Artikel: Juni 2007



NSN:
30.06.07   Kommentar zur Einigung mit dem GBR
29.06.07   Erste Einigung mit GBR über Personalabbau
29.06.07   Finnischer Chef - Warum ist es für die Mitarbeiter wichtig, einen Chef im Unternehmen zu haben?
29.06.07   Finnischer Chef - Problem gelöst mit Hosting Manager?
29.06.07   Finnischer Chef - kann teuer werden
23.06.07   Finnischer Chef - was nun?
21.06.07   Verhandlungen zur Restrukturierung
20.06.07   Verhandlungen über Stellenabbau begonnen
19.06.07   Job-Börse
19.06.07   Die Reise nach Jerusalem - eine neue Methode des Stellenabbaus
19.06.07   Die Reise nach Jerusalem - was steckt dahinter?
19.06.07   Stellenausschreibungen
16.06.07   Leitungspositionen bei NSN werden nach „optimaler Eignung“ besetzt
15.06.07   Stand des Stellenabbaus
15.06.07   Jobbörse geplant
15.06.07   Umorganisation
15.06.07   Job Grades
12.06.07   Entwicklungen im oberen Management
12.06.07   Standorte in Wien und Eisenstadt sollen zusammengelegt werden
12.06.07   Europaweite Protestaktion bei gegen Stellenabbau und Auslagerungen
10.06.07   Protest gegen Stellenabbau und Auslagerungen in München Hofmannstraße
06.06.07   NSN plant Entlassung von 294 finnischen Mitarbeitern im August/September
05.06.07   Offene Kommunikation, Schweigen, Ausweichen, Unsicherheit
04.06.07   R&D-Jobs zu TietoEnator ausgelagert
01.06.07   Nokia Siemens Networks ersetzt Finanzchef

Enterprise:
20.06.07   Suche nach Käufern geht weiter


Siemens
28.06.07   Kurzes Engagement: Anti-Korruptionschef verlässt Siemens
28.06.07   Evolution statt Revolution
21.06.07   Siemens VDO: Versetzung von CT-Mitarbeitern
20.06.07   Zeugnisstreit in der Beschäftigungsgesellschaft (beE)
17.06.07   Vom Hai zur Heuschrecke?
16.06.07   Ex-Siemens-Finanzvorstand Neubürger wird führender Manager bei KKR
16.06.07   Ergänzungstarifvertrag SHC in Bocholt
14.06.07   Cromme will Beschäftigte besänftigen
11.06.07   Peter Löscher wird es schwer haben, Akzente im Konzern zu setzen
10.06.07   Statt Kopfprämie freie Stellen mit beE-Mitarbeitern besetzen


Siemens Korruption
20.06.07   Oberlandesgericht sieht eine strafbare Beeinflussung von Betriebsratswahlen
01.06.07   Lothar Pauly tritt wegen Siemens Korruptionsaffäre zurück


BenQ:
14.06.07   Noch kein Urteilsspruch im Fall nachträglicher Widerspruch gegen Betriebsübergang
14.06.07   Prozessbericht (6.6.07) gegen den Betriebsübergang Siemens/BenQ
11.06.07   Option kauft Teile der Betriebsausstattung in Kamp-Lintfort
02.06.07   Prozesse gegen den Betriebsübergang Siemens/BenQ


SIS:
11.06.07   SIS soll doppelt so schnell wachsen wie das weltweite Bruttosozialprodukt
10.06.07   Sinn und Unsinn von Mitarbeiterbefragungen
05.06.07   Offener Brief an den Bereichsvorstand
02.06.07   SIS- Entwicklung Förderung Anerkennung?


Sontiges:
02.06.07   Motorola stellt Handy Produktion in Deutschlang ein
01.06.07   Mitarbeiter haben Arbeit wieder aufgenommen

InWaChRo-News: Samstag, 30.06.07

NSN: Kommentar zur Einigung mit dem GBR
Wie gestern berichtet, einigten sich Nokia Siemens Networks und der GBR auf den Abbau von 2.290 Arbeitsplätzen. „Beide Seiten werten die Einigung als Erfolg und haben vereinbart, ihre Verhandlungen zur konkreten Umsetzung des Stellenabbaus bereits in der kommenden Woche fortzusetzen“, teilte NSN mit.

Wie beim Handeln auf einem orientalischen Basar erhöhte der Arbeitgeber am 04.05.2007 zunächst die von ihm gewünschten Abbauzahlen von 10 bis 15 auf 23 Prozent. IG Metall und Wirtschaftsausschuss sowie GBR reagierten daraufhin „empört und mit geharnischter Kritik“, sprachen von „verlotterter Moral“ und einer „Kriegserklärung an die Beschäftigten“. Sie forderten, „die Abbaupläne zurückzuziehen und stattdessen das hohe Potenzial ihrer Beschäftigten im Sinne einer konstruktiven Unternehmensstrategie einzusetzen“. Und dann ging alles sehr schnell, das Gesagte war offensichtlich vergessen. Völlig überraschend kam schon am 29.06.2007 die Nachricht über die Einigung in der Presse.

Der GBR knickte bereits am zweiten Verhandlungstag unter der Drohung der Firma, eine Einigungsstelle anzurufen, ein. Es ist völlig normal in Verhandlungen, dass der Arbeitgeber mit der Einigungsstelle droht – das gehört zur Verhandlungstaktik des Arbeitgebers. Eine Einigungsstelle ist paritätisch, also mit je zur Hälfte aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern besetzt, die aus dem Unternehmen kommen. Der einzige „externe“ ist der Vorsitzende Richter.

Der GBR weiß nach wie vor nicht, wie das neue Portfolio aussieht, wie es sich auf Deutschland und Finnland verteilt und wie die Umstrukturierung sich auf die einzelnen Betriebe auswirkt. Er kann also überhaupt nicht beurteilen, ob Personalabbau notwendig ist, wenn ja in welcher Größenordnung und ob er durch geeignete Maßnahmen vermeidbar wäre. Nur so könnte der GBR verhindern, dass Personalabbau vom Unternehmen lediglich zur Gewinnmaximierung betrieben wird.

Um diesen Sachverhalt zu untersuchen, hat der GBR erst am 19.06.2007 die Unternehmensberatung Kemper & Schlomski beauftragt, Perspektiven für die Standorte in Deutschland zu entwickeln. Innerhalb einer Woche kann diese Firma noch kein Ergebnis vorgelegt haben, erst recht nicht, weil die notwendigen Informationen fehlen. Dazu kommt, dass Kemper & Schlomski normalerweise für den Arbeitgeber, insbesondere auch für Siemens arbeitet.

Wenn der GBR diese Unternehmensberatung schon beauftragt hat, dann kann er bevor diese ein vernünftiges Alternativkonzept vorgelegt hat, keinen wichtigen Verhandlungsdetails wie der Höhe der Abbauzahlen zustimmen. Das ist nicht nur verhandlungstaktisch falsch, es ist schlicht und ergreifend keine Taktik. Wenn der Arbeitgeber schon so früh um 610 Arbeitsplätze freiwillig nachgibt, dann hat er ein Interesse an einem schnellen Abschluss. Das kann ein GBR seinerseits als Druckmittel benutzen. Der Arbeitgeber hat dies dann vorher einkalkuliert. Vermutlich hat er sogar mehr erreicht, als er eingeplant hatte, da er mit mehr Widerstand der Arbeitnehmervertreter rechnete. Verhandlungen über Stellenabbau dauern normalerweise Wochen, wenn sie ernsthaft geführt werden, nicht nur zwei Tage.

„Weitere Alternativen zur Restrukturierung erwartet sich der Gesamtbetriebsrat auch von der Einbeziehung einer von ihm beauftragten externen Beratungsgesellschaft.“, so die IG Metall. Diese Aussage ist völlig absurd. Der Abbau von 2.290 Mitarbeitern ist mit Zustimmung des GBR beschlossen. Alternativen zu entwickeln ist damit obsolet. Der GBR hat mit seiner Zustimmung die Restrukturierung de facto frei gegeben. Durch die Einigung hat der GBR genau das erreicht, was er verhindern wollte, nämlich dass es in den folgenden Verhandlungen nur noch um Abfindungen geht.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Freitag, 29.06.07

NSN: Erste Einigung mit GBR über Personalabbau
Wie wir aus der Presseerklärung von Nokia Siemens Networks erfahren haben, wird Nokia Siemens Networks in Deutschland 2290 der 12.600 Stellen abbauen. Darüber hat sich das Unternehmen heute mit dem Gesamtbetriebsrat geeinigt. Der Abbau ist mit 18,2 Prozent der deutschen Stellen zwar niedriger als die zuletzt angekündigten 23 Prozent aber immer noch höher als die ursprünglichen 10 bis 15 Prozent.

Die Verhandlungen über die konkrete Umsetzung des Stellenabbaus werden in der kommenden Woche fortgesetzt. Eine rasche Einigung noch vor der Sommerpause werde angestrebt. Leider erfahren es die Mitarbeiter wieder einmal zuerst aus der Presse.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Freitag, 29.06.07

NSN: Finnischer Chef - Warum ist es für die Mitarbeiter wichtig, einen Chef im Unternehmen zu haben?
Die Mitarbeiter machen Dienstreisen, beantragen Urlaub und benötigen Arbeitsmittel. Die Genehmigung dazu müssen sie von ihrem disziplinarischen Vorgesetzten einholen. Dieser Chef muss die entsprechende Unterschriftsberechtigung nach §54 HGB oder Prokura (§48 HGB) haben.

Unterschreibt ein Vorgesetzter, der aus der finnischen Oy kommt, beispielsweise einen Dienstreiseantrag, dann ist diese aufgrund der fehlenden Unterschriftsberechtigung unwirksam. Geht der Mitarbeiter jetzt auf Dienstreise und hat er dabei einen Unfall, dann wird es mit Sicherheit Probleme mit der Unfallversicherung geben.

Gerät der Mitarbeiter auf Abbauliste, dann könnte ihm vorgeworfen werden, dass er keine gültige Unterschrift hatte. Er könnte dann wegen unerlaubten Fernbleibens vom Arbeitsplatz, wegen unerlaubten Antritts einer Dienstreise, wenn er Pech hat, wegen Betrug eine verhaltensbedingte fristlose Kündigung erhalten. Dies ist bei Siemens bereits am 8.3.2004 in einem Fall so passiert. Der Mitarbeiter steht dann sofort ohne Gehalt da und hat einen langwierigen Prozess vor sich. Der Ausgang eines solchen Prozesses ist ungewiss. Zusätzlich bleibt man auf den Kosten für die Dienstreise sitzen.

Wie kann man sich nun am besten verhalten, falls die Firma bei dem Mapping mit dem finnischen Vorgesetzten bleibt?

Die einfachste Möglichkeit ist, man lässt sich alles - einschließlich Urlaubsanträge von Joachim Malterer oder Lydia Sommer unterschreiben, da diese die einzigen Vorgesetzten sind, die eine Unterschriftsberechtigung für die Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG besitzen. Sie haben als Geschäftsführer Prokura.

Zweite Möglichkeit ist, zu Beginn der der Zusammenarbeit mit dem finnischen Chef eine schriftliche Anfrage an die Geschäftsleitung (Joachim Malterer oder Lydia Sommer) stellen mit folgendem Text:

Bitte teilen Sie mir rechtsverbindlich mit, dass Herr / Frau [Vor- und Nachname des finnischen Vorgesetzten] der Firma Nokia Siemens Networks Oy, Helsinki (bzw. Espoo) die für einen disziplinarischen Vorgesetzten notwendigen Berechtigungen für das Unternehmen Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG besitzt, insbesondere meine Dienstreisen, Urlaub, Arbeitsmaterial zu genehmigen sowie verbindliche Dienstanweisungen erteilen darf.

Rechtsverbindlich bedeutet in Schriftform mit Unterschrift der Geschäftsleitung als Prokuristen. Liegt dem Mitarbeiter ein solches Schreiben vor, dann ist er abgesichert. Im Zweifelsfall (bei Ärger mit der Versicherung oder sonstigen Rechtsstreitigkeiten) haftet die Geschäftsleitung.

Bei allen anderen "Lösungen" trägt allein der Mitarbeiter das Risiko.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Freitag, 29.06.07

NSN: Finnischer Chef - Problem gelöst mit Hosting Manager?
Das NSN Management möchte am Mapping mit finnischen Vorgesetzten festhalten, aber das Problem mittels eines sogenannten Hosting Managers lösen. Das Management prägt hier einen neuen Begriff, der aus der Technik entliehen ist. Analog einem Hosting Service Provider dürfte ein Hosting Manager ein Dienstleister sein, der die Infrastruktur und das Management von betrieblichen Abläufen und Mitarbeitern zur Verfügung stellt. Im Klartext, dieser Manager soll der Ansprechpartner für die Mitarbeiter mit finnischem Vorgesetzten bei rechtlichen, sprachlichen und anderen Problemen sein.

Ansprechpartner heißt aber nicht, dass dieser ein disziplinarischer Vorgesetzter ist. Weist man den Mitarbeitern keinen anderen Vorgesetzten in der NSN GmbH & Co. KG zu, ist der disziplinarische Vorgesetzte Joachim Malterer bzw. Lydia Sommer.

Nokia Siemens Networks will hier minimalen Aufwand betreiben. Daher wird die Einsetzung der Hosting Manager jeder Business Unit auf freiwilliger Basis überlassen.

Einen Hosting Manager bekommen die Mitarbeiter, wenn sie diesen Wunsch äußern. Außerdem will das Management sofort einen Hosting Manager installieren, wenn Rechtsstreitigkeiten drohen. In letzterem Fall ist es auf jeden Fall zu spät, da keine rückdatierten Unterschriften zulässig sind.

Der Hosting Manager ist nur ein Deckmäntelchen, der die Mitarbeiter und die Betriebsräte beruhigen soll. Rechtlich und praktisch ist das Konstrukt absurd.

Nokia Siemens Networks macht sich noch nicht mal die Mühe, Recht zu umgehen, sie definieren sich ihr Recht einfach selbst. Wir machen darauf aufmerksam, dass die gesetzgebende Gewalt in Deutschland laut Art. 70 GG immer noch beim Bund und den Ländern liegt.

Es uns unverständlich, warum Nokia Siemens Networks in dieser Frage ein derart hohes Risiko der Rechtsunsicherheit nicht nur für den Mitarbeiter, sondern auch für sich selbst eingeht, insbesondere, da die Firma erklärt hat, sich unbedingt an die Gesetze halten zu wollen.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Freitag, 29.06.07

NSN: Finnischer Chef - kann teuer werden
Arbeitgeber ist, wer die Arbeitsleistung des Arbeitnehmers kraft Arbeitsvertrages fordern kann und das Arbeitsentgelt schuldet. Die Ex-Siemens-Mitarbeiter haben einen Arbeitsvertrag mit der Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG. Also ist eindeutig die Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG Arbeitgeber der deutschen Ex-Siemens-Mitarbeiter. Diesem Unternehmen schulden die Mitarbeiter ihre Arbeitsleistung (§611 I BGB), nicht der finnischen Nokia Siemens Networks Oy und auch nicht der holländischen Nokia Siemens Networks B.V., da mit diesen keine Arbeitsverträge abgeschlossen wurden.

Die Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG hat daher den Mitarbeitern gegenüber ein Direktionsrecht, durch das der Arbeitgeber die konkrete Leistungspflicht des Arbeitnehmers hinsichtlich Art, Ort und Zeit näher gestalten kann. Dieses Direktionsrecht hat nicht die finnische Oy und auch nicht die holländische B.V.

Will die Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG das Direktionsrecht an die finnische Oy abtreten, liegt nach deutschem Gesetz Arbeitnehmerüberlassung vor (§1 I AÜG). Dies bedarf jedoch der Erlaubnis durch die Bundesagentur für Arbeit. Egal, wie Nokia Siemens Networks es dreht und wendet, die Zuweisung finnischer Vorgesetzter durch einfaches Mapping stellt einen Verstoß gegen deutsches Recht dar.

"Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig … entgegen §1 einen Leiharbeitnehmer einem Dritten ohne Erlaubnis überlässt, …" (§16 I Nr. 1 AÜG) "Die Ordnungswidrigkeit nach Absatz 1 Nr. 1 … kann mit einer Geldbuße bis zu fünfundzwanzigtausend Euro … geahndet werden." (§16 II AÜG).

Wenn beispielsweise 10 Prozent der Mitarbeiter per Mapping einen finnischen Vorgesetzten bekommen und die Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung liegt nicht vor, dann kann das die Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG 10% * 12.600 (MA) * 25.000 EUR = 31.500.000 EUR, das kann teuer werden. Aus wirtschaftlichen Gründen sollte man sich doch vielleicht lieber etwas anderes ausdenken.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Donnerstag, 28.06.07

Kurzes Engagement: Anti-Korruptionschef verlässt Siemens
Sein Kampf gegen die Korruption bei Siemens dauerte nur sechs Monate. Erst seit 1. Januar 2007 im Amt, muss Compliance-Chef Daniel Noa nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung jetzt schon wieder seinen Stuhl räumen. Bis ein "international erfahrener Experte" als Nachfolger gefunden ist, wird der Chefsyndikus von Siemens, Paul Hobeck, das Amt übernehmen. Noa wird dem Konzern noch bis Ende nächsten Jahres als Berater zur Verfügung stehen.

Der Name Noas wurde laut SZ von Siemens-Personalvorstand Jürgen Radomski, dessen Vertrag nicht mehr verlängert wurde und vom ehemaligen Compliance-Chef Albrecht Schäfer ins Spiel gebracht. Siemens machte Albrecht Schäfer im November 2006 zum Chef einer "Compliance Task Force", obwohl dieser zu jenem Zeitpunkt von der Staatsanwaltschaft als Beschuldigter geführt wurde. Ende Mai erklärte Siemens, man wolle sich schnellstmöglich von Schäfer trennen, da Vorwürfe aus dem Aufsichtsrat laut wurden, Schäfer habe im Dezember 2006 dem Aufsichtsrat gegenüber nicht umfassend genug über den Schmiergeldskandal berichtet und die Vorgänge geschönt.

Noa, könnte zum Verhängnis geworden sein, dass er sich in der Geschäftswelt nicht auskannte. Seine begrenzten Englisch-Kenntnisse dürften ein weiteres Hindernis gewesen sein, insbesondere da sich amerikanische Anwälte im Haus befinden.

Sorgen über seine Zukunft muss sich Daniel Noa dennoch nicht machen. Heinrich von Pierer vereinbarte mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU), dass Noa vom Staatsdienst freigestellt wird, und ein Rückkehrrecht hat.
(cr)


InWaChRo-News: Donnerstag, 28.06.07

Siemens: Evolution statt Revolution
Am 1. Juli tritt Peter Löscher sein Amt als Vorstandsvorsitzender der Siemens AG an. Peter Löscher ist immer noch ein Unbekannter, umso spannender wurde sein Auftritt auf der jährlichen Medienkonferenz von Siemens erwartet.

Löscher äußerte sich klar zur Korruptionsaffäre. "Manchen Auftrag werden wir in Zukunft nicht mehr bedienen. Wachstum mit schlechter Ethik kann kein gutes Geschäft sein'', sagte Löscher. Für Siemens werde die Affäre wohl zum Marathonlauf werden, sagt er weiter. "Mit Managern, die in die Affäre verstrickt seien, werde das Unternehmen kurzen Prozess machen. Es gibt hervor ragende Regeln bei Siemens gegen Korruption - aber es muss klar sein, dass sie auch von oben bis unten gelebt werden.''

Löscher will den Konzern verändern. "Wenn Sie aber denken, der Löscher fängt an und die Revolution beginnt, muss ich Sie enttäuschen'' Der Konzern werde sich wandeln wie schon in den vergangenen Dekaden, aber es gehe um eine Evolution, nicht um einen radikalen Umbruch.

Indes machen Gerüchte die Runde, Löscher könnte Stellen in der Verwaltung streichen, den Vorstand verkleinern und mehr Verantwortung in die operativen Sparten verlagern. "Ich trete nicht an, um alles beim Alten zu lassen'', sagt der Manager.

Zunächst aber will Löscher die Organisation und die Menschen im Siemens Konzern kennen lernen. Seine erste große Dienstreise werde ihn in die Wachstumsmärkte Indien, China und Japan führen. Seine Ziele werden aber sicherlich nicht weniger ehrgeizig sein als die von Klaus Kleinfeld.
(iw)


InWaChRo-News: Samstag, 23.06.07

NSN: Finnischer Chef - was nun?
Das Nokia Siemens Networks Management organisiert den Konzern so, als ob es sich bei NSN nicht um einen Konzern, sondern um ein Einzelunternehmen handeln würde. Kollegen, die einem finnischen Chef zugeordnet wurden, sind verunsichert. Sie möchten wissen, wie die Rechtslage ist, wer wem welche Anweisungen geben darf. Wir erklären die Rechtslage zunächst allgemein und gehen dann auf die Fragen der Mitarbeiter ein.

Struktur des Konzerns
Bei Nokia Siemens Networks handelt es sich um einen Konzern bestehend aus rechtlich selbständigen Einzelunternehmen, die unter dem Dach einer holländischen B.V. zusammengefasst sind. Die holländische B.V. mit Sitz in Espoo, Finnland, fungiert also als Holding. Die deutsche Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG und die finnische Nokia Siemens Networks Oy sind voneinander unabhängige Unternehmen, die jeweils aus mehreren Betrieben bestehen. In Deutschland gibt es sogar noch mehr Unternehmen, die zum Konzern gehören, so wurde z.B. die Nokia Net GmbH nicht mit der Siemens Networks GmbH & Co. KG verschmolzen. Die Unternehmen bestehen selbständig nebeneinander weiter.

Es gibt folglich kein globales Unternehmen, es handelt sich immer um einen Verbund von Einzelunternehmen unter dem Dach eines Konzerns. Das Nokia Siemens Networks Management organisiert den Konzern unter Missachtung dieser Tatsache aber so, als ob es sich bei NSN nicht um einen Konzern, sondern um ein Einzelunternehmen handeln würde.



Wer darf wem welche Weisungen im Konzern geben?
Allgemein gilt als Grundregel in einem Konzern, dass das herrschende Unternehmen (hier die holländische B.V.) den beherrschten Unternehmen (hier z.B. die Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG oder die Nokia Siemens Networks Oy) Weisungen bezüglich der Geschäftsführung erteilen kann. Diesen Weisungen müssen die Geschäftsführer auch dann nachkommen, wenn sie zwar für den Konzern von Vorteil, für das einzelne Unternehmen aber von Nachteil sind. Ausnahmsweise müssen sie das nicht, wenn die Befolgung der Weisungen die Existenz des Unternehmens gefährden würde. Konkret heißt das, dass die Geschäftsführung der holländischen B.V. (Simon Beresford-Wylie) den Geschäftsführern der beherrschten Unternehmen (z.B. Lydia Sommer, und Joachim Malterer) Weisungen erteilen kann.

Ein direkter Zugriff der holländischen B.V. auf Mitarbeiter der Konzernunternehmen ist jedoch nicht möglich. Simon Beresford-Wylie kann beispielsweise Otto Gebühr, der einen Arbeitsvertrag als Administrator mit der NSN GmbH & Co. KG hat und in Mch M sitzt, keine Anweisung erteilen, die Notebooks der Holding aufzurüsten. Beresford-Wylie müsste dem Geschäftsführer Joachim Malterer die Anweisung erteilen, der NSN B.V. Experten für die Aufrüstung der Notebooks zur Verfügung zu stellen, weil dies für den Konzern kostengünstiger ist, als einen externen Anbieter zu beauftragen. Joachim Malterer müsste dann Administratoren beauftragen, die Notebooks aufzurüsten. Otto Gebühr kann dann zufällig bei diesen Administratoren dabei sein, Beresford-Wylie hätte aber keinen Anspruch darauf, dass Otto Gebühr dabei ist.

Auch die Erteilung von Weisungen eines leitenden Angestellten eines Konzernunternehmens an Mitarbeiter eines anderen Konzernunternehmens ist rechtlich nicht möglich. Eine Zusammenarbeit ist jedoch möglich bei Arbeitnehmerüberlassung oder im Rahmen von Projekten, über die vorher genaue Verträge zwischen den beteiligten Unternehmen abgeschlossen wurden. Der disziplinarische Vorgesetzte muss sich aber immer im eigenen Unternehmen befinden.



Fragen der Mitarbeiter:

Frage: Ist es überhaupt statthaft, dass ein Chef in Finnland (der ja in einer anderen Firma als der deutschen NSN GmbH & Co. KG beschäftigt ist) disziplinarische Befugnisse in der deutschen NSN hat?

Antwort: Nein, der disziplinarische Vorgesetzte muss sich immer im eigenen Unternehmen befinden. Er kann jedoch aus einem anderen Betrieb des Unternehmens kommen. Für den Arbeitnehmer ist der Betriebsrat seines Betriebes, nicht der des Vorgesetzten, zuständig.

Frage: Darf ein Chef in Finnland z.B. EFA-Bögen abzeichnen, Personalgespräche führen, bindende dienstliche Weisungen erteilen, Reisegenehmigungen und -abrechnungen abzeichnen etc.?

Antwort: Nein, er kann nicht der disziplinarische Vorgesetzte sein. Zur Unterzeichnung von EFA-Bögen, Reisegenehmigungen und -abrechnungen sind rechtlich Handlungsvollmachten notwendig. Projekte, die vertraglich zwischen den Konzernunternehmen geregelt sind, kann ein Projektleiter aus Finnland leiten. An Personalgesprächen könnte dieser teilnehmen, aber nur dann, wenn es darum geht, die Arbeit zu beurteilen, die er als Projektleiter betreut. Die Gehaltsentwicklung beispielsweise geht ihn jedoch nichts an. Dienstliche Weisungen kann er nur im Rahmen des Projektes erteilen.

Frage: Kann der Arbeitgeber verlangen, dass EFA-Bögen in englischer Sprache ausgefüllt werden (bei uns wurde hierzu bereits in der letzten EFA-Runde der "dringende" Wunsch wg. finnischer PA geäußert)

Antwort: Nein. Die finnische Personalabteilung ist nicht zuständig, das geht sie überhaupt nichts an. Eine Weiterleitung von EFA-Bögen an diese ohne Einwilligung des Mitarbeiters ist ein Verstoß gegen das Datenschutzgesetz. Zuständig ist die Personalabteilung der deutschen NSN GmbH & Co. KG. Da es sich hier um rechtlich verbindliche Vereinbarungen handelt, müssen sie für den Mitarbeiter leicht verständlich sein. Die englische Sprache ist jedoch eine Fremdsprache. Das Englisch der meisten deutschen Arbeitnehmer ist bezogen auf rechtliche Dinge nicht verhandlungssicher, es reicht für Vertragsverhandlungen nicht aus. Für Verträge und sonstige verbindliche Vereinbarungen muss die deutsche Sprache verwendet werden.

Frage: Da die allermeisten Finnen kein verhandlungssicheres Deutsch sprechen: können Mitarbeiter darauf bestehen, dass Personalgespräche (vor allem "unerfreuliche") in deutscher Sprache geführt werden (spätestens vor dem Arbeitsgericht ist ja wohl deutsch zwingend vorgegeben)

Antwort: Ja. Die finnische Personalabteilung ist nicht zuständig für Personalgespräche. Finnische Chefs können keine disziplinarischen Vorgesetzten sein. Wir warnen dringend davor, Personalgespräche in Englisch zu führen und erst recht nicht unerfreuliche. Das ist in Deutsch schon aufregend genug. Eine Fremdsprache verunsichert zusätzlich. Man verfügt überhaupt nicht über den notwendigen Wortschatz, insbesondere wenn es um rechtliche Dinge geht.

Frage: Welche Funktionen, z.B. fachlicher Art, darf die deutsche NSN überhaupt an in Finnland Beschäftigte delegieren?

Antwort: Bestehen zwischen den Firmen Verträge über ein gemeinsames Projekt, dann können im Rahmen dieses Projektes fachliche Anweisungen gegeben und auch delegiert werden.
(cr)


InWaChRo-News: Donnerstag, 21.06.07

Siemens VDO: Versetzung von CT-Mitarbeitern
Mitarbeiter von CT, die zu mehr als 50 Prozent ihrer Arbeitszeit bei VDO eingesetzt sind, sollen in einer eigenen Abteilung zusammengefasst werden, um eventuell zu VDO zu wechseln. Dazu erhielten sie kürzlich eine Einladung zu einer VDO-Informationsveranstaltung. Sie waren erstaunt, Hochglanzfolien präsentiert zu bekommen, da sie den Bereich doch bestens kennen. Die ihnen bekannte Realität sieht dann doch etwas anders aus.

Es mutet merkwürdig an, dass sie nicht in die Abteilungen versetzt werden, für die sie bisher überwiegend gearbeitet haben, sondern in einer eigenen Abteilung zusammengefasst werden. Den Mitarbeitern ist völlig unklar, ob diese Abteilung bei einem möglichen Börsengang oder Verkauf von VDO mitgehen wird. Es besteht durchaus die Gefahr, dass diese Abteilung anschließend geschlossen wird.

Normalerweise schließt der Betriebsrat in solchen Fällen eine Betriebsvereinbarung zur Absicherung der Mitarbeiter ab. Seltsam ist insbesondere, dass die Mitarbeiter sich entscheiden müssen, bevor der Siemens-Aufsichtsrat Ende Juli entschieden hat, ob VDO an die Börse geht. Auch ein Verkauf ist normalerweise mit Personalabbau verbunden und kann daher für die betroffenen CT-Mitarbeiter von Nachteil sein.

Der Betriebsrat sollte fordern, dass die Entscheidung der Mitarbeiter ausgesetzt wird bis der Aufsichtsrat entschieden hat. Bis dahin sollte er eine Betriebsvereinbarung abschließen, damit der Übergang sauber geregelt wird. Wenn dies nicht passiert, sollten die CT-Mitarbeiter sich überlegen, ob sie nicht ihrer Versetzung mit dem Grund aus §99 II Nr. 3 BetrVG widersprechen wollen: „…die durch Tatsachen begründete Besorgnis besteht, dass infolge der personellen Maßnahme im Betrieb beschäftigte Arbeitnehmer gekündigt werden oder sonstige Nachteile erleiden, ohne dass dies aus betrieblichen oder persönlichen Gründen gerechtfertigt ist“. Diese begründete Besorgnis besteht, wie wir oben ausgeführt haben.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Donnerstag, 21.06.07

NSN: Verhandlungen zur Restrukturierung
Der GBR hat eine Projektgruppe zur Restrukturierung eingerichtet, in der auch die drei Münchner Standorte vertreten sind. Nach dem gestrigen Treffen mit der Unternehmensleitung, erklärte der GBR, er befinde sich noch in der Informationsphase. Die Planungen zur Restrukturierung seien bisher noch unvollständig. Insbesondere herrschen Unklarheiten über weitere Ausgliederungen. Konkrete Verhandlungen zu einem Interessenausgleich / Sozialplan sind daher noch nicht aufgenommen worden.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Mittwoch, 20.06.07

Siemens Enterprise: Suche nach Käufern geht weiter
Um die Siemens Enterprise Communications GmbH & Co. KG ist es seit der Ausgliederung am 1.10.2006 sehr ruhig geworden.

Siemens hat nach wie vor Verkaufsabsichten bzgl. der Siemens Enterprise Communications GmbH & Co. KG, hat aber Probleme dabei, einen Käufer zu finden. Die Verhandlungen mit etwa einem Dutzend Kaufinteressenten sind Informationen aus internen Kreisen zufolge gescheitert. Die Suche nach einem sogenannten "starken Partner" geht laut einem Kundenrundschreiben der Siemens AG jedoch weiter.

Ein "starker Partner", der nur Geld investiert, dürften nur Private Equity Firmen sein. Diese Möglichkeit wird aber höchstwahrscheinlich in einer Zerschlagung enden und wohl die letzte Alternative für Siemens darstellen, da sich Siemens ein zweites BenQ nicht leisten kann. Es ist daher davon auszugehen, dass der Käufer auch eigene Produkte mit einbringen, oder Siemens-Produkte ggf. durch andere Produkte ersetzen wird.

Der TK-Ausrüster Avaya, der auch als potentieller Käufer von Enterprise galt (die Verkaufsverhandlung bzgl. Enterprise sind damals gescheitert), wurde im kürzlich für 8,2 Mrd. Dollar an Silver Lake und TPG Capital verkauft. Analysten schätzten Avaya mit seinen rd. 20.000 Mitarbeitern in den USA als zu klein ein, um am Weltmarkt überleben zu können.

Capital schrieb am 28.9.2006 über Siemens Enterprise:
"Nun stellt sich die Frage, welcher Investor überhaupt bereit ist, das schwierige Geschäft zu übernehmen. Enterprise Networks leidet unter Umsatzrückgang, einen Verlust von Marktanteilen und fehlenden Produkten. Um den Unternehmensbereich, der gegen Konkurrenten wie Cisco, Alcatel oder Avaya bestehen muss, auf Dauer abzusichern, sind laut einer internen Einschätzung des Vorstands mehr als eine Milliarde Euro erforderlich."

Wenn man das in Relation zu der Aussage der Analysten über Avaya sieht, gilt das wohl erst recht für Enterprise, es sei denn, jemand ist bereit, eine Mrd. EUR zu investieren.

Eine weitere Aufteilung von Enterprise macht aufgrund der Größe unserer Ansicht nach unternehmerisch keinen Sinn. Wenn Siemens einen Käufer findet, wird der Bereich sinnvollerweise komplett verkauft. Wenn Siemens Enterprise nicht verkaufen kann, schätzen wir es als sehr wahrscheinlich ein, dass dann Serviceleistungen an Firmen wie TietoEnator ausgegliedert werden. Dies wurde mit der EWSD-Entwicklung bereits im Juli 2006 so gemacht. Die neue Firma stellt dann den Service für bestehende Kunden sicher.

Siemens hat das Thema Enterprise also nicht vergessen, auch wenn das manchmal so wirkt. Es wird jedoch sicher erst dann wieder akut, wenn der neue Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Peter Löscher, in seinem Amt Fuß gefasst hat.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Mittwoch, 20.06.07

NSN: Verhandlungen über Stellenabbau begonnen
Pressemeldungen zufolge hat Nokia Siemens Networks (NSN) gestern mit Verhandlungen über den geplanten Stellenabbau in Deutschland begonnen.

Der Geschäftsführer von NSN Deutschland, Joachim Malterer, und der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Georg Nassauer würden in einem ersten Treffen den Fahrplan für die weiteren Gesprächsrunden abstecken, sagte gestern ein NSN-Sprecher.

Große Standorte seien nicht in Gefahr, so die Unternehmensführung. NSN rechnet mit einer zügigen Einigung.

Wir bitten die Unternehmensleitung, den GBR und die örtlichen Betriebsräte, dazu Stellung zu nehmen. Die Tatsache, dass die Belegschaft solche Informationen aus der Presse erfahren muss, deckt sich weder mit einer offenen Kommunikationspolitik, die NSN behauptet zu haben, noch mit der Pflicht der Arbeitnehmervertreter, die Belegschaft zu informieren.
(iw)


InWaChRo-News: Mittwoch, 20.06.07

Siemens: Zeugnisstreit in der Beschäftigungsgesellschaft (beE)
Mitarbeiter, die jetzt aus der 24-monatigen beE, die Ende Mai endete, ausscheiden, wundern sich über eine plötzliche Kursänderung im Rahmen der Zeugnissaustellung in der beE. Es geht um den Satz:
"Herr / Frau XYZ befand sich vom 01. Juni 2005 bis zum 31. Mai 2007 in einer betriebsorganisatorisch eigenständigen Einheit (beE) zur Weiterqualifizierung und Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt."

Die Mitarbeiter stört dieser Satz im Zeugnis. Er erwecke den Eindruck als seien die Mitarbeiter unqualifiziert gewesen, hätten massive Unterstützung benötigt, um wieder im ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Bei nahezu allen sei jedoch aufgrund ihrer bestehenden Qualifikation keine Weiterqualifizierung erforderlich gewesen und hätte auch nicht - abgesehen von eventuellen minimalen Kursen - auch nicht stattgefunden.

Mitarbeiter wandten sich daher an die Personalabteilung, um eine Streichung dieses Satzes zu erwirken. Die Personalabteilung bot alternativ folgende Formulierung an:
"Herr / Frau X befand sich vom ... bis zum ... in der Siemens internen Transfergesellschaft (beE)"
Dieser Satz suggeriert zwar nicht mehr mindere Qualifizierung, sagt aber im Prinzip das Gleiche aus.

Die beE-Mitarbeiter wollen erreichen, dass der Satz ganz aus ihrem Zeugnis gestrichen wird. Sie stützen sich dabei auf die Vorgehensweise der Siemens AG in der Vergangenheit. Einem Mitarbeiter liegt in Kopie ein Zeugnis von einem ehemaligen beE-ler vor, der nach 19 Monaten aus der 20-monatigen beE-2004 ausschieden war. Sein Zeugnis enthält keinen Hinweis auf die beE. Es ist davon auszugehen, dass das damals der Regelfall war. Auch damals gab es zunächst Diskussionen mit der Personalabteilung.

Auch Mitarbeiter aus der Ende Mai 07 auslaufenden beE, hätten diesen Passus nicht im Zeugnis, wie uns glaubhaft versichert wurde. Diese Mitarbeiter seien nur zwei Monate vor Ende der beE ausgeschieden.

Die Personalabteilung sieht in dieser unterschiedlichen Handlung keinen Widerspruch. Irgendwo müsse man die Grenze schließlich setzen, argumentierten Personalmitarbeiter. Es sei von der Zentralen Personalabteilung am Wittelsbacherplatz (CP) angeordnet worden, diesen Passus ins Zeugnis zu schreiben. Daher erhielten alle, die erst Ende Mai die beE verlassen haben, diesen Passus.

Einige Mitarbeiter wollen sich weiter für die Streichung dieses Passus einsetzen. Sie fordern Gleichbehandlung, schließlich sind sie bei ihrer Wahl, in die beE zu gehen, davon ausgegangen, dass dieser Aufenthalt, nicht in ihrem Zeugnis erwähnt wird.

Auch bezüglich der Gehaltsabrechnung gab es massive Irritationen bei den beE-Mitarbeitern. Unklar war, ob die Beiträge zur Direktversicherung bzw. die Beiträge zur Rentenversicherung entsprechend dem tatsächlichen beE-Gehalt abgeführt wurden oder nur auf das Kurzarbeitergeld bezogen worden waren. Zur Verwirrung trug auch eine falsche FAQ-Antwort im beE-Vorfeld bei. Diese Fragen hat die zuständige Personalabteilung Anfang letzter Woche geklärt. Die Beiträge wurden korrekt abgeführt.
(iw)


InWaChRo-News: Mittwoch, 20.06.07

AUB: Oberlandesgericht sieht eine strafbare Beeinflussung von Betriebsratswahlen
Wilhelm Schelsky, ehmaliger AUB-Vorsitzender, hatte Beschwerde gegen seinen Haftbefehl eingereicht. Diese hat das Oberlandesgericht Nürnberg-Fürth abgelehnt.

In der Begründung heißt es, die verdeckte Unterstützung der AUB durch die Siemens AG sei eine strafbare Beeinflussung von Betriebsratswahlen. Die finanziellen Leistungen von Siemens hätten das Erscheinungsbild der AUB mitgeprägt und seien geeignet gewesen, die Wähler-Entscheidungen bei Betriebsratswahlen zu beeinflussen, teilte das Oberlandesgericht Nürnberg heute mit. Die Beschwerdekammer folgte in ihrer vorläufigen Entscheidung damit der Auffassung der Staatsanwaltschaft, die davon ausgeht, dass ein Verstoß gegen das Betriebsverfassungsgesetz vorliegt.

Das Landgericht bestätigte darüber hinaus noch den Vorwurf diverser Steuerstraftaten Schelskys und bejahte dessen Fluchtgefahr. Siemens nahm mit dem Hinweis auf die "laufenden internen und externen Ermittlungen" keine Stellung.

Im Mai hatte Schelsky Vorwürfe gegen die Siemens-Spitze erhoben. "Ich war verdeckt als Lobbyist für Siemens tätig. Es gab einen klaren Auftrag aus der Konzernspitze. Der Plan kam aus dem Zentralvorstand", hatte Schelsky gesagt.

Siemens hatte auch damals eine Stellungnahme mit Hinweis auf das laufende Verfahren abgelehnt.
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 19.06.07

NSN: Job-Börse
Alle Mitarbeiter von NSN in München haben spätestens gestern eine E-Mail mit der Möglichkeit, sich für eine Job-Börse zu bewerben, erhalten. Diese Job-Börse ist keine eigene Veranstaltung von NSN, sondern wird regelmäßig von der Siemens-beE durchgeführt. Die Anzahl der Teilnehmer von NSN ist auf 500 begrenzt, leitende Angestellte dürfen nicht teilnehmen. Da es eine beE-Veranstaltung ist, ist davon auszugehen, dass die beE'ler vollständig erscheinen müssen.

Mitarbeiter, die durch diese Job-Börse einen anderen Arbeitsplatz finden, Mitarbeiter, die sich freiwillig zu einer solchen Job-Börse anmelden signalisieren, dass sie bereit sind ihren Arbeitsplatz aufzugeben. Sie könnten dadurch, wie in der Vergangenheit geschehen, auf eine Abbauliste geraten.

Die Job-Börse wurde nicht mit den örtlichen Betriebsräten und auch nicht mit dem GBR abgestimmt. Lediglich mit dem Wirtschaftsausschuss wurde darüber gesprochen. Der Wirtschaftsausschuss brachte gegen die Teilnahme der NSN Mitarbeiter an der Jobbörse keine Einwände vor, wenn sichergestellt ist, dass Diese Punkte wurden von der Firmenseite akzeptiert und als Gesprächsergebnis in einem Protokoll festgehalten.

Allerdings hat der Wirtschaftsausschuss nach §106 I 2 BetrVG lediglich "die Aufgabe, wirtschaftliche Angelegenheiten mit dem Unternehmer zu beraten und den Betriebsrat zu unterrichten.". Insbesondere hat er kein Mitbestimmungsrecht. Das Recht, eine Betriebsvereinbarung abzuschließen, liegt ausschließlich bei GBR und bei den örtlichen Betriebsräten. Damit ist diese Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Wirtschaftsausschuss eine reine "Good Will"-Erklärung ohne rechtliche Relevanz. Der Wirtschaftsausschuss ist kein "Untergremium" und schon gar kein "Verhandlungsgremium" des GBR.

Wir raten, abzuwarten, bis ein Sozialplan abgeschlossen wurde oder der BR vereinbart in einer Betriebsvereinbarung, dass die Mitarbeiter, die über die Job-Börse die Firma verlassen, nach dem noch zu verhandelnden Sozialplan abgefunden werden. Diese Vereinbarung kann jeder örtliche Betriebsrat unabhängig vom GBR für seinen eigenen Betrieb abschließen.

Grundsätzlich kann man nachträglich diese Abfindung aus einem später abgeschlossenen Sozialplan vor Gericht einklagen - dies ist 2003 auch geschehen - aber dieser Weg ist unter Umständen mit Kosten verbunden und es ist nicht sicher, dass der Arbeitnehmer die Klage gewinnt.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Dienstag, 19.06.07

Die Reise nach Jerusalem - eine neue Methode des Stellenabbaus
Jeder hat in seiner Kindheit wohl mal "die Reise nach Jerusalem" gespielt. Es ging um das Gerangel um einen Stuhl, wenn die Musik aufhörte zu spielen. Jeder wusste: Ein Stuhl war zu wenig und wer keinen mehr ergatterte, musste ausscheiden.

Dieses Spiel haben Unternehmen nun für sich entdeckt. Warum sollte das, was Kinder spielen sich nicht effektiv in Unternehmen einsetzen lassen? Der Unterschied? Kindern macht das Spiel Spaß, Mitarbeitern nicht.

Die Allianz AG spielt nun mit 13.000 Mitarbeitern in Deutschland als eines der ersten großen Unternehmen die "Reise nach Jerusalem", nur, dass es hier nicht um Stühle, sondern um Arbeitsplätze geht. Die im Herbst 2006 formierte europäische Aktiengesellschaft Allianz SE (Societas Europaea) will nämlich 5700 Stellen von ca.30.000 streichen. Dies entspricht etwa 20 % der Arbeitsplätze in Deutschland. Die Allianz ist eine der reichsten und größten Versicherungen Deutschlands mit jährlichen Rekordgewinnen, im Jahr 2006 über 7 Mrd. Euro Nettogewinn. Zu wenig für das Management. 5700 Stellen sollten einem ein höherer Gewinn schon Wert sein.

Wie geht die moderne Reise nach Jerusalem nun? Die Mitarbeiter erhalten eine E-Mail von der Geschäftsführung, die sie diesmal tunlichst nicht ignorieren sollten. In dieser E-Mail werden ihnen unterschiedliche Arbeitsplatzangebote, teilweise auch in anderen Orten gemacht. Der einzelne Mitarbeiter muss sich dann aus diesen Angeboten, eine für ihn passende Stelle heraus suchen und sich darauf bewerben. Der Mitarbeiter muss dazu seine Sozialdaten angeben, also Alter, Familienverhältnisse (Familienstand, Unterhaltsverpflichtungen) und die Dauer seiner Unternehmenszugehörigkeit. Diese Kriterien werden bei der Neubesetzung eines Arbeitsplatzes dann berücksichtigt.

Der eifrigen Leser unserer Seite wird sich jetzt an zwei Dinge erinnern: Zum einen an den Aufruf von Nokia Siemens Networks, jeder Mitarbeiter möge sich auf die eigene Stelle bewerben, zum anderen an § 1 Kündigungsschutzgesetz (KSchG), spielen doch hier die Sozialdaten eine entscheidende Rolle. Laut Aussagen des Allianz-Managements hat das Stellenkarussell aber rein gar nichts mit der beabsichtigten Streichung von ca. 5.700 Allianz-Arbeitsplätzen zu tun, schließlich heißt dieses Mammutprojekt ja "Stellenbesetzungsverfahren". Es ist reiner Zufall, dass es parallel zum Stellenabbau angelaufen ist. Der Betriebsrat sieht dies offensichtlich auch so, denn er hat dieser Maßnahme zugestimmt, auch wenn er noch einige Nachforderungen stellt. Ver.di Vertreter sehen die Maßnahme allerdings im Zusammenhang mit dem Stellenabbau und befürchten, dass der Laden zusammenbricht.

Wie man sich unschwer vorstellen kann, sind die Mitarbeiter total verunsichert. Mehr Wettbewerbsdruck durch Verunsicherung? Ist es modern geworden die Belegschaft zu verunsichern? Ja und nein. Was noch dahinter stecken könnte, lesen Sie im nachfolgenden Artikel.
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 19.06.07

Die Reise nach Jerusalem - was steckt dahinter?
Ausgangspunkt: Jeder der 13.000 Mitarbeiter hat einen Arbeitsplatz.

Durch die Umstrukturierung entfallen alle bisherigen Arbeitsplätze. 7.300 Stellen entstehen gleichzeitig neu mit neuer Stellenbeschreibung. Von diesen 7.300 Arbeitsplätzen werden jedem Mitarbeiter einige angeboten.



Es ist davon auszugehen, dass die Mitarbeiter, die der Arbeitgeber behalten will, einen Arbeitsplatz im bisherigen Arbeitsort, für den sie gut geeignet sind, angeboten bekommen. Mitarbeiter, die er los werden will, bekommen dagegen Arbeitsplätze an anderen Orten im Bundesgebiet und / oder Arbeitsplätze im bisherigen Arbeitsort, für die Mitarbeiter mit besseren Sozialdaten vorgesehen sind, angeboten. Mit dieser Methode erreicht der Arbeitgeber, dass er die Stellen mit genau den Mitarbeitern besetzen kann, die er dort haben will. Viele der übrigen Mitarbeiter werden voraussichtlich die Arbeitsplätze in anderen Orten ablehnen oder gehen wegen ihrer Sozialdaten bei der Arbeitsplatzbesetzung leer aus.

Es liegt nahe, dass der Arbeitgeber dieses Verwirrspiel benutzt, um betriebsbedingte Kündigungen für die übrig gebliebenen Arbeitnehmer vorzubereiten. Damit er dies erfolgreich abwickeln kann, muss er nach § 1 KSchG
  1. nachweisen, dass sich die Umstrukturierung genau auf den individuellen abzubauenden Arbeitsplatz auswirkt
  2. freie geeignete Arbeitsplätze anbieten bevor er kündigt (ultima ratio Prinzip)
  3. eine Sozialauswahl durchführen
Zu 1.: Da alle Arbeitsplätze entfallen, ist jeder individuelle Arbeitsplatz von der Umstrukturierung (unternehmerische Entscheidung) betroffen.

Zu 2.: Der Arbeitgeber bietet jedem betroffenen Mitarbeiter vor der Kündigung einige freie Arbeitsplätze im Unternehmen an. Er kann nun leicht nachweisen, dass dieser Arbeitsplatz durch den betroffenen Mitarbeiter aufgrund seiner Eignung und / oder Sozialdaten nicht besetzt werden konnte. Freie Arbeitsplätze im Unternehmen, auf die sich der Mitarbeiter im Kündigungsschutzprozess berufen könnte, gibt es zum Zeitpunkt der Kündigung nicht mehr. Damit hat der Arbeitgeber nachgewiesen, dass er dem Mitarbeiter freie Arbeitsplätze angeboten hat, die dieser eventuell sogar abgelehnt hat.

Zu 3.: Da der Arbeitgeber bei der Besetzung der Arbeitsplätze die Sozialdaten berücksichtigt hat, hat er scheinbar eine Sozialauswahl durchgeführt. Dies ist der schwache Punkt, da eine Sozialauswahl betriebsweit zu erfolgen hat. Das Problem für den Arbeitnehmer ist hier jedoch die Nachweisbarkeit, weil er durch die "Reise nach Jerusalem" in den seltensten Fällen wissen wird, wer welchen dieser neuen Arbeitsplätze besetzt hat und welche Arbeitsplätze überhaupt angeboten wurden.

Hier hilft nur, der Zusammenschluss der Mitarbeiter und zentrale Sammeln aller Stellenausschreibungen und der Information, welcher Mitarbeiter wohin verschoben wurde. Dazu muss zwingend ein kleines Team von Mitarbeitern (Knoten) existieren, an dem alle diese Informationsfäden zusammenlaufen und das diese Informationen sammelt, analysiert und anschließend allgemein zur Verfügung stellt. Datenschutzgründe sprechen nicht dagegen, da alle ihre Angaben freiwillig machen.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Dienstag, 19.06.07

NSN: Stellenausschreibungen
Nach wie vor enthalten Stellenausschreibungen im internen IJM (Internal Job Market) keine Angabe über die Eingruppierung und den konkreten Einsatzort. Da es sich um einen konzernweiten Stellenmarkt handelt, ist auch völlig unklar, zu welchem Konzern-Unternehmen man wechseln wird. NSN besteht aus einer holländischen B.V. als Holding und mehreren Unternehmen in den einzelnen Ländern. So ist z.B. die deutsche Nokia Networks GmbH und die Siemens Networks GmbH & Co. KG nicht zu einem einheitlichen Unternehmen verschmolzen, sondern bestehen nach wie vor nebeneinander.

Nach der Gesamtbetriebsvereinbarung "Stellenausschreibung", die beim Betriebsübergang am 1.10.2006 unverändert übergegangen ist, müssen diese Angaben mindestens in den Stellenausschreibungen vorhanden sein.

Bei IP/Transport werden derzeit Mitarbeiter gesucht, es finden sich aber keine, wohl deshalb, weil kein Mitarbeiter die entsprechenden Stellenausschreibungen finden kann. Dies ist kontraproduktiv für das Unternehmen und außerdem ein Verstoß gegen die Gesamtbetriebsvereinbarung "Stellenausschreibung".
(cr)


InWaChRo-News: Sonntag, 17.06.07

Vom Hai zur Heuschrecke?
"Siemens Chef wird angeblich Heuschrecke", schreibt die Süddeutsche Zeitung in ihrer Online-Ausgabe. Damit würde Kleinfeld vom Hai - wir erinnern uns an seine Worte "Die Welt besteht aus Haifischfutter und aus Haifisch. Wir waren immer Haifisch." - zur Heuschrecke mutieren.

Kleinfeld plane einen Wechsel zum US-Finanzinvestor Blackstone, berichtete die Wirtschaftswoche ohne Quellenangabe. Klaus Kleinfeld habe sich bereits mehrmals mit dem Londoner Blackstone-Partner Lawrence Guffey und Blackstone-Berater Henry Kissinger, dem früheren US-Außenminister, in München getroffen.

Nach Angaben von Branchen-Insidern wolle Kleinfeld nicht von Deutschland oder London aus für den Finanzinvestor arbeiten, sondern in die USA ziehen, hieß es. "Kleinfeld will Deutschland verlassen", zitierte das Magazin aus gut informierten Kreisen.

Sowohl Blackstone als auch Siemens lehnten eine Kommentierung ab und bezeichneten dies als Gerüchte und Spekulationen, die sie grundsätzlich nicht kommentieren würden.
(iw)


InWaChRo-News: Samstag, 16.06.07

NSN: Leitungspositionen bei NSN werden nach „optimaler Eignung“ besetzt
Die Pläne von Gerhard Cromme und Peter Löscher zum Umbau des Siemens Konzerns zusammen mit dem Rückzug von Siemens aus dem oberen NSN-Management (Artikel vom 12.06.07 „NSN: Entwicklungen im oberen Management“) hatten uns veranlasst, nachzufragen, ob Siemens plane, sich mittelfristig aus dem Joint Venture mit Nokia zurückzuziehen.

Ein Siemens-Sprecher bestätigte erneut, dass Peter Schönhofer sein Amt "aus persönlichen Gründen niedergelegt" hat. Nokia Siemens Networks hätte seine Verdienste ausdrücklich gewürdigt.

Wie wir berichteten ist nun nur noch ein Manager von Siemens im höheren Nokia Siemens Network Management vertreten. Alle anderen Positionen sind von Nokia Managern besetzt. Der Siemens-Sprecher erklärte diese ungleiche Besetzung der führenden Managerposition in dem 50:50 Joint Venture mit den Worten:

„Die Besetzung der Leitungspositionen bei Nokia Siemens Networks folgt nicht einem Auswahlprozess nach Firmenzugehörigkeit, sondern erfolgt nach dem Maßstab optimaler Eignung.“

Kann man daraus schließen, dass Siemens keine Manager hat, die optimal für die Positionen im Top-Management von Nokia Siemens Networks geeignet sind?

Die Frage, ob die Siemens AG plane, sich mittelfristig von ihrem Engagement bei Nokia Siemens Networks zu verabschieden, beantwortete der Siemens-Sprecher ausweichend mit:

„Unser 50:50 Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks ist mit seiner Größe und globalen Reichweite bestens aufgestellt, um bei der Entwicklung innovativer sowie Kosten sparender Produkte und Dienstleistungen in dieser Industrie langfristig eine wesentliche Rolle zu spielen. Im April ist mit Nokia Siemens Networks ein starkes und führendes Unternehmen mit exzellentem Wachstumspotenzial gestartet.“

Damit vermied der Sprecher, eindeutig zu bestätigen, dass Siemens sich langfristig aktiv bei Nokia Siemens Networks engagieren und Anteilseigner von Nokia Siemens Networks bleiben wird. Es ist davon auszugehen, dass das Engagement von Siemens von der Gewinnmarge von Nokia Siemens Networks abhängen wird.
(cr)


InWaChRo-News: Samstag, 16.06.07

Ex-Siemens-Finanzvorstand Neubürger wird führender Manager bei KKR
Der 54-jährige Hans-Joachim Neubürger, bis Mai 2006 Finanzvorstand bei Siemens, übernimmt beim Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) den Posten eines Managing Directors. Neubürger arbeitete seit seinem Ausscheiden aus Siemens bereits als Berater bei KKR.

In seiner neuen Funktion wird Neubürger vor allem für das Deutschland Geschäft verantwortlich sein. KKR will aber auch Nutzen aus seinen guten Beziehungen nach Asien, insbesondere Indien, aus seiner Siemens Zeit ziehen. "Seine weit reichende Finanz- und Industrieexpertise in Europa und Asien sowie sein internationales Beziehungsnetzwerk sind sehr wertvoll für uns", erklärte KKR-Mitgründer Henry Kravis.

Hans-Joachim Neubürger galt als Vertrauter Heinrich von Pierers. Die Staatsanwaltschaft erhob im Rahmen der Korruptionsaffäre Vorwürfe gegen Neubürger. Aufgrund dessen bat Neubürger seine Entlastung auf der Siemens Hauptversammlung im Januar diesen Jahres bis zur Klärung der Vorfälle zu verschieben.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ermittelt die Staatsanwaltschaft nach wie vor gegen Neubürger. KKR äußerte sich nicht dazu.
(iw)


InWaChRo-News: Samstag, 16.06.07

Ergänzungstarifvertrag SHC in Bocholt
Für das Schnurlos-Telefonwerk der Siemens Home and Office Communication Devices GmbH & Co. KG (SHC) in Bocholt wurde der auslaufende Ergänzungstarifvertrag durch einen neuen ersetzt. Danach arbeiten die 1700 Beschäftigten jetzt 39 statt bisher 40 Stunden, also immer noch vier Stunden über dem gültigen Flächentarifvertrag. Der Ergänzungstarifvertrag soll Standort und Beschäftigung der Mitarbeiter sichern. Die Mitarbeiter hatten seit 2004 für die Standortsicherung auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichtet.

Ein Sprecher des Siemens Konzerns sagte, Siemens werde 40 Millionen Euro in Fertigungsanlagen für neue Produkte im Bochholter Betrieb investieren.
(iw)


InWaChRo-News: Freitag, 15.06.07

NSN: Stand des Stellenabbaus
Der Gesamtbetriebsrat (GBR) und der Wirtschaftsausschuss (WA) haben am 12. und 13. Juni mit der Firmenleitung getagt. Die Firmenleitung erläuterte erneut die Abbaupläne vom 4. Mai. GBR und WA haben ihre Forderungen nach Zurücknahme der erhöhten Abbauzahlen in Deutschland nochmals bekräftigt. Am 19. Juni wird der GBR eine Projektgruppe gründen und einen Sachverständigen hinzuziehen.

Uneinigkeit besteht bezüglich der Frage, ob bereits konkrete auf die Business Unit herunter gebrochene Abbauzahlen vorliegen. Es ist anzunehmen, dass dem Wirtschaftsausschuss konkrete Zahlen genannt wurden, dieser aber auf Wunsch des Arbeitgebers darüber schweigt. Betriebsverfassungsrechtlich fallen Abbauzahlen jedoch nicht unter die Geheimhaltungspflicht des § 79 BetrVG.

Der Gesamtbetriebsrat befindet sich noch in der Informationsphase. Konkrete Verhandlungen zu Interessenausgleich und Sozialplan sind noch nicht begonnen worden.
(iw)


InWaChRo-News: Freitag, 15.06.07

NSN: Jobbörse geplant
500 Mitarbeiter sollen am Montag angeschrieben werden an einer Jobbörse teilzunehmen. Es ist zu erwarten, dass diese 500 Mitarbeiter weitere "Angebote" bekommen werden, Nokia Siemens Networks zu verlassen. Die Führungskräfte wurden bereits gestern darüber informiert. Nokia Siemens Networks bindet die Betriebsräte hierbei nicht ein. Die Auswahl der Mitarbeiter ohne Einbindung des Betriebsrats verstößt gegen das Betriebsverfassungsgesetz.

Diese Jobbörse ist vergleichbar mit der Personaldrehscheibe, die beim letzten Stellenabbau 2006 der beE vorgelagert war. Allerdings meldete man sich zu dieser Personaldrehscheibe freiwillig an. (iw)


InWaChRo-News: Freitag, 15.06.07

NSN: Umorganisation
Die Umorganisation läuft unter dem Begriff "Mapping" weiter, einschließlich möglicher standortübergreifender Versetzungen. Die Sammelversetzungsanträge im Rahmen der Umorganisation für den Betriebsrat wurden erneut verschoben, nunmehr auf Mitte Juli. Damit umgeht Nokia Siemens Networks die Mitbestimmung des Betriebsrats (§ 99 BetrVG) und schafft im Vorfeld Tatsachen, die in der Praxis kaum mehr rückgängig gemacht werden können.

Kollegen, die mit ihrem "Mapping" nicht einverstanden sind, mögen sich bitte an den Betriebsrat wenden, damit dieser entweder gleich oder wenigstens Ende Juli seine Zustimmung verweigern kann. Die Praxis des Mappings ist schlicht und einfach gesetzeswidrig. Die Versetzungen sind nicht rechtens. Die Betriebsräte sollten sich überlegen, ob sie gerichtliche Schritte wegen Verletzung der Mitbestimmung und Behinderung der Betriebsratsarbeit (§ 119 BetrVG) dagegen einleiten.
(iw)


InWaChRo-News: Freitag, 15.06.07

NSN: Job Grades
Nokia Siemens Networks möchte eine weltweit einheitliche Zuordnung von Arbeitsaufgaben, sog. Job Grades, einführen. Es soll in Zukunft 15 Job Grades geben. Jede Tarifgruppe und jede Funktionsstufe entspricht einem Job Grade. Dadurch ist kein weiterer gehaltlicher Eingruppierungsprozess erforderlich.

Allerdings wird es sog. "freiwillige Vertragsbedingungen" geben. Diese sollte jeder äußerst genau lesen, bevor er sie unterschreibt. Hier besteht die Gefahr, dass man in bestimmten Konstellationen Nachteile erlangt. Die Zeiten, in denen es die Firmen mit ihren Mitarbeitern gut gemeint haben, sind lange vorbei - wenn es sie jemals gegeben hat.
(iw)


InWaChRo-News: Donnerstag, 14.06.07

BenQ: Noch kein Urteilsspruch im Fall nachträglicher Widerspruch gegen Betriebsübergang
75 Mitarbeiter klagen - wir berichteten - vor den Arbeitsgerichten auf Anerkennung ihres nachträglichen Widerspruchs gegen den Betriebsübergang von der Siemens AG zu BenQ. Am 15. Juni sollte ein erstinstanzliches Urteil gesprochen werden

Die 3. Kammer des Arbeitsgerichts Wesel hat jedoch in diesem Prozess gegen Siemens kein Urteil verkündet. Auf Beschluss der Kammer wird es am Mittwoch, den 29. August, einen weiteren Kammertermin beim Arbeitsgericht Wesel geben.

Der Beschluss der Kammer liegt noch nicht schriftlich vor. Vermutlich soll Siemens noch einmal Gelegenheit gegeben werden zu dem letzten Schriftsatz des Klägers Stellung zu nehmen.
(iw/mg)


InWaChRo-News: Donnerstag, 14.06.07

BenQ: Prozessbericht gegen den Betriebsübergang Siemens/BenQ
Am 6. Juni gab es bei der 8. Kammer des Arbeitsgerichtes Wesel unter dem Vorsitz der Richterin Schäfer einen weiteren Kammertermin bezüglich eines nachträglichen Widerspruchs gegen den Betriebsübergang von Siemens Mobile zu BenQ Mobile. Siemens war durch den Rechstanwalt M. vertreten. Die Klägerin durch Rechtsanwalt Ö. (Aktenzeichen 8 Ca 225/07)

Richterin Schäfer bemerkte, dass es von Seiten des Gerichtes Zweifel gibt, ob das Informationsschreiben von Siemens an die Mitarbeiter vor dem Betriebsübergang ausreichend war.

Richterin Schäfer lotete zunächst die Möglichkeiten eines Vergleiches aus. R.S. lehnte das finanzielle Angebot von Siemens ab.

Der Siemensanwalt M. verwies auf die Möglichkeit der Siemens Jobbörse.

Rechtsanwalt Ö. der Klägerin bezeichnete die Job Börse dagegen als Scheinaktivität. Es hätte seit Anfang des Jahres noch kein konkretes Angebot über die Jobbörse für einen der Kläger gegeben. Siemens hätte bis heute genügend Zeit gehabt konkrete Arbeitsplatzangebote zu machen. Es gäbe im Umkreis der Siemens Standorte Duisburg, Mülheim und Krefeld ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten. Die bisherigen Aktivitäten der Job Börse wären jedoch völlig unverbindlich gewesen und die Kläger würden wie externe Bewerber behandelt werden. Rechtsanwalt Ö. forderte, dass im Falle einer Einstellung von R.S. Siemens eine rechtsverbindliche Zusage abgibt, in der die bisherigen Betriebszugehörigkeitszeiten von Siemens anerkannt werden. Weiter forderte er eine Tätigkeit, die den bisherigen Verdienst der Klägerin garantiert.

Rechtsanwalt M. wollte nach mehrfacher Aufforderung nur die Anerkennung der Beschäftigungsjahre zusagen.

Richterin Schäfer forderte von Siemens bis zum 27. Juni ein verbindliches Arbeitsplatzangebot für R.S. Die Annahmefrist für R.S. läuft am 30. Juni aus. Diesen Termin hatte das Arbeitsgericht für alle laufenden Vergleichsverhandlungen als Annahmefrist festgelegt.

Rechtsanwalt M. sicherte zu, ein Arbeitsplatzangebot zu prüfen und gegebenenfalls bis zum 27. Juni ein konkretes Angebot vorzulegen. Kommt es zu keinem Vergleich, wird das Gericht einen Verkündigungstermin für das Urteil kurzfristig festlegen.

Wie wir berichteten, hatte Siemens bei den Vergleichsverhandlungen zunächst deutlich niedrigere Abfindungen angeboten als am Ende der Transfergesellschaft (PEAG) gezahlt werden. Mittlerweile unterbreitet Siemens einzelnen Klägern finanzielle Angebote, die sich an den Abfindungszahlungen beim Ausscheiden aus der PEAG zum 31. Dezember 2007 orientieren, d. h. 2700 € mal Beschäftigungsjahre. Dies sollte auch für Mitarbeiter in Teilzeit gelten. (iw/mg)


InWaChRo-News: Donnerstag, 14.06.07

Siemens: Cromme will Beschäftigte besänftigen
Der Aufsichtsratsvorsitzende der Siemens AG, Gerhard Cromme, mahnt die Siemens Mitarbeiter, sich nicht von Spekulationen um die Zukunft des Konzerns irritieren zu lassen. "Da sind in der Tat die wildesten Spekulationen unterwegs. Ich bedauere das sehr und kann nur mahnen, sich davon nicht irritieren zu lassen", sagte Cromme der Mitarbeiterzeitung "SiemensWelt". Cromme sicherte zu, dass niemand im "Hauruck-Verfahren" die "gewachsene Strukturen" zerschlagen wird. Die Zentrale, Bereiche und Regionen mit hunderttausenden Mitarbeitern und Führungskräften weltweit seien die Strukturen, "die Siemens stark machen".

Mit Blick auf Spekulationen über die Hintergründe des Rückzugs von Pierer und Kleinfeld sagte Cromme: "Es macht mich betroffen, wenn ich sehe, wie Siemens derzeit öffentlich behandelt wird. Das ist nicht fair." Das Unternehmen sei "bei weitem besser als der Ruf, der verbreitet wird". Siemens sei Pierer zu großem Dank verpflichtet, und auch die Entscheidung Kleinfelds sei inner- und außerhalb des Unternehmens auf großen Respekt gestoßen.

Viele Mitarbeiter beruhigt die Aussage von Cromme nicht. Strukturen wurden in den letzten Jahren in der Siemens AG laufend zerschlagen. Auch von Fairness mögen die Mitarbeiter eine andere Vorstellung haben als Cromme. Wirft man einen Blick auf den Aktienkurs stellt man fest, dass die Aktionäre Siemens keineswegs unfair behandeln. Der Kurs befindet sich in einem stetigen Aufstieg. Man erhält den Eindruck, je mehr von der Korruption bei Siemens ans Licht kommt, desto stärker steigt der Aktienkurs. Der steigende Kurs dürfte wohl das Wichtigste für Cromme sein.

Cromme beansprucht für sich und den Konzern von anderen Moral, eine Moral, die viele Menschen schon lange bei diesem Konzern vermissen.
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 12.06.07

NSN: Entwicklungen im oberen Management
Nur zwei Monate nach dem Start des Joint Ventures trat Peter Schönhofer, früher Finanzchef von Siemens Österreich, aus persönlichen Gründen als Finanzvorstand von Nokia Siemens Networks zurück. Er wurde am 1.6.2007 von Eric Simonsen ersetzt, der erst im April zum Global Head of Restructuring von NSN ernannt worden war.

Siemens und Nokia hatten angekündigt, es würde sich bei dem Gemeinschaftsunternehmen um ein 50:50 Joint Venture handeln, in das Siemens die größeren Vermögenswerte einbringen wird. Siemens erklärte, sich an diesem Geschäft gleichberechtigt beteiligen zu wollen. Entsprechend sollte das Management jeweils etwa zur Hälfte mit Ex-Siemens- und Ex-Nokia-Managern besetzt werden.

Auffallend ist, dass nach dem Weggang von Peter Schönhofer im oberen Management nur noch einer der zehn Vorstände von Siemens kommt. Der letzte seiner vom Aussterben bedrohten Art ist Ex-Siemens Manager Christoph Caselitz, der CMO (Chief Market Operations Officer) von Nokia Siemens Networks.

Eine ähnliche Entwicklung konnte man in der Geschäftsleitung der deutschen Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG beobachten. Ursprünglich bildeten drei Siemens-Manager die Geschäftsleitung, Christian Unterberger, Joachim Malterer und Roland Meinzer. Von diesen ist nur noch Joachim Malterer übrig geblieben. Lydia Sommer, ehemals CFO von BenQ, bis sie plötzlich zwei Monate vor der Insolvenz BenQ verlies, hat die beiden anderen Siemens-Manager ersetzt.

Wie auch immer, der Rückzug von Siemens aus den Management-Positionen bei Nokia Siemens Networks scheint systematisch betrieben zu werden. Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme sagte am 26.5.2007 zur Süddeutschen Zeitung: „Es besteht Einigkeit im Vorstand über das, was Kerngeschäft ist, und auch darüber, dass es Randaktivitäten geben wird, die nicht unbedingt auf Dauer zu Siemens gehören müssen“. Cromme betonte zwar, dass „Siemens … nicht zerschlagen“ wird, gleichzeitig gab er klar zu erkennen, dass der Konzern auch unter dem neuen Vorstandschef Peter Löscher weiter umgebaut wird.

Zweifellos betrachtet Siemens die Telekommunikation nicht mehr als Kerngeschäft. Die Pläne von Gerhard Cromme und Peter Löscher zum Umbau des Siemens Konzerns zusammen mit dem Rückzug aus dem oberen NSN-Management, legen daher den Schluss nahe, dass Siemens plant, sich mittelfristig von seinem Engagement bei Nokia Siemens Networks zu verabschieden. Auf Nachfrage äußerte sich Siemens zu seinem Engagement bei Nokia Siemens Networks nicht.
(cr)


InWaChRo-News: Dienstag, 12.06.07

NSN: Standorte in Wien und Eisenstadt sollen zusammengelegt werden
Nokia Siemens Networks will die zwei Wiener Standorte, Erdberger-Lände und Wienerberg, sowie den Entwicklungsstandort in Eisenstadt zusammenlegen. Die operative Basis befindet sich derzeit in Wien Erdberger-Lände.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Wien das Rennen macht, ist groß. Für die Kollegen in Eisenstadt würde das eine Fahrzeit von derzeit 1:17 bis 1:33 Stunde von Bahnhof zu Bahnhof bedeuten. Doch Nokia Siemens Networks hält sich bedeckt. Die österreichische NSN-Sprecherin Karin Weinrother sagte: Wo der endgültige Standort sei, sei noch offen. Man könne bei Siemens als Untermieter bleiben oder auch ganz woanders hinkommen. Ursprünglich geplant war NSN in der neuen Siemens City in Wien anzusiedeln. Davon ist derzeit kaum mehr die Rede.

Fest steht jedoch, einige Jobs sind aus Sicht des NSN-Managements zuviel. In Österreich und in acht Ostländern sollen bis zu zehn Prozent der rund 2500 Mitarbeiter abgebaut werden. In Österreich sind 540 Mitarbeiter beschäftigt.

Der Abbau, so NSN, soll "freundlich und smooth" erfolgen. Man setze auf "Sonderregelungen und natürliche Fluktuation" heißt es. Das Wort "Sonderregelungen" ruft bei vielen Mitarbeitern ein beklemmendes Gefühl hervor. In der Vergangenheit war dies häufig mit Mobbing und Druckgesprächen verbunden.

Unter Umständen, so die Konzernsprecherin, könnten einzelne Mitarbeiter, die bei NSN nicht gebraucht werden auch bei Nokia oder Siemens bleiben, d.h. wohl im Klartext, sie müssen sich dort bewerben, werden aber wohl wenig Aussichten haben, einen Job zu bekommen. Dann werden sie unter Umständen doch angesprochen, die Firma zu verlassen oder dürfen als Springer in Projekteinsätzen ohne festen Arbeitsplatz arbeiten.
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 12.06.07

NSN: Europaweite Protestaktion bei gegen Stellenabbau und Auslagerungen
An elf Standorten des Unternehmens in Deutschland und an mehreren europäischen Standorten haben nach Aussagen der IG Metall tausende von Beschäftigten gegen die Abbaupläne des Managements protestiert. An den drei Münchner Standorten beteiligten sich etwa 1.000 Beschäftigte.

"Statt Personalabbau brauchen wir eine Innovationsoffensive gemeinsam mit den Beschäftigten", forderte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats Georg Nassauer.
(iw)


InWaChRo-News: Montag, 11.06.07

BenQ: Option kauft Teile der Betriebsausstattung in Kamp-Lintfort
Langsam wird BenQ Mobile endgültig beerdigt. Der belgische Funktechnologie-Hersteller Option hat Teile der Büroräume und der Betriebsausstattung der ehemaligen Entwicklungsabteilung aufgekauft. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Die gute Nachricht: Das belgische Unternehmen stellt außerdem 50 ehemalige BenQ-Mobile-Ingenieure ein, um in Kamp-Lintfort künftig Produkte für kabellose Breitband-Lösungen zu entwickeln.

Option stellt in der Firmenzentrale mit 500 Mitarbeitern unter anderem UMTS-Karten her. In Deutschland betreibt Option in Adelsried bei Augsburg ein Entwicklungszentrum für Anwendungssoftware.
(iw)


InWaChRo-News: Montag, 11.06.07

Peter Löscher wird es schwer haben, Akzente im Konzern zu setzen
Die Ziele des Siemens Konzerns stehen für die nächsten drei Jahre fest. Klaus Kleinfeld hinterlässt dem neuen Siemens-Chef detaillierte Pläne wie es im Konzern weiter gehen soll.

"Das neue Unternehmensprogramm ,Fit 4 2010' legt die Ziele für unseren Bereich klar fest. Das ist der Rahmen, in dem wir uns in den kommenden drei Jahren bewegen ... Hinter dem Programm stehen nicht nur Vorstand und Aufsichtsrat der AG, sondern auch unser gesamtes weltweites Führungsteam", sagte Christoph Kollatz, Chef der IT-Sparte von Siemens (SIS), dem Handelsblatt. Ähnlich sieht das Erich Reinhardt, Chef des Medizintechnikbereichs und Mitglied im Zentralvorstand, dem wichtigsten Führungsgremium des Konzerns. "Die Medizintechnik ist eine der drei großen Säulen von Siemens, unser neues Konzernprogramm hat diese strategische Orientierung bestätigt", sagte der Manager im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Es scheint, als ob die "Fürsten" im Konzern sich nicht von einem Neuling in ihre Strategie hineinreden lassen wollen. "Gerade in Zeiten des Übergangs ist wichtig, dass wir alle klare Ziele vor Augen haben.", sagte Kollatz weiter. Gestützt wird diese Haltung durch volle Auftragsbücher. Zum Jahresbeginn 2007 haben erstmals sämtliche Siemens-Bereiche die vom Konzern geforderten Renditeziele erreicht - kein Wunder, wenn man alles andere einfach ausgliedert.
(iw)


InWaChRo-News: Montag, 11.06.07

SIS soll doppelt so schnell wachsen wie das weltweite Bruttosozialprodukt
Siemens legt eine hohe Messlatte für die Siemens IT-Sparte SIS an. Nach Aussage des SIS-Chefs Christoph Kollatz im Handelsblatt soll SIS in den nächsten Jahren doppelt so schnell wachsen wie das weltweite Bruttosozialprodukt. Mittelfristig erwartet Siemens, dass SIS das Konzernwachstum unterstützt.

SIS wurde Anfang dieses Jahres aus dem bisherigen IT-Bereich SBS sowie einigen ausländischen IT-Töchtern des Konzerns mit vielen Mitarbeitern in Niedriglohnländern geformt. Der Bereich hat derzeit eine Marge von 5,2 Prozent. Diese spiegle laut Kollatz das tatsächliche Leistungsvermögen wider, da im zweiten Quartal des Jahres keine Sonderbelastungen aus der Restrukturierung mehr auftraten. "Wir ernten die Früchte der harten Sanierungsarbeit aus den vergangenen 18 Monaten.", sagte Kollatz in einem Interview mit "absatzwirtschaft online".

Mit den bestehenden Programmen beabsichtigt Kollatz die Produktivität um 1,5 Mrd. Euro zu steigern. "... die Hälfte entfällt dabei auf Personalkosten, die andere auf Material. Wir haben in den vergangenen anderthalb Jahren weltweit rund 5 500 Stellen abgebaut. Zudem haben wir niedrigere Arbeitskosten in Deutschland durch einen Ergänzungstarifvertrag mit der IG Metall. Beim Material haben wir es geschafft, die Kosten in den Griff zu bekommen."

Kollatz führt die Tatsache, dass SIS (SBS) nicht verkauft wurde auf die eigene Leistungsfähigkeit zurück, aber auch darauf, dass der Siemens Konzern erkannt hat, dass "IT und Software für das gesamte Unternehmen immer wichtiger werden. Wir können als IT-Spezialisten die einzelnen Bereiche in ihren Geschäften unterstützen."

Daher soll die IT-Sparte enger mit anderen Konzernbereichen verzahnt werden. "Wir konzentrieren uns stärker als bisher auf die Branchen, in denen Siemens stark ist. Dazu gehören unter anderem die Autoindustrie, Chemie und Pharma, Medizintechnik, Flughäfen oder die Energieversorger", so Kollatz. Die aktuellen Kunden will Kollatz jedoch weiter bedienen und "gemeinsam mit ihnen wachsen".

Für die Mitarbeiter dürfte dieser Kurs zunächst einmal den Abschluss der bisherigen Restrukturierung bedeuten. Klar ist jedoch: Werden die Ziele nicht erreicht - wächst SIS also nicht doppelt so schnell wie das weltweite Bruttosozialprodukt werden weitere Restrukturierungswellen auf die Mitarbeiter zukommen. Eine Ausgliederung aus dem Siemens Konzern wird auch dann wieder zur Debatte stehen. Die neue Siemens Strategie kann man auf einen einfachen Nenner bringen: Wer nicht funktioniert, fliegt - vermutlich schneller als bisher.
(iw)


InWaChRo-News: Sonntag, 10.06.07

Siemens: Statt Kopfprämie freie Stellen mit beE-Mitarbeitern besetzen
Der Bereich Power Generation zahlt Siemens-Mitarbeitern derzeit eine Prämie von 3.000 Euro für die Vermittlung von qualifiziertem Personal. Auf diesem Weg soll die normale Suche über Stellenanzeigen ergänzt werden, da der Personalbedarf derzeit nicht zu decken sei, so Siemens. Rund 1.000 Mitarbeiter würden gesucht, erklärte eine Sprecherin der Kraftwerksparte in Erlangen. Insbesondere Maschinenbauingenieure, Verfahrenstechniker und Kaufleute mit Hochschulabschluss fehlen.

Gleichzeitig zu diesem Personalmangel befinden sich in diversen Siemens-Beschäftigungsgesellschaften sowie in Abteilungen, in denen die Widersprüchler zu diversen Betriebsübergängen zusammengefasst wurden (Com B, beE Carrier + Enterprise, beE klf, Com beE Mch, PS CC beE, …, Com Post Closing) mehr als 1000 Mitarbeiter, die einen neuen Arbeitsplatz suchen.

Unter den Betroffenen befinden sich sicherlich auch Mitarbeiter, die bereit wären, sich umschulen zu lassen und mit Hilfe der 3.000 Euro und der beE-Qualifikationsmaßnahmen für die Aufnahme einer Tätigkeit bei Power Generation fit gemacht werden könnten.

Es war einmal ein schlagkräftiges Argument für die Entscheidung, ob man bei Siemens einen Arbeitsvertrag unterschreiben will, dass man nicht bis zur Rente auf einen Bereich, eine Tätigkeit festgelegt war, sondern zwischen den Bereichen wechseln konnte. Dies ergab damals eine „Win-Win“ - Situation für Arbeitnehmer und Firma.

Mitarbeiter mussten sich nicht auf ihrem bisherigen Arbeitsplatz zu tote langweilen, sondern konnten nach ein paar Jahren wechseln, um wieder etwas Neues dazu lernen zu können. Bei Krisen im eigenen Bereich konnte man in einen anderen wechseln, der gerade Bedarf an Mitarbeitern hatte – die Sicherheit des Arbeitsplatzes und damit die Zufriedenheit der Mitarbeiter war gegeben. Dem Arbeitgeber blieb bei einem Wechsel des Arbeitnehmers die Investition in die Aus- und Weiterbildung und das Know How des Mitarbeiters erhalten. Der steigende Bedarf an Personal an einer Stelle und der sinkende Bedarf an anderer Stelle konnte relativ einfach ausgeglichen werden.

Wir würden es begrüßen, wenn Siemens diese Vorteile erkennen und den erhöhten Personalbedarf aus den Beschäftigungsgesellschaften decken würde.
(cr)


InWaChRo-News: Sonntag, 10.06.07

Motorola stellt Handy Produktion in Deutschlang ein
Falls einer der ehemaligen BenQ Mobile Mitarbeiter nach der Pleite gedacht hatte: Wäre doch 2003 der Deal mit Motorola zustande gekommen, braucht sich diesem Gedanken nicht mehr nachzuhängen. Auch Motorola gibt seine Handy-Herstellung auf. Die Produktion wird nach China verlagert.

Diese Nachricht löste in Flensburg bei den Mitarbeitern einen Schock aus. . 650 Jobs werden bis Dezember an die zur Deutschen Post gehörenden DHL ausgelagert. "Es ist klar geworden, dass der Transport des Handys zum Kunden teurer ist, als die Produktion selbst", sagte ein Motorola-Manager gegenüber WirtschaftsWoche Online. Ein DHL-Pressesprecher sagte gegenüber Wiwo.de, die Gespräche mit Motorla seien noch nicht zu Ende. Vor allem der Auslagerungstermin zum 1. Dezember sei noch nicht sicher. Der Betriebsrat forderte, dass Motorola eine dreijährige Garantie für die Arbeitsplätze bei DHL übernimmt. Er konnte sich jedoch mit dieser Forderung nicht durchsetzen.

Die Beschäftigungsentwicklung sieht wie folgt aus:
1998 wurde in Flensburg die Handy-Produktion aufgenommen. Das Flensburger Werk beschäftigte 3000 Mitarbeiter. Heute sind noch 1060 Mitarbeiter beschäftigt. Nach Kündigung und Auslagerung verbleiben noch 180 Mitarbeiter in Flensburg, von denen im kommenden Jahr noch einmal 80 gekündigt werden soll.

Diese 100 Mitarbeiter sollen Marketing und Konzernabrechungsaufgaben für die deutsche Motorola-Verwaltung im hessischen Taunusstein und für die Konzernzentrale in Schaumburg/ Illinois (USA) durchführen. Die neue Gesellschaft wird "Control Tower Motorola" heißen.

Die Mitarbeiter der Telekommunikationsbranche spüren von dem viel zitierten Aufschwung nichts.
(iw)


InWaChRo-News: Sonntag, 10.06.07

Sinn und Unsinn von Mitarbeiterbefragungen
Immer wieder werden in allen Siemensbereichen und auch anderen Unternehmen Mitarbeiterbefragungen durchgeführt. Nach Angaben des Managements ist es das Ziel, herauszufinden, wie zufrieden die Mitarbeiter sind und wo Verbesserungspotentiale liegen.

So schreibt beispielsweise im neuesten SIS GO GIO DS-Newsletter das Mangement im Bewusstsein der hohen Unzufriedenheit bei den Mitarbeitern über die Restrukturierungsmaßnahmen in jüngster Vergangenheit und ganz aktuell über die Eingruppierung nach ETV:

"Wir möchten das Instrument der "10 basic aspects", ergänzt um zwei Zusatzfragen, nutzen, um auch weiterhin nahe am Puls der Zeit zu agieren. Wir hatten eine erste Abfrage im Dezember gestartet und basierend auf den Ergebnissen diverse Maßnahmen initiiert. Die damalige Abfrage wurde parallel zu der Hochphase der Restrukturierung gestellt und zeigte ungeschminkt die Stimmung. Auch diesmal haben wir einen vermeintlich unglücklichen Zeitpunkt gewählt - die Übergabe der Eintarifierungsmeldungen.
Dennoch führen wir die Abfrage durch. Zum einen, weil wir diese Abfrage für den Mai angekündigt hatten und wir unsere Planung einhalten und zum anderen, weil wir davon ausgehen, dass Sie zwischen den Ereignissen differenzieren können und über die Freitexte präzise Rückmeldungen geben. Bitte nehmen Sie an der Umfrage teil!"


Der Ansatz, Mitarbeiterumfragen durchzuführen, ist gut. Doch viele Mitarbeiter haben das Gefühl, dass die Mitarbeiterbefragungen immer mehr zu einer Farce verkommen. Dies äußert sich auch in einer relativ geringen und teilweise noch weiter sinkenden Beteiligung an den Umfragen.

Warum ist das so? Diese Frage muss sich ein Management stellen. Eine schlechte Beteiligung an Umfragen ist ein deutliches Signal für die Unzufriedenheit der Mitarbeiter.

Die einen haben Angst, dass man ihre Aussage, wenn sie negativ ausfällt, auf ihre Person zurückführen kann und wird, schließlich wird der unmittelbare Vorgesetzte "gerügt", wenn aus seiner Abteilung zu viel negative Kritik kommt. Je kleiner der Bereich ist, den man abfragt, desto unehrlicher werden die Antworten ausfallen, schließlich will niemand auffallen, weil man glaubt, sich Auffallen angesichts ständiger Restrukturierung, Arbeitsplatzstreichungen und gehaltlicher Abstufung, schlicht und einfach nicht leisten zu können. Daher dürfte das Feedback ehrlicher ausfallen, wenn die Abteilung, in der man beschäftigt ist, nicht mit angegeben werden muss. Eine größere Einheit würde der Abfrage noch mehr nutzen.

Die anderen haben es aufgegeben ihre Meinung zu sagen, weil sich sowieso nichts ändert. Die meisten Mitarbeiter haben das Gefühl, es bleibt sowieso alles beim Alten oder wird sogar noch schlechter. Wenn man die Entwicklung der Siemensbereiche wie SIS, Mobile Phones oder Com betrachtet, findet man dies bestätigt. Eine Restrukturierung jagt die andere, Ausgliederungen werden von Eingliederungen und die wieder von Ausgliederungen abgelöst und so geht es Jahr für Jahr, der Stand bleibt der Gleiche, der erhoffte Durchbruch stellt sich nicht ein - im Gegenteil. Mobile Phones beispielsweise endete in der Insolvenz. Festnetze und Mobile Netze hat Siemens ganz aus seinem Portfolio gestrichen. Wozu also Mitarbeiterumfragen, wenn der Einfluss auf die Geschäftspolitik nicht zu erkennen ist?

Bleibt die letzte Gruppe, die es noch nicht aufgegeben hat, ihre Meinung zu äußern. Hier hört man häufig die Kritik, dass die Fragen, die Situation nicht treffen. In der Not vergibt man seine Punkte. Manchmal gelingt auch eine präzise und differenzierte Antwort.

Doch spiegeln diese Antworten dann wirklich das Bild der Mitarbeiter wieder, wenn sie unter diesen Rahmenbedingungen, denen Mitarbeiterumfragen unterliegen, zustande kommen? Besteht dann nicht die Gefahr, dass das Management, die Umfrage so auslegt, wie es sie sehen will? Wägt es die positiven Antworten wirklich gegen die Masse derer ab, die nichts sagen oder gegen die Antworten, die aus Angst, nicht auffallen zu wollen, positiver ausgefallen sind, als empfunden?

Das Management, zumindest das SIS-Mangement, möchte ", dass Sie zwischen den Ereignissen differenzieren ... und über die Freitexte präzise Rückmeldungen geben." Aber: die Mitarbeiter möchten, dass sie präzises Feedback auf ihre Anregungen bekommen. Sie möchten sehen, dass ihre Anregungen, ihre Meinung etwas bewirkt. Sie können sehr wohl differenzieren und sehen vielleicht besser als das Management, dass die alt hergebrachten Restrukturierungsmethoden nicht greifen. Sie sehen, wo es in den Prozessen hakt, denn sie arbeiten täglich mit oder gegen sie.

Das Management sollte das auch sehen, den Mitarbeitern das Gefühl geben, dass ihre Kritik nicht ignoriert wird, dass sie für Kritik nicht bestraft, sondern belohnt werden. Es muss den Mut haben, Neues auszuprobieren, ihre Mitarbeiter wirklich ernst nehmen, ihnen Feedback geben, ihre Ideen aufgreifen und pragmatisch umsetzen.

Dann, aber nur dann, wird die Beteiligung an Mitarbeiterumfragen wieder steigen, die Antworten werden ehrlicher und angstfrei gegeben. Dann machen Mitarbeiterumfragen Sinn. Ansonsten aber verkommen Mitarbeiterumfragen tatsächlich immer mehr zu einer Farce.

Es wäre an der Zeit vom Gegeneinander wieder zu einem Miteinander zu finden. Aber dazu muss sich das Management ändern. Es muss aufhören Mitarbeiter nur als Kostenfaktoren zu betrachten, die den Gewinn drücken. Es muss erkennen, das es einer Firma nur dann gut geht, wenn die Interessen aller Raum finden. Einen Firmenerfolg durch ewigen Stellenabbau und Ausgliederungen von Bereichen mit zu geringen Margen herbeizuführen, ist nicht wirklich eine unternehmerische Leistung. Solange Mitarbeiter das Gefühl haben, immer dann "geopfert" zu werden oder tatsächlich "geopfert" werden, wenn die Marge steigen muss, solange wird der Unternehmens/Geschäftsbereichs-Erfolg vor sich hindümpeln.
(iw/hz)


InWaChRo-News: Sonntag, 10.06.07

NSN: Protest gegen Stellenabbau und Auslagerungen in München Hofmannstraße

Die IG Metall ruft

am Dienstag, den 12. Juni um 11:30 Uhr
zwischen den Gebäuden 7205 und 7211 in der Machtlfingerstraße

zu einer ca. 30-minutigen Protestkundgebung gegen den (erhöhten) Stellenabbau und Auslagerungen bei Nokia Siemens Networks auf.


Wie wir berichteten, protestierten bereits am 08.05.07 in München Martinstraße rund 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegen den Stellenabbau bei Nokia Siemens Networks.

Diesmal soll europaweit in allen Betrieben gegen die Pläne des Managements protestiert werden:

"Vor gut einer Woche", schreibt die IG Metall, "trafen sich auf Einladung des Europäischen Metallgewerkschaftsbunds (EMB) gewerkschaftliche Vertrauensleute und Betriebsräte sowie Gewerkschaftsbeauftragte aus mehreren europäischen Ländern, um über die gemeinsame Zusammenarbeit auf europäischer Basis bei NSN zu beraten.

Am Ende des Treffens stand nicht nur eine gemeinsame Erklärung, in der die Teilnehmenden sich gegen den angekündigten Personalabbau und die Ausgliederungspläne wenden, sondern auch eine klare Vereinbarung: Am kommenden Dienstag, 12. Juni 2007, wird es europaweit Aktionen gegen die massiven Restrukturierungspläne bei NSN geben und das in ganz Europa!"


Die Forderung des EMB an das NSN Management:
" ... nehmen Sie diese Abbauzahlen und die Ausgliederungspläne zurück!"

Zeitgleich zum Aktionstag werden dem Wirtschaftsausschuss von NSN die Abbaupläne im Detail vorgestellt. Eine gute Beteiligung an der Kundgebung erhöht den Druck auf das NSN Management. Eine gute Beteiligung motiviert auch die Verhandlungsdelegationen, sich für die Belegschaft einzusetzen.

Nur, wenn das Management sieht, dass es mit seinen Maßnahmen auf Widerstand in der Belegschaft stößt, nur dann wird es daran denken, sich zu bewegen. Schweigen und Still Halten wertet es mit Sicherheit als Zustimmung. Also, wenn ihr gegen Arbeitsplatzabbau und Auslagerungen seid, macht mit! Jeder hat hier Gelegenheit, seinen Protest zum Ausdruck zu bringen.
(iw)


InWaChRo-News: Mittwoch, 06.06.07

NSN plant Entlassung von 294 finnischen Mitarbeitern im August/September
Nokia Siemens Networks möchte nach Angaben einer NSN-Sprecherin in Finnland "nur noch" 294 Stellen streichen. Ursprünglich sollten 700 finnische Jobs wegfallen.

Die Ausgliederung von 230 Mitarbeitern zu TietoEnator hätte die geringere Abbauzahl möglich gemacht, so die NSN-Sprecherin. Damit hätte Nokia Siemens Networks 524 Stellen in Finnland abgebaut. Ob die Differenz von 176 Stellen durch Verhandlungen zwischen NSN und den Arbeitnehmervertretern gerettet wurden oder durch weitere Auslagerungen wie zu Aricent ist nicht bekannt.

Den 294 finnischen Mitarbeitern werden Abfindungen und ggf. weitere Unterstützung angeboten. Wer diese Angebote ablehne, müsse mit einer betriebsbedingten Kündigung im August oder September rechnen. Anzumerken ist hier, dass das Kündigungsschutzgesetz in Finnland die Arbeitnehmer wesentlich weniger schützt als das deutsche. Allerdings ist es in Finnland wie auch in Deutschland möglich im Rahmen von Tarifverträgen Kündigungsschutz für bestimmte Personengruppen, beispielsweise Mitarbeiter ab 50 Jahre, auszuhandeln.

NSN will nach wie vor bis 2010 bis zu 9000 seiner bislang etwa 60.000 Stellen abbauen und jährlich 1,5 Milliarden Euro einsparen.
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 05.06.07

SIS: Offener Brief an den Bereichsvorstand
Der SIS-Betriebsrat aus Braunschweig wendet sich mit einem Offenen Brief an den Bereichsvorstand, um eine Klärung der ETV-Eingruppierung zu erreichen. Die Mitarbeiter bei SIS sind - wir berichteten - aufgebracht über den offensichtlichen Missbrauch des Ergänzungstarifvertrags zum Lohndumping.

Wir wünschen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie dem Betriebsrat, dass die Bereichsleitung sich zu einem für beide Seiten befriedigenden Kompromiss durchringen kann.
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 05.06.07

NSN: Offene Kommunikation, Schweigen, Ausweichen, Unsicherheit
Bei Nokia Siemens Networks gilt immer noch eins:
Zunächst erfährt man die Meldungen aus der Presse, dann, wenn man Glück hat, im Intranet. Falls man zu den Glücklichen gehört, einen Betriebsrat zu haben, der kommunikativ ist, erfährt man vielleicht etwas über die Betriebsratshomepage. Doch kommunikative Betriebsräte sind selten, einmal, weil schweigen einfacher ist als reden, zum anderen, weil sie selbst nichts wissen, denn auch der GBR schweigt - wie immer. Der Arbeitgeber hält sich sowieso vornehm zurück.

So auch geschehen mit den neusten Ausgliederungen zu TietoEnator. Die SCA-Mitarbeiter, deren finnische Kollegen von dieser Ausgliederung betroffen sind, machen sich Sorgen, immerhin sollen bei SCA 50 Prozent der Mitarbeiter abgebaut werden. Gerüchte gehen um. Hat TietoEnator die Kollegen und die Produkte/Aufträge erhalten, wird dort das finnische Produkt weiterentwickelt? Bedeutet dies das "Aus" für die deutschen SCA Kollegen, die an einem Parallelprodukt arbeiten oder ist es umgekehrt? Wurden die finnischen Kollegen ausgelagert, weil man für sie keine Arbeit mehr hatte? Ist dies das Signal für die Fortentwicklung des Siemens Produktes? Ein banger Blick zum Geschäftsmodell TietoEnator und ein schnelles Verdrängen der Tendenz, dass Entwicklungsaktivitäten verstärkt von Großkonzernen ausgelagert werden. Was bleibt ist Ungewissheit, ein ständiges Schwanken zwischen Hoffen und Bangen.

Trotzdem ist Nokia Siemens Networks überzeugt davon, dass das Management eine offene Kommunikation pflegt, dass man eine gute Firmenkultur haben möchte. Wie das angesichts Stellenabbau, Auslagerungen und eisernem Schweigen über alles, was die Mitarbeiter wirklich interessiert, gehen soll, bleibt unbeantwortet. Die Foren im Intranet gleichen, wie ein Mitarbeiter sagte, "Gummizellen, in denen man sich mit seinen Ideen austoben kann - aufgreifen tut sie niemand". Will man die Mitarbeiter nur ablenken, so dass sie sich weniger mit Auslagerungen und Stellenabbau beschäftigen, ein wenig motivierter werden durch das Gefühl, ihre Meinung sagen zu können, immer in der wagen Hoffnung, vielleicht hört ja doch mal einer hin?

Erinnern wir uns an eine Veranstaltung vor knapp zwei Wochen über die Strategie von SCA, eine gute Gelegenheit zur offenen Kommunikation in diesem verunsicherten Bereich. Gegen Ende der Präsentation betonte der neue SCA Chef J.W., dass ihm offene Kommunikation persönlich besonders wichtig sei. Die Mitarbeiter, ermuntert durch die Aussage, nutzen die Gelegenheit, Fragen zu stellen.

Die erste Frage bezog sich darauf, wie die gerade vorgestellte Strategie bei einer Abbauquote von ca. 50% bei SCA umgesetzt werden könne. Die Antwort des SCA Chefs ist kurz, "für mein Empfinden kühl und ausweichend", sagte eine Mitarbeiterin. J.W. sagte ausweichend, dass die Mitarbeiterzahl bei SCA von ca. 1800 in Deutschland so nicht kommuniziert worden wäre, eine Antwort, die mit der Frage wenig zu tun hatte und mit der wenig anzufangen war. Deswegen fragte ein anderer Mitarbeiter, gleich im Anschluss daran, dass er nicht verstehen könne, wie diese Antwort mit der vorhergehenden Aussage zur offenen Kommunikation in Einklang zu bringen sei.

Daraufhin applaudieren viele Mitarbeiter. Die Antwort des SCA Chefs ist diesmal länger, inhaltlich aber wieder ausweichend. Im Wesentlichen, sagte er, er könne und dürfe zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen, da die Verhandlungen mit den Betriebsräten noch laufen. Es ein "sensibles" Thema.

Daraufhin verlassen schätzungsweise ein Drittel der Mitarbeiter den Raum - vielleicht, um bei den Betriebsräten nachzufragen - aber, ob sie hier eine andere Antwort finden?
(iw)


InWaChRo-News: Montag, 04.06.07

NSN: R&D-Jobs zu TietoEnator ausgelagert
Am 03.04.07 berichteten wir, dass Verhandlungen zwischen Nokia Siemens Networks (NSN) und TietoEnator geführt werden, um einen NSN-Bereich zu übernehmen.

Die Verhandlungen sind offensichtlich abgeschlossen, was aber nicht ausschließt, dass weitere Verhandlungen folgen. Nokia Siemens Networks verlagert rund 230 R&D-Jobs aus den Standorten Tampere und Helsinki zu TietoEnator. TietoEnator ist ein langjähriger Partner von NSN. Die Entwickler sind in den Bereichen Service Core & Applications und Operations and Business Software sowie Research, Technology and Platforms tätig. Sie werden in den Bereich Telecom und Media von TietoEnator integriert.

Die Auslagerung von Entwicklungstätigkeiten geht also weiter. Ende Mai - wir berichteten - hatte Nokia Siemens Networks die Entwicklung von Technologien und Produkten für 2G und 2.5G Basisstationen an die Firma Aricent verkauft.
(iw)


InWaChRo-News: Samstag, 02.06.07

Prozesse gegen den Betriebsübergang Siemens/BenQ
Insgesamt klagen 75 Beschäftigte von BenQ Mobile gegen den Betiebsübergang vom 30. September 2005 von Siemens nach BenQ Mobile. Bisher fanden für 12 Beschäftigte aus Kamp-Lintfort die Kammertermine vor dem Arbeitsgericht Wesel statt. Es kann daher eine erste Zwischenbilanz gezogen werden.

Begründet werden die Klagen damit, dass Siemens nicht wahrheitsgemäß nach § 613a BGB über die rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Betriebsüberganges informiert hat. Erst nach der Insolvenzbeantragung am 29. September 2006 wurden wichtige Fakten bekannt. Damit hatte die gesetzliche Einspruchsfrist von einem Monat noch nicht angefangen zu laufen.

In dem Informationsschreiben von Siemens an die Beschäftigten in München, Kamp-Lintfort und Bocholt vom 29. August 2005 heißt es: " BenQ ist ein weltweit führender Anbieter von Consumer-Electronic-Produkten, wie beispielsweise LCD-Bildschirmen, Notebook-Computern, Kameras und Scannern." Es wurde der Eindruck erzeugt, der neue Erwerber ist ein führender internationaler Technologiekonzern. Der eigentliche Erwerber, die BenQ Mobile GmbH & Co. OHG, war jedoch von Beginn an nicht in der Lage das Handy Geschäft von Siemens eigenständig fortzuführen. Der negative Verkaufspreis von 350 Mio. € und weitere Zahlungen von Siemens wurden an die BenQ Corp. in Taiwan überwiesen. Die Schlüsselpatente wurden ebenso der BenQ Corp. übertragen. BenQ Mobile war völlig auf die Geldüberweisungen aus Taiwan angewiesen. Als das finanzielle Polster von Siemens aufgebraucht war, stellte Taiwan die Zahlungen ein und BenQ Mobile musste Insolvenz anmelden. Noch im August 2006, als bei Siemens bereits das nahe Ende von BenQ Mobile bekannt war, überwies Siemens die Rückstellungen für die Betriebsrenten und die Wertguthaben der Altersteilzeit Mitarbeiter nach Taiwan.

Die Siemens Anwälte argumentierten vor dem Arbeitsgericht, dass Siemens ausreichend die Beschäftigten vor dem Betriebsübergang informiert habe. Die verschiedenen Kammern des Gerichtes hatten dagegen in den Verhandlungen deutliche Kritik an der mangelnden Information von Siemens geübt. Da in dem Informationsschreiben von Siemens ständig in den Bezeichnungen von BenQ und BenQ Mobile gewechselt wurde, ist völlig unklar, wer der eigentliche neue Erwerber ist. Auch der Versuch von Siemens, auf eine Verwirkung zu plädieren, da die Widersprüche erst nach über einem Jahr nach Betriebsübergang erfolgten, hatte vor dem Arbeitsgericht keinen Bestand. Da wesentliche Informationen erst in Folge der Insolvenz bekannt wurden, hatten die Beschäftigten 2005 keine ausreichende Entscheidungsgrundlage für einen Widerspruch gegen den Betriebsübergang.

Besondere Mühe gab sich Siemens vor Gericht darzulegen, dass die Widersprüche ein unzulässiger Massenwiderspruch darstellten. Immerhin hatten von 3000 Beschäftigten 1700 dem Betriebsübergang im Herbst 2006, nach Insolvenzbeantragung, widersprochen. Siemens argumentierte, die IG Metall und die Betriebsräte hätten die Widersprüche zielgerichtet organisiert um unzulässigen Druck auf Siemens auszuüben. Zahlreiche Flugblätter sowie Informationsschreiben der IG Metall und des Betriebsrates wurden dem Gericht vorgelegt. Das Gericht wertete den inviduellen Anspruch der Kläger höher als die politischen Ziele der IG Metall, um Siemens zur Finanzierung von Transfergesellschaften und Abfindungen für die betroffenen Beschäftigten zu zwingen. Der Vorsitzende des Arbeitsgerichtes, Richter Kleinschmidt, äußerte in Richtung der Siemens Anwälte, ob Siemens nicht auch mit dem Ergänzungstarifvertrag seinerseits Druck auf die Beschäftigten ausgeübt habe.

Die ersten Urteile des Arbeitsgerichtes Wesel werden im Juni verkündet. Siemens hat bereits angekündigt, dass man bei negativen Urteilen bis zum Bundesarbeitsgericht klagen will. Bei dem derzeitigen und künftigen Konzernumbau fürchtet Siemens, dass das Beispiel von massenhaften Widersprüchen auch weitere Anwendung findet. Die Urteile haben damit große Bedeutung, weit über Siemens hinaus.
(mg)


InWaChRo-News: Samstag, 02.06.07

SIS: Entwicklung Förderung Anerkennung?
Mitarbeiter bei SIS versuchen zu verstehen, was bei ihrer Ersteintarifierung nach ETV eigentlich passiert ist. Eine Mitarbeiterin, die massiv herabgestuft worden war, brachte die Diskrepanz zwischen der Welt "vor dem ETV" und "nach dem ETV" mit folgenden Worten zum Ausdruck:
"Wann hat mein Chef mich eigentlich belogen? Bei meinen EFA-Mitarbeiter-Gesprächen, Jahr um Jahr oder hier mit dieser Eintarifierungsmitteilung? Wir hatten doch erst vor ein paar Wochen ein EFA-Monitoring-Gespräch, da hat er mich noch gelobt, meine Arbeitsqualität, meine Termintreue und Verlässlichkeit und kein Wort fiel, ich sei in der falschen Tarifgruppe. Wie passt denn das zusammen?".

Gar nicht. Die Schlange, die hier EFA aus dem Paradies vertreibt, heißt ETV, genauer gesagt, seine nicht nach vollziehbare Umsetzung durch den Arbeitgeber. Denn eines ist klar: Der Ursprung für die Abkürzung EFA - Entwicklung Förderung Anerkennung gilt in den Augen vieler Mitarbeiter so nicht mehr. "Der ETV gleicht einem Kulturschock", so die Mitarbeiterin verärgert weiter, "Für die neue Kultur, ausgedrückt durch den ETV passt wohl besser: Endlos Fordern und Ausbeuten."

In der EFA-Gesamtbetriebsvereinbahrung heißt es:

"Der EFA-Prozess gliedert sich in folgende Teilschritte:
... Feedbackgespräch; dabei bedeutet "Feedback", dass der Mitarbeiter von der Führungskraft eine offene und ehrliche Rückmeldung aus der EFA-Runde erhält. ...In der EFA-Runde befassen sich die Führungskräfte mit jedem Mitarbeiter. Dabei wird nicht nur das Einkommen überprüft, sondern es werden alle Parameter betrachtet, die für Entwicklung, Förderung und Anerkennung bedeutsam sein können."


Vor diesem Hintergrund bleiben zwei Schlussfolgerungen: Entweder die entsprechenden Vorgesetzten haben sich bisher bei der Einschätzung ihrer Mitarbeiter massiv geirrt Damit wären sie ihrer Führungsposition nicht gewachsen und selbst falsch eingestuft. Oder die momentane Handhabung der ETV-Eintarifierungen dient dazu, entgegen dem Geist des ETV massives Lohndumping durchzusetzen. Die Vorgesetzten werden dabei wider besseres Wissen zu Ausführenden gemacht und büßen damit ihre Glaubwürdigkeit bei den meisten Mitarbeitern ein.

Es bleibt zu hoffen, dass der Arbeitgeber schnellstmöglich begreift, dass Personalkosteneinsparungen teuer kommen können, wenn dadurch die Glaubwürdigkeit und Integrität des Arbeitgebers leidet und Mitarbeitermotivation und Loyalität der Mitarbeiter sinken. Bei den Untersuchungen der Gallup GmbH hat man festgestellt, dass durch mäßige Motivation pro Mitarbeiter ein Schaden von 6500 EUR entsteht, durch absolute Demotivation sogar 11.500 EUR. Vielleicht sollte sich das SIS-Management darüber mal Gedanken machen (siehe NCI-Artikel vom 22.03.07).
(hz)


InWaChRo-News: Freitag, 01.06.07

Bartsch GmbH: Mitarbeiter haben Arbeit wieder aufgenommen
Wie wir am 29.05.07 berichteten wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bartsch GmbH unter Einsatz von Schwarzen Sheriffs aus dem Firmengelände begleitet, nachdem unmittelbar zuvor die Betriebsschließung des Standorts Ottobrunn bekannt gegeben worden war.

Die Gewerkschaft ver.di, die der Betriebsrat eingeschaltet hatte, hat den Kolleginnen und Kollegen geraten ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Dies haben sie inzwischen getan. Damit konnte verhindert werden, dass die Mitarbeiter isoliert und voller Angst zu Hause von jeglicher Information abgeschnitten sind. Weiter ist es nur so möglich, zu beobachten, was mit den Aufträgen und Maschinen, die nach Polen ausgelagert werden sollen, passiert. Betriebsbedingte Kündigungen wurden bisher noch nicht ausgesprochen.

Die Geschäftsleitung bewegte sich inzwischen auch auf den Betriebsrat zu. Am 4.6. ist auf Wunsch der Geschäftsleitung ein Gespräch mit dem Betriebsrat angesetzt. Ein Vertreter von ver.di wird auf Wunsch des Betriebsrats daran teilnehmen. Die Geschäftsführerin Frau Kahlenberg ist diese Woche abgetaucht.

Am 6.6.07 wird eine Betriebsversammlung für die Mitarbeiter stattfinden.
(iw)


InWaChRo-News: Freitag, 01.06.07

Nokia Siemens Networks ersetzt Finanzchef
Wie Reuters mitteilte, ersetzt Nokia Siemens Networks nach nur zwei Monaten seinen Finanzchef Peter Schönhofer. Die Entscheidung Schönhofers sei eine rein persönliche gewesen und hätte mit der Korruptionsaffäre nichts zu tun, sagte ein Sprecher von NSN. Schönhofer war vor der Gründung von NSN Finanzchef von Siemens Österreich.

Das Finanzressort wird nun von Eric Simonsen, der als NSN-Vorstand bisher für die weltweite Restrukturierung von NSN zuständig war. Neben seiner Tätigkeit bei Nokia Siemens Networks ist er auch seit 2002 als Generaldirektor bei AlixPartners tätig. Dieses Unternehmen berät Firmen bei finanziellen Integrationen und Restrukturierungen. Der Amerikaner will neben seiner neuen Tätigkeit als NSN-Finanzchef weiterhin bei AlixPartners tätig bleiben.
(iw)


InWaChRo-News: Freitag, 01.06.07

Lothar Pauly tritt wegen Siemens Korruptionsaffäre zurück
Der Vorstand für den Geschäftskundenbereich T-Systems und frühere Siemens-Vorstand Lothar Pauly legte seinen Posten nieder, teilte die Deutsche Telekom mit. Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick übernimmt nun kommissarisch die Aufgaben von Pauly. Pauly wolle mit seinem Rückzug Schaden von der Telekom fernhalten, hieß es.

Pauly, der bei Siemens für die Kommunikationssparte Com verantwortlich war, wechselte im Oktober 2005 zur Telekom. Laut "Focus" ermittelt die Staatsanwaltschaft München gegen Pauly. In der einst von ihm geführten Kommunikationssparte sollen große Summen in schwarzen Kassen verschwunden und im Ausland als Schmiergeld eingesetzt worden sein. Die Münchner Staatsanwaltschaft äußerte sich nicht dazu, ob gegen Pauly ermittelt wird.

Neue Vorwürfe sollen gegen Pauly nicht erhoben worden sein. Trotzdem erscheint es merkwürdig, dass Pauly ausgerechnet jetzt von seinem Posten bei der Telekom zurücktritt. Um von ihr Schaden ab zu wenden, hätte er bereits früher zurücktreten müssen, zumal sein Rücktritt die Telekom zu einem ungünstigen Zeitpunkt trifft, da der Konzern zurzeit von 15.000 Beschäftigten bestreikt wird und man auf der Suche nach einem Partner für T-Systems ist. Der von Pauly geleitete Auswahlprozess soll eigentlich im Sommer abgeschlossen werden.
(iw)




Autoren: Inken Wanzek, Christine Rosenboom
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