Artikel: März 2007



InWaChRo-News: Freitag, 30.03.07

Kommentar: Die Rolle der AUB
Die AUB fühlt sich unschuldig an der Affäre um ihren zurückgetretenen Vorsitzenden Wilhelm Schelsky. Sie erklärte, sie habe zu keiner Zeit Einfluss auf ihre Betriebsräte bei Siemens genommen und nie direkt Geld von Siemens erhalten, hieß es in einer in Nürnberg verbreiteten Stellungnahme. Sie räumte jedoch ein, dass Schelsky die AUB „personell und finanziell unterstützt“ habe.

Sicherlich haben nicht alle AUB-Mitglieder einen direkten Vorteil aus der Korruptionsaffäre um Schelsky. Es gibt sicherlich AUB-Mitglieder und Betriebsräte, die ihre Arbeit ehrlich verrichten. Es gibt aber zu denken, wenn der Vorstand einer Betriebsräteorganisation Gelder von Siemens kassiert hat und wenn die Staatsanwaltschaft quasi darum bittet, auch ein Verfahren nach §119 BetrVG einzuleiten.

Fakt ist, dass die AUB 2003 in Mch H bei den Kündigungsschutzprozessen eine unrühmliche Rolle gespielt hat. Wir erinnern an die Flugblätter, die die IG Metall-Fraktion diffamierten, an die Plakataktion, bei der im gesamten Sendlinger Raum, der Betriebsratsvorsitzende Heribert Fieber in der Öffentlichkeit auf das Schwerste diffamiert wurde und an die Rolle einiger AUB-Mitglieder beim „anonymen Schreiben“, das plötzlich vor Gericht auftauchte und beinahe die Weiterbeschäftigungsprozesse nach §102 V BetrVG zu Fall gebracht hätte. Wir berichteten ausführlich, einschließlich Nachweisen darüber, auf unserer Homepage.

Die AUB-Betriebsräte vor Ort, sagten damals bei der Plakataktion, es käme von ganz oben, sie könnten nichts dafür. Aber sie zogen keine Konsequenzen daraus, ja es gelang ihnen noch nicht einmal, sich beim Vorsitzenden zu entschuldigen, obwohl er ihnen die Hand dazu gereicht hatte und der ein Vorsitzender war, der immer versucht hat, die AUB wie jede Fraktion in die Betriebsratsarbeit einzubinden und nicht auszugrenzen. Nur einige wenige traten aus der AUB aus, weil sie - bei allen Meinungsverschiedenheiten - eine solche Politik nicht mehr mittragen konnten. Ihr BR-Mandat hätten die AUB-Betriebsräte nicht verloren, wenn sie diesen Schritt getan hätten.

Schelsky selbst sagte damals in seiner Rolle als AUB-Vorsitzender in einem Interview zur AZ (6./7.12.03), nachlesbar für jeden: „Wenn der Betriebsrat gegen jede Kündigung klagt, bedeutet das große Verluste fürs Unternehmen. Im Zweifel muss dann doch nur ein anderer Beschäftigter dran glauben und verliert seinen Job“, was sich 2003 als unwahr erwies. Mit den Worten: „Wenn man mit sachlichen Argumenten nicht mehr weiterkommt, muss man zu solchen Mitteln greifen“, kommentierte er die Plakataktion. Wo blieb da das Nachdenken der AUB-Betriebsräte und -Mitglieder?

Wir wissen aus unserer täglichen Arbeit, dass es häufig AUB-Betriebsräte sind, die zu Aufhebungsverträgen beraten, 2003 Mitarbeiter überreden wollten, dass es besser ist, beim Kündigungsschutzverfahren alleine zu bleiben. Sicherlich wieder nicht alle, aber viele.

Die spätere Betriebsratsvorsitzende S. H. ist unmittelbar nach der Betriebsratswahl 2002 aus der AUB zur IG Metall übergetreten. Wenn man die Entwicklung am Standort Mch H betrachtet, dann wandelte sich die offene Kommunikationspolitik unter ihrer Führung zu einer Geheimratspolitik. Die Devise war „still und leise“. Plötzlich gab es wenig Information, geheime Protokollnotizen. Die Politik wurde arbeitgeberfreundlich. Man verschwieg den Mitarbeitern wie der Weg in die Kündigungsschutzklage aussehen würde, drohte mit Auswahlrichtlinien in einer Betriebsvereinbarung, ließ die Mitarbeiter im Unklaren, ob sie eine Abfindung erhalten würden, wenn der Arbeitgeber kündigt. Diesen Wandel vollzog der Betriebsrat Mch H unter seiner Betriebsratsvorsitzenden S. H. Genauso wenig oder genauso viel wie die AUB-Mitglieder bei Schelsky unschuldig sind, sind die IG Metall Mitglieder an diesem Wandel der gewerkschaftlichen Politik hier in München schuldig oder unschuldig. Wir zogen daraus unsere Konsequenzen und distanzierten uns zur IG Metall, weil wir diese Politik nicht mittragen wollten.

Doch zurück zum pauschalen Übertrittsangebot der IG Metall: Es ist ein Unterschied, ob jemand persönlich zu der Überzeugung gelangt, dass es für ihn richtig ist, eine Organisation zu verlassen bzw. in eine andere zu wechseln, oder ob die IG Metall pauschal, den Übertritt anbietet. Es ist unseres Erachtens wichtig zu prüfen - insbesondere, wenn der Verdacht der Korruption im Raum steht -, wem man die Tore seiner eigenen Organisation öffnet. Dieses Verhalten ist ein wichtiger Selbstschutz für eine Organisation, die sich nicht unterwandern lassen will. Und dieser Schritt ist legitim.

AUB-ler (auch die, die ehrliche Arbeit leisten) sind in der Regel keine Gewerkschafter. Die Politik, das Gedankengut ist unterschiedlich. Es bedarf unserer Meinung nach für so einen Wechsel einer inneren Überzeugung und diese sehen wir nicht, wenn einfach von einer Fraktion zur anderen gewechselt wird, nur um die Opposition zu verkleinern oder wieder in eine anerkannte Organisation zu kommen. Nicht pauschale Nachfolge, sei es in der IG Metall oder AUB ist unseres Erachtens wichtig, sondern die innere, individuelle Überzeugung, warum man etwas tut oder unterlässt. Und was ist mit denen, die es nicht ehrlich meinen, die nachweislich wie in der Vergangenheit geschehen mit der Betriebsleitung zu vertrauensvoll zusammen arbeiteten? Es ist nicht auszuschließen, dass sie die ersten sein werden, die wechseln, um Fuß zu fassen in einer Organisation, die bisher nicht die ihre war.

Die AUB-Mitglieder können zwar nicht für Schelskys persönliches Handeln verantwortlich gemacht werden, aber sie können verantwortlich gemacht werden, für das, was sie unterlassen und geduldet haben, für die Konsequenzen, die sie nicht gezogen haben, für das Schweigen, wo sie hätten reden sollen. Es ist unrealistisch anzunehmen, dass niemand etwas wusste oder ahnte, ahnten es doch schon Außenstehende. Die AUB-Mitglieder hätten darüber nachdenken sollen, warum ein Schelsky, der de facto dem Arbeitgeberlager zuzuordnen ist, Vorstand einer Betriebsräteorganisation war.
(iw)


InWaChRo-News: Freitag, 30.03.07

Neue Entwicklungen in der AUB-Affäre
Der IG Metall Vorstand will laut ihrem Vorstandsvorsitzenden Jürgen Peters am Montag beschließen, eine Strafanzeige nach §119 BetrVG zu erstatten. Die neuesten Enthüllungen in der Affäre um den zurückgetretenen AUB-Vorsitzenden Wilhelm Schelsky verstärken den Verdacht, dass Siemens über die AUB Einfluss auf die Betriebsratsarbeit genommen hat.

Laut Süddeutscher Zeitung ermittelt die Staatsanwaltschaft Nürnberg in dieser Angelegenheit auch gegen Hannes Apitzsch, Bereichsvorstand der Siemens-Sparte Automation & Drives (A&D).

Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, Apitzsch habe von den Millionenzuwendungen an Schelsky gewusst, sie aber nicht verhindert. Auch gegen den ehemaligen A&D-Bereichsvorstand, den heutigen Chef der österreichischen Fluglinie Austrian Airlines, Alfred Ötsch, wird wegen Untreue ermittelt. Er erklärte, die A&D-Zentrale in Nürnberg sei lediglich eine Durchlaufstation bei den Zahlungen an Schelsky gewesen. Die „inhaltliche und kostenmäßige Verantwortung habe ausschließlich bei der Konzernzentrale in München“ gelegen.

Die AUB räumt inzwischen ein, von Schelsky „personell und finanziell unterstützt“ worden zu sein. Sie habe aber keinerlei Kenntnis über Zahlungen von Siemens an Schelsky.
(cr)


InWaChRo-News: Freitag, 30.03.07

Konkurrenz von Nokia Siemens Networks holt lukrative Aufträge
Der französische Telekomausrüster Alcatel-Lucent hat vom US-Mobilfunkkonzern Verizon Wireless einen Großauftrag im Volumen von sechs Milliarden Dollar erhalten, ein Auftrag, der auch für Nokia Siemens Networks hätte sein können, wenn es diese Firma gegeben hätte. Zudem soll Alcatel-Lucent das Service-Angebot von Verizon Wireless um weitere Produkte wie etwa Internet-Telefonie erweitern.

Alcatel-Lucent hat jedoch noch weiteren Boden gutmacht und Nokia Siemens Networks deutlich hinter sich gelassen. Im Februar 2007 erhielt Alcatel-Lucent einen sehr lukrativen Service-Auftrag von E Plus, indem dieser Netzbetreiber die gesamte Wartung seines Netzes an Alcatel... überträgt. Der Vertrag läuft über drei Jahre. Alcatel-Lucent steigt damit in die Dienstleistungen rund um die Mobilfunknetze ein "E-Plus ist der erste Netzbetreiber in Deutschland und einer der ersten in Europa, der diesen Schritt geht", betont Thorsten Dirks, der neue Vorstandsvorsitzende von E-Plus. Rund 750 Stellen von E-Plus werden per Betriebsübergang zu Alcatel-Lucent wandern. "Für die Mitarbeiter heißt das, dass sie weitermachen können, da wir unser Netz von Alcatel-Lucent ja deutlich ausbauen lassen wollen", sagt Dirks und fügt hinzu: "Wir wollen im Jahr 2007 und in den folgenden Jahren jeweils einen dreistelligen Millionenbetrag in Euro in den Ausbau des Netzes investieren." Auch wenn E-Plus darüber keinen Vertrag mit Alcatel-Lucent abgeschlossen hat, dürfte Alcatel-Lucent in der engeren Wahl von E-Plus liegen.

Ericsson/Marconi ist mittlerweile mit einer Marge um 16 Prozent unerreichbar für Nokia Siemens Networks.

Frage an das Management: Ist Nokia Siemens Networks für das Dienstleistungsgeschäft gerüstet? Es wird verstärkt kommen, wie wir bereits am 27.1.07 berichteten? Wer hier den Anschluss verliert, verliert ihn mit großer Wahrscheinlichkeit auch als Netzausrüster.
(iw)


InWaChRo-News: Mittwoch, 28.03.07

Einleitung eines Verfahrens gegen Siemens wegen Beeinflussung der Betriebsratsarbeit?
„Siemens habe über Schelsky Millionenverträge in die AUB gesteckt, um deren Aufbau und deren Betriebsratswahlkämpfe zu unterstützen, lautet der Verdacht. Derartige Gesetzesverstöße werden von der Staatsanwaltschaft aber nicht von Amts wegen, sondern nur auf Antrag von Betriebsräten, Gewerkschaften oder Unternehmen verfolgt. Ein solcher liegt bislang aber nicht vor…“ schreibt die Süddeutsche Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe.

Die Süddeutsche Zeitung bezieht sich hier auf §119 BetrVG. Dieser Paragraph besagt, dass jeder, der die Arbeit des Betriebsrats behindert oder stört mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft wird. Wenn Gelder von Siemens in die AUB geflossen sind, dann liegt eine massive Beeinflussung der Betriebsratsarbeit vor. Offen wurde die Arbeitgeberfreundliche Haltung der AUB beispielsweise bei der Plakataktion 2003 gegen den damaligen Betriebsratsvorsitzenden, sowie in der Rolle, die die AUB in der Datenausspähung gespielt hat.

In einem Schreiben an Ihre Mitglieder geht die IG Metall davon aus, dass die AUB weitermacht, „wenn auch deutlich geschwächt“ und „unter neuem Namen … Deshalb ist es m.E. wichtig, gerade jetzt AUB-ler zu uns rüberzuziehen, wenn es im Einzelfall angezeigt scheint. …und sie aufzufordern, die AUB zu verlassen und ihnen einen Eintritt in die IG Metall anzubieten.“

Die IG Metall ist sehr risikofreudig, wenn sie den AUB-Arbeitnehmervertretern ihre Tore öffnet. Mit einem Übertritt in die IG Metall dürfte sich die über Jahre hinweg verinnerlichte arbeitgeberfreundliche Haltung nicht einfach abschütteln lassen. Wie will die IG Metall sicherstellen, dass sie sich keine Arbeitgeber-U-Boote einhandelt, die dann IG Metall-Interna an den Arbeitgeber weitertragen (Datenausspähung wäre dann nicht mehr nötig).

Statt darüber nachzudenken, AUBler in die IG Metall zu ziehen, sollte die IG Metall deutlich zeigen, dass sie die Handlungsweise der Siemens AG, massiven Einfluss auf die Betriebsratsarbeit auszuüben, für die Zukunft unterbinden will. Um glaubhaft zu sein, muss sie ein Verfahren nach §119 BetrVG gegen Siemens einleiten, insbesondere, da die Staatsanwaltschaft Nürnberg und die Presse darauf zu warten scheinen, wie unter anderem aus dem SZ-Artikel hervorgeht. Wir können nicht nach §119 BetrVG vorgehen, da wir keine Gewerkschaft sind.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Mittwoch, 28.03.07

Johannes Feldmayer suspendiert
Im Zusammenhang mit dem laufenden Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Nürnberg hat der Zentralvorstand Johannes Feldmayer den Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Siemens AG, Heinrich von Pierer, gebeten, ihn vorübergehend von seinen Pflichten zu entbinden. Diesem Wunsch ist laut Siemens-Pressemitteilung entsprochen worden.

Laut der Süddeutschen Zeitung vom Heute ermittelt die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der Affäre um die AUB und deren Vorsitzenden Wilhelm Schelsky auch gegen den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Karl-Hermann Baumann. Eine Bestätigung dafür steht allerdings noch aus.
(cr)


InWaChRo-News: Dienstag, 27.03.07

Siemens-Zentralvorstand in U-Haft
Johannes Feldmayer, Mitglied des Siemens-Zentralvorstandes, wurde Heute von der Staatsanwaltschaft Nürnberg verhaftet. Gegen Feldmayer wird im Zusammenhang mit Zahlungen von Siemens in Höhe von mindestens 15 bis 20 Millionen Euro an den AUB-Chef Wilhelm Schelsky ermittelt. Diesen Zahlungen sollen keine adäquaten Leistungen gegenüber gestanden haben. Feldmayer soll 2001 einen Beratervertrag von Siemens mit Schelsky unterschrieben haben.

Der Vorwurf gegen den Siemens-Vorstand laute auf Untreue, sagte ein Sprecher der Nürnberger Staatsanwaltschaft. Außerdem besteht der Verdacht, dass Siemens sich durch die Zahlungen die AUB gewogen machen wollte. Damit könnte ein Verstoß gegen § 119 BetrVG vorliegen, der die Beeinflussung (u.a. durch die Gewährung von Vorteilen) von Betriebsratswahlen unter Strafe stellt. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg durchsuchte heute auch mehrere Siemens-Standorte in München, Nürnberg und Erlangen.

Neben Heinz-Joachim Neubürger, Thomas Ganswindt und Klaus Kleinfeld wurde Johannes Feldmayer als vierter Kandidat für die Nachfolge von Heinrich von Pierer an der Siemens-Spitze gehandelt. Mit dem 50-Jährigen wurde nun erstmals ein aktiver Siemens-Zentralvorstand verhaftet.
(cr)


InWaChRo-News: Montag, 26.03.07

Spiel ohne Torwart
Der Verein FC Com hatte 22 Fußballspieler. Dann stellte das Management fest, die Mannschaft verlor und die Einnahmen des Vereins gingen zurück. Um den Verlust auszugleichen, beschlossen die Manager elf Spieler abzubauen, statt nach den Ursachen zu suchen und diese zu beheben.

Der Vorstand erklärte der Presse gegenüber: "Der Vereinsvorstand sieht keine Umkehr dieser Entwicklung und hält es deshalb für notwendig, die Prozesse und die bestehenden Ressourcen an den Markt anzupassen und auf diese Weise die Wettbewerbsfähigkeit des FC Com nachhaltig zu stärken." Die Begründung in der Mail an die Spieler: "Wir stellen uns den Herausforderungen. So können wir die Zukunft trotz schwieriger Bedingungen sichern. Dazu sind wir richtig und optimal aufgestellt."

Die Spieler spielten nun - voll motiviert - bei jedem Spiel. Nach einem anfänglichen leichten Aufschwung (Unentschieden), ließen die Kräfte nach und sie verloren wieder. Das Management stellte fest, dass der FC Com "nach wie vor unter unverändert schwierigen Rahmenbedingungen" litt. Die Einnahmen des Vereins gingen noch weiter zurück. Die Restrukturierungsmaßnahmen waren offensichtlich nicht ausreichend.

"Um den Verlust auszugleichen und die Arbeitsplätze für die verbleibenden Spieler zu sichern", beschlossen sie weitere fünf Spieler abzubauen. Die verbliebenen Spieler sollten die Laufleistung der anderen übernehmen. Auch der Torwart, der in den Augen des Managements "sowieso nur im Tor herumsteht", stand zur Disposition. Nur ein Streik der Mannschaft verhinderte dessen Entlassung. Das Team spielte nun mit sechs Spielern und verlor wieder.

Das Management konnte sich das nicht erklären, hatte man doch alle vorhandenen Synergieeffekte genutzt. Das unternehmerische Ziel, den Europapokal zu gewinnen, wurde zur Überraschung des Managements verfehlt. Am 30.02.?? meldete der Verein Insolvenz an.

Das Management von Siemens Com hat durch kontinuierlichen Stellenabbau und falsche Managemententscheidungen Com heruntergewirtschaftet. Die schlechte Marge von 4,3 Prozent ist Ergebnis einer katastrophalen Geschäftspolitik. Wie stellt sich das Management von Nokia Siemens Networks dazu? Wird man diese Geschäftspolitik ändern? Manchmal hilft ein Blick in die Vergangenheit, um die Zukunft meistern zu können. Aus Fehlern lernen, heißt es auch bei Nokia Siemens Networks. Doch lernt das Management? Andere unternehmerische Entscheidungen sind gefragt. Unternehmerische Entscheidungen, die sich als erfolglos herausgestellt haben, müssen verworfen werden. Jetzt sind unternehmerische Entscheidungen gefragt, die neue Wege aufzeigen und innovative Ideen fördern.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Montag, 26.03.07

Harte Zeiten für die Belegschaft von Nokia Siemens Networks
Dem Joint Venture Nokia Siemens Networks (NSN) stehen harte Zeiten bevor. Insbesondere das von Siemens eingebrachte Festnetzgeschäft muss grundlegend saniert werden. Dies berichtet das 'Manager Magazin' (aktuelle Ausgabe).

Der Festnetzbereich schrieb nach einer Analyse von Sal. Oppenheim im abgelaufenen Geschäftsjahr (zum 30.09.06) einen Verlust vor Steuern (EBIT) in Höhe von 65 Millionen Euro. Der Umsatz betrug 3,3 Milliarden Euro. Die gesamte Netzsparte einschließlich der Mobilfunkaktivitäten erzielte 2006 eine EBIT-Marge von nur 4,3 Prozent. Jetzt wird deutlich, warum die Geschäftsleitung, die Geschäftszahlen so sorgfältig hütet.

Der von Nokia in das Gemeinschaftsunternehmen eingebrachte Bereich Nokia Networks steht ein wenig besser da. Seine EBIT-Marge liegt bei 8,2 Prozent (ohne Einmaleffekte). Insbesondere hohe Markteintrittskosten in Schwellenländern lassen seit mehreren Quartalen die Profite von Nokia Networks schrumpfen. Ericsson wies dagegen 2006 eine Gewinnmarge vor Steuern in der Höhe von 16,9 Prozent aus. Bringt man sich die Ankündigung von Ericsson, Nokia Siemens Networks Marktanteile auf dem deutschen Markt abjagen zu wollen, in Erinnerung, dann liegt es auf der Hand: Auf die Belegschaft kommen harte Zeiten zu, auch wenn bis jetzt noch unklar ist (bzw. es noch nicht preisgegeben wird), an welchen Standorten Arbeitsplätze abgebaut werden.

Von Stackelberg, Kommunikationsexperte bei Sal. Oppenheim geht von Restrukturierungskosten von insgesamt 1,5 Milliarden Euro bei NSN aus. Wenn, wie geplant, im laufenden Geschäftsjahr Aufwendungen von fast 600 Millionen Euro anfallen, dann würde die EBIT-Marge von Nokia Siemens Networks auf 0,8 Prozent fallen.

Da Aufträge, errungen in Schwellenländern, nicht zum Gewinn beitragen, sondern nur dem Markteintritt dienen, ist Nokia Siemens Networks auf Kunden im europäischen und amerikanischen Raum angewiesen, um seine Marge steigern zu können. Dazu muss das Unternehmen das Vertrauen der Kunden behalten bzw. gewinnen. Erforderlich dafür sind eine gute Serviceleistung und die Entwicklung guter Produkte, die technologisch auf der Höhe sind. Dies geht nur mit einer motivierten Belegschaft, die diese Kundenzufriedenheit herstellt.
(iw)


InWaChRo-News: Montag, 26.03.07

Nassauer will Gespräche mit finnischen Arbeitnehmervertretern führen
Schön, dass es Zeitungen gibt, sonst hätte die Belegschaft nicht erfahren, dass Georg Nassauer, Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Siemens SN, derzeit ein Treffen mit finnischen Arbeitnehmervertretern vorbereitet. Eine kleine Delegation von Betriebsräten und Gewerkschaftern treffen sich in dieser Woche in München. "Es ist ein Vorgespräch, um sich mal zu beschnuppern, sich näher kennen zu lernen, sich mit der Situation der anderen vertraut zu machen", sagt Nassauer.

Nun, es wird Zeit zu solchen Gesprächen. Immerhin wissen wir schon seit 19.06.06, also fast ein Jahr lang, dass es das Joint Venture mit Nokia geben wird und dass dieses mit einem massiven Stellenabbau verbunden sein wird. Wir erwarten, dass dieser Stellenabbau bereits im April beginnt. Siemens und Nokia haben sich schon lange mit der Situation des jeweils anderen vertraut gemacht. Es ist davon auszugehen, dass bereits Verhandlungen mit dem GBR stattfinden.

Auf den Stellenabbau bei Nokia Siemens Networks angesprochen, sagte Georg Nassauer zu Welt-Online: "Bei der Zusammenführung wird es noch zu Komplikationen kommen ... Es wird keinen Big Bang geben, und dann ist plötzlich Nokia Siemens Networks da".

Zweifel bleibt aufgrund dieser nichts sagenden Aussagen, ob die Arbeitnehmervertreter eine Strategie haben, um den Stellenabbau zu verhindern.
(iw)


InWaChRo-News: Sonntag, 25.03.07

Insidertransaktionen
Es wurde gefragt, warum die Aktienverkäufe von Siemens Vorstandsmitgliedern und Aufsichtsräten im Internet zu finden sind und warum diese als Insidertransaktion bezeichnet werden. Deshalb möchten wir diesen interessanten Sachverhalt erklären. Ein aktuelles Beispiel Siemens haben wir bei Yahoo! Finanzen gefunden. Die Überschrift "NACH § 15a WpHG GEMELDETE INSIDER TRANSAKTIONEN" weist schon darauf hin, dass zwischen strafbaren und nicht strafbaren Insidertransaktionen zu unterscheiden ist.

Am 21.2.2007 verkaufte beispielsweise Ralf Heckmann, von der IG Metall in den Aufsichtsrat der Siemens AG entsandt, 234 Aktien zu 85,25 EUR pro Stück und erzielte damit ein Ergebnis von 19.948,50 EUR. Mit dieser Insidertransaktion bewies er eine geschickte Hand, verkaufte er doch fast zum 52 Wochen Hoch (86,12 EUR) der Siemens-Aktie.

Eine ganz so glückliche Hand hatte ich leider nicht, da ich meine Aktien am 11.12.06 zu früh, nämlich zu einem Kurs von 73,38 EUR verkaufte. Dieser lag zwar über dem Kurs, den die Vorstände Kleinfeld, Reinhardt, Krubasik und Sharef im September erzielten, hätte ich aber so lange gewartet wie Ralf Heckmann, dann hätte ich heute etwa 2200 EUR mehr auf dem Konto. Ärgerlich.

Was ist ein Insider?
Insider ist jedes Organmitglied der Aktiengesellschaft, also Aufsichtsrat oder Vorstand, bzw. jemand, der in der Aktiengesellschaft Führungsaufgaben wahrnimmt.

Ralf Heckmann beispielsweise ist als Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Siemens AG ein Insider. Ich als normaler Mitarbeiter bin kein Insider.

Was muss ein Insider nun tun, wenn er Aktien verkauft?
Alle Transaktionen, die ein Insider mit den Aktien seiner Firma tut, ob das kaufen oder verkaufen ist, ist eine Insidertransaktion und muss als solche nach § 15a WpHG innerhalb von fünf Tagen dem Emittenten (in unserem Falle also Siemens) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) mitgeteilt werden.

Verkauft Ralf Heckmann also Siemens Aktien, dann muss er dies Siemens und der BaFin mitteilen.

"Hat ein Inlandsemittent [Siemens] von einem Mitteilungspflichtigen [Heckmann] eine Mitteilung nach § 15a Abs. 1 WpHG erhalten, so hat er diese unverzüglich Medien [z.B. Yahoo! Finanzen] zuzuleiten, bei denen davon ausgegangen werden kann, dass sie die Information in der gesamten Europäischen Union und in den übrigen Vertragsstaaten des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum verbreiten und der BaFin unverzüglich einen Beleg über die Zuleitung zu übersenden.", so die BaFin.

Wenn also Siemens von einem Aufsichtsratsmitglied wie Ralf Heckmann erfährt, dass dieser Siemens-Aktien verkauft hat, dann muss Siemens dies unverzüglich der Presse mitteilen. Natürlich hat Siemens entsprechend dieses Gesetzes gehandelt. So kommt es, dass Yahoo! Finanzen diese Transaktion als Insidertransaktion veröffentlicht hat. Es handelt sich also um einen ganz normalen Vorgang für jedes Vorstands- und Aufsichtsratsmitglied.

Wann ist eine Insidertransaktion strafbar?
Eine Insidertransaktion ist nach § 38 WpHG strafbar, wenn der Insider Kenntnisse über kursrelevante Informationen (Insiderinformationen) bei Aktiengesellschaften, die der Öffentlichkeit noch nicht bekannt sind, für Börsengeschäfte zu seinem Vorteil ausnützt. Ebenso strafbar wäre die Verbreitung dieses Wissens im Bekanntenkreis.

Wir hoffen, dass damit alle Unklarheiten bzgl. dieses Themas geklärt sind.
(cr)


InWaChRo-News: Sonntag, 25.03.07

Schlichtungsergebnis der ERA-Eingruppierung bei SN Mch M
Bei Siemens Networks Mch M wurden 1500 Widersprüche gegen die ERA-Eingruppierungen geschrieben. 37 Prozent dieser Fälle wurden anschließend in der Paritätischen Kommission (PaKo) behandelt. In 62,4 Prozent der Fälle konnte eine Einigung in der Paritätischen Kommission erzielt werden. Zugunsten der Arbeitnehmer wurde 23,8 Prozent der Fälle entschieden.

In die Schlichtung gingen 209 Eingruppierungsfälle. Für nicht zuständig erklärte sich die Schlichtungsstelle in 9 Fällen, da die Mitarbeiter beispielsweise inzwischen den Betrieb verlassen hatten. In 58 Fällen änderte sich die Eingruppierung nicht. 102 Mitarbeiter wurden eine Entgeltgruppe, 31 zwei Entgeltgruppen und 9 sogar drei Entgeltgruppen höher eingruppiert.

  MA
absolut
MA prozentual PaKo prozentual Schlichtung prozentual
Widersprüche
1500
100,0 %
   
Nicht in der PaKo behandelt*
945
63,0 %
   
In PaKo behandelt**
555
37 %
100,0 %
 
Einigung in PaKo zugunsten AN
132
8,8 %
23,8 %
 
Einigung in PaKo zugunsten AG
214
14,3 %
38,6 %
 
In Schlichtung behandelt
209
13,9 %
37,6 %
100,0 %
Einigung in Schlichtung
zugunsten AN
142
9,5 %
 
67,9 %
Einigung in Schlichtung
zugunsten AG
58
3,9 %
 
27,8 %
Schlichtung nicht zuständig
9
0,6 %
 
4,3 %
* Begründung dafür, dass nicht mehr Fälle in der PaKo behandelt wurden, war, dass aus Zeitgründen nur 400 Fälle behandelt werden können. Laut ERA-Tarifvertrag hätte die Möglichkeit bestanden, eine weitere PaKo einzurichten.

Die Fälle, die nicht in die PaKo gingen, wurden angeblich irgendwie pauschal behandelt. Da es sich jedoch immer um individuelle Widersprüche und Sachlagen gehandelt hat, ist eine pauschale Behandlung insbesondere zu Ungunsten des Mitarbeiters nicht möglich. Die Fälle hätten entsprechend dem ERA-Tarifvertrag in der PaKo behandelt werden müssen. Nur wenn zugunsten des Mitarbeiters entschieden worden wäre und eine schriftliche Einverständniserklärung des Arbeitgebers vorläge, könnte die PaKo entfallen. Wir bezweifeln, dass der Arbeitgeber in 945 Fällen nachgegeben hat, das wäre untypisch.

Einigung in (n) der 945 nicht in der PaKo behandelten Fälle zugunsten AN
0
23,8% * 945 = 245**
945
Eingruppierung zugunsten AN geändert
274
18,3 %
519
34,6 %
1219
81,3 %
Eingruppierung zugunsten AG beibehalten
1217
81,0 %
972
64,8 %
272
18,1 %
** hier haben wir die gleiche Verteilung der Entscheidungen wie in der PaKo angenommen.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Samstag, 24.03.07

Radio Lora sucht Sponsor
Lora München stellt „NCI on Air“ bereits seit 2003 den Sendeplatz am 1. Mittwoch im Monat um 20:00 Uhr zur Verfügung. Damit haben wir die Möglichkeit, die Probleme der Arbeitswelt aus Arbeitnehmersicht nicht nur über das Internet, sondern auch über Radio zu thematisieren. Der Arbeitgeber nutzt dazu seine Beziehungen zur kompletten Presse. Nur wenn wir in der Öffentlichkeit präsent sind, ist es möglich, Einfluss auf die Gestaltung der Arbeitsbedingungen zu nehmen.

Radio Lora sucht nun einen Sponsor und bittet um Spenden, um den Betrieb aufrecht erhalten zu können. Spendenkonto
(iw)


InWaChRo-News: Donnerstag, 22.03.07

Motivation gegen Stellenabbau - eine unternehmerische Betrachtung
Die UGW Event GmbH, Wiesbaden kam in einer Untersuchung über die Kosten mangelnder Motivation zu dem Ergebnis, dass durch Demotivation von Mitarbeitern ein wirtschaftlicher Schaden von 250 Milliarden Euro pro Jahr in Deutschland entsteht.

Wir haben untersucht wie sich ein Stellenabbau um 15 Prozent auf ein hypothetisches Unternehmen mit 12.600 Mitarbeitern, nennen wir es Elektro Bob AG, unter Berücksichtigung des Schadens durch die Demotivation der Mitarbeiter, finanziell auswirken würde. Dieser Rechnung haben wir die Kosteneinsparung durch Investition in Motivation der Mitarbeiter bei gleichzeitigem Verzicht auf Stellenabbau gegenübergestellt.

Basisdaten:
Bei den Untersuchungen der Gallup GmbH, auf die sich auch UGW bezieht, hat man festgestellt, dass durch mäßige Motivation pro Mitarbeiter einen Schaden von 6500 EUR entsteht, durch absolute Demotivation sogar 11.500 EUR. Weiter zeigten die Ergebnisse, dass durchschnittlich lediglich 12 Prozent der Mitarbeiter so motiviert sind, dass sie ihre Arbeitskraft voll in das Unternehmen einbinden können. 70 Prozent machen ihren Job bis hin zu Dienst nach Vorschrift. 18 Prozent sind total demotiviert. Ein Armutszeugnis für das Management in Deutschland. Diese Daten haben wir unserer Rechnung zugrunde gelegt.

  motiviert mäßig motiviert absolut demotiviert
Mitarbeiter
12 %
70 %
18 %
Unternehmerischer Schaden
pro Mitarbeiter in EUR
0
- 6.500
- 11.500


Verlust durch Demotivation bezogen auf Basisdaten:
Zunächst haben wir ausgehend von diesen Basisdaten berechnet, welches Gewinnoptimierungspotential vorhanden ist, wenn man in die Motivation der Mitarbeiter investieren würde. Dazu haben wir den Verlust berechnet, der durch Demotivation in diesem Unternehmen mit seinen 12.600 Mitarbeitern rechnerisch entsteht.

Gesamtzahl der Mitarbeiter
12.600
  motiviert mäßig motiviert absolut demotiviert
Anzahl der Mitarbeiter nach
Motivationsgrad in Prozent
12 %
70 %
18 %
Anzahl der Mitarbeiter nach
Motivationsgrad absolut
1512
8.820
2.268
Unternehmerischer Schaden
pro Mitarbeiter in EUR
0
- 6.500
- 11.500
Summe des unternehmerischen Schadens Mitarbeiter und Motivationsgrad in EUR
0
- 57.330.000
- 26.082.000
Unternehmerischer Schaden gesamt in EUR
- 83.412.000


Damit ergibt sich ein Gewinnoptimierungspotential von 83,4 Mio. EUR.

Investition in Motivation
Nun haben wir angenommen, dass durch Motivationsmaßnahmen 60 % der Mitarbeiter voll motiviert werden können, 35 % mäßig motiviert und weitere 5 % absolut demotiviert bleiben. Damit ergibt sich eine Gewinnsteigerung durch reduzierten Schaden von 47,5 Mio. EUR.

Gesamtzahl der Mitarbeiter
12.600
  motiviert mäßig motiviert absolut demotiviert
Anzahl der Mitarbeiter nach
Motivationsgrad in Prozent
60 %
35 %
5 %
Anzahl der Mitarbeiter nach
Motivationsgrad absolut
7560
4410
630
Unternehmerischer Schaden
pro Mitarbeiter in EUR
0
- 6.500
- 11.500
Summe des unternehmerischen Schadens Mitarbeiter und Motivationsgrad in EUR
0
- 28.665.000
- 7.245.000
Unternehmerischer Schaden gesamt in EUR
- 35.910.000
Durch Motivation reduzierter Schaden
(= 83.412.000 - 35.910.000)
47.502.000


Damit ergibt sich ein Gewinnzuwachs von 47,5 Mio. EUR und es verbleibt ein Gewinnoptimierungspotential von 35,9 Mio. EUR.

Demotivation bei Stellenabbau (9 von 10 werden demotiviert)
Sicher ist, dass die Mitarbeitermotivation in einem Unternehmen, das Stellen abbaut, deutlich sinkt, da die Angst um den Arbeitsplatz die Kreativität und das Denken blockiert. Neun von zehn Beschäftigten leiden unter betrieblich bedingten Ängsten, schreiben die Wirtschaftswissenschaftler Winfried Panse und Wolfgang Stegmann in ihrem Buch "Kostenfaktor Angst". Die Angst, so die Wissenschaftler, "ist Angst vor Abmahnungen und Kündigung, Benachteiligung und Mobbing durch Kollegen oder den Chef, wortgewaltigen Reaktionen des Chefs, möglicherweise noch vor versammelter Mannschaft". Dies sind allesamt Ängste, die im Rahmen eines Stellenabbaus auftreten. Man kann annehmen, so Panse und Stegmann, dass bei neun von zehn Mitarbeitern die Motivation sinkt. Diese Annahme und das obige Gallup-Modell liegen folgenden Berechnungen zugrunde:

Gesamtzahl der Mitarbeiter
12.600
  motiviert mäßig motiviert absolut demotiviert
Anzahl der Mitarbeiter nach
Motivationsgrad in Prozent
1,2 %
17,8 %
81 %
Anzahl der Mitarbeiter nach
Motivationsgrad absolut
126
2243
10.231
Unternehmerischer Schaden
pro Mitarbeiter in EUR
0
- 6.500
- 11.500
Summe des unternehmerischen Schadens Mitarbeiter und Motivationsgrad in EUR
0
- 14.579.500
- 117.656.500
Unternehmerischer Schaden gesamt in EUR
- 132.236.000


Die Demotivation durch einen Stellenabbau von 15 Prozent in unserem hypothetischen Unternehmen Elektro Bob AG würde folglich rein rechnerisch 132,2 Mio. EUR Schaden anrichten.

Stellenabbau
Durch den Stellenabbau spart die Elektro Bob AG Personalkosten von rund 102.420 EUR pro Mitarbeiter ein. Von diesen Einsparungen müssen jedoch bei einer angenommenen Abfindung in Höhe von 100.000 EUR pro Mitarbeiter und der Schaden durch die Demotivation der verbleibenden Mitarbeiter abgezogen werden.

  nach 1. Jahr nach 2. Jahr
Stellenabbau 15 % MA
1890
0
Entgelt pro MA
- 60.000
 
Lohnzusatzkosten 70,7 % des Entgelts nach Arbeitgeberverband GesamtMetall
- 42.420
 
Personalkosten pro MA
- 102.420
 
Erzielte Einsparungen bei Stellenabbau von 15%
193.573.800
193.573.800
Einmalige Kosten für Abfindungen
Annahme 100.000 € pro MA
-189.000.000
0
Schaden durch Demotivation
-112.400.600
-112.400.600
Summe
-107.826.800
81.173.200
Gesamtschaden über zwei Jahre
-26.653.600


Fazit: "Motivation" das bessere unternehmerische Modell
Insgesamt ergibt sich bei einem Stellenabbau um 15 Prozent unter Berücksichtigung aller Einsparungen und Kosten der Demotivation, jedoch ohne Personalkosten für die Restrukturierung, ein Schaden von 26.653.600 Euro in einem Zeitraum von zwei Jahren.

Würde man stattdessen in die Mitarbeitermotivation investieren, könnte man ohne Personalabbau einen Gewinn von 47.502.000 Euro erzielen. Die Investition in die Mitarbeiter ist nicht besonders teuer. Sie kann bestehen aus Schulungen der Führungskräfte, menschliche Maßnahmen wie Lob, Anerkennung, … Was man nicht braucht sind teure Showveranstaltungen. Sie sind ähnlich einzustufen wie Propaganda-Mails. Die Kosten dürften in jedem Fall unter den Personalkosten für die Restrukturierung liegen. Selbst wenn man nicht in Mitarbeitermotivation investiert (was ein Fehler wäre) ist das Modell "Stellenabbau" ein Verlustmodell.

Jeder Mitarbeiter, der motiviert ist, ist gleichzeitig ein Werbeträger, da er hinter seinem Produkt steht. Produktivität, Kreativität und damit die Innovationskraft steigen. Gesuchte Spitzenkräfte werden eher zu einem Unternehmen mit gutem Betriebsklima wechseln. Der Kundenservice wird bei motivierten Mitarbeitern deutlich besser ausfallen. Die Qualität wird steigen, die Fehlerquote sinken. Damit wird die Kundenzufriedenheit steigen und somit die Kundenbindung erhöht. Die Akquisition von Neukunden wird erleichtert.

Verzicht auf Stellenabbau und Investition in die Motivation der Mitarbeiter lohnt sich für ein Unternehmen nicht nur in finanzieller Hinsicht, es erzielt auch einen unbezahlbaren Imagegewinn.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Donnerstag, 22.03.07

Siemens Enterprise Chef springt ab
Andreas Bernhardt, Bereichsvorstand von Siemens Enterprise Communications hat bereits Ende Januar das Unternehmen verlassen, berichtet das Manager Magazin aus informierten Kreisen. Nun führt Finanzvorstand Reinhard Benditte die Geschäfte. Grund seien Unstimmigkeiten über die künftige strategische Ausrichtung der kriselnden Siemens-Sparte gewesen.
(iw)


InWaChRo-News: Mittwoch, 21.03.07

Was sagen Mails vom Management über eine Firma aus?
Wir kennen Sie alle die motivierenden Worte in Managementmails: "Wir stellen uns den Herausforderungen. So können wir die Zukunft trotz schwieriger Marktbedingungen sichern. Dazu sind wir richtig und optimal aufgestellt ...". Die Mitarbeiter haben einen Namen dafür gefunden und nennen sie "Propagandamails". Die Worte bewirken nichts, erzeugen keine Motivation, keine Begeisterung, keinen Schwung. Warum? Weil der Mensch fühlt, dass sie hohl und leer sind, dass sie austauschbar sind und wirken, als seien sie von einem Mailgenerator erzeugt worden, der mit Plattitüden gespeist wurde.

"Als wir die Kultur und die Führungspraktiken, in diesem Unternehmen [das solche Mails verschickte] untersuchten", schreibt Daniel Goleman in seinem Buch Emotionale Führung "stellten wir wenig Flexibilität, Risikofreude, Innovation oder Kundenorientierung fest. Stattdessen fanden wir Mitarbeiter, die ohne Begeisterung tagein, tagaus dieselben Aufgaben erledigten und für die Vision des Unternehmensleiters nur Zynismus übrig hatten. Leider verschanzten sich viele Vorgesetzte hinter dem typischen Managementjargon, statt offene Gespräche mit ihren Mitarbeitern zu führen. Sie wissen nicht, was in der Organisation tatsächlich vor sich geht und welche Veränderungen nötig wären."

Fatal erinnert das an Siemens Com und Siemens Networks. Die Führung von Nokia Siemens Networks sollte nicht an ein Wunder glauben und denken, dass sich dieser Zustand mit dem Namen ändert. Sicher ist, dass die Belegschaft unter dem Damoklesschwert des ewigen Stellenabbaus nicht innovativ sein kann. Das zeigen die Geschäftszahlen der vergangenen Jahre deutlich. Daraus sollte man lernen - auch ein Management. Die Mitarbeiter brauchen ein Umfeld, in dem ein sicherer Arbeitsplatz normal ist, Gewinn nicht durch Stellenabbau, sondern durch Innovation, durch unternehmerisches Denken und gute Arbeit entsteht. Wir wissen, dass dies geht, doch dazu muss das Management sich ändern, Mut zur wirklichen Veränderung haben, bereit sein, nicht nur zu verwalten, sondern Raum für kompetente emotionale Führung schaffen.

Vielleicht gelingt eine friedliche Revolution von unten, um Nokia Siemens Networks zu einem Unternehmen zu machen, in dem Mitarbeiter wieder als Menschen gesehen werden. Kapazitäten sollten sich im Denken des Managements wieder zu Menschen wandeln, denn es sind die Menschen, die ein Unternehmen ausmachen, Menschen, die das Damoklesschwert nicht mehr akzeptieren wollen, Menschen, die Raum für Vernunft und Ideenreichtum in ihrem Unternehmen fordern, Menschen, die nicht mehr erleben wollen, dass ihr Kollege der heute noch unentbehrlich ist, morgen nicht mehr da ist, herausgedrängt mit psychischem Druck. Wir wollen keine Selektion mehr.

Sie als Management wollen nicht menschlich sein? Sie sagen, wir müssen Gewinn machen und bedienen nur das, was sich in Euro und Cent auszahlt? Dann sagen wir: Handeln sie unternehmerisch und schaffen Sie ein Umfeld für sichere Arbeitsplätze und zufriedene Mitarbeiter, denn "es gilt als erwiesen, dass positiv eingestellte Mitarbeiter ... einem Unternehmen mehr Gewinn einbringen. Es gibt sogar einen Logarithmus, der diesen Zusammenhang vorhersagt: Eine Verbesserung des Serviceklimas um ein Prozent bringt eine Erhöhung der Einnahmen um zwei Prozent. ... In 75 Prozent aller Fälle ließ sich ausschließlich anhand des Betriebsklimas erkennen, ob es sich um ein Unternehmen mit hohem oder niedrigem Gewinn und Wachstum handelte. ... Unsere Analysen lassen darauf schließen, dass das Arbeitsklima einen Unterschied von 20 bis 30 Prozent bei den Geschäftsergebnissen ausmachen." schreibt Daniel Goleman. Die Prognose für den Gewinn von Nokia Siemens Networks ist bei der derzeitigen von Com geerbten Mitarbeiterzufriedenheit schlecht.

Ein kleiner Erfolg nährt unsere Hoffnung, dass die neue Unternehmensführung unsere Hinweise in ihre Überlegungen einbindet. Das Management hat nach unserem Artikel veranlasst das Link-Chaos zur Nokia Siemens Networks Seite aufzulösen. Man kommt nun auch mit dem Link http://www.nokia-siemens-networks.com/ zu dieser Seite und landet nicht mehr bei Siemens. Auch die Domain www.nsn.com führt nicht mehr ins Nirwana. Nokia Siemens Networks scheint in den Kauf dieser Domain investiert zu haben. Nur die Naturbausteine www.nsn.de konnte sie nicht kaufen. Doch der Bandwurm http://www.nokiasiemensnetworks.com/ ist als Hauptlink geblieben. Wir werden ihn liebevoll weiter so nennen.

Denken Sie als Management darüber nach, ob es sich nicht auch für Sie rentiert, für ein Unternehmen zu sein, in dem die Kommunikation so offen ist, dass jeder es wagt, mit seinem vollen Namen hinter seiner Kritik zu stehen. Wagen werden Mitarbeiter dies nur, wenn das Damoklesschwert Stellenabbau im Museum für einfallsloses Management landet. Nur dann, wenn alle Mitarbeiter in einem internen Diskussionsforum Synonyme nicht mehr annehmen, dann hat Nokia Siemens Networks den Kulturwandel zum Besseren und damit in eine dauerhafte Gewinnzone geschafft.

"Du" zu sagen und sich beim Vornamen zu nennen, genügt dafür nicht, genau genommen spielt das überhaupt keine Rolle. Die entscheidende Rolle spielt der Chef, der virtuos auf dem Instrument emotional intelligenter Führung spielen kann. Dies sind Führungskräfte der neuen Generation. Gibt es diese in einem Unternehmen, dann gehören auch Propagandamails der Vergangenheit an.
(iw)


InWaChRo-News: Montag, 19.03.07

NoSiNet: Ericsson greift an
Ericsson / Marconi hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber Nokia Siemens Networks. Das Unternehmen existiert bereits seit 2005 und „die Integration von Marconi ist im Wesentlichen abgeschlossen“, sagte Stefan Kindt, der Deutschlandchef von Ericsson, auf der CeBIT. Nach dem Abbau von rund 600 der 2900 Arbeitsplätze in Deutschland (dies entspricht ca. 20%) sei nun wieder Ruhe im Konzern eingekehrt. Ericsson ist sich dieses Vorteils auch bewusst. Dies ist bedauerlich für Nokia Siemens Networks. Ericsson wird diesen Vorteil ausnutzen, um sein Geschäft in Deutschland zu Lasten der Konkurrenz deutlich ausbauen. Derzeit erzielt Ericsson einen Umsatz im dreistelligen Millionenbereich. Profitieren will der Weltmarktführer von der Aufrüstung der Telekomnetze für schnelle Datendienste und der Auslagerung von Netzen nach dem Vorbild von E-Plus.

Ericsson weiß ganz genau, dass die Konkurrenten Alcatel / Lucent und Nokia Siemens Networks im laufenden Jahr durch Integrationsarbeiten ausgebremst sind. Freuen kann sich Ericsson auch über den Stellenabbau bei Nokia Siemens Networks, denn dieser trägt sicher nicht zur Motivation der Mitarbeiter bei, insbesondere, da diese bereits durch die Verschiebung des Joint Ventures und den permanenten Stellenabbau der vergangenen Jahre stark verunsichert sind.

Die Einsparungen durch Restrukturierung sind minimal im Vergleich zu dem Schaden, der durch weitere Demotivation und Unruhe in der Belegschaft entsteht. Die Unruhe, die die Integrationsmaßnahmen erzeugen werden, ist schon groß genug. Jetzt sind Ideen und technisches Know How gefragt, um die Produkte von Nokia und Siemens zusammenzuführen. Kreativität gedeiht nur dort, wo Mitarbeiter sich voll auf Ihre Arbeit konzentrieren können, und nicht immer befürchten müssen, bei jeder Kritik auf einer schwarzen Liste für den Stellenabbau zu landen. Auch zusehen zu müssen, wie Kollegen unter Druck gesetzt werden, um einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben, fördert Angst vor Mobbing, lässt teuere Fehler entstehen, verstärkt das ohnehin schon bestehende Informationsvakuum nach oben und bewirkt, dass Verantwortung abgeschoben wird.

Wenn wir mit Ericsson Schritt halten wollen, dann müssen wir den Weg verkürzen und den Unruheherd „Stellenabbau“ überspringen und alles tun um die Motivation der Mitarbeiter zu fördern. Nur dann kehrt Ruhe in den Konzern ein. Die Mitarbeiter müssen wieder das Gefühl bekommen, mein Arbeitsplatz ist sicher. Nur dann haben sie den Kopf wirklich frei für ihre Arbeit. Nokia Siemens Networks sollte daher den Stellenabbau überdenken.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Montag, 19.03.07

FSC: Arbeitszeitverlängerung / Gehaltskürzung umsonst?
Kaum ist der Ergänzungstarifvertrag bei Fujitsu Siemens unter Dach und Fach, die Widerspruchsfrist für die außertariflichen Mitarbeiter gegen Arbeitszeitverlängerung auf 44 Stunden bzw. Gehaltskürzung abgelaufen, sagt Bernd Bischoff, Geschäftsführer von Fujitsu Siemens, er könne sich vorstellen, die Produktion von Desktop-Computern in Osteuropa anzusiedeln. In Deutschland könnte die Softwareentwicklung bleiben, auf Dauer aber nur noch hochpreisige Geräte gefertigt werden.

Dabei wurde der Ergänzungstarifvertrag extra abgeschlossen „zur Vermeidung von Verlagerungen in das Ausland oder Outsourcing“. Es dauert ungefähr drei Jahre, um eine Fertigung von der grünen Wiese ausgehend in einem osteuropäischen Land aufzubauen. Dies entspricht der Laufzeit des Ergänzungstarifvertrages. Vielleicht fließen die eingesparten Gelder in den Aufbau des osteuropäischen Werkes. Die Mitarbeiter finanzieren möglicherweise durch ihre Gehaltskürzungen die Verlagerung. Die Arbeitsplätze in der Fertigung in Deutschland, die man retten wollte, sind also durch den Ergänzungstarifvertrag keineswegs sicherer geworden. Die Mitarbeiter fühlen sich verschaukelt.

Die IG Metall sollte langsam erkennen, dass Ergänzungstarifverträge Standorte und Arbeitsplätze nicht sichern, sondern nur den Flächentarifvertrag aushöhlen und dem Arbeitgeber Einsparungen ermöglichen, ohne dass die Mitarbeiter Gegenleistungen dafür erhalten. Anderes Beispiel: Bocholt / Kamp-Lintfort.
(cr)


InWaChRo-News: Samstag, 17.03.07

Einleitung der Wahl im Carrier Mch H - Beschluss des Arbeitsgerichts
Gestern hat die Kammer 37 des Arbeitsgerichts München festgestellt, dass der Betriebsrat rechtmäßig im Amt ist. Damit findet keine Betriebsratswahl statt. Wir haben diesen Gerichtsprozess verloren - und sind froh darüber.

Wir - das ist nicht NCI - sondern Christine Rosenboom und zwei weitere Arbeitnehmer, die diesen Prozess geführt haben. Natürlich will jeder Mensch lieber gewinnen, aber wir haben diesen Prozess nicht eingeleitet, um einen Sieg über Arbeitgeber oder Betriebsrat zu erlangen, sondern, um eine betriebsratslose Zeit zu vermeiden und für euch bei SN Mch H Rechtssicherheit zu erwirken. Dieses Ziel haben wir erreicht.

Verantwortungsvoll für die Belegschaft
Wir bitten den Betriebsrat nun, sein Amt auch verantwortungsvoll und vor allem aktiver wahrzunehmen, als er es bisher getan hat.

Es stimmt bedenklich, wenn der Arbeitgeber in seinem Schriftsatz seinen Betriebsrat verteidigt und fragt:
"Es bleibt den Beteiligten zu 4 [Arbeitgeber] und 5 [Betriebsrat] auch verschlossen, warum sich die Beteiligten zu 1 bis 3 [Arbeitnehmer] gegen eine optimale und personell gut ausgestattete Arbeitnehmervertretung im streitgegenständlichen Betrieb [SN Mch H] wehren und worin hier der Nachteil für die Belegschaft liegen soll."

Wir hatten erwartet, dass der Arbeitgeber sich in diesem Prozess neutral verhält, denn bei einer Neuwahl hätte er ca. 5,4 Mio. Euro gespart, die er jetzt möglicherweise durch den Abbau von 36 Arbeitsplätzen gegenfinanziert.

Die Mitarbeiter wollen Informationen, brauchen Informationen und haben ein Recht auf Informationen, besonders wenn gravierende Betriebsänderungen anstehen, Produktlinien zusammengelegt oder eingestellt werden, Abteilungen verändert werden, Vorgesetzte wechseln, Stellenabbau sicher angekündigt ist, Ausgliederungen nicht auszuschließen sind. Der verlorene Prozess hat wohl auch dazu beigetragen, dass der Arbeitgeber auch in Zukunft von Kündigungen absehen wird, vorausgesetzt der Betriebsrat steht deutlich auf der Seite der Mitarbeiter, deutlicher als in diesem Prozess.

Der Gewinner des Prozesses - die Belegschaft
Weil wir den Prozess verloren haben, Eigentlich hätten der Betriebsrat und der GBR dem Arbeitgeber nie die "Waffe" einer eventuellen Anfechtung des Betriebsratsmandats in die Hand spielen dürfen, schon gar nicht mit Blick auf den angekündigten Personalabbau und nach den Erfahrungen aus dem Jahr 2003.

Darum ist es gut, dass wir den Prozess verloren haben. Gewonnen hat die Belegschaft - nämlich Rechtssicherheit in diesen unsicheren Zeiten.

Deutliche Indizien für Verlust der Betriebsidentität und damit des BR-Mandats
Der Betriebsrat schreibt auf seiner Homepage dass er nie daran gezweifelt hat, dass er rechtmäßig im Amt sei. Schlimm wäre es, wenn er davon nicht überzeugt gewesen wäre. Dann nämlich hätte er die Belegschaft dem Arbeitgeber ausgeliefert. Uns aber genügte diese Überzeugung nicht, die allein keine Rechtsicherheit schafft. Immerhin hat es in fast allen Betrieben Neuwahlen gegeben und die eingeholten Rechtsmeinungen bezüglich SN Mch H waren widersprüchlich. Immerhin umfassen die Schriftsätze in diesem Verfahren 130 Seiten und die Beweise weitere 140 Seiten. Ganz so eindeutig wie der Betriebsrat meint, war die Rechtslage also nicht.

Der Betrieb Mch H hat sich am 1.8.06 stark verändert. Er wurde aufgespalten in die drei Betriebe Siemens Enterprise, Siemens Carrier und Siemens Rest. Die Führungsspitze wechselte, die Belegschaft sankt von 4783 in der Siemens AG Mch H bei der letzten Betriebsratswahl auf 1546 in SN Mch H, also um 68 Prozent, wie aus den Wählerlisten zur Aufsichtsratswahl hervorgeht. Wesentliche Aufgaben, die der Betrieb Siemens AG Mch H verfolgt hat, macht SN nicht mehr. Dies sind alles Indizien, die zu der Frage berechtigen: Ist die Betriebsidentität nun erhalten geblieben oder nicht? Hätte neu gewählt werden müssen oder nicht?

Daher haben wir uns am 17.08.06 entschieden, diese Frage im Vorfeld des Stellenabbaus bei Nokia Siemens Networks zur Sicherheit der Belegschaft zu stellen und diese rechtswirksam vom Gericht klären zu lassen.

Betriebsrat und Arbeitgeber verzögerten den Prozess - Gefahr einer betriebsratslosen Zeit
Leider hat der Betriebsrat die Intention unseres Gangs vor Gericht nicht verstanden. Wir nahmen an, er wäre genau wie wir daran interessiert, dem Arbeitgeber im Vorfeld die Möglichkeit einer Anfechtung vor Gericht zu nehmen. Bedauerlicherweise mussten wir feststellen, dass er dem Mitarbeiternetz NCI, das mit der Einleitung des Verfahrens nichts zu tun hatte, unterstellte, eine Wahl herbeiführen zu wollen, damit NCI ein paar Sitze mehr im Betriebsrat bekommt.

An dieser Haltung hält der Betriebsrat zu unserem Bedauern bis heute fest. Er forderte wie der Arbeitgeber Fristverlängerungen, um seine Stellungnahmen vor Gericht abzugeben. Gemeinsam mit dem Arbeitgeber beantragte er, den Verhandlungstermin vom 15.12.06 zu verlegen. Dies bewirkte eine Verschiebung der mündlichen Anhörung auf den 9.2.07, also auf einen Zeitpunkt, zu dem das Übergangsmandat des Betriebsrats bereits abgelaufen war. Dieser Zeitpunkt bewirkte, dass ein betriebsratsloser Betrieb SN Mch H entstanden wäre, wenn wir den Prozess gewonnen hätten.

Ein zügiges Verfahren hätte sichergestellt, dass die Wahl eines neuen Betriebsrats während des Übergangsmandats, wie in den anderen Betrieben, eingeleitet worden wäre. Unseren Antrag hatten wir zum frühestmöglichen Zeitpunkt gestellt und alle Fristen eingehalten.

Formales Scheitern oder Entscheidung in der Sache?
Weiter stimmten Betriebsrat und Arbeitgeber einer Antragsänderung, die wegen Ablauf des Übergangsmandats des Betriebsrats am 1.2.07 erforderlich war, nicht zu und hofften, dass der Antrag aus formalen Gründen vom Gericht abgelehnt würde. Die Richterin beschloss aber, in der Sache zu entscheiden und das Verfahren nicht formal scheitern zu lassen. Und das war gut so. Ansonsten hätte die Rechtsunsicherheit weiter bestanden. Sie attestierte uns damit "ein Feststellungsinteresse" an der Frage, ob der Betriebsrat rechtmäßig im Amt ist oder nicht.

Rechtssicherheit ist endgültig
Es ist gut, dass die Entscheidung ins LAG zu gehen in unserer Hand und nicht in der des Arbeitgebers oder des Betriebsrats liegt. So liegt es an uns, das Urteil rechtskräftig werden zu lassen.

Wir werden das Urteil des Arbeitsgerichts München akzeptieren, auch ohne Kenntnis der schriftlichen Begründung. Anderes könnten wir euch gegenüber auch nicht verantworten. Denn nur so hat die Belegschaft des Betriebes SN Carrier Mch H und damit auch von Nokia Siemens Networks Mch H Rechtssicherheit.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Donnerstag, 15.03.07

Joint Venture Nokia Siemens Networks startet
Nokia und Siemens haben bekannt gegeben, dass das Joint Venture am 1.4.2007 endlich startet. Das war eine schwere Geburt.

Es müssen hohe Forderungen von Nokia erfüllt worden sein, um diesen Start doch noch zu ermöglichen. Immerhin bringt die Siemens AG nach Angaben des Wallstreet Journals rund 800 Mio. EUR mehr in das Unternehmen ein als ursprünglich geplant. Nokia investiert zusätzlich noch 100 Mio. EUR mehr. Dies deutet darauf hin, dass wohl große Kunden ihre zukünftige Auftragsvergabe von einer höheren Finanzkraft des Unternehmens abhängig gemacht haben. Insgesamt steuert die Siemens AG Nettovermögenswerte von 2,4 Mrd. EUR und Nokia 1,7 Mrd. EUR bei.

Dazu kommt die Vereinbarung, dass Siemens eventuelle Strafzahlungen, die sich aus der Korruptionsaffäre ergeben werden, tragen wird.

Die Erhöhung der Finanzkraft und diese Compliance-Vereinbarung sind positiv zu werten und lassen eine mögliche Insolvenz zunächst in die Ferne rücken. Wir rechnen mit mindestens einem Jahr des Bestehens von Nokia Siemens Networks.

Finanzkraft alleine reicht aber nicht. Wenn das Joint Venture länger bestehen soll, dann muss sich das Management ändern. Ein Management, das seit 2002 erfolglos versucht, die Telekommunikationssparte mit den immer gleichen Methoden zu sanieren, wird auch jetzt keine neuen Ideen haben. Bisher haben alle Maßnahmen nur dazu geführt, dass die Siemens AG die Telekommunikationssparte abgestoßen hat, weil die Umsatzrendite zu niedrig war und auf die Bilanz drückt. Die bisher eingeschlagenen Wege können also nicht richtig gewesen sein.

Jede Restrukturierungsmaßnahme, jede Änderung wird von Superlativen in Mitarbeitermails begleitet. So lasen die ICN-Mitarbeiter beispielsweise am 24.9.2002 in einer E-Mail, unterzeichnet von Ganswindt, Kutschenreuter, Mattes und Schaaf:

        „Die eingeleiteten Maßnahmen bringen uns stabile, zukunftsfähige Strukturen und Kostenpositionen ... So können wir die Zukunft von ICN trotz schwieriger Marktbedingungen sichern. Aus heutiger Sicht erwarten wir, dass nach Umsetzung dieser Maßnahmen die notwendigen Strukturanpassungen bei ICN abgeschlossen sind. … Wir haben dann einen Bereich ICN geschaffen, der überleben wird: mit den richtigen Technologien, den richtigen Produkten, den richtigen Lösungen und einer wettbewerbsfähigen Kostenposition. … Darum geht es: Unsere Kostenstrukturen weiter verbessern, die Innovationsführerschaft ausbauen und die Kundenorientierung stärken. Und dabei rasch und konsequent handeln! … Denn wir glauben an unsere Zukunft!“


Heute liest sich das so in der E-Mail vom 14.3.2007 an die Mitarbeiter, unterzeichnet von Kleinfeld, Kaeser, Kallasvuo, Simonson und Beresford-Wylie:
        „Lassen Sie uns nun in die Zukunft blicken. Wir verfügen über eine ausgezeichnete geschäftliche Ausgangsposition und solide Grundlagen für den Erfolg des Unternehmens und seiner Mitarbeiter. Seit der Ankündigung des neuen Unternehmens im letzten Juni haben wir gemeinsam bereits sehr viel erreicht. Wir haben gezeigt, dass wir mit der richtigen Einstellung auch schwierige Probleme bewältigen können, dass wir mit dem richtigen Spirit ein Gemeinschaftsunternehmen schaffen werden, das die Branche anführen wird – nicht nur hinsichtlich geschäftlicher Performance und Kundenzufriedenheit, sondern auch im Hinblick auf Ethik und Integrität.“

Es nervt. Wir wollen solche austauschbaren Phrasen nicht mehr lesen und hören.

Statt Superlative fordern wir vernünftige unternehmerische Ideen und Handeln und nicht die Fortsetzung von stupidem demotivierendem Stellenabbau, wie er seit 2002 jedes Jahr erfolgt. Nur mit motivierten Mitarbeitern kann man ein Unternehmen erfolgreich führen. Dazu muss man auch in die Mitarbeiter investieren. Superlative in E-Mails genügen nicht.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Mittwoch, 14.03.07

Nokia sichert sich ab
Laut Süddeutscher Zeitung hat Siemens Nokia zugesichert, alle Strafzahlungen zu übernehmen, die aus dem Schmiergeldskandal auf das geplante Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks zukommen könnten.

Eigentlich ist dies nicht wirklich etwas Neues. Klaus Kleinfeld erklärte bereits auf der Hauptversammlung am 25.1.2007: „Die Anpassung des Joint Venture Vertrags vor dem Hintergrund der Compliance Thematik ist erfolgt. Wir erwarten das Closing im laufenden Quartal.“

Mit welchem Inhalt der Vertrag geändert wurde, sagte Kleinfeld damals nicht. Wir gingen im Januar bereits davon aus, dass Siemens zugesagt hat, eventuelle Strafzahlungen, die sich aus der Korruptionsaffäre vor dem Closing ergeben, zu übernehmen.

Es ist nicht ganz nachvollziehbar, warum diese Vertragsänderungen so lange gedauert haben sollen. Schließlich beschäftigen beide Seiten Anwälte mit Prädikatsexamen. Es ist ein leichtes für diese, innerhalb einer Woche einen solchen Vertrag abzuschließen.

Die Öffentlichkeit erwartet jetzt einen konkreten Termin für das Closing. Wenn die Strafzahlungen das einzige Problem wären, dann hätte der gleichzeitigen Bekanntgabe des Closing-Termins nichts mehr im Wege gestanden. Mit dieser Nachricht hofft der Vorstand offensichtlich Zeit zu gewinnen und die Öffentlichkeit hinzuhalten. Zeit wofür?
(cr/iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 13.03.07

Nokia Siemens Networks: Finanzkräftiger Partner?
Kunden brauchen Sicherheit. Ein Kunde, der im Netzgeschäft tätig ist, arbeitet mit einem Equipment, in das er sehr viel investiert. Er muss ein zuverlässiges Netz für seine Endkunden bereitstellen, um den hohen Anforderungen der Service-Level-Agreements genügen zu können. Diese hohe Netzverfügbarkeit verlangt sein Endkunde. Kann er sie nicht mehr garantieren, wird der Endkunde sehr schnell den Provider wechseln. Deshalb werden Unternehmen wie die Deutsche Telekom, Arcor, O2 und viele weitere genau die Entwicklung von Nokia Siemens Networks beobachten. Die Verschiebung des Joint Ventures hat sicherlich zu Irritationen geführt.

Wir könnten uns vorstellen, dass das Vertrauen dieser Kunden wegen des zögerlichen Handelns des Managements und der schlechten Außendarstellung von Nokia Siemens Networks gelitten hat. Wir als Kunden würden von der Siemens AG Sicherheiten fordern, die garantieren, dass der Service über die Gewährleistungsgarantie von 15 Jahren sichergestellt und die Gefahr der Insolvenz wie bei BenQ ausgeschlossen ist. Kunden wünschen sich einen zuverlässigen, finanzkräftigen Partner. Möglicherweise könnten sie diesen in einer GmbH & Co. KG nicht sehen.

Eine Lösung dieses Problems, die das Vertrauen der Kunden stärken würde, wäre sicherlich, wenn Siemens eine deutliche Mehrheitsbeteiligung, beispielsweise 70:30, an diesem Joint Venture halten und sich verpflichten würde, bei Zahlungsschwierigkeiten des Unternehmens Nokia Siemens Networks einzuspringen.

Auch für die Mitarbeiter wäre das eine vertrauensbildende Maßnahme, die das längerfristige Bestehen des Unternehmens wahrscheinlicher machen würde. Ein BenQ-Desaster wäre damit zunächst ausgeschlossen.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Dienstag, 13.03.07

Wahrheit oder Beruhigung?
In einem Mitarbeiterbrief haben der Siemens Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld und der Finanzchef Joe Kaeser sich zum offiziellen Start von Nokia Siemens Networks (NSN) geäußert: "Wir sind sehr optimistisch, dass wir zum 1. April 2007 mit unserem neuen Unternehmen nun auch als eigenständige gemeinsame Organisation im Markt sein werden." Kleinfeld begründet die Verzögerung von NSN damit, dass man "unbelastet" an den Start gehen wolle.

Worin die Belastungen im Einzelnen bestehen, sagt er nicht. Anwälte werden bemüht, Notartermine gemacht. Jetzt - wo das Closing schon lange hätte stattfinden sollen. Wahrheit oder Beruhigung? Zu oft schon wurde das Beste versprochen. Wir erinnern an ICN, an Com, wie oft haben wir gehört, dass alles gut werden würde. Der Count-Down läuft: 18 Tage noch bis zum Closing.

Fakt ist, dass die von uns beobachteten und geschilderten Anzeichen nicht auf einen perfekten Start hindeuten, sondern eher auf einen Baustopp. Diesen Eindruck sollten Siemens und Nokia nicht weiter bestehen lassen, wenn sie unbelastet beginnen wollen. Jedes kleine Unternehmen betreibt eine bessere Außendarstellung als Nokia Siemens Networks.

Wenn das Closing kommt, startet es unprofessionell. "Sie alle haben ein gutes und starkes Fundament für die Integration unseres Carrier-Geschäftes mit dem von Nokia gelegt." erkennt Kleinfeld die Arbeit der Mitarbeiter an. Die weit wichtigere Frage aber ist: Hat auch das Management ein gutes und starkes Fundament gelegt? Wir werden es sehen - oder auch nicht.
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 13.03.07

Siemens soll Betriebsräte gekauft haben
Unwillkürlich erinnert man sich an den Fall VW, mit dem VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzenden und ehemaligen IG-Metall-Vorstand Klaus Volkert. Hier waren es Luxusreisen, Bordellbesuche und unangemessene Entlohnungen, mit denen der Vorstand und sein Personalchef Peter Hartz seinen Betriebsrat umgarnten. Natürlich weist er bis heute den Vorwurf weit von sich, den Betriebsrat ,,gekauft‘‘ zu haben.

Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft im Falle von Wilhelm Schelsky, dem Vorsitzenden der Organisation AUB, ob sich Siemens mit Millionenzahlungen das Wohlwollen von Betriebsräten gekauft hat. Natürlich lies Siemens durch den Anti-Korruptionsbeauftragten Daniel Noa erklären: „Wir weisen ganz klar von uns, dass wir die Betriebsratsarbeit unzulässig beeinflusst haben“.

„Immer wieder ist in Fällen wie diesen dasselbe Muster zu erkennen: eine bemerkenswerte Großzügigkeit beim Abstecken von Interessensphären und Zuständigkeiten, das Knüpfen von Netzwerken, die am Anfang vielleicht wirklich einfach die Zusammenarbeit erleichtern wollten und am Ende zu immer größeren Problemen führten“, schreibt Marc Beise in seinem lesenswerten Kommentar „Geschäfte mit Betriebsräten“ in der Süddeutschen Zeitung.

Bestechung beginnt unmerklich mit kleinen Vergünstigungen, führt zu Abhängigkeiten und Verstrickungen und endet immer mit großem Schaden für Belegschaft und Unternehmen.
(cr)


InWaChRo-News: Montag, 12.03.07

Nokia Siemens Networks: Starttermin?
Nach Informationen aus der Belegschaft, die uns vorliegen, ist der Starttermin 1.4.2007 höchstwahrscheinlich nicht zu halten, man hört nun, es könnte der 1.7.2007 werden. Eine Verschiebung auf einen so späten Termin dürfte weder den Kunden noch den Mitarbeitern vermittelbar sein.

Um Klarheit zu schaffen, bitten wir, die designierte Leitung von Nokia Siemens Networks, Stellung zu nehmen.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Montag, 12.03.07

Betriebsrat muss nicht untätig bleiben - Es gibt viel zu tun, packen wir es an
Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von SN Mch H hat herausgestellt, dass der Betriebsrat SN Mch H und der Gesamtbetriebsrat keinerlei Informationen erhalten. Lediglich in einigen Betrieben "stellt das Management ... die neue Organisation den Mitarbeitern und dem Betriebsrat vor, während andere ganz verschämt Foliensätze in so kurzen Intervallen auflegen, dass man noch nicht einmal die Farben so richtig wahrnehmen kann.", schreibt der Betriebsrat auf seiner Homepage. Es ist bedauerlich, aber nicht neu, dass der Arbeitgeber versucht, dem Betriebsrat Informationen vorzuenthalten.

Der Betriebsrat kann, um das Informationsvakuum zu durchbrechen folgendes tun:
  1. Er kann in den Betrieben nachfragen, die die neue Organisation vorgestellt bekommen haben - sie sind ihm ja offensichtlich bekannt - und dann die Belegschaft über die BR-Homepage und in einer außerordentlichen Betriebsversammlung darüber informieren.

  2. Die GBR-Vertreter in den Betrieben, in denen informiert wurde, können und müssen diese Information an den Gesamtbetriebsrat weitergeben. Dieser muss die lokalen Betriebsräte aller SN-Betriebe informieren. Vielleicht schweigen GBR und BR auch nur, weil der Arbeitgeber es so will? Es wäre nicht das erste Mal.

  3. Die IG Metall könnte diesen Informationsaustausch unterstützen. Sie dürfte wohl in allen SN-Betrieben im Betriebsrat vertreten sein. Weiter kann sie auf den Arbeitgeber einwirken, seine Blockadehaltung gegenüber den Betriebsräten aufzugeben.

  4. Der Betriebsrat kann im Betriebsausschuss (BA) beschließen, zur anstehenden Betriebsänderung einen Fragenkatalog unter Einbeziehung eines Wirtschaftsberaters zu erarbeiten. Diesen leitet er an den Arbeitgeber zur schriftlichen Beantwortung weiter. Die schriftliche Antwort kann in der monatlichen BA/BL-Sitzung ins Sitzungsprotokoll aufgenommen werden und bekommt dadurch Rechtswirksamkeit.

    Verweigert der Arbeitgeber die Beantwortung der Fragen, dann kann der Betriebsrat vor dem Arbeitsgericht eine Einstweilige Verfügung (EV) zur Durchsetzung seines Informationsrechts erwirken. Mit einem Fragekatalog, der unausgefüllt geblieben ist, wird er die EV bekommen. Beim ersten großen Stellenabbau 2002 in Mch H ist der Betriebsrat so vorgegangen. Die meisten Betriebsräte an diesem Standort dürften das noch wissen. Hier wurde ebenfalls zunächst hartnäckig das Informationsrecht des Betriebsrats missachtet. Der Betriebsausschuss des Betriebsrats beschloss damals eine Einstweilige Verfügung zu erwirken, um sein Recht durchzusetzen. Der Arbeitgeber hat daraufhin halbwegs informiert.
Korrigieren möchten wir noch die Information aus dem Rundbrief des Betriebsrats an die IG Metall-Mitglieder, in dem es heißt, dass GBR und örtliche Betriebsräte erst dann informiert werden können, wenn der Wirtschaftsausschuss informiert worden ist. Dem ist nicht so. Jeder Betriebsrat ist selbständig und hat ein Recht auf Information, die seinen Betrieb betreffen, wenn eine Betriebsänderung ansteht (§111 BetrVG). Ein Wirtschaftsausschuss tagt etwa viermal im Jahr. Die Arbeit des Betriebsrats im Betrieb wäre mit dieser Vorgehensweise nicht möglich und auch nicht im Sinne des BetrVG. Auch der GBR ist nicht zuerst zu informieren. Er ist den lokalen Betriebsräten nicht übergeordnet und ihnen gegenüber auch nicht weisungsbefugt (§50 I BetrVG).

Fazit: Der Betriebsrat kann für seine Belegschaft handeln. Er muss es nur tun. Ansonsten dürfte die Versicherung des stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden in SN Mch H, "dass es im Zusammenhang mit Organisationsänderungen keinen Personalabbau durch die Hintertür geben wird" wie eine Seifenblase zerplatzen. Ohne Information keine Sicherheit.

Folgende Fragen können beispielsweise in einem Fragenkatalog an den Arbeitgeber enthalten sein. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und empfehlen nochmals dringend, die Hinzuziehung eines Wirtschaftsberaters, der die Antworten des Arbeitgebers dann korrekt auswerten kann.
Fragenkatalog
(iw/cr)


InWaChRo-News: Sonntag, 11.03.07

Zeichen der Zeit - Ist das Closing sicher?
Langsam hat sich der Hurrikan weiterbewegt. Wochenlang kann sein Auge noch über NoSiNet stehen. Die Mitarbeiter sagen, da ist etwas, von dem man glaubt, es nicht mehr überblicken zu können, etwas, das man nicht mehr kontrollieren kann.

Wir hoffen, dass das Joint Venture kommt und Erfolg hat. Doch das seltsame Verhalten und das Schweigen der Führung irritiert. Warum ist der Starttermin noch nicht offiziell bestätigt? Warum sind die Medien nicht voll von Neuigkeiten zum Thema Nokia Siemens Networks? Dies wäre nur normal für eine neu gegründete Firma, die „Best in Class“ werden will. Auch der unbefriedigende Internetauftritt deutet nicht gerade darauf hin, dass man danach strebt, „Best in Class“ zu werden. Der Internetauftritt sieht eher so aus, als ob das Unternehmen ein Rohbau ist, und dem Bauherrn das Geld ausgegangen ist.

Das beginnt schon mit dem Link zu diesem globalen Konzern. Gibt man http://www.nokia-siemens-networks.com/ ein, dann landet man auf der Siemens-Seite und kommt nicht wirklich weiter. Gibt man www.nsn.com ein, findet man sich im Nirwana wieder. Versucht man es mit www.nsn.de, kommt man bei den Natursteinwerken im Nord-Schwarzwald heraus. Niemand kommt auf die Idee, den Bandwurm http://www.nokiasiemensnetworks.com/ einzugeben. Endlich dort angekommen, muss man feststellen, dass die letzte Pressemitteilung vom 12.2.2007 stammt. Was macht jetzt der Kunde? Was denkt sich der Mitarbeiter?

Nach den Erfahrungen mit BenQ, erscheint es uns bei diesen Anzeichen sinnvoll, die möglichen Szenarien, die sich beim Scheitern des Joint Ventures oder Schwierigkeiten ergeben könnten, zu untersuchen und rechtzeitig Lösungswege zu finden, um von den Ereignissen nicht überrollt zu werden. Wir werden uns daher mit den folgenden Szenarien beschäftigen:

Szenario 1: Das Joint Venture kommt nicht zustande
Szenario 2: Insolvenz droht
Szenario 3: Stellenabbau, Standortzusammenlegungen und Ausgliederungen

Spielen wir mit den Ängsten der Belegschaft? Nein, die Ängste sind da. Es sind nicht wir, die damit spielen, sondern der Arbeitgeber, der schweigt. Wir versuchen den Mitarbeitern, wie wir es immer tun, rechtzeitig Wege aufzuzeigen, damit sie nicht von den möglichen Ereignissen überrollt werden. Wenn alles gut geht mit dem Joint Venture, hat man zumindest etwas gelernt. Wenn es aber nicht gut geht, seid ihr mental vorbereitet und wisst, was ihr tun könnt.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Mittwoch, 07.03.07

Im Auge des Hurrikan
Ein Gefühl beschleicht mich in den letzten Tagen immer wieder – es ist zu ruhig. Unnatürlich ruhig nach den Aufregungen der vergangenen Monate um die BenQ-Insolvenz und die Korruptionsaffäre. Wie weggefegt zu sein scheint die Unsicherheit, die die Verschiebung des Joint Ventures Nokia Siemens Networks bei Mitarbeitern und Kunden erzeugt hat. In der Presse liest man hauptsächlich positive Meldungen – Siemens erhält Millionenaufträge aus aller Welt, Firmen schlagen sich fast, um Anteile an der VDO zu bekommen, Siemens bietet neue industrietechnische Verfahren an … Im Intranet auf der Joint Venture Seite für Siemens Networks seit Mitte Februar nichts Neues.

Aber es passiert etwas, hinter den schönen Kulissen, die man aufgebaut hat. Die Geschäftszahlen bei Nokia Networks sind eingebrochen, wen wundert es? Die Kosten, die durch das Joint Venture entstehen sind enorm. Dazu kommt, dass es eine krasse Fehlentscheidung war, das Joint Venture zu verschieben. Kein Kunde wartet in diesem Geschäft drei Monate lang, bis er erfährt, ob das Produkt, das er kaufen will, wirklich erhältlich ist, die Firma dauerhaft existiert.

Die Begründung, die Korruptionsaffäre würde die Verschiebung erforderlich machen, überzeugt nicht. Beide Seiten beschäftigen Anwälte mit Prädikatsexamen. Es ist ein leichtes für diese, innerhalb einer Woche einen Vertrag abzuschließen, durch den sich Siemens dazu verpflichtet, eventuelle Strafzahlungen die sich ergeben könnten, zu übernehmen. Schlechtes Image, das daraus resultieren kann, dass einige der übergehenden Manager in die Affäre verwickelt sein könnten? Die Börse hat eher umgekehrt reagiert, der Kurs der Siemens-Aktie ist gestiegen, trotz (oder wegen?) der Korruptionsaffäre.

Auch die Begründung, Siemens müsse die Geschäftszahlen des 4. Quartals von Siemens Networks als discontinued operations nach US-GAAP nicht veröffentlichen, überzeugt nicht wirklich. Siemens bilanziert auch nach IFRS. Lässt diese Norm ebenfalls eine Nicht-Veröffentlichung zu? Warum veröffentlicht Siemens Networks bis heute nicht einmal die Zahlen der deutschen Siemens Networks GmbH & Co. KG? Dazu sind sie nach dem Kapitalgesellschaften & Co. Richtliniengesetz und dem HGB (Handelsgesetzbuch) verpflichtet. Das 4. Quartal war ein Rumpfgeschäftsjahr, da Siemens Networks an das Nokia-Geschäftsjahr angepasst werden sollte. Es ist März. Warum liegt die Bilanz noch nicht vor?

Das Closing kommt näher. Nokia Siemens Networks plant, 9000 Mitarbeitern abzubauen. Es ist eine grundlegende Umorganisation im Gange, eine Portfoliobereinigung wird durchgeführt und dennoch hört man keinen Ton darüber, dass Betriebsräte von der Firma informiert werden, dass sie ihr Informationsrecht einfordern. Kein Ton darüber, dass Beratungen nach §111 BetrVG stattfinden, dass Betriebsräte Berater zu ihrer Unterstützung hinzuziehen, kein Ton über Sozialplanverhandlungen.

Ich bin überzeugt davon, dass dies nur die Ruhe vor dem großen Sturm ist, dass wir uns im Auge eines Hurrikans befinden. Wir sollten uns vorbereiten.
(cr)


InWaChRo-News: Mittwoch, 07.03.07

Fusionen - Zerplatzte Träume
"Manager werden zu Milchmädchen, träumen von Gewinnen und Einsparungen, und natürlich vom Marktzwang". Mit diesen Worten begann gestern die Sendung Frontal21. Thema: Firmen-Fusionen.

Das Ergebnis der Untersuchungen von Professor Stephan Jansen, Geschäftsführer des Instituts für Mergers & Acquisitions an der Universität Witten/Herdecke, war erschreckend. Sein Urteil: Die meisten Deals gehen schief. 62 Prozent aller zwischen 1950 und 2000 erfassten Transaktionen müssen rückblickend als gescheitert oder wertvernichtend angesehen werden. "Beim Börsenwert der fusionierten Unternehmen gilt die goldene Regel: Vier Hochzeiten und drei Todesfälle", so Jansen. Nur 21,6 Prozent der Transaktionen haben wachsenden Erfolg an der Börse. Bei der Umsatzentwicklung sind die Zahlen etwas besser. 44 Prozent der fusionierten Unternehmen erreichten eine bessere Umsatzentwicklung.

Zu einem noch schärferen Schluss kommen die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young. Jede zweite Fusion vernichte Kapital, heißt es dort. Allein 70 Prozent des Managements verlassen in den ersten fünf Jahren nach der Fusion die neu gebildete Firma. Nach Ernst & Young scheitern ,,aus Sicht der Unternehmen ... Transaktionen vor allem am mangelhaften Management der anschließenden Integration der verschiedenen Unternehmensteile." Es werden oft nur die Synergien betrachtet, aber die Kosten übersehen, die ebenfalls anfallen. ,,Da verschätzen sich die meisten Unternehmen'', sagt Janson. Auch bei Nokia trugen die Kosten der Fusion mit Siemens zu einem Drittel zu dem Gewinneinbruch von 52 Prozent bei. Siemens Networks veröffentlichte die Geschäftszahlen erst gar nicht.

Darüber hinaus sind falsch eingeschätzte Synergieeffekte, falsche Akquisitionsstrategien, mangelnde Analyse von Marktdaten und unzureichende vertragliche Absicherung für das Scheitern von Fusionen mit verantwortlich. "Das sind katastrophale Urteile über eine gängige Managerpraxis", urteilt Jansen über die Fusionspläne der Industrie "Der Zusammenschluss gilt noch immer als Patentrezept im Konkurrenzkampf."

Doch "sobald die Hochzeitsfeiern vorbei sind und die Mühen der Tagesarbeit beginnen, stellt sich oft heraus, dass die beiden Unternehmen nicht zusammenpassen, dass sie in der Kultur zu verschieden sind und sich die erhofften Kosteneinsparungen, nicht einstellen", stellt Jansen bei seinen Untersuchungen fest. Da hilft auch keine halbherzig geführte Culture Square-Diskussion in einem Intranet, bei der die Teilnehmer sich ängstlich hinter einem Pseudonym verstecken, um eine offene Kommunikation mit ihren Managern zu führen.
(iw)


InWaChRo-News: Mittwoch, 07.03.07

Fusionen - Verlierer sind die Mitarbeiter
Was Synergieeffekte sind, weiß wohl inzwischen jeder Arbeitnehmer. Sinn von Fusionen sind Synergieeffekte und diese bedeuten auch Arbeitsplatzvernichtung. "Psychologen reden vielfach von einem Merger-Syndrom, das vor allem von Unsicherheit, Angst und Enttäuschung gekennzeichnet ist. Man hat auch beobachtet, dass die Herzinfarktrate ansteigt", erklärt Stephan Jansen. Mitarbeiter werden demotiviert und unter Druck gesetzt, Vertrauen wird verspielt.

Selbst wenn die Mitarbeiter das erste Jahr der Fusion überstehen, können sie nicht sicher sein, ihren Arbeitsplatz zu erhalten. Erweist sich nämlich der Unternehmensbereich als nicht profitabel genug, wird er (siehe Rover) schnell wieder abgestoßen, auf den "Merger" folgt der "De-merger". "Damit haben Mitarbeiter von Unternehmen wie Atecs Mannesmann innerhalb von einem Jahr drei Arbeitgeber und schauen noch immer in eine unsichere Zukunft. Ähnlich ergeht es Unternehmensbereichen bei Hoechst", stellt Stephan Jansen fest. "Dies ist eine bisher ungekannte Flüchtigkeit von Unternehmensidentitäten."

Jüngstes Beispiel einer gescheiterten Fusion ist Bayer Schering. Über 6000 Stellen fallen der Fusion zum Opfer, davon 1200 in Berlin, doppelt so viel wie angekündigt. Bayer hat sich offenbar verschätzt. Die Fusion wird, wie so oft, teurer als geplant. Das einfachste und beliebteste Mittel, um Kosten einzusparen: Stellenabbau. Auch Nokia Siemens Networks eröffnete seinen Mitarbeitern bereits bei der Ankündigung des Joint Ventures einen Stellenabbau in Höhe von 10 bis 15 Prozent, vorsichtig gesprochen, denn die Kosten drücken bereits jetzt auf den Gewinn von Nokia.

Der Aktienkurs von DaimlerChrysler hat sich seit der Fusion 1998 von damals knapp 90 Euro nahezu halbiert. Das Unternehmen vernichtete 50 Milliarden Euro an Unternehmenswerten. Heute hat DaimlerCrysler 100.000 Beschäftigte weniger. Doch die Entlassungen retteten die Firmenehe nicht. Es droht eine teure Trennung, "De-Merger" im Fachjargon. Auch die Fusion zwischen Adidas und dem Skihersteller Salomon wurde wieder aufgelöst.
(iw)


InWaChRo-News: Mittwoch, 07.03.07

Fusion: "Hochzeit im Himmel" - für Vorstände, Banken und Anwälte
Doch warum streben Manager nach "größer, stärker, profitabler" und meinen damit Fusionen? Dummheit oder lockt der Vorteil? An den Deals verdienen in erster Linie beratende Banken und Anwaltskanzleien. Hier wird richtig gut Geld verdient.

Doch auch Vorstände wittern ein gutes Geschäft für sich. Daimler-Chef Jürgen Schrempp vervielfachte durch den Deal mit dem amerikanischen Unternehmen Chrysler über Nacht sein Gehalt. Wie viele Millionen er verdient, bleibt sein Geheimnis. Sicher ist, die Fusion hob ihn in den Himmel amerikanischer Vorstandsgehälter und er wurde zum bestbezahlten Manager in Deutschland. Doch auch das Ansehen von Schrempp in der Wirtschaft wuchs. Im Jahr der Fusion wurde er zum Manager des Jahres.

Auch die Schering-Vorstände müssen sich keine Sorgen machen, wenn die Fusion mit Bayer scheitert. Die vier, die gehen mussten, kassierten als Abfindung insgesamt 25 Millionen Euro. Wie viel Geld für den Sozialplan der Mitarbeiter übrig bleibt sei dahin gestellt.

Die Schering-Mitarbeiter feierten damals Bayer als Retter in der Not. Doch heute feiert Bayer niemand mehr.
(iw)


InWaChRo-News: Mittwoch, 07.03.07

US-Aktionär verklagt Siemens auf Schadensersatz
Die Korruptionsaffäre bei Siemens, bei der Gelder in Millionenhöhe in schwarze Kassen verschwunden sind, hat einem Bericht des "Handelsblattes" nun privatrechtliche Folgen für den Vorstand und den Aufsichtsrat der Siemens AG.

Der amerikanische Siemens-Aktionär Robert Johnson verklagt stellvertretend für die Siemens-Aktionäre Vorstand und Aufsichtsräte, darunter auch Josef Ackermann, vor dem Obersten Gerichtshof des Staates New York auf Schadensersatz. Der Kläger wirft dem Aufsichtsrat und dem Vorstand vor, Aufsichtspflichten verletzt zu haben und dadurch das Unternehmen massiv geschädigt zu haben. Johnson begründet seine Klage mit Berichten des Konzerns an die US-Börsenaufsicht SEC und Presseberichten.

Siemens bestätigte den Eingang der Klage, gab aber ansonsten keine Stellung dazu ab.

Damit hat der Skandal um schwarze Kassen amerikanische Dimensionen erhalten. Diese Vorgehensweise, die unter der Bezeichnung "Shareholder Derivative Suits" in den USA sehr populär ist, wird häufig dann geführt, wenn Pflichtverletzungen des Managements vermutet werden, aber davon ausgegangen wird, dass die Firmenleitung nicht ausreichend für Aufklärung sorgt. Meist endet das Verfahren in einem Vergleich, ohne dass ein Richterspruch fällt. Im Durchschnitt kosten derartige Verfahren in Amerika etwa vier Millionen Dollar. In Einzelfällen kann es aber auch teurer werden: So zahlte der US-Konzern Cendant 54 Millionen Dollar.

Einen Schlag für das Image von Siemens in den USA bedeutet die Klage in jedem Fall, aber wie viel ist Siemens ihr Image eigentlich noch wert?
(iw)


InWaChRo-News: Montag, 05.03.07

Burnout - Gefahr für viele
Stress im Projekt, die Angst vor Arbeitsplatzverlust, Mehrarbeit aus Ergänzungstarifverträgen, um den Betrieb zu retten, Überstunden, um nicht negativ aufzufallen, Zweitjob, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können, zu hohe Erwartungen, Zeitdruck, Terminnot, Unklarheiten in den hierarchischen Strukturen, unklare Ziele und Konzepte, wachsende Komplexität, Unüberschaubarkeit der Arbeitsabläufe, unzureichende Unterstützung durch Vorgesetzte - all das und noch viel mehr kann über Monate und Jahre hinweg zu einem Burnout-Syndrom führen. Die 10-Std-Grenze, die man als Arbeitnehmer pro Tag nicht überschreiten darf, wird in vielen Firmen täglich von vielen Mitarbeitern überschritten. Man nimmt Arbeit mit nach Hause, ein, zwei Stunden oder mehr am Wochenende ist für viele normal.

Burnout, zu deutsch ausbrennen, beginnt zunächst positiv. Viele Betroffene gehen engagiert und mit viel Elan an die Arbeit. Sie wollen sie erfolgreich zu Ende bringen. Interessante Arbeiten spornen sie an. Mehrarbeit ist willkommen, gibt sie doch Zeit, das Ziel zu erreichen. Immer mehr Arbeit häuft sich bei ihnen, sind sie doch stets da und leistungsbereit. Es entsteht der Eindruck der eigenen Unentbehrlichkeit. Das macht stolz, gibt Sicherheit.

Das Gefühl, eigentlich nie mehr richtig Zeit zu haben, kommt schleichend und geht einher mit der wachsende Verleugnung eigener Bedürfnisse. Man hat immer weniger Zeit für Freunde und Familie, den Sport, die Hobbys, private Treffen werden verschoben und immer wieder abgesagt. Nach und nach mündet das Engagement in ein Nachjagen von Terminen, Meetings, Arbeitspaketen. Planungen laufen ins Leere, rauben Zeit, die man nicht hat. Das Gefühl, es ist alles zu viel, macht sich mehr und mehr breit.

Einher geht dies mit Erschöpfung, die zunächst noch weggedrängt werden kann. Aber man spürt, dass man immer schwerer auf die Füße kommt, der Schlaf immer weniger erholsam wird. Man verdrängt, reißt sich zusammen, denn man glaubt den Zwängen nicht mehr entkommen zu können. Der Feierabend und das Wochenende reichen dazu nicht aus. Man schleppt sich zum Urlaub, hofft hier abschalten zu können. Doch der Telefonanruf des Chefs über das Handy unterbricht die Erholung, nur eine kurze Frage, deren Beantwortung Stunden am heimischen PC zur Folge hat. Es geht an die Substanz. Man wird anfällig für Erkältungs- und Durchfallerkrankungen, reagiert gereizt auf seine Umgebung, hat Magenproblem, Sodbrennen oder spürt manchmal einen dumpfen Druck auf das Herz. Man findet sich die wenigen Stunden seiner Freizeit erschöpft vor dem Fernseher wieder.

"Wir haben so viel Arbeit", heißt es, wenn man die Menschen fragt. "Es ist anders nicht zu schaffen" und manche Chefs geben deutlich zu verstehen, wenn du nicht mitmachst, dann fliegst du. Doch, die Leser unserer Seite wissen: Es ist nicht so einfach zu fliegen, schon gar nicht, wenn man nicht will.

Menschen, die Burnout-Symptome an sich feststellen, sollten darüber nachdenken, ihr Leben zu verändern. Ansonsten stehen am Ende immer häufigere Fehlzeiten, sinkende Leistung, innere Kündigung, das Gefühl der Sinnlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Man kann nicht mehr. Dann lockt die Abfindung. Man erliegt der Verlockung, um zu entfliehen. Den Arbeitsplatz, den man ursprünglich retten wollte, hat man selbst aufgegeben, weil man zu viel gearbeitet hat.
(iw)


InWaChRo-News: Montag, 05.03.07

Leiden Sie unter dem Burnout Syndrom?
Hier kann man testen, ob man Anzeichen eines Burn-out-Syndroms hat.
http://www.palverlag.de/Burnout_Test.html
(iw)


InWaChRo-News: Montag, 05.03.07

Was man gegen Burnout tun kann
Wehret den Anfängen ist hier der beste Rat. Je eher man Burnout erkennt, desto größer die Möglichkeit, die Sache selbst wieder in den Griff zu bekommen. Fortgeschrittenes Burnout erfordert medizinische und psychologische Hilfe.

Der erste Schritt ist, sich zu fragen, was ist für mich wichtig. Wie müsste mein Leben aussehen, damit ich mich zufrieden und glücklich fühle. Ein ausgiebiger Spaziergang alleine durch die Natur hilft, sich der Antwort auf diese Frage zu nähern.

Der zweite Schritt ist zu fragen: Was drängt mich? Was treibt mich? Wer treibt mich?

Der dritte Schritt ist zu fragen: Warum lasse ich mich treiben? Komme ich damit meinen Zielen, die ich erreichen will, wirklich näher, oder erfülle ich nur die Anforderungen und Wünsche anderer?

Der nächste Schritt ist dann, die Dinge, die drängen, aufzuteilen in: "Dringend und wichtig für mich" und in "Drängend, aber nicht wichtig für mich". Nun setze man Prioritäten. Was will ich wirklich erreichen? Was kostet mich das an Gesundheit? Muss ich für diese Ziele Freunde und Familie vernachlässigen? Warum wollte ich Familie, warum will ich Freunde? Bin ich noch ein Freund, ein Vater, eine Mutter oder funktioniere ich nur, einem Roboter gleich? Stehen diese Ziele, die ich am höchsten priorisiert habe, wirklich an oberster Stelle. Sind sie es wert, dass ich andere Ziele dafür opfere? Es empfiehlt sich, sich diese Fragen mehrmals zu stellen, mehrmals abzuwägen und zu entscheiden. Denn, es ist erstaunlich wie leicht der Mensch sich selbst belügen kann.

Dann, wenn man weiß, welche Ziele die eigenen sind und welche einem von außen aufgedrückt worden sind, muss man beginnen konsequent die Ziele zu verfolgen, die man erreichen will. Reinhold Messner sagte einmal: "Man muss wissen, wo der Berg steht". Man lege fest, welchem Ziel man diese Woche näher kommen möchte und frage sich am Abend, welchem meiner (nicht der anderen) Ziele bin ich heute einen Schritt näher gekommen. Warum bin ich ihm näher gekommen? Warum bin ich ihm nicht näher gekommen? Es hilft, wenn man sich bei seiner Wochenplanung in seinem Terminkalender einen Platz belegt, der nur den eigenen, ganz konkreten Zielen gehört. Dies kann das "Fußballspielen" mit dem Sohn sein, um wieder ein Vater zum Anfassen zu werden "der Theaterbesuch", um seinem Geist mehr als nur technische Daten zu bieten "das Lesen eines guten Buches", um andere Welten kennenzulernen "das Lernen einer Sprache" oder was immer wichtige Ziele für einen sind. Fernsehen allerdings steht Zielen im allgemeinen im Wege, zumindest das Fernsehen, was aus Gewohnheit geschieht und häufig in sinnlosem Herumzappen endet.

Macht man sich diese Gedanken immer wieder, hält an seinen Zielen fest, notiert, ob und wie man sie erreicht, dann wird man erkennen, dass Glück und Zufriedenheit sich aus vielen Dingen zusammensetzt, die den Menschen als Ganzes umfassen, physisch, sozial, mental und seinem Wunsch, Spuren zu hinterlassen. Burnout hat dann keine Chance. Und die Arbeit, die einen heute aufzufressen droht, geht leichter von der Hand. Manchmal ist weniger mehr.
(iw)


InWaChRo-News: Freitag, 03.03.07

Betriebsratsbestechung - mehr als ein Kavaliersdelikt
Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa gegen den früheren VW- Gesamtbetriebsratsvorsitzenden und ehemaligen IG-Metall-Vorstand Klaus Volkert Anklage wegen Anstiftung zur Untreue erhoben. In der VW-Affäre ging es um Schmiergelder und Lustreisen, die der VW-Personalvorstand Peter Hartz dem Betriebsratschef gezahlt hat.

Doch bei Bestechungsaffären, in die Betriebsräte verwickelt sind, geht es nicht nur um deren private Vorteile, sondern es geht vor allem um die Frage: Welche Gegenleistung haben diese Betriebsräte gegeben? Welche Rechte der Belegschaft haben sie dafür verkauft?

Wie viele Menschen verloren dadurch ihren Arbeitsplatz? Wie viele Namenslisten wurden gemeinsam mit dem Arbeitgeber verabschiedet, um die Chancen der Mitarbeiter zu verschlechtern, ihren Arbeitsplatz zu erhalten? Wie viele Widersprüche blieben ungeschrieben? Wie viele Mitarbeiter wurden im Sinne des Arbeitgebers beraten und in einen Aufhebungsvertrag gedrängt? Wie viele geheime Verhandlungen wurden geführt und wie viele geheime Vereinbarungen wurden abgeschlossen, die die Belegschaft nicht zu Gesicht bekommen hat?

Den Schaden bei Bestechungen oder Vorteilnahme im Amt eines Betriebsrats trägt die Belegschaft.

Der Schaden, den korrupte Betriebsräte anrichten reicht noch weiter. Das Betriebsratsamt an sich wird beschädigt, denn das schlechte Licht droht auf alle Mitglieder eines Betriebsratsgremiums zu fallen, wenn es in eine Bestechungsaffäre verwickelt ist. Dabei dürften es in der Regel nur Einzelne sein, die bestochen wurden. Bestechungen zu decken, um die eigene Fraktion nicht in Misskredit zu bringen, ist der falsche Weg.

Korruption und sei sie noch so klein, muss bekämpft werden. Mitwisser, blinde Nachfolger und Wegseher im Betriebsrat machen sich genauso schuldig an der Belegschaft. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich bei der Bestechung um eine Urlaubsreise, eine Gehaltserhöhung, eine zusätzliche Freistellung oder um einen hohen Geldbetrag handelt. Eine Gegenleistung verlangt der Arbeitgeber immer. Und diese geht auf Kosten der Arbeitnehmer.

Daher ist gesundes Misstrauen angebracht, wenn der Arbeitgeber einem Betriebsrat Vorteile erweist, die er nicht erweisen müsste und ein Betriebsrat allzu willig das tut, was der Arbeitgeber möchte. Worte wie "das sagen wir nicht, weil der Arbeitgeber das nicht will", können ein Anzeichen dafür sein, dass der Betriebsrat Vorteilen erlegen ist. In erster Linie sind hier die Aufmerksamkeit und die Handlungsbereitschaft der Betriebsratsmitglieder gefragt, die ihr Amt ernst nehmen.

Peter Hartz, der Arbeitgeber, kam mit einer Bewährungs- und Geldstrafe davon. Ein mildes Urteil, das mit Sicherheit nicht abschreckend auf Firmenchefs wirken wird, die ihren Betriebsrat mit Bestechung und sonstigen Vorteilen, dazu bringen wollen, im Sinne des Arbeitgebers zu handeln. Warten wir das Urteil für Klaus Volkert ab, der Mitarbeitern, Betriebsrat und Gewerkschaft geschadet hat.
(iw)


InWaChRo-News: Freitag, 02.03.07

Bericht aus der beE - neuer Job? - Doch nicht so einfach
Folgender Bericht ist im Originaltext ohne redaktionelle Veränderung wiedergegeben:

"Nun ich bekam meinen "Brief" im letzten Jahr mit der Aufforderung die Siemens AG zu verlassen. Ich dachte eine prima Chance (als COM CD Mitarbeiter) und ich verbleibe in einer anderen, neuen Abteilung bei der Siemens AG.

Dann schickte ich vielleicht ~ 15 interne Bewerbungen an Siemens. Ich bekam auch gleich 2 Vorstellungsgespräche, allerdings mit negativem Bescheid.

Als sich dann mein Status zu "COM B" [Anmerkung der Redaktion: Com B=beE]offiziell verändert hatte, gab es keine Ressonanz mehr. Aufgrund eines "merkwürdigen" Telefongespräches und und einem Nachhaken bei einem ehemaligen Kollegen (mittlerweile) VDO-Regensburg erhärtete sich mich mein Verdacht --> wer bei COM B ist, der kommt bei Siemens nicht mehr unter.

Dann trat Plan B in Kraft, also Siemens zu verlassen.
Nun ich suchte und schaltete Lebensläufe bei den üblichen Grossfirmen (BMW, MAN, BSH etc. ) bei z.B. Monster.de., arbeitsagentur.de etc. Antworten von den Grosskonnzernen waren null!. Nicht einmal der Eingang der Bewerbung wurde bestätigt.

Dann begann ich die Süddeutsche zu studieren. Aber auch hier muss man schon froh sein, den Erhalt des Lebenslaufes und aller Unterlagen quittiert zu bekommen. Also Antwort null. Dann steigt so langsam die Depression.

So und nun mein Tipp an alle möglichen Leser: Online geht nichts, sucht Euch die passende Stellenanzeige am besten aus der Tageszeitung heraus (z.B. Süddeutsche) und ruft gleich an, sagt gleich Ihr ward bei Siemens, Alter etc. und ob dies ein K.O. Kriterium sein könnte.

Aus meiner Erfahrung heraus ist das die einzige Möglichkeit; auch Headhunter, mich hatten ~ 10 kontaktiert --> Ergebnis war null.

Also noch einmal mein Rat: Ohne einen persönlichen Kontakt, keine Chance. Ich wollte es auch nicht wahrhaben........

Anbei noch vielleicht ein nützlicher Link http://www.karrieredirekt.de"
(ein beE-ler)




Autoren: Inken Wanzek, Christine Rosenboom
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