Artikel: April 2007



InWaChRo-News: Freitag, 27.04.07

Siemens ein Übernahmekandidat?
Der Rücktritt von Klaus Kleinfeld hat im Konzern ein Führungsvakuum entstehen lassen. Ein externer Nachfolger muss sich erst in die Geschäfte hineinfinden "Ein Unternehmen, das führungslos ist, ist grundsätzlich ein Übernahmeziel, da es ein geschwächter Verhandlungspartner ist.", sagte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Gefahr eine Übernahme hat sich merklich erhöht.

Auffällig häufig wird in diesen Tagen der Name des US-Finanzinvestors KKR genannt. Siemens hat bereits mehrfach Geschäfte mit dem Private-Equity-Unternehmen gemacht. So wurden Siemens-Nixdorf und die Krantochter Demag an KKR verkauft. Gerhard Cromme, der neue Aufsichtsratsvorsitzende von Siemens beriet KKR bereits in der Vergangenheit. Zudem sind bei Siemens derzeit Mitarbeiter der Forensikabteilung von Deloitte tätig, um die Schmiergeldaffäre aufzuarbeiten. Die Beratungsfirma arbeitet aber gleichzeitig in den USA eng mit KKR zusammen.

Auch ein M&A (Mergers & Acquisitions) Berater für Fusionen und Übernahmen sieht in Siemens ein Paradebeispiel für Private Equitiy, "auch wenn es ihre weltweit größte Übernahme wäre". Das Unternehmen könne problemlos zerschlagen werden. Siemens sei zwar finanziell ein dicker Brocken, immerhin ist das Unternehmen derzeit mit 80 Milliarden Euro an der Börse bewertet.

Ein potenzieller Verkaufskandidat wäre die IT-Dienstleistungstochter SIS. Schon der noch amtierende Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hatte sie zum Verkauf gestellt. Auch für die lukrative Medizinsparte soll es Interessenten geben.

Denkbar wäre, dass sich mehrere Finanzinvestoren zusammenschließen. Auch eine Beteiligung von industriellen Interessenten an einem solchen Zusammenschluss ist nicht ausgeschlossen. Die Übernahme durch die "Heuschrecken" wäre ungeachtet von der Korruptionsaffäre ein Politikum. Aus Finanzkreisen ist zu vernehmen, dass derzeit weder der neue Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme noch Aufsichtsratsmitglied Josef Ackermann einen Verkauf vorantreiben "Das wäre der Todesstoß für die Reputation der deutschen Wirtschaft", sagte ein Banker. Zu erwarten ist, dass die Interessenten erst einmal abwarten, wie sich das Führungsvakuum in nächster Zeit auswirken wird. "Wenn der neue Vorstand die Ziele nicht erreicht oder gar Stillstand droht, könnte die Marktkapitalisierung sinken. Dann besteht grundsätzlich die Gefahr der Übernahme", sagte Christoph Niesel, Fondsmanager bei Union Investment.

Egal was kommt. Für die Mitarbeiter von Siemens wird es sicherlich nicht besser, auch wenn sich viele freuen mögen, dass Klaus Kleinfeld, der nie als Konzernchef beliebt war, gehen musste.
(iw)


InWaChRo-News: Freitag, 27.04.07

US Börsenaufsicht SEC ermittelt offiziell Siemens
Die amerikanische Börsenaufsicht hat in der Siemens-Korruptionsaffäre ihre bisher informelle Untersuchung nun in eine formelle übergeleitet. Damit kann die Korruptionsaffäre für Siemens nicht nur eine Geldstrafe in Millionenhöhe nach sich ziehen, sondern sie kann auch zivil- und strafrechtliche Folgen für den Konzern haben. Außerdem ist mit einer Welle von Aktionärsklagen zu rechnen. Anleger schließen sich in Sammelklagen zusammen, wenn sie sich von Unternehmen falsch informiert oder getäuscht fühlen. Derartige Verfahren können speziell für ausländische Unternehmen sehr teuer werden.

"Wenn die Schmiergeldzahlungen nicht als solche deklariert wurden, dürften die Bücher einige Unstimmigkeiten aufweisen", sagte John Coffee, Professor an der Columbia University in New York Zu klären sei außerdem, ob die Bilanzen bewusst manipuliert worden seien. Siemens müsse auch die Frage beantworten: "Wer hat wann was gewusst", sagte Charles Elson, Direktor des Zentrums für Corporate Governance an der University of Delaware.

Die US Justizbehörden haben Pressemeldungen zufolge eine strafrechtliche Untersuchung gegen Siemens eingeleitet. Siemens bestätigte dies jetzt: "Es kann gegenwärtig nicht ausgeschlossen werden, dass Siemens oder einzelne Mitarbeiter wegen Gesetzesverstößen straf- oder zivilrechtlich verfolgt werden", teilte Siemens am Donnerstag mit und verwies dabei etwa auf das Anti-Korruptionsgesetz in den USA.

Für ein Eingreifen der Justiz spricht darüber hinaus, dass die Staatsanwälte, die gegen Siemens vorgehen die selben sind, die seit 2004 gegen Daimler-Chrysler ermitteln. Der Fall Daimler zeigt, welche Konsequenzen auf Siemens zukommen könnten. Daimler musste sein internes Rechnungswesen komplett neu ordnen. Weiter forderte die SEC eine Korrektur der Bilanzen für die Jahre 2003 und 2004. Das minderte den Gewinn im vergangenen Jahr um 64 Mill. Euro. Der Konzern muss zudem mit einer empfindlichen Geldstrafe rechnen, die sich nach Medienberichten auf bis zu 500 Mill. Euro belaufen könnte. Die SEC hat bei Verstößen gegen US-Recht außerdem die Möglichkeit, eine gelistete Aktie aus dem Handel zu nehmen und die betroffenen Manager vor Gericht zu bringen.

In jedem Fall droht Siemens ein Imageschaden in den USA. "Solche Skandale kratzen immer an der Reputation eines Unternehmens, weil sie die Integrität in Frage stellen", sagt Brian Maddox, Managing Director bei der Unternehmensberatung Financial Dynamics in New York.

Siemens beschäftigt in den USA mehr als 70 000 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von knapp 20 Mrd. Dollar. "Ein offizielles Verfahren der SEC oder der Justizbehörden wird in der Öffentlichkeit größere Wellen schlagen", sagt Maddox. Das wäre gerade für Siemens ein Problem. Der Konzern bewirbt sich in USA um viele öffentliche Infrastruktur-Aufträge.
(iw)


InWaChRo-News: Mittwoch, 25.04.07

Kleinfeld steht für Vertragsverlängerung nicht zur Verfügung
Klaus Kleinfeld hat dem Aufsichtsrat in seiner heutigen Sitzung mitgeteilt, dass er für die anstehende Vertragsverlängerung über den 30.9.2007 hinaus nicht mehr zur Verfügung steht. Er begründete seinen Entschluss mit der Absicht einiger Aufsichtsräte, die Entscheidung über die Verlängerung seines Vertrages möglicherweise erneut zu verschieben. „In diesen Zeiten braucht das Unternehmen Klarheit über seine Führung. Daher habe ich mich entschlossen, für die Verlängerung meines Vertrags nicht mehr zur Verfügung zu stehen“, sagte Kleinfeld.

Siemens habe heute große wirtschaftliche Erfolge vorzuweisen und befinde sich gleichzeitig inmitten tiefgreifender Korruptionsermittlungen. Gerade in Zeiten solcher Herausforderungen sei in der Belegschaft, bei Kunden und auf dem Kapitalmarkt deutliche Führung mehr denn je gefragt. „Das Unternehmen muss uneingeschränkt handlungsfähig bleiben“, betonte Kleinfeld.

Untersuchungen der Kanzlei Debevoise & Plimpton hatten keinerlei Anhaltspunkte für eine Verwicklung Kleinfelds in die Siemens-Korruptionsaffäre ergeben. Erst gestern Abend hatte Kleinfeld die letzten Quartalszahlen vorgelegt. Der Gewinn stieg um 36 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Der Umsatz legte um zehn Prozent auf 20,6 Milliarden Euro zu. Aus Sicht der Anteilseigner lag also kein Grund vor, den Vertrag Kleinfelds nicht zu verlängern. Dementsprechend negativ reagierte die Börse auf Kleinfelds Rückzug. Die Siemens-Aktie, die vor der Bekanntgabe der Nachricht noch deutlich im Plus gelegen hatte, stürzte binnen weniger Minuten um 3,33 Prozent auf 86,55 Euro (18:38 Uhr) ab.
(cr)


InWaChRo-News: Dienstag, 24.04.07

Klaus Kleinfeld im Fall?
Führende Mitglieder im Aufsichtsrat sind offensichtlich der Meinung, dass "ein Wechsel an der Konzernspitze der richtige Weg für einen Neuanfang bei Siemens ist." Der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der im Präsidium des Siemens-Aufsichtsrates sitzt, treibt offensichtlich die Ablösung von Kleinfeld voran. Er spreche "mit einer Reihe von externen Kandidaten". In der näheren Auswahl soll Linde-Chef Wolfgang Reitzle stehen, der seinen Konzern forsch umgebaut hat. Der designierte Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme ist nach Angaben von Beteiligten eingeweiht.

Ackermann argumentiert, die Gefahr erst spät erkannter Verstrickungen Kleinfelds in die Affäre sei zu groß. Allerdings gibt es darauf bislang keinerlei Hinweise: Die US-Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton hatte im Konzern ihre Untersuchungen bei Kleinfeld gestartet, damit die Ergebnisse bis zur Sitzung vorliegen. "Kleinfeld ist laut Bericht clean", sagte ein Siemens-Insider. Die Personaldiskussion um den Vorstandschef droht den Konzern mit seinen 480.000 Beschäftigten über Monate zu lähmen.

Kleinfelds Vertrag läuft am 30. September aus. Seine Zukunft ist offen, hieß es im Umfeld des Konzerns. "Im Aufsichtsrat wird zurzeit heftig diskutiert." Kleinfeld habe Gegner und Unterstützer sowohl im Arbeitnehmerlager als auch auf der Kapitalseite. Möglicherweise könnte Klaus Kleinfeld in der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch seinen Verzicht andeuten, wenn sein Vertrag nicht verlängert wird. Falls daraufhin der Aktienkurs einbricht, sagen Experten, würde das eine Ablösung Kleinfelds erschweren. Am Donnerstag wird er nach Informationen der "Financial Times Deutschland" sehr gute Halbjahreszahlen und ein neues Dreijahresprogramm präsentieren. Daher ist es eher unwahrscheinlich, dass die Entscheidung bereits in der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch getroffen werde.

Weder Siemens noch ThyssenKrupp oder Linde kommentierten die Informationen. Ackermann war nicht zu erreichen.
(iw)


InWaChRo-News: Sontag, 22.04.07

Lothar Pauly in Siemens-Schmiergeldaffäre unter Druck
Nun gerät auch Telekom-Vorstand Lothar Pauly in der Siemens-Schmiergeldaffäre in Erklärungsnot. E-Mails aus dem Jahr 2000 bringen den damaligen ICM-Bereichsvorstand in Verdacht, über mutmaßliche Schmiergeldzahlungen informiert gewesen zu sein und sie zumindest in einem Fall sogar abgesegnet zu haben. Im Oktober 2004 wurden ICN und ICM zu Com zusammengefasst und Lothar Pauly übernahm den Bereichsvorstandsvorsitz von Com. Überraschend verließ Pauly Siemens im Sommer 2005 nach nur 9 Monaten an der Com-Spitze und wechselte zu Telekom.

Im Fall eines 50-Millionen-Euro-Deals mit dem chinesischen Mobilfunkanbieter Unicom wird Pauly von Max R. belastet, der für Siemens als Auftragsvermittler arbeitete. R. informierte laut Spiegel Lothar Pauly am 29. Februar 2000 in einem Schreiben über ein Treffen mit „Besuchern“ in Hongkong. Die Unterredung sei erfolgreich gewesen, „obwohl die Gelder noch nicht zur Verfügung standen“. Sein Kollege wäre „eine Menge Verpflichtungen eingegangen und habe süße Versprechungen gemacht“.

Bei der Abwicklung scheint etwas schief gegangen zu sein, denn ein Siemens-Manager erklärte rund vier Wochen später gegenüber Pauly, „dass die Zahlung bei uns vermasselt wurde“ und „erst Anfang nächster Woche Österreich verlasse“. In Österreich war damals einen Teil der schwarzen Kassen von Siemens. Über eine weitere Zahlung berichtet der Siemens-Manager, dass „wir circa zehn Arbeitstage brauchen, um das Geld zum Empfänger zu bringen“. Dies sei der Preis, „den wir für die Anonymisierung“ zahlen. Zugleich warnte er: „Wir sollten unser Minimum an Abschottung meines Erachtens nicht aufgeben und irgendwelche Direktüberweisungen als Siemens tätigen.“ Pauly antwortete: „Ist o. k. Die Abschottung nicht aufgeben.“

Im Herbst 2000 fordert R. erneut Zahlungen von Siemens an, so der Spiegel weiter. Es sei aber „kein Problem, unsere Rechnungen zu bezahlen“. Im unwahrscheinlichen Fall, dass sie kontrolliert würden, werde man lediglich feststellen, dass er und sein Partner „zwei gut bezahlte Agenten“ seien. Es sei unmöglich, die Transaktionen weiterzuverfolgen.

Lothar Pauly, gegen den in diesem Zusammenhang nicht ermittelt wird, bestreitet, von Schmiergeldzahlungen und schwarzen Kassen gewusst zu haben. Er wisse auch nicht, weshalb R. auf Anonymisierung der Zahlungen gedrängt habe. „Von Schmiergeldzahlungen kann insoweit keine Rede sein“, sagt Paulys Anwalt Kurt Kiethe.
(cr)


InWaChRo-News: Donnerstag, 19.04.07

Siemens bestätigt Rücktritt von Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer
Siemens bestätigte nun offiziell den Rücktritt von Heinrich von Pierer. Pierer stelle sein Amt mit Beginn der Sitzung des Aufsichtsrats am 25. April 2007 zur Verfügung.

Für den Rest der laufenden Amtsperiode bis zur nächsten Hauptversammlung im Januar 2008 solle der Aufsichtsratschef von Thyssen-Krupp, Gerhard Cromme, die Funktion übernehmen.

Pierer selbst erklärte, die Pflicht gegenüber der Firma und ihren Mitarbeitern müsse Vorrang vor seinen persönlichen Interessen haben. "Eine persönliche Verantwortlichkeit mit Blick auf die laufenden Ermittlungen war nicht Grundlage meiner Entscheidung", betonte er.
(iw)


InWaChRo-News: Donnerstag, 19.04.07

Heinrich von Pierer tritt als Siemens Aufsichtsratsvorsitzender zurück
Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer tritt nach Informationen von "Bild" und "Süddeutscher Zeitung" zurück. Laut "Bild"-Zeitung wird er am Freitag seinen Rücktritt zum 27. April bekannt geben. Pierer war zunehmend unter Druck geraten. Das System schwarzer Kassen, das immer mehr Anzeichen einer verzweigten Netzstruktur aufweist, war in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender von 1992 bis 2005 aufgebaut worden. Mehrere seiner früheren Vertrauten wurden der Korruption beschuldigt. Vor Ostern wurde bekannt, dass mehrere Aufsichtsratmitglieder aus dem Arbeitgeberlager Pierer zum Rücktritt drängten. Offensichtlich konnte er ihren Forderungen nichts mehr entgegen setzen.

Siemens äußerte sich nicht zu den Berichten.

Als Nachfolger ist neben anderen Kandidaten Gerhard Cromme im Gespräch. Er gehört seit 2003 dem Aufsichtsrat an und leitet den Prüfungsausschuss, der die Aufklärung der Korruptionsaffäre koordiniert. Cromme hatte es bisher abgelehnt, den Aufsichtsratsvorsitz zu übernehmen. Dies könnte sich nun ändern. Das "manager magazin" berichtete vor Kurzem, dass Personalvorstand Jürgen Radomski die Nachfolge Pierers antreten solle.

Von Pierer galt in der Öffentlichkeit lange Zeit als einer der angesehensten Manager in Deutschland. Lange Zeit war er auch in der Siemens Belegschaft beliebt. Dies änderte sich aber schlagartig als im Rahmen etlicher Restrukturierungsmaßnahmen in unzähligen Betrieben klar zu Tage trat, dass für Pierer Profit und Moral nur dann zusammenpasste, wenn es dem Gewinn des Unternehmens diente. Insbesondere der Kampf um die Arbeitsplätze in dem Betrieb Siemens Hofmannstraße im Jahre 2002/2003, den auch einschlägige Medien begleiteten, machte der Öffentlichkeit deutlich, dass der smarte Manager knallhart im Umgang mit seinen Mitarbeitern war. Sein und das Ansehen der Firma Siemens begann zu sinken. Das zunehmende Ausmaß der Korruptionsaffäre leitete nun seinen Sturz ein. Als wirtschaftspolitischer Chefberater von Kanzlerin Angela Merkel sollte er unter diesen Umständen auch nicht mehr fungieren. Sein Rücktritt ist überfällig.
(iw)


InWaChRo-News: Mittwoch, 18.04.07

Informationen vom Management ab Mitte Mai
In den nächsten Wochen werden auf höherer Managementebene Meetings abgehalten, die die strategische Ausrichtung von Nokia Siemens Networks festlegen soll. Erst wenn diese abgeschlossen sind, wird das Linemanagement die Ergebnisse herunter brechen und ab Mitte Mai die Mitarbeiter darüber informieren. Es ist zu erwarten, dass dann auch Details zum Stellenabbau bekannt gegeben werden.

Nach Aussage der IG Metall warten GBR und BR ab, dass der Arbeitgeber die Zuordnungen und Neuorganisation durchführt und dann die Arbeitnehmervertreter über die vollendeten Tatsachen informiert. Er fordert also nicht aktiv sein Beratungsrecht im Vorfeld einer Betriebsänderung zur Vermeidung von Nachteilen für die Belegschaft - wie der Gesetzgeber es in §111 BetrVG vorsieht - ein.
(cr)


InWaChRo-News: Mittwoch, 18.04.07

Fällt Heinrich von Pierer?
Die Frage, wie lange kann sich Heinrich von Pierer noch als Siemens-Aufsichtsratschef halten, kommt immer wieder auf. Spiegel-online berichtet heute, dass mit Siemens-Personalvorstand Jürgen Radomski der Nachfolger schon bereit steht. Nach Informationen des manager magazins haben sich einflussreiche Aufsichtsräte und Berater des Konzerns auf Radomski verständigt. Sein Vertrag als Vorstandsmitglied laufe Ende 2007 aus, berichtet das manager magazin. Radomski soll die Leitung des Kontrollgremiums Anfang des Jahres 2008 übernehmen, wenn die Neuwahl turnusgemäß anstehe, falls - so Spiegel-online - Pierer solange durchhalte.

Siemens dementiert die geplante Ablösung von Heinrich von Pierer. "Das entbehrt jeder Grundlage und ist Unsinn", sagte ein Konzernsprecher. Normalerweise nimmt Siemens zu Aufsichtsratsthemen keine Stellung verweist darauf, dass dies die Angelegenheit des Aufsichtsrates sei.

Der Schritt Heinrich von Pierer als Aufsichtsratsvorsitzenden abzulösen ist überfällig, schließlich blühte in seiner Amtszeit die Korruption im Siemens Konzern. Siemens will ihm 2008 wohl noch einen ehrenvollen Abgang ermöglichen. In der Bekämpfung der Korruption hat er als Vorstandsvorsitzender jedenfalls kläglich versagt. Bereits wenige Wochen nach Bekannt werden des Skandals hatte Finanzvorstand Joe Kaeser den Zahlungsverkehr als eines der Hauptprobleme identifiziert und zur Chefsache erklärt. "Die Anzahl von Bankkonten ist auf ein Minimum zu reduzieren", heißt es der FTD zufolge in einem Ende vergangener Woche verschickten Rundschreiben. Siemens unterhält eigenen Angaben zufolge mehr als 5000 Konten mit zeitweise bis zu 50 Millionen Transaktionen pro Tag. Bislang seien vor allem solche Zahlungen an der Zentrale in München vorbeigegangen, die Siemens-Gesellschaften im Ausland an Empfänger vor Ort leisten würden. Zukünftig müssen "alle lokalen Zahlungen aller Siemens-Einheiten" über das zentrale Buchungssystem des Unternehmens laufen, berichtet die Financial Times Deutschland. Wenn selbst Joe Kaeser so schnell das Problem erkannt hat, hätte Heinrich von Pierer dies erst recht erkennen müssen, insbesondere wenn er Strukturen gegen Korruption im Konzern aufbauen wollte.
(iw)


InWaChRo-News: Mittwoch, 18.04.07

Fragwürdige Millionenabfindung durch Zentralvorstand
Im bundesweit ersten Prozess in der Siemens-Korruptionsaffäre musste heute erstmals ein Mitglied des Siemens-Zentralvorstandes als Zeuge aussagen. Siemens soll sich laut Staatsanwaltschaft mit sechs Millionen Euro Schmiergeldzahlungen an Topmanager von Enel Aufträge im Wert von 338 Millionen Euro verschafft haben.

Zentralvorstand Uriel Sharef sagte in seinem 20-minütigen Auftritt vor Gericht aus, dass Siemens dem Ex-Finanzchef seiner Kraftwerkssparte, Andreas Kley, trotz schwerer Vorwürfe Mitte 2004 eine Millionenabfindung gezahlt habe. Sharef selbst habe die Zahlung von 1,7 Millionen Euro nach Kleys Ausscheiden im Juli als zuständiger Zentralvorstand angewiesen. Zu diesem Zeitpunkt seien Bestechungsvorwürfe im Zusammenhang mit der Lieferung von Gasturbinen an den italienischen Enel-Konzern im Zentralvorstand bereits fast ein Jahr bekannt gewesen, räumte er ein. Er selbst sei in die dubiosen Zahlungen in der Korruptionsaffäre nicht eingeweiht gewesen und habe von den Transaktionen auch nichts gewusst.

Als bekannt wurde, dass Unregelmäßigkeiten in den Finanzen der Kraftwerkssparte festgestellt wurden, beschloss der Konzern den Vertrag mit Kley vorzeitig zu beenden. Die Staatsanwaltschaft und das Gericht zeigten sich erstaunt darüber, dass Siemens unter diesen Umständen hohe Abfindungsleistungen an Kley gezahlt hatte. "Die finanziellen Regelungen irritieren uns", sagte Richter Rainer Buss. "Siemens hätte die Zahlungen nicht leisten müssen."

Der Konzern müsse sich fragen lassen, warum er keine Schadensersatzansprüche gegen seinen Exmanager geltend gemacht habe, um eine drohende Verjährung zu verhindern, sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Busch am Rande des Prozesses. Sharef erklärte daraufhin, dass sich Siemens über eine Verjährung bisher keine Gedanken gemacht habe.

Die Justiz erhofft sich durch diesen Prozess Hinweise darauf, inwieweit die Korruptionszahlungen Züge einer systematischen Praxis tragen.
(iw)


InWaChRo-News: Mittwoch, 18.04.07

Nokia Siemens Networks - Aufträge und Konkurrenz
Der Wettlauf um das Betreiben von Mobilfunknetzen hat nun endgültig begonnen. Im März startete E-Plus mit der Auslagerung des Netzbetriebs und beauftragte Alcatel-Lucent mit dem Betrieb seines Netzes. E-Plus hofft, so jährlich 20 Prozent der Betriebskosten einsparen zu können. Dazu wechselten 750 Mitarbeiter von E-Plus zu Alcatel.

Der schwedische Netzwerkausrüster Ericsson übernimmt die Versorgung mit Ersatzteilen für die Mobilfunknetze von Vodafone in Deutschland, Spanien und Portugal. Ericsson wird künftig Logistik, Reparatur und Austausch der Ersatzteile verantworten, unabhängig von deren Hersteller. Ericsson übernimmt keine Mitarbeiter von Vodafone.

Nokia Siemens Networks wird das komplette Kernnetz von Blyk, einem europaweiten Anbieter kostenloser Mobilfunkdienste, hosten. Nokia Siemens Networks soll Lieferung, Aufbau und Hosting seines gesamten Kernnetzes leisten, da Blyk kein eigenes Mobilfunknetz besitzt, sondern als so genannter virtueller Netzwerkbetreiber (MVNO, Mobile Virtual Network Operator) tätig ist. Der Vertrag wurde ursprünglich von Nokia unterzeichnet.

Des Weiteren hat Nokia Siemens Networks einen Großauftrag aus China erhalten. Das Unternehmen erhielt die Zuständigkeit für den Aufbau eines vollständigen GSM-R-Netzes. Dieses soll zwischen Wuhan und Guangzhou auf 968 Kilometer verlaufen. Das Projekt umfasst neben dem Aufbau auch die Lieferung aller Basisstationen, Leitstände, Endgeräte sowie der Software für das Netzwerk-Management. Bis Ende 2009 soll die Errichtung abgeschlossen sein, nähere Informationen zum finanziellen Umfang nannten die beteiligten Unternehmen nicht, allerdings wird das Volumen auf etwa 90 Millionen Euro geschätzt. Der Kontrakt wurde ursprünglich von Siemens Communications unterzeichnet, heißt es.

Seit November habe Nokia Siemens Networks bereits für 140 Netzwerkaufträge mitgeboten, Einzelofferten von Siemens und Nokia nicht mitgerechnet. Das Unternehmen hat in Zahlen rund 600 Kunden und ist in rund 150 Ländern vertreten. Auffallend ist, dass die im Internet bekannt gewordenen Aufträge für Nokia Siemens Networks noch von Nokia oder Siemens abgeschlossen wurden. Entscheidend für die Zukunft aber sind die Auftragseingänge des neuen Unternehmens Nokia Siemens Networks. Warten wir es ab.
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 17.04.07

BDK fordert Ermittlungsverfahren gegen Siemens auf Bundesebene
Der Bund deutscher Kriminalbeamter (BDK) fordert, die einzelnen Schmiergeld-Ermittlungsverfahren gegen Siemens zu einer Untersuchung auf Bundesebene zusammenzufassen, da der Verdacht auf organisierte Kriminalität bestehe. Ein solches Verfahren würde den Ermittlern weiter reichende Vollmachten geben, so könnten sie dann Telefone anzapfen oder die Untersuchung auf Siemens-Abteilungen ausweiten, die bisher noch nicht unter Verdacht stehen. "Die Geschäftsphilosophie von Siemens scheint schuld zu sein", sagte der Pressesprecher des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Uwe Dolata zum Wall Street Journal. Nach seiner Ansicht weisen die Schmiergeldaffären bei Siemens die drei Kriterien organisierten Verbrechens auf: Man habe es mit hierarchischen Strukturen und geheimen Aktivitäten zu tun und es sei versucht worden, politischen Einfluss auszuüben.

In ihrem Buch Korruption im Wirtschaftssystem Deutschland unterscheiden Dolata und Schilling vier Strukturtypen von Korruption: Bagatell- oder Gelegenheitskorruption, Korruption aufgrund persönlicher Beziehungen, Netzwerke (organisierte Wirtschaftskriminalität) und organisierte Nicht-Wirtschaftskriminalität. Bei Siemens erkennt der BDK offensichtlich Hinweise auf ein Netzwerk. Nach Dolata / Schilling handelt es sich bei Netzwerken „um Korruptionsdelikte als Teil einer Organisationsstruktur, in der auch betrügerische Maßnahmen, Untreue und weitere Delikte organisierter Wirtschaftskriminalität praktiziert werden. Korruption ist hier häufig ein Strategie-Bestandteil, der von Unternehmen in großem Stil angewandt wird. Ein großer Personenkreis ist in diese Strukturen einbezogen – was für Nehmer und Geber zutrifft“

Der Zusammenfassung der Ermittlungsverfahren auf Bundesebene widersprach Oberstaatsanwalt Anton Winkler, ein Sprecher der Münchner Staatsanwaltschaft: Er hält es für "Arbeitsverschwendung", die verschiedenen laufenden Verfahren einem neuen Ermittlerteam auf Bundesebene zu übertragen, nachdem die Landesbehörden bereits so viel Arbeit in die Untersuchungen gesteckt hätten.

Man fragt sich, warum? Es muss doch im öffentlichen Interesse und damit auch im Interesse der Staatsanwaltschaft München I liegen, die Netzstruktur der Korruptionsvorgänge bei Siemens aufzuklären. Diese haben inzwischen ein solches Ausmaß erreicht, dass von Einzelfällen nicht mehr ausgegangen werden kann. Die Korruptionsstruktur lässt sich aber nur dann vollständig aufdecken, wenn die einzelnen Fälle an zentraler Stelle miteinander in Beziehung gesetzt werden.

Auch die Datenausspähung des Betriebsrates führt die Staatsanwaltschaft München I bis heute auf bedauerliche Irrtümer und Anfängerfehler der ermittelnden Staatsanwältin zurück, obwohl das Landgericht eine massive Verletzung der Grundrechte des Betriebsratsvorsitzenden sah. Der leitende Staatsanwalt München I bedauert in seinem Abschlussschreiben an den Rechtsanwalt des Betriebsratsvorsitzenden „ausdrücklich die durch Nachlässigkeiten in der Verfahrensführung entstandenen Irritationen und ihrem Mandanten hierdurch entstandenen Unannehmlichkeiten. Insbesondere Frau Staatsanwältin H. möge nachgesehen werden, dass sie im Umgang mit Computer und Beweissicherung als erst einige Wochen im Amt befindliche Dienstanfängerin wenig vertraut war. Die praktische Umsetzung einer Bestimmung wie § 110 StPO oder die Bedeutung einer Abwendungsbefugnis in einem Durchsuchungs- und Beschlagnahmebeschluss waren noch nicht ausreichend geläufig.“

Wenn solche Anfänger auch bei Siemens ermitteln, dann gute Nacht.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 17.04.07

"Nokia Siemens Networks" und das Abenteuer "Google"
Das Redaktionsteam von NCI München testete wie gut unsere neue Firma im Internet zu finden ist. Schließlich wollen wir höchste Kundenzufriedenheit erreichen.
mehr hier
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 17.04.07

Erwin Pelzig und die Siemens-Affäre
Das Redaktionsteam von NCI München hat folgenden ernst zu nehmenden Beitrag, der manchen schon bekannt sein dürfte, über die Siemens Korruptionsaffäre ausgegraben.
mehr hier
(iw)


InWaChRo-News: Sonntag, 15.04.07

Nokia Siemens Networks – ein treibendes Schiff auf den Wellen?
Unterbinden von Fragen an das oberste Management
Die „Welcome Session“ wäre eigentlich eine einmalige Gelegenheit gewesen, den Anfangsschwung in dieser Firma zu nutzen, den Mitarbeitern zu vermitteln, was die Vision des neuen Managements ist, einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen und zu sagen: „Es liegt in unseren Händen, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und Nokia Siemens Networks zum Erfolg zu führen und damit die Arbeitsplätze zu sichern. Wir packen das an.“

Was passiert stattdessen in München? Die Übertragung aus der Martinstraße wird nach den Reden von Peter Schönhofer und Simon Beresford-Wylie abgeschaltet. Die Mitarbeiter haben somit keine Chance auch nur eine Frage an die neue Konzernspitze zu stellen – Fragen unerwünscht?

Völlige Unsichtbarkeit des Line-Managements
Das Joint Venture startete mit dreimonatiger Verspätung – Zeit genug, so sollte man meinen, die neue Organisation bis ins Kleinste zu planen. Aber bis heute sind nur die oberen Hierarchieebenen bekannt gegeben. Wo ein normaler Mitarbeiter einzuordnen ist, ist nicht feststellbar. Auf Nachfragen erklärt die Betriebsleitung nur lapidar, man solle nicht warten, bis die Firma auf einen zukommt, sondern einfach selbst aktiv werden, sich seinen Chef im Intranet selber suchen und mit ihm Verbindung aufnehmen. Hallo?

Natürlich war das komplette Line-Management abwesend auf der „Welcome Session“ – keine Fragen bitte! Die Antworten der anwesenden Betriebsleitung zeugten nicht gerade von einem hohen Informationsgrad bei derselben (um das mal harmlos auszudrücken), oder wie muss man es interpretieren wenn sie sagt, dass sie die meisten Informationen über die eigene (!) Firma aus Presse und Internet bekommt? Für mich ist das ein Armutszeugnis.

Kappen von sozialen Bindungen
Ein normaler Mitarbeiter muss feststellen, sobald er in das neue „Phonebook“ schaut, das bei Nokia Siemens Networks das SCD ersetzen soll, dass er keinen „Job title“ hat, keiner Abteilung angehört und dass sein Chef „not found“ ist – niemand kann also erkennen was er tut. Während man vor Ostern wenigstens noch Kollegen in diesem Phonebook fand, bekommt man seit Dienstag das Gefühl, plötzlich sehr einsam zu sein – es gibt keine Kollegen, keine „subordinates“ mehr. Über das SCO konnte man bisher zumindest noch herausfinden, wer Chef welcher Abteilung war und was das für eine Abteilung ist. Das Suchen eines Ansprechpartners aus einer bestimmten Abteilung war so möglich. Jetzt ist das nicht mehr der Fall. Die Nokia-Kollegen sind zwar etwas besser dran, für diese sind die entsprechenden Felder ausgefüllt, aber was sind das für nichtssagende Abteilungsbezeichnungen, ist da jeder ein Manager und für was?

Gefühl von Ziel- und Sinnlosigkeit
Irgendwie arbeitet jeder vor sich hin, während man durch die völlige Abwesenheit des Managements das Gefühl bekommt, es gibt keine Richtung mehr, in die es weiter geht. Es ist wie auf einem Schiff, das völlig aus dem Ruder gelaufen ist und das jetzt auf den Wellen vor sich hintreibt. Die Mannschaft läuft ziellos durcheinander und wartet darauf, dass der Kapitän und die Offiziere endlich das Kommando übernehmen. Aber das passiert nicht, sie sind nur damit beschäftigt, ein Rettungsboot mit Proviant zu beladen, damit sie sich bevor das Schiff zerschellt in Sicherheit bringen können.

Was aber passiert mit der Mannschaft? In sinnloser Hektik erfüllen sie ihre Aufgaben wie eh und je – was auch sollen sie sonst tun? Gleichzeitig macht sich ein Gefühl der Sinnlosigkeit breit, es sind keine neuen, herausfordernden Aufgaben in Sicht, man arbeitet halt an den alten weiter und perfektioniert das fertige Produkt, bearbeitet lächerliche Änderungswünsche.

Die Mitarbeiter bekommen keine sinnvollen Aufgaben und werden bis zur Langeweile unterfordert.

Informationen und Diskussionen ausschließlich in Englisch
Das Intranet steht ausschließlich in Englisch zur Verfügung. Wenn man eine andere Muttersprache hat, wird es länger dauern, den Text zu lesen. Wörter, die man nicht kennt, wird man nachschlagen und von 100 Kollegen versteht jeder etwas anderes. Für viele Mitarbeiter hat das zur Folge, dass sie aufgeben im Intranet zu lesen und irgendwann das Geschehen nicht mehr verfolgen – ein Informationsdefizit entsteht. Die Übrigen werden mit nichtssagenden Schlagworten bombardiert und können nie sicher sein, auch richtig verstanden zu haben, was das Management sagen will, wenn es überhaupt etwas sagen will.

Auch im internen Diskussionsforum „Culture Square“ wird nur in Englisch diskutiert. Folge: Die Feinheiten, die für eine Diskussion über die Firmenkultur erforderlich wären, gehen unter, denn niemand kann sich in einer Fremdsprache genauso ausdrücken wie in der Muttersprache. Wer dies kritisiert wird sofort angegriffen: wir sind ein globales Unternehmen, wir müssen daher eine gemeinsame Sprache benutzen und wer Englisch nicht kann, soll eben die Firma verlassen.

Fazit
Man bekommt den Eindruck, als ob die Kommunikation und der Informationsfluss gezielt unterbunden werden sollen. Hat das Management bereits aufgegeben, bevor es überhaupt die Führung dieser Firma übernommen hat?

Dieser Eindruck weckt die Erinnerung an die a&o, die die Sinitec von Siemens übernommen hat, um sie stückchenweise abzuwickeln. Auch Simon Beresford-Wylie hat in dem Interview mit der FAZ Standortschließungen nicht ausgeschlossen, sondern nur gesagt, es sei noch zu früh, über einzelne Standorte zu sprechen.

Die Aussage Simon Beresford-Wylies „One day we will wake up, and we will be number 1“, erinnert mich an die Geschäftsführung der Dachauer MD-Papierfabrik, die einen Monat vor der Bekanntgabe der Betriebsschließung noch der Belegschaft sagte: „solange in Dachau noch Geld verdient wird und die neue Papiermaschine in Tschechien noch nicht gebaut ist, bleibt Dachau erhalten“. Die MD-Papierfabrik wird im Juli 2007 geschlossen.

Nokia Siemens Networks schafft ein Betriebsklima, in dem sich niemand wohlfühlen kann. Man kann wohl davon ausgehen, dass es nicht bei dem Abbau von 10 bis 15 Prozent bleiben wird. Die gesamte Firma steht jetzt auf dem Spiel.
(cr)


InWaChRo-News: Freitag, 13.04.07

Arbeitnehmervertreter kritisieren verschlossene Haltung von Nokia Siemens Networks
Am 14.02.2007 trafen sich Arbeitnehmervertreter von Siemens und Nokia aus Deutschland, Finnland, Österreich, Belgien und Spanien beim Europäischen Metallgewerkschaftsbund (EMB) in Brüssel.

Sie warfen dem Management von Nokia Siemens Networks mangelnde Transparenz vor und kritisierten die verschlossene Haltung des Unternehmens. Das Management weigert sich beharrlich, irgendeine Information zur neuen Struktur des Unternehmens mitzuteilen. Dadurch werden die Arbeitnehmervertreter daran gehindert, ihre beratende Aufgabe, wie von europäischem Recht vorgesehen, wahrzunehmen. Sie bekamen keine verlässlichen Zahlen oder betriebswirtschaftlichen Unterlagen, um sich über die Konsequenzen des geplanten Personalabbaus um 10 bis 15 Prozent eine Meinung bilden und ihr Beratungsrecht nach §111 BetrVG ausüben zu können.

„Sich hinter sogenannter finanzieller Vertraulichkeit zu verstecken, ist keine sozial verantwortliche Haltung gegenüber den Arbeitnehmern. Mit der Fusion fortzufahren, ohne angemessene und transparente Informationen zur Zukunft der Unternehmen zu veröffentlichen, insbesondere nach der Ankündigung substanzieller Arbeitsplatzverluste im Bereich Telekommunikationstechnologie und –systeme in Europa, ist kein nachhaltiger Ansatz in der Personalführung”, sagte Peter Scherrer, EMB-Generalsekretär. Bedauerlich ist, dass die IG Metall die Mitarbeiter über dieses Treffen nicht informiert hat.

Es ist davon auszugehen, dass sich Simon Beresford-Wylie auf dieses Treffen auf europäischer Ebene bezog, als er der FAZ am 07.04.2007 sagte, die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern über den geplanten Stellenabbau bei Nokia Siemens Networks um bis zu 9000 Mitarbeiter laufen bereits seit Februar und „gewinnen jetzt an Fahrt“. Um Verhandlungen über einen Stellenabbau in Deutschland zu führen, ist dies das falsche Gremium.

Unser Eindruck ist, dass den finnischen Managern von Nokia Siemens Networks die Mitarbeiter noch gleichgültiger sind, als dem Siemens-Management.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Montag, 09.04.07

Verhandlungen über Personalabbau bereits seit Februar im Gange
Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern über den geplanten Stellenabbau bei Nokia Siemens Networks um bis zu 9000 Mitarbeiter laufen bereits seit Februar und „gewinnen jetzt an Fahrt“, sagte Simon Beresford-Wylie zur FAZ am 07.04.2007.

Den Hinweis unseres Managements von der „Welcome Session“ beachtend, haben wir diese Information der Presse entnommen, weil die Belegschaft ja leider von den Arbeitnehmervertretern bei Nachfrage stets gesagt bekam, Verhandlungen müssen erst noch stattfinden. Wenn dem so ist, fragen wir uns, mit welchen „Mitarbeitervertretern“ Simon Beresford-Wylie eigentlich die ganze Zeit verhandelt.

Überschneidungen und daher Abbaupotential sieht er beispielsweise „in der Forschung und Entwicklung für die Netzwerktechnik der nächsten Generation“, also Next Generation Networks. „Hier haben Nokia und Siemens an ähnlicher Technik gearbeitet, das brauchen wir nur einmal.“

Auf die Frage, ob in diesem Zusammenhang Standorte geschlossen werden, sagte Beresford-Wylie, es wäre noch zu früh, über einzelne Standorte oder einen konkreten Stellenabbau dort zu sprechen. Es bleibt aber bei dem Abbau von 10-15 Prozent der Arbeitsplätze.

Weiter will Beresford-Wylie die Kosten im Einkauf senken. Er will dazu Skaleneffekte nutzen, also durch den Einkauf größerer Mengen günstigere Einkaufspreise erzielen. Warum Nokia Siemens Networks allerdings ein „erheblich höheres Ordervolumen haben soll als die beiden Einzelunternehmen vorher“ ist nicht nachvollziehbar.

Neben den Skaleneffekten wird er entweder den bisherigen Nokia- oder den Siemens- Zulieferer beauftragen, je nachdem, welcher günstiger anbietet. „Diese ‚reifen Trauben’ können wir schnell und ohne deutlichen Stellenabbau pflücken.“.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Montag, 09.04.07

Nokia Siemens Networks zeigt sich optimistisch
Nach einem schwachen Auftritt vor der Belegschaft gibt sich Simon Beresford-Wylie der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Samstagausgabe) gegenüber optimistisch. "Es gibt meiner Ansicht nach kein Unternehmen in der Branche, das eine so breite Produktpalette hat wie wir", sagte Beresford-Wylie. "Wir wollen nach zwölf Monaten eine zweistellige operative Marge vor Restrukturierungskosten erreichen". Die Kunden seien treu geblieben, "auch wenn Wettbewerber in der Zeit des Zusammengehens an jede Tür geklopft und über uns gelästert haben."

Alle Kunden sind wohl nicht so ganz treu geblieben. Der US-Mobilfunkkonzern Verizon Wireless, hat einen Großauftrag im Volumen von sechs Milliarden Dollar an Alcatel-Lucent vergeben. Zudem soll Alcatel-Lucent das Service-Angebot von Verizon Wireless um weitere Produkte wie etwa Internet-Telefonie erweitern.

Die Belegschaft dürfte dieses Muskelspiel nicht beeindrucken. Sie ist es gewohnt. Es sind immer die gleichen Aussagen, die sie seit 2003 zu hören bekommen. Am Ende stand immer eine niedrige Marge und neuer Stellenabbau, um diese auszugleichen. Dass Statements nicht ausreichen, haben wir schon genügend diskutiert. Auf unternehmerische Ideen und Umsetzungen jenseits des Stellenabbaus warten wir immer noch.
(iw)


InWaChRo-News: Sonntag, 08.04.07

Neuer Name für die AUB
... "der alte ist verbraucht" sagte AUB Betriebsrat Strelow zum Tagesspiegel, "Der Gedanke der AUB muss weiterleben". Daneben müsse auch "ein neues Statut und ein neuer Vorstand" her, "Möglicherweise müssen wir einen neuen Verein gründen." Die stellvertretende Bundesvorsitzende, Ingrid Brand-Hückstadt, bestätigte diese Form der Erneuerung mit den Worten: "Wir haben beschlossen, der AUB eine ganz neue Struktur zu geben." Mehr Kontrolle und mehr Transparenz für Mitglieder und Vorstand werde es in Zukunft geben. Der allmächtige Vorsitzende Schelsky habe Neuerungen meistens im Keim erstickt. "Wir wollen einen Neuanfang".

Doch wie soll dieser aussehen? Altes Wasser in neue Flaschen zu füllen, macht es nicht frisch. Es wird nicht genügen Name und Organisationsstruktur zu verändern. Das, was auffällt ist, dass wohl die meisten, die mit Schelsky zu tun hatten, diesem kein Contra boten. Warum, so ist zu fragen, konnte er Alleingänge machen? Warum wollte niemand sehen, wo er herkam und was er beabsichtigte? Warum wehrten sich die AUB-Mitglieder nicht, als sie dies, was sie heute mit der Mächtigkeit von Schelsky erklären, bemerkten? War es bequem? War es einfach, auch, dass es immer jemand gab, der die Ausgaben zahlte? War es vielleicht eine Karriere, die versprochen wurde, wenn man bei der AUB mitmachte?

Beim Lesen der Pressemeldungen hat man das Gefühl, es fehlt die Einsicht "wir haben etwas falsch gemacht. Unsere Unabhängigkeit, mit der wir werben, war in Wahrheit eine Abhängigkeit von Schelsky und damit von Siemens, so groß, dass er schalten und walten konnte, wie er wollte." Es ist zu einfach Schelsky für das eigenen Handeln oder Nicht-Handeln verantwortlich zu machen. Wenn hier der Denkansatz ausbleibt, wird sich die AUB nicht verändern, auch, wenn sie anders heißt und eine neue Organisationsstruktur hat. Dann wird der Gedanke der AUB unter neuen Namen in der Tat weiter leben - die Unabhängigen werden eine neue Abhängigkeit finden.

Doch was bedeutet das für die Belegschaft: "Seht hin, wen ihr wählt". Es ist die Belegschaft, die bestimmt, wer in den Betriebsrat kommt. Lasst euch nicht von Hochglanzbroschüren und Kalendern zum Jahresanfang blenden, sondern fragt nach der Betriebsratsarbeit.
(iw)


InWaChRo-News: Sonntag, 08.04.07

Ralf Heckmann relativiert seine Äußerung über IG Metall Betriebsräte
Der GBR-Vorsitzende Ralf Heckmann korrigierte am Freitag in München seine Äußerung in der Zeitung Euro am Sonntag, er gehe davon aus, dass auch in den Reihen der IG Metall Korruptionsfälle hochkommen werden. Er betonte, dass er sich möglicherweise an dieser Stelle missverständlich ausgedrückt habe. Er habe nur deutlich machen wollen, dass er zu einer rückhaltlosen Aufklärung stehe und nicht für alle seine Kollegen die Hand ins Feuer legen könne. Er sagte weiter: "Weder kenne ich einen IG-Metall-Betriebsrat bei Siemens, auf den Begünstigungsvorwürfe zutreffen würden, noch habe ich Indizien dafür".

Hoffen wir das Beste. Ein Weg die Loyalität zur Belegschaft deutlich zu zeigen wäre, eine offene GBR/BR-Politik zu betreiben statt eine Geheimratspolitik, an der Betriebsräte zunehmend Gefallen finden. Offenlegung und Nachprüfbarkeit ist das beste Mittel, Vorwürfe und Spekulationen auszuräumen. Leider wartet die Belegschaft bisher vergebens auf eine neue GBR-Informationspolitik.
(iw)


InWaChRo-News: Freitag, 06.04.07

Welcome Session oder wie Mitarbeiter motiviert werden
Dienstag 8:30, München Hofmannstraße. Wir strömen vom Nordcampus kommend auf dem öffentlichen Gehweg zur Kantine auf dem Süd-Campus. Rechtzeitig vor dem großen Ereignis hatte man den letzten Durchgang über das Firmengelände gesperrt. Die von Abrissbaggern angeknabberten Siemensgebäude vor Augen stehen wir vor dem Drehkreuz, das jeweils nur einen Mitarbeiter mit seinem kodierten Ausweis durchlässt. Ein Nadelöhr wie sich sofort erweist. Natürlich blockiert der Mechanismus. Es bildet sich ein Rückstau. Irgendwann haben wir es doch geschafft, in die Kantine zu kommen. Und warten gespannt auf die Willkommensbotschaft unseres Managements in der neuen Firma, möchten motiviert werden und vielleicht ein bisschen feiern.

Simon Beresford-Wylie will unbedingt die Nr. 1 werden. Eine starke Nummer 2 zu sein, findet er nicht so erstrebenswert. Wie will er das denn erreichen? „One day we will wake up, and we will be Number 1“. Träume, Visionen, Aufwachen, was dann? Wann genau? Doch damit wollen wir uns jetzt nicht aufhalten. „consolidate“, „leverage“ und „transform“ ist immer noch in und natürlich sind wir „excited“. „Mega-“ dagegen ist out. Die Reden von Simon Beresford-Wylie und Peter Schönhofer, aus der Martinstraße übertragen, wirken eher ernüchternd. Doch sicherlich springt der Funke bei der Fragerunde über.

Die Übertragung aus der Martinstraße wird abgebrochen. Offensichtlich soll die Fragerunde nicht mit unseren obersten Chefs stattfinden. Wer nun erwartet hatte, dass jemand aus unserem kurz vorher bekannt gegebenen Line-Management uns willkommen heißen und sich unseren Fragen stellen würde, der wird herb enttäuscht. – so viel zum Thema „Being Valued“.

Betriebsleiter Dr. S. ist im Ausland unterwegs – befürchtet man, dass er sich wieder verbabbeln könnte? Macht ja nichts, er wird vertreten vom anderen Dr. S., der auch gleich den besten Gag des Tages liefert. Er sagt, wir sollen nicht warten, bis die Firma auf uns zukommt, sondern selber aktiv werden und einfach mal im Intranet nachsehen, wer denn nun unser neuer Vorgesetzter ist, um dann mit diesem Kontakt aufzunehmen. Irgendwie liegt es auf der Zunge, zu fragen, ob wir uns unseren Vorgesetzten aussuchen dürfen. Man weiß ja nie.

Der Sprecher der Betriebsleitung H-E. fordert uns kurze Zeit später dazu auf, uns unsere Informationen über Nokia Siemens Networks doch einfach selber aus Presse und Internet zu holen. Auch er bekäme die meisten Informationen von dort – ob er wohl die NCI-Homepage liest? Dann wäre es sicher kostengünstiger für die Firma, wenn sie die NCI-Homepage vom Intranet aus wieder zugänglich machen würde. Schließlich bemühen wir uns um vollständige Information für Mitarbeiter und Management. Soviel zum Thema „Open Communication“.

Irgendwann folgt die obligatorische Frage nach dem Personalabbau um 10-15%, wie konkret das denn wäre, H-E.: „das sollten wir heute nicht vertiefen“. Diese Zahl wäre nur ein „pauschaler Ansatz“, abgeleitet aus Erfahrungen mit anderen Fusionen, so H-E. weiter. Dies muss erst noch erarbeitet werden, ebenso wie die Frage, was dann mit den überzähligen „Ressourcen“ (=Mitarbeitern) gemacht werde. Es gebe ja nicht nur Deinvestitionen, sondern auch Investitionen in Zukunftsprojekte, da müsse man genau prüfen, welche Kompetenzen wir langfristig dafür brauchen.

Kurz vor 10 Uhr wird die Fragestunde beendet und dann soll sich die Feier anschließen. Besonders motiviert wirkt nun niemand mehr, keine Aufbruchstimmung ist entstanden, kein Funke der Begeisterung übergesprungen. So wundert es eher nicht, dass die Kollegen sich kaum mit den Kuchen in den Firmenfarben lila, orange und gelb, mit den Softgetränken und Kaffee aufhalten. Zehn Minuten später werden die Flaschen bereits weggeräumt. Also zurück durchs Nadelöhr an den Arbeitsplatz.
(cr)


InWaChRo-News: Donnerstag, 05.04.07

Heckmann befürchtet Verwicklung von IG Metall-Betriebsräten in der Affäre um angebliche Schmiergelder
Der GBR-Vorsitzende Ralf Heckmann, von der IG Metall in den Aufsichtsrat der Siemens AG entsandt, schloss nicht aus, dass auch IG Metall-Betriebsräte Schmiergelder erhalten haben. „Wir gehen davon aus, dass auch in unseren Reihen Fälle hochkommen werden“, sagte Ralf Heckmann laut Euro am Sonntag. „Ich möchte nicht für alle der mehr als hundert IG-Metall-Betriebsratsvorsitzenden bei Siemens meine Hand ins Feuer legen.“, so Heckmann weiter.

Dieter Scheitor, Siemens-Beauftragter der IG Metall und ebenfalls Aufsichtsratsmitglied bei Siemens, widersprach Heckmann: „Wir gehen felsenfest davon aus, dass die 1.200 IG Metall-Betriebsräte bei Siemens integer und sauber sind“, gleichzeitig erklärte er jedoch, bei einer so großen Zahl von Betriebsräten könne man Einzelfälle von Begünstigung nicht ausschließen.

Warum geht der GBR-Vorsitzende, Ralf Heckmann, so überraschend mit diesem Interview an die Öffentlichkeit, offensichtlich ohne sich mit der IG Metall-Verwaltungsstelle München abzustimmen?

„Wenn IG Metall-Funktionäre bei VW korrumpierbar waren - wie unanfechtbar sind sie woanders?“, fragt Hans-Ulrich Jörges im Stern. VW hielt Klaus Volkert, damals IG Metall Vorstand, und GBR-Vorsitzender bei VW, mit Prämien in Höhe von fast 2 Mio. EUR, Lustreisen, und dem Unterhalt seiner kostspieligen Geliebten, bei Laune. Durch den Deal mit Hartz, aufgrund dessen das Verfahren gegen eine verhältnismäßig geringe Strafe gemessen am Vermögen, wurde dieser Fall eingestellt und damit zu einem Justizskandal. Welche Gegenleistungen zum Schaden der Belegschaft Volkert dafür erbracht hat, wird aufgrund der Verfahrenseinstellung vermutlich niemals jemand erfahren. Wenn die Justiz so verfährt, schreckt das keinen potentiellen Täter – weder auf Arbeitgeber, noch auf Arbeitnehmerseite ab.
(cr)


InWaChRo-News: Donnerstag, 05.04.07

Aufsichtsräte fordern Pierers Rücktritt
Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Spiegel Online, wollen mehrere Aufsichtsräte Heinrich von Pierer zum Rücktritt auffordern. Unter diesen Aufsichtsräten befinden sich sowohl Arbeitnehmer-, als auch Kapitalvertreter. Die Gespräche sollen mit von Pierer persönlich geführt werden, wenn dieser aus seinem Osterurlaub zurückgekehrt ist. Grund für die Rücktrittsforderung ist die nicht abreisende Korruptionsaffäre, die mit der AUB einen weiteren Höhepunkt erreicht hat. Diese Affären fallen schwerpunktmäßig in die Zeit, in der Heinrich von Pierer Vorstandschef des Siemenskonzerns war.

Als Nachfolger von Pierers ist Gerhard Cromme, der dem Aufsichtsrat seit Januar 2003 angehört, in Diskussion. Ob das eine gute Wahl ist, darf bezweifelt werden.

Der Prüfungsausschuss, der von Gerhard Cromme geleitet wird und dem auch Heinrich von Pierer angehört, wurde nach Aussage eines Siemens-Managers „schon Anfang 2006 mindestens zweimal über die Konten in der Schweiz informiert.“. Diesen Hinweisen sei Cromme jedoch nicht nachgegangen, so die Wirtschaftswoche. Siemens wies die Behauptungen der Wirtschaftswoche zurück.
(iw)


InWaChRo-News: Donnerstag, 05.04.07

Unterberger verlässt Nokia Siemens Networks
Christian Unterberger, Leiter des Festnetzgeschäftes von Nokia Siemens Networks, hat das Unternehmen verlassen und ist zur Siemens AG zurückgekehrt. Seine Position nimmt Lydia Sommer. Sie war langjährige Siemens Managerin und wechselte dann als CFO zu BenQ. Ende Juli 2006 verließ sie BenQ in beiderseitigem Einvernehmen.

Die Mitarbeiter spekulieren nun über den Abgang von Christian Unterberger. Wollte ihn Nokia Siemens Networks nicht, weil er in die Schmiergeldaffäre verwickelt sein könnte oder sieht Unterberger für Nokia Siemens Networks keine Zukunft? Kaum einer glaubt, dass Unterberger nur wegen eines besseren Jobs zu Siemens gewechselt ist.
(iw)


InWaChRo-News: Donnerstag, 05.04.07

Feldmayer aus der U-Haft entlassen
Der Haftbefehl des Amtsgerichts Nürnberg gegen Johannes Feldmayer ist auf Antrag der Staatsanwaltschaft außer Vollzug gesetzt. Feldmayer musste allerdings eine Sicherheitsleistung erbringen. Er saß seit vergangenem Dienstag in Untersuchungshaft. Der mittlerweile freigestellte Top-Manager steht unter Verdacht, dem langjährigen Chef der Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB), Wilhelm Schelsky, zwischen 2001 und 2005 ohne Gegenleistungen insgesamt 15,5 Millionen Euro angewiesen zu haben.
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 03.04.07

Verhandlungen zwischen TietoEnator und Nokia Siemens Networks?
Letzte Woche fand bei TietoEnator in München eine Betriebsversammlung statt. Auf der heutigen „Welcome Session“ in der Hofmannstraße berichtete ein NSN-Mitarbeiter von dieser Betriebsversammlung. Dort soll gesagt worden sein, dass Nokia Siemens Networks und TietoEnator über die Übernahme eines Bereiches durch TietoEnator verhandeln. Dies wollte das NSN-Management weder dementieren noch bestätigen. Man gestand jedoch ein, dass Gespräche mit TietoEnator stattfänden.

TietoEnator ist einer der größten Anbieter von IT-Dienstleistungen in Europa. Ziel von TietoEnator ist es ein Global Player im Telekommunikationsbereich zu werden", sagte Ari Vanhanen, President, TietoEnator Telecom & Media. Das Produktspektrum des Geschäftsbereichs Telecom & Media umfasst R&D-Dienstleistungen, Consulting, IT-Systementwicklung und die Integration für die gesamte Wertschöpfungskette in den Märkten der Telekommunikation und der Medien. Schwerpunkt ist die Beratung, Entwicklung und der Betrieb der technologisch bestimmten Geschäftsprozesse der Kunden.

Mitarbeiter von Nokia Siemens Networks äußerten die Vermutung, dass es sich bei den auszulagernden Bereichen entweder um den FN-Systemtest oder um die Mobilfunknetzentwicklung handeln könnte. Sowohl Systemtest als auch Entwicklung passen, wie wir bereits beim Übergang der EWSD-Entwicklung analysiert hatten, zum Geschäftsmodell von TietoEnator.
(cr)


InWaChRo-News: Montag, 02.04.07

Nokia Siemens Network - Stellenabbau
Die Verhandlungen zum Stellenabbau bei Nokia Siemens Networks haben angeblich noch gar nicht begonnen, trotzdem verkündete der der Berliner Siemens-Chef Gerd von Brandenstein laut Der Tagesspiegel online in dieser Woche, die Berliner Belegschaft mit rund 2000 Nokia Siemens Networks-Mitarbeitern sei von dem Jobabbau voraussichtlich kaum betroffen. Die anderen Mitarbeiter werden wohl noch ein wenig zittern müssen.

Die Aussage deutet klar darauf hin, dass die Verhandlungen, die wie immer hinter verschlossenen Türen geführt wurden, bereits kurz vor dem Abschluss stehen dürften.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Montag, 02.04.07

Nokia Siemens Networks senkt Wachstumsprognose
Vor knapp einem Jahr sah das Management von Nokia und Siemens noch euphorisch in die gemeinsame Zukunft:

„Die Verantwortlichen haben hohe Erwartungen an den neuen TK-Riesen. Bereits im ersten Jahr soll Nokia Siemens Networks eine zweistellige operative Marge erreichen, sagte Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo. In der Folge werde das Unternehmen schneller wachsen als der Markt. Um diese Ziele zu erreichen soll zunächst auf die Kostenbremse gedrückt werden.“ (Computerwoche vom 20.6.2006)

Heute meldet Nokia Siemens Networks, dass nur noch von einem sehr geringen Wachstum am Markt für Mobilfunk- und Festnetznetze im laufenden Jahr ausgegangen wird. Das Unternehmen begründete den Rückgang mit Preisverfall und geringeren Bereitschaft der Kunden, zu investieren.

Damit dürfte die Prognose einer EBIT-Marge von 0,8 Prozent in diesem Jahr, die Von Stackelberg, Kommunikationsexperte bei Sal. Oppenheim abgab, wohl eintreffen. Marktkenner gehen davon aus, dass die rund 37.000 Ex-Angestellten von Siemens am härtesten von Stellenstreichungen betroffen sein werden. „Nokia ist wesentlich effizienter aufgestellt“, urteilt Nicolas von Stackelberg, Telekommunikationsexperte bei Sal. Oppenheim. Der Umsatz pro Mitarbeiter liege bei den Finnen um 32 Prozent höher als bei den Siemensianern.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Sonntag, 01.04.07

Ein paar Worte ...
zum Start von Nokia Siemens Networks

von uns für euch.
... über Ziele, Standpunkte, Veränderungen

zum Hören (8,6 MB)     

Am 01.04.07 beginnt die Ära Nokia Siemens Networks. Sie wurde am 19.06.06 mit großer Euphorie angekündigt. Auf der Pressekonferenz versuchten Klaus Kleinfeld und Olli-Pekka Kallasvuo den Eindruck zu vermitteln, dass mit dem Joint Venture Nokia Siemens Networks ein Jahrhundert-Coup geglückt ist. Historisch sei der Vorgang und einmalig. Man sprach von sofortigem Cash Flow, zweistelligen Margen und der Marktführerschaft, vom Kapital des Unternehmens, das die Mitarbeiter seien. Das Kapital wollte man gleich von Beginn an um 10 bis 15 Prozent reduzieren.

Was ist - nach fast einem Jahr - von dieser Euphorie übrig geblieben? Nokia Siemens Networks wankte, noch bevor es gestartet war. Was schreibt die Presse heute über dieses Jahrhundertprojekt? Nicht viel, und wenn sie etwas schreibt, ist die Rede davon, dass unruhige Zeiten auf die Belegschaft von Nokia Siemens Networks zukommen werden. Von Euphorie ist nichts mehr zu spüren. Eine Aufbruchstimmung kommt nicht auf. Die Siemens Mitarbeiter hoffen auf das Nokia Management und die Nokia Mitarbeiter hoffen auf das Siemens Management. Das einzige was das Hin und Her über Nokia Siemens Networks überdauerte und nie ins Wanken kam, war und ist der Abbau von 6000 bis 9000 Arbeitsplätzen. Das einzige Sichere ist die wachsende Unsicherheit. Es ist ein merkwürdiger Beginn eines neuen Unternehmens.

Und doch wollen wir euch motivieren, nicht dazu, die Firma nach oben zu bringen - euch dazu zu motivieren ist Aufgabe des Managements. Wir wollen euch motivieren, eure Existenzgrundlage zu sichern und diese geschickt durch die Stürme der Zeit zu retten.

Was heißt das nun? Sicherlich nicht hoffen, bangen, warten oder den Kopf in den Sand stecken. Wir alle sind dabei täglich zu lernen, dass alte Verhaltensweisen in der heutigen Zeit nicht mehr passen und dass wir uns immer mehr darauf einstellen müssen, eigenverantwortlich mit unserer Existenzgrundlage "Arbeitsplatz" umzugehen.

Jeder hat täglich die Wahl: Wir können darüber klagen, dass der Arbeitgeber stets am längeren Hebel sitzt oder wir können versuchen selbst einen Ankerpunkt zu finden, der unsere Hebelwirkung verbessert. Wie sagte Archimedes: "Gebt mir einen Hebel, einen Stützpunkt, und ich werde die Welt aus den Angeln heben." Dazu ist aber eine Veränderung des Standpunktes erforderlich. Mit unserer Homepage, den Informationen und Analysen bieten wir euch seit über vier Jahren andere Blickwinkel, andere Standpunkte, die ihr einnehmen könnt, um die aktuellen Geschehnisse zu betrachten. Doch dies müsst ihr aktiv tun. Niemand zwingt euch, niemand treibt euch.

Doch eines ist sicher, der Arbeitgeber wird nicht zögern, euch auf dem Beiboot auszusetzen, wenn er der Meinung ist "es sind zu viele Leute an Bord". In letzter Zeit hört man diese Worte flüsternd in der Führungsetage immer wieder. Ihr habt die Wahl, jetzt navigieren zu lernen, zu lernen wie man das Boot steuert, damit es sich quer zu den Wellen stellt und nicht kentert oder die Augen zu verschließen und das Boot treiben zu lassen. Wer hat wohl die größere Überlebenschance?

2003 wurden die Kollegen, deren Arbeitsplatz entfallen sollte, in die Zielstattstraße ausgegrenzt. Unbewusst bot Siemens damit den Kollegen die Lösung. Sie wählten damals das Ziel, ihren Arbeitsplatz zu behalten, statt die Straße, auf die Siemens sie setzen wollte. "Ziel statt Straße" wurde zu einem Symbol dafür, dass es geht, den Arbeitsplatz zu erhalten, dass es möglich ist, dem Arbeitgeber zu trotzen, wenn ihm nichts anderes einfällt als Stellenabbau, den er auch noch als sozialverträglich bezeichnet. Was taten die Kollegen? Sie lernten. Sie setzten sich auseinander mit den Rechten, die sie hatten. Sie sprachen darüber, so dass jeder verstehen konnte, was zu tun war, welche Wege sich ihm boten, wo sie für ihn hinführten. Sie förderten eine Kultur der offenen Kommunikation, sie, die ausgegrenzt waren, fanden sich zusammen unter der Devise: "Ziel statt Straße".

Ein Ziel zu haben ist ein Hebel, jeder Schritt zu diesem Ziel ein Stützpunkt, der die Welt ein klein wenig verändert, der die Kräfteverhältnisse verschiebt.

Ein Schritt zu diesem Ziel ist, sich heute Gedanken darüber zu machen, was alles auf uns zukommen kann: Angebote zu Aufhebungsvertrag und Beschäftigungsgesellschaft, verbunden mit Trennungsgesprächen, Ausgliederungen, Betriebsschließung, Insolvenz, alles Szenarien, die spätestens mit BenQ nicht mehr absurd sind, alles Szenarien, mit denen wir uns schon beschäftigt haben. Man weiß dann, was geschehen kann. Man weiß dann, wenn es eintritt, was zu tun ist. Man ist im Vorteil, weil man überlegt handeln kann und nicht panisch handeln muss.

Ein Ziel statt die Straße zu wählen, bedeutet, den Kollegen in der Abteilung jetzt anzusprechen statt zu warten, bis er es tut. Es bedeutet, gemeinsam über die Wege und Szenarien zu diskutieren, bedeutet, sich Gedanken zu machen, wem kann und möchte ich vertrauen, wenn wir wieder einmal alle in einem Boot sitzen. Es bedeutet, im Betrieb das Kommunikationsnetz auszubauen, das in der eigenen Abteilung beginnt, die Menschen dort verbindet, das in andere Abteilungen hineinreicht. Es bedeutet, die Botschaft zu verbreiten, dass es geht, den Arbeitsplatz zu erhalten.

"Ziel statt Straße" bedeutet, zu wissen, zu lernen, zu reden, zu sein, den Mut zu haben, Standpunkte zu verändern, bedeutet dem Druck des Stellenabbaus, Selbstbewusstsein entgegen zu setzen, ein Selbstbewusstsein, das auf dem Wissen um unsere Rechte fußt.

Weil wir davon überzeugt sind, dass ein jeder mit klugem Handeln und ein wenig Mut, die Chance hat, seinen Arbeitsplatz zu erhalten, geben wir euch auch bei Nokia Siemens Networks das, was wir wissen weiter, damit ihr euren Blickwinkel, eueren Standpunkt so verändern könnt, damit es nicht immer der Arbeitgeber ist, der stets am längeren Hebel sitzt. Aber handeln müsst ihr. Wir können und wollen das nicht stellvertretend für euch tun. Ihr müsst euch Kollegen im Betrieb suchen, denen ihr vertraut, mit denen ihr im Falle des Falles bereit seid, eure Arbeitsplätze zu verteidigen.

Wir - die Mitarbeiter - sind das Kapital, sagte Klaus Kleinfeld. Kapital wirft man nicht hinaus.
Wir müssen dem Management durch selbstbewusstes Verhalten deutlich machen, dass wir keine Kostenfaktoren sind, sondern Menschen mit ihren Ansprüchen, Rechten, Lebensentwürfen und mit ihrer Würde, dass wir Menschen sind, die sich nicht wie Schachfiguren herum schieben lassen, sondern für ihre Rechte streiten. Und genau solche Mitarbeiter braucht Nokia Siemens Networks, um zum Ziel zu kommen, Mitarbeiter, die handeln, die Verantwortung übernehmen, Mut zum kalkulierbaren Risiko haben, eine offene Kommunikation pflegen und gemeinsam für ein Ziel handeln. Wir können das Management nicht zwingen mit uns zusammen zu arbeiten statt gegen uns, aber wir können das Ziel wählen und unseren Teil dazu beitragen, dass dieser Firma, die Menschen erhalten bleiben, die sie dringend braucht.
(iw)


Autoren: Inken Wanzek, Christine Rosenboom
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