - wer bestimmt was?
Punkt 4.1 im IA / SP:
"Die Mitarbeiter können sich ausschließlich unter Abschluss eines betrieblich veranlassten Aufhebungsvertrages i. S. dieser Vereinbarung für einen Eintritt in die beE zum 01.08.2006, zum 01.10.2006, zum 01.12.2006 oder zum 01.03.2007 entscheiden. Den Mitarbeitern wird in Abhängigkeit von den betrieblichen Belangen ein entsprechendes Angebot zu einem der oben genannten Termine unterbreitet."

Nach dem Wortlaut heißt das, der Arbeitgeber definiert, was die betrieblichen Belange sind und entscheidet, wem er aufgrund dessen zu welchem Termin ein beE-Angebot macht. Der Mitarbeiter dagegen entscheidet ob er das Angebot annimmt und wenn ja, welchen der genannten Eintrittstermine er wählt. Nur wenn betriebliche Belange (z.B. Restarbeiten) dagegen sprechen, müsste der Mitarbeiter sich auf einen späteren Eintrittstermin verweisen lassen. Ohnehin wurde die beE in der Vergangenheit immer wieder wie Sauer Bier angeboten, also muss man sich nicht von einem eng gesetzten Termin unter Druck setzen lassen. Wenn der Arbeitsplatz jetzt entfällt, und der Mitarbeiter prinzipiell bereit ist, in die beE zu gehen, aber nicht zum 1.8., sondern erst zum 1.10., dann wird das zu machen sein.

Wichtig ist, dass Ihr Euch diesen Schritt sorgfältig überlegt. Bevor ihr die Entscheidung trefft, solltet Ihr einige Bewerbungen schreiben (intern und extern), Vorstellungsgespräche absolvieren (zum Üben bietet sich der Com Job Day am 3.7. an, sofern Ihr Euch dafür spätestens heute angemeldet habt) um dann anhand der Resonanz abschätzen zu können, wie Ihr auf dem Arbeitsmarkt mit Eurem Profil ankommt, ob Ihr also Chancen habt, über die beE einen Arbeitsplatz zu finden.
(cr)

Do, 29.06.06: COM-Pläne - Siemens Österreich weit mehr betroffen, als bisher bekannt
„Die Siemens-Pläne, das Milliardengeschäft mit Telekominfrastruktur ("Com") in ein Joint-venture mit Nokia einzubringen, betreffen Siemens Österreich weit mehr, als bisher bekannt. Massiv betroffen sind nämlich nicht nur die rund 500 direkt in Fest- und Mobilfunknetzen Beschäftigten, sondern vor allem das hauseigene Softwarehaus PSE und das Ostgeschäft …“ schreibt die österreichische Zeitung „Der Standard“ in ihrer gestrigen Ausgabe: derstandard.at.

Wie berichtet vermisst der PSE-Betriebsrat bisher immer noch die von der Geschäftsleitung der Siemens AG Österreich und der PSE angekündigte „ausführliche und offene“ Direkt-Information über die angeblich „deutlichen Auswirkungen“ auf die Beschäftigten. Das führt insbesondere in der Mobilfunk-Sparte der PSE zu erheblicher Verunsicherung: Die KollegInnen erwarten, dass sich Nokia durch den NoSiNet-Deal einen lästigen Konkurrenten vom Hals schafft und sie bei der geplanten Straffung des Produkt-Portfolios auf der Strecke bleiben.

Aber auch die Reduzierungen der COM-Aufträge im Festnetz-Bereich sorgen bei den betroffenen PSE-KollegInnen für erhebliche Aufregung: Mit mehr oder weniger sanftem Druck versuchen die Vorgesetzten, den MitarbeiterInnen Job-Angebote im Ausland (Deutschland) schmackhaft zu machen. Seit Jahren „vergreist“ jedoch die PSE, d.h. es wurden seit dem Platzen der IT-Blase so gut wie keine jungen KollegInnen, die u.U. eher bereit wären, länger in’s Ausland zu gehen, mehr in der PSE angestellt. Die Folge ist, dass viele frisch gebackene Familienväter und –Mütter in der PSE die Job-Angebote ihrer Vorgesetzten als Zumutung und eine Ablehnung daher als Rechtfertigung für den anschließenden Rausschmiss empfinden.

KollegInnen, lasst Euch nicht einschüchtern: Im neuen Kollektivvertrag der GPA und im österreichischen Arbeitsverfassungsgesetz (u.a.) gibt es Regelungen, die eine Ablehnung unzumutbar langer Dienstreisen ohne Nachteile ermöglichen. Bitte wendet Euch bei etwaigem Mobbing diesbezüglich an den PSE-Betriebsrat Eures Vertrauens oder an das NCI-Net-Österreich: netleiwand@nci-net.de.

Unsere deutschen Kollegen haben für uns diese E-Mail Adresse eingerichtet. Damit sie auch verstehen, warum wir diesen Namen gewählt haben, hier eine kurze Erklärung. "netleiwand" ist ein Wortspiel und heißt Wienerisch soviel wie "Nicht ok!" Gleichzeitig steckt darin das Wort "Net", was verdeutlich, dass auch wir in Österreich auf die Vernetzung der Mitarbeiter setzen.

Ansonsten sind wir der Meinung, dass jede(r) sich jetzt ernsthaft überlegen sollte, Rechtschutz (Wartezeit!) zu erwerben. Auch hiermit können sich die österreichischen Kollegen an NCI-Net-Österreich: netleiwand@nci-net.de wenden.
(fw)

Do, 29.06.06: Privates Redeverbot - Nein danke!
Wie uns zu Ohren gekommen ist, wird Mitarbeitern in einigen Standorten und Abteilungen verboten mit den finnischen Nokia Kollegen privat zu reden. Dieses Verbot verstößt gegen die Freiheitsrechte beider Länder. Niemand kann jemanden verbieten, privat über das nächste Sommerfest oder über den Deal zwischen Siemens und Nokia zu sprechen, auch nicht über den Stellenabbau, der in diesem Zusammenhang immer wieder in das Blickfeld gerät. Über alles, was in der Presse bekannt ist, darf man auch reden, auch über die Produkte, die auf den Homepages der beiden Firmen zu finden sind.

Nicht sprechen darf man allerdings über Projekt Internas, also keine Projektpläne, Spezifikationen usw. weitergeben. Kurz, man muss sich vor dem anstehenden Deal so verhalten wie sonst auch. Diese Internas darf man auch sonst nicht ausplaudern. Noch sind Nokia und Siemens Konkurrenten. Aber dies ist bestimmt jedem klar.
(iw)

Mi, 28.06.06: Definitv keine betriebsbedingten Kündigungen vor dem ersten Betriebsübergang
Wie von der Betriebsleitung bekannt gegeben sollen Carrier (NoSiNet) und Enterprise zum 01.10.06 jeweils in eine eigenständige Gesellschaft übergeführt werden (Interims-Gesellschaften)

Aufgrund des IA/SP zum Stellenabbau kann Siemens die Einigungsstelle nicht vor dem 31.10.06 anrufen. Daher kann Siemens vor dem 31.10.06 nicht kündigen. Die Betriebsübergänge erfolgen jedoch am 01.10.06. Damit sind vor dem Betriebsübergang keine Kündigungen möglich. Das ist definitiv so.
(iw)

Mi, 28.06.06: NCI überprüft Durchführung der BV in der neuen Gesellschaft
Wir prüfen gerade inwieweit dieser für die Com Sanierung abgeschlossene IA/SP in der neuen Gesellschaft noch seine Wirkung entfalten kann. Die Betriebsvereinbarung enthält etliche Punkte, die ohne Änderung in der neuen Gesellschaft nicht durchgeführt werden können. Dazu haben wir heute Nachmittag ein Gespräch mit unserem NCI Anwalt geführt, der uns freundlicherweise kostenlos berät.

Des Weiteren hat der Betriebsrat (nicht GBR!), der für die neue Gesellschaft ein Übergangsmandat hat, jederzeit die Möglichkeit mit dem Arbeitgeber über diesen IA/SP erneut zu verhandeln, wenn die Änderungen zu Gunsten des Arbeitnehmers sind. Und in diesem IA/SP lässt sich einiges verbessern.

Wir wissen es ist schwer, da der emotionale Druck hoch ist, aber wir benötigen ein wenig Zeit für die rechtliche Prüfung.

Bitte verfallt nicht in Panik. Ihr habt Zeit bis zum 25.07.06.
Nehmt Euch die Zeit, schließt bitte keinen beE-Vertrag oder Aufhebungsvertrag voreilig ab, es sei denn ihr wollt ihn wirklich haben.
(iw)

Mi, 28.06.06: Heutige Auswahl der Mitarbeiter verstößt gegen Sozialauswahl - Same Procedure as 2003
Die heutige Auswahl der Mitarbeiter erfolgt nicht nach Sozialauswahl (egal wie diese aussieht), sondern nach Portfolio.

Die jetzt betroffenen Mitarbeiter könnten im Falle einer Kündigung (auch in der neuen Gesellschaft) einen Kündigungsschutzprozess führen und würden ihn vor dem Arbeitsgericht u.a. wegen fehlerhafter sozialer Auswahl gewinnen. Diese Kündigungsschutzprozesse mit ungewissem Ausgang für Siemens wird sich Siemens auch in Form einer GmbH schlicht und einfach nicht mehr antun. Mit fehlerhafter sozialer Auswahl braucht sich Siemens vor dem Arbeitsgericht München nicht mehr sehen lassen.

Die Kündigungsschutzprozesse 2003/2004 haben die Presseorgane sehr interessiert. Wir erinnern an zwei ganzseitige Artikel in der Süddeutschen Zeitung, im Stern, im Spiegel, im Manager Magazin, Brand1, die Zeitschrift des deutschen Bundestages, in den verschiedensten Tageszeitung, nicht zu schweigen an die Berichterstattung in Radio (B2, B5) und diverse Male im Fernsehen, darunter Monitor.

Dies dürfte es schwer machen, Com komplett zu bereinigen und endlich aus den Medien zu bringen.
(iw)

Mi, 28.06.06: Siemens hat Deal mit Nokia über Mitarbeiter
Siemens müsste - egal wie die Sozialauswahl aussieht - Mitarbeiter kündigen, die heute an Projekten arbeiten, die für das neue Unternehmen Nokia Siemens Networks relevant sind. In einem solchen Deal wird auch festgelegt, dass die beteiligten Partner sicher stellen, dass die Mitarbeiter mitgehen. Daher hat Klaus Kleinfeld eine Versetzungssperre verhängt. Würde Siemens Mitarbeiter, die für die Projekte notwendig sind, kündigen, dann verstößt Siemens gegen den Vertrag mit Nokia. Hält Siemens den Vertrag mit Nokia ein, haben wir wieder eine fehlerhafte soziale Auswahl.

Siemens will Com komplett bereinigen - das geht nur ohne Kündigungen. Siemens will keine Restrukturierungskosten von Com in das neue Geschäftsjahr 2006/2007 mitschleppen und im Falle von mehreren hunderten Kündigungsschutzprozessen mindestens bis ins Geschäftsjahr 2007/2008 und voraussichtlich länger mitschleppen, einschließlich entsprechender Öffentlichkeitsarbeit.

Wir würden Siemens in Zukunft gerne alleine ihre Hauptversammlung im Januar abhalten lassen. Es ist nämlich meist sehr kalt, wenn wir demonstrieren oder Flugblätter verteilen. Aber bisher war uns nie zu kalt!
(iw)

Mi, 28.06.06: Betrieb Hofmannstraße paralysiert
Obwohl die Briefe offiziell erst nach der BR-Sitzung morgen rausgehen sollten, erhielten heute schon einige die Mitteilung, dass sie einen blauen Brief erhalten..

"Die Leute sind heute auf dem Firmengelände alle nur so rumgeschlichen und hatten einen Blick auf, als ob ein Tsunami ihnen alles genommen hätte. Es ist schlimm das mit ansehen zu müssen, spätestens jetzt weiß ich, warum wir uns damals spontan zusammengeschlossen haben." schilderte ein Kollege die Situation im Betrieb München Hofmannstraße.

Von einer Abteilung sollen nur zwei Mitarbeiter übrig bleiben sollen. Offensichtlich werden viele Abteilungen noch nicht komplett aufgelöst, aber höchstwahrscheinlich dadurch handlungsunfähig gemacht. Die Betriebsleitung erhofft sich wohl, dass die übrig Gebliebenen, die Restarbeiten noch erledigen, um dann in der 2. Welle angesprochen zu werden.

Wir wissen, dass Mitarbeitern aus München und Berlin sind betroffen sind. Von den anderen Standorten hat uns noch keine Nachricht erreicht.

Offensichtlich wurden wieder unverhältnismäßig viele Frauen von der Betriebsleitung ausgewählt. "Dann habe ich noch einige Frauen mit verweinten Augen in der U-Bahnhaltestelle Machtlfinger gesehen. Ich kannte die zwar nicht habe aber den dringenden Verdacht, dass .... Als ich eine davon ganz vorsichtig ansprechen wollte, hat sie sich weggedreht - kann ich auch verstehen. Man will seine Schwäche ja nicht vor wildfremden Menschen zeigen." berichtete eine Kollegin dem NCI. "Ich war heute noch nicht dran - aber wie gesagt ich kann dem Frieden und den Aussagen von meinem Chef nicht trauen."

Frauen, meine Herren der Betriebsleitung, mögen zwar schneller weinen, aber sie verarbeiten den Schock leichter und wenn sie kämpfen, geben sie nicht auf!
(iw)

Mi, 28.06.06: Zeitplan Com-Auflösung: Stellenabbau und Betriebsübergänge
Um einen Überblick über die vielen parallelen Ereignisse zu bekommen, mit denen die Betriebsleitung uns glaubt überschwemmen zu müssen, hier eine Übersichtsgrafik
(iw)

Mi, 28.06.06: Doppeltes Wachstum
"„Unser Ziel ist es, mittelfristig doppelt so schnell zu wachsen wie die Weltwirtschaft“, sagte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld am Dienstag auf einer Konzernkonferenz in Berlin. „Dabei streben wir eine nachhaltige Profitabilität an, mit der wir die Innnovationsführerschaft in unseren Bereichen sicherstellen.“ sagte der Klaus Kleinfeld beim Symposium "Innovationen für die Megatrends des 21. Jahrhunderts" in Berlin. Künftig will sich der Münchner Technologiekonzern auf die drei Kernbereiche Energie, Automatisierung/Infrastruktur sowie Gesundheit konzentrieren. Power Generation in Schwierigkeiten, Kleinfeld bezeichnet es als Herausforderung. Das nächste Opfer von Kleinfeld?
Die Presse
(iw)

Di, 27.06.06: IA/SP: Aufhebungsvertrag
Wir beginnen unsere Serie zum Interessenausgleich und Sozialplan zum Stellenabbau 2006 mit dem Thema Aufhebungsvertrag. Mit der Unterschrift unter einen Aufhebungsvertrag beginnt für Sie eine neue Zukunft. Es gibt kein zurück und deshalb muss man sich diesen Schritt gut überlegen.
IA/SP = Interessenausgleich/Sozialplan
Mehr zu den Konditionen des Modells Aufheb 2006
(iw)

Mo, 26.06.06: Das Ende von Com
Siemens Com wird es spätestens am 1.1.07 nicht mehr geben. Und mit Siemens Com wird es auch die Telekommunikation in der Siemens AG nicht mehr geben. Wie das aussieht haben wir hier veranschaulicht.
(iw)

Mo, 26.06.06: Aufgezwungenes Pokerspiel
Siemens Com ist schon lange zu Siemens Geh geworden. Kommenden Donnerstag werden 1240 Mitarbeiter aufgefordert zu gehen. Wir wollen nicht, dass sie gehen. Die Auswahl ist so zufällig. Zufällig eingeteilt für ein Produkt. Und dieser Zufall bestimmt nun darüber, ob ein blauer Brief mit einem Angebot zur beE kommt oder nicht.

Siemens nennt das Angebot freiwillig und definierte damit eine neue Freiwilligkeit. Eine Freiwilligkeit verbunden mit der Androhung einer Kündigung, die Siemens höchstwahrscheinlich gar nicht vorhat. Der Mitarbeiter erhält drei Karten "beE", "Aufhebungsvertrag" und eine Karte, die verdeckt ist. Der Mitarbeiter weiß nicht genau, was darauf steht. So, bleibt ihm nichts anderes übrig als den Verlauf des Spiels, das für ihn sehr ernst ist, aufmerksam zu verfolgen. Wer hält welche Karten in der Hand? Ein paar Karten haben wir gestern aufgedeckt, obwohl das gegen die zwischen den Parteien stillschweigend vereinbarten Spielregeln ist. Doch das ist uns gelinde gesagt, egal.

Der GBR spielt dieses Spiel mit, in dem er eine solche Vereinbarung unterschrieben hat. Er zwingt damit dem Mitarbeiter ein Pokerspiel um seine Existenz auf, nimmt ihm die klaren Entscheidungsmöglichkeiten, versetzt ihn in psychischen Stress. Die Entscheidung ist schon schwer genug, wenn man alle Alternativen kennt, aber den Mitarbeiter mit dem Gefühl alleine zu lassen: "Was ist, wenn ich jetzt in die beE gehe und dann kündigt Siemens nicht, wie all die letzten Male auch nicht?"

Was geht dann in einem Menschen vor, der nur aus Angst vor noch schlechteren Bedingungen in die beE gegangen ist?

Hat der GBR-Vorsitzende und sein Stellvertreter nur einen Hauch von Ahnung davon, wie psychisch belastend eine solche Situation ist, wie körperlich spürbar dieser Druck ist? Darüber scheinen sie sich nicht viel Gedanken gemacht zu haben. Wenn sie darüber nachgedacht hätten, hätten sie nie ihre Unterschrift unter eine Vereinbarung gesetzt, die es dem Arbeitgeber ermöglicht psychischen Druck zu erzeugen. Wir empfinden dies - mit Verlaub gesagt - mehr als unfair, von Jemanden, der behauptet auf der Seite der Arbeitnehmer zu stehen. Ich weiß, dass dem NCI diese Aussage wieder Ärger einbringt, aber manche Dinge müssen gesagt werden.

Wir haben jetzt den Interessenausgleich und Sozialplan durchgearbeitet und werden ihn ab morgen Stück für Stück vorstellen. Denn wir möchten, dass ihr nur geht, wenn ihr das wirklich wollt. Wir möchten in diesem Zusammenhang auch auf unsere Veranstaltung am Donnerstag hinweisen.
(iw)

Mo, 26.06.06: NoSiNet: Gehen auch Mitarbeiter von Com IT, Com CD und CT mit über?
Durch die mangelhafte Informationspolitik des Arbeitsgebers ist nicht bekannt, was bei den Betriebsübergängen mit der Com IT, Com CD und den beim Carrier als Consultants beschäftigten Mitarbeitern der CT wird.

Viele Mitarbeiter von CT sind aktuell als Consultants in Projekten für FN und MN eingesetzt. Die CT-Mitarbeiter können nicht mit übergehen, da sie nicht zu Com gehören. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Consultant-Verträge von Nokia Siemens Networks weiter geführt werden, insbesondere im Hinblick darauf, dass die neue Firma 6000-9000 Arbeitsplätze abbauen will. Da die Mitarbeiter, die ab 28.06.2006 ihre blauen Briefe bekommen, aus dem Com-Bereich stammen, wären diese dafür prädestiniert, diese Arbeiten zu übernehmen.

Nokia schreibt in seinen „Question and answers“, Punkt 1.3 auf die Frage „What business will the new company include from each partner?”: „From Nokia, it will include the networks business and from Siemens it will include the COM division, excluding the Enterprise unit and Wireless Modules unit.” Daher gehen wir davon aus, dass auch die Com IT und Com CD zu NoSiNet übergehen.
(cr)

So, 25.06.06: Zeitablauf für die Auflösung von Siemens Com
Wir haben in der über untenstehenden Link erreichbare Tabelle, die drei parallel ablaufenden Ereignisse "Betriebsübergang Nokia Siemens Networks", "Auslagerung und Verkauf von Enterprise" und den "Personalabbau Com 2006" chronologisch gegenübergestellt. In diesem Dokument sind die uns bekannten Fakten aufgelistet und mit entsprechenden Quellenangaben belegt.
Zeitablauf
(cr/iw)

So, 25.06.06: Keine Angst vor betriebsbedingten Kündigungen
Für den Fall, dass die Abbauzahl von 1240 Arbeitsplätzen bis zum 31.10.2006 nicht erreicht sind, wurde im Interessenausgleich / Sozialplan (IA / SP) vereinbart, dass eine Einigungsstelle die Konditionen für betriebsbedingte Kündigungen festlegen soll.

Wir sind durch unsere Analysen zu der begründeten Überzeugung gelangt, dass es höchstwahrscheinlich weder zu einer Einigungsstelle, noch zu betriebsbedingten Kündigungen in Rahmen des Com-Personalabbaus kommen wird.

Begründung:

Siemens wird Gelder an Nokia Siemens Networks überweisen, wenn der Com-Personalabbau bis zum Betriebsübergang nicht abgeschlossen ist. Dies geht aus dem Dokument 060618 2330 Q+A Champion_d_final.doc auf Seite 9 hervor:

"Es ist ausgemacht, dass Siemens die Mittel für die noch ausstehenden Restrukturierungszahlen nach dem Closing an Nokia Siemens Networks überweist. Diesen Aufwand hätten wir ohnehin"

Siemens wird folglich vor dem Betriebsübergang aller Voraussicht nach die Einigungsstelle nicht anrufen und es wird daher nicht zu betriebsbedingten Kündigungen im Rahmen des Com-Stellenabbaus kommen. Es folgt weiterhin daraus, dass der Deal mit Nokia nicht scheitern wird, wenn der Personalabbau bis zum Betriebsübergang nicht vollständig abgeschlossen ist.

Siemens will die Restrukturierungskosten für Com spätestens zum 01.01.07 (also vor der Hauptversammlung) aus der Bilanz haben. Deswegen macht Siemens ja diesen Deal. Würde Siemens kündigen, dann müssten sie mit hunderten von Kündigungsschutzprozessen und der entsprechenden negativen Berichterstattung in der Presse rechnen. Siemens würde damit ca. zwei Jahre lang Restrukturierungskosten und negative Schlagzeilen mit sich ziehen. Es bestünde die Chance, dass die Mitarbeiter die Prozesse gewinnen und Siemens diese Mitarbeiter wieder in die Siemens AG integrieren müsste. Die Aktionäre würden mit Sicherheit ständig fragen, wann die Siemens AG sich endlich der Altlast Com entledigt.

Die Maßnahmen zum Com-Personalabbau sind am 31.10.2006 abgeschlossen mit der letzten Möglichkeit zur Unterschrift unter den beE-Vertrag. Da auch Enterprise zum 30.9.2006 ausgegliedert wird, wäre dann mit dem Betriebsübergang für Siemens - aber nur ohne Kündigungen - endlich das aus Siemens-Sicht leidige Com-Problem gelöst.

In der Betriebsratssitzung am 23.6.06 wurde geäußert, dass man davon ausgehen kann, dass alle Mitarbeiter, die nicht freiwillig gehen, zu Nokia Siemens Networks übergehen werden.

Alles weist darauf hin, dass der Betriebsübergang zu Nokia Siemens Networks bereits zum 01.11.2006 stattfinden wird (Begründung siehe hier). Da die Einigungsstelle erst nach dem 31.10.2006 angerufen werden soll, bleibt hierfür und für die Durchführung betriebsbedingter Kündigungen keine Zeit mehr.

Wir können natürlich nicht 100%ig ausschließen, dass Siemens kündigen wird. Deshalb haben wir auch diesen Fall betrachtet. Siemens müsste eine Sozialauswahl (wie auch immer diese aussehen mag) durchführen. Dadurch würden Mitarbeiter für die betriebsbedingten Kündigungen ausgewählt, die vorher einer diesmal eindeutig nachzuweisenden Versetzungssperre unterlegen haben. Dass diese Versetzungssperre verhängt wurde, betonte Klaus Kleinfeld u.a. auf der Pressekonferenz und in seinem CEO Blog
Frage an KK: "Hat sich Siemens verpflichtet, zu verhindern, dass Siemensmitarbeiter in andere Bereiche wechseln?" Antwort von KK: "Im Prinzip ist das so. … Es gibt … in der Tat ein "Freeze""
Diese Versetzungssperre würde eine Verletzung des ultima ratio Prinzips bedeuten (vor der Kündigung des Mitarbeiters muss Siemens versuchen alle milderen Mittel auszuschöpfen). Daher würden die Mitarbeiter einen Kündigungsschutzprozess gewinnen und müssten weiterhin bei der Siemens AG beschäftigt werden. Siemens könnte Nokia gegenüber den vertraglich zugesagten Übergang der Mitarbeiter nicht einhalten. Dazu Klaus Kleinfeld: "… darum haben wir gesagt, wir wollen hier … sicherstellen, dass die Leute, die heute das Geschäft … vorantreiben auch … mit überführt werden. … Wir wollen nicht, dass jetzt, sagen wir mal, das Geschäft ausblutet und wir nachher nur einen Teil rübergeben, das gilt für beide Seiten, auch für die Nokia Seite."

Schlussfolgerung:
Die Mitarbeiter müssen mit hoher Wahrscheinlichkeit keine betriebsbedingten Kündigungen befürchten. Die Mitarbeiter, die den blauen Brief erhalten, können in Ruhe alle ihnen durch die Angebote offen stehenden Möglichkeiten prüfen und den für sie optimalen Weg beschreiten. Dieser Weg kann auch sein, "Nein" zu den Angeboten zu sagen.
(cr/iw)

So, 25.06.06: NoSiNet: Kartellamt wird Joint Venture Nokia Siemens Network zustimmen
Das EU-Kartellamt wird laut Nokia (Internal presentation slides for Nokia personnel, Notizen zur Folie "Merger filing process") Ende Juli oder Anfang August benachrichtigt. Dieses hat einen Monat Zeit zur Prüfung. Nur bei Schwierigkeiten kann diese auf vier Monate verlängert werden (§40 I, II GWB*). Es ist nicht zu erwarten, dass das Kartellamt dieses Joint Venture ablehnt oder vertieft prüfen muss. Gemäß §19 II, III GWB gilt ein Unternehmen als marktbeherrschend, wenn es D.h. das neue Unternehmen gilt nicht als marktbeherrschend. Das Kartellamt wird folglich dem Zusammenschluss innerhalb der Monatsfrist zustimmen.

* Nach der EU-Kartellrechtsreform mit Wirkung ab 1.5.2004 müssen Kartellabsprachen nicht mehr, wie bisher, bei der EU-Kommission angemeldet werden. Vielmehr gilt jetzt eine gesetzliche Vermutung, dass die Absprachen so lange als wirksam anzusehen sind, als sie nicht von einer Wettbewerbsbehörde oder einem Gericht als unwirksam angesehen wurden (sog. Legalausnahme). Zudem wurden eine Reihe von Aufsichtsbefugnissen auf die nationalen Wettbewerbsbehörden und Gerichte übertragen, damit sich die Kommission künftig verstärkter auf bedeutsame Fälle beschränken kann.
(iw/cr)
Jetzt haben wir uns eine Pause verdient!

Nein, nicht ihr - wir ! (Sonntag 22.22 Uhr)
So, 25.06.06: PSE-Leitung zum Nokia Siemens Networks - Deal: "Ohne Zweifel ... deutliche Auswirkungen"
Nach dem am vergangenen Montag bekannt gegebenen Deal von Siemens (COM) mit Nokia versuchte auch die PSE-Leitung in Wien die „sehr geehrte“(n) MitarbeiterInnen in einer speziellen Rundmail zu „informieren“:
„Ohne Zweifel wird diese wichtige strategische Weichenstellung sowohl auf die gesamte Regionalgesellschaft Siemens Österreich als auch auf PSE als Bereich mit umfangreichem Telekom-Portfolio im speziellen deutliche Auswirkungen haben.“ „Viele Details“ seien zur Zeit jedoch „noch nicht fixiert“ aber „sowohl der Vorstand der Siemens AG Österreich als auch die Leitung und Management der PSE sind in diese Gestaltung der gemeinsamen Zukunft aktiv und intensiv eingebunden“.

Ok, die „deutlichen“ Auswirkungen sollten dem „intensiv eingebunden“(en) österreichischen Management schon bekannt sein, aber die „Details“ halt noch nicht - werden daher wohl später mitgeteilt, schloss der „sehr geehrte“ Mitarbeiter der PSE. In einer weiteren Aussendung des PSE-Betriebsrats musste er/sie jedoch erfahren, dass die Frage nach den „deutlichen“ Auswirkungen des Joint Ventures auf die MitarbeiterInnen der Siemens AG Österreich vom zuständigen Management „nicht beantwortet werden“ konnte.

Es bleibt dem „sehr geehrte(n)“ Mitarbeiter der österreichischen Siemens AG daher das beunruhigende Gefühl, dass er beim österreichischen Management wohl unter „viele Details“ läuft. Sonst würde er/sie ja hier und jetzt schon über die „ohne Zweifel … deutlichen Auswirkungen“ auf ihn/sie informiert werden.
(bp)

So, 25.06.06: Aufsichtsrat verhinderte Verkauf von Com an US-Investmentbank Merrill Lynch
Kleinfeld wollte die Netzwerksparte offenbar komplett an US-Investmentbank Merrill Lynch abgeben. Der Kaufpreis sollte bei 8 Mrd. Euro liegen, berichtete der Spiegel. Der Aufsichtsrat habe dies jedoch abgelehnt. Wozu baucht eine Investmentbank ein Telekommunikationsunternehmen, außer zum Spekulieren. Hedge Fonds fallen einem da sofort ein. Für die Arbeitsplätze wäre dies eine noch größere Katastrophe gewesen.

Kleinfeld ist also doch nicht so überzeugt von dem Nokia-Siemens Deal. Er wurde lediglich vom Siemens Aufsichtsrat dazu gezwungen, andere Lösungen zu suchen, die der Siemens Telekommunikationsparte eine Chance zum Überleben lassen. Damit hat sich Heinrich von Pierer zumindest zum Teil gegen Kleinfeld durchgesetzt.

Kleinfeld hält auch nach der Auflösung der Telekommunikationssparte für andere Unternehmensteile der Siemens AG, an seinem Konzept "Stellenabbau" und "Verkauf" fest. Was hat Kleinfeld vor? Will er den ganzen Siemens Konzern zerschlagen? Zumindest die Mitarbeitern, die nach Nokia Siemens Networks übergehen, können dies dann aus der Distanz verfolgen.
de.internet.com
Portrait:Kleinfeld
(iw)

So, 25.06.06: Führungsspitze von Nokia Siemens Networks steht

Nokia CEO Chief Executive Officer Firmenchef Simon Beresford-Wylie derzeit Executive Vice President und General Manager von Nokia Networks
Nokia COO Chief Operating Officer Leiter des operativen Geschäfts Mika Vehviläinen derzeit Senior Vice President & General Manager von Core Networks bei Nokia.
Siemens CFO Chief Financial Officer Finanz Vorstand Peter Schönhofer derzeit Mitglied im Vorstand der Siemens AG Österreich
Siemens CMO Chief Marketing Officer Marketing Vorstand Karl-Christoph Caselitz derzeit Leiter von Mobile Networks bei Siemens Communications
(iw)

Sa, 24.06.06: Modell beE 2006 und Zubehör gerade im Test

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
für einen kurzen Augenblick stehen keine Neuigkeiten auf der Homepage, obwohl es Euch unter den Nägeln brennt. Aber wir müssen zunächst umfangreiches Material sichten und die daraus gewonnenen Erkenntnisse zueinander in Beziehung setzen. Dazu brauchen selbst wir ein bisschen Zeit. Aber ihr hört ganz bald wieder von uns. Wir schweigen nicht und lassen Euch auf keinen Fall im Stich.

Eins bleibt unverändert:
Angebote von Staubsaugervertretern muss man sorgfältig prüfen. Vor allem muss man sich klar werden, ob man das Modell beE 2006* überhaupt braucht. Zu Staubsaugervertretern kann man "Nein" sagen, auch wenn sie dauernd wieder anläuten und so freundlich aussehen wie unser Tukki.

Wer mehr über Staubsaugervertreter und wie sie arbeiten wissen will,
der klicke hier


Gewinnspiel: 100 Jahre Siemens Staubsauger
Passend zu diesem Thema veranstaltet Siemens ein Gewinnspiel "100 Jahre Siemens-Staubsauger. Als Hauptgewinn winkt eine Reise nach Shanghai zur Formel 1 für zwei Personen. Ob damit auch ein Jobangebot in China verbunden ist, war leider nicht zu erfahren.

Je älter das Staubsauger-Modell ist, das man hat, desto größer ist die Gewinnchance.
zum Gewinnspiel


*Das Kleingedruckte:
Allerdings müssen wir zugeben, dass hier noch die Modelle 2005 vorgeführt werden. Aber das tut der Präsentation keinen Abbruch, da sie sich kaum unterscheiden. Wir bitten den geneigten Leser daher sich einfach 2006 statt 2005 zu denken und schon ist er Up-to-date.

(iw/cr)

Fr, 23.06.06: Rendite schlägt Tradition und Menschen
Werner von Siemens schrieb 1868 an seinen Bruder Carl: »Mir würde das verdiente Geld wie glühendes Eisen in der Hand brennen, wenn ich meinen Gehilfen nicht den verdienten Anteil gäbe.« Auch das wurde zur Tradition. Bei allen Krisen und Umbrüchen in der wechselvollen Geschichte des »Hauses Siemens« galt die Sorge um die Beschäftigten als eine der vornehmsten Aufgaben der Führung.

Diese Tradition ließ den Siemens Konzern fast 160 Jahre bestehen, ermöglichte es Kleinfeld erst an der Spitze dieses Konzerns zu stehen. Die Frage ist, wie viele Konzernchefs werden ihm noch folgen? "Der jetzige Schritt ... ist riskant, und weil es um einen der wenigen verbliebenen deutschen Konzerne mit Weltgeltung geht, bedeutet er auch für das ganze Land ein beunruhigendes Signal," schreibt die Süddeutsche zum Nokia Siemens Deal und betrachtet dies unter dem Gesichtspunkt sinnvoller Traditionen, für die ein Klaus Kleinfeld keinen Sinn hat.
Süddeutsche Zeitung
(iw)

Fr, 23.06.06: Abbauzahlen bei Com
Der Abbau von 1240 Mitarbeiter verteilt sich wie untenstehend. Zu bemerken ist, dass es sich hier nicht um Zahlen handelt, sondern um Menschen, die mit ihren Familien von diesem Abbau betroffen sind. Für diese Menschen bedeutet dies Unsicherheit, für manchen Angst. Wir können an diesen Zahlen, die wir hier veröffentlichen, zwar nichts ändern, aber wir können Euch Mut zusprechen und vor allem helfen, eine Basis für den Umgang mit einer solchen Situation zu geben.

Untenstehende Zahlen müssen noch die alten Planungszahlen sein, die der Arbeitgeber den Mitarbeitern vorgelegt hat. Wenigsten hier sollte er seine Planung der neuen Situation anpassen können. Trotzdem die Tabelle.

Bereich 2006 2007 Summe
Com CD 380 --- auf Com CD entfallen 380 abzubauende Arbeitsplätze. Das entspricht 75% der Com CD Mitarbeiter. Diese Zahl ist den Abbauzahlen von FN und MN enthalten (Auftragsentwicklung)
Com MN 100 100 Summe: 200 (inklusive zuarbeitende Com CD Bereiche)
Com FN 220 410 Summe: 630 (inklusive zuarbeitende Com CD Bereiche)
Com CS --- 30 Summe: 30
ESY 160 100 Summe: 260
ESS 40 80 Summe: 120

(iw)

Fr, 23.06.06: Nicht unter Druck setzen lassen!
Die Ereignisse überstürzen sich. Bekanntgabe des Joint Ventures Nokia Siemens in euphorischen Worten, Bekanntgabe einer beabsichtigen Auslagerung von Enterprise, Bekanntgabe eines Interessenausgleich/Sozialplan, verbunden mit Kündigungsdrohungen und Altersclustering. Die Mitarbeiter wissen nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht. Die Motivation in den betroffenen Siemensbetrieben ist mal wieder im Keller, Angst vor dem Damokles Schwert Kündigung überall zu spüren, verbunden mit immer wieder aufsteigender Wut gegen das Management und den GBR, der eine solche Vereinbarung abschließt. Das Bedürfnis nach Orientierung und Information ist groß.

Versuchen wir eine erste Ordnung. Ab 28.06.06 sollen die blauen Briefe an die betroffenen Mitarbeiter verschickt werden.

Diese Mitarbeiter müssen sich mit der Frage Aufhebungsvertrag, beE, Kündigung auseinandersetzen. Wieder herrscht hier die Unsicherheit vor, kündigt Siemens, wenn ja, wie sehen die Kündigungsbedingungen genau aus? Wir werden Euch bei diesen Überlegungen helfen. Wie ein Gesamtbetriebsrat, der verantwortungsvoll mit den Mitarbeitern umgeht, einer solchen Vereinbarung überhaupt abschließen kann kann, ist uns ein Rätsel. Er sollte Arbeitnehmer- nicht Arbeitgebervertreter sein. Wir werden den Interessenausgleich/Sozialplan noch im Detail analysieren und Euch natürlich vorstellen.

Fakt ist, dass niemand unter akutem Zeitdruck steht.

Darum, liebe Kolleginnen und Kollegen, durchatmen, die Informationen setzen lassen, die Emotionen abklingen lassen.

Klar ist, Siemens will Eure Unterschrift natürlich sofort, am liebsten gleich am 28.06.06. Entscheidend aber ist, was Ihr wollt und Ihr habt Zeit zu überlegen. Nutzt diese Zeit, informiert Euch, wägt ganz genau ab.

Das Wichtigste ist jetzt: Ruhe bewahren. Zwanzig Mal tief bis in den Bauch hinein zu atemen, hilft, dies zu erreichen.

"Egal wie deine Lage ist, du solltest immer entschlossen sein zu gewinnen." sagten schon die alten Japaner.
(iw)

Fr, 23.06.06: SAP: Betriebsrat gewählt
Vergangenen Mittwoch haben die ca. 10.900 wahlberechtigten MitarbeiterInnen der SAP AG von 8:00 Uhr bis 18:00 Uhr wählen können. Die Wahlbeteiligung lag bei 65 %. Das ist für eine Erstwahl sehr gut.

Das erste Ziel ist erreicht: Die SAP AG hat einen Betriebsrat. Die Zeit der vom Vorstand geduldeten ANV (Arbeitnehmervertretung) ist bei der SAP AG abgelaufen.

Die Belegschaft hat jetzt 37 Interessenvertreter (mind. 12 hauptamtliche) auf der Basis des Betriebsverfassungsgesetzes, statt wie früher, 8 zweckentfremdete "Arbeitnehmervertreter" aus dem Aufsichtsrat.

Die Liste PRO BETRIEBSRAT, die die Betriebsratswahl erkämpft hatte, ist drittgrößte Liste mit einem Stimmenanteil von 8,89 Prozent
IG Metall Heidelberg
(iw)

Fr, 23.06.06: TietoEnator: Widersprüchler nicht im Com-Sozialplan
Die Mitarbeiter, die dem Übergang zu TietoEnator widersprochen haben, fallen nicht unter den Interessenausgleich/Sozialplan für Com. Der Geltungsbereich des Interessenausgleich/Sozialplan erstreckt sich nur über Com. Da die Widersprüchler nach Aussage der Personalabteilung Com nicht mehr zugeordnet sind, gilt für sie dieser IA/SP nicht.

Wer unter diesen Umständen mit dem Gedanken spielt, seinen Widerspruch zurückziehen, der soll sich bei uns melden (info@nci-net.de).
(iw)

Fr, 23.06.06, 9:30: Interessenausgleich und Sozialplan zum aktuellen Com-Stellenabbau
Ab 28.06.06 wird die Betriebsleitung Briefe an die betroffenen Mitarbeiter schicken und ihnen Vertragsangebote zur Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses, inklusive Beratungsgespräche, anbieten. Diese Angebote werden Aufhebungsverträge und eine beE umfassen.
Ab 05.07.06 gibt es Informationsveranstaltungen zur beE
Ab 01.08.06 startet die beE.

Im Einzelnen enthält die Betriebsvereinbarung zum Stellenabbau 2006 folgende Eckpunkte:
  1. Versetzungen
  2. beE
  3. Aufhebungsvertrag
  4. Vorruhestandsregelungen
  5. Altersteilzeit im Blockmodell, maximal 2 Jahre
Die Personaldrehscheibe wird zum 01.08.06 eingestellt. 108 Mitarbeiter haben sich für diese registriert, 360 Stellen wurden den Mitarbeitern angeboten, davon 192 intern. Bisher erfolgte 1 Vermittlung.

Wir bitten alle Mitarbeiter, die eine blauen Brief erhalten, sich bei uns zu melden. Keine voreiligen Unterschriften, keine Panik, genaues analysieren der Situation, überlegtes Handeln. Wir unterstützen Euch - wie immer!
(iw)

Do, 22.06.06: NoSiNet: Überblick über den zeitlichen Ablauf

19.6.06 Bekanntgabe des Joint Ventures zwischen Nokia und Siemens
23.6.06 Bekanntgabe des Interessenausgleich/Sozialplan Com durch Arbeitgeber
30.9.06 Erste Abbauwelle abgeschlossen
vor dem 01.01.07 Kartellamt muss zustimmen
vor dem 01.01.07 und
vor der Information zum
Betriebsübergang
Überleitungsvereinbarung zum Betriebsübergang
vor dem 01.01.07 Unterrichtung über den Betriebsübergang zu Nokia Siemens Network durch Arbeitgeber
nach Unterrichtung Widerspruchsfrist von 4 Wochen beginnt zu laufen
31.12.06 Zweite Abbauwelle abgeschlossen
01.01.07 Start von Nokia Siemens Networks

(iw)

Do, 22.06.06: TietoEnator: Was wird aus den Widersprüchlern?
Die Mitarbeiter, die dem Betriebsübergang nach TietoEnator widersprochen haben, haben durch den Betriebsübergang keinen Arbeitsplatz mehr bei Com, sondern lediglich einen Arbeitsvertrag mit der Siemens AG. Daher gehen sie auch nicht zu Nokia Siemens Networks über. Dies teilte die Personalabteilung dem Betriebsrat mit.

Das bedeutet, so die Personalabteilung weiter, dass die Widersprüchler „zunächst bei der Siemens AG, aber außerhalb Com bzw. Nokia Siemens, ohne Aufgaben, ohne Geschäftsbetrieb und ohne organisatorische Geschäftszuordnung" bleiben.

Die Widersprüchler werden von der Betriebsleitung vorgeladen. Es wird ihnen dort angekündigt, dass ihnen ihr PC und Telefon weggenommen wird, bedauerlicherweise das übliche halt. Die Kollegen, die dem Übergang zu BenQ widersprochen haben und die noch nicht integrierten Kollegen, die ihren Kündigungsschutzprozess aus der beE heraus gewonnen haben, sitzen im „Auffanglager“ in der Ruppert-Mayer-Straße, teilweise sind sie freigestellt. Telefonanschlüsse funktionieren nicht richtig, ihre PCs sind größtenteils nicht angeschlossen. Es ist zu erwarten, dass auch die TietoEnator-Widersprüchler dorthin verschoben werden.
(iw/cr)

Do, 22.06.06: Wo ist der Betriebsrat?
Gestern wurden der Interessenausgleich und Sozialplan zum Abbau von 1200 Stellen bei Com mit dem GBR verabschiedet. Morgen von 14 – 17 Uhr findet eine Abteilungsversammlung für alle betroffenen Com-Bereiche statt, in der die Mitarbeiter vom Arbeitgeber darüber informiert werden.

Wo bleibt hier der lokale Betriebsrat? Das Betriebsratsgremium wurde bisher weder vom Arbeitgeber noch vom GBR ordentlich informiert. „… hat der Unternehmer den Betriebsrat über geplante Betriebsänderungen … rechtzeitig und umfassend zu unterrichten …“ (§111 I BetrVG) Warum fragt er nicht nach?

Wann hat der örtliche Betriebsrat diesem Interessenausgleich / Sozialplan zugestimmt? Der GBR ist dem lokalen Betriebsrat nicht übergeordnet (§50 I 2 BetrVG). Er kann folglich nur eine Empfehlung mit dem Arbeitgeber ausarbeiten. Der Betriebsrat kann zwar nach §50 II BetrVG „mit der Mehrheit der Stimmen seiner Mitglieder den Gesamtbetriebsrat beauftragen, eine Angelegenheit für ihn zu behandeln. Der Betriebsrat kann sich dabei die Entscheidungsbefugnis vorbehalten.“. Tatsache ist jedoch dass der BR den GBR nicht beauftragt hat, da kein entsprechender Betriebsratsbeschluss vorliegt. Die Verhandlungen mit dem GBR wurden von Arbeitgeberseite aus aufgenommen. Eigentlich sollte der Betriebsrat dem Interessenausgleich / Sozialplan zustimmen, bevor der Arbeitgeber diesen bekannt gibt und durchführt. Die fehlende Zustimmung des Betriebsrates könnte interessante Fragen in Gerichtsprozessen aufwerfen.

Wir hätten eine außerordentliche Betriebsversammlung zu einem so wichtigen Thema wie dem anstehenden Stellenabbau von 1200 Arbeitsplätzen erwartet. Wir hätten auch erwartet, dass der Betriebsrat Stellung zu dem Joint Venture mit Nokia nimmt. Schließlich handelt es sich um eine einschneidende Betriebsänderung, über die der Arbeitgeber ihn im Voraus hätte informieren müssen (§111 I BetrVG), was auch nicht passiert ist.

Warum verschenkt er unser Informationsrecht und sein Beteiligungsrecht? Warum überlässt der Betriebsrat alles dem Arbeitgeber?
(cr)

Mi, 21.06.06: Das sind schlechte Zeiten, wo der Mensch seiner Angst nicht nachgeben darf. (B. Brecht)

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wie wir an den E-Mails an NCI sehen können, herrscht große Unruhe und Unsicherheit im Betrieb über die Auslagerung wesentlicher Teile von Com zu Nokia Siemens Networks. Die einen sind beunruhigt über den Betriebsübergang, die anderen stellen sich die bange Frage: Was wird aus uns, die wir nicht dazu gehören, wenn wesentliche Teile von Com ausgelagert werden?

Diese Sorgen sind angesichts der Vergangenheit, der vielen nicht eingelösten Versprechen des Managements mehr als verständlich. Sagte Klaus Kleinfeld noch im Sommer 2004 "Das Geschäft mit den Mobiltelefonen sei für Siemens und die Telekommunikationssparte des Konzerns unverzichtbar." Im Sommer 2005 wurde dann die Handy Sparte an BenQ verkauft. Noch im Februar 2006 behauptete Kleinfeld angesichts der Spekulationen in der Presse über einen möglichen Verkauf von Com: "Ich habe nicht vor, Com zu verkaufen". Vier Monate später ist Com praktisch verkauft und die Siemens AG hat den Ausstieg aus der Telekommunikation eingeleitet.

Alle waren wohl überrascht von dieser Entscheidung, die so lapidar per E-Mail in den PC der Mitarbeiter flatterte. Das was als Information gedacht war, wirkte wie ein Schock. "Als ich in der Früh durch den Flur ging, fiel mir auf, dass in allen Räumen, zu denen die Tür offen, stand große Hektik herrschte. Wusste jedoch noch nicht warum. Das war gerade zu der Zeit als die Kleinfeld-Email bei uns so der Reihe nach eintrudelte.", schrieb eine Mitarbeiterin. In den Büros herrschte großes Durcheinander. Es wurde und wird diskutiert, was das nun alles zu bedeuten hat. Ist es besser bei FN zu sein oder bei MN? Bleibt überhaupt noch ein Stein auf dem anderen? Plötzlich sind alle betroffen, Mitarbeiter wie Chefs. Der Stellenabbau, der diesem Betriebsübergang vorausgehen soll, erscheint im anderen Licht.

Viele spüren das erste Mal, dass unternehmerische Entscheidungen keine Rücksicht nehmen auf das eigene Bedürfnis nach einem sicheren Arbeitsplatz, dem routinemäßigen Alltag, den man sich plötzlich zurück wünscht. Manche sind souverän, zumindest nach außen, andere zeigen ihre Ängste.

Ein wenig spürt wohl jeder, dass die Ära Siemens für die Com Mitarbeiter zu Ende geht und vielen stellt sich die Frage nach einer unbekannten und schlecht einzuschätzenden Zukunft. Da helfen auch keine euphorischen Worte des Managements über einen Deal, von dem die Mitarbeiter überrascht wurden wie von einem plötzlich aufkommenden Sturm.

Ohne Gefühl für die Menschen werden die Mitarbeiter mit Euphorie überschwemmt, diejenigen als unwillig dargestellt, die es wagen ihre Bedenken zum Ausdruck zu bringen. Gleichzeitig wird von einer Versetzungssperre gesprochen und so das Gefühl erzeugt, in einer Situation gefangen zu sein, die man nicht wollte und aus der man sich befreien will. Die Frage nach einem Widerspruch gegen diesen Betriebsübergang taucht auf, gibt das Gefühl sich befreien zu können und so landet sie vielfach hier bei uns, begleitet von der unterschwelligen Angst vor Kündigung im neuen Unternehmen und der Frage wie das alles nun wirklich sei.

Darum, liebe Kolleginnen und Kollegen, dieser offene Brief an Euch.

Lasst uns gemeinsam die Gedanken sortieren, die Gefühle ordnen, Vor- und Nachteile abwägen. Schritt für Schritt wollen wir das auf dieser Homepage tun. Stellt uns Eure Fragen, redet über Eure Sorgen und Ängste. Fragen stellen, Antworten suchen, bekommen, diskutieren, hilft, die unbekannte Situation begreifbar zu machen und verhindert die Isolierung. Man sollte in einer solchen Situation nicht überstürzt handeln und alleine bleiben. Ihr könnt sicher sein, dass wir Euch alles, was wir wissen mitteilen.

Es liegt kein Grund zur Eile vor. Wir haben Zeit. Bitte keine übereilten Mails oder gar Widersprüche an Siemens.

Wir bezeichnen NCI oft als ein großes stabiles Schiff, das schon viele Kolleginnen und Kollegen durch manchen Sturm begleitet hat. Manche haben einen neuen Heimathafen gefunden, den sie ohne NCI nicht gefunden hätten. Unser Schiff hat Platz für jeden, der nicht gerne alleine über ein unbekanntes Meer treibt, egal, ob er oder sie vom Betriebsübergang zu Nokia Siemens Network betroffen ist oder nicht.

Wir verstehen viel von der Seefahrt durch unbekannte Gewässer, haben gute Nautiker und den Willen mit allen, die auf dem Schiff sind, in einen neuen sicheren Hafen zukommen.
(iw)

Mi, 21.06.06: NoSiNet: Geschäftsgebiete in München
Wie bereits bekannt wird die Firmenzentrale des in der Niederlande registrierten Unternehmens Nokia Siemens Network im Großraum Helinki angesiedelt sein. Der genaue Standort steht noch nicht fest. In München wird der Hauptsitz für Deutschland sein.

Die Geschäftsbereiche Service Core and Applications, IP Networking und Transport sowie fixed Broadband Access werden in München, die Geschäftsbereiche Radio Access und Operation Support System werden in Finnland angesiedelt sein. Der Standort für Service Business wird noch gesucht.
(iw)

Mi, 21.06.06: NoSiNet - der Superlativ für alle?
"Ich bin absolut überzeugt davon, dass wir die bestmögliche Lösung für Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre geschaffen haben," sagte Klaus Kleinfeld auf der Pressekonferenz zum Nokia Deal am 19.06.06.

Wir? Ist das der Plurale Majestatis? Weder Heinrich von Pierer noch Thomas Ganswindt haben sich bisher (positiv) zu diesem Deal geäußert. Was ist denn deren Meinung dazu? Zumindest mich hätte das schon interessiert.

Was bedeutet das Joint Venture für die COM-Mitarbeiter? Einen Meilenstein für unsere Zukunft? Die Stimmung auf dem Com-All-Hands-Meeting in der Hofmannstraße war nicht so positiv - mal abgesehen von zwei Begeisterten. Mehr habe ich nicht gezählt. Der Abbau von 9000 Mitarbeitern, schon mal vorweg zugegeben, lässt nichts Gutes für unsere Zukunft ahnen. Wie hoch ist die Zahl dann am Ende tatsächlich? In der Presse wurde bereits über einen Abbau von 20% spekuliert. Analysten sprechen sogar von einem Abbaupotenzial von 30 Prozent.

Die neue Firma geht mit geplanten Restrukturierungskosten von 1,5 Mrd. plus einem Darlehen von 1 Mrd. (je die Hälfte von den Konzernmüttern stammend) an den Start. Synergieeffekte sollen rund 1,5 Mrd. Euro in den nächsten vier Jahren erbringen. Davon entfallen 90 Prozent auf die ersten beiden Jahre.

Wie war das damals beim enthusiastisch gefeierten Com-Merge mit den dort geplanten Synergieeffekten? Irgendwie muss es an uns vorbeigegangen sein, dass diese tatsächlich eingetreten sind. Wie auch immer, bevor NoSiNet in die schwarzen Zahlen kommt, müssen die Mitarbeiter erstmal 2,5 Mrd. EUR erwirtschaften. Damit man die Größenordnung einschätzen kann hier mal die Zahl mit sämtlichen Nullen: 2.500.000.000 EUR.

Einen Vorteil hat das Joint Venture vielleicht für die Carrier-Mitarbeiter. Unser Siemens-Top-Management, das die ICN / ICM- und später Com-Sanierung nicht geschafft hat, wird durch Management von Nokia ersetzt. Hoffen wir mal, dass dieses das Geschäft besser beherrscht. Wenn Klaus Kleinfeld mit den Ausgliederungen bei Siemens in dem Tempo weitermacht, wird irgendwann nichts mehr zu managen übrig bleiben. Was lernen wir daraus? Andere Firmen werfen das Management raus, wenn es versagt. Bei Siemens macht man das umgekehrt.

"Ein solch großer Schritt für unser Unternehmen und unsere Mitarbeiter muss in seiner positiven Auswirkung erklärt werden, denn er lädt auch zu negativen Interpretationen ein, vor allem bei denjenigen, die nicht verstehen (wollen), dass dies eine herausragende Gelegenheit ist, uns für die Zukunft zu stärken und Erfolg sicherzustellen." so Klaus Kleinfeld in seinem Onlinetagebuch. Das erinnert, mit Verlaub gesagt, an das manipulative rhetorische Stilmittel der vorauseilenden Diffamierung. Jeder, der sich zu diesem Joint Venture also negativ äußert wird von vornherein als dumm abqualifiziert, weil er "nicht verstehen will oder kann".

Aus Analysten-, Aktionärs- und Managersicht kann man diesen Deal sicher positiv bewerten, Mitarbeiter können aber durchaus auch negative Seiten erkennen und sollten nicht zögern, diese auch offen anzusprechen. Olli-Pekka Kallasvuo ist, wie er auf der Pressekonferenz sagte, überzeugt von der hohen Qualifikation der Siemens Mitarbeiter. Dann sollte deren Meinung auch Gehör finden.

Wenn Klaus Kleinfeld den Mitarbeitern garantiert, dass niemand die nächsten Jahre seinen Arbeitsplatz verliert, dann, ja dann, wäre NoSiNet ein Superlativ für alle.
(Bartholomäus Bissig)

Mi, 21.06.06: Enterprise - Verkauf an Avaya wahrscheinlich
Siemens wird Enterprise in eine eigene Siemensgesellschaft überführen. Dieser Carve-Out-Prozess soll weltweit spätestens bis zum 30.09.06 abgeschlossen sein. Darüber hinaus steht Siemens über den Verkauf dieser Gesellschaft in Verhandlungen mit Nortel, Avaya, Kohlberg Kravis Roberts & Co (KKR). Zu KKR ist der ehemalige Siemensfinanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger als Berater gewechselt. Als wahrscheinlichster Käufer wird das US-Unternehmen Avaya eingestuft. Der Verkauf an KKR gilt am unwahrscheinlichsten.
(iw)

Di, 20.06.06: NoSiNet: Wird es eine Versetzungssperre vor dem Betriebsübergang geben?
Sowohl beim Betriebsübergang zu BenQ als auch zu TietoEnator gab es eine Versetzungssperre für die betroffenen Mitarbeiter. Natürlich stellt sich sofort die Frage, ob von dem Joint Venture Nokia Siemens Networks betroffene Mitarbeiter Chancen haben, Siemensinterne Stellen außerhalb des Com-Bereichs zu bekommen.

Siemens erklärte, dass die neue Partnerschaft erfolgreich starten soll und setzt voraus, dass dies in jedermanns Interesse läge. Deshalb wird Siemens Bewerbungen aus dem Carrier Bereich (MN, FN und CS, sowie diesen zuarbeitende Mitarbeiter) nicht aktiv unterstützen. Das lässt vermuten, dass auch hier eine Versetzungssperre verhängt wird und für Versetzungen die Genehmigung des Bereichsvorstandes eingeholt werden muss.

Dennoch kann sich natürlich jeder auf eine andere Position im Unternehmen bewerben. Bitte informiert den Betriebsrat des Standortes, wo Ihr Euch beworben habt, über Eure Bewerbung.

Fraglich ist, wie eine solche Versetzungssperre mit der Personaldrehscheibe vereinbar ist. Wir erwarten, dass ähnlich wie beim Übergang zu TietoEnator die Mitarbeiter mit Spezialkenntnissen identifiziert und festgehalten werden.
(cr)

Di, 20.06.06: NoSiNet: Joint Venture ist ein Betriebsübergang
Das Joint Venture Nokia-Siemens (kurz NoSiNet) ist rechtlich gesehen ein Betriebsübergang nach §613a BGB. Damit gehen alle im Zeitpunkt des Übergangs existierenden Arbeitsverhältnisse über, es sei denn der Mitarbeiter macht von seinem Widerspruchsrecht Gebrauch. In diesem Fall geht zwar der Arbeitsplatz, nicht jedoch das Arbeitsverhältnis über. Der neue Betriebsinhaber tritt in alle zum Zeitpunkt des Übergangs bestehende Rechte und Pflichten bzgl. der Arbeitsverhältnisse ein. Eine Kündigung der Arbeitnehmer wegen des Betriebsübergangs ist zwar ausgeschlossen, wegen Arbeitsmangel und fehlendem Arbeitsplatz jedoch zulässig.
Details
(iw)

Di, 20.06.06: TietoEnator: Auswirkungen des Joint Ventures Nokia-Siemens auf TietoEnator
Wie Siemens und TietoEnator den übergehenden Mitarbeitern mitteilte, wirkt sich der Zusammenschluss von Siemens und Nokia nicht auf den Betriebsübergang TietoEnator aus. Die TietoEnator zugesicherten Aufträge seien nicht gefährdet, was nicht verwunderlich ist, da es sich um Wartungstätigkeiten im EWSD Bereich und um Auftrag von Siemens VDO handelt. TietoEnator rechnet mit einem wachsenden Auftragsvolumen durch den Zusammenschluss von Siemens und Nokia. Bei TietoEnator arbeiten ca. 1000 Mitarbeiter in Projekten für Nokia und ca. 600 in Projekten für Siemens.
(iw)

Di, 20.06.06: Machtkampf Kleinfeld - Pierer entschieden?
Der Machtkampf Kleinfeld - Pierer scheint mit der Bildung des Joint Ventures zwischen Siemens und Nokia entschieden zu sein. Pierer gelang es nicht die Kommunikationssparte im Siemens Konzern zu halten. Kleinfeld hat sich durchgesetzt. Darauf deutet auch hin, dass von Thomas Ganswindt, der im Vorstand für Com verantwortlich ist, nichts zu sehen und zu hören war. Ganswindt hatte es übernommen alle Vertreter der Arbeitnehmer in Deutschland, während ihrer Tagung in Bad Kissingen über die Entscheidungen zu COM zu informieren. Deshalb konnte er nicht zeitgleich in München sein. Spuren des Machtkampfes sind jedoch auch Kleinfeld anzumerken. Warum sonst hätte er sich auf der gestrigen Mitarbeiterveranstaltung über die dort vorgelesene Schlagzeile der SZ "Siemens trennt sich von seinen Wurzeln" so aufregen sollen?

Doch es ist wahr, Siemens hat sich von seinen Wurzeln getrennt. Fakt ist, in diesem Joint Venture hat Nokia die Führung. Nokia stellt den Vorstandsvorsitzenden, Firmensitz ist Helsinki und es ist zu erwarten, dass Nokia sich dies nicht mehr nehmen lässt. Siemens spielt auch nach Einschätzung der Presse und der Analysten bei Nokia-Siemens Networks die zweite Geige. Manche Analysten werten dies als Zeichen dafür, dass sich Siemens mittel- bis langfristig ganz aus der Telekommunikation aussteigt. Damit hat Siemens ein wichtiges und zukunftorientiertes Geschäftsfeld aufgegeben. Darüber kann auch die Euphorie des Siemens Managements in der gestrigen Pressekonferenz nicht hinwegtäuschen. Es erinnert ein wenig an die Geschichte von Jakob und Esau, in der Esau sein Erbe um ein Linsengericht verkaufte, um seinen kurzfristigen Hunger zu stillen.
(iw)

Di, 20.06.06: Stellenabbau bei Com geht weiter
Der bisher bekannte Stellenabbau von 1200 Arbeitsplätzen bei Com geht unverändert weiter. Der Abbau von 6000 bis 9000 Arbeitsplätzen im Rahmen des Joint Venture zwischen Siemens und Nokia entsteht zusätzlich.
(iw)

Di, 20.06.06: Zuarbeitende Bereiche gehen mit zu Nokia Siemens Networks
Kollegen, die bisher für den übergehenden Bereiche FN, MN, CS zugearbeitet haben, gehen ebenfalls mit über. Dies betrifft beispielsweise Kollegen von CT und CD. Um Missverständnisse zu vermeiden. Es gehen nur einzelne Kollegen, nicht ganze Bereiche über.
(iw)

Mo, 19.06.06: Zusammenfassung der Pressekonferenz zum Joint Venture Nokia - Siemens
Geredet wurde viel, konkretes gesagt wenig. Der Zuhörer hatte den Eindruck, dass mit dem Joint Venture Nokia-Siemens ein Jahrhundert Coup geglückt ist. Historisch sei der Vorgang und einmalig. Obwohl Nokia-Siemens Network kleiner ist als die beiden Konkurrenten Ericcson und Alcatel/Lucent wird sofortiger Cash Flow, zweistellige Margen und Marktführerschaft erwartet. Das Kapital seien die Mitarbeiter.

Dies stimmt ein wenig bedenklich, denn Mitarbeiter zu Kapital zu machen, umzusetzen in zweistellige Margen bedeutet Entlassungen, insbesondere da bereits jetzt Synergieeffekte von 1,5 Mrd. Euro bis 2010 identifiziert worden sind. Fest steht, dass dies einen Stellenabbau von 10 bis 15 Prozent der Mitarbeiter entspricht. 6000 bis 9000 Mitarbeiter laufen Gefahr ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Nichtdestotrotz versäumte es das Management nicht, die hohe Qualifizierung der Mitarbeiter in beiden Unternehmen zu betonen. Auf die Frage von Journalisten, ob Siemens oder Nokia stärker vom Personalabbau betroffen ist, gab es nur eine ausweichende Antwort: "Wir wissen noch nicht, was die nächsten 6 Monate geschieht." Fest steht: "Für die Aktionäre ist das eine außerordentliche positive Entwicklung", sagte Klaus Kleinfeld. Die Siemens Aktie reagierte prompt und stieg.

Zusammenfassend kann man sagen: Com besteht noch bis Ende 2006. Für Enterprise wird fieberhaft eine Lösung gesucht. Diese wird in einem Verkauf à la BenQ bestehen. An ein Joint Venture, also an eine weiter Beteiligung von Siemens, denkt man hier nicht.

Stolz ist man darauf, dass dieser Deal nach Aussage des Managements innerhalb von drei Wochen über die Bühne gegangen ist. Erfreulicherweise schwieg auch der GBR, was Siemens wohl sehr erfreut hat, die Mitarbeiter am GBR eher zweifeln lässt. "Wir haben ein Kind bekommen, und das nicht in neun Monaten, sondern in drei Wochen" so ein stolzer Vater aus dem Management. Allerdings ist zu bedenken, dass ein Kind, das bereits nach drei Wochen geboren wird, nicht überlebensfähig ist. Hoffen wir für Nokia-Siemens-Netzwork das es hier anders ist.

Die Mitarbeiter bei Com und möglicherweise auch Nokia müssen sich auf turbulente Zeiten einstellen. Wir werden Euch auch hier wieder unterstützen. Bitte schickt uns Informationen, was so an den verschiedenen Fronten passiert. Je mehr wir haben, desto besser können wir agieren.

Hier eine Zusammenfassung der Pressekonferenz zum Nachlesen.
Auf der Siemens Internet-Seite ist sie hier anzuhören
(iw)

Mo, 19.06.06: Com zerschlagen - Siemens verabschiedet sich von der Telekommunikation
Die Com-Bereich Fixed Networks (FN), Mobile Networks (MN) und Carrier Services (CS) werden aus der Siemens AG ausgelagert und in ein Joint Venture mit Nokia übergeführt. Wireless Modules wird zum 1.10.06 zu Automation&Drives (A&D) übergeführt . Über Enterprise wird verhandelt.

Ein Joint Venture (zu deutsch Gemeinschaftsunternehmen) ist eine neue rechtlich selbständige Geschäftseinheit. Siemens und Nokia sind zu je 50% an dem neuen Unternehmen beteiligt. Der Umsatz des neuen Unternehmens beträgt 16 Milliarden Euro. Geschäftsführer auf Siemensseite wird nach Pressemeldungen Peter Schönhofer. Drei Geschäftsbereiche sollen in München angesiedelt werden. Der Hauptsitz von Nokia ist Helsinki, Finnland. In Deutschland ist der Hauptentwicklungsstandort von Nokia Düsseldorf. Darüber hinaus besitzt Nokia eine Fertigung in Ulm.

Von dem Zusammenschluss sind 60.000 Menschen betroffen. Dem Zusammenschluss sollen 6000 bis 9000 Stellen zum Opfer fallen, das sind 10 bis 15 Prozent der Belegschaft.

Obwohl die Zerschlagung von Com seit Monaten in der Luft lag, sind die Mitarbeiter über den zu diesem Zeitpunkt überraschenden Coup geschockt. Das Verhalten des Managements in der Vergangenheit beweist deutlich, dass den Worten des Management kein Glauben geschenkt werden kann und die Stillhaltepolitik des Gesamtbetriebsrat, der örtlichen Betriebsräte und der Gewerkschaft kein wirksames Gegenkonzept gegen das Handeln des Arbeitgeber darstellt.
(iw)

So, 18.06.06: Auf Jeden kommt es an!
Was man mit offener Kommunikation, Zusammenführung von Informationen, Einsatz von Know How und systematischer Analyse verschiedenartigster Informationen, die von Euch stammen, erreichen kann, zeigen die Erfolge von NCI der letzten drei Jahre.

Über die nackte Rechtslage können wir immer informieren, das ist kein Problem. Das funktioniert auch ohne Information von Euch. Die Erfahrung zeigt, dass die abstrakte Information über die Rechtslage für Eure Entscheidungen jedoch nicht genügt. Für Euch lebendig und in der Praxis anwendbar werden Paragraphen erst, wenn Ihr uns über die Vorgänge, Gerüchte, Versammlungen in Eurer Abteilung in E-Mails berichtet und Fragen darüber stellt, was Euch noch unklar ist und was Euch beschäftigt. Wer erst aktiv wird, wenn das Kind nicht nur in den Brunnen gefallen, sondern schon ertrunken ist, der hat bereits verloren, daran kann keiner mehr etwas ändern.

Wie erfolgreich wir gemeinsam sein können, zeigen folgende Beispiele:

TietoEnator
Zurzeit wendet der Arbeitgeber das Mittel Betriebsübergang an, um Bereiche zu sanieren. Vor etwa einem Jahr haben wir unsere Kollegen bei Com MD und CPE, jetzt BenQ bzw. SHC, wie zuvor auch die Sinitec-Kollegen, die zur A&O übergegangen sind, über die Rechtsfolgen eines Betriebsübergangs aufgeklärt und ihre persönliche Situation in E-Mails mit ihnen diskutiert.

Im Fall von TietoEnator sind wir aufgrund von Nachfragen noch wesentlich weiter gegangen. Wir haben die Entscheidungsgrundlagen angefangen mit Geschäftsmodell und Geschäftsentwicklung bis hin zur Mitarbeiterentwicklung bei TietoEnator recherchiert und analysiert. Wir erfuhren von der Geheimniskrämerei um die Protokollnotiz durch Mitteilung aufmerksamer Kollegen. Wir konnten das Geheimnis aufdecken und veröffentlichten den Inhalt der Protokollnotiz. Auf diese Weise konnten alle Betroffenen die eigentlich wichtigen Informationen bzgl. dieses Betriebsübergangs nachlesen. Inzwischen haben die Kollegen die 3-jährige Nicht-Kündigungsgarantie auch schriftlich erhalten.

Keine Kündigungen mehr nach Gutsherrenart
Durch das konsequente Ausschöpfen der rechtlichen Möglichkeiten (Kündigungsschutzklage, Klage auf vertragsgemäße Beschäftigung usw.), verbunden mit solidarischem Handeln und Öffentlichkeitsarbeit hat Siemens von weiteren betriebsbedingten Kündigungen und systematischem Arbeitsentzug abgesehen. Damit haben die Mitarbeiter am Siemens Standort Hofmannstraße erreicht, dass das Konzept "die Mitarbeiter werden es ohnehin nicht wagen gegen einen Weltkonzern zu klagen" nicht aufgegangen ist. Kündigen nach Gutsherrenart wurde kein Erfolgsmodell für Siemens.

Keine Sozialauswahlkriterien und betriebsbedingten Kündigungen bei Com FN
Beim Stellenabbau 2005 standen Auswahlrichtlinien im Raum. Wir befürchteten, dass der Arbeitgeber, diese mit dem Betriebsrat vereinbaren wollte und dass dafür die in der Betriebsvereinbarung vereinbarte Einigungsstelle vorgesehen war. Durch die Vereinbarung strategischer Cluster (= Kombination aus Alters- und Funktionsclustern) wäre es möglich gewesen, nahezu jeden Mitarbeiter gezielt herauszufiltern und diesen auf die Kündigungsliste zu setzen. Mit der Folge, dass er keine oder nur sehr geringe Chancen gehabt hätte, seinen Kündigungsschutzprozess zu gewinnen. Durch unsere intensive Aufklärung machten wir den Mitarbeitern deutlich, dass Sozialauswahlkriterien in einer Einigungsstelle nur mit Zustimmung des Betriebsrats zu verhandeln sind.

Reintegration der Schwerbehinderten und Jubilare
Den nicht gekündigten Schwerbehinderten und Jubilaren wurde wie den Gekündigten 2002/03 die Arbeit entzogen. Ihnen drohten die Versetzung zum Airport und damit eine mögliche Betriebsschließung. Dies wurde durch konsequentes und solidarisches Handeln und vor allem durch eine massive Öffentlichkeitsarbeit verhindert. Die Abteilung PRA, in der sie dann zusammengefasst wurden und über vorübergehende Projekteinsätze auf feste Arbeitsplätze vermittelt werden sollten, ist aufgelöst. Sowohl die Schwerbehinderten als auch die Jubilare sind wieder integriert worden.

Begleitung der gekündigten Kollegen durch ihre Kündigungsschutzprozesse und ihre Reintegration
Wir haben erreicht, dass alle Kollegen durchgehalten und ihre Kündigungsschutzprozesse in erster und auch zweiter Instanz gewonnen haben. Durch gelebte Solidarität, Begleitung zu den Arbeitsgerichtsprozessen und nicht zuletzt durch die Prozessberichterstattung wurde dies erst ermöglicht. Wir haben erreicht, dass die LAG-Gewinner wieder auf einem vergleichbaren Arbeitsplatz integriert wurden.


Aufhebung der Isolation
Durch intensive Gespräche, E-Mails und persönliche Treffen und auch durch Gruppentreffen ist es uns gelungen zu verhindern, dass Kollegen isoliert und in Mobbing-Situationen allein gelassen wurden. Viele Emotionen konnten auf diese Weise aufgefangen werden, sodass keiner in dieser schwierigen Zeit verzweifeln musste.

Aufklärung der Kollegen über Arbeitnehmerrechte
In zahllosen Gesprächen haben wir Kollegen über Rechte der Arbeitnehmer in den unterschiedlichsten Situationen aufgeklärt. Im Arbeitsrecht-ABC auf unserer Homepage haben wir darüber hinaus zu allen Themen, die in den letzten drei Jahren akut geworden sind, ausführliche und hilfreiche Informationen zusammengestellt. Mit ihrer Hilfe ist es leicht, den eigenen Fall zu beurteilen und zu entscheiden, welchen Weg man einschlagen soll.

Auf jeden kommt es an!
Eure E-Mails können Arbeitsplätze retten!

(iw/cr)

Sa, 17.06.06: TietoEnator: Zeugnis beim Betriebsübergang / nach Widerspruch
Alle vom Betriebsübergang zu TietoEnator betroffenen Kollegen, die das noch nicht getan haben, sollten umgehend ein qualifiziertes Zeugnis von Siemens beantragen. Im Falle der Kollegen, die übergehen ist dies ein Abschlusszeugnis, Rechtsgrundlage für diesen Anspruch bildet §109 I GewO (Gewerbeordnung):

(1) Der Arbeitnehmer hat bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis. Das Zeugnis muss mindestens Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit (einfaches Zeugnis) enthalten. Der Arbeitnehmer kann verlangen, dass sich die Angaben darüber hinaus auf Leistung und Verhalten im Arbeitsverhältnis (qualifiziertes Zeugnis) erstrecken.

Auch die Kollegen, die dem Übergang widersprochen haben, können ein Zwischenzeugnis verlangen, da sie ein berechtigtes Interesse daran haben. Ein berechtigtes Interesse hat man bspw. bei einer Versetzung, vor einer längeren Arbeitsunterbrechung (z. B. Elternzeit) oder wie hier beim Widerspruch gegen einen Betriebsübergang.

Dieses Zwischen- bzw. Abschlusszeugnis wird nicht nur für externe Bewerbungen benötigt, es kann zusammen mit den vorhandenen EFA-Bögen untermauern, welche Tätigkeiten man gemacht hat und welche Fähigkeiten man hat. Die Kompetenz des Arbeitnehmers wird vom Arbeitgeber in Kündigungsschutzprozessen gerne in Zweifel gezogen. Daher ist das Zeugnis insbesondere nach dem Widerspruch gegen den Betriebsübergang wichtig, da hier gegebenenfalls aufgrund des Wegfalles des Arbeitsplatzes eine betriebsbedingte Kündigung ausgesprochen werden könnte.

Lasst das Zeugnis überprüfen, denn unsere Erfahrung ist, dass die Formulierungen im Zeugnis häufig schlecht ausfallen.
(cr)

Sa, 17.06.06: Schweigender Verkauf
Alles schweigt. Private-Equity-Haus Triton, das Dematic Management, Siemens. Schweigen muss eine gewinnbringende Innovationsidee sein. Ich bin da ganz sicher, sonst würde ja nicht dauernd geschwiegen.

Dass ich nicht schweigen kann, unterstellt mir inzwischen jeder. Dabei stimmt das gar nicht. Ich will nur nicht schweigen. Dass Siemens vom Schweigen begeistert ist, wissen wir. Aber über was schweigt das Management von Dematic nun? Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Millionenbeträge aufgebracht hat, um den Siemens auszuzahlen. Schweigt das Management etwa über den symbolischen Preis von 1 €, damit ein Kaufvertrag zustande kommt und es keine Schenkung wird? Für letztere könnte nämlich Schenkungssteuer anfallen und dass man diese sparen will, ist wirklich sehr weitsichtig und innovativ. Schließlich könnte man das eingesparte Geld investieren. Fragt sich nur in was. Darüber wird auch geschwiegen.

Und Private-Equity-Haus Triton, warum schweigen die? Irgendwie geht mir die ganze Zeit BenQ im Kopf herum ...
... aber jetzt hülle ich mich in Schweigen.
(Bartholomäus Bissig, kurz BB)

Sa, 17.06.06: Siemens verkauft Dematic
Siemens verkauft die Dematic GmbH & Co. KG an das europäische Private-Equity-Haus Triton sowie an das Management von Dematic. Von diesem Betriebsübergang sind ca. 4000 Mitarbeiter betroffen. Über Einzelheiten der Übernahme und den Kaufpreis haben beide Unternehmen Stillschweigen vereinbart. Die Kartellbehörde muss diesem Verkauf noch zustimmen.
(iw)

Do, 15.06.06: Don't turn your head away from what you see
Hachioji Japan. Universitätsstadt im Großraum Tokio. Acht Uhr morgens. Tetsuro Tanaka beginnt vor den Werkstoren des Technologiekonzerns Oki zu singen. Jeden Morgen singt er hier seit dem 30. Juni 1981.

Ein Verrückter wird schnell geurteilt, einer an den man sich gewöhnt hat. Oder einer, der nicht bereit ist wegzusehen, der daran glaubt, dass auch ein Einzelner etwas bewegen kann?

Es begann 1978. Oki entließ 1300 Mitarbeiter. Tanaka konnte sich glücklich schätzen. Er behielt seinen Arbeitsplatz. Tanaka konnte nicht verstehen, dass die Gewerkschaft nicht gegen diese Entlassungen protestierte.

Um die Verbleibenden wieder Einzuschwören verlangte Oki bald nach den Entlassungen von den Verbliebenen, ihre Loyalität zur Firma durch gemeinsame Morgengymnastik zu beweisen: Wer nicht mit uns turnt, ist gegen uns, sagte die Firmenleitung. Und wer sich mit Verrätern abgibt, ist selbst einer. Tanaka blieb an seinem Schreibtisch. Als Einziger.

Oki duldete den leisen Protest nicht. Der Widerstand eines Einzelnen musste im Keim erstickt werden. Arbeitsentzug, minderwertige Arbeiten, Diskriminierung, Gehaltskürzung, Zwangsversetzung, Kündigung für Tanaka waren die Folge. Wäre es nicht klug gewesen Tanaka hätte die eine Morgengymnastik mit gemacht? Die meisten dürften so denken.

Doch Tanaker wollte sich seine Meinung nicht abpressen lassen. Er protestierte, wo alle anderen schwiegen. Er protestiert gegen Diskriminierung und Einschüchterung. "Don't turn your head away from what you see" singt er.

Was wäre gewesen, wenn die befohlene Morgengymnastik zu einem freien Protest am Schreibtisch geworden wäre und mit Tanaker andere gesungen hätten? Die Geschichte von Oki wäre wohl anders verlaufen, die von Tanaker sicherlich.
Spiegel Online
(iw)

Mi, 14.06.06: Wie Informationsvakuum Gewinnsteigerung verhindert und damit Arbeitsplätze gefährdet
Gewinnsteigerung durch verbesserte Projektkompetenz haben wir dem Siemens Management bereits empfohlen. Dazu muss die Projekteffektivität und die Projekteffizienz gleichermaßen gesteigert werden, d.h. es müssen die richtigen Produkte entwickelt werden und die Projekte müssen richtig durchgeführt werden. Dazu gehört klare Ziele zu setzen, eine realistische Zeit- und Ressourcenplanung, gutes Controlling und eine intelligente Zusammensetzung des Teams, in dem sich Stärken ergänzen und Schwächen ausgleichen.

Wie Mitarbeiter immer wieder berichten, existieren im Sprachgebrauch bei Com zwar all diese Schlagworte, aber die Realität sieht anders aus. Es gelingt nicht, die Schlagworte oder sagen wir besser Ziele so umzusetzen, dass daraus ein Mehrwert für Mitarbeiter und Unternehmen erzeugt werden kann. Warum ist das so?

Ein Grund liegt aller Wahrscheinlichkeit nach in einer falschen Selbsteinschätzung von Führungskräften. Eine Analyse von 177 verschiedenen Untersuchungen, in denen über 28.000 Manager beurteilt wurden, zeigt, dass Leistungsfeedback immer weniger aufschlussreich wurde, je höher die Position oder je komplexer die Rolle eines Managers war [1]. Die Selbsteinschätzung einer Führungskraft ist indirekt proportional zu ihrem Rang, d.h. je höher der Rang einer Führungskraft, desto weniger zutreffend ist ihre Selbsteinschätzung.

Hier ist nun wiederum zu fragen, woran das liegt. Hochrangige Führungskräfte leiden an der sog. Geschäftsführerkrankheit Dieser Begriff wurde von John Byrne 1991 geprägt. Geschäftsführerkrankheit bezeichnet das Informationsvakuum, in dem sich eine Führungskraft befindet. "Ich muss immer erraten, was wirklich los ist" beschreibt dieses Phänomen am besten. Je höher ihr Rang ist, desto größer ist das Informationsvakuum, desto mehr muss erraten werden, was im Unternehmen eigentlich los ist.

Warum ist das so bzw. wann ist das so? Das Informationsvakuum wird durch den natürlichen Instinkt erzeugt, dem Chef gefallen zu wollen bzw. gefallen zu müssen. Je inkompetenter der Führungsstil, je schlechter das Klima in einer Firma ist, je unrealistisch die Ziele sind, desto ausgeprägter ist das Informationsvakuum, desto eher ergreift es bereits die unteren Führungsebenen.

Müssen Mitarbeiter fürchten auf eine Entlassungsliste gesetzt zu werden, weil sie eine unangenehme Wahrheit sagen, ankündigen, dass ein Projekttermin gefährdet ist, auf falsche Prozesse und unrealistische Planung hinweisen, schlechtes Controlling bemängeln, dann werden sie dies nicht tun. Sie werden nur positive Informationen weitergeben, es vermeiden sich gegen den allgemeinen Trend eines künstlichen Optimismus stellen, werden deshalb negative Fakten unter den Tisch fallen lassen. Und schon ist auf unterster Ebene ein Informationsvakuum entstanden, in dem bereits der Abteilungsleiter zu erraten beginnt, was eigentlich wirklich in seinem Projekt geschieht. Die fatale Folge: Fehler bleiben sehr lange verborgen, obwohl sie von Mitarbeitern in einer Phase erkannt werden, in der sie leicht zu beheben wären. Ein typisches Beispiel ist die unpräzise Formulierung von Requirements, die sich später in fehlerhafter Implementierung niederschlägt. Grund: enge Termine, Erklärung von Meilensteinen, um den unrealistischen Zeitplan einzuhalten. Die Meldung nach oben: Meilenstein xy rechtzeitig erreicht.

Es ist einsichtig, dass dieses Informationsvakuum wächst, je mehr in einem Unternehmen geraten werden muss. Deshalb sprechen auch alle von offener Kommunikationskultur, übersehen aber dabei, dass dazu ein Klima des Vertrauens herrschen muss, in dem der Überbringer schlechter Nachrichten nicht geköpft wird. Informationsvakuum führt zwangsläufig zu einer schlechten Projekteffizienz und damit zu einer Wertvernichtung, die in die Millionen geht.

Die Entstehung eines Informationsvakuums hat also viel mit einer angstbesetzten Firmenkultur und mit einem schlechten Führungsstil zu tun. Umgekehrt kann eine angstfreie Firmenkultur und ein kompetenter Führungsstil viel zur Beseitigung des Informationsvakuums beitragen. Metaphern wie, Die Welt besteht aus Haifischfutter und aus Haifisch. Wir waren immer Haifisch" (Klaus Kleinfeld) tragen nicht dazu bei. Sie bedienen ein verachtendes Menschenbild und prägen unbewusst die Vorstellung gefressen zu werden, wenn man sich dem Haifisch mit Kritik nähert. Um den Haifisch entsteht ein Informationsvakuum, das letztlich zur Vernichtung von Millionenbeträgen und leider auch zur Vernichtung von Arbeitsplätzen führt. So werden wir uns wohl weiter mit Sozialplänen herumschlagen müssen.

[1]Daniel Goleman, Emotionale Führung, S.125
(iw)

Di, 13.06.06: Schweigende Verhandlungen
Es ist schön, dass GBR und örtliche BR die Belegschaft schonen wollen und sich so einig sind mit dem Arbeitgeber, dass Schweigen die beste Medizin ist, um einen tollen Verhandlungserfolg hinzubekommen. So können alle beruhigt bis zum 22. Juni in Urlaub gehen. Es ist ein schönes Gefühl, sicher zu wissen, dass man vorher eh nichts erfährt. Da kann man den Cocktail an der Strandbar doch wesentlich entspannter genießen.

Es geht ja auch um nicht viel, nur um den Arbeitsplatz, aber dass dieser ständig gefährdet ist - ja, daran haben wir uns gewöhnt. Was soll's also, ob wir ein paar Tage mehr oder weniger auf Informationen warten, macht uns gar nichts mehr aus. Gefragt werden, was wir eigentlich wollen, das wollen wir schon lange nicht mehr. Es interessiert ja auch niemanden wirklich.

Beruhigend ist auch zu wissen, dass auch die Dreisten und Neugierigen mit Nachfragen beim BR nicht durchdringen werden, denn "Weitergehende Informationen könnten nicht bekannt gegeben werden ohne einen Verhandlungserfolg zu gefährden. Bitte sehen Sie daher von Nachfragen ab. Danke", so steht es auf einer BR Homepage.

Gut, fragen wir nicht nach. Schließlich will niemand den Verhandlungserfolg gefährden. Schließlich wusste schon Cicero, dass man auch mit Schweigen anklagen kann: Cum tacent, clamat. Gerade Ihr Schweigen ist laute Anklage.

Aber - so ganz zu schweigen, so gar nichts zu denken, fällt mir halt schwer. Was wird rauskommen?
Klassisch: Aufhebungsvertrag mit Abfindung nach altem Muster, beE, das Ganze gewürzt mit betriebsbedingter Kündigung bei Ablehnung und Zwangsversetzungen. Oder progressiv: Greift Siemens diesmal tief in die Tasche, um à la VW eine Milliarde Euro für Restrukturierungsmaßnahmen auszugeben, wenn sie schon das VW-Modell der Arbeitszeitverkürzung ablehnen. Das wären dann - so Pi mal Daumen - 250.000 Euro oder gibt es etwa die Sensation: Einen Ergänzungstarifvertrag still und heimlich ausgehandelt zur Standortsicherung mit längerer Arbeitszeit und weniger Gehalt oder mit weniger Arbeit für mehr Gehalt? Oder verhandelt der GBR/BR gar über Auswahlrichtlinien und Namenslisten - aber nein, was rede ich da. Dies tun sie nicht, das haben sie immer wieder erklärt. Schließlich wissen wir ja, dass dies auf keinen Fall ohne BR-Zustimmung geht, auch nicht in einer Einigungsstelle. Auf was für blöde Gedanken man kommt, wenn alle schweigen. Oder, das wäre wirklich mal was Neues: Werden die Mitarbeiter zum Mond befördert? Die Russen planen den ersten Mondflug für Touristen im Jahr 2010 für 80 Mio. Euro. Vielleicht doch zu teuer? Nun vielleicht doch nicht. Schließlich ist das Hin und Zurück. Das Zurück ist dann Verhandlungssache. Aber es könnte an Time to Market scheitern. Die Russen verstehen eben doch nichts von freier Marktwirtschaft. Com braucht jetzt eine Lösung.

Ich hoffe, ich habe jetzt nicht zufällig was ausgeplaudert, was noch geheim ist. Bitte sehen Sie daher von Nachfragen ab. Danke
(Bartholomäus Bissig, kurz BB)

Glossen geben die Meinung von Bartholomäus Bissig, kurz BB wieder. BB ist nicht beeinflussbar. Wir auch nicht. Deshalb kann es vorkommen, dass die Meinungen übereinstimmen oder auch nicht. Darüber hüllt sich die NCI-Redaktion in Schweigen. Bartholomäus auch. Sehen Sie daher bitte von Nachfragen ab. Danke.

Di, 13.06.06: Widerspruch gegen den Betriebsübergang nach TietoEnator - was man beachten sollte
Tieto-Enator Kandidaten, die dem Betriebsübergang widersprechen, sollten sich auf die Zeit danach vorbereiten:

Checkliste: Erklärung des Widerspruch:
Check Persönliche Bemerkung
Ich habe eingehend geprüft, dass ein Widerspruch in meiner persönlichen Situation sinnvoll ist und bin mir über die möglichen Folgen im Klaren.

 
Ich habe meinen Widerspruch formuliert und einen Grund angegeben.

Man sollte auf jeden Fall einen Grund angeben, auch wenn man sich nicht sicher ist, ob er vor Gericht hält. Er sollte aber schon plausibel sein. Gründe wie, ich kann dann in der Siemens Kantine nicht mehr essen oder ich kann den Siemens Sportpark nicht mehr nutzen, wirken nicht sehr überzeugend.

 
Ich habe daran gedacht, den Widerspruchsgrund von einem Anwalt prüfen zu lassen und auch verstanden, warum er gut oder schlecht ist.

 
Ich habe den Widerspruch an die Siemens AG und/oder TietoEnator geschickt (ein Arbeitgeber reicht nach Gesetz). Ich bin mir im Klaren, dass ich den Widerspruch nur dann zurückziehen kann, wenn Siemens und TietoEnator damit einverstanden sind.

 


Checkliste: Vorbereitung Kündigungsschutzklage
Achtung: Wenn Siemens eine betriebsbedingte Kündigung gegen Sie ausspricht, müssen Sie innerhalb von drei Wochen eine Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht München einreichen. Versäumen Sie diesen Termin, sind alle Rechte verwirkt.

Check Persönliche Bemerkung
Ich habe freie, auf mich passende Stellen in der Siemens AG gefunden, sie ausgedruckt und mit nach Hause genommen.

 
Ich habe mir Gedanken gemacht, wie ich belegen kann, dass ich auf diese Stellen passe und ev. Belege (wie Zusagen von Chefs, EFA-Gespräche, Zwischenzeugnisse und sonstiges) als Beweis dazu gelegt.
Achtung!
Sichern Sie E-Mails, die als Beweis dienen können. Sie wissen nicht wie lange Sie nach dem Widerspruch noch an Ihren Rechner können.

 
Ich kann - auch, wenn ich nicht weiß, ob das Gericht mir eine Sozialauswahl zubilligen wird - Vergleichkandidaten, die bessere Sozialdaten haben als ich, nennen.

 
Ich habe den BR-Anhörungsbogen ausgefüllt und ihn dem BR zusammen mit einer Kopie des Widerspruchs übergeben. Darin ist auch meine Telefonnummer (dienstlich, privat, mobil) eingetragen, damit ich für den BR erreichbar bin, falls die Kündigungsbegehren kommen.

 
Ich habe einen Fachanwalt für Arbeitsrecht an der Hand.

 
Ich bin nächster Zeit nicht in Urlaub.

 
Ich bin nächster Zeit in Urlaub.
Achtung!
Urlaub unterbricht die 3-Wochenfrist nicht, in der sie Kündigungsschutzklage einreichen können.
  • Ich habe meinem Anwalt vor der Abreise eine Vollmacht erteilt.
  • Ich habe sichergestellt, dass mein Briefkasten zuverlässig geleert wird.
  • Ich habe der Person, die meinen Briefkasten leert, erlaubt Siemens und Anwaltspost zu öffnen und Ihr explizit erlaubt, mit meinem Anwalt Kontakt aufzunehmen.
  • Ich habe der Person meines Vertrauens die Adresse und Telefonnummer meines Anwalts gegeben.
  • Ich habe meinem Anwalt den Namen der Person mitgeteilt, die mit ihm ggf. Kontakt aufnimmt, um ihm entsprechende Unterlagen, z.B. Kündigungsschreiben, BR-Widerspruch, zu bringen.
  • Ich habe der Person meines Vertrauens die Telefonnummer am Urlaubsort gegeben, damit sie mich im Notfall erreichen kann.
 


Checkliste: Die Zeit ohne Arbeitsplatz
Check Persönliche Bemerkung
Ich habe nach dem Widerspruch Siemens nachweislich meine Arbeitskraft angeboten, z.B. kurze, sachliche E-Mail an die Personalabteilung.
Achtung!
  • Siemens darf verlangen, dass Sie vorübergehend für TietoEnator tätig werden. Daraus entsteht jedoch keine Arbeitsverhältnis mit TietoEnator. Nehmen Sie Kontakt mit Ihrem örtlichen Betriebsrat auf.
  • Siemens darf Sie grundsätzlich versetzen. Eine Versetzung unterliegt jedoch der Mitbestimmung des aufnehmenden Betriebsrats (und des abgebenden wenn ich der Versetzung widerspreche). Informieren Sie diesen. Nehmen Sie in diesem Falle auch Kontakt zum örtlichen Betriebsrat auf.
 
Ich bewerbe mich aktiv auf Stellen, auf die ich passe.
Achtung!
Vorgesetzte haben grundsätzlich kein Recht Bewerbungsunterlagen einzusehen oder ein Recht auf Berichte über Bewerbungsfortschritte
 
Ich habe einen Betriebsrat meines Vertrauens, den ich zu anstehenden Personalgesprächen mitnehmen kann. Es empfiehlt sich mit dem Betriebsratsmitglied vor dem Gespräch zu klären, was man in diesem Gespräch erreichen oder verhindern möchte.
Achtung!
Steht dieser nicht zur Verfügung, muss der Vorgesetzte das Gespräch verschieben. Ein Mitarbeiter hat Anspruch darauf, den Betriebsrat seines Vertrauens mitzunehmen.
 

(iw)

So, 11.06.06: Deutsche Wirtschaft vernichtet 150 Mrd. Euro durch mangelnde Projektkompetenz
Während wir mal wieder auf den nächsten Interessenausgleich und Sozialplan im Rahmen eines Stellenabbaus warten, können wir diese Pause einmal nutzen und uns mit der Frage befassen, wo liegen denn tatsächlich Einsparpotenziale.

Die Geschäftsentwicklung von Com zeigt, dass das Modell: "Stellenabbau und wir erreichen die vom Vorstand gesetzten Margen", der Favorit der Bereichsleitung von Com seit 2002, nicht aufgeht. Dieses Konzept wäre also aus unternehmerischer Sicht wegen Erfolglosigkeit zu verwerfen. Hier kann man nur mit Einsteins Worten die Com-Leitung motivieren: "Haben Sie auch den Mut, Dinge wieder zu verwerfen."

Wir wollen uns nun einmal einem anderen Ansatz zu wenden und diesem dem Siemens Management empfehlen:

Erhöhung der Projekteffektivität und Projekteffizienz
Fakt ist, dass Mitarbeiter immer wieder, eigentlich ständig, über schlechte Projektorganisation klagen. Zu viele Meetings, falsch kalkulierte Termine, fehlende Ressourcen, zu wenig Mitarbeiter, überforderte Vorgesetzte, kurz alles Dinge, die auf eine schlechte Projekteffektivität und Projekteffizienz hindeuten. Projekteffektivität beschäftigt sich mit der Frage, ob die richtigen Projekte durchgeführt werden. Projekteffizienz misst, ob die Projekte richtig durchgeführt werden.

Im Rahmen der Globalisierung wird gutes Projektmanagement immer wichtiger, um im Konkurrenzkampf zu bestehen. Unzulänglichkeiten in der Projektabwicklung sind einer Studie zufolge, durchgeführt von MBA, Wertvernichter No. 1 in deutschen Unternehmen. Danach liegt die Projekteffektivität bei 43%, die Projekteffizienz sogar nur bei 31%. D.h. 57% aller Projekte sind die falschen und 69% aller Projekte werden mit hohen Reibungsverlusten durchgeführt.

Da Projektarbeit nur dann wertschöpfend und wertsteigernd ist, wenn sie sowohl effektiv als auch effizient ist ergibt sich als Gesamtergebnis:
13% der Projektarbeit trägt zur Wertsteigerung bei
87% der Projektarbeit wirkt als Wertvernichtung

Bezogen auf die gesamte deutsche Wirtschaft heißt dies, zwischen 112 Mrd. Euro und 194 Mrd. Euro wurden verschwendet. Das ergibt ein Mittel von 150 Mrd. Euro. Fehlende Projektkompetenz führt, so die Studie, zu einer Bedrohung der Überlebensfähigkeit eines Unternehmens.

Worin liegen nun die Gründe für mangelnde Projektkompetenz?
Projektkompetenz ist in erster Linie eine Führungs- und Organisationsaufgabe und nicht nur ein Methoden-Set. Projektkompetenz setzt einen übergreifenden Organisations- und Führungsansatz voraus, der in der Geschäftsleitung beginnt. Folgende Fehler im Projekt-Management werden häufig gemacht: Kommt Ihnen das bekannt vor?
Wie beurteilen Sie die Projektarbeit in Ihrem Unternehmen? Online-Voting

Quelle:
Studie "Projektmanagement: Abenteuer Wertvernichtung". Eine Wirtschaftlichkeitsstudie zum Projektmanagement in deutschen Unternehmen, Prof. Dr. Manfred Gröger, MBA, Management Beratungsgesellschaft mbH.

(iw)

So, 11.06.06: Avaya doch nicht an Com interessiert
Wie die Süddeutsche Zeitung in ihrer Wochenendausgabe berichtete, erteilte Don Peterson, Konzernchef des Telekommunikationsausrüsters Avaya, den Spekulationen über den Aufkauf von Com eine Absage:"Es gibt mehrere Gründe, die dagegen sprechen. Einer ist sicher, dass wir dann eine sehr starke Marktposition hätten. Eine Genehmigung wäre sehr fraglich."
(iw)

Sa, 10.06.06: Avaya an Siemens Com interessiert
Der Telekommunikationsausrüster Avaya äußerte gegenüber der Berliner Morgenpost, dass er an einer strategischen Partnerschaft mit Siemens Com interessiert ist und nicht abgeneigt ist, Com zu übernehmen. Avaya sehe sich nach dem Verkauf von Lucent an Alcatel als potentiellen Käufer von Siemens Com.

Avaya ist nach eigenen Angaben in der Kommunikationsbranche einer der weltweit führenden Anbieter von Systemen, Anwendungen und Dienstleistungen. Das Unternehmen sei mit einem Jahresumsatz von 3,8 Mrd. Euro klein im Vergleich zu Com mit einem Umsatz von 13,1 Mrd. Euro, aber Avaya, so Vorstandsvorsitzende Don Peterson, habe eine starke Kapitalbasis und sei zudem Marktführer in Bereichen wie Internettelefonie.

Peterson äußerte sich nicht dazu, ob bereits Gespräche mit Siemens geführt wurden.
Berliner Morgenpost
(iw)

Sa, 10.06.06: TietoEnator löst Versprechen ein
Wie TietoEnator mitteilte, sind am Freitag die Briefe, in denen die 3-jährige Nichtkündigungsgarantie, schriftlich und damit rechtsverbindlich bestätigt wird, an die betroffenen Mitarbeiter abgeschickt worden. Die Mitarbeiter haben die Briefe schon zum Teil in ihrem Briefkasten vorgefunden. Wir wünschen allen Betroffenen, dass sie die für sich richtige Entscheidung finden.
(iw)

Do, 08.06.06: Die Mär von den ständig steigenden Arbeitskosten in Deutschland
Immer wieder hört man von Arbeitgeberseite: Die Arbeitskosten in Deutschland stiegen in unermessliche. Lohnrückhaltung, Verzicht auf Zulagen, längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich sind erforderlich, um wettbewerbsfähig zu sein.

Ein Blick auf die Zahlen des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden belehrt uns eines besseren. Deutschland weist im Zeitraum 2004 bis 2005 Deutschland die niedrigste Steigerungsrate aller EU-Mitgliedstaaten auf.

Die Arbeitskosten stiegen in Deutschland im Jahr 2005 um 0,9 Prozent an. Die Bruttolöhne und -gehälter je geleisteter Arbeitsstunde stiegen gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,4 Prozent an. Im gleichen Zeitraum sanken die Sozialbeiträge der Arbeitgeber je geleisteter Stunde um 2,4 Prozent.

Die Arbeitskosten sind im vergleichbaren Zeitraum im Euro-Währungsgebiet um 2,6% und in der Europäischen Union um 2,8% gestiegen. Frankreich (plus 3,2%) und Großbritannien (plus 3,0%) verzeichneten deutlich höhere Wachstumsraten der Arbeitskosten. Damit weist Deutschland die niedrigste Steigerungsrate in den EU-Mitgliedstaaten auf.
Manager Magazin
(iw)

Do, 08.06.06: Chinesische Regierung stärkt Arbeitnehmer
Am 20. März 2006 wurde der Entwurf eines neuen Arbeitsgesetzes vom Büro des Ständigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses veröffentlicht. Das genaue Datum der Verabschiedung steht noch nicht fest. Damit ist ein wichtiger erster Schritt zur Stärkung der Arbeitnehmerrechte in China getan.

Zum ersten Mal wird im chinesischen Arbeitsrecht der Begriff Arbeitsverhältnis als ein Rechtverhältnis definiert, in dem beide Parteien Rechten und Pflichten haben. Der Arbeitgeber erhält - wie im deutschen Arbeitsrecht auch - ein Weisungsrecht. Der Arbeitnehmer erhält einen Rechtsanspruch auf Lohnzahlung.

Das chinesische Arbeitsrecht kennt nun befristete und unbefristete Arbeitsverträge. Im Zweifelsfall wird ein unbefristeter Arbeitsvertrag angenommen.

Der Arbeitgeber muss den Arbeitnehmer über den Arbeitsinhalt, die Arbeitsbedingungen, den Arbeitsplatz, eventuell drohende Berufsschäden, Arbeitssicherheit, Vergütung und auf Wunsch des Arbeitnehmers auch über weitere mit der Erfüllung des Arbeitsvertrages direkt in Zusammenhang stehende Fragen aufklären. Umgekehrt ist der Arbeitgeber berechtigt, das Dienstalter beziehungsweise die Berufserfahrung, die gesundheitliche Verfassung, die Kenntnisse und Fähigkeiten sowie den Beschäftigungszustand des Arbeitnehmers zu erfahren.

Während in Deutschland und Frankreich über eine zweijährige Probezeit diskutiert wurde und wird, sieht das chinesische Arbeitsrecht ab sofort ein maximale Dauer der Probezeit von sechs Monaten vor. Dies entspricht dem deutschen Arbeitsrecht, so wie es im Augenblick gilt. Allerdings gelten diese sechs Monate nur für hochwertige Fachpositionen. Für technische Positionen ist eine maximale Probezeit von zwei Monaten, für ungelernte Arbeitskräfte ein Monat vorgeschrieben. In diesem Punkt ist das chinesische Arbeitsrecht Arbeitnehmer freundlicher als das deutsche.

Im Falle von Stellenabbau muss die örtliche Betriebsgewerkschaft erst angehört werden, wenn mindestens 50 Arbeitnehmer entlassen werden. In diesem Punkt ist das deutsche Arbeitsrecht deutlich besser. Hier muss der Betriebsrat bei jeder Kündigung gehört werden. Darüber hinaus wird dem chinesischen Arbeitgeber ein Kündigungsrecht zugestanden, wenn der Arbeitnehmer in einem weiteren Arbeitsverhältnissen tätig ist und dadurch die Erfüllung des Arbeitsverhältnisses erheblich beeinträchtigt ist. Vor einer Kündigung muss der Arbeitgeber den Arbeitnehmer auffordern, das Arbeitsverhältnis zu beenden.
China Contact
(iw)

Di, 06.06.06: TietoEnator: Entscheidungshilfe
Da vielen die Entscheidung, ob sie zu TietoEnator übergehen sollen oder nicht schwer fällt, haben wir Euch Flußdiagramme bereitgestellt, die Euch bei der Entscheidungsfindung unterstüzten sollen. Die Intension dieser Diagramme ist, sich mit den möglichen Folgen eines Widerspruchs konstruktiv auseinanderzusetzen. Die Diagramme sollen Euch darin unterstützen aus dem Kreislauf des Hin und Her herauszufinden, können und wollen die endgültige Entscheidung jedoch nicht abnehmen.
Entscheidungshilfe

Anmerkung: Bitte benutzen Sie für diese Applikation den MS-Internet-Explorer. Im Firefox erfolgt die Darstellung nicht korrekt. Da es sich um eine in HTML konvertierte Powerpoint-Applikation handelt, können je nach Einstellung Browser das Öffnen der Datei blockieren. Folgen Sie den Anweisungen Ihres Browsers und heben Sie die Blockierung auf.
(iw)

Mo, 05.06.06: Und der Haifisch, der hat Zähne…
Klaus Kleinfeld am PG-Standort Mühlheim Ruhr (Zitat aus der Siemens-Welt Nr. 4-5/2006 Seite 4)
"Die Welt besteht aus Haifischfutter und aus Haifisch. Wir waren immer Haifisch. Und das fühlt sich auch erheblich besser an. Ich sehe meine Aufgabe darin, dafür zu sorgen, dass es so bleibt. Deshalb schmerzt es mich ungemein, wenn ich in Diskussionen auf das Thema Zielmarge reduziert werde. Ich handle nicht kapitalmarktgetrieben. Ich sehe meine Aufgabe darin, die Firma so zu führen, dass sie auch für die nächsten 150 Jahre fit ist."

Siemens ist Haifisch, sagt Kleinfeld. Wir sind Menschen, sagen wir. Wir finden, es fühlt sich erheblich besser an, Mensch zu sein.

Weltweit kommen etwa 10 Menschen jährlich durch Haiattacken ums Leben. Dem gegenüber stehen 200 Millionen getötete Haie weltweit. Über 70 Haifischarten sind bereits vom Aussterben bedroht, oder deren Existenz kann als nicht mehr überlebensfähig bezeichnet werden. In Räuber-Beute-Modellen stellt sich zwischen der Zahl der Räuber (Haifische) und der der Beutetiere (Haifischfutter) ein stabiles Gleichgewicht ein. Nur wenn die Räuber zu gierig werden, dann nimmt die Anzahl der Beutetiere rapide ab und die Haifische sterben aus. Übrig bleiben die Beutetiere, die sich in ihrem Bestand wieder erholen können (Angewandte Mathematik, partielle Differentialgleichungen). Der Haifisch hat Jahrmillionen ohne große Veränderungen überdauert. Ob Siemens das auch so lange schafft?

Der Hai als Speisefisch ist besonders beliebt in der asiatischen Küche. "Dort wird gerne die Haifischflosse verarbeitet: Zu Haifischflossensuppe oder in China zu einem normalen Leckerbissen. Aber auch in anderen Ländern gilt der Hai als Nahrungsmittel: Die Inuit in Grönland trocknen das Fleisch des Grönlandhais oder fermentieren es zur regionalen Delikatesse "tipnuk". In Island gilt Hai als Aphrodisiakum: Das Fleisch lässt man eingegraben mehrere Monate fermentieren (d.h. verfaulen), und zerkleinert die Masse in mundgerechte Größen." (Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Haie)

… und Macheath, der hat ein Messer
doch das Messer sieht man nicht.

(Brecht, Dreigroschenoper)
(cr/iw)

Mo, 05.06.06: TietoEnator: Abwägung
Abzuschätzen ist:
TietoEnator
  1. Wenn man die Nichtkündigungsgarantie von TE in der Hand hat, weiß man sicher, dass man drei Jahre lang nicht betriebsbedingt gekündigt wird.
  2. Wie hoch schätze ich die Wahrscheinlichkeit ein, die in der Protokollnotiz festgelegte Abfindung zu bekommen, wenn ich einen Aufhebungsvertrag mit TE anstrebe?
  3. Wie schätze ich die finanzielle Belastung ein, wenn TE die variablen Gehaltsbestandteile reduziert unter Berücksichtigung des Risikos einer betriebsbedingten Kündigung bei Siemens ohne Abfindung.
  4. Wie hoch schätze ich die Wahrscheinlichkeit ein am TE Standort München zu arbeiten und nicht in wechselnden Projekteinsätzen arbeiten zu müssen.
Siemens
  1. Wie hoch schätze ich meine Chancen ein, einen Kündigungsschutzprozess zu gewinnen? D.h. freie passende Stellen, einschließlich Nachweis, dass ich passe.
  2. Wie hoch schätze ich die psychische und finanzielle Belastung ein, wenn ich den Kündigungsschutzprozess ohne Abfindung verliere (worst case)?
  3. Wie hoch schätze ich die Wahrscheinlichkeit ein, dass Siemens kündigt?
  4. Wie hoch schätze ich die Wahrscheinlichkeit ein, dass ich Mobbing bei Siemens ausgesetzt werde?
  5. Wie hoch schätze ich die Wahrscheinlichkeit ein, dass ich auf einen Arbeitsplatz außerhalb Münchens versetzt werde und wie kommen ich und die Familie damit zurecht.
  6. Wie hoch schätze ich die Wahrscheinlichkeit ein, dass der Richter dem Argument folgt, in Mch werden 1200 Stellen abgebaut, es ist daher unzumutbar für Siemens, mich auf der von mir vorgelegten Stelle zu beschäftigen, da er diese mit einem gefährdeten Mitarbeiter besetzt hat oder nachweislich besetzen will.
  7. Wie hoch schätze ich die Wahrscheinlichkeit ein, bei Siemens eine Abfindung oder VB zu bekommen?
  8. Wie hoch schätze ich die Wahrscheinlichkeit ein, dass Com zerschlagen wird und ein neuer Betriebsübergang auf mich zukommt.
  9. Wie hoch schätze ich die Wahrscheinlichkeit ein, dass in Mch H eine Betriebsschließung stattfindet?
  10. Wie hoch schätze ich die Wahrscheinlichkeit ein, dass bei Siemens eine Gehaltsreduzierung durch ERA oder Ergänzungstarifverträge zur Standortsicherung, abgeschlossen zwischen IG Metall und Siemens, eintritt?
Mo, 05.06.06: TietoEnator: Womit muss man nach einem Widerspruch rechnen?
Fakt ist, man hat keinen Arbeitsplatz mehr bei Siemens. Dieser ist zu TietoEnator übergegangen. Man hat nur noch ein Arbeitsverhältnis mit der Siemens AG.

Wie Siemens auf einen Widerspruch reagiert, wissen wir nicht. Wir können Euch nur sagen, wie Siemens reagieren könnte.

Versetzung
Es ist damit zu rechnen, dass Siemens AT-Mitarbeitern freie passende Arbeitsplätze deutschlandweit, z.B. Greifswald anbietet. Lehnt der Mitarbeiter diesen Arbeitsplatz ab, verwirkt er seinen Jubilarschutz und kann betriebsbedingt gekündigt werden. Tarifmitarbeitern könnte Siemens solche Arbeitsplätze ebenfalls anbieten.

Versetzungen von AT-Mitarbeitern deutschlandweit sind rechtens. Dies hat Siemens durch das LAG bestätigt bekommen. Da Tarifmitarbeiter dem bayerischen Manteltarifvertrag unterliegen, können sie Bayern-weit versetzt werden.

Mobbing
Aus der Erfahrung der Vergangenheit ist nicht damit zu rechnen, dass man nach einem Widerspruch problemlos integriert wird. Von den Com MD-Widersprüchlern haben manche bis heute keinen neuen Arbeitsplatz. Es kann zu Mobbing kommen. Dieses besteht entweder in Arbeitsentzug oder in Arbeitsüberlastung, d.h. eine Aufgabe zu bekommen, der man nicht gewachsen ist. Begleitet sind diese Maßnahmen in der Regel von Personalgesprächen, in denen man aufgefordert wird, sich einen neuen Arbeitsplatz zu suchen sowie den rechtswidrigen Zwang durch Vorgesetzte, seine Bewerbungen offenzulegen. Abfindungen und VB-Regelungen werden in den Fällen angeboten, in denen Siemens bei einem Kündigungsschutzprozess keine Chance gehabt hätte, die Mitarbeiter los zu werden.

Betriebsbedingte Kündigung
Im Falle eines Widerspruchs muss man mit betriebsbedingter Kündigung rechnen. Siemens kann geltend machen, dass der Arbeitsplatz durch den Betriebsübergang entfallen ist und angesichts des Stellenabbaus von 1200 Mitarbeitern existiert kein freier Arbeitsplatz für Widersprüchler.

Re-Integration
Natürlich ist es auch möglich, dass Mitarbeiter, die dem Betriebsübergang widersprechen wieder integriert werden. Angesichts des Stellenabbaus bei Com und dem anhaltenden Druck, unter dem Com steht, ist die Re-Integration in München keineswegs selbstverständlich. Man sollte bewusst und ehrlich die Risikofaktoren gegeneinander abwägen. An die Re-Integration zu glauben genügt nicht. Siemens muss diese auch wollen.
(iw/cr)

Mo, 05.06.06: TietoEnator: Vorbereitung auf einen Kündigungsschutzprozess
Wer mit dem Gedanken spielt zu widersprechen, muss jetzt beginnen, seinen Kündigungsschutzprozess vorzubereiten.

Betriebsratswiderspruch (§102 BetrVG)
Der Betriebsratswiderspruch hat mit dem Widerspruch gegen den Betriebsübergang gar nichts zu tun. Jede Kündigung muss durch den Betriebsrat. Der Betriebsrat kann nach §102 BetrVG einer Kündigung widersprechen (wenn er sie für ungerechtfertigt hält), ihr zustimmen (das ist extrem ungünstig für den Arbeitnehmer) oder dazu schweigen (dies wird rechtlich wie eine Zustimmung gewertet). Wir gehen davon aus, dass der Betriebsrat Mch H den Kündigungen widerspricht, vorausgesetzt Ihr habt ihm Widerspruchsgründe geliefert. Dazu füllt bitte den Anhörungsbogen aus Bitte füllt ihn vollständig aus und gebt ihn beim Betriebsrat zusammen mit einer Kopie Eures Widerspruchs ab. Auch wenn die soziale Auswahl wegen nicht anerkennenswerten Grund entfallen sollte nennt Vergleichskandidaten. Es soll dem Gericht überlassen bleiben zu beurteilen, ob es einen anerkennenswerten Grund sieht oder nicht.


Hat der BR fristgerecht und ordentlich (so heißt es im Gesetz) widersprochen, dann hat der Arbeitnehmer Anspruch auf Weiterbeschäftigung im Betrieb solange der Prozess läuft. Für die erste Instanz ist also die Gehaltsfortzahlung gesichert. Allerdings ist es nicht unwahrscheinlich, dass der Prozess in der 1. Instanz vor Ablauf der Kündigungsfrist durch ist. Gewinnt man die 1. Instanz und hat der Anwalt die Weiterbeschäftigung beantragt (Achtung: manche Anwälte vergessen das! Also nachfragen!), dann bekommt man sein Gehalt (und muss dafür arbeiten) bis zum Ende der 2. Instanz. Verliert man die erste Instanz, tritt voraussichtlich das Arbeitslosengeld anstelle des Gehalts. Die 2. Instanz (LAG) ist normalerweise das Ende des Kündigungsschutzprozesses. Nur in besonderen Fällen geht es bis zum BAG.

Gegen den Betriebsübergang müsst Ihr direkt bei Siemens oder TietoEnator widersprechen (nicht beim Betriebsrat). Wer widersprechen möchte, der sollte es sich gut überlegen und auf unseren Seiten zu betriebsbedingter Kündigung nachlesen und sich bei uns melden.
(cr/iw)

Mo, 05.06.06: TietoEnator: Die Bedeutung des Widerspruchsgrundes für die Sozialauswahl
Einem Betriebsübergang kann man mit oder ohne Angabe von Gründen widersprechen. Die Rechtsfolgen sind jedoch unterschiedlich. Widerspricht man ohne anerkennenswerten Grund, dann entfällt im Falle einer betriebsbedingten Kündigung die Sozialauswahl.

Anerkennenswerte Widerspruchsgründe
An einen anerkennenswerten Grund setzt das BAG hohe Maßstäbe. Damit beschränken sich anerkennenswerte Gründe faktisch auf:
Bitte bedenkt, dass das Gericht aufgrund von Fakten, belegten Prognosen entscheidet und nicht auf Basis von subjektiven Vermutungen. Man muss seine Behauptungen beweisen können.

Was sagt die Rechtssprechung im Einzelnen dazu:
Der Erfurter Kommentar ist der renommierteste Rechtskommentar, in dem Juristen, Professoren und BAG-Richter Arbeitsgesetze zusammenfassen und kommentieren:

"Das BAG meint, dass ein großzügiger Maßstab (was immer das sei) zugunsten des widersprechenden AN nicht geboten sei (BAG 18. 3. 1999 NZA 1999, 870). ... Nach Auffassung des BAG gilt: "Je geringer die Unterschiede hins. der sozialen Gesichtspunkte unter den vergleichbaren AN sind, desto gewichtiger müssen die Gründe dafür sein, einen vom Betriebsübergang nicht betroffenen AN zu verdrängen. Nur wenn dieser einen baldigen Arbeitsplatzverlust oder eine baldige wesentliche Verschlechterung seiner Arbeitsbedingungen bei dem Erwerber zu befürchten hat, kann er einen Arbeitskollegen, der nicht ganz erheblich weniger schutzbedürftig ist, verdrängen" (BAG 18. 3. 1999 NZA 1999, 870; 24. 2. 2000 AP KSchG 1969 § 1 Soziale Auswahl Nr. 47).

"Als sachlicher Grund muss auf der Grundlage der Rspr. des BAG wohl genügen, dass der neue Arbeitgeber als unzuverlässig bekannt ist oder nicht über die nötige Bonität verfügt. Auch der Verlust des Kündigungsschutzes gehört hierher, wenn der Erwerberbetrieb, anders als der Veräußererbetrieb, auch nach der Übernahme nicht mehr als fünf AN beschäftigt" (ausf. zu möglichen Sachgründen Staudinger/Richardi/Annuß Rn. 135).

(cr/iw)

Sa, 03.06.06: Personaldrehscheibe - Ein Erfolgsmodell sieht anders aus
Bisher haben sich erst sehr wenig Kollegen für die Personaldrehscheibe registriert und dass, obwohl die Vorgesetzten ihre Mitarbeiter teilweise intensiv bedrängen.

Ein Grund für den geringen Zulauf dürfte sein, dass es keine Betriebsvereinbarung gibt, die die Konditionen im Fall eines Arbeitsplatzwechsels in eine andere Stadt oder gar zu einer anderen Firma regelt. Fragen wie "zahlt Siemens dann den Umzug?" oder bekomme ich eine Abfindung nach dem noch ausstehenden Sozialplan, wenn ich eine externe Stelle annehme oder gehe ich dann leer aus?" beschäftigen die Kollegen und halten sie von der Anmeldung ab. Die Angst irgendwo als wechsel- und damit abbauwillig registriert zu sein spielt nach wie vor eine Rolle. Zudem gibt es keine Möglichkeit sich den Fragebogen vorher einmal anzuschauen oder ihn nachher noch einmal zu ändern. Dies erhöht mit Sicherheit nicht die Bereitschaft sich mit der Personaldrehscheibe auseinander zu setzen.

Gelockt wurden die Mitarbeiter mit der Ankündigung, über die Personaldrehscheibe könne man interessante Stellen bei Siemens-MED bekommen. Die Praxis sieht vielfach anders aus. Statt interessante Stellen in der Medizintechnik werden überwiegend Stellen außerhalb Siemens angeboten. Somit ist die Personaldrehscheibe nichts anderes als eine vorgezogene beE ohne Betriebsvereinbarung. Auch die Qualität der externen Angebote lässt in vielen Fällen zu wünschen übrig, z.B. "Ihr Projekt leiten Sie von China aus...". Die wenigsten, die sich für die Personaldrehscheibe angemeldet haben, wollten wohl nach China auswandern. Überraschenderweise erhalten Mitarbeiter, die früher einmal bei Project Assignement (PRA), ein Konstrukt für Jubilare, Ältere und Schwerbehinderte aus der Kündigungswelle 2003, ebenfalls Personaldrehscheiben-Mails ohne sich angemeldet zu haben. Bleibt die Frage offen, ob sie es sind die die wenigen "Anmeldungen" ausmachen.

Eigentlich sollte man annehmen, dass Siemens alles daran setzt möglichst viele Mitarbeiter über die Freiwilligenaktionen zu versetzen und dazu Beziehungen zu Personalabteilungen anderer Betriebe nutzt bzw. aufbaut, weiß Siemens doch, dass betriebsbedingte Kündigungen mit Sozialauswahl in der Praxis schwierig und teuer durchzuführen sind.

Siemens muss endlich begreifen, dass vertrauensbildende Maßnahmen mehr als erforderlich sind. Dazu gehört mit Sicherheit nicht mit internen Stellen zu locken und externe Stellenangebote zu liefern. Mitarbeiter sind Menschen und keine Kapazitäten, die man beliebig anpassen kann. Diese Erkenntnis könnte entscheidend weiterhelfen, auch wenn sie manchem Manager noch so absurd erscheinen mag.
(iw)

Sa, 03.06.06: Neues von TietoEnator
TietoEnator hat auf die Fragen von NCI zu Projekteinsatz, Arbeitsbedingungen, Abfindungsregelungen und Gesamtbetriebsvereinbarungen geantwortet. Kursiv sind die Fragen von NCI. Nicht-Kursiv ist die Antwort von TietoEnator

  1. Eine entscheidende Frage der Mitarbeiter betrifft die in Ihrer Firma übliche Projektarbeit mit längerem Einsatz an anderen Standorten innerhalb und außerhalb Deutschlands. Den Mitarbeitern ist nicht klar was mit ihnen passieren wird, wenn die Projektaufgaben in München, in deren vertragliche Verpflichtungen TietoEnator eingetreten ist, auslaufen. Unklar ist ebenfalls wie lange die Kollegen in München ihre alten Projektaufgaben fortführen können.

    TietoEnator ist fokussiert auf so genannte "high-value-add" IT- und R&D Services. Deshalb versuchen wir immer längerfristige Verantwortung für Produkte, Projekte oder Lösungen mit unseren Kunden zu vereinbaren, was auch für beide Seiten eine sinnvolle "Partnerschaft" ergibt. Prinzipiell kann die Arbeit in einem TE "R&D Center" auf TE Firmengelände oder als "on-site consulting" beim Kunden vor Ort geleistet werden. Im vorliegenden Fall haben wir die Möglichkeit unser R&D Center in München deutlich zu vergrößern und gleichzeitig faktisch "on-site" zu sein. Im Raum München haben wir neben Siemens bereits weitere Kunden, der Wirtschaftraum München ist als solcher sehr attraktiv und das Potential an Neukunden ist ebenfalls viel versprechend. Diese werden wir aus dem gestärkten Standort München heraus bedienen, nicht zuletzt deshalb um durch geringere Reisekosten und Ausfallzeiten das Geschäft betriebswirtschaftlich zu optimieren. Genau dies verlangen übrigens unsere Kunden von uns und deshalb ist diese Vorgehensweise auch Teil des Geschäftsmodells von TietoEnator. Übrigens ist es durchaus normal und wahrscheinlich auch Kunden die in diesem Fall nicht in München angesiedelt sind aus dem R&D Center München zu bedienen. Natürlich gibt es auch Fälle bei denen Mitarbeiter in zeitlich limitierten Projekten an anderen Standorten eingesetzt werden. Hier haben wir in der Vergangenheit immer versucht Betriebswirtschaft und persönliche Situation des Mitarbeiters in Einklang zu bringen. Wir legen sehr viel Wert auf zufriedene Mitarbeiter, das Ergebnis ist u.a. in den jährlichen Umfragen deutlich abzulesen. Insofern sehen wir dies auch als Möglichkeit für jeden Einzelnen sich entsprechend einzubringen.

  2. Des weiteren befürchten die Mitarbeiter eine Verschlechterung Ihrer arbeitsvertraglichen Bedingungen wie Gehalt und wöchentliche Arbeitszeit. Die meisten haben inzwischen verstanden, dass die individuellen vertraglichen Regelungen durch den Betriebsübergang mitgehen und für ein Jahr per Gesetz vor Änderungen geschützt sind. Sie befürchten jedoch, von TietoEnator spätestens nach Ablauf der Schutzfrist eine Vertragsänderung angeboten zu bekommen bzw.. den Ausspruch einer Änderungskündigung.

    Dies ist eine Befürchtung die wir aus Sicht der Mitarbeiter nachvollziehen können. Wie in der Überleitungsvereinbarung bzw. Protokollnotiz geregelt beabsichtigen wir aus heutiger Sicht nicht, nach Ablauf eines Jahres nach Betriebsübergang Änderungen der Arbeitsverträge vorzunehmen. Die Partnerschaft zwischen TietoEnator und Siemens ist langfristig angelegt was u.a. durch die Vereinbarung mehrjähriger Liefervolumina dokumentiert wird. TietoEnator investiert hierfür in einen neuen Standort incl. Umzug des bisherigen Standorts, erhebliche Renovierungskosten und mehrjährige Mietvertragsbindung. Auch wir können nicht in die Zukunft blicken, sind uns aber absolut sicher dass die Investitionen und das Geschäft erfolgreich sein werden. Ein wesentlicher Faktor hierbei sind ohne Zweifel erfahrene und motivierte Mitarbeiter die den Standort München für TietoEnator stärken und weiter ausbauen.

  3. Die Mitarbeiter haben keine Vorstellung davon, wie bei TietoEnator die Abfindungen im Falle von betriebsbedingten Kündigungen im Allgemeinen geregelt sind. Bei Siemens sind diese prinzipiell festgelegt. Bei Sozialplanverhandlungen werden ggf. bessere Konditionen vereinbart.

    TietoEnator ist ein wachsendes Unternehmen und hat daher mit betriebsbedingten Kündigungen und speziell Abfindungsregelungen nur begrenzte Erfahrungswerte. Deshalb gibt es derzeit keine Betriebsvereinbarungen bzgl. Abfindungen für den Fall betriebsbedingter Kündigungen.

  4. Die Kollegen interessieren sich für die Regelungsgegenstände der wichtigsten Betriebsvereinbarungen, die für sie gelten werden. Da es sich im Falle des Übergangs München Hofmannstraße um einen neuen Betrieb handelt, sind für diesen Betrieb nur die bei Ihnen bestehenden Gesamtbetriebsvereinbarungen relevant bzw. solche, die Sie auf diesen Betrieb übertragen möchten, wenn dort ein Betriebsrat etabliert ist. Wir denken dabei insbesondere an Regelungen zur Arbeitszeiterfassung, Arbeitszeitregelung, Abfindungsregelungen, Auswahlrichtlinien und ähnliches. Eine kurze Auflistung der wichtigsten Regelungen würde genügen, sodass man einen guten Eindruck davon bekommen kann.

    Wir möchten gerne hierzu wie folgt Stellung nehmen:
    Die Betriebsvereinbarungen von Siemens gehen wie in der Betriebsvereinbarung zur Überleitung definiert zu TietoEnator über und behalten ihre Gültigkeit bis zu einer eventuellen Neuregelung. Bei TietoEnator gibt es derzeit 2 Gesamtbetriebsvereinbarungen, nämlich "Arbeitszeit, Mehrarbeit und Überstunden" sowie "Nutzung von E- Mail und Internet". In der Überleitungsvereinbarung steht, dass wir derzeit die TE Betriebsvereinbarung zu Arbeitszeit für den neuen Betriebsteil nicht übernehmen werden . Somit gelten die Siemens Vereinbarungen weiter.
(iw)

Do, 01.06.06: Com ein Ball im Spiel um die Macht?
Thomas Ganswindt im Vorstand verantwortlich für Com hat sich vorgewagt. Com dürfe nicht zerschlagen werden, sondern müsse erhalten bleiben. "Es ist die richtige Entscheidung, beide Technologien zu behalten. Für uns ist ein großer Vorteil, in beiden Segmenten vertreten zu sein", sagte er dem "Handelblatt" (HB) auf der Tagung "Telekommarkt Europa" in Bonn.

Kaufen, Verkaufen, Halten. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass es sich bei Com um keinen Entwicklungsbereich handelt, der mit Produkten Geschäfte machen möchte, sondern um eine Aktie der besonderen Art. Vor einigen Wochen hieß es verkaufen, vielleicht an Motorola, dazwischen hieß es halten, und die Zielmargen anvisieren, ihr Steigen und Fallen, bestimme das Schicksal von Com. Jetzt heißt es halten mit Tendenz zu Kaufen - Zukäufen. Die Mitarbeiter in der Rolle der Spekulanten: Verbuchen sie ihren Arbeitsplatz als Gewinn oder Verlust? Vor kurzen hat Ganswindt herausgegeben: Abbau von 1200 Arbeitsplätzen. Die Sozialplanverhandlungen - geheim wie immer - mit dem GBR verhandelt - kurz vor dem Abschluss. Der Mitarbeiter wartet wie immer seit 2004 darauf vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Er kann froh sein, wenn er die Betriebsvereinbarung mit allen Zusätzen zu lesen bekommt.

Doch zurück zu Ganswindt. Mit ihm spricht sich nun zum ersten Mal ein Vorstandsmitglied öffentlich für den Erhalt von Com aus. Das Erreichen des Margenziels, von dem Kleinfeld und sein Finanzvorstand Josef Kaeser das Überleben von Com abhängig machen, scheinen in Ganswindts Überlegungen eine untergeordnete Rolle zu spielen. Ganswindt setzt auf Synergieeffekte - eine Forderung, die seit Jahren immer wieder aus der Zauberkiste des höheren Managements gezogen wird. Die Mitarbeiter haben von der Nutzung von Synergieeffekte genug. Sie äußern sich stets in Stellenabbau.

Wie ist der Vorstoß von Ganswindt zu werten? Ganswindt ist im Vorstand angeschlagen. Deutlich zeigt sich dies darin, dass Klaus Kleinfeld Ganswindt als Com Bereichsvorstand durch Eduardo Montez ersetzt hat ohne zuvor mit Ganswindt Rücksprache gehalten zu haben. Vor kurzem wurde bekannt: Der Zentralvorstand vermisst klare Ziele für Com, Pläne für Produkte, die Qualität von Einnahmen- und Ausgabenkalkulation wird kritisiert. Ganswindt steht im Feuer der Kritik des Zentralvorstands.

Kleinfeld und Ganswindt scheinen keine harmonische Einheit zu bilden. Ganswindt harmoniert besser mit Pierer. Versucht Ganswindt mit Heinrich von Pierer im Hintergrund, einen Befreiungsschlag, um seine Position im Vorstand wieder zu festigen? Wenn Ganswindt fällt, verliert Pierer einen Unterstützer im Vorstand. Um was geht es? Um Com? Oder um Machterhalt? Fast scheint es so, dann warum setzt Ganswindt sich ausgerechnet jetzt wo er in das Kritikfeuer des Zentralvorstandes geraten ist, für den Erhalt von Com ein? Bisher wirkte sein Engagement eher verhalten. Oder hat Pierer jetzt offen angegriffen?

Der Machkampf zwischen Kleinfeld und Pierer hält die Com-Sparte auf Trapp. Die Mitarbeiter werden wohl noch länger mit den starken Kursschwankungen bei Com leben müssen. Aber solange man damit leben muss, hat man einen Arbeitsplatz - bei Com. Die Empfehlung unserer Analysten ist halten.
FAZ
Spiegel online
(iw)


Autoren: Inken Wanzek, Christine Rosenboom
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