Artikel: Oktober 2007
NSN
31.10.07 Im HWS Center Bruchsal befürchtet man das Schlimmste
31.10.07 Aktuelle Abbauzahlen
29.10.07 Ein Münchner im Himmel
27.10.07 Bevor die Ängste übermächtig werden
26.10.07 Kommentar zum Townhall-Meeting
19.10.07 Stagnierender Personalabbau beeinflusst Turnaround nicht
19.10.07 Turnaround erreicht
15.10.07 Schon wieder Blaue Briefe
14.10.07 Nö So Nich
13.10.07 Überlebenschancen bis 30.09.2009
13.10.07 Überlebenschancen ab 1.10.2009
10.10.07 NSN weist Pressebericht über zusätzlichen Personalabbau zurück
08.10.07 Unternehmensberatung beauftragt
08.10.07 Zwerg oder Nr. 1?
04.10.07 Nokia kann Siemens-Ausstieg blockieren
04.10.07 Bleiben ist die bessere Alternative
04.10.07 Überlebenschancen im Arbeitsplatz-Poker
NSN-VTS
26.10.07 Herzlich Willkommen bei NCI
26.10.07 Die Zukunft der Mitarbeiter
26.10.07 Was ist VTS?
26.10.07 Die Zukunft von VTS
26.10.07 Widerspruch gegen Betriebsübergang macht keinen Sinn
26.10.07 Beamte
17.10.07 Kauft NSN die Telekom Beschäftigungsgesellschaft VTS?
NSN-Wipro
12.10.07 Ausgliederung der Radio Access Entwicklung zu Wipro
Enterprise
30.10.07 Verkaufsvorbereitungen gehen weiter
PSE
25.10.07 Auswirkung der NSN-Krise - Stellenabbau bei PSE
25.10.07 Auswirkung der NSN-Krise - Stellenabbau bei PSE
SIS
17.10.07 Betriebsrat der SIS Region Südbayern begrüßt Lösung der ETV-Eingruppierungsverfahren
14.10.07 Abschließende Lösung der ETV-Eingruppierungsverfahren
07.10.07 Abschließende Lösung der ETV-Eingruppierungsverfahren
Gesellschaft
30.10.07 Der beste Tag jemanden zu entlassen ist der Mittwoch
20.10.07 Jeder trägt gesellschaftliche Verantwortung
13.10.07 Traum und Wirklichkeit
13.10.07 Menschen gegen Aufträge
10.10.07 Traum und Wirklichkeit
InWaChRo-News: Mittwoch, 31.10.07
NSN: Im HWS Center Bruchsal befürchtet man das Schlimmste
Das HWS Center Bruchsal sieht sich gezwungen, in einem Brief der „HWS Community“
mitzuteilen, dass sie aufgrund des massiven Stellenabbaus nicht mehr in der Lage sind,
die Kundenanforderungen zu bedienen. Dieser Brief gleicht einem Offenbarungseid.
Wir meinen, das NSN-Top-Management muss umgehend seine Personalpolitik ändern, bevor es
zu spät ist.
Hier die deutsche Übersetzung des Briefes. Das englische Original siehe unten:
„Unglücklicherweise müssen wir Sie über ernsthafte Einschränkungen bei den
Arbeitsabläufen in Bruchsal und München informieren. Seit dem Start von NSN werden
permanent Restrukturierungsaktivitäten in Deutschland, bei denen den Mitarbeitern
angeboten wird, mit Abfindung die Firma freiwillig zu verlassen, durchgeführt. Dieses Angebot gilt bis
Ende Oktober und kann bis zum letzten Tag angenommen werden. Dies bedeutet im Extremfall,
dass Mitarbeiter ihr Gehen am letzten Oktobertag ankündigen und im November nicht mehr
kommen.
Wir haben versucht, uns auf diese bekannte Situation so gut wie möglich vorzubereiten,
aber die Anzahl der Leute, die das Angebot annahmen und NSN verlassen werden, hat sich in
den letzten Tagen dramatisch erhöht. Tatsächlich verlassen die meisten die Firma mit
sofortiger Wirkung (aufgrund des Aufhebungsvertrages), sodass unsere globalen Aktivitäten
durch diese Situation schwer beeinträchtigt sind. Wir haben einen Notfallplan installiert,
um unsere Aktivitäten sicherzustellen, aber es wird eine Zeitlang dauern, bis wir
zusätzliche Mitarbeiter bekommen und diese eingearbeitet sind. In einigen Abteilungen
haben wir fast alle Mitarbeiter verloren. Die verbliebenen Mitarbeiter versuchen ihr
äußerstes, die Auswirkungen auf das operative Geschäft so klein wie möglich zu halten,
aber natürlich erwarten wir Schwierigkeiten dabei, die Performance in den nächsten Wochen
aufrecht zu erhalten.
Wir setzen einen unserer NSN-Werte, die „Offene Kommunikation“ um und bitten Sie um Ihre
Unterstützung und Ihr Verständnis.
Wie Sie sich vorstellen können, ist nun die Arbeitslast der verbliebenen Kollegen sehr
hoch und wir versuchen uns auf das Wichtigste zu fokussieren und implementieren dabei
aber gleichzeitig eine Lösung für diese Situation. Wir verhandeln mit dem zuständigen
Betriebsrat und wir sind sehr zuversichtlich, bald eine gemeinsame Lösung zu finden, die
für beide Seiten akzeptabel ist.
Wir bitten Sie, während der nächsten Wochen, Eskalationen nach Möglichkeit zu vermeiden.
Wir versuchen unser Bestes, alle benötigten Lieferungen bereitzustellen und wir wissen,
dass Verzögerungen Probleme verursachen, aber Brandmails oder Telefonanrufe hält die
Mitarbeiter von ihrer eigentlichen Arbeit ab, auf die sie sich im Augenblick
konzentrieren müssen.
Deshalb bitten wir Sie, Ihre Beschwerden innerhalb der Region nur über die regionalen
Operations Manager einzubringen, die mit xxx oder yyy Kontakt aufnehmen werden. Diese
werden innerhalb der Teams weitere Möglichkeiten diskutieren um hochpriore Lieferungen
zu bedienen. Wir hoffen, in den nächsten Wochen wieder in der Spur zu sein – bis dahin
werden wir Sie mit dem bestmöglichen Service versorgen und versuchen, die Auswirkungen
so weit wie möglich zu minimieren.“
English version:
“Dear HWS Community,
Unfortunately we need to inform you about serious resource constraints in the global
Bruchsal and Munich operations. Since the start of NSN we have ongoing restructuring
activities in Germany which includes an offer to leave the company voluntarily,
associated with a leaving package. This offer is still valid until end of October and
can be taken until last day of October. This means in extreme cases people are announcing
their leave last day in October and not coming anymore in November.
We have been trying to prepare for this known situation as good as possible, but the
number of people taking the offer and leaving NSN has increased dramatically in last
days. As a matter of fact, most of the people are leaving with immediate effect (nature
of the leaving package) so our global operations is now hit heavily by this situation. We
have implemented an emergency plan to secure our operations, but it will take a while to
get additional and transferred resources up to speed. In some units we have lost almost
everybody. The remaining colleagues try their utmost to keep the operational consequences
as small as possible, but of course we all expect difficulties to keep the performance
for the next couple of weeks.
We are bringing one of our NSN values into life "open communication" and therefore asking
for your support and understanding.
As you can imagine, the workload of the remaining colleagues is now very high, and we are
trying to focus on most important issues but at the same time ramping up the solution for
re-solving the situation. We are in negotiation with respective works council and we are
very positive about finding a common solution which is acceptable for both sides very
soon.
Please consider carefully escalations during the next coming weeks. We try our best to
serve all needed deliveries and we know that delays are causing problems, but clearing
escalation emails or phone calls is keeping the people away from their actual business,
they must focus on now.
Therefore please channel the escalations inside the region through the regional
Operations Manager which should contact xxxxx or xxxxx. They will further discuss inside
the teams possibilities to serve top urgent deliveries. We hope to be back on track
within the next couple of weeks - until than we provide the best service possible and
try to minimize the consequences as much as possible.”
(iw/cr)
InWaChRo-News: Mittwoch, 31.10.07
NSN: Aktuelle Abbauzahlen
Laut Personalabteilung haben 386 Mitarbeiter in Mch-M (geplant: 926) und ca. 120
Mitarbeiter in Mch H (geplant: 291) einen Aufhebungsvertrag mit/ohne beE unterschrieben.
In Mch M wurden also 41,7 Prozent, in Mch H 41,2 Prozent des geplanten Abbaus erreicht.
In der Niederlassung Hamburg (BR-Einheit 11) haben 34 von 192 Mitarbeitern unterschrieben,
dies sind 17,7 Prozent der dortigen Mitarbeiter.
Insgesamt sollen deutschlandweit ca. 1.000 Mitarbeiter (geplant: 2290) in die beE
gegangen sein. Dies entspricht ca. 43,7 Prozent des geplanten Abbaus. NSN zeigte sich
erfreut, da man mit weniger Unterschriften gerechnet habe.
(cr)
InWaChRo-News: Dienstag, 30.10.07
Enterprise: Verkaufsvorbereitungen gehen weiter
In der Münchner Hofmannstraße soll seit einiger Zeit der Verkauf von Enterprise vorbereitet
werden. Die Analyse und Filetierung von Enterprise in verkaufbare Einheiten wird nach
Angaben interner Kreise von der gleichen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und
Unternehmensberatung durchgeführt, die auch das Joint Venture zwischen Siemens und Nokia
vorbereitet und zum Abschluss gebracht haben. Wie weit das Projekt "Enterprise" bereits
vor dem Abschluss steht, ist uns derzeit nicht bekannt.
(iw)
InWaChRo-News: Dienstag, 30.10.07
NSN-VTS: Seite eingerichtet
Wir haben jetzt für die VTS-Mitarbeiter einen eigene Seite eingerichtet. Diese findet ihr
unter dem Menüpunkt "Aktuelles - NSN <- VTS (Telekom)". Auf dieser Seite werden in
unregelmäßigen Abständen die VTS-Artikel archiviert. Um stets auf dem neusten Stand zu
sein, empfehlen wir regelmäßig die Artikel unter "Aktuelles" zu lesen.
(iw)
InWaChRo-News: Dienstag, 30.10.07
Der beste Tag jemanden zu entlassen ist der Mittwoch
Outplacement-Firmen beschäftigen sich mit allem Möglichen, auch mit der Frage, wie
entlässt man am geschicktesten Leute. So schlägt der Unternehmensberater Steve Harrison,
der seit 25 Jahren in der Outplacement-Firma Lee Hech Herrison arbeitet, den Mittwoch als
geeigneten Tag vor.
Auch für die Motivation von Mitarbeitern gibt Harrison Empfehlungen an die Manager. So
wäre es gut, die Namen der Mitarbeiter zu lernen. Dies trägt zu einer loyalen Belegschaft
bei. Eine loyale Belegschaft ist eine produktive Belegschaft und eine produktive
Belegschaft bedeutet erfolgreiches Geschäft. Jetzt wisst ihr warum die Unternehmen das
deutsche Wort "lieber" oder das englische Wort "dear" okkupieren und dahinter gerne den
Vornamen setzen. "Dear Robert" macht uns loyal, motiviert uns und damit dient
"dear Robert" dem Geschäft.
Lee Hech Herrision wurde beispielsweise von NSN beauftragt, die Orientierungsworkshops
für die beE durchzuführen.
Warum aber ist der Mittwoch zum Feuern besser als der der Freitag? Steve Harrison beginnt
mit seiner Argumentation moralisch. Es gehe darum, sagt er, die Würde des Menschen zu
bewahren. Entlassen zu werden, gleicht einem Nackenschlag und bedeutet Ablehnung zu
erfahren. Entlässt der Arbeitgeber am Freitag, dann stehen dem betroffenen Mitarbeiter
die unterstützenden Personen, wie Personalabteilung und die entsprechenden Beratungen
nicht zur Verfügung. Es kommt das Wochenende, an dem der Mitarbeiter zu Hause schmort und
wütend wird.
Was aber, so unser Kommentar, bedeutet es, wenn der Mitarbeiter zu Hause ohne die
beratende Personalabteilung "schmort" und "wütend" wird? Er beginnt seine Situation, so
wie sie ist, zu erkennen. In ihm regt sich der Widerstand, entweder den angebotenen
Aufhebungsvertrag nicht zu unterschreiben oder eine Kündigungsschutzklage vor Gericht
einzureichen. Eine Entlassung mit nachstehender Betreuung durch die Personalabteilung
dagegen könnte, diesen psychologischen Effekt verhindern und zwar dadurch, dass dem
Mitarbeiter Perspektiven aufgezeigt werden, die zu prüfen er in dieser Situation gar
nicht in der Lage ist. Da er sein Arbeitsleben lang gewohnt war, der Firma zu vertrauen,
schließlich sagten alle zu ihm "dear Robert", zweifelt er die Vorschläge der
Personalabteilung bei rechtzeitiger Beeinflussung kaum an.
Auf die Frage, was denn der beste Ort und Zeitpunkt sei, um die Botschaft
"You've believed, but now you are fired" zu überbringen, antwortet Steve Harrison, dass
darauf zu achten sei, dass der Mitarbeiter sich in der Umgebung, in der ihm die Nachricht
überbracht wird, wohl fühlt. Auf keinen Fall sollte er durch lange Gänge marschieren
müssen, um sich die Hiobsbotschaft abzuholen. Geeignet sei daher ein Besprechungsraum in
der Nähe des Büros des Betroffenen oder das eigene Büro. Wichtig sei dabei aber, dass
nach Möglichkeit kein Kollege etwas davon mitbekommt. Das könnte für den Betroffenen
peinlich sein. Isolation ermöglicht es ihm, beispielsweise seine Frau oder Freunde
anzurufen.
Unsere Erfahrung dagegen ist eine andere. Wir haben beobachtet, dass Isolation dem
Arbeitgeber in die Hände spielt. Der Betroffene fühlt sich alleine. Um ihn spielt sich
eine Welt ab, die für fünf Minuten noch die seine war, nun aber wie durch eine
unsichtbare Mauer von ihm getrennt ist. Nur, wenn die Kollegen von dem Schicksal des
"Blauen Brief"-Empfängers erfahren, nur wenn miteinander geredet wird, kann der
Betroffene wieder aus seinem Trance-Zustand finden. Das aber will der Arbeitgeber nicht,
zumindest nicht, solange der zu Entlassene noch im Büro ist. Der optimale Zustand für den
Arbeitgeber ist, wenn die Personalabteilung der einzige Ansprechpartner für den
Betroffenen ist.
Daher die Empfehlung der Outplacement-Firma mittwochs mit anschließender "Beratung" durch
die Personalabteilung zu entlassen, am besten um die Mittagszeit, wo die Kollegen zum
Mittagessen gehen oder am späten Nachmittag, wenn die Kollegen die Firma verlassen.
Allerdings sollte der Termin des Gesprächs nicht zu spät gewählt werden, denn die
Beratung durch die Personalabteilung muss noch erfolgen können.
Steve Harrison fordert jedoch von den Führungskräften, Mut, Sensibilität und Mitleid.
Diese kleinen Dinge, sagt er, zählen. So sollten Führungskräfte niemals sagen; "Es ist
nicht meine Idee, ich muss nur die Anweisung ausführen." Das, so Harrison, ist einer
Führungskraft nicht würdig und wir setzen hinzu, dieses Verhalten könnte Zweifel an der
Rechtmäßigkeit der Entlassung beim Betroffenen wecken.
Jemanden mit Anstand zu entlassen ist gut für die bleibenden Mitarbeiter. Es zeigt, dass
die Firma auch in schwierigen Zeiten Mitgefühl zeigt. Harrison ist davon überzeugt.
Das anständige Entlassen erweckt bei den verbleibenden Mitarbeitern, das Gefühl, dass
"dear Robert" zum Wohle der Firma gehen musste. "Bye, dear Robert". Diesen Namen muss das
Management nicht mehr lernen. "Dear Robert" ist keine Investition und dient nicht mehr
dem Unternehmenserfolg.
"Welcome, dear Lee!" sorgt nun für den Profit!
(iw)
InWaChRo-News: Montag, 29.10.07
NSN: Ein Münchner im Himmel
oder: Warum das NSN-Management noch heute auf die göttliche Eingebung wartet.
Frei nach „Ein Münchner im Himmel“ von Ludwig Thoma
Alois Hingerl - Ingenieur Nr. 172 am Münchner Standort Martinstraße - erledigte einen
Auftrag mit solcher Hast, dass er vom Schlag getroffen zu Boden sank und starb.
Zwei Engerln schleppten ihn mit vieler Mühe in den NSN-Himmel, eine himmlische Abteilung,
die extra für die treu ergebenen und tief an den Erfolg von NSN glaubenden Mitarbeiter
eingerichtet wurde. Dort wurde er vom heiligen Simon empfangen.
Simon eröffnete ihm zuerst, dass er von nun an auf den Namen "Engel Aloisius" zu hören
habe, überreichte ihm einen Aufhebungsvertrag für seine irdische Tätigkeit und machte ihn
mit der himmlischen Hausordnung bekannt:
"...von morgens 8 Uhr bis mittags 12 Uhr: in reinem Englisch frohlocken;
von mittags 12 Uhr bis abends 8 Uhr: Hosianna singen."
"Wos is?"
"Von morgens 8 Uhr bis abends 12 Uhr in reinem Englisch frohlocken - von mittags 12 Uhr
bis 8 Uhr abends Hosianna singen!"
"So - hmhm - ja, wann kriag na i wos z'doa?"
"Sie werden Ihr Know-How schon noch transferieren können", sagte Simon leicht indigniert
und ließ ihn stehen.
"Auweh! Des werd sche fad - mei Liaba, da moan i ollawei, da bin i neitret'n! Frohlocken?! In Englisch?!
A-a-a-a - eahm schaug o: frohlock'n müaßat i da herobn ... i hab gmoant, i kumm in
NSN-Himmi...?!"
Er setzte sich, wie ihm befohlen, auf eine Wolke und begann zu frohlocken:
"I believe in NSN - - - I believe in NSN - - - I believe in NSN very much- - - ... I
believe Matsch"
Ein völlig vergeistigter Manager schwebte an ihm vorüber.
"Sie! Herr Nachbar! Herr Nachbar!" schrie Aloisius, "hamm Sie vielleicht an Laptop bei
Eahna?" An PC - ham's nix? An Blackberry? - geh weida, fahr oan her!"
Der Durchgeistigte sah ihn nur völlig entgeistert an, lispelte nur "I believe in NSN!"
und flog von hinnen.
"Ja - ja, was is denn does fuer a Hanswurst?" rief Aloisius. "Nacha hamm S' halt koan PC,
Sie Manager, Sie boaniga! Sie aus'gschammta!" Ja - na, na, na hast halt koan Laptop
net - wenn ma scho anständig fragt, werd ma doch a anständige Antwort kriag'n
kenna, - gscherte Ruab'n, gscherte, - Manager ... boaniger!!! Mei Liaber, da werd a so a
Zeigl Herob'n sei! A-a-a-a-a, was steh i aus!"
Und er setzte sich wieder auf seine Wolke und begann erneut zu frohlocken; diesmal allerdings bedeutend zorniger!"
I believe - believe - belive sag i - zäfix i mog’s net believen - Luhja!!!"
Er schrie so laut, dass der liebe Gott nebenan von seinem Mittagsschlaf erwachte... und
ganz erstaunt fragte:
"Ja, was ist denn da für ein Lümmel heroben?"
Und er schickte sofort zu Simon - der kam angerast - und sie hörten zusammen den Engel
Aloisius frohlocken:
"Believe! - Sacklzementbelieve - belive, sag i - Mei Liaber: Belive!!!"
Simon raste los und schleppte den Aloisius vor den lieben Gott.
Der sah ihn sich lange an - darauf sprach er:
" Aha - ein Münchner! Ja sagen Sie mal,
warum plärr'n Sie denn da heroben so unanständig?"
Da kam er beim Aloisius aber grad an den Richtigen!
Der war mitten drin in der Wut und legte nun los:
"Ja, - ja was glaub'n denn Sie! Weil
mir da herob'n im Himmel san, da müaßat i frolocken in Englisch wia a Zeiserl, was? Waas?
Z'doa kriagat i überhaupts nix - mei Liaber: an Know-How-Transfer soll i doa hat er
g'sagt, an Know-How-Transfer kriagat’n di andern! Mei Liaber, da wennst ma net gehst mit
Dei'm Know-How-Transfer, gell, den kennts selber macha, des sag i Eich, aber i maoch for
Eich koan Know-How-Transfer, daß Di auskennst! - Und an Eich glaub’n tua i überhaupts
net..."
"Simon", sagte der liebe Gott, "mit dem können wir hier nichts anfangen. Nun, für den
habe ich eine andere Aufgabe - er soll meine göttlichen Ratschläge dem NSN-Management
überbringen. Auf diese Weise kommt er jede Woche ein- oder zweimal nach München - dann
hat die liebe Seele ihre Ruhe..."
Als Aloisius das hörte, war er sichtlich froh. Er bekam auch gleich den ersten
Auftrag - einen EBlog - und flog damit los.
Und als er plötzlich Münchner Boden unter den Füßen fühlte, da war es ihm, als sei er im
Himmel.
Und einer alten Gewohnheit gemäß führte ihn der Weg hin zur Martinstraße,
und er fand seinen alten Arbeitsplatz wieder,
fand den Arbeitsplatz leer,
die Sekretärin, die Kathi, kam auf ihn zu...
und reichte ihm die liegengebliebene Arbeit
und er begann zu arbeiten,
und er vergaß seinen EBlog und seinen Auftrag,
und er arbeitete einen Auftrag ab,
und noch einen Auftrag und noch einen...
und da sitzt er heit no.
Und so wartet das NSN-Management bis heute vergeblich auf die göttlichen Eingebungen.
(iw/cr)
InWaChRo-News: Samstag, 27.10.07
NSN/Enterprise: Bevor die Ängste übermächtig werden
Arbeit ist fast das ganze Leben. Sie bildet die Existenzgrundlage und ist wichtig für das
Selbstwertgefühl. Viele stürzen sich mit Leidenschaft in ihre Tätigkeit.
Doch der seit fünf Jahren fortgesetzte Stellenabbau, zunächst bei Siemens und nun bei
NSN / Enterprise mit permanenter Bedrohung des Arbeitsplatzes und der damit verbundenen
Verunsicherung ist an fast keinem Mitarbeiter ohne Spuren vorüber gegangen. Der Druck,
der auf den Mitarbeitern lastet, wächst von Tag zu Tag. Sie werden gedrängt, die Firma
zu verlassen, die Arbeit ausscheidender Kollegen zusätzlich zu ihrer eigenen zu
übernehmen, oder sie werden überhaupt nicht beschäftigt. Die Münchner Mitarbeiter wurden
in einer beispiellosen Hauruckaktion im Oktober von Perlach in die Martinstraße umgezogen,
so sitzen nun Mitarbeiter auf engem Raum zusammen. Dieses enge Aufeinandersitzen erzeugt
Aggressionen und damit weiteren Stress.
Dieses Stimmungsbild ergibt sich aus vielen Zuschriften von Kolleginnen und Kollegen, die
sich ihre Sorgen, Ängste und auch Aggressionen einfach mal von der Seele schreiben müssen.
Dabei wird deutlich: Die Mitarbeiter werden ohne Zukunftsperspektiven mit ihren Ängsten
alleine gelassen. Diffuse Ängste werden in manchen Situationen übermächtig. Wie man aus
den Ereignissen während des Stellenabbaus in der Vergangenheit sehen kann, können Angst
und Verzweiflung zu Kurzschlusshandlungen führen.
Eine Serie von Selbstmorden von Angestellten großer Konzerne passierte in
Frankreich.
Im Werk von Peugeot-Citroën in Mülhausen gab es seit Anfang 2007 sechs Selbstmorde. Drei
Mitarbeiter des Technologiezentrums Guyancourt von Renault bei Paris nahmen sich zwischen
Oktober 2006 und Februar 2007 das Leben. Doch auch andere Großkonzerne sind betroffen,
verursacht durch Arbeitsbedingungen, Arbeitsbelastung und Personalabbau – und dies nicht
nur in Frankreich.
Der Ingenieur Antonio B. stürzte sich am 20.10.2006 im Anschluss an eine Sitzung aus dem
Fenster des 5. Stocks des Technocenters von Guyancourt. Der 39jährige Vater eines
elfjährigen Sohns war in den Wochen vor seinem Selbstmord immer später nach Hause
gekommen, sagte seine Frau den französischen Medien. Auch abends zuhause und am
Wochenende habe Antonio weiter gearbeitet. Antonio wollte am Morgen seines Selbstmordes
nicht mit zum Arzt kommen, er habe eine wichtige Sitzung. Danach war es zur
Kurzschlussreaktion gekommen.
Auch während des Personalabbaus bei Siemens hat es zwei Selbstmorde gegeben. Eine davon
war eine ehemalige Kollegin, die im Rahmen des Stellenabbaus einen Aufhebungsvertrag
unterschrieben hatte. Auch eine Betriebsrätin konnte die Drucksituation nicht mehr
verkraften. NCI führte im Dezember 2003 eine
Gesundheitsumfrage
mit dem Ziel durch, ein
umfassendes Bild über die Auswirkungen des Personalabbaus bei den betroffenen Kollegen zu
erhalten. Besonders bedrückend ist, dass 6% der Betroffenen starke und 4% mittelstarke
Selbstmordgedanken hatten. Wir möchten nicht, dass sich das bei NSN wiederholt.
Dass es nicht zu mehr Kurzschlusshandlungen gekommen ist, führen wir auch auf den
Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung im NCI zurück. Wir können über die
Homepage sehr viel erreichen, aber wir können nicht in jedem Betrieb vor Ort sein. NCI
lebt dadurch, dass jeder einzelne von euch aktiv wird und nicht darauf wartet, bis ein
anderer die Initiative ergreift.
Daher möchten wir euch aufrufen:
Auch wenn ihr selbst unter erheblichem Druck steht, bitte achtet darauf, ob sich jemand
zurückzieht oder aggressiv reagiert. Sprecht diese Kollegen aktiv an. Ihr könnt uns auch
eine E-Mail schreiben, wenn ihr verzweifelt seid.
Manche Ehe oder Partnerschaft ist auch während des Personalabbaus der letzten 5 Jahre zu
Bruch gegangen. Ehepartner und Freunde können nicht endlos über das gleiche negative
Thema „drohender Arbeitsplatzverlust“ reden. Sie fühlen sich damit überfordert, haben
eigene Ängste. Aber ihr braucht den Rückhalt in der Familie und von Freunden, um mit der
Belastung fertig zu werden. Ihr solltet offen mit eurem Partner sprechen, auch seine
Ängste wahrnehmen und ihm nichts verschweigen, nur um ihn zu schonen. Dann könnt ihr auch
wieder die positiven Erlebnisse in eurem Leben wahrnehmen und daraus Kraft schöpfen.
Menschen, die mit den gleichen Problemen kämpfen, wie ihr, können unendlich darüber reden.
Dies haben wir 2003 festgestellt, als sich die ersten NCI-Gruppen gebildet haben. Trefft
euch daher einmal pro Woche mit Kollegen, die in der gleichen Situation sind, wie ihr, in
einer Kneipe und redet dort offen über eure Probleme und auch über eure Gefühle, über den
Druck, über eure rechtlichen Möglichkeiten und sucht Wege, die ihr gehen könnt.
Wartet nicht darauf, dass andere diesen Schritt für euch tun. Werdet selbst aktiv und
organisiert diese Treffen. Sich zu treffen, bricht die Isolation auf. Selbst aktiv zu
werden hilft, mit den eigenen Emotionen, dem Stress fertig zu werden und
Kurzschlussreaktionen zu vermeiden.
(cr/iw)
InWaChRo-News: Samstag, 27.10.07
NSN-VTS: Herzlich Willkommen bei NCI
Nach dem nun offiziell feststeht, dass die Mitarbeiter der Vivento Technical
Services (VTS) zum 1. Januar 2008 von der Deutschen Telekom zu NSN per Betriebsübergang
nach §613a BGB übergehen, haben sich einige VTS-Mitarbeiter bei uns gemeldet. Es freut
uns natürlich, dass unsere Homepage dort bereits bekannt ist.
Deshalb möchten wir alle VTS-Mitarbeiter als Leser unserer NCI-InWaChRo-News begrüßen und
hoffen auf eine gute Zusammenarbeit.
Um über das Geschehen in den Betrieben berichten zu können, benötigen wir von Euch
Informationen. Informationen sind Mitarbeiterschreiben, Sozialpläne und
Interessenausgleich usw., Gerüchte, die im Betrieb so kursieren, und auch Beschreibungen
von Stimmungen im Betrieb. All dies setzen wir in Beziehung zueinander, werten es aus und
leiten daraus Informationen ab, die für Euch relevant sind. Die Regel ist ganz einfach:
Bekommen wir keine Informationen, können wir nicht berichten.
Jeder neue Artikel ist zunächst unter "Aktuelles" zu finden. Später wandert er dann auf
die VTS-Seite, die wir für euch noch einrichten werden. Wer also immer auf dem neuesten
Stand bleiben will, schaue unter "Aktuelles". Dort findet ihr auch Themen von allgemeinem
Interesse und bekommt mit, was in den anderen Bereichen so läuft. Ihr werdet feststellen,
dass es überall ziemlich gleich zugeht.
(iw)
InWaChRo-News: Samstag, 27.10.07
NSN-VTS: Die Zukunft der Mitarbeiter
Die Zukunft von NSN-VTS und die der Mitarbeiter ist nicht das Gleiche. Für die
Mitarbeiter sind bereits jetzt einschneidende Maßnahmen geplant:
Stellenabbau in Höhe von 70 Prozent zu erwarten
Für die VTS-Mitarbeiter gilt laut NSN-Sprecher Stefan Zuber nach dem Betriebsübergang ein
Kündigungsschutz von einem Jahr, also bis zum 31.12.2008. Danach fielen Stellen weg. Das
Management hält sich zurzeit noch bedeckt, wie viele Stellen dies sein werden.
Diese lassen sich aber aus der Höhe der geplanten Restrukturierungskosten und durch
Vergleich mit den NSN-Restrukturierungskosten hochrechnen. Wir wissen, dass 280 Mio.
Restrukturierungskosten für VTS mit seinen 2000 Mitarbeitern vorgesehen sind. NSN sah
für den Abbau von 9000 Mitarbeitern 900 Mio. Euro vor, die sich inzwischen auf 1.800 Mio.
Euro verdoppelt haben. Daraus ergeben sich Restrukturierungskosten von 100.000 Euro pro
Mitarbeiter. Damit können mit 280 Mio. Euro, die für die Restrukturierung von VTS
vorgesehen sind, 1400 Mitarbeiter entsorgt werden. Dies entspricht 70 Prozent, also
genau dem Prozentsatz der Mitarbeiter, die zurzeit nicht ausgelastet sind.
NSN wird versuchen bei diesem Personalabbau die übergehenden Beamten zu halten, da sie
für jeden Beamten, der zur Deutschen Telekom zurückkehrt, 100.000 Euro "Strafe" zahlen
müssen.
Auch den VTS-Mitarbeitern raten wir, das eine Jahr Kündigungsschutz zu nutzen, um sich
einen neuen Arbeitsplatz zu suchen.
Überschneidungen von NSN und VTS-Aktivitäten
Durch die Konzentration der Service-Dienstleistungen in die NSN-VTS entstehen
Überschneidungen zu bestehenden NSN-Service-Abteilungen. Über deren Schicksal ist
momentan nichts bekannt. Es ist wahrscheinlich, dass die jetzigen NSN-Service-Aktivitäten
in die NSN-VTS überführt werden. Dies könnte durch Betriebsübergang mit anschließendem
Stellenabbau erfolgen.
Fünf Jahre Insolvenz gesichert
Von Anfang an soll absolut ergebnisorientiert gearbeitet und im vierten Jahr schwarze
Zahlen geschrieben werden. Eine Patronatserklärung von NSN stellt sicher, dass VTS in den
ersten fünf Jahren nicht insolvent wird. Diese Insolvenzsicherung zeigt, dass NSN die
Mitarbeiter nicht ausschließlich zur Entsorgung übernommen hat. Dies darf aber nicht
darüber hinweg täuschen, dass die Einschnitte für die VTS-Mitarbeiter gravierend sein
werden.
(iw)
InWaChRo-News: Samstag, 27.10.07
NSN-VTS: Was ist VTS?
VTS ist Teil der Telekom-Beschäftigungsgesellschaft Vivento, die 2004 gegründet wurde.
Die Mitarbeiter wurden nach einem so genannten Clearingverfahren für diese
Beschäftigungsgesellschaft ausgesucht. Im Clearingverfahren wurde der Status der
Arbeitnehmer festgestellt, offensichtlich nach dem Motto des all bekannten Märchens:
"die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen". Dabei bestimmt der Selektierer
alleine, wer gut und wer schlecht ist.
Es sollen nun rund 2.000 Mitarbeiter zum 1.1.2008 in eine 100-prozentige
Tochtergesellschaft von Nokia Siemens Networks überführt werden. Diese Mitarbeiter sind
bereits jetzt nur noch zu 30 Prozent ausgelastet. Nach Angaben der Deutschen Telekom ist
die VTS hoch defizitär. Die Verluste würden sich bis 2010 auf ca. 480 Millionen Euro
belaufen. VTS errichtet und wartet Fest- und Mobilfunknetze vor allem für die Deutsche
Telekom. Kunden von VTS sind beispielsweise O2 und der Kölner DSL-Anbieter NetCologne.
Allen Beteiligten war bei der Gründung der VTS klar, dass hier nicht profitabel
gearbeitet werden kann, da die Auftragsvergaben zum Marktpreis nicht zum Gehaltsniveau
der ehemaligen Telekommitarbeiter passten. Die Folge: Es werden jährlich ca. 70 bis 80
Mio Euro Verlust erzeugt.
Drei Monate nach Gründung der VTS wurde ihr Status umdefiniert. Es wurde der Slogan
ausgegeben: "Wir sind keine Beschäftigungsgesellschaft, sondern haben so profitabel wie
möglich zu arbeiten !". Das Management setzte offensichtlich auf Verkauf (und wer kauft
schon eine Beschäftigungsgesellschaft). Trotz der Managemententscheidung, profitabel zu
arbeiten wurden ganze Teams aus laufenden Produktionsaufgaben der VTS herausgezogen und
kurzer Hand in die neu gegründeten T-Servicegesellschaften der Deutschen Telekom versetzt.
Damit war klar: die Telekom zieht aus VTS vor dem Verkauf das heraus, was sie glaubt
brauchen zu können, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, ob die VTS in der abgespeckten
Zusammensetzung arbeiten kann.
Zum 01.01.2008 geht die VTS in den Nokia Siemens Networks Konzern als eigenständiges neu
zu gründendes Unternehmen über.
(iw)
InWaChRo-News: Samstag, 27.10.07
NSN-VTS: Die Zukunft von VTS
"Die derzeitige Auftragslage ist katastrophal bei VTS", sagte uns ein Mitarbeiter der
VTS, "der Markt ist lediglich über Telekomvertriebseinheiten für VTS erreichbar, soweit
er überhaupt erreichbar ist. Diese Vertriebe orientieren sich zum 01.01.2008 nicht mehr
unbedingt an der Nicht-Telekom-Konzerntochter VTS. Bislang war es üblich vor Vergabe der
Aufträge bei VTS anzufragen."
Letzen Mittwoch (24.10.07) gab es in Nürnberg eine Informationsveranstaltung für die
VTS-Mitarbeiter. Der designierte Geschäftsführer der neu zu gründenden NSN-VTS stellte
den Mitarbeitern das Geschäftsmodell vor. Die von NSN bislang an Subunternehmen
vergebenen Infrastrukturaufträge sollen in Höhe von 60 Millionen Euro jährlich in die
NSN-VTS überführt werden. Weitere Aufträge in Höhe von 60 Mio. Euro jährlich sollen über
fünf Jahre von der Deutschen Telekom an NSN vergeben werden. Diese Auftragsgarantie ist
vertraglich ausgehandelt.
NSN will durch den VTS-Deal bevorzugter Partner der Telekom für Serviceleistungen bei
anstehenden Managed-Services-Projekten werden, das heißt die herstellerunabhängige
Wartung, Installation und Inbetriebsetzung von Infrastruktur anbieten. Ferner soll
NSN-VTS die Schnittstelle für das Wartungsmanagement und die Systemintegration der
Telekom werden.
Nokia Siemens Networks will mit der NSN-VTS Marktführer für ausgelagerte
Service-Leistungen in Europa werden. NSN hat nach eigenen Angaben bereits über
160 Verträge für Managed Services und Outsourcing abgeschlossen. Nach Schätzung von
NSN wird der Markt für Infrastrukturdienste bis 2010 jährlich um sechs Prozent auf eine
Milliarde Euro wachsen. Zugleich gab NSN bekannt, dass mehrere europäische
T-Mobile-Landesgesellschaften Infrastruktur im Wert von bis zu 150 Millionen Euro,
zum Beispiel für ein "Intelligent Network", bei NSN ordern werden.
Bis Mitte 2008 sollen zwei Gesellschaften gegründet werden, eine Overhead-Gesellschaft
und eine Operative Gesellschaft. Die Overhead-Gesellschaft soll laut Management bei
Großaufträgen für den reibungslosen Ablauf sorgen und die Aktivitäten der operativen
Gesellschaft im Rahmen dieser Großaufträge nutzen und koordinieren. Die Gründung dieser
zwei Gesellschaften ist kritisch zu beobachten. Es besteht durchaus die Möglichkeit,
dass eine von beiden in eine Entsorgungsgesellschaft umgewandelt wird.
(iw)
InWaChRo-News: Samstag, 27.10.07
NSN-VTS: Widerspruch gegen Betriebsübergang macht keinen Sinn
VTS fällt als bisheriger Arbeitgeber zum 31.12.2007 weg, da VTS komplett zu NSN übergeht.
Mitarbeiter, die dem Betriebsübergang widersprechen, müssen daher mit einer
betriebsbedingten Kündigung rechnen, da der Rest-Betrieb nur noch aus den Widersprüchlern
besteht.
(iw)
InWaChRo-News: Samstag, 27.10.07
NSN-VTS: Beamte
Bei der VTS arbeitende Beamte sind unkündbar und können nur auf freiwilliger Basis durch
Beurlaubung, bzw. freiwillige Zuweisung übergehen. Sie können nach dem Übergang auch
wieder zur Deutschen Telekom zurückkehren.
NSN muss für jeden Beamten, der zur Deutschen Telekom zurückkehrt, 100.000 Euro an die
Deutsche Telekom zahlen.
(iw)
InWaChRo-News: Freitag, 26.10.07
NSN: Kommentar zum Townhall-Meeting
Wie nicht anders zu erwarten, sollte bei dem Townhall-Meeting vom 22.10.2007 mit der
Vorstellung der Geschäftszahlen intern Propaganda gemacht werden. Sobald unsere
NSN-Manager jedoch ihr Manuskript aus der Hand legten, wurde ihr wahres Denken offenbar.
Begeistert äußerte sich Simon Beresford-Wylie über die im Durchschnitt 28jährigen
chinesischen Mitarbeiter. Diese arbeiten nicht nur für wesentlich weniger Geld, sondern
auch noch rund um die Uhr, auch am Wochenende. Die Mitarbeiter hierzulande dagegen, so
Beresford-Wylie, denken nur daran, dass sie am Abend zu ihren Kindern nach Hause gehen
wollen und planen am Wochenende auch noch zum „Football“ zu gehen. „Da steht einem
erstmal der Mund offen, vor so viel entwaffnender Ehrlichkeit des CEO.“ kommentierte ein
Mitarbeiter.
Simon Beresford-Wylie zeigte den anwesenden Mitarbeitern dadurch deutlich, dass sie für
ihn nur Ressourcen sind, er ihre menschlichen Bedürfnisse in keiner Weise wahrnimmt. Denn
viele von uns haben Kinder, die sie lieben, einen Ehepartner und Freunde, mit denen sie
Zeit verbringen möchten. Beresford-Wylie signalisierte durch seine Worte, dass die
Mitarbeiter in seinen Augen nur dann ein Recht darauf haben, in der Firma NSN zu
existieren, wenn sie alles, einschließlich ihrer sozialen Bindungen, ihres
gesellschaftlichen Engagements, sei es sozial, politisch, in Vereinen oder ehrenamtlichen
Tätigkeiten, den Interessen von NSN unterordnen und ihre eigenen gegebenenfalls
zurückstellen oder sogar aufgeben. Mit dieser Forderung greift er tief in die
gesellschaftlichen Strukturen ein und reduziert das Leben der Mitarbeiter und deren
Familien auf NSN.
Arbeit ohne freie Zeit. Es muss möglich sein, Arbeit, Privatleben und gesellschaftliches
Engagement miteinander in Einklang zu bringen. Eine gesunde Mischung daraus ist
Grundvoraussetzung dafür, dass eine Gesellschaft funktionieren kann, die Gesundheit und
Arbeitskraft der Mitarbeiter auf Dauer erhalten bleibt und sie zum Erfolg des
Unternehmens beitragen können. Soziale Bindungen brauchen wir um leben zu können. Sie
sind es, die das Leben erst lebenswert machen.
Auch unsere chinesischen Kollegen arbeiten mit Sicherheit nicht so hart und rund um die
Uhr, weil sie so sehr NSN in den Mittelpunkt stellen wollen, sondern darum weil sie keine
andere Wahl haben, um sich und ihre Familien aus der Armut und dem Elend herauszuholen.
Doch wie lange werden sie diese Arbeitsbelastung und Ausbeutung ihrer Gesundheit und
Arbeitskraft durchhalten können? Zwei bis drei Jahre bis zum Burn-out? Herzinfarkt mit 35?
Was dann? Ein soziales Netz, das sie auffangen könnte, haben sie nicht. Auch die
finanziellen Rücklagen auf die sie dann zurückgreifen müssten werden sie nicht bilden
können. Aber dies scheint unser Management nicht zu interessieren. Es sind ja genug
andere da, die diese Kollegen dann ersetzen können.
Aber wo, Herr Beresford-Wylie, soll die nächste Generation 28jähriger herkommen? Menschen,
die unter solchen Bedingungen arbeiten müssen, haben keine Zeit, kein Geld und auch nicht
die Nerven, um Kinder zu bekommen und diese zu für die Gesellschaft wertvollen Menschen
zu erziehen.
(cr)
InWaChRo-News: Donnerstag, 25.10.07
PSE: Auswirkung der NSN-Krise - Stellenabbau bei PSE
Als Folge der NSN-Umstrukturierung und der schlechten Auftragslage läuft zurzeit auch bei
der PSE in Wien ein Stellenabbau. Es sollen etwa 400 Mitarbeiter abgebaut werden, 300
bei PSE fest angestellte und 100 Leiharbeiter. Ausgangsbasis ist dabei der
Mitarbeiterstand vom 30.6.2007, der Abbau soll bis spätestens 30.9.2008 erreicht werden.
Auch bei der PSE läuft dieser Stellenabbau, für den ein Sozialplan abgeschlossen wurde,
auf freiwilliger Basis. Dabei werden nicht nur Aufhebungsverträge mit Abfindungen
(Sonderabfertigung) angeboten, sondern auch Versetzungen in andere Siemenensbereiche
vorgenommen, Vorruhestandsregelunge, Altersteilzeit usw. angeboten.
Diese Freiwilligkeit gilt allerdings nur für die fest angestellten Mitarbeiter. Etwa 100
Leiharbeitnehmer bekommen keine Vertragsverlängerung mehr. Andererseits werden zur
Verbesserung der Altersstruktur (!) jüngere Leiharbeitnehmer in die PSE fest übernommen.
Auch hieran erkennt man wieder den eindeutigen Trend der Arbeitgeber, sich eine kleine
junge Kernmannschaft zu schaffen, Schwankungen im Geschäft mit Leiharbeitnehmern
auszugleichen.
"Die Stimmung ist irgendwie abwartend und fatalistisch. Man muss befürchten, dass dies
nicht die letzte Abbau-Aktion ist, vor allem weil einerseits ja NSN die ursprünglichen
Auftragsgarantien (3 Jahresvertrag) gerade nachverhandelt, und andererseits noch unklar
ist, wieweit die PSE mit SIS Aufträgen ausgelastet werden kann. Es wird auch versucht,
neue Auftragsmärkte zu finden und eine Ausbildungsoffensive ist auch angedacht.", teilte
uns ein PSE-Mitarbeiter mit.
Der PSE-Betriebsrat vermutet, dass die Zahl 300 bei der PSE ohne weiteres erreicht werden
kann.
(iw)
InWaChRo-News: Mittwoch, 24.10.07
NSN-SCA: Überleitungsvereinbarung zum Betriebsübergang nach IBM
Wir haben die Überleitungsvereinbarung zum Betriebsübergang nach IBM analysiert. Die
Überleitungsvereinbarung stellt im Wesentlichen fest, dass die Bedingungen des §613a BGB
für diesen Übergang gelten. Darüber hinaus enthält sie Regelungen, die einer beE mit
einer Abfindung zu deren Ablauf ähneln. Hier ist das Ergebnis unserer Analyse im Detail:
Zitat: „IBM ist mit seiner Vielzahl unterschiedlicher Geschäftssektoren bestens
positioniert, um seinem Personal langfristige Laufbahnmöglichkeiten zu bieten. IBM kann
zudem bereits auf Erfahrungen in der Überführung und Integration von Mitarbeitern
verweisen.“
Anmerkung: Erfahrungen hat IBM unter anderem mit dem Übergang des ICN-Rechenzentrums im
Jahr 2004, der für die Mitarbeiter nach einem Jahr in der Arbeitslosigkeit endete.
Zitat:
„Es gelten die jeweiligen Tarifverträge der Metall- und Elektroindustrie
gem. § 613a BGB bei IBM weiter.“
Anmerkung: Das heißt die Regelungen des Tarifvertrages werden auf ihrem jetzigen
Stand eingefroren und es gibt daher keine Tariferhöhungen mehr. Nach einem Jahr ist damit
zu rechnen, dass die in den Arbeitsvertrag übergegangenen tariflichen Regelungen
gekündigt werden. Wenn ihr vorher einen neuen Arbeitsvertrag bei IBM unterschreibt, sind
entfallen die tariflichen Regelungen sofort. Das bedeutet beispielsweise auch, dass der
tarifliche Kündigungsschutz dann entfällt.
Zitat: „Die zum Zeitpunkt der Ausgliederung bestehenden Gesamtbetriebsvereinbarungen
und örtlichen Betriebsvereinbarungen gelten bis zu einer eventuellen Neuregelung gemäß
§ 613a BGB rechtlich weiter, soweit nachfolgend nichts anderes vereinbart worden ist.
Dies gilt entsprechend für die Arbeitsordnung.“
Anmerkung: Falsch, die Überleitungsvereinbarung kann das Gesetz nicht aushebeln.
Die Gesamtbetriebsvereinbarungen und örtlichen Betriebsvereinbarungen für ein Jahr
geschützt.
Zitat: „Mitarbeiter, die aufgrund ihrer Firmenzugehörigkeit zum Zeitpunkt des
Übergangs einen besonderen Kündigungsschutz haben, behalten diesen weiterhin im
bisherigen Umfang bei. Im Übrigen gilt die Vereinbarung zum besonderen Kündigungsschutz
(Jubilarregelung) bis zu einer eventuellen Neuregelung bei IBM weiter.“
Anmerkung: Tariflicher und Jubilarschutz sind durch §613a BGB für ein Jahr geschützt. Es
ist davon auszugehen, dass die in den individuellen Arbeitsvertrag übergehenden
tariflichen Regelungen und der Jubilarschutz rechtzeitig gekündigt werden und nach einem
Jahr nicht mehr gelten.
Zitat: „Die Parteien gehen davon aus, dass auch nach dem 30.09.2009 keine
betriebsbedingten Kündigungen erfolgen werden.“
Anmerkung: Dieser Satz steht in Vereinbarungen immer dann, wenn ab diesem Zeitpunkt
Personalabbau geplant ist.
Zitat: „Sollte es dennoch nach dem 30.09.2009 zu betriebsbedingten Kündigungen
kommen, erhalten Mitarbeiter, die dann ausscheiden, ohne gleichzeitig Altersbezüge zu
erhalten (auch bei möglicher vorzeitiger Inanspruchnahme der Altersrente), eine Abfindung
auf Basis des zum Zeitpunkt des Ausspruchs der Kündigung aktuellen Bruttomonatseinkommens
nach der am jeweiligen Standort bestehenden, letztgültigen NSN Sozialplanregelung.
Es gilt folgende Regelung, sofern nichts Abweichendes zwischen IBM und dem Betriebsrat
vereinbart wird:
- Bei einem Ausscheiden nach dem 30.09.2009 bis zum 30.09.2010: 100%
- Bei einem Ausscheiden nach dem 30.09.2010 bis einschließlich 30.09.2011: 75%
der Abfindungssumme gemäß der am jeweiligen Standort geltenden NSN-Regelung.“
Anmerkung: Dieser Absatz weißt darauf hin, dass ab 30.9.2009 die IBM Network
Services & Solutions GmbH aufgelöst werden könnte. Die vereinbarte Abfindungsstaffelung
könnte suggerieren, dass die Firma über 2010 hinaus bestehen soll. Eine Auflösung
zwischen 30.9.2009 und 30.9.2010 erscheint uns jedoch am wahrscheinlichsten, da die neue
Firma kein Geschäftsmodell hat.
Insgesamt erinnert dieses Konstrukt an eine beE ohne freiwilligen Eintritt mit Ablauf zum
30.9.2009 und entsprechender Abfindung sowie 100% Gehalt. Die Überleitungsvereinbarung
bietet also die gleichen Konditionen, wie wenn man NSN als beE nutzen würde. Der
Unterschied ist: die Gehälter und damit auch die Abfindung bei Ausscheiden sowie das
Arbeitslosengeld können gedrückt werden. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass man
den 1.10.2009 mit einem ungekündigten Job erlebt bei der IBM Network Services & Solutions
GmbH wesentlich geringer als bei der Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG.
Zitat: „Voraussetzung ist, dass unmittelbar nach dem Ausscheiden bei IBM keine
Tätigkeit bei NSN oder einem mit NSN oder IBM verbundenen Unternehmen oder bei einer
deren Mütter aufgenommen wird. Wird innerhalb von drei Jahren nach dem Ausscheiden eine
Beschäftigung bei IBM, NSN oder einem mit diesen jeweils verbundenen Unternehmen oder
einer deren Mütter aufgenommen, besteht eine Rückzahlungsverpflichtung für den zu
3 Jahren fehlenden Zeitraum in Höhe von 1/36 der Abfindungssumme je Monat.“
Anmerkung: Putzig! Also man darf inzwischen nicht mehr bei NSN, Siemens, Nokia,
IBM, FSC, SIS und sämtliche Beteiligungsunternehmen (egal, wie viele Anteile diese
Unternehmen daran besitzen) arbeiten, ohne die Abfindung zu verlieren. Das geht rechtlich
auf keinen Fall mehr durch. Der Mitarbeiter kann ja wohl kaum verpflichtet werden, einen
Detektiv anzuheuern, der für ihn herausfindet, ob eine dieser merkwürdigen Firmen
irgendwie an seinem neuen Arbeitgeber beteiligt ist. Gibt es überhaupt noch eine Firma,
die als zukünftiger Arbeitgeber infrage kommt?
Zitat: „IBM wird sich nicht auf §112a Abs. 2 Satz 1 BetrVG berufen und diesen
nicht anwenden.“
Anmerkung: Der Sozialplan bleibt auf alle Fälle erzwingbar, schlechtere
Bedingungen als die oben angegebenen Abfindungsregelungen können in einem solchen
Sozialplan nicht vereinbart werden. Wir bezweifeln, dass sich IBM einem Sozialplan unter
Berufung auf §112a Abs. 2 Satz 1 BetrVG entziehen kann, da IBM schon sehr lange in
Deutschland tätig ist. Auch dieser Passus ist ein Hinweis darauf, dass bereits jetzt ein
Personalabbau oder eine Betriebsschließung geplant sein könnte.
Zitat: „Mitarbeiter, deren Arbeitsverhältnis zu IBM übergegangen ist und die sich
(ohne dass für den Wechsel personen- oder verhaltensbedingte Gründe vorliegen) innerhalb
von drei Jahren bei NSN bewerben, werden internen NSN Bewerbern gleichgestellt.“
Anmerkung: Dieser Passus ist sehr seltsam. Warum bezieht man sich auf personen-
und verhaltensbedingte Gründe? Einen solchen Passus benutzt man nur dann, wenn man
erwartet, dass viele personen- oder verhaltensbedingte Kündigungen ausgesprochen werden.
Sollen gezielt verhaltensbedingte Gründe für Kündigungen gesucht werden? Mobbing?
(iw/cr)
InWaChRo-News: Dienstag, 23.10.07
NSN-SCA: Unterrichtungsschreiben für den Betriebsübergang
Wir haben den Entwurf des Unterrichtungsschreibens für den Betriebsübergang analysiert.
Die Analyse der Überleitungsvereinbarung folgt morgen. Es gibt nicht wirklich etwas Neues.
Folgende Anmerkungen für euch:
Zitat: „Der IBM Konzern ist mit seiner Vielzahl unterschiedlicher Geschäftssektoren
bestens positioniert, um seinem Personal langfristige Laufbahnmöglichkeiten zu bieten.
Die IBM in Deutschland kann zudem bereits auf erfolgreiche Erfahrungen in der Überführung
und Integration von Mitarbeitern verweisen.“
Anmerkung: Erfahrungen hat IBM unter anderem mit dem
Übergang des ICN-Rechenzentrums im
Jahr 2004, der für die Mitarbeiter nach einem Jahr in der Arbeitslosigkeit endete.
Zitat: „Die IBM Network Services & Solutions GmbH, Nahmitzer Damm 12 in 12277 Berlin, ist
ein am 17.10.2007 neu gegründetes Unternehmen der IBM in Deutschland.“
Anmerkung: Neu gegründet bedeutet, dass die Mitarbeiter nicht in die IBM Deutschland GmbH
integriert werden mit allen sich daraus ergebenden
Nachteilen.
Insbesondere verlieren Mitarbeiter ihre Betriebszugehörigkeiten und ihren Jubilarsschutz,
wenn sie in ein anderes IBM Konzernunternehmen wechseln. Dies ist einer der Knackpunkte.
Zitat: „Es wird in den Konzernverbund durch einen am gleichen Tag abgeschlossenen
Beherrschungs- und Ergebnisabführungsvertrag eingegliedert. Sämtliche Geschäftsanteile
werden von der IBM Deutschland GmbH gehalten.“
Anmerkung: Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag (§291 ff. AktG) verpflichtet die
IBM Network Services & Solutions GmbH, ihren gesamten Gewinn an die IBM Deutschland GmbH
abzuführen. Außerdem ist die IBM Deutschland GmbH berechtigt, der IBM Network Services &
Solutions GmbH Weisungen (§308 AktG) zu erteilen, die auch deren Interessen entgegen
stehen können, jedoch für den IBM-Konzern vorteilhaft sind. Im Gegenzug muss die IBM
Deutschland GmbH eventuelle Verluste der IBM Network Services & Solutions GmbH
ausgleichen. Die Insolvenz der IBM Network Services & Solutions GmbH ist während der
Laufzeit des Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages ausgeschlossen.
Zitat: „Das Unternehmen wird zunächst die übergehenden Nokia Siemens Networks
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Arbeitnehmer haben und sich zunächst
schwerpunktmäßig auf die Partnerschaft mit Nokia Siemens Networks ausrichten. Daneben
ist beabsichtigt, das Wissen und die Erfahrung der übergehenden Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter in zunehmendem Maße für andere Kunden und Kundenprojekte zu nutzen und
einzusetzen und damit ein erfolgreiches Geschäftsmodell aufzubauen.“
Anmerkung: Die Mitarbeiter werden an andere Firmen / IBM-Konzernunternehmen ausgeliehen,
bleiben aber in der IBM Network Services & Solutions GmbH bis diese geschlossen wird.
Achtung: Das Geschäftsmodell existiert noch nicht, sonst müsste man es ja nicht erst
aufbauen. Wie kann man ein Unternehmen gründen, das Bestand hat, ohne ein
Geschäftsmodell
zu haben? Kein Businessplan kann ohne Geschäftsmodell aufgestellt werden. Damit wäre
dieses Unternehmen auch nicht kreditwürdig.
Zitat: „Ihr Arbeitsverhältnis wird anlässlich des Betriebsübergangs – sofern nicht in der
auf Wunsch Ihres örtlichen Betriebsrats mit dem Gesamtbetriebsrat verhandelten
Überleitungsvereinbarung andere Regelungen getroffen sind – unverändert mit der IBM
Network Services & Solutions GmbH fortgeführt.“
Anmerkung: Da es sich um einen Betriebsübergang nach §613a BGB handelt, dann geht das
Arbeitsverhältnis unverändert über. Die Regelungen in einer Überleitungsvereinbarung
können das Gesetz nicht außer Kraft setzen. Einzige Möglichkeit: Für den Mitarbeiter
günstigere Regelungen können vereinbart werden (Günstigkeitsprinzip). Günstigere
Regelungen haben wir dort aber keine gefunden.
Zitat: „Die Höhe des bisher tariflich abgesicherten Jahreseinkommens bleibt unverändert,
unbeschadet einer anderen Zusammensetzung. Die zurzeit gültigen Tarifverträge finden auch
gemäß § 613 a BGB in der IBM Network Services & Solutions GmbH als einzelvertragliche
Regelungen Anwendung. Die IBM Network Services & Solutions ist nicht tarifgebunden.“
Anmerkung: Das heißt die Regelungen des Tarifvertrages werden auf ihrem jetzigen Stand
eingefroren und es gibt daher keine Tariferhöhungen mehr. Nach einem Jahr ist damit zu
rechnen, dass die in den Arbeitsvertrag übergegangenen tariflichen Regelungen gekündigt
werden. Wenn ihr vorher einen neuen Arbeitsvertrag bei IBM unterschreibt, sind entfallen
die tariflichen Regelungen sofort. Das bedeutet beispielsweise auch, dass der tarifliche
Kündigungsschutz dann entfällt.
Zitat: „Die bestehenden Gesamtbetriebsvereinbarungen und örtlichen Betriebsvereinbarungen
gelten gemäß § 613a BGB bis zu einer eventuellen Neuregelung weiter, sofern in der
Überleitungsvereinbarung nichts Abweichendes geregelt ist.“
Anmerkung: Die Regelungen einer Überleitungsvereinbarung können das Gesetz nicht außer
Kraft setzen.
Zitat: „Eine Kündigung wegen des Betriebsübergangs ist gesetzlich gemäß § 613a Abs. 4 BGB
ausgeschlossen. Das Recht zur Kündigung aus anderen Gründen bleibt unberührt." Sie werden auch weiterhin durch Ihren bisherigen Betriebsrat betreut. Dies gilt solange,
bis ggf. ein neues Betriebsratsgremium für Ihre Betriebsratseinheit gewählt wurde,
längstens jedoch für die Dauer von sechs Monaten ab dem Zeitpunkt des Betriebsübergangs.“
Anmerkung: Gesetz (Kontinuität des Betriebsrates); Betriebsrat muss umgehend einen
Wahlvorstand einsetzen (§21a BetrVG). Wenn dieser Wahlvorstand nicht eingesetzt wird und
kein Betriebsrat gewählt wird, gehen auch die (Gesamt-) Betriebsvereinbarungen in den
individuellen Arbeitsvertrag über. Bei Unterschrift unter einen neuen Arbeitsvertrag
gehen dann auch diese verloren, z.B. auch der Jubilarschutz.
Zitat: „Wir möchten Sie jedoch bitten, von diesem Recht nur nach sorgfältiger Abwägung
Gebrauch zu machen, denn Ihr Widerspruch sichert Ihnen keinen Arbeitsplatz innerhalb der
Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG, da die entsprechenden Geschäftsaktivitäten gänzlich
auf die IBM Network Services & Solutions GmbH übertragen werden und damit diese
Arbeitsplätze innerhalb der Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG entfallen.“
Anmerkung: Der Kündigungsschutz bis 9.2009 hält. Die Mitarbeiter, die
widersprechen,
müssen vertragsgemäß beschäftigt werden, da sie nicht gekündigt werden können.
Zitat: „Bei Nokia Siemens Networks kommt dann der Ihnen bekannte derzeit geltende
Interessenausgleich vom 12.07.2007 mit der jeweils geltenden örtlichen Sozialplanregelung
zur Anwendung. Unbeschadet vom Betriebsübergang oder Widerspruch gilt in beiden Fällen
für Sie weiterhin der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis einschließlich
30.09.2009.“
Anmerkung: Man kann diese Angebote freiwillig annehmen, wenn man will. „Zur Anwendung“
kommt der IA/SP jedoch nicht automatisch. Das heißt, NSN kann keinen Mitarbeiter nach
einem Widerspruch zur Annahme eines beE- oder Aufhebungsvertrages zwingen.
(cr/iw)
InWaChRo-News: Samstag, 20.10.07
Jeder trägt gesellschaftliche Verantwortung
An uns wurde die Bitte herangetragen, uns auch einmal des Themas Consultants und
Leiharbeitnehmer anzunehmen. Consultants und Leiharbeitnehmer sind wie die
Festangestellten auch abhängig Beschäftigte und damit auch auf ihr Gehalt angewiesen. In
der Regel befinden sie sich in einer arbeitsrechtlich schlechteren Position.
Leiharbeitnehmer sind teilweise schon seit Jahren fest bei Siemens / NSN beschäftigt. Bei
Personalabbau werden festangestellte Mitarbeiter abgebaut, aber weitere Leiharbeitnehmer
eingestellt. Die Mitarbeiter fürchten von Leiharbeitnehmern verdrängt zu werden.
Warum macht der Arbeitgeber das?
Ziel der Arbeitgeber (nicht nur von Siemens / NSN) ist es, die Anzahl der Consultants und
Leiharbeitnehmer mittelfristig zu erhöhen und nur eine kleine Kernmannschaft aus
festangestellten Arbeitnehmern zu behalten. Dies ist einer der Gründe, warum Arbeitgeber
ständig Stellenabbau betreiben.
Viele Arbeitnehmer, die in Beschäftigungsgesellschaften entsorgt werden, kehren später
mangels anderer Alternativen als Consultants oder Leiharbeitnehmer zurück.
Der große Vorteil für die Unternehmen ist, dass sie diese Mitarbeiter kurzfristig
einstellen und ebenso schnell wieder an die Leiharbeitsfirma zurückgeben können. Ein
weiterer Vorteil ist, dass die Firmen das Know How der älteren Mitarbeiter nutzen können,
ohne beispielsweise das Krankheitsrisiko zu tragen. Insbesondere dann, wenn der
Mitarbeiter nicht über die erforderliche Leistungsfähigkeit oder das Know How verfügt,
krank wird oder weil das Projekt, an dem er arbeitet, ausläuft, kann er sofort
zurückgeschickt werden. Darüber hinaus entstehen den Firmen keine Restrukturierungskosten
(Abfindungen, …) und die Rechtsposition der Leiharbeitnehmer ist im Entleiherbetrieb
geschwächt.
Sämtliche Risiken liegen bei der Verleihfirma, die diese dann wiederum durch
entsprechende Arbeitsverträge auf den Leiharbeitnehmer abwälzt. Die Leiharbeitnehmer
kosten zwar auf den ersten Blick die Unternehmen etwas mehr, aber insgesamt rechnet sich
dieses Modell durch die gebotene Flexibilität für den Arbeitgeber. Auf diese Weise werden
immer größere Teile der Belegschaften in Leiharbeitnehmer umgewandelt.
Wie könnte man diese Entwicklung verhindern oder zumindest verlangsamen?
Die Mitarbeiter, die eine feste Stelle haben und deren Firma nicht vor der Insolvenz
steht, dürften nicht freiwillig mit ungewissen Zukunftschancen in die beE gehen. Wir
wissen, dass viele aus der beE letztlich in Zeitarbeit mit einem niedrigeren Gehalt und
längeren Arbeitszeiten wechseln. Damit drücken sie mittelfristig den Standard der
Arbeitsbedingungen der Festangestellten. Dieser Druck wächst, je mehr Menschen über eine
Beschäftigungsgesellschaft in Leiharbeitnehmer umgewandelt werden.
Durch die vielen individuellen Entscheidungen in die beE zu gehen, entsteht über
Deutschland gesehen ein kollektives Handeln der Arbeitnehmerschaft. Dieses steuert der
Arbeitgeberverband durch permanenten Stellenabbau und über die Einrichtung von
Beschäftigungsgesellschaften, die es inzwischen wie Sand am Meer gibt. Weiterhin übt er
seinen Einfluss auf Politik und Presse aus, um den Wandel in der Arbeitswelt in den
Köpfen zu verankern. Sobald dies erreicht ist, sind die Ziele des Arbeitgebers relativ
leicht politisch durchzusetzen. Dazu hat er seine Lobbyisten und dazu sitzt der
Arbeitgeber in allen möglichen Ausschüssen der Politik (z.B. Hartz, von Pierer …). Dazu
nutzt er auch seinen Zusammenschluss im Arbeitgeberverband und die Vernetzung über die
Aufsichtsräte.
Wir versuchen dieser Steuerung und diesem Wandel in der Arbeitswelt durch Aufklärung über
die Arbeitnehmerrechte und die speziellen Umstände z.B. bei NSN, entgegen zu wirken.
Letztlich jedoch stimmen die Arbeitnehmer mit ihren Füßen ab: Gehen oder Bleiben.
"Gehen oder Bleiben?" entscheidet auch langfristig über die Zukunft des Arbeitnehmerstatus
in Deutschland und damit auch über die Strukturen unserer Gesellschaft. Entscheiden sich
die Mitarbeiter zu gehen, ohne einen neuen Job als Festangestellte in Aussicht zu haben,
fördern sie dieses System des Arbeitgebers, wenn sie dann gezwungen sind ein
Leiharbeitsverhältnis einzugehen, um ihren Lebensunterhalt sicherzustellen. Damit
beschleunigen sie die Entwicklung hin zu einem Land der Leiharbeitnehmer. Setzt sich
Leiharbeit im Ausmaß, wie es der Arbeitgeber will, durch, dann werden die
meisten - einschließlich unserer Kinder und insbesondere die Älteren - zu Wanderarbeitern
ohne soziale Bindungen und mit geringer sozialer Absicherung. Schwächere oder Kranke
haben in einem solchen System keine Chance mehr.
Die Lösung liegt also nicht darin, auf ein Wunder zu hoffen. Es wird keinen "deus ex
machina" geben, der als Gottheit wie in einer antiken Tragödie an einer kranähnlichen
Hebemaschine über uns schwebt und überraschend zu unseren Gunsten eingreift.
Die Lösung wäre: Kein Arbeitnehmer darf sich aus der Verantwortung stehlen, sondern muss
sich mit diesen gesellschaftlichen Problemen auseinandersetzen, seine Rechte konsequent
wahrnehmen und nicht aus Angst schweigen, sondern die Interessen der Arbeitnehmer in die
Öffentlichkeit bringen, so wie wir das tun. Nur dann bleiben die Rechte und die
Möglichkeiten, die eigenen Interessen durchzusetzen, erhalten. Immerhin schauen
inzwischen auch Abgeordnete des deutschen Bundestages und Universitäten, die sich mit
sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen befassen, regelmäßig auf unsere Homepage.
Wer schweigt, dessen Interessen werden nicht gehört und damit nicht berücksichtigt.
(iw/cr)
InWaChRo-News: Freitag, 19.10.07
NSN: Stagnierender Personalabbau beeinflusst Turnaround nicht
Wie die von Nokia vorgelegten Geschäftszahlen zeigen, hat Nokia Siemens Networks den
Turaround geschafft. Dieser Turnaround wurde erreicht, obwohl der Personalabbau in
Deutschland bisher nicht entscheidend greift und die Mitarbeitermotivation einen
Tiefststand aufweist.
Das Erreichen des Turnarounds bei stagnierendem Stellenabbau beweist, dass der
Personalabbau bei der Erhöhung der Gewinnmarge keine entscheidende Rolle spielt.
Im Gegenteil, ohne Restrukturierungskosten hätte NSN nur 34 Mio. Euro Verlust geschrieben.
Hätte das Management den stagnierenden Stellenabbau abgebrochen und stattdessen in die
Mitarbeitermotivation investiert, dann hätte auch der Verlust von 34 Mio. Euro spielend
ausgeglichen werden können.
Selbst wenn man nur die Interessen des Arbeitgebers betrachtet, NSN zum Turnaround und
zur Gewinnsteigerung zu verhelfen, besteht aufgrund der vorliegenden Fakten keine
Notwendigkeit mehr, dass Mitarbeiter die Firma verlassen.
Für die Mitarbeiter selbst besteht jetzt erst recht keine Notwendigkeit mehr zu gehen, es
sei denn, sie haben eine bessere Alternative. Die Argumentation aus dem Management, „Sie
müssen das doch verstehen, wir benötigen den Personalabbau, damit NSN überleben kann“ hat
NSN durch die Q3-Quartalszahlen selbst ad absurdum geführt. Entscheidend sind die
Markteinflüsse und das aktive Akquirieren von Aufträgen, sowie die qualitativ hochwertige
und termingerechte Ausführung dieser Aufträge. Darauf sollte sich das Management
konzentrieren.
(iw/cr)
InWaChRo-News: Freitag, 19.10.07
NSN: Turnaround erreicht
Nokia hat gestern die Geschäftszahlen
des 3.Quartals bekanntgegeben.
Daraus geht hervor, dass Nokia Siemens Networks einen Verlust von 120 Mio. Euro
verzeichnete.
In diesem Verlust sind 86 Mio. Euro Restrukurierungskosten und 144 Mio. Euro
Abschreibungen auf immaterielle Wirtschaftsgüter (wie Patente…) und Abrechnungsposten,
die mit Wertschwankungen von Einkaufspreisen zusammenhängen.
Der bereinigte Gewinn im rein operativen Geschäft beträgt damit 110 Mio. Euro. Die
Gewinnmarge liegt bei 3.0 Prozent vom Nettoumsatz. Das rein operative Geschäft erbrachte
im zweiten Quartal noch einen Verlust von 89 Mio. Euro. Die Marge lag im zweiten Quartal
noch bei minus 2.6 Prozent vom Nettoumsatz. NSN konnte den Gewinn also um 199 Mio. Euro
steigern. Dies bedeutet nach Angabe von NSN, dass wir einen signifikanten Turnaround im
dritten Quartal erreicht haben.
(cr/iw)
InWaChRo-News: Mittwoch, 17.10.07
NSN-SCA: IBM Folge-Outsourcing zu AT&T?
IBM hat mit AT&T vereinbart, dass die Kommunikations- und Netz-Management-Dienste der
Dienstleistungssparte IBM Global Services zu AT&T übergehen sollen. Es sieht so aus, als
ob die übergehenden SCA-Mitarbeiter schon weiterverkauft wären.
Laut IBM-Sprecher Fred McNeese handelt es sich um eine strategische Entscheidung: "Wir
kamen zu der Überzeugung, dass das Netz-Management am besten einem Partner übertragen
werden sollte und wir stehen in einer engen Arbeitsbeziehung mit AT&T." Nähere Details
zu den ausgelagerten Services wurden nicht genannt.
AT&T geht davon aus, dass die Vereinbarung mit IBM in den kommenden fünf Jahren bis zu
eine Milliarde Dollar mehr Umsatz in die Kassen spülen könnte.
(cr)
InWaChRo-News: Mittwoch, 17.10.07
NSN: Kauft NSN die Telekom Beschäftigungsgesellschaft VTS?
NSN kauft nach Angaben aus Branchenkreisen die Vivento Technical Services (VTS). In der
nächsten Woche solle die Transaktion abschließend vereinbart werden. Weitere Details sind
derzeit nicht bekannt. Weder Nokia Oy noch die Siemens AG wollten diese Angaben
kommentieren.
VTS ist Teil der Telekom-Beschäftigungsgesellschaft Vivento. VTS errichtet und wartet
Fest- und Mobilfunknetze vor allem für die Telekom selbst. Weitere Kunden von VTS sind O2
und der Kölner DSL-Anbieter NetCologne.
Durch diesen Deal sollen rund 2.000 Mitarbeiter zum 1.1.2008 in eine 100-prozentige
Tochtergesellschaft von Nokia Siemens Networks überführt werden. Diese Mitarbeiter sind
bereits jetzt nur noch zu 30 Prozent ausgelastet.
Die geplanten Restrukturierungskosten in Höhe von 280 Millionen Euro weisen darauf hin,
dass in der NSN-VTS GmbH ein erheblicher Personalabbau stattfinden wird, insbesondere da
die VTS nach Angaben der Deutschen Telekom hoch defizitär ist. Die Verluste würden sich
bis 2010 auf ca. 480 Millionen Euro belaufen. Die Telekom verpflichtet sich zur Zahlung
eines Verlust- und Restrukturierungsausgleichs in mehren Teilbeträgen. Im Gegenzug
verpflichtet sich die Deutsche Telekom zur Vergabe von Aufträgen in Höhe von
280 Millionen Euro an Nokia Siemens Networks über einen Zeitraum von fünf Jahren.
Warum übernimmt der NSN-Konzern, der sich gerade selbst sanieren will und mitten im
Integrationswirrwarr steckt, einen hoch defizitären Bereich, der nur zu 30 Prozent
ausgelastet ist? Warum übernimmt der NSN-Konzern dabei 2.000 weitere Mitarbeiter, obwohl
er gerade in Deutschland 2.290 Mitarbeiter mit ähnlichen Profilen abbauen will?
Eigentlich lässt diese Übernahme, die gegen jegliche Vernunft verstößt, offensichtlich
nur einen Schluss zu: Die Deutsche Telekom dürfte angekündigt haben, dass sie zur
Konkurrenz wechselt, wenn NSN die VTS nicht übernimmt.
(iw/cr)
InWaChRo-News: Mittwoch, 17.10.07
SIS - Betriebsrat der SIS Region Südbayern begrüßt Lösung der ETV-Eingruppierungsverfahren
Mit E-Mail vom 16.10.2007 werden die betroffenen Mitarbeiter von SIS vom
Betriebsrat der SIS Region Südbayern darüber informiert, daß er den "Vorschlag für eine
abschließende Lösung der ETV - Eingruppierungsverfahren" begrüßt.
Dabei stört sich der Betriebsrat nicht daran, daß in Zeiten steigender
Lebenshaltungskosten eine Einkommenseinbuße von bis 12,5% für den Einzelnen einen mehr
als herben Einschnitt bedeutet.
Er stört sich daran, daß es Passagen gibt, die zuviel Spielraum für Interpretationen
lassen. Es ist löblich, daß man hier aufmerksam und vorsichtig geworden ist.
Trotzdem sollte sich der Betriebsrat auch diese Argumentation vor Augen halten:
Die bisher duchgeführten Einsparungsmaßnahmen habe bereits ausreichend Erfolg gezeigt, so
daß sich SIS erholt hat.
Momentan werden Einkommensdifferenzen über Ausgleichzahlungen ausgeglichen, so daß es
dadurch keinen finanziellen Vorteil für die Firma gibt.
Das heißt, die aktuellen guten Ergebnisse sind völlig unabhängig von weiteren
Einkommenseinbußen bei den Mitarbeitern.
Es besteht also keine Notwendigkeit, weiteren Einkommensverlusten, egal in welcher Höhe,
zuzustimmen.
Stellt der Betriebsrat sich auf diese Weise auf die Seite der Betriebsleitung, so muß er
sich auch bewußt sein, daß die "abschließende Lösung der ETV - Eingruppierungsverfahren"
weder logisch, noch gerecht ist und weder die Moral der Mitarbeiter bessern noch auf ihre
Akzeptanz stoßen wird.
Möglicherweise werden die Mitarbeiter ihren Unmut über solche Lösungen auch bei der
nächsten Betriebratswahl manifestieren.
(hz)
InWaChRo-News: Dienstag, 16.10.07
NSN-SCA: „Von da an ging’s rapide bergab“
Ein Interview mit Mitarbeitern des ehemaligen ICN-Rechenzentrums
Mitarbeiter des ICN-Rechenzentrums, die 2004 per „Betriebsübergang“ von Siemens zu IBM
entsorgt wurden, nahmen zu uns Kontakt auf, um den SCA-Kollegen zu helfen, die jetzt vor
der Entscheidung „IBM oder nicht IBM“ stehen. Wir geben hier das Interview mit diesen
Kollegen wieder.
Wir fragten:
Wie viele Mitarbeiter haben damals dem Betriebsübergang zu IBM
widersprochen?
Antwort:
Die Mehrzahl der Mitarbeiter ist übergegangen in der Hoffnung, bei IBM
eine Zukunft zu haben. Ungefähr ein Viertel haben dem Betriebsübergang widersprochen,
was im Nachhinein absolut richtig war. Empfehlen kann ich nur allen betroffenen Kollegen
einem Betriebsübergang zu widersprechen. Die Skills, die hier übergehen sollen, gibt es
in der IBM nicht und werden auch nicht benötigt.
Kommentar von uns:
Dies bestätigen auch die SCA-Mitarbeiter: „Wir finden unsere
Arbeitsaufgabe definitiv nicht wieder bei IBM.“ und „Dieses Produkt, das jetzt in den
Maintenance Mode kommen soll, das kenne ich gar nicht. Diese Aufgabe habe ich erst kurz
vorher übernommen. Da bin ich noch nicht mal angelernt und heute sollen das meine skills
sein. Das fand ich lächerlich. Die Chefs unseres Produktes gehen nicht zu IBM mit. Also
die Wissensträger sind verschwunden.“
Wir fragten:
Hat IBM euch neue Arbeitsverträge vorgelegt?
Antwort:
Der Betriebsübergang nach §613a wurde uns damals nur vorgegaukelt. Wir
haben alle, in Unwissenheit, bei der IBM neue Arbeitsverträge unterschrieben und damit
den §613a (Besitzstandswahrung) ausgehebelt. IBM ist davon ausgegangen, dass wir von
Siemens ordentlich über das Thema informiert wurden, was auch deren Pflicht gewesen wäre.
Hat Siemens aber nicht gemacht.
Wir fragten:
Wie sahen die neuen Arbeitsverträge aus?
Antwort:
Die neuen Arbeitsverträge sahen auf den ersten Blick besser aus, als die
von Siemens. Wir haben das auch von Anwälten prüfen lassen und diese haben das auch
bestätigt. Im Nachhinein mussten wir feststellen, dass das Thema Gehaltsberechung bei der
IBM anders aufgesetzt ist.
Wir fragten:
Ward ihr aufgrund der Darstellung des Siemens- und IBM-Management
davon überzeugt, dass ihr bei IBM eine Zukunft habt?
Antwort:
So wie uns das Siemens Management den Deal verkauft hat, hätte uns das
Paradies auf Erden erwartet. Aber wie wir später festgestellt haben, hat die
Betriebleitung von Siemens uns das Blaue vom Himmel heruntergelogen und uns unter
Vorspiegelung falscher Tatsachen in eine böse Falle gelockt. Schon vor Ablauf eines
Jahres wurde allen Mitarbeitern ein Aufhebungsvertrag im Rahmen einer Betriebschließung
angeboten, Wer dieses Angebot nicht annahm, wurde gnadenlos betriebsbedingt gekündigt.
Wir stehen jetzt auf der Straße.
Wir fragten:
Wann ist euch das erste Mal klar geworden, dass es bei IBM nicht so
läuft, wie ihr dachtet?
Antwort:
Das war circa 8 bis 9 Monate nach dem Betriebsübergang. Hier wurde zum
ersten Mal bekannt, dass der Betrieb geschlossen werden sollte. Von da an ging’s rapide
bergab!
Wir fragten:
Kam das IBM Management auf euch zu (beispielsweise mit einem blauen
Brief: „Ihr Arbeitsplatz entfällt“) oder wie sonst habt ihr erfahren, dass eure Jobs
wegfallen. Wurde dabei mit betriebsbedingter Kündigung gedroht, wenn ihr den
Aufhebungsvertrag nicht unterschreibt?
Antwort:
Bekanntgegeben wurde es auf einer Betriebsversammlung, anschließend wurde
mit jedem einzelnen Mitarbeiter ein Gespräch geführt bezüglich eines Aufhebungsvertrages.
Wer nicht unterschrieb wurde gekündigt.
Wir fragten:
Bemühte sich IBM, euch auf Arbeitsplätze bei IBM zu vermitteln? Wenn
ja, wie sah dieses Bemühen konkret aus?
Antwort:
Nein, es gab keinerlei Bemühungen für die Mitarbeiter andere Arbeitplätze
zu finden. Selbst diejenigen, die durch eine Entsendung oder Ausleihe einen „sicheren“
Arbeitplatz hatten, wurden allein auf Grund der Betriebszugehörigkeit „IBM BS Süd“
gekündigt.
Wir fragten:
Wie sah das Arbeitsplatzangebot bei IBM aus?
Antwort:
Es hätte bestimmt einige Arbeitplätze innerhalb der IBM gegeben, aber
nicht für die Mitarbeiter der IBM BS Süd. Die waren alle gesperrt für Versetzungen.
Keine Chance, auch bei bester Qualifikation nicht.
Wir fragten:
Wie viele von euch haben neue Aufgaben bei IBM gefunden? Woran lag
das (Qualifikation, Alter, Engagement, Beziehungen oder einfach nur Glück)
Antwort:
Gefunden haben eigentlich alle etwas, die es wollten. Das hat nur keinem
etwas genützt, da die „home location“ immer IBM BS Süd blieb und dieser Betrieb
geschlossen wurde, egal wo die Kollegen in Einsatz waren.
Wir fragten:
Wurdet ihr unter Druck gesetzt?
Antwort:
Nein. unter Druck gesetzt kann ich nicht sagen. Es wurden hier im Rahmen
der Betriebschließung durchaus sehr faire und offene Gespräche geführt, allerdings durch
neu eingeflogene Führungskräfte, die keine persönliche Beziehung zu den Mitarbeitern
hatten. Einen Verhandlungsspielraum gab es allerdings nicht. Entweder das Angebot
unterschreiben, oder es kam die Kündigung.
Wir fragten:
Wurden alle die, die keinen Job hatten, zur gleichen Zeit gekündigt
oder nacheinander?
Antwort:
Es wurde allen, auch denen die eigentlich durch Entsendung oder Ausleihe
einen „sicheren“ Arbeitplatz gehabt hätten, im ersten Schritt ein Aufhebungsvertrag
angeboten. Wer nicht unterschrieb, wurde betriebsbedingt gekündigt. Die Kündigungen
wurden innerhalb von circa einer Woche persönlich von jeweils zwei IBM Managern
zugestellt. Wir sind heute alle arbeitslos.
(iw/cr)
InWaChRo-News: Montag, 15.10.07
NSN-SCA / NSN-RA: Blockiert NSN die beE?
Wie wir erfahren haben, versucht NSN offensichtlich den Mitarbeitern, die zu IBM wechseln
sollen, den Weg in die beE zu versperren, indem die Vertragsunterzeichnung durch NSN
hinausgezögert wird. Man will wohl abwarten, ob diese Mitarbeiter nicht doch bewegt
werden können, zu IBM zu wechseln. Der Grund für dieses Verhalten könnte sein, dass jeder
beE-Mitarbeiter NSN weiter Geld kostet, ein Mitarbeiter bei IBM würde NSN jedoch nichts
mehr kosten. Gleiches dürfte auch für die Mitarbeiter gelten, die zu Wipro wechseln
sollen.
Eine Sperre der beE für Mitarbeiter würde gegen den IA/SP verstoßen. Hier dürfen keine
Mitarbeiter ausgenommen werden, die von Outsourcing-Maßnahmen betroffen sind.
Wichtig, liebe Kolleginnen und Kollegen ist: Ihr müsst, wenn ein Betriebsübergang wie zu
IBM oder Wipro ansteht, nichts unterschreiben. Wenn ihr nichts tut, geht euer
Arbeitsverhältnis automatisch in die neue Firma über. Sollte euch der Arbeitgeber etwas
zur Unterschrift vorlegen, müsst ihr aufpassen, dass ihr nicht eine Verzichtserklärung
(z.B. auf das Recht dem Betriebsübergang zu widersprechen) oder einen neuen
Arbeitsvertrag unterschreibt. Ein gesundes Misstrauen ist hier angebracht. Der
Arbeitgeber hat keinen Grund, euch Dokumente zu Unterschrift vorzulegen. Eine Formsache
ist es dann sicherlich nicht.
Wenn ihr im Zweifel seid, schickt und die Dokumente, die ihr unterschreiben sollt.
(iw)
InWaChRo-News: Montag, 15.10.07
NSN: Schon wieder Blaue Briefe
Unser Management, offensichtlich nicht gerade mit Fantasie gesegnet, wärmt erneut die
blauen Briefe auf.
In den nächsten Tagen, wir tippen mal auf Mittwoch, werden erneut blaue Briefe verteilt.
Diesmal sollen sie von der direkten Führungskraft übergeben werden. Um den Mitarbeiter zu
beeindrucken, sollen diese Briefe diesmal die persönliche Unterschrift der Führungskraft
tragen.
Wie der Betriebsrat Mch M auf seiner Homepage berichtet, wurde ihm der Textentwurf zur
Kenntnisnahme vorgelegt. Der Text enthalte keine direkten Aufforderungen an die
Mitarbeiter, Gespräche wahrzunehmen.
Wie geht man mit diesen Briefen am besten um? Nehmt den Brief entgegen, legt ihn in einen
mitgebrachten undurchsichtigen Aktendeckel. Hört euch an, was euer Chef euch erzählt. Es
ist davon auszugehen, dass er euch nahe legt zu gehen, weil man ihm gesagt hat, dass er
für euch keine Zukunft bei dieser Firma mehr sehen darf. Weiter wird er sagen, dass ihr
Verständnis für die Lage der Firma aufbringen sollt. Wenn ihr wollt, könnt ihr die Frage
stellen, ob die Firma denn Verständnis für eure Lage hat. Denkt daran, es ist seine
Aufgabe, euch vom Gehen zu überzeugen. Er ist verpflichtet mal wieder in die Rolle des
Hausierers zu schlüpfen, der das schwer gehende Produkt beE 2007 oder Aufheb 2007
verkaufen soll.
Legt dieses Gespräch zu den Akten, sortiert das Gesagte nach Fakten und psychologischer
Beeinflussung und nehmt das Gespräch gelassen. Eurem Chef dürfte es ähnlich unangenehm
sein wie euch.
(iw)
InWaChRo-News: Sonntag, 14.10.07
SIS: Neue Jobs hauptsächlich in Niedriglohnländern
Siemens IT Solutions and Services (SIS) will nach Aussage des Spartenchefs Christoph
Kollatz neue Arbeitsplätze künftig vor allem in Indien, Russland und auf den Philippinen
schaffen.
"Wollen wir konkurrenzfähig bleiben, können wir nicht mehr 100 Prozent der Wertschöpfung
für deutsche Kunden auch in Deutschland erbringen", sagte Kollatz der "Berliner Zeitung"
vom Samstag.
In den letzten drei Jahren, so Kollatz weiter, habe SIS dort durchschnittlich in diesen
Ländern jeweils 30 Prozent zusätzliche Jobs geschaffen. Nur so könne SIS die Zahl der
Jobs in Deutschland auf dem "bisherigen Niveau halten, oder sogar leicht ausbauen",
behauptet Kollatz.
Dem aufmerksamen Leser fällt hier sofort ein Widerspruch auf.
Auf der einen Seite behauptet Kollatz, dass auch der Service für die deutschen Kunden aus
Konkurrenzgründen in Niedriglohnländern erbracht werden muss. Dies hat voraussichtlich
eine weitere Reduzierung der Arbeitsplätze in Deutschland zur Folge, denn so billig wie
in Indien, Russland und den Philippinen können Mitarbeiter in Deutschland wegen der hohen
Lebenshaltungskosten nie arbeiten. Auf der anderen Seite verwendet Kollatz den Aufbau in
den Niedriglohnländern als Begründung für den Erhalt und leichten Ausbau der Jobs in
Deutschland.
Dies entbehrt jeder Logik und ist nichts anderes als die Aneinanderreihung von Phrasen
zur Beruhigung der deutschen SIS-Mitarbeiter und der Öffentlichkeit.
(iw/cr)
InWaChRo-News: Sonntag, 14.10.07
Nö So Nich
beE’07
To beE or not beE, that’s the question
Verkauf mich doch!
2 Jahre halt ich noch durch
beE 2008
beE? Ich bin schon verkauft!
NSN Alumni
Produkte für beE Einsteiger
Normalerweise machen wir keine Werbung, aber hier machen wir einmal eine Ausnahme.
(cr/iw)
InWaChRo-News: Samstag, 13.10.07
NSN-Abbauzähler und Feedback-Formular
Um den Überblick über die Abbauzahlen bei NSN zu behalten, haben wir auf der NSN-Seite
einen Zähler neu eingerichtet. Wir werden ihn ständig aktualisieren. Dazu müsst ihr uns
aber mitteilen, wenn ihr von Ausgliederungen erfahrt.
Da offensichtlich auch ein Bedarf entstanden ist, uns auch anonym Informationen
zuzusenden, haben wir ein Feedbackformular erstellt. Ihr könnt uns über dieses Formular
Probleme und Erlebnisse an eurem Arbeitsplatz schildern und Informationen zu
Ausgliederungen, Stellenabbau etc. schicken. Wir freuen uns natürlich auch über Lob und
konstruktive Kritik.
Eure persönlichen Daten behandeln wir natürlich wie immer vertraulich. Daher würde es uns
freuen, wenn ihr euren Namen und eure E-Mail-Adresse weiterhin angebt.
(cr/iw)
InWaChRo-News: Samstag, 13.10.07
NSN / Enterprise: Überlebenschancen bis 30.09.2009
Wir schreiben das Jahr 2007.
Dies sind die Abenteuer der Raumschiffe Enterprise und NSN,
die mit ihrer xxx Mann starken Besatzung
knapp ein Jahr lang unterwegs sind,
um neue Märkte zu erobern,
neues Leben und neue Zivilisationen.
Viele Lichtjahre von der Erde entfernt,
dringt die Enterprise/NSN in Galaxien vor,
die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.
Die unbekannten Welten, die der Mannschaft begegnen, sind:
beE, Aufhebungsvertrag und Ausgliederung,
Gerüchte über Betriebsschließungen und Insolvenz
Darum mancher Schrecken in der Belegschaft.
Hier spricht Captain Kirk:
Das zentrale Element bis 30.09.2009 ist, wie ihr in untenstehendem Diagramm
erkennen könnt, der Kündigungsschutz. Dieser zieht quasi wie ein Magnet Mitarbeiter,
die sich nicht dem Ausgliederungs- und Abbauwillen von NSN beugen wollen, in die
Firma zurück.
Ein Widerspruch gegen einen Betriebsübergang ermöglicht es euch, NSN als beE zu
nutzen, ohne definitiv zum 30.09.2009 ausscheiden zu müssen. Gleiches gilt
natürlich im Falle einer Betriebsschließung, denn der Arbeitgeber kann euch wegen
des Kündigungsschutzes nicht kündigen. Wer die Nase von NSN voll hat, kann sich
natürlich auch von einem Arbeitsplatz aus, extern bewerben.
Diese Bewerbungen laufen für euch gefahrlos, denn ihr habt nach wie vor ein
unbefristetes Arbeitsverhältnis und den Vorteil, euch aus einer normalen
Anstellung heraus bewerben zu können. Den teilweise sinnlosen Druck der beE habt
ihr dann auch nicht. Wenn es klappt, bedenkt die Probezeit beim neuen Arbeitgeber
und die Tatsache, dass ihr bei diesem mit Betriebszugehörigkeitszeit Null anfangt.
Wenn ihr ein gutes Gefühl habt, traut euch zu wechseln. Wenn es nicht klappt,
könnte es ja - angesichts des viel gepriesenen Aufschwungs sein - dass NSN euch
wieder braucht. Der Vorteil: Ihr seid dann noch da. Aber auch, wenn NSN euch ab
dem 1.10.2009 immer noch glaubt, euch nicht zu brauchen, überlebt ihr länger,
wenn ihr nicht in die aktuelle beE geht oder bei einer dubiosen Auslagerung
mitspielt (siehe unten).
Geht ihr in die aktuelle beE, dann seid ihr definitiv ab 1.10.2009 arbeitslos,
wenn ihr vorher keinen neuen Job findet. Im Falle eines Aufhebungsvertrags seid
ihr sofort arbeitslos, außer ihr habt schon einen neuen Job. Die Abfindung hilft
euch nicht viel weiter, insbesondere, da Ruhe- und Sperrzeiten vom Arbeitsamt zu
erwarten sind, denn wer seinen Arbeitsplatz aufgibt, obwohl er Kündigungsschutz
hat, handelt nach Arbeitsamt "mutwillig". Der volle Beitrag zur Krankenkasse ist
in beiden Fällen vom Arbeitnehmer alleine zu tragen.
Frage: Wer schwimmen lernen will, springt auch nicht gleich ins tiefe Wasser. Wer
das Bewerben (wieder) lernen will und seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt ausloten
will, kann das gefahrlos dank Kündigungsschutz bei NSN tun. Warum diese Chance
verspielen?
(iw)
InWaChRo-News: Samstag, 13.10.07
NSN / Enterprise / andere Firma: Überlebenschancen ab 1.10.2009
Wir schreiben das Jahr 2009.
Dies sind (immer noch!) die Abenteuer der Raumschiffe Enterprise und NSN,
die mit ihrer xxx Mann starken Besatzung
drei Jahre lang unterwegs sind,
um neue Märkte zu erobern,
neues Leben und neue Zivilisationen.
Viele Lichtjahre von der Erde entfernt,
dringt die Enterprise/NSN in Galaxien vor,
die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.
Die unbekannten Welten, die der Mannschaft begegnen, sind:
beE, Aufhebungsvertrag, Ausgliederung,
Gerüchte über Betriebsschließungen und Insolvenz
und jetzt sind betriebsbedingte Kündigungen möglich.
Darum mancher Schrecken in der Belegschaft.
Hier spricht Captain Kirk:
Wie ihr in der Grafik sehen könnt, überlebt ihr in jedem Fall
länger, wenn ihr nicht in die aktuelle beE oder in eine Firma, die euch keine
echte Zukunft bietet, wechselt.
24 Monate haben wir schon geschafft. 24 Monate Gehalt gerettet. Doch auch jetzt
bleiben die Angriffe nicht aus: Ausgliederungen sind nach wie vor möglich,
Betriebsschließungen denkbar, neuer Stellenabbau folgt (fast) so sicher wie das
Amen in der Kirche. Doch jetzt sind betriebsbedingte Kündigungen wieder möglich.
Doch die Mannschaft ist nicht wehrlos, vorausgesetzt, sie ist bereit zu kämpfen.
Der Arbeitgeber kann nun prinzipiell jeden Arbeitnehmer kündigen (Kollegen mit
Arbeitsplatz, Widersprüchler gegen einen Betriebsübergang, Mitarbeiter, deren
(Teil)Betrieb geschlossen werden soll).
Doch zunächst ist ein neuer IA/SP mit dem Betriebsrat auszuhandeln. In diesem
dürften die Widersprüchler, die vor dem 30.09.2009 widersprochen haben, mit
erfasst werden, denn NSN kann nicht einfach zwei Jahre oder mehrere Monate lang
beispielsweise durch Arbeitsentzug gegen den Arbeitsvertrag verstoßen. Dann "Same
procedure as every year": Prüfen der Angebote. Diese werden diesmal wohl unter der
Drohung "betriebsbedingte Kündigung" ausgesprochen.
Wenn ihr 2009 einen Aufhebungsvertrag oder die beE annehmen wollt, könnt ihr ab
Okt. 2007 rechnen mit:
24 Monate Gehalt + Kündigungsfrist (evt. finanziell abgegolten) + red. beE-Gehalt.
Ihr solltet aber auf jeden Fall prüfen, wie eure Chancen im Falle eines
Kündigungsschutzprozesses stehen. Vielleicht habt ihr sogar Kündigungsschutz wie
Jubilarschutz oder tariflichen Kündigungsschutz. Aber wenn es soweit ist, wird
wohl wieder Captain Kirk ans Mikrofon treten.
Widerspricht der Betriebsrat der Kündigung ordentlich, dann erlangt ihr die
Weiterbeschäftigung und damit das Gehalt bis Prozessende (§ 102 BetrVG). Falls
ihr die erste Instanz gewinnt, bekommt ihr ebenfalls die Weiterbeschäftigung bis
Prozessende, wenn kein BR-Widerspruch vorliegt. Im Falle einer
Kündigungsschutzklage ergibt sich folgende Rechnung, gerechnet ab Okt. 2007:
24 Monate Gehalt + Kündigungsfrist + 1 bis 2 Jahre Weiterbeschäftigung bis Prozessende
Im Kündigungsschutzprozess prüft das Gericht
- bei betriebsbedingten Kündigungen im Rahmen eines Stellenabbaus, ob
der Arbeitgeber die Sozialauswahl über den Betrieb korrekt durchgeführt
hat (was ihm selten gelingt), ob der Arbeitgeber, dem Mitarbeiter
passende freie Stellen im Unternehmen angeboten hat (was meist nicht der
Fall ist). Weiter möchte das Gericht vom Arbeitgeber einen Nachweis
haben, warum gerade dieser Arbeitsplatz entfallen ist (was der
Arbeitgeber meist nicht nachweisen kann).
- bei Teilbetriebsschließung, ob der Arbeitgeber die Sozialauswahl
über den Betrieb korrekt durchgeführt hat (was ihm selten gelingt), ob
der Arbeitgeber, dem Mitarbeiter passende freie Stellen im Unternehmen
angeboten hat (was meist nicht der Fall ist). Der Grund für den Wegfall
des Arbeitsplatzes ist die Teilbetriebsschließung.
- bei Betriebsschließung, ob der Arbeitgeber, dem Mitarbeiter
passende freie Stellen im Unternehmen angeboten hat (was meist nicht der
Fall ist). Eine Sozialauswahl über den Betrieb kann nicht erfolgen, da
der Betrieb ja komplett geschlossen wird. Der Grund für den Wegfall des
Arbeitsplatzes ist die Betriebsschließung.
- bei Widersprüchen (ab 1.10.09) gegen einen Betriebsübergang:
Wurden im Widerspruch vom Bundesarbeitsgericht (BAG) anerkannte Gründe
genannt, dann prüft das Gericht, ob der Arbeitgeber die Sozialauswahl
über den Betrieb korrekt durchgeführt hat (was ihm selten gelingt), ob
der Arbeitgeber, dem Mitarbeiter passende freie Stellen im Unternehmen
angeboten hat (was meist nicht der Fall ist). Der Grund für den Wegfall
des Arbeitsplatzes ist der Betriebsübergang. Wurde der Widerspruch nicht
begründet, prüft das Gericht, ob der Arbeitgeber, die Mitarbeiter auf
passenden freien Stellen im Unternehmen beschäftigt hat (was er meist
nicht hat).
- bei Widersprüchen (bis 30.09.09 gegen einen Betriebsübergang: NSN
kann nicht einfach zwei Jahre oder mehrere Monate lang beispielsweise
durch Arbeitsentzug gegen den Arbeitsvertrag verstoßen. Daher gilt für
diese Mitarbeiter das gleiche wie bei einer betriebsbedingte Kündigung.
Ist der Betriebsübergang aber wenige Wochen vor dem 30.09.09 erfolgt,
dürften die Bedingungen wie für Widersprüchler ab dem 01.10.09 vorliegen.
Dies ist Ermessenssache des Gerichts.
Eine Klage auf vertragsgemäße Beschäftigung verhindert, dass man als
Widersprüchler in die Lage kommt, 2009 ohne Arbeitsplatz dazustehen.
Im Prozess gibt es drei Möglichkeiten:
- Ihr gewinnt den Prozess, dann muss NSN/Enterprise euch auf einem
Arbeitsplatz weiter beschäftigen. Im schlimmsten Fall muss man seinem
Anwalt sagen, er möge das Urteil vollstrecken lassen. Dann klappt das,
weil die Strafen sonst happig sind.
- Ihr vergleicht euch. Der Arbeitgeber wird Aufhebungsverträge und beE in den
Prozessen wie Sauerbier anbieten
- Ihr verliert den Prozess, dann habt ihr Zeit (siehe obige Rechnung),
Erfahrung und das Gefühl, alles euch Mögliche getan zu haben, gewonnen. Dies
erhält das Selbstbewusstsein und bewahrt vor Selbstvorwürfen, leichtfertig den
Arbeitsplatz aufgegeben zu haben.
Anmerkung: Findet ihr während des Prozesses einen neuen Job, dann könnt ihr den
Prozess jederzeit beenden. Es ist aber zu empfehlen, den Prozess während der
Probezeit im neuen Job weiterlaufen zu lassen. Besteht man sie nicht, hat man noch
die Chance: Zurück zu NSN.
(iw)
InWaChRo-News: Samstag, 13.10.07
Kündigungsfristen
Da es die Kollegen immer mal wieder interessiert wie lange ihre Kündigungsfrist ist, hier
die Liste (§622 BGB):
Für eine Kündigung durch den Arbeitgeber beträgt die Kündigungsfrist, wenn das
Arbeitsverhältnis in dem Betrieb oder Unternehmen:
2 Jahre bestanden hat, 1 Monat zum Ende eines Kalendermonats,
5 Jahre bestanden hat, 2 Monate zum Ende eines Kalendermonats,
8 Jahre bestanden hat, 3 Monate zum Ende eines Kalendermonats,
10 Jahre bestanden hat, 4 Monate zum Ende eines Kalendermonats,
12 Jahre bestanden hat, 5 Monate zum Ende eines Kalendermonats,
15 Jahre bestanden hat, sechs Monate zum Ende eines Kalendermonats,
20 Jahre bestanden hat, sieben Monate zum Ende eines Kalendermonats.
Für die Kündigungsfrist zählen nur die Dienstjahre ab dem vollendeten 25. Lebensjahr.
(iw)
InWaChRo-News: Samstag, 13.10.07
Traum und Wirklichkeit
Der Traum eines sicheren Arbeitsplatzes, den man 2002 noch träumen konnte, wird
sich nicht mehr erfüllen. Die Arbeitgeber, insbesondere die großen Konzerne, sind
der Globalisierung nicht wirklich gewachsen. Sie hängen dem Glauben nach, dass sie
mit Stellenabbau ihre Margen erreichen können. Auch, wenn dieses Unterfangen noch
so unsinnig ist, sie sind - mangels Fantasie - nicht davon abzubringen.
Daher müsst ihr euch irgendwann mit dieser ganzen Problematik intensiv
auseinandersetzen. Ansonsten könnt ihr in dieser Gesellschaft auf Dauer nicht mehr
überleben. Dann aber müsst ihr euch mit Hartz IV auseinandersetzen - und das ist
viel komplizierter, viel entwürdigender und viel stressiger als das Arbeitsrecht.
Es ist an euch selbst, ob ihr dieses Recht für euch persönlich verspielt oder
nutzt. Wer den Kopf in den Sand steckt und der Meinung ist, die Welt ist in
Ordnung, sollte seine Blickrichtung ändern. Wenn er dann immer noch eine heile
Welt vorfindet, kann er weiter träumen.
(iw)
InWaChRo-News: Samstag, 13.10.07
Menschen gegen Aufträge
Arbeitnehmer werden immer mehr zur Ware. Menschen werden zunehmend gegen Aufträge
getauscht. Das Geschäft ist für beide Seiten lukrativ. Firmen wie Siemens oder NSN
bekommen die Mitarbeiter los, die sie nicht mehr behalten möchten. Die Mitarbeiter
werden in kleinen, unauffälligen Gruppen - oft durch Missbrauch des §613a BGB - in
eine meist ungewisse Zukunft ausgegliedert. Die neuen Firmen brauchen diese
Mitarbeiter nicht wirklich. Sie wollen sie auch nicht. Was sie wollen sind die
Aufträge und die Mitgift.
So erhofft sich beispielsweise Wipro durch den Zukauf vor allem ihre geschäftlichen
Möglichkeiten in Europa weiter ausbauen zu können. Nokia Siemens Networks möchte
in erster Linie ihre Kosten drücken und dauerhaft eine kleine Kernmannschaft
aufbauen. Für die übrigen Aufgaben werden Mitarbeiter von Firmen wie Wipro,
TietoEnator, IBM etc. temporär angefordert.
Um die Anforderungen der Firmen erfüllen zu können, benötigt der Mensch eine hohe
Flexibilität. Diese fordert Mobilität, psychische und physische Stabilität, die
Fähigkeit, sich extrem schnell in neue Aufgaben einarbeiten zu können und die
Bereitschaft Überstunden und Wochenendarbeit (bis zum Zusammenbruch) zu leisten.
Da kein Mensch alle diese Anforderungen auf die Dauer erfüllen kann, entsteht ein
hoher psychischer Druck durch die Notwendigkeit Defizite ständig kaschieren zu
müssen.
Mitarbeiter, die die von den Firmen geforderte Flexibilität nicht mehr aufbringen
können, bleiben auf der Strecke und werden der Gesellschaft zur Entsorgung
überlassen. Deswegen stellen Firmen "vorsorglich" kaum ältere Mitarbeiter ein,
weil sie befürchten, dass diese über kurz oder lang zusammenbrechen (Burnout).
(iw/cr)
InWaChRo-News: Freitag, 12.10.07
NSN-Wipro: Eigene Seite über die Ausgliederung eingerichtet
Wir haben für euch eine eigene Seite über die Ausgliederung von Radio Access zu
Wipro angelegt. Hier werden die Wipro-Artikel gesammelt. Ihr könnt sie unter dem Menü "Aktuelles" aufrufen.
Aber: Wenn ihr aktuell bleiben wollt, schaut immer auf Aktuelles. Archiviert wird in
unregelmäßigen Abständen (je nach verbleibender Zeit).
(iw)
InWaChRo-News: Freitag, 12.10.07
NSN–Wipro: Ausgliederung der Radio Access Entwicklung zu Wipro
Wie erwartet gehen die Ausgliederung scheibchenweise weiter. Schon am
01.12.2007 sollen 58 Kollegen von Radio Access in Berlin, die für die WCDMA BTS
Entwicklung und das Network Engineering Team arbeiten, ausgegliedert werden. Ihr
neuer Arbeitgeber soll die Wipro Technologies GmbH in Kempen werden. Die
Mitarbeiter sollen zunächst ihre Aufgaben mitnehmen und nach deren Auslaufen bei
Wipro neue Aufgaben bekommen.
Nach erster Recherche beschäftigt Wipro mehr als 10.000 „Wanderarbeiter“
(itinerant employees) und 7.500 Consultants. Diese Firma verleiht Arbeitnehmer an
andere Firmen, bzw. diese bearbeiten Aufträge von anderen Firmen. Es handelt sich
also um nichts anderes als Zeitarbeit. Die Wipro Technologies GmbH scheint der
Wipro Ltd. mit Hauptsitz in Indien zu gehören.
Auf der Homepage des Betriebsrats Mch M ist zu lesen: „Aus Berlin wird berichtet,
dass die dortige Informationsveranstaltung nicht überzeugend gewesen sei. Ein
realistisches Geschäftsmodell sei nicht erkennbar gewesen. Man könne mit einer
hohen Zahl von Widersprüchen rechnen.“
Zeitarbeit könnt ihr immer noch machen. Dazu braucht ihr nicht zu Wipro, einer
Firma, die keiner kennt gehen und von der man nicht weiß, ob sie einem Tarifvertrag
unterliegt, der die Zeitarbeitsbedingungen regelt. Dann kann man genauso gut zu
Manpower, Adecco, Randstad etc. wechseln. Hier sollte man auf jeden Fall die Zeit
mit Kündigungsschutz bis 9.2009 aussitzen.
Es ist zweifelhaft, ob die 58 Mitarbeiter überhaupt einen (Teil-)Betrieb bilden,
der nach §613a BGB übergehen kann. Welche Rechte mit übergehen, ist völlig unklar.
Der Zeitdruck, unter dem die Mitarbeiter sich entscheiden sollen ist unglaublich.
(cr/iw)
InWaChRo-News: Freitag, 12.10.07
NSN: Angst bei SCA-MA vor Betriebsschließung in Berlin
Die Berliner Kollegen, die zu IBM ausgegliedert werden sollen, befürchten, dass
der NSN-Standort Berlin in absehbarer Zeit geschlossen werden soll.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, bitte verfallt nicht in Panik und überprüft ggf.
mit unserer Hilfe alle Aussagen der Betriebsleitung und kursierende Gerüchte. Wie
wir schon mehrfach betonten bleiben NSN nur zwei Möglichkeiten, den Stellenabbau,
an dem sie unverändert fest halten, zu realisieren: Ausgliederungen und
psychologische Beeinflussung.
Um einen Betrieb schließen zu können, muss NSN die Mitarbeiter entweder
betriebsbedingt kündigen oder in andere Betriebe versetzten. Betriebsbedingte
Kündigungen sind bis zum 30.09.2009 ausgeschlossen. NSN müsste also allen
Mitarbeitern - also auch denen, die einem Betriebsübergang widersprechen - einen
anderen Arbeitsplatz in einem anderen Betrieb anbieten. NSN kann den Mitarbeitern
nicht einfach die Arbeit entziehen. Dies verstößt gegen den Arbeitsvertrag.
Dagegen kann man sich notfalls mit einer Klage auf vertragsgemäße Beschäftigung
wehren. Eine Klagewelle sieht NSN mit Sicherheit nicht gern, insbesondere dann
nicht, wenn darüber von NCI berichtet wird. Klagen kosten und NSN muss sparen.
Es ist unklar, woher das Gerücht einer Betriebsschließung in Berlin stammt und ob
es überhaupt einen wahren Kern hat. Es könnte von übereifrigen Managern gezielt
gestreut worden sein, um den Betriebsübergang zu IBM realisieren zu können ("wenn
ich Angst habe bei NSN unterzugehen, steige ich lieber in ein anderes leckes Boot".
Dies nährt die Hoffnung zu überleben kurzfristig). Es könnte aber auch ebenso sein,
dass dieses Gerücht aufgrund der psychischen Belastung der Mitarbeiter einfach
entstanden ist.
Gerücht hin oder her. Es bleiben die Fakten.
Morgen erhaltet ihr noch einmal eine Übersicht über die Überlebenschancen bei NSN
bis 30.09.2009 (Kündigungsschutz!) und nach dem 01.10.2009.
(iw)
InWaChRo-News: Freitag, 12.10.07
NSN-SCA: Der „zwei Alternativen“-Effekt
Den SCA-Mitarbeitern wird angeboten, zu IBM zu gehen oder in die beE zu wechseln.
Die dritte Alternative - zu bleiben - wird ihnen nicht angeboten, sie existiert
aber.
Es handelt sich hier um einen psychologischen Trick, den ihr selbst im
Bekanntenkreis ausprobieren könnt.
Bietet man einem Gast zwei Alternative an, also z.B. „möchtest du Kaffee oder Tee?“,
dann kann man ziemlich sicher sein, dass der Gast sich sofort für eine der beiden
angebotenen Alternativen entscheidet. Bietet man hingegen drei oder mehr
Alternativen an, etwa „möchtest du Kaffee, Apfelsaft oder Rotwein?“, dann kann man
ziemlich sicher sein, dass der Gast anfängt zu diskutieren: „Hast du vielleicht
auch Weißwein?“ „ja, einen Frankenwein.“ „Nein danke, aber …“ und es kann lange
dauern, bis er sich entscheidet. Je mehr Alternativen man anbietet, desto länger
dauert die Entscheidung.
Es ist also vom psychologischen Standpunkt aus geschickt, den SCA-Mitarbeitern nur
zwei Alternativen - „IBM“ oder „beE“ – anzubieten. Dann denkt man nur noch über
diese beiden Alternativen nach und kommt gar nicht erst auf den Gedanken, sich mit
anderen Alternativen auseinanderzusetzen.
Beim genauen Hinschauen erkennt man, dass beide von NSN angebotenen Alternativen
euch aus NSN herausführen. Es ist NSN völlig egal, wie ihr die Firma verlasst,
Hauptsache ihr verlasst sie. Es ist jetzt an euch, nicht in Panik zu verfallen,
sondern euch etwas zurückzunehmen und alle Alternativen zu bewerten und euch dann
für die zu entscheiden, die für euch die beste Lösung für den Erhalt eurer
Existenzgrundlage „Arbeitsplatz“ ist. Diese Lösung kann auch darin bestehen, dass
ihr einfach bleibt.
(cr)
InWaChRo-News: Mittwoch, 10.10.07
NSN: weist Pressebericht über zusätzlichen Personalabbau zurück
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) hatte am 6.10.2007 berichtet, Nokia
Siemens Networks habe eine Unternehmensberatung beauftragt und vermutete einen
weiteren Stellenabbau über die geplanten 2.290 Arbeitsplätze hinaus.
NSN wies auf unsere Nachfrage hin entschieden zurück, dass eine Unternehmensberatung
mit der Vorbereitung eines weiteren Stellenabbaus beauftragt zu haben. Dieser Artikel
entbehre jeglicher Grundlage, so NSN weiter.
Wir erinnern uns, dass die Unternehmensberatung EWR Consulting beauftragt wurde, die
Planungen von NSN zu analysieren und zu prüfen, ob diese plausibel sind oder Lücken
aufweisen. Es ist davon auszugehen, dass inzwischen die Plausibilitätslücken von NSN
identifiziert wurden. Es ist möglich, dass die Informationen der FAS
sich auf diese Unternehmensberatung bezogen.
Weiter besteht die Möglichkeit, dass NSN auf Basis der Ergebnisse der EWR Consulting
eine weitere Unternehmensberatung beauftragt hat, ein Konzept auszuarbeiten, um die
aufgedeckten Schwachstellen zu beseitigen.
Aufgrund des Kündigungsschutzes bis 30.9.2009 ist Stellenabbau in Deutschland ohnehin
nur über freiwillige Maßnahmen zu erreichen. Daran würde auch eine Unternehmensberatung
nichts ändern. Sie müsste die Kosteneinsparungen über andere Mittel erreichen als über
Stellenabbau.
(cr)
InWaChRo-News: Dienstag, 09.10.07
NSN-SCA: Wirbt IBM für Übergang mit falschen Aussagen?
Zu der Frage, warum die übergehenden Mitarbeiter nicht von Anfang an in die IBM
Deutschland GmbH mit ca. 21.000 Mitarbeitern integriert werden, sondern zunächst in
ein neu zu gründendes Unternehmen (IBM-Tochter) übergehen sollen, nahm IBM nun
Stellung. Das Unternehmen begründete den Schritt damit, dass ansonsten
Betriebsvereinbarungen, tarifliche Regelungen etc. nicht mit übergehen können.
Diese Aussage ist falsch.
Rechte der Mitarbeiter besser gewahrt bei Übergang in die IBM Deutschland GmbH
Für den Betriebsübergang nach § 613a BGB würde es genügen, wenn die auszulagernden
Mitarbeiter einen Teilbetrieb bilden, der in einen bestehenden Betrieb (z.B. der IBM
Deutschland GmbH) übergeht. Dann gehen auf jeden Fall alle individuellen
Arbeitsbedingungen über. Betriebsvereinbarungen und tarifliche Regelungen gelten nach
§613a BGB weiter, soweit es in der IBM Deutschland GmbH zu bestimmten Themen keine
eigenen Betriebsvereinbarungen bzw. einen anderen Tarifvertrag gibt. Dann gelten
diese. Vor allen Dingen würden die Mitarbeiter ihre Betriebszugehörigkeitszeit in
die IBM Deutschland GmbH mitnehmen und sie bei Versetzungen innerhalb des Unternehmens
behalten.
Die Mitarbeiter würden also mit dieser Lösung ihre Rechte aus §613a BGB behalten.
Darüber hinaus käme §1 KSchG im Falle von betriebsbedingten Kündigungen voll zur
Anwendung, d.h. es wäre eine Sozialauswahl über den Betrieb der IBM Deutschland GmbH
erforderlich. Die Mitarbeiter müssten auf freien Stellen im Unternehmen IBM Deutschland
GmbH, weiterbeschäftigt werden.
Weiter wäre die Gefahr der Betriebsschließung wesentlich geringer. Im Fall einer
Teilbetriebsschließung würden wiederum die Regelungen des §1 KSchG zum Tragen kommen.
Verlust von Kündigungsschutz und sonstigen Rechten bei geplantem Konstrukt
Gehen die Mitarbeiter zunächst in die IBM-SCA-GmbH über und wechseln dann wie vorgesehen
auf einen neuen Arbeitsplatz beispielsweise in der IBM Deutschland GmbH, dann würden
die Mitarbeiter neben ihrer Betriebszugehörigkeitszeit auch alle Rechte aus den
Siemens Betriebsvereinbarungen verlieren, wie beispielsweise den Jubilarschutz und
den Kündigungsschutz bis 30.09.2009.
Schnellerer Übergang bei Integration in die IBM Deutschland GmbH
Weiter erklärte IBM den Mitarbeitern, der Übergang könne bei Eingliederung in die
IBM Deutschland GmbH nicht so schnell ablaufen. Das ist eine völlig haltlose Aussage.
Der Aufwand ein neues Unternehmen zu gründen, dort die benötigte Infrastruktur und
Organisationsstruktur aufzubauen sowie die erforderlichen Kooperationsverträge mit
anderen Konzernunternehmen abzuschließen, ist ein kostenintensiver Overhead,
insbesondere unsinnig, wenn man beabsichtigt, die Mitarbeiter nach Auslaufen der
Produkte in die IBM Deutschland GmbH zu überführen. Dieser Prozess dauert wesentlich
länger als wenn man den Übergang direkt in die IBM Deutschland GmbH durchführt.
Warum will IBM dann trotzdem diesen Weg gehen?
Die Gründe sind:
- Die Mitarbeiter verlieren bei dem Umweg über die IBM SCA GmbH ihren Kündigungsschutz
bis 2009 und ggf. ihren Jubilarschutz sowie die Betriebszugehörigkeitszeiten.
- Mitarbeiter, die IBM nicht beschäftigen will, können über eine Betriebsschließung
spätestens nach dem 30.09.2009 hundertprozentig sicher betriebsbedingt
gekündigt werden. Sollte die Firma vorher insolvent werden, kann der
Insolvenzverwalter mit verkürzter Kündigungsfrist von 3 Monaten kündigen.
Die Firmenleitung baut offensichtlich auf die Hoffnung, dass die Mitarbeiter sich durch
die freundlichen Atmosphäre und die scheinbar kompetenten Antworten einlullen lassen.
Schaut euch einfach nur die Fakten an, streicht in den Folien und sonstigen Unterlagen, die
ihr bekommen habt, alles heraus, was nicht belegt ist und was zwar schön aussieht,
für euch als Mitarbeiter aber keinen Mehrwert bringt.
IBM könnte ein Konstrukt finden (Integration in die IBM Deutschland GmbH), bei dem die
Mitarbeiter ihre Rechte behalten würden. Aber IBM will nicht! Fragt euch warum?
(iw/cr)
InWaChRo-News: Dienstag, 09.10.07
NSN-SCA: Keinen neuen Arbeitsvertrag bei IBM unterschreiben
Kollegen des Rechenzentrums, die 2004 zu IBM übergegangen sind, haben uns mitgeteilt,
dass sie bei IBM neue Arbeitsverträge unterschrieben haben. IBM ist davon ausgegangen,
dass die Mitarbeiter durch Siemens informiert wurden, dass sie neue Arbeitsverträge
bekommen würden. Dies hat Siemens aber unterlassen.
Die Mitarbeiter wussten damals nicht, dass ein
Betriebsübergang
keinen Abschluss eines neuen Arbeitsvertrags fordert. Die Regelungen des §613a BGB.
sollen gerade sicherstellen, dass der Mitarbeiter seine individuellen vertraglichen
Vereinbarungen beim Übergang behält und Betriebsvereinbarungen und tarifvertragliche
Regelungen weiter wirken. Letztere sind ein Jahr geschützt, es sei denn im neuen
Betrieb bestehen bereits Betriebsvereinbarungen zu den geregelten Themen bzw. es
existiert bereits ein Tarifvertrag.
"Der Betriebsübergang nach §613a wurde uns damals nur vorgegaukelt. Wir haben alle, in
Unwissenheit, bei der IBM neue Arbeitsverträge unterschrieben und damit den §613a
(Besitzstandswahrung) ausgehebelt.", so ein damaliger Kollege.
(iw)
InWaChRo-News: Dienstag, 09.10.07
NSN-SCA: Fragen noch offen?
Die Mitarbeiter, die zu IBM übergehen sollen, werden in Veranstaltungen bearbeitet.
Dabei ist die Atmosphäre freundlich - sollte sie auch sein, wenn man jemanden dazu
bewegen will, den eigenen Vorstellungen zu folgen. Wie wir schon mehrfach betont
haben, sollte dies aber nicht den Blick für die Fakten verstellen. Daher ein paar
Fragen, anhand derer ihr überprüfen könnt, ob ihr inzwischen mehr als schöne Worte
erfahren habt:
- Welche nachprüfbaren Argumente (nicht nur Behauptungen) wurden denn "pro Übergang" genannt?
- Welche Geschäftsmöglichkeiten hat IBM für die neu zu gründende IBM-Tochter nach
Auslaufen der Projekte genannt und welche konkreten Beschäftigungsmöglichkeiten
wurden für euch aufgezeigt?
- Was passiert insbesondere mit den Mitarbeitern, die jetzt schon keine Arbeit
haben? Was hat IBM gesagt, wird mit den Mitarbeitern passieren, die innerhalb
von IBM keinen neuen Arbeitsplatz finden?
Ihr könnt natürlich auch uns eure offenen Fragen schicken.
(iw)
InWaChRo-News: Montag, 08.10.07
NSN: Unternehmensberatung beauftragt
Nokia Siemens Networks hat laut Informationen der Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung eine Unternehmensberatung offenbar beauftragt einen weiteren
Stellenabbau vorzubereiten. Grund für die Beauftragung ist, dass die Mütter Siemens
und Nokia mit ihrer Tochterfirma unzufrieden sind.
Wie dieser Auftrag genau aussieht und ob davon auch die deutschen Standorte betroffen
sind, ist nicht bekannt. Selbst wenn NSN in Deutschland mehr als die geplanten 2.290
Stellen abbauen will, ändert das nichts an dem Fakt, dass der Kündigungsschutz in der
Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG bis 30.9.2009 gilt. Stellenabbau geht nach wie
vor nur über freiwillige Maßnahmen wie beE, Aufhebungsvertrag und
Vorruhestandsregelungen.
Ein Sprecher des Konzerns wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren.
(iw/cr)
InWaChRo-News: Montag, 08.10.07
NSN: Zwerg oder Nr. 1?
Zurzeit verhält sich das NSN-Management so, als ob es nicht mehr das Ziel ist, Nr. 1
auf dem Weltmarkt zu werden. Dies haben offensichtlich auch die Mütter Siemens und
Nokia festgestellt.
Die „Lösung“ Stellenabbau funktioniert auch bei NSN nicht. Sie hat schon bei Siemens
in den letzten fünf Jahren keine Besserung gebracht. Das Vorhaben, Weltmarktführer
über Stellenabbau zu werden, gleicht dem Versuch, die Alpen zu überwinden, indem man
ein Loch mit einem Akkubohrer bohrt, anstatt einen Weg über die Pässe zu suchen.
Nicht überraschend ist, dass dieser Bohrer dauernd kaputt geht. Statt sich eine
alternative Lösung zu überlegen, kauft man sich lieber wieder einen neuen. Man
wundert sich dann, dass man seinem Ziel nicht näher kommt und beauftragt eine
Unternehmensberatung, einen anderen Bohrer vorzuschlagen.
Worum geht hier es eigentlich? Will das NSN-Management den Stellenabbau auf Biegen und
Brechen durchziehen, nur um sein Gesicht nicht zu verlieren und am Ende sagen zu
können ich bin der stärkere, ich schaffe diesen Personalabbau gegen die Belegschaft
oder will NSN die Nr. 1 im Weltmarkt werden? Beides zusammen geht nicht.
Produkte entwickeln sich nicht alleine, Dienstleistungen erbringen sich nicht selbst.
Eine Firma braucht dazu motivierte Mitarbeiter. Wenn NSN möchte, dass die Leute
davonlaufen, wenn NSN möchte, dass jüngere Leute sich nicht für dieses Unternehmen
interessieren, wenn NSN möchte, dass beim Kunden Probleme auflaufen, dann ist NSN auf
dem richtigen Weg.
Wenn NSN jedoch Nr. 1 im Weltmarkt werden möchte, dann ist es dringendst erforderlich,
dass Alternativen zum Stellenabbau gefunden und das alte, starre Denken durchbrochen
wird.
Wenn man sich vor Augen führt, dass Ericsson 65.507 Mitarbeiter in mehr als 140
Ländern beschäftigt, davon 19.285 allein im Hochlohnland Schweden und Alcatel 79.000
Mitarbeiter in mehr als 130 Ländern, wie will dann Nokia Siemens Networks nach dem
Stellenabbau um 15% mit nur 51.000 Mitarbeitern die Märkte in über 160 Ländern
bedienen, bessere Qualität als Ericsson und Alcatel für ihre Kunden sicherstellen und
neue Kunden von der Konkurrenz abwerben und gleichzeitig neue, innovative Produkte
entwickeln?
Wie die SZ in der Wochenendausgabe berichtete, hat der weltweit zweitgrößte
Rückversicherer Münchener Rück mit dem Betriebsrat einen Verzicht auf betriebsbedingte
Kündigungen bis 2009 vereinbart, um in Ruhe eine Restrukturierung und Verschlankung
ihrer Prozesse durchführen zu können. Es gehe darum, die Schlagkraft im operativen
Geschäft zu steigern, dynamischer und kreativer zu werden, sagte der Personalchef
Peter Seemann. „Wir brauchen nicht den Hebel des Stellenabbaus, um besser zu werden“,
so Seemann weiter. Hier versucht einmal ein Unternehmen eine Restrukturierung ohne
Drohung mit betriebsbedingten Kündigungen und ohne blaue Briefe durchzuführen. Dadurch
bleibt die Motivation im Unternehmen erhalten und die Basis dafür ist gelegt, dass die
Restrukturierung überhaupt greifen kann. Mit der Nichtkündigungsgarantie bis 30.9.2009
hätte NSN bereits den Anfang zur Umkehr.
Die Verwirklichung einer Vision, einer erfolgreichen Restrukturierung braucht die
konzentrierte Kraft aller Beteiligten: Der Mitarbeiter und des Managements.
Vielleicht sollte NSN die gleiche Unternehmensberatung beauftragen wie die Münchener
Rück. Ohne neue Wege und Denkweisen wird NSN es nie schaffen, aus der Krise in die
Gewinnzone zu kommen. NSN kann nun entscheiden, ob es ein Zwerg oder die Nr. 1 sein
will.
(cr/iw)
InWaChRo-News: Sonntag, 07.10.07
NSN-SCA: Kommentar zu den Folien: Geringe Zukunftsperspektiven bei IBM
Die SCA-Mitarbeiter haben Ende September mehrere Foliensätze erhalten, die auf den
Informationsveranstaltungen gezeigt wurden. Dabei versuchte NSN die Auslagerung der
betroffenen SCA-Mitarbeiter zu begründen. IBM stellte ihr Unternehmen vor. Wir haben
diese Foliensätze jetzt analysiert.
Informationen weitgehend für die Mitarbeiter irrelevant
Bei allen Foliensätzen ist uns aufgefallen, dass die Informationen auf den Folien für die
übergehenden Mitarbeiter weitgehend irrelevant sind. Beide Firmen gehen kaum auf die
spezifische Situation der übergehenden Mitarbeiter ein. Warum, wenn der Deal eine
Zukunft für die Mitarbeiter bietet?
Aus keiner Folie geht hervor, was IBM mit den übergehenden Produkten anfangen will.
Die Frage, warum will IBM diese Mitarbeiter, diese Produkte überhaupt haben, bleibt
unbeantwortet. Wenn IBM beabsichtigen würde, diese Produkte und Dienstleistungen dauerhaft
in ihr Portfolio zu integrieren, dann wäre es nur natürlich, den Mitarbeitern die
Vermarktungsperspektiven - und damit die Zukunftsaussichten der Mitarbeiter - innerhalb ihres Unternehmens aufzuzeigen. Das hat weder IBM noch
NSN getan. IBM hat sich lediglich darauf beschränkt schöne Folien zu zeigen, die den
Eindruck vermitteln sollen, IBM ist eine gute Firma. Im Mitarbeiter soll ein positives
Gefühl entstehen - ein verkauftechnischer Trick, von dem man sich nicht blenden lassen
darf. In Wirklichkeit wurde über die neu zu gründende Firma und Zukunft der Mitarbeiter
fast nichts ausgesagt.
NSN listet in seinem 15-seitigen Foliensatz ausschließlich Vorteile auf, die der Firma
NSN dienen, zeichnet aber keine Zukunftsperspektiven für die übergehenden Mitarbeiter.
Die Zukunft der Mitarbeiter wird nur an einigen wenigen Stellen deutlich.
NSN gibt offen zu: Übergehende Mitarbeiter müssen sich einen neuen Job suchen
Im Foliensatz heißt es:
"Aufgrund abnehmender Auslastung bei der Produktwartung würden die betroffenen
Mitarbeiter die Möglichkeit haben, nach Abschluss ihrer Projekte bei IBM neue
Aufgaben im Forschungs- und Entwicklungsbereich zu übernehmen."
In diesem Satz gibt NSN offen zu, dass die Auslastung der Mitarbeiter in der neuen
Firma zurückgehen wird. Das bedeutet aber auch, dass überhaupt nicht beabsichtigt ist,
die neue Firma auf Dauer mit neu akquirierten Aufträgen am Laufen zu halten.
Dies wird unterstrichen durch die Bemerkung in den Notizen "pls do not talk about job
security" - wir berichteten.
"Die Mitarbeiter würden die Möglichkeit haben, ... bei IBM neue Aufgaben zu übernehmen...",
heißt es. Es heißt nicht: "Die Mitarbeiter bekommen dann neue Aufgaben zugeteilt".
Dies bedeutet im Klartext, dass sich jeder übergehende Mitarbeiter bei IBM einen neuen
Job suchen muss. Dies könnte, wie wir
berichteten,
schwierig sein. Wenn es nicht gelingt, wird es zu betriebsbedingten Kündigungen
und/oder einer Betriebsschließung kommen. Die Chancen eine Kündigungsschutzklage zu
gewinnen sind nahezu aussichtslos. Dies erlebten 2004 die Mitarbeiter des
Siemens-Rechenzentrums, die 2003 zu IBM übergegangen sind.
Diese Aussage wird durch zwei weitere Punkte gestützt.
Weiter heißt es auf Seite 7 der NSN-Folien:
"Übergang der SGSN Produktkompetenz in eines der NSN Entwicklungszentren mit dem
Schwerpunkt auf Siemens SGSN Maintenance."
Nach diesem Satz sollen die Mitarbeiter von SGSN ihr Know How und ihre Aufgaben bis
zum Übergang an andere, von ihnen neu einzuarbeitende Mitarbeiter, übergeben. Sie
gehen folglich wie auch die Kollegen von Media Gateway ohne Aufgaben zur IBM-Tochter
über.
Weiter findet sich eine Aussage über das ehemalige Siemens-Produkt GGSN/IPS:
"Technischer Support und Engineering-Aufgaben für Kunden-Migrationsfälle vom Siemens
GGSN/IPS zum NSN Zielprodukt Flexi ISN"
Dies bedeutet, dass das ehemalige GGSN/IPS eingestellt wird. Die Kunden erhalten eine
Migration auf das NSN-Produkt Flexi ISN. Die Aufgabe ist mit Abschluss der Migration
beendet. Auch diese Mitarbeiter haben dann keine Arbeit mehr.
Ein ehemaliger Mitarbeiter des damals von Siemens ausgelagerten IBM-Rechenzentrums hat
sich bei uns gemeldet und gesagt:
"Empfehlen kann ich nur allen betroffenen Kollegen einem Betriebsübergang zu widersprechen. Die
Skills, die hier übergehen sollen, gibt es in der IBM nicht und werden auch nicht benötigt."
Zusammen mit allen anderen Informationen, die wir euch zur Verfügung gestellt haben,
ergibt sich, dass IBM eine sehr unsichere Zukunft für die übergehenden Mitarbeiter
bietet. Insbesondere besteht das Problem, dass die neu zu gründende IBM-SCA-GmbH einer
Sackgasse gleicht. Ihr habt keine Chance einen Kündigungsschutzprozess zu gewinnen,
wenn diese viel zu kleine Firma geschlossen wird (vergl. dazu Artikel:
Überlebenschancen). Und nebenbei bemerkt: Wird die IBM-SCA-GmbH insolvent, hilft euch
auch der Kündigungsschutz bis 2009 nichts. Schätzt daher die Risiken für euch
persönlich genau ab.
(iw)
InWaChRo-News: Sonntag, 07.10.07
SIS - Abschließende Lösung der ETV-Eingruppierungsverfahren
In diesen Tagen haben die betroffenen Mitarbeiter eine E-Mail von SIS-HR mit einem
Vorschlag für eine "Abschließende Lösung der ETV-Eingruppierungsverfahren" erhalten.
SIS HR informiert darüber, dass sich die Betriebsleitung mit Vertretern des
Gesamtbetriebsrates der Siemens AG auf eine Vorgehensweise verständigt, die den
örtlichen Betriebsräten in Form einer Betriebsvereinbarung zur Annahme empfohlen
wird. Diese Empfehlung beinhaltet im Wesentlichen für die Ersteintarifierung eine
Ableitung des neuen Tarifentgelts aus dem bisherigen - ähnlich der bestehenden
Regelung für die Regionalorganisation Deutschland. Der wichtigste Punkt hierbei:
die Differenz zwischen den tariflich abgesicherten Entgeltbestandteilen zum
31.01.2007 (bis dahin galt der Flächentarifvertrag) einerseits und den neuen
tariflichen Entgeltbestandteilen ab dem 01.02.2007 (gemäß ETV SIS) andererseits
darf maximal 12,5 % betragen.
Die Historie der Eingruppierungen zur Erinnerung:
Im Ergänzungstarifvertrag für SIS §5 heißt es:
In Abänderung von § 7 der Tarifvertraglichen Sondervereinbarung vom 23.01.2005 werden
die Beschäftigten entsprechend der ausgeübten Tätigkeiten anforderungsgerecht
eingruppiert und den entsprechenden Entgeltgruppen und Entgeltstufen zugeordnet.
Nachdem es aufgrund der Ersteintarifierung massive Widersprüche gegeben hat, wurde von
Siemens IT Solutions and Services (SIS) und dem Gesamtbetriebsrat der Siemens AG ein
"tragfähiger Kompromiss" zur Eintarifierung gefunden, am 16.7.2007 per E-Mail
bekanntgegeben und umgehend umgesetzt. Dieser sah die Einordnung der Mitarbeiter in
Mindestentgeltgruppen in Abhängigkeit von ihren vorherigen Entgeltgruppen vor, was in
der Regel nach wie vor eine Herabgruppierung bedeutete.
Offensichtlich war der Kompromiss nicht so tragfähig wie erhofft und die erwünschte
Größenordnung an Rücknahmen von Widersprüchen durch die Mitarbeiter fand nicht statt.
Deshalb also nun die oben genannte Empfehlung für eine abschließende Lösung. Ganz
offen bezieht man sich nun ausschließlich auf den finanziellen Part. Die Mitarbeiter
wollen durch ihre Widersprüche erreichen, dass der Wechsel der Tarifsysteme ohne
finanzielle Einbußen erfolgt. Auch wenn diese fürs erste durch Ausgleichszahlungen
abgefangen werden, weiß doch jeder Mitarbeiter um die Folgen für die zukünftigen
Jahre.
Faire und gerechte Eingruppierungen sind kein Thema mehr, finanzielle Gerechtigkeit
erst recht nicht. Auch wenn es darum geht, die Angelegenheit schnellstmöglich über
den Tisch zu bringen, stehen doch noch einige Fragen im Raum:
Ist die "abschließende Lösung" nicht Vertragsbruch gegenüber ETV § 5?
Welche Begründung gibt es dafür, dass die Mitarbeiter eine willkürliche
Gehaltsminderung um bis zu 12,5 % zusätzlich zu den vorhergehenden Einsparmaßnahmen
akzeptieren sollen?
Wenn es ausschließlich um die Wiederherstellung des Betriebsfriedens und den Abschluss
der leidigen Angelegenheit der Eingruppierung geht, kann man der Betriebsleitung nur
empfehlen, den einzig richtigen Schritt zu tun und eine glaubwürdige 1:1 Umsetzung
ohne weitere finanzielle Einbußen vorzunehmen.
Allenfalls eine Heraufgruppierung von bisher zurückgestellten Mitarbeitern ist
akzeptabel.
Spannend wird auf jeden Fall auch die Reaktion der Betriebsräte. Es bleibt nur zu
hoffen, dass sie nicht vor dem Hintergrund der schnellen Lösung einem Flickwerk
zustimmen, dass in dieser Form nicht geeignet ist, Vertrauen oder gar Gerechtigkeit
zu schaffen bzw. wieder herzustellen.
(hz)
InWaChRo-News: Freitag, 05.10.07
NSN – SCA: Widerspruch gegen den Betriebsübergang zu IBM
Die SCA-Mitarbeiter, die dem Betriebsübergang zu IBM widersprechen wollen, grübeln
darüber nach, was denn vom Bundesarbeitsgericht anerkannte Gründe für einen Widerspruch
sind.
Für einen Widerspruch gegen einen Betriebsübergang braucht man keine Gründe anzugeben
(§613a VI BGB). Er ist schriftlich mit eigenhändiger Unterschrift an den alten (die
Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG) oder den neuen Arbeitgeber zu richten. Folgender
Text würde genügen:
„Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit widerspreche ich dem Übergang meines Arbeitsverhältnisses in die
[korrekter Firmenname]. Ich bitte Sie mir eine neue, vertragsgemäße Beschäftigung
zuzuweisen.
Mit freundlichen Grüßen,
Scarlet Hazeltine“
Widerspruchsgründe kann man dennoch angeben. Diese sind nur dann relevant, wenn es zu
betriebsbedingten Kündigungen kommen sollte. Hat der Mitarbeiter für seinen
Widerspruch solche Gründe angegeben, muss die NSN GmbH & Co. KG den Mitarbeiter in
eine Sozialauswahl einbeziehen. Bei IBM gibt es folgende gerichtlich anerkannte Gründe,
die ihr in euren Widerspruch aufnehmen solltet:
Mangelnde Bonität:
Die Bonität der neuen IBM-Tochter ist unzureichend. Falls NSN Aufträge garantiert,
werden diese nur ein bestimmtes, begrenztes Kontingent haben. Fraglich ist, ob diese
Aufträge an die an die neu zugründende IBM-Tochter oder ein anders Unternehmen des
IBM-Konzerns vergeben werden. Da nur Entwickler übergehen, hat die neue Firma keine
Auftragsakquise. Sobald die Folgeaufträge ausbleiben, ist das Kapital durch die zu
zahlenden Gehälter schnell aufgebraucht. Dann besteht die Gefahr der Insolvenz
(Vergleiche Sinitec und BenQ).
Schlechter Ruf des neuen Arbeitgebers:
IBM hat bereits seit 2003 immer wieder Outsourcing-Projekte durchgeführt, die häufig
in der Entsorgung von Mitarbeitern endeten. Dazu hat IBM Abteilungen anderer
Unternehmen übernommen und später geschlossen bzw. die Mitarbeiter gekündigt.
IBM hatte beispielsweise Anfang 2004 Mitarbeiter des ICN-Rechenzentrums übernommen.
Schon vor Ablauf eines Jahres wurde allen Mitarbeitern ein Aufhebungsvertrag angeboten.
Wer dieses Angebot nicht annahm, wurde betriebsbedingt gekündigt. Die Kollegen haben
ihre Kündigungsschutzprozesse verloren und sind jetzt arbeitslos.
Baldiger Verlust des Arbeitsplatzes droht:
Die neu entstehende Firma ist mit 235 Mitarbeitern viel zu klein, um auf diesem Sektor
überleben zu können. Um am Weltmarkt bestehen zu können, muss ein Unternehmen heute
eine erhebliche Größe haben. Die ereicht selbst Enterprise nach Analystenmeinung
nicht.
Das spezielle Profil der übergehenden Mitarbeiter (Telekommunikation) passt nicht zu
den bei IBM geforderten Profilen. Offene Stellen werden zwar in anderen
IBM-Konzernunternehmen angeboten, es gibt jedoch in Deutschland nur 168 offene Stellen
bei IBM, von denen aber die wenigsten Entwicklerstellen sind. Für diese Stellen
müssen sich die übergehenden Mitarbeiter außerdem wie jeder andere Externe bewerben.
Insbesondere die Mitarbeiter, die jetzt schon keine Aufgabe haben oder deren Projekt
bald ausläuft haben keine Möglichkeit, innerhalb des neuen Unternehmens einen neuen
Arbeitsplatz zu finden und müssen spätestens 2009 mit einer Kündigung rechnen.
(cr/iw)
InWaChRo-News: Freitag, 05.10.07
NSN – SCA: Folgen des Widerspruchs bei potentiellen Kündigungsschutzklagen 2009
Hat ein Mitarbeiter einem Betriebsübergang begründet widersprochen, ist er in eine
Sozialauswahl einzubeziehen, wie jeder andere Mitarbeiter auch. Seine Chancen in einem
eventuellen Kündigungsschutzprozess verschlechtern sich durch einen begründeten
Widerspruch daher nicht.
Für die widersprechenden Mitarbeiter ändert sich auch an ihrem Kündigungsschutz bis
30.9.2009 nichts. Für sie gelten auch die Angebote des IA/SP weiter. Insbesondere
können sie keine Key People sein. Auch für die Widersprüchler ist empfehlenswert,
nicht in die beE zu gehen, sondern NSN als beE zu nutzen.
Der Wegfall des Arbeitsplatzes durch den Betriebsübergang bedeutet nicht die Aufhebung
des Arbeitsverhältnisses. NSN ist daher verpflichtet, die widersprechenden Mitarbeiter
auf anderen Arbeitsplätzen weiterzubeschäftigen. Diese vertragsgemäße Beschäftigung
sollte man im Zweifelsfall einklagen.
(iw/cr)
InWaChRo-News: Donnerstag, 04.10.07
Siemens: 201 Millionen Strafe - zu niedrig laut Transparency International
Im Siemens-Korruptionsskandal hat das Landgericht München eine Strafzahlung in Höhe
von 201 Millionen Euro verhängt. Im Gegenzug dazu wurden die Ermittlungen bei der
einstigen Telekommunikationssparte Com eingestellt. Siemens verzichtet auf weitere
Rechtsmittel.
"Siemens kauft sich ein bisschen frei" kommentierte der Spiegel in seiner heutigen
Online-Ausgabe. Die Höhe bzw. die Niedrigkeit dieses Bußgeldes wird angesichts der
Summen in den Schwarzen Kassen auch von Transparency International (TI) kritisiert.
"Die Geldbuße ist für Deutschland sehr hoch, aber bei der enormen Höhe zweifelhafter
Zahlungen und dem Profit aus zweifelhaften Geschäften möglicherweise bescheiden",
sagt von Peter von Blomberg, stellvertretender Vorsitzender der
Anti-Korruptions-Organisation Transparency International (TI). Blomberg kritisiert
auch die Einstellung der Untersuchungen: "Zwar ist klar, dass gegen unmittelbar
Beteiligte weiter ermittelt wird - ob aber die Untersuchungen gegen Vorgesetzte oder
Mitwisser weiter gehen, ist offen".
Siemens dagegen gibt sich zufrieden. "Die heutigen Entscheidungen sind wichtige
Schritte bei der Aufklärung und Aufarbeitung von Unregelmäßigkeiten in der
Vergangenheit", sagte Siemens-Chef Peter Löscher. "Siemens steht zu seiner
Verantwortung. Wir dulden kein gesetzwidriges Verhalten und ahnden Zuwiderhandlungen
mit klaren Konsequenzen"
Ein wenig zu platt klingen diese Worte angesichts des Netzes der schwarzen Kassen. Es
bleibt der fade Nachgeschmack, dass Siemens sich schwer tut mit der Verantwortung,
insbesondere dann, wenn sie sich der Führungsspitze nähert. So wurde beispielsweise
gegen Rainer S., wie heute ebenfalls bekannt wurde, ein Anklageverfahren eröffnet.
Rainer S. hat entscheidend zur Aufklärung der Korruption bei Com durch sein Geständnis
beigetragen. Er wird als Schlüsselfigur bezeichnet, da er über Jahre die schwarzen
Kassen bei Com verwaltet haben soll. Doch die Frage, wer hat das System der schwarzen
Kassen aufgebaut, wer hat wie lange die schwarzen Kassen stillschweigend geduldet,
bleibt nach wie vor unbeantwortet. Fraglich ist, ob die Frage je beantwortet wird,
trotz Löschers Worten.
Obwohl die Ermittlungen in der Com-Sparte damit eingestellt werden, würden die
unabhängigen Untersuchungen durch die Anwaltskanzlei Debevoise and Plimpton
fortgesetzt. Siemens droht weiter eine Strafe der US-Börsenaufsicht SEC. Diese wird
dann voraussichtlich deutlich höher ausfallen.
Siemens muss zusätzlich 179 Millionen Euro Steuern nachzahlen, denn insgesamt seien
im Bereich Com Zahlungen von 450 Millionen Euro als steuerlich nicht abzugsfähig
eingestuft worden. Hinzu kommt, dass die Korruptionsaffäre sich in hohen
Beratungskosten bemerkbar macht. Allein in den ersten neun Monaten des laufenden
Geschäftsjahres waren Aufwendungen für externe Berater von 188 Millionen Euro
angefallen.
(iw)
InWaChRo-News: Donnerstag, 04.10.07
NSN: Nokia kann Siemens-Ausstieg blockieren
Peter Löscher hatte bekannt gegeben, sich von Randbereichen trennen zu wollen.
Darunter falle auch Nokia Siemens Networks. Wie der österreichische Standard heute
unter Berufung auf mit den Verträgen vertraute Personen berichtete, braucht Siemens
bis 2013 für seinen Ausstieg aus dem Joint Venture die Zustimmung seines finnischen
Partners.
Nokia-Finanzchef Rick Simonson hatte im Sommer gesagt, dass sich der NSN-Vertrag mit
Siemens über sechs Jahre erstreckt. Die Frist dafür habe mit dem Start des Joint
Ventures am 1. April 2007 begonnen, hieß es. Siemens wollte sich mit Verweis auf die
Vertraulichkeit der Verträge nicht zu den Angaben äußern. Analysten schätzen den Wert
von NSN zwischen 20 und 25 Mrd. Euro.
Löscher hatte sich zu Beginn der Woche nach nur drei Monaten aus dem NSN-Aufsichtsrat
zurückgezogen und den Posten seinem Vorstandskollegen Rudi Lamprecht überlassen. Am
Donnerstag bestellte NSN zudem Eric Simonsen dauerhaft zum neuen Finanzvorstand.
Peter Schönhofer hatte nach nur zwei Monaten das Amt im Juni aufgegeben.
(iw)
InWaChRo-News: Donnerstag, 04.10.07
NSN: Bleiben ist die bessere Alternative
Warum wollen Mitarbeiter überhaupt in die beE gehen? Ist es nicht viel besser, NSN als
beE zu benutzen? Die Vorteile dieser Vorgehensweise sind nämlich folgende:
Man kann sich aus einer ungekündigten, echten Stelle heraus bewerben. Das macht einen
wesentlich besseren Eindruck beim neuen Arbeitgeber.
- Man bekommt weiterhin 100% seines Gehaltes anstatt nur 85% wie in der beE.
- Man hat die Chance, sich wirklich ohne Risiko auf andere Stellen zu bewerben.
- Man bleibt, und das ist nicht zu unterschätzen, in der Arbeit und verliert
dadurch seine Fähigkeiten und sein Know How nicht. Wer zwei Jahre in der beE
war, ist zwei Jahre aus dem Arbeitsprozess heraus gewesen. Jeder Personalchef
wird sich fragen, ob dieser Bewerber noch über die entsprechende
Integrationsfähigkeit in den Arbeitsprozess, über die erforderlichen
Softskills und das aktuelle Know How verfügt.
- Der Bewerbungsdruck der beE, der Frust bei Erfolglosigkeit bei der Jobsuche
und der Druck, etwas finden zu müssen (egal, was) entfallen. Man muss sich
nicht auf Stellen bewerben, auf die man nicht passt, nur um den beE-Betreuer
zufriedenzustellen. Telefon-Interviews führt man nicht auf Befehl der beE
durch, sondern nur dann, wenn man das selbst will.
- Die Gefahr, aufgrund der Freistellung zuhause zu versumpfen, der viele Arbeitslose
erliegen, besteht nicht.
- Die Frage: „was machst du denn jetzt? Hast du wieder einen Job?“ entfällt und
damit der Rechtfertigungszwang. Diese Frage erhöht den psychischen Druck und
sie kann dazu führen, dass Betroffene sich sozial zurückziehen.
- Wenn es nicht klappt mit einem neuen Job, habt ihr am 1.10.2009 immer noch
einen Job, von dem ihr leben könnt. Selbst wenn dann Kündigungen kommen
sollten, wird es aufgrund des erzwingbaren Sozialplans wieder Abfindungen
geben, wahrscheinlich eine beE und ggf. Kündigungsschutzklagen.
Wie kann man vorgehen?
Wenn man NSN als beE benutzen will, nimmt man sich vor, jedes Wochenende die
Stellenanzeigen im Internet und in Zeitungen durchzusehen. Sich durch Bücher und
vielleicht einen Coach das Know How aufzubauen, wie man sich richtig bewirbt, kann
hilfreich sein. Dann schreibt man jedes Wochenende eine Bewerbung, evtl. eine
Initiativbewerbung. Wenn ihr eine Absage bekommt, nachfragen, woran es gelegen hat,
damit ihr für die nächste Bewerbung daraus lernen könnt.
Abfindung
Beim Arbeitslosengeld wird mit ziemlicher Sicherheit eine dreimonatige Sperrzeit
verhängt, da ihr aufgrund eures Kündigungsschutzes durch den Aufhebungsvertrag
(beE-Vertrag) wie der Gesetzgeber sagt, mutwillig euren Arbeitsplatz aufgegeben habt.
Diese drei Monate einschließlich des Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteils des
Krankenkassenbeitrags müsst ihr von eurer Abfindung überbrücken.
Ihr bekommt eure Abfindung mitten im Jahr und lauft Gefahr durch euer beE-Gehalt in
die Progression zu kommen (Steuernachzahlungen im Folgejahr drohen). Auch wenn ihr
die Abfindung erst im Folgejahr auszahlen lasst, könnt ihr durch das Arbeitslosengeld
in die Progression geraten, da das zur Berechnung des Steuersatzes herangezogen wird.
Fazit
Insbesondere da es auch bei einem späteren Personalabbau Abfindungen geben wird, ist
es unsinnig, jetzt in die beE zu gehen, oder eine Abfindung zu nehmen, wenn man keine
sichere Alternative (neuer fester Job, 2 Jahre bis zur Rente, …) hat. NSN als beE zu
nutzen, ist dann die bessere Alternative.
(cr/iw)
InWaChRo-News: Donnerstag, 04.10.07
Überlebenschancen im Arbeitsplatz-Poker
Mitarbeiter fragen sich im Poker-Spiel mit der Unternehmensleitung wie und wo sie am
besten finanziell überleben können. Ist der Weg in die beE der richtige? Soll ich bei
einem Betriebsübergang mit übergehen? Soll ich bei NSN bleiben oder soll ich mir
einfach so einen neuen Arbeitsplatz suchen?
Die Antwort ist nicht einfach. Deshalb wollen wir noch einmal eine Übersicht als
Entscheidungshilfe bereitstellen.
Die Frage des Überlebens in einem Unternehmen reduziert sich auf die Frage, wie
erfolgreich kann mich ein Arbeitgeber kündigen.
Grundwissen
Nokia Siemens Networks ist - wie wir schon oft dargestellt haben - ein Konzern. Dieser
Konzern besteht aus mehreren Unternehmen, darunter die Nokia Siemens Networks
GmbH & Co. KG. Dies ist ein Unternehmen, das aus mehreren Betrieben, die über ganz
Deutschland verteilt sind, besteht. In München sind dies die Betriebe Mch H, Mch M,
Mch P. Sinngemäß gilt dies auch für Enterprise.
Wichtig zu merken ist: Nur das Unternehmen, hier Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG,
liefert für die Mitarbeiter Rechte. Die anderen Unternehmen des Konzerns sind
arbeitsrechtlich betrachtet Fremdfirmen, wie Alcatel, Ericsson, O2 usw.
Der Arbeitgeber hat prinzipiell folgende Möglichkeiten zum Arbeitsplatzabbau:
- freiwillige Maßnahmen wie beE und Aufhebungsvertrag
- betriebsbedingte Kündigungen
- Auslagerungen (Verkauf)
- (Teil-)Betriebsschließung
Bei den betriebsbedingten Kündigungen muss der Arbeitgeber drei Kriterien nach §1 KSchG beachten:
- Er muss eine Sozialauswahl über den Betrieb durchführen, d.h. je älter
man ist, je länger man bei der Firma ist, desto besser die Chancen einen
Kündigungsschutzprozess zu gewinnen. Eine Sozialauswahl bekommt der
Arbeitgeber meist nicht korrekt hin.
- Der Arbeitgeber muss prüfen, ob es im Unternehmen (nicht Konzern) freie
Stellen gibt, auf denen die Mitarbeiter weiterbeschäftigt werden können. Hat
er solche Stellen und versetzt er die Mitarbeiter nicht auf diese, dann kann
der Mitarbeiter über diese freien Stellen einen Kündigungsschutzprozess
gewinnen.
- Der Arbeitgeber muss vor Gericht begründen, warum aufgrund seiner
unternehmerischen Entscheidung (Portfolioänderung, Umorganisation) gerade der
Arbeitsplatz von Herrn Müller und nicht der von Frau Meyer entfallen ist.
Gelingt ihm dies vor Gericht nicht, gewinnt der Arbeitnehmer wieder seinen
Kündigungsschutzprozess.
Da es sich hierbei in der Regel um eine Betriebsänderung handelt, ist ein Sozialplan
vom Betriebsrat erzwingbar. Abfindungen sind also immer drin.
Ihr seht, das ist nicht so einfach. Deshalb greift der Arbeitgeber lieber zu
Auslagerungen/Verkauf:
Hier handelt es sich in der Regel um Betriebsübergänge nach §613a BGB. Der Mitarbeiter
nimmt dabei alle seine erworbenen Rechte mit (Bestandschutz). Der alte Arbeitgeber
muss eine rechtlich einwandfreie Unterrichtung seiner übergehenden Mitarbeiter über
diesen Betriebsübergang hinbekommen. Das gelingt ihm äußerst selten.
Da es sich hierbei in der Regel um eine Betriebsänderung handelt, ist ein Sozialplan
vom Betriebsrat erzwingbar. Abfindungen sind also immer drin.
(Teil-)Betriebsschließung:
Einen Betrieb kann der Arbeitgeber immer schließen. Zu beachten ist hier jedoch, dass
es ein (Teil)Betrieb sein muss und kein bloßer zusammengewürfelter Haufen von
Mitarbeiter, die der Arbeitgeber entsorgen will. Ein Betrieb muss einen Betriebszweck
haben und die Organisationsstruktur eines Betriebes aufweisen. Gleiches gilt für einen
Teilbetrieb.
Da es sich bei (Teil)Betriebsschließung um eine Betriebsänderung handelt, ist ein
Sozialplan vom Betriebsrat erzwingbar. Abfindungen sind also immer drin.
Zusammenfassend kann man sagen:
Kündigungsschutz bis 30.09.2009. NSN lässt sich in dieser Zeit sehr gut wie ein beE
benutzen.
Will der Arbeitgeber ab 01.10.2009 kündigen ist zunächst ein neuer Sozialplan
erforderlich. Aufgrund der Erzwingbarkeit der Sozialpläne sind Abfindungen immer drin.
Da der Arbeitgeber Kündigungen nur in den seltensten Fällen korrekt hinbekommt, ist
die Wahrscheinlichkeit vor Gericht einen Kündigungsschutzprozess zu gewinnen oder über
einen Vergleich eine Abfindung in Höhe des Sozialplans zu bekommen, relativ groß.
Ausgliederungen werden voraussichtlich von Arbeitgeberseite weiter zum Stellenabbau
verwendet werden. Aber auch bei Widerspruch hält der Kündigungsschutz und der jetzt
laufende Sozialplan.
Folgende Fälle sind unten dargestellt:
- Mitarbeiter bleibt bei NSN
- Auslagerung: Mitarbeiter werden in einen bestehenden Betrieb eines Unternehmens
integriert
- Auslagerung: Mitarbeiter werden in einen neu zu gründen Betrieb eines Unternehmens
mit mehreren Betrieben integriert (TietoEnator)
- Auslagerung: Mitarbeiter werden in ein neu zu gründendes Unternehmen mit nur
einem Betrieb integriert (SCA-IBM); Entsorgungsmodell
- Mitarbeiter widerspricht Betriebsübergang




(iw)
InWaChRo-News: Montag, 01.10.07
Siemens: Nun auch noch eine Kur-Affäre?
Neben Korruptions- und AUB-Affäre muss sich der Siemens-Aufsichtsrat nun auch noch mit
den Kuren von höchstrangigen Arbeitnehmervertretern im konzerneigenen Erholungsheim
Habischried im Bayerischen Wald befassen.
Mindestens drei AUB-Funktionäre, die nicht bei Siemens beschäftigt waren, darunter der
frühere Schelsky-Firmenpartner Lothar Mahling, sollen laut Stern auf der Gästeliste
des Erholungsheimes stehen. Die Kuren für die AUB-Vertreter, soll der
Siemens-Personalchef Walter Huber genehmigt haben. Im Fall Mahling bestätigte Siemens
die Kurteilnahme, eine Rechnung sei jedoch „zeitnah“ beglichen worden. Mahling war für
den Stern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Walter Huber wollte dazu keinen
Kommentar abgeben.
Seit einiger Zeit beschäftigt sich auch die Firmenrevision mit den Gästelisten des
Kurhauses. Nach Angaben aus internen Ermittlungskreisen seien, so der Stern, die
Ehefrauen der IG-Metaller Ralf Heckmann und Lothar Adler im Herbst 2004 ebenfalls in
Habischried gewesen. Die Kosten dafür - angeblich jeweils rund 1.600 Euro – soll zum
Teil der Konzern übernommen haben bzw. die Kosten seien erst nachträglich, teilweise
erst, als der Sachverhalt intern bekannt wurde, in Rechnung gestellt worden, schreibt
der Stern weiter.
Anfang April 2007, als die Ermittlungen in der AUB-Affäre voranschritten, schloss
Heckmann, der Gesamtbetriebsratvorsitzende und stellvertretende
Aufsichtsratsvorsitzende der Siemens AG, nicht aus, dass auch IG Metall-Betriebsräte
Schmiergelder erhalten haben. „Wir gehen
davon aus, dass auch in unseren Reihen Fälle hochkommen werden. … Ich möchte nicht für
alle der mehr als hundert IG-Metall-Betriebsratsvorsitzenden bei Siemens meine Hand
ins Feuer legen.“, sagte Heckmann damals.
Der Stern fragt sich nun: „Sollte er am Ende sich selbst gemeint haben?“
Heckmann und Adler ließen dem Stern mitteilen, dass die Kuren ihrer Frauen
entsprechend der Siemens-Regularien stattgefunden hätten und von ihnen bezahlt worden
seien. Ob erst nachträglich, ließen sie ausdrücklich offen, so der Stern.
(cr)
InWaChRo-News: Sonntag, 30.09.07
Siemens: Untersuchung nun auch gegen von Pierer?
In der letzten Sitzung des Siemens-Aufsichtsrats sollen Aufsichtsratsmitglieder darauf
gedrängt haben, zu untersuchen, ob von Pierer und weitere Vorstands- und
Aufsichtsratsmitglieder womöglich ihre Sorgfaltspflichten verletzten, als sie den
Konzern 2001 an die New Yorker Börse brachten.
Debevoise & Plimpton soll in diesem Zusammenhang prüfen, ob von Pierer und seine
Vorstandskollegen damals genug unternommen haben, um schwarze Kassen zu eliminieren.
Bislang unveröffentlichte Berichte für den Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats legten
die Vermutung nahe, dass der frühere Vorstand zumindest fahrlässig gehandelt haben
könnte.
(cr)
Autoren: Inken Wanzek, Christine Rosenboom
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