Artikel: Oktober 2007



NSN
31.10.07   Im HWS Center Bruchsal befürchtet man das Schlimmste
31.10.07   Aktuelle Abbauzahlen
29.10.07   Ein Münchner im Himmel
27.10.07   Bevor die Ängste übermächtig werden
26.10.07   Kommentar zum Townhall-Meeting
19.10.07   Stagnierender Personalabbau beeinflusst Turnaround nicht
19.10.07   Turnaround erreicht
15.10.07   Schon wieder Blaue Briefe
14.10.07   Nö So Nich
13.10.07   Überlebenschancen bis 30.09.2009
13.10.07   Überlebenschancen ab 1.10.2009
10.10.07   NSN weist Pressebericht über zusätzlichen Personalabbau zurück
08.10.07   Unternehmensberatung beauftragt
08.10.07   Zwerg oder Nr. 1?
04.10.07   Nokia kann Siemens-Ausstieg blockieren
04.10.07   Bleiben ist die bessere Alternative
04.10.07   Überlebenschancen im Arbeitsplatz-Poker

NSN-VTS
26.10.07   Herzlich Willkommen bei NCI
26.10.07   Die Zukunft der Mitarbeiter
26.10.07   Was ist VTS?
26.10.07   Die Zukunft von VTS
26.10.07   Widerspruch gegen Betriebsübergang macht keinen Sinn
26.10.07   Beamte
17.10.07   Kauft NSN die Telekom Beschäftigungsgesellschaft VTS?


NSN-Wipro
12.10.07   Ausgliederung der Radio Access Entwicklung zu Wipro


Enterprise
30.10.07   Verkaufsvorbereitungen gehen weiter


PSE
25.10.07   Auswirkung der NSN-Krise - Stellenabbau bei PSE
25.10.07   Auswirkung der NSN-Krise - Stellenabbau bei PSE


SIS
17.10.07   Betriebsrat der SIS Region Südbayern begrüßt Lösung der ETV-Eingruppierungsverfahren
14.10.07   Abschließende Lösung der ETV-Eingruppierungsverfahren
07.10.07   Abschließende Lösung der ETV-Eingruppierungsverfahren


Gesellschaft
30.10.07   Der beste Tag jemanden zu entlassen ist der Mittwoch
20.10.07   Jeder trägt gesellschaftliche Verantwortung
13.10.07   Traum und Wirklichkeit
13.10.07   Menschen gegen Aufträge
10.10.07   Traum und Wirklichkeit

InWaChRo-News: Mittwoch, 31.10.07

NSN: Im HWS Center Bruchsal befürchtet man das Schlimmste
Das HWS Center Bruchsal sieht sich gezwungen, in einem Brief der „HWS Community“ mitzuteilen, dass sie aufgrund des massiven Stellenabbaus nicht mehr in der Lage sind, die Kundenanforderungen zu bedienen. Dieser Brief gleicht einem Offenbarungseid.

Wir meinen, das NSN-Top-Management muss umgehend seine Personalpolitik ändern, bevor es zu spät ist.

Hier die deutsche Übersetzung des Briefes. Das englische Original siehe unten:

„Unglücklicherweise müssen wir Sie über ernsthafte Einschränkungen bei den Arbeitsabläufen in Bruchsal und München informieren. Seit dem Start von NSN werden permanent Restrukturierungsaktivitäten in Deutschland, bei denen den Mitarbeitern angeboten wird, mit Abfindung die Firma freiwillig zu verlassen, durchgeführt. Dieses Angebot gilt bis Ende Oktober und kann bis zum letzten Tag angenommen werden. Dies bedeutet im Extremfall, dass Mitarbeiter ihr Gehen am letzten Oktobertag ankündigen und im November nicht mehr kommen.

Wir haben versucht, uns auf diese bekannte Situation so gut wie möglich vorzubereiten, aber die Anzahl der Leute, die das Angebot annahmen und NSN verlassen werden, hat sich in den letzten Tagen dramatisch erhöht. Tatsächlich verlassen die meisten die Firma mit sofortiger Wirkung (aufgrund des Aufhebungsvertrages), sodass unsere globalen Aktivitäten durch diese Situation schwer beeinträchtigt sind. Wir haben einen Notfallplan installiert, um unsere Aktivitäten sicherzustellen, aber es wird eine Zeitlang dauern, bis wir zusätzliche Mitarbeiter bekommen und diese eingearbeitet sind. In einigen Abteilungen haben wir fast alle Mitarbeiter verloren. Die verbliebenen Mitarbeiter versuchen ihr äußerstes, die Auswirkungen auf das operative Geschäft so klein wie möglich zu halten, aber natürlich erwarten wir Schwierigkeiten dabei, die Performance in den nächsten Wochen aufrecht zu erhalten.

Wir setzen einen unserer NSN-Werte, die „Offene Kommunikation“ um und bitten Sie um Ihre Unterstützung und Ihr Verständnis.

Wie Sie sich vorstellen können, ist nun die Arbeitslast der verbliebenen Kollegen sehr hoch und wir versuchen uns auf das Wichtigste zu fokussieren und implementieren dabei aber gleichzeitig eine Lösung für diese Situation. Wir verhandeln mit dem zuständigen Betriebsrat und wir sind sehr zuversichtlich, bald eine gemeinsame Lösung zu finden, die für beide Seiten akzeptabel ist.

Wir bitten Sie, während der nächsten Wochen, Eskalationen nach Möglichkeit zu vermeiden. Wir versuchen unser Bestes, alle benötigten Lieferungen bereitzustellen und wir wissen, dass Verzögerungen Probleme verursachen, aber Brandmails oder Telefonanrufe hält die Mitarbeiter von ihrer eigentlichen Arbeit ab, auf die sie sich im Augenblick konzentrieren müssen.

Deshalb bitten wir Sie, Ihre Beschwerden innerhalb der Region nur über die regionalen Operations Manager einzubringen, die mit xxx oder yyy Kontakt aufnehmen werden. Diese werden innerhalb der Teams weitere Möglichkeiten diskutieren um hochpriore Lieferungen zu bedienen. Wir hoffen, in den nächsten Wochen wieder in der Spur zu sein – bis dahin werden wir Sie mit dem bestmöglichen Service versorgen und versuchen, die Auswirkungen so weit wie möglich zu minimieren.“

English version:

“Dear HWS Community,
Unfortunately we need to inform you about serious resource constraints in the global Bruchsal and Munich operations. Since the start of NSN we have ongoing restructuring activities in Germany which includes an offer to leave the company voluntarily, associated with a leaving package. This offer is still valid until end of October and can be taken until last day of October. This means in extreme cases people are announcing their leave last day in October and not coming anymore in November.

We have been trying to prepare for this known situation as good as possible, but the number of people taking the offer and leaving NSN has increased dramatically in last days. As a matter of fact, most of the people are leaving with immediate effect (nature of the leaving package) so our global operations is now hit heavily by this situation. We have implemented an emergency plan to secure our operations, but it will take a while to get additional and transferred resources up to speed. In some units we have lost almost everybody. The remaining colleagues try their utmost to keep the operational consequences as small as possible, but of course we all expect difficulties to keep the performance for the next couple of weeks.

We are bringing one of our NSN values into life "open communication" and therefore asking for your support and understanding.

As you can imagine, the workload of the remaining colleagues is now very high, and we are trying to focus on most important issues but at the same time ramping up the solution for re-solving the situation. We are in negotiation with respective works council and we are very positive about finding a common solution which is acceptable for both sides very soon.

Please consider carefully escalations during the next coming weeks. We try our best to serve all needed deliveries and we know that delays are causing problems, but clearing escalation emails or phone calls is keeping the people away from their actual business, they must focus on now.

Therefore please channel the escalations inside the region through the regional Operations Manager which should contact xxxxx or xxxxx. They will further discuss inside the teams possibilities to serve top urgent deliveries. We hope to be back on track within the next couple of weeks - until than we provide the best service possible and try to minimize the consequences as much as possible.”
(iw/cr)


InWaChRo-News: Mittwoch, 31.10.07

NSN: Aktuelle Abbauzahlen
Laut Personalabteilung haben 386 Mitarbeiter in Mch-M (geplant: 926) und ca. 120 Mitarbeiter in Mch H (geplant: 291) einen Aufhebungsvertrag mit/ohne beE unterschrieben. In Mch M wurden also 41,7 Prozent, in Mch H 41,2 Prozent des geplanten Abbaus erreicht. In der Niederlassung Hamburg (BR-Einheit 11) haben 34 von 192 Mitarbeitern unterschrieben, dies sind 17,7 Prozent der dortigen Mitarbeiter.

Insgesamt sollen deutschlandweit ca. 1.000 Mitarbeiter (geplant: 2290) in die beE gegangen sein. Dies entspricht ca. 43,7 Prozent des geplanten Abbaus. NSN zeigte sich erfreut, da man mit weniger Unterschriften gerechnet habe.
(cr)


InWaChRo-News: Dienstag, 30.10.07

Enterprise: Verkaufsvorbereitungen gehen weiter
In der Münchner Hofmannstraße soll seit einiger Zeit der Verkauf von Enterprise vorbereitet werden. Die Analyse und Filetierung von Enterprise in verkaufbare Einheiten wird nach Angaben interner Kreise von der gleichen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und Unternehmensberatung durchgeführt, die auch das Joint Venture zwischen Siemens und Nokia vorbereitet und zum Abschluss gebracht haben. Wie weit das Projekt "Enterprise" bereits vor dem Abschluss steht, ist uns derzeit nicht bekannt.
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 30.10.07

NSN-VTS: Seite eingerichtet
Wir haben jetzt für die VTS-Mitarbeiter einen eigene Seite eingerichtet. Diese findet ihr unter dem Menüpunkt "Aktuelles - NSN <- VTS (Telekom)". Auf dieser Seite werden in unregelmäßigen Abständen die VTS-Artikel archiviert. Um stets auf dem neusten Stand zu sein, empfehlen wir regelmäßig die Artikel unter "Aktuelles" zu lesen.
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 30.10.07

Der beste Tag jemanden zu entlassen ist der Mittwoch
Outplacement-Firmen beschäftigen sich mit allem Möglichen, auch mit der Frage, wie entlässt man am geschicktesten Leute. So schlägt der Unternehmensberater Steve Harrison, der seit 25 Jahren in der Outplacement-Firma Lee Hech Herrison arbeitet, den Mittwoch als geeigneten Tag vor.

Auch für die Motivation von Mitarbeitern gibt Harrison Empfehlungen an die Manager. So wäre es gut, die Namen der Mitarbeiter zu lernen. Dies trägt zu einer loyalen Belegschaft bei. Eine loyale Belegschaft ist eine produktive Belegschaft und eine produktive Belegschaft bedeutet erfolgreiches Geschäft. Jetzt wisst ihr warum die Unternehmen das deutsche Wort "lieber" oder das englische Wort "dear" okkupieren und dahinter gerne den Vornamen setzen. "Dear Robert" macht uns loyal, motiviert uns und damit dient "dear Robert" dem Geschäft.

Lee Hech Herrision wurde beispielsweise von NSN beauftragt, die Orientierungsworkshops für die beE durchzuführen.

Warum aber ist der Mittwoch zum Feuern besser als der der Freitag? Steve Harrison beginnt mit seiner Argumentation moralisch. Es gehe darum, sagt er, die Würde des Menschen zu bewahren. Entlassen zu werden, gleicht einem Nackenschlag und bedeutet Ablehnung zu erfahren. Entlässt der Arbeitgeber am Freitag, dann stehen dem betroffenen Mitarbeiter die unterstützenden Personen, wie Personalabteilung und die entsprechenden Beratungen nicht zur Verfügung. Es kommt das Wochenende, an dem der Mitarbeiter zu Hause schmort und wütend wird.

Was aber, so unser Kommentar, bedeutet es, wenn der Mitarbeiter zu Hause ohne die beratende Personalabteilung "schmort" und "wütend" wird? Er beginnt seine Situation, so wie sie ist, zu erkennen. In ihm regt sich der Widerstand, entweder den angebotenen Aufhebungsvertrag nicht zu unterschreiben oder eine Kündigungsschutzklage vor Gericht einzureichen. Eine Entlassung mit nachstehender Betreuung durch die Personalabteilung dagegen könnte, diesen psychologischen Effekt verhindern und zwar dadurch, dass dem Mitarbeiter Perspektiven aufgezeigt werden, die zu prüfen er in dieser Situation gar nicht in der Lage ist. Da er sein Arbeitsleben lang gewohnt war, der Firma zu vertrauen, schließlich sagten alle zu ihm "dear Robert", zweifelt er die Vorschläge der Personalabteilung bei rechtzeitiger Beeinflussung kaum an.

Auf die Frage, was denn der beste Ort und Zeitpunkt sei, um die Botschaft "You've believed, but now you are fired" zu überbringen, antwortet Steve Harrison, dass darauf zu achten sei, dass der Mitarbeiter sich in der Umgebung, in der ihm die Nachricht überbracht wird, wohl fühlt. Auf keinen Fall sollte er durch lange Gänge marschieren müssen, um sich die Hiobsbotschaft abzuholen. Geeignet sei daher ein Besprechungsraum in der Nähe des Büros des Betroffenen oder das eigene Büro. Wichtig sei dabei aber, dass nach Möglichkeit kein Kollege etwas davon mitbekommt. Das könnte für den Betroffenen peinlich sein. Isolation ermöglicht es ihm, beispielsweise seine Frau oder Freunde anzurufen.

Unsere Erfahrung dagegen ist eine andere. Wir haben beobachtet, dass Isolation dem Arbeitgeber in die Hände spielt. Der Betroffene fühlt sich alleine. Um ihn spielt sich eine Welt ab, die für fünf Minuten noch die seine war, nun aber wie durch eine unsichtbare Mauer von ihm getrennt ist. Nur, wenn die Kollegen von dem Schicksal des "Blauen Brief"-Empfängers erfahren, nur wenn miteinander geredet wird, kann der Betroffene wieder aus seinem Trance-Zustand finden. Das aber will der Arbeitgeber nicht, zumindest nicht, solange der zu Entlassene noch im Büro ist. Der optimale Zustand für den Arbeitgeber ist, wenn die Personalabteilung der einzige Ansprechpartner für den Betroffenen ist.

Daher die Empfehlung der Outplacement-Firma mittwochs mit anschließender "Beratung" durch die Personalabteilung zu entlassen, am besten um die Mittagszeit, wo die Kollegen zum Mittagessen gehen oder am späten Nachmittag, wenn die Kollegen die Firma verlassen. Allerdings sollte der Termin des Gesprächs nicht zu spät gewählt werden, denn die Beratung durch die Personalabteilung muss noch erfolgen können.

Steve Harrison fordert jedoch von den Führungskräften, Mut, Sensibilität und Mitleid. Diese kleinen Dinge, sagt er, zählen. So sollten Führungskräfte niemals sagen; "Es ist nicht meine Idee, ich muss nur die Anweisung ausführen." Das, so Harrison, ist einer Führungskraft nicht würdig und wir setzen hinzu, dieses Verhalten könnte Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Entlassung beim Betroffenen wecken.

Jemanden mit Anstand zu entlassen ist gut für die bleibenden Mitarbeiter. Es zeigt, dass die Firma auch in schwierigen Zeiten Mitgefühl zeigt. Harrison ist davon überzeugt.

Das anständige Entlassen erweckt bei den verbleibenden Mitarbeitern, das Gefühl, dass "dear Robert" zum Wohle der Firma gehen musste. "Bye, dear Robert". Diesen Namen muss das Management nicht mehr lernen. "Dear Robert" ist keine Investition und dient nicht mehr dem Unternehmenserfolg.

"Welcome, dear Lee!" sorgt nun für den Profit!
(iw)


InWaChRo-News: Montag, 29.10.07

NSN: Ein Münchner im Himmel
oder: Warum das NSN-Management noch heute auf die göttliche Eingebung wartet.


Frei nach „Ein Münchner im Himmel“ von Ludwig Thoma

Alois Hingerl - Ingenieur Nr. 172 am Münchner Standort Martinstraße - erledigte einen Auftrag mit solcher Hast, dass er vom Schlag getroffen zu Boden sank und starb.

Zwei Engerln schleppten ihn mit vieler Mühe in den NSN-Himmel, eine himmlische Abteilung, die extra für die treu ergebenen und tief an den Erfolg von NSN glaubenden Mitarbeiter eingerichtet wurde. Dort wurde er vom heiligen Simon empfangen.

Simon eröffnete ihm zuerst, dass er von nun an auf den Namen "Engel Aloisius" zu hören habe, überreichte ihm einen Aufhebungsvertrag für seine irdische Tätigkeit und machte ihn mit der himmlischen Hausordnung bekannt:
"...von morgens 8 Uhr bis mittags 12 Uhr: in reinem Englisch frohlocken;
von mittags 12 Uhr bis abends 8 Uhr: Hosianna singen."

"Wos is?"

"Von morgens 8 Uhr bis abends 12 Uhr in reinem Englisch frohlocken - von mittags 12 Uhr bis 8 Uhr abends Hosianna singen!"

"So - hmhm - ja, wann kriag na i wos z'doa?"

"Sie werden Ihr Know-How schon noch transferieren können", sagte Simon leicht indigniert und ließ ihn stehen.

"Auweh! Des werd sche fad - mei Liaba, da moan i ollawei, da bin i neitret'n! Frohlocken?! In Englisch?! A-a-a-a - eahm schaug o: frohlock'n müaßat i da herobn ... i hab gmoant, i kumm in NSN-Himmi...?!"

Er setzte sich, wie ihm befohlen, auf eine Wolke und begann zu frohlocken:
"I believe in NSN - - - I believe in NSN - - - I believe in NSN very much- - - ... I believe Matsch"

Ein völlig vergeistigter Manager schwebte an ihm vorüber.

"Sie! Herr Nachbar! Herr Nachbar!" schrie Aloisius, "hamm Sie vielleicht an Laptop bei Eahna?" An PC - ham's nix? An Blackberry? - geh weida, fahr oan her!"

Der Durchgeistigte sah ihn nur völlig entgeistert an, lispelte nur "I believe in NSN!" und flog von hinnen.

"Ja - ja, was is denn does fuer a Hanswurst?" rief Aloisius. "Nacha hamm S' halt koan PC, Sie Manager, Sie boaniga! Sie aus'gschammta!" Ja - na, na, na hast halt koan Laptop net - wenn ma scho anständig fragt, werd ma doch a anständige Antwort kriag'n kenna, - gscherte Ruab'n, gscherte, - Manager ... boaniger!!! Mei Liaber, da werd a so a Zeigl Herob'n sei! A-a-a-a-a, was steh i aus!"

Und er setzte sich wieder auf seine Wolke und begann erneut zu frohlocken; diesmal allerdings bedeutend zorniger!"
I believe - believe - belive sag i - zäfix i mog’s net believen - Luhja!!!"

Er schrie so laut, dass der liebe Gott nebenan von seinem Mittagsschlaf erwachte... und ganz erstaunt fragte:
"Ja, was ist denn da für ein Lümmel heroben?"

Und er schickte sofort zu Simon - der kam angerast - und sie hörten zusammen den Engel Aloisius frohlocken:
"Believe! - Sacklzementbelieve - belive, sag i - Mei Liaber: Belive!!!"

Simon raste los und schleppte den Aloisius vor den lieben Gott.

Der sah ihn sich lange an - darauf sprach er:
" Aha - ein Münchner! Ja sagen Sie mal, warum plärr'n Sie denn da heroben so unanständig?"

Da kam er beim Aloisius aber grad an den Richtigen!

Der war mitten drin in der Wut und legte nun los:
"Ja, - ja was glaub'n denn Sie! Weil mir da herob'n im Himmel san, da müaßat i frolocken in Englisch wia a Zeiserl, was? Waas? Z'doa kriagat i überhaupts nix - mei Liaber: an Know-How-Transfer soll i doa hat er g'sagt, an Know-How-Transfer kriagat’n di andern! Mei Liaber, da wennst ma net gehst mit Dei'm Know-How-Transfer, gell, den kennts selber macha, des sag i Eich, aber i maoch for Eich koan Know-How-Transfer, daß Di auskennst! - Und an Eich glaub’n tua i überhaupts net..."

"Simon", sagte der liebe Gott, "mit dem können wir hier nichts anfangen. Nun, für den habe ich eine andere Aufgabe - er soll meine göttlichen Ratschläge dem NSN-Management überbringen. Auf diese Weise kommt er jede Woche ein- oder zweimal nach München - dann hat die liebe Seele ihre Ruhe..."

Als Aloisius das hörte, war er sichtlich froh. Er bekam auch gleich den ersten Auftrag - einen EBlog - und flog damit los.

Und als er plötzlich Münchner Boden unter den Füßen fühlte, da war es ihm, als sei er im Himmel.

Und einer alten Gewohnheit gemäß führte ihn der Weg hin zur Martinstraße, und er fand seinen alten Arbeitsplatz wieder,
fand den Arbeitsplatz leer,
die Sekretärin, die Kathi, kam auf ihn zu...


und reichte ihm die liegengebliebene Arbeit
und er begann zu arbeiten,
und er vergaß seinen EBlog und seinen Auftrag,
und er arbeitete einen Auftrag ab,
und noch einen Auftrag und noch einen...
und da sitzt er heit no.


Und so wartet das NSN-Management bis heute vergeblich auf die göttlichen Eingebungen.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Samstag, 27.10.07

NSN/Enterprise: Bevor die Ängste übermächtig werden
Arbeit ist fast das ganze Leben. Sie bildet die Existenzgrundlage und ist wichtig für das Selbstwertgefühl. Viele stürzen sich mit Leidenschaft in ihre Tätigkeit.

Doch der seit fünf Jahren fortgesetzte Stellenabbau, zunächst bei Siemens und nun bei NSN / Enterprise mit permanenter Bedrohung des Arbeitsplatzes und der damit verbundenen Verunsicherung ist an fast keinem Mitarbeiter ohne Spuren vorüber gegangen. Der Druck, der auf den Mitarbeitern lastet, wächst von Tag zu Tag. Sie werden gedrängt, die Firma zu verlassen, die Arbeit ausscheidender Kollegen zusätzlich zu ihrer eigenen zu übernehmen, oder sie werden überhaupt nicht beschäftigt. Die Münchner Mitarbeiter wurden in einer beispiellosen Hauruckaktion im Oktober von Perlach in die Martinstraße umgezogen, so sitzen nun Mitarbeiter auf engem Raum zusammen. Dieses enge Aufeinandersitzen erzeugt Aggressionen und damit weiteren Stress.

Dieses Stimmungsbild ergibt sich aus vielen Zuschriften von Kolleginnen und Kollegen, die sich ihre Sorgen, Ängste und auch Aggressionen einfach mal von der Seele schreiben müssen. Dabei wird deutlich: Die Mitarbeiter werden ohne Zukunftsperspektiven mit ihren Ängsten alleine gelassen. Diffuse Ängste werden in manchen Situationen übermächtig. Wie man aus den Ereignissen während des Stellenabbaus in der Vergangenheit sehen kann, können Angst und Verzweiflung zu Kurzschlusshandlungen führen.

Eine Serie von Selbstmorden von Angestellten großer Konzerne passierte in Frankreich. Im Werk von Peugeot-Citroën in Mülhausen gab es seit Anfang 2007 sechs Selbstmorde. Drei Mitarbeiter des Technologiezentrums Guyancourt von Renault bei Paris nahmen sich zwischen Oktober 2006 und Februar 2007 das Leben. Doch auch andere Großkonzerne sind betroffen, verursacht durch Arbeitsbedingungen, Arbeitsbelastung und Personalabbau – und dies nicht nur in Frankreich.

Der Ingenieur Antonio B. stürzte sich am 20.10.2006 im Anschluss an eine Sitzung aus dem Fenster des 5. Stocks des Technocenters von Guyancourt. Der 39jährige Vater eines elfjährigen Sohns war in den Wochen vor seinem Selbstmord immer später nach Hause gekommen, sagte seine Frau den französischen Medien. Auch abends zuhause und am Wochenende habe Antonio weiter gearbeitet. Antonio wollte am Morgen seines Selbstmordes nicht mit zum Arzt kommen, er habe eine wichtige Sitzung. Danach war es zur Kurzschlussreaktion gekommen.

Auch während des Personalabbaus bei Siemens hat es zwei Selbstmorde gegeben. Eine davon war eine ehemalige Kollegin, die im Rahmen des Stellenabbaus einen Aufhebungsvertrag unterschrieben hatte. Auch eine Betriebsrätin konnte die Drucksituation nicht mehr verkraften. NCI führte im Dezember 2003 eine Gesundheitsumfrage mit dem Ziel durch, ein umfassendes Bild über die Auswirkungen des Personalabbaus bei den betroffenen Kollegen zu erhalten. Besonders bedrückend ist, dass 6% der Betroffenen starke und 4% mittelstarke Selbstmordgedanken hatten. Wir möchten nicht, dass sich das bei NSN wiederholt.

Dass es nicht zu mehr Kurzschlusshandlungen gekommen ist, führen wir auch auf den Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung im NCI zurück. Wir können über die Homepage sehr viel erreichen, aber wir können nicht in jedem Betrieb vor Ort sein. NCI lebt dadurch, dass jeder einzelne von euch aktiv wird und nicht darauf wartet, bis ein anderer die Initiative ergreift.

Daher möchten wir euch aufrufen:
Auch wenn ihr selbst unter erheblichem Druck steht, bitte achtet darauf, ob sich jemand zurückzieht oder aggressiv reagiert. Sprecht diese Kollegen aktiv an. Ihr könnt uns auch eine E-Mail schreiben, wenn ihr verzweifelt seid.

Manche Ehe oder Partnerschaft ist auch während des Personalabbaus der letzten 5 Jahre zu Bruch gegangen. Ehepartner und Freunde können nicht endlos über das gleiche negative Thema „drohender Arbeitsplatzverlust“ reden. Sie fühlen sich damit überfordert, haben eigene Ängste. Aber ihr braucht den Rückhalt in der Familie und von Freunden, um mit der Belastung fertig zu werden. Ihr solltet offen mit eurem Partner sprechen, auch seine Ängste wahrnehmen und ihm nichts verschweigen, nur um ihn zu schonen. Dann könnt ihr auch wieder die positiven Erlebnisse in eurem Leben wahrnehmen und daraus Kraft schöpfen.

Menschen, die mit den gleichen Problemen kämpfen, wie ihr, können unendlich darüber reden. Dies haben wir 2003 festgestellt, als sich die ersten NCI-Gruppen gebildet haben. Trefft euch daher einmal pro Woche mit Kollegen, die in der gleichen Situation sind, wie ihr, in einer Kneipe und redet dort offen über eure Probleme und auch über eure Gefühle, über den Druck, über eure rechtlichen Möglichkeiten und sucht Wege, die ihr gehen könnt.

Wartet nicht darauf, dass andere diesen Schritt für euch tun. Werdet selbst aktiv und organisiert diese Treffen. Sich zu treffen, bricht die Isolation auf. Selbst aktiv zu werden hilft, mit den eigenen Emotionen, dem Stress fertig zu werden und Kurzschlussreaktionen zu vermeiden.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Samstag, 27.10.07

NSN-VTS: Herzlich Willkommen bei NCI
Nach dem nun offiziell feststeht, dass die Mitarbeiter der Vivento Technical Services (VTS) zum 1. Januar 2008 von der Deutschen Telekom zu NSN per Betriebsübergang nach §613a BGB übergehen, haben sich einige VTS-Mitarbeiter bei uns gemeldet. Es freut uns natürlich, dass unsere Homepage dort bereits bekannt ist.

Deshalb möchten wir alle VTS-Mitarbeiter als Leser unserer NCI-InWaChRo-News begrüßen und hoffen auf eine gute Zusammenarbeit.

Um über das Geschehen in den Betrieben berichten zu können, benötigen wir von Euch Informationen. Informationen sind Mitarbeiterschreiben, Sozialpläne und Interessenausgleich usw., Gerüchte, die im Betrieb so kursieren, und auch Beschreibungen von Stimmungen im Betrieb. All dies setzen wir in Beziehung zueinander, werten es aus und leiten daraus Informationen ab, die für Euch relevant sind. Die Regel ist ganz einfach: Bekommen wir keine Informationen, können wir nicht berichten.

Jeder neue Artikel ist zunächst unter "Aktuelles" zu finden. Später wandert er dann auf die VTS-Seite, die wir für euch noch einrichten werden. Wer also immer auf dem neuesten Stand bleiben will, schaue unter "Aktuelles". Dort findet ihr auch Themen von allgemeinem Interesse und bekommt mit, was in den anderen Bereichen so läuft. Ihr werdet feststellen, dass es überall ziemlich gleich zugeht.
(iw)


InWaChRo-News: Samstag, 27.10.07

NSN-VTS: Die Zukunft der Mitarbeiter
Die Zukunft von NSN-VTS und die der Mitarbeiter ist nicht das Gleiche. Für die Mitarbeiter sind bereits jetzt einschneidende Maßnahmen geplant:

Stellenabbau in Höhe von 70 Prozent zu erwarten
Für die VTS-Mitarbeiter gilt laut NSN-Sprecher Stefan Zuber nach dem Betriebsübergang ein Kündigungsschutz von einem Jahr, also bis zum 31.12.2008. Danach fielen Stellen weg. Das Management hält sich zurzeit noch bedeckt, wie viele Stellen dies sein werden.

Diese lassen sich aber aus der Höhe der geplanten Restrukturierungskosten und durch Vergleich mit den NSN-Restrukturierungskosten hochrechnen. Wir wissen, dass 280 Mio. Restrukturierungskosten für VTS mit seinen 2000 Mitarbeitern vorgesehen sind. NSN sah für den Abbau von 9000 Mitarbeitern 900 Mio. Euro vor, die sich inzwischen auf 1.800 Mio. Euro verdoppelt haben. Daraus ergeben sich Restrukturierungskosten von 100.000 Euro pro Mitarbeiter. Damit können mit 280 Mio. Euro, die für die Restrukturierung von VTS vorgesehen sind, 1400 Mitarbeiter entsorgt werden. Dies entspricht 70 Prozent, also genau dem Prozentsatz der Mitarbeiter, die zurzeit nicht ausgelastet sind.

NSN wird versuchen bei diesem Personalabbau die übergehenden Beamten zu halten, da sie für jeden Beamten, der zur Deutschen Telekom zurückkehrt, 100.000 Euro "Strafe" zahlen müssen.

Auch den VTS-Mitarbeitern raten wir, das eine Jahr Kündigungsschutz zu nutzen, um sich einen neuen Arbeitsplatz zu suchen.

Überschneidungen von NSN und VTS-Aktivitäten
Durch die Konzentration der Service-Dienstleistungen in die NSN-VTS entstehen Überschneidungen zu bestehenden NSN-Service-Abteilungen. Über deren Schicksal ist momentan nichts bekannt. Es ist wahrscheinlich, dass die jetzigen NSN-Service-Aktivitäten in die NSN-VTS überführt werden. Dies könnte durch Betriebsübergang mit anschließendem Stellenabbau erfolgen.

Fünf Jahre Insolvenz gesichert
Von Anfang an soll absolut ergebnisorientiert gearbeitet und im vierten Jahr schwarze Zahlen geschrieben werden. Eine Patronatserklärung von NSN stellt sicher, dass VTS in den ersten fünf Jahren nicht insolvent wird. Diese Insolvenzsicherung zeigt, dass NSN die Mitarbeiter nicht ausschließlich zur Entsorgung übernommen hat. Dies darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Einschnitte für die VTS-Mitarbeiter gravierend sein werden.
(iw)


InWaChRo-News: Samstag, 27.10.07

NSN-VTS: Was ist VTS?
VTS ist Teil der Telekom-Beschäftigungsgesellschaft Vivento, die 2004 gegründet wurde. Die Mitarbeiter wurden nach einem so genannten Clearingverfahren für diese Beschäftigungsgesellschaft ausgesucht. Im Clearingverfahren wurde der Status der Arbeitnehmer festgestellt, offensichtlich nach dem Motto des all bekannten Märchens: "die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen". Dabei bestimmt der Selektierer alleine, wer gut und wer schlecht ist.

Es sollen nun rund 2.000 Mitarbeiter zum 1.1.2008 in eine 100-prozentige Tochtergesellschaft von Nokia Siemens Networks überführt werden. Diese Mitarbeiter sind bereits jetzt nur noch zu 30 Prozent ausgelastet. Nach Angaben der Deutschen Telekom ist die VTS hoch defizitär. Die Verluste würden sich bis 2010 auf ca. 480 Millionen Euro belaufen. VTS errichtet und wartet Fest- und Mobilfunknetze vor allem für die Deutsche Telekom. Kunden von VTS sind beispielsweise O2 und der Kölner DSL-Anbieter NetCologne.

Allen Beteiligten war bei der Gründung der VTS klar, dass hier nicht profitabel gearbeitet werden kann, da die Auftragsvergaben zum Marktpreis nicht zum Gehaltsniveau der ehemaligen Telekommitarbeiter passten. Die Folge: Es werden jährlich ca. 70 bis 80 Mio Euro Verlust erzeugt.

Drei Monate nach Gründung der VTS wurde ihr Status umdefiniert. Es wurde der Slogan ausgegeben: "Wir sind keine Beschäftigungsgesellschaft, sondern haben so profitabel wie möglich zu arbeiten !". Das Management setzte offensichtlich auf Verkauf (und wer kauft schon eine Beschäftigungsgesellschaft). Trotz der Managemententscheidung, profitabel zu arbeiten wurden ganze Teams aus laufenden Produktionsaufgaben der VTS herausgezogen und kurzer Hand in die neu gegründeten T-Servicegesellschaften der Deutschen Telekom versetzt.

Damit war klar: die Telekom zieht aus VTS vor dem Verkauf das heraus, was sie glaubt brauchen zu können, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, ob die VTS in der abgespeckten Zusammensetzung arbeiten kann.

Zum 01.01.2008 geht die VTS in den Nokia Siemens Networks Konzern als eigenständiges neu zu gründendes Unternehmen über.
(iw)


InWaChRo-News: Samstag, 27.10.07

NSN-VTS: Die Zukunft von VTS
"Die derzeitige Auftragslage ist katastrophal bei VTS", sagte uns ein Mitarbeiter der VTS, "der Markt ist lediglich über Telekomvertriebseinheiten für VTS erreichbar, soweit er überhaupt erreichbar ist. Diese Vertriebe orientieren sich zum 01.01.2008 nicht mehr unbedingt an der Nicht-Telekom-Konzerntochter VTS. Bislang war es üblich vor Vergabe der Aufträge bei VTS anzufragen."

Letzen Mittwoch (24.10.07) gab es in Nürnberg eine Informationsveranstaltung für die VTS-Mitarbeiter. Der designierte Geschäftsführer der neu zu gründenden NSN-VTS stellte den Mitarbeitern das Geschäftsmodell vor. Die von NSN bislang an Subunternehmen vergebenen Infrastrukturaufträge sollen in Höhe von 60 Millionen Euro jährlich in die NSN-VTS überführt werden. Weitere Aufträge in Höhe von 60 Mio. Euro jährlich sollen über fünf Jahre von der Deutschen Telekom an NSN vergeben werden. Diese Auftragsgarantie ist vertraglich ausgehandelt.

NSN will durch den VTS-Deal bevorzugter Partner der Telekom für Serviceleistungen bei anstehenden Managed-Services-Projekten werden, das heißt die herstellerunabhängige Wartung, Installation und Inbetriebsetzung von Infrastruktur anbieten. Ferner soll NSN-VTS die Schnittstelle für das Wartungsmanagement und die Systemintegration der Telekom werden.

Nokia Siemens Networks will mit der NSN-VTS Marktführer für ausgelagerte Service-Leistungen in Europa werden. NSN hat nach eigenen Angaben bereits über 160 Verträge für Managed Services und Outsourcing abgeschlossen. Nach Schätzung von NSN wird der Markt für Infrastrukturdienste bis 2010 jährlich um sechs Prozent auf eine Milliarde Euro wachsen. Zugleich gab NSN bekannt, dass mehrere europäische T-Mobile-Landesgesellschaften Infrastruktur im Wert von bis zu 150 Millionen Euro, zum Beispiel für ein "Intelligent Network", bei NSN ordern werden.

Bis Mitte 2008 sollen zwei Gesellschaften gegründet werden, eine Overhead-Gesellschaft und eine Operative Gesellschaft. Die Overhead-Gesellschaft soll laut Management bei Großaufträgen für den reibungslosen Ablauf sorgen und die Aktivitäten der operativen Gesellschaft im Rahmen dieser Großaufträge nutzen und koordinieren. Die Gründung dieser zwei Gesellschaften ist kritisch zu beobachten. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass eine von beiden in eine Entsorgungsgesellschaft umgewandelt wird.
(iw)


InWaChRo-News: Samstag, 27.10.07

NSN-VTS: Widerspruch gegen Betriebsübergang macht keinen Sinn
VTS fällt als bisheriger Arbeitgeber zum 31.12.2007 weg, da VTS komplett zu NSN übergeht. Mitarbeiter, die dem Betriebsübergang widersprechen, müssen daher mit einer betriebsbedingten Kündigung rechnen, da der Rest-Betrieb nur noch aus den Widersprüchlern besteht.
(iw)


InWaChRo-News: Samstag, 27.10.07

NSN-VTS: Beamte
Bei der VTS arbeitende Beamte sind unkündbar und können nur auf freiwilliger Basis durch Beurlaubung, bzw. freiwillige Zuweisung übergehen. Sie können nach dem Übergang auch wieder zur Deutschen Telekom zurückkehren.

NSN muss für jeden Beamten, der zur Deutschen Telekom zurückkehrt, 100.000 Euro an die Deutsche Telekom zahlen.
(iw)


InWaChRo-News: Freitag, 26.10.07

NSN: Kommentar zum Townhall-Meeting
Wie nicht anders zu erwarten, sollte bei dem Townhall-Meeting vom 22.10.2007 mit der Vorstellung der Geschäftszahlen intern Propaganda gemacht werden. Sobald unsere NSN-Manager jedoch ihr Manuskript aus der Hand legten, wurde ihr wahres Denken offenbar.

Begeistert äußerte sich Simon Beresford-Wylie über die im Durchschnitt 28jährigen chinesischen Mitarbeiter. Diese arbeiten nicht nur für wesentlich weniger Geld, sondern auch noch rund um die Uhr, auch am Wochenende. Die Mitarbeiter hierzulande dagegen, so Beresford-Wylie, denken nur daran, dass sie am Abend zu ihren Kindern nach Hause gehen wollen und planen am Wochenende auch noch zum „Football“ zu gehen. „Da steht einem erstmal der Mund offen, vor so viel entwaffnender Ehrlichkeit des CEO.“ kommentierte ein Mitarbeiter.

Simon Beresford-Wylie zeigte den anwesenden Mitarbeitern dadurch deutlich, dass sie für ihn nur Ressourcen sind, er ihre menschlichen Bedürfnisse in keiner Weise wahrnimmt. Denn viele von uns haben Kinder, die sie lieben, einen Ehepartner und Freunde, mit denen sie Zeit verbringen möchten. Beresford-Wylie signalisierte durch seine Worte, dass die Mitarbeiter in seinen Augen nur dann ein Recht darauf haben, in der Firma NSN zu existieren, wenn sie alles, einschließlich ihrer sozialen Bindungen, ihres gesellschaftlichen Engagements, sei es sozial, politisch, in Vereinen oder ehrenamtlichen Tätigkeiten, den Interessen von NSN unterordnen und ihre eigenen gegebenenfalls zurückstellen oder sogar aufgeben. Mit dieser Forderung greift er tief in die gesellschaftlichen Strukturen ein und reduziert das Leben der Mitarbeiter und deren Familien auf NSN.

Arbeit ohne freie Zeit. Es muss möglich sein, Arbeit, Privatleben und gesellschaftliches Engagement miteinander in Einklang zu bringen. Eine gesunde Mischung daraus ist Grundvoraussetzung dafür, dass eine Gesellschaft funktionieren kann, die Gesundheit und Arbeitskraft der Mitarbeiter auf Dauer erhalten bleibt und sie zum Erfolg des Unternehmens beitragen können. Soziale Bindungen brauchen wir um leben zu können. Sie sind es, die das Leben erst lebenswert machen.

Auch unsere chinesischen Kollegen arbeiten mit Sicherheit nicht so hart und rund um die Uhr, weil sie so sehr NSN in den Mittelpunkt stellen wollen, sondern darum weil sie keine andere Wahl haben, um sich und ihre Familien aus der Armut und dem Elend herauszuholen. Doch wie lange werden sie diese Arbeitsbelastung und Ausbeutung ihrer Gesundheit und Arbeitskraft durchhalten können? Zwei bis drei Jahre bis zum Burn-out? Herzinfarkt mit 35? Was dann? Ein soziales Netz, das sie auffangen könnte, haben sie nicht. Auch die finanziellen Rücklagen auf die sie dann zurückgreifen müssten werden sie nicht bilden können. Aber dies scheint unser Management nicht zu interessieren. Es sind ja genug andere da, die diese Kollegen dann ersetzen können.

Aber wo, Herr Beresford-Wylie, soll die nächste Generation 28jähriger herkommen? Menschen, die unter solchen Bedingungen arbeiten müssen, haben keine Zeit, kein Geld und auch nicht die Nerven, um Kinder zu bekommen und diese zu für die Gesellschaft wertvollen Menschen zu erziehen.
(cr)


InWaChRo-News: Donnerstag, 25.10.07

PSE: Auswirkung der NSN-Krise - Stellenabbau bei PSE
Als Folge der NSN-Umstrukturierung und der schlechten Auftragslage läuft zurzeit auch bei der PSE in Wien ein Stellenabbau. Es sollen etwa 400 Mitarbeiter abgebaut werden, 300 bei PSE fest angestellte und 100 Leiharbeiter. Ausgangsbasis ist dabei der Mitarbeiterstand vom 30.6.2007, der Abbau soll bis spätestens 30.9.2008 erreicht werden.

Auch bei der PSE läuft dieser Stellenabbau, für den ein Sozialplan abgeschlossen wurde, auf freiwilliger Basis. Dabei werden nicht nur Aufhebungsverträge mit Abfindungen (Sonderabfertigung) angeboten, sondern auch Versetzungen in andere Siemenensbereiche vorgenommen, Vorruhestandsregelunge, Altersteilzeit usw. angeboten.

Diese Freiwilligkeit gilt allerdings nur für die fest angestellten Mitarbeiter. Etwa 100 Leiharbeitnehmer bekommen keine Vertragsverlängerung mehr. Andererseits werden zur Verbesserung der Altersstruktur (!) jüngere Leiharbeitnehmer in die PSE fest übernommen. Auch hieran erkennt man wieder den eindeutigen Trend der Arbeitgeber, sich eine kleine junge Kernmannschaft zu schaffen, Schwankungen im Geschäft mit Leiharbeitnehmern auszugleichen.

"Die Stimmung ist irgendwie abwartend und fatalistisch. Man muss befürchten, dass dies nicht die letzte Abbau-Aktion ist, vor allem weil einerseits ja NSN die ursprünglichen Auftragsgarantien (3 Jahresvertrag) gerade nachverhandelt, und andererseits noch unklar ist, wieweit die PSE mit SIS Aufträgen ausgelastet werden kann. Es wird auch versucht, neue Auftragsmärkte zu finden und eine Ausbildungsoffensive ist auch angedacht.", teilte uns ein PSE-Mitarbeiter mit.

Der PSE-Betriebsrat vermutet, dass die Zahl 300 bei der PSE ohne weiteres erreicht werden kann.
(iw)


InWaChRo-News: Mittwoch, 24.10.07

NSN-SCA: Überleitungsvereinbarung zum Betriebsübergang nach IBM
Wir haben die Überleitungsvereinbarung zum Betriebsübergang nach IBM analysiert. Die Überleitungsvereinbarung stellt im Wesentlichen fest, dass die Bedingungen des §613a BGB für diesen Übergang gelten. Darüber hinaus enthält sie Regelungen, die einer beE mit einer Abfindung zu deren Ablauf ähneln. Hier ist das Ergebnis unserer Analyse im Detail:

Zitat: „IBM ist mit seiner Vielzahl unterschiedlicher Geschäftssektoren bestens positioniert, um seinem Personal langfristige Laufbahnmöglichkeiten zu bieten. IBM kann zudem bereits auf Erfahrungen in der Überführung und Integration von Mitarbeitern verweisen.“
Anmerkung: Erfahrungen hat IBM unter anderem mit dem Übergang des ICN-Rechenzentrums im Jahr 2004, der für die Mitarbeiter nach einem Jahr in der Arbeitslosigkeit endete.

Zitat:
„Es gelten die jeweiligen Tarifverträge der Metall- und Elektroindustrie gem. § 613a BGB bei IBM weiter.“
Anmerkung: Das heißt die Regelungen des Tarifvertrages werden auf ihrem jetzigen Stand eingefroren und es gibt daher keine Tariferhöhungen mehr. Nach einem Jahr ist damit zu rechnen, dass die in den Arbeitsvertrag übergegangenen tariflichen Regelungen gekündigt werden. Wenn ihr vorher einen neuen Arbeitsvertrag bei IBM unterschreibt, sind entfallen die tariflichen Regelungen sofort. Das bedeutet beispielsweise auch, dass der tarifliche Kündigungsschutz dann entfällt.

Zitat: „Die zum Zeitpunkt der Ausgliederung bestehenden Gesamtbetriebsvereinbarungen und örtlichen Betriebsvereinbarungen gelten bis zu einer eventuellen Neuregelung gemäß § 613a BGB rechtlich weiter, soweit nachfolgend nichts anderes vereinbart worden ist. Dies gilt entsprechend für die Arbeitsordnung.“
Anmerkung: Falsch, die Überleitungsvereinbarung kann das Gesetz nicht aushebeln. Die Gesamtbetriebsvereinbarungen und örtlichen Betriebsvereinbarungen für ein Jahr geschützt.

Zitat: „Mitarbeiter, die aufgrund ihrer Firmenzugehörigkeit zum Zeitpunkt des Übergangs einen besonderen Kündigungsschutz haben, behalten diesen weiterhin im bisherigen Umfang bei. Im Übrigen gilt die Vereinbarung zum besonderen Kündigungsschutz (Jubilarregelung) bis zu einer eventuellen Neuregelung bei IBM weiter.“
Anmerkung: Tariflicher und Jubilarschutz sind durch §613a BGB für ein Jahr geschützt. Es ist davon auszugehen, dass die in den individuellen Arbeitsvertrag übergehenden tariflichen Regelungen und der Jubilarschutz rechtzeitig gekündigt werden und nach einem Jahr nicht mehr gelten.

Zitat: „Die Parteien gehen davon aus, dass auch nach dem 30.09.2009 keine betriebsbedingten Kündigungen erfolgen werden.“

Anmerkung: Dieser Satz steht in Vereinbarungen immer dann, wenn ab diesem Zeitpunkt Personalabbau geplant ist.

Zitat: „Sollte es dennoch nach dem 30.09.2009 zu betriebsbedingten Kündigungen kommen, erhalten Mitarbeiter, die dann ausscheiden, ohne gleichzeitig Altersbezüge zu erhalten (auch bei möglicher vorzeitiger Inanspruchnahme der Altersrente), eine Abfindung auf Basis des zum Zeitpunkt des Ausspruchs der Kündigung aktuellen Bruttomonatseinkommens nach der am jeweiligen Standort bestehenden, letztgültigen NSN Sozialplanregelung.
Es gilt folgende Regelung, sofern nichts Abweichendes zwischen IBM und dem Betriebsrat vereinbart wird: der Abfindungssumme gemäß der am jeweiligen Standort geltenden NSN-Regelung.“

Anmerkung: Dieser Absatz weißt darauf hin, dass ab 30.9.2009 die IBM Network Services & Solutions GmbH aufgelöst werden könnte. Die vereinbarte Abfindungsstaffelung könnte suggerieren, dass die Firma über 2010 hinaus bestehen soll. Eine Auflösung zwischen 30.9.2009 und 30.9.2010 erscheint uns jedoch am wahrscheinlichsten, da die neue Firma kein Geschäftsmodell hat.
Insgesamt erinnert dieses Konstrukt an eine beE ohne freiwilligen Eintritt mit Ablauf zum 30.9.2009 und entsprechender Abfindung sowie 100% Gehalt. Die Überleitungsvereinbarung bietet also die gleichen Konditionen, wie wenn man NSN als beE nutzen würde. Der Unterschied ist: die Gehälter und damit auch die Abfindung bei Ausscheiden sowie das Arbeitslosengeld können gedrückt werden. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass man den 1.10.2009 mit einem ungekündigten Job erlebt bei der IBM Network Services & Solutions GmbH wesentlich geringer als bei der Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG.

Zitat: „Voraussetzung ist, dass unmittelbar nach dem Ausscheiden bei IBM keine Tätigkeit bei NSN oder einem mit NSN oder IBM verbundenen Unternehmen oder bei einer deren Mütter aufgenommen wird. Wird innerhalb von drei Jahren nach dem Ausscheiden eine Beschäftigung bei IBM, NSN oder einem mit diesen jeweils verbundenen Unternehmen oder einer deren Mütter aufgenommen, besteht eine Rückzahlungsverpflichtung für den zu 3 Jahren fehlenden Zeitraum in Höhe von 1/36 der Abfindungssumme je Monat.“
Anmerkung: Putzig! Also man darf inzwischen nicht mehr bei NSN, Siemens, Nokia, IBM, FSC, SIS und sämtliche Beteiligungsunternehmen (egal, wie viele Anteile diese Unternehmen daran besitzen) arbeiten, ohne die Abfindung zu verlieren. Das geht rechtlich auf keinen Fall mehr durch. Der Mitarbeiter kann ja wohl kaum verpflichtet werden, einen Detektiv anzuheuern, der für ihn herausfindet, ob eine dieser merkwürdigen Firmen irgendwie an seinem neuen Arbeitgeber beteiligt ist. Gibt es überhaupt noch eine Firma, die als zukünftiger Arbeitgeber infrage kommt?

Zitat: „IBM wird sich nicht auf §112a Abs. 2 Satz 1 BetrVG berufen und diesen nicht anwenden.“
Anmerkung: Der Sozialplan bleibt auf alle Fälle erzwingbar, schlechtere Bedingungen als die oben angegebenen Abfindungsregelungen können in einem solchen Sozialplan nicht vereinbart werden. Wir bezweifeln, dass sich IBM einem Sozialplan unter Berufung auf §112a Abs. 2 Satz 1 BetrVG entziehen kann, da IBM schon sehr lange in Deutschland tätig ist. Auch dieser Passus ist ein Hinweis darauf, dass bereits jetzt ein Personalabbau oder eine Betriebsschließung geplant sein könnte.

Zitat: „Mitarbeiter, deren Arbeitsverhältnis zu IBM übergegangen ist und die sich (ohne dass für den Wechsel personen- oder verhaltensbedingte Gründe vorliegen) innerhalb von drei Jahren bei NSN bewerben, werden internen NSN Bewerbern gleichgestellt.“
Anmerkung: Dieser Passus ist sehr seltsam. Warum bezieht man sich auf personen- und verhaltensbedingte Gründe? Einen solchen Passus benutzt man nur dann, wenn man erwartet, dass viele personen- oder verhaltensbedingte Kündigungen ausgesprochen werden. Sollen gezielt verhaltensbedingte Gründe für Kündigungen gesucht werden? Mobbing?
(iw/cr)


InWaChRo-News: Dienstag, 23.10.07

NSN-SCA: Unterrichtungsschreiben für den Betriebsübergang
Wir haben den Entwurf des Unterrichtungsschreibens für den Betriebsübergang analysiert. Die Analyse der Überleitungsvereinbarung folgt morgen. Es gibt nicht wirklich etwas Neues. Folgende Anmerkungen für euch:

Zitat: „Der IBM Konzern ist mit seiner Vielzahl unterschiedlicher Geschäftssektoren bestens positioniert, um seinem Personal langfristige Laufbahnmöglichkeiten zu bieten. Die IBM in Deutschland kann zudem bereits auf erfolgreiche Erfahrungen in der Überführung und Integration von Mitarbeitern verweisen.“

Anmerkung: Erfahrungen hat IBM unter anderem mit dem Übergang des ICN-Rechenzentrums im Jahr 2004, der für die Mitarbeiter nach einem Jahr in der Arbeitslosigkeit endete.

Zitat: „Die IBM Network Services & Solutions GmbH, Nahmitzer Damm 12 in 12277 Berlin, ist ein am 17.10.2007 neu gegründetes Unternehmen der IBM in Deutschland.“

Anmerkung: Neu gegründet bedeutet, dass die Mitarbeiter nicht in die IBM Deutschland GmbH integriert werden mit allen sich daraus ergebenden Nachteilen. Insbesondere verlieren Mitarbeiter ihre Betriebszugehörigkeiten und ihren Jubilarsschutz, wenn sie in ein anderes IBM Konzernunternehmen wechseln. Dies ist einer der Knackpunkte.

Zitat: „Es wird in den Konzernverbund durch einen am gleichen Tag abgeschlossenen Beherrschungs- und Ergebnisabführungsvertrag eingegliedert. Sämtliche Geschäftsanteile werden von der IBM Deutschland GmbH gehalten.“

Anmerkung: Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag (§291 ff. AktG) verpflichtet die IBM Network Services & Solutions GmbH, ihren gesamten Gewinn an die IBM Deutschland GmbH abzuführen. Außerdem ist die IBM Deutschland GmbH berechtigt, der IBM Network Services & Solutions GmbH Weisungen (§308 AktG) zu erteilen, die auch deren Interessen entgegen stehen können, jedoch für den IBM-Konzern vorteilhaft sind. Im Gegenzug muss die IBM Deutschland GmbH eventuelle Verluste der IBM Network Services & Solutions GmbH ausgleichen. Die Insolvenz der IBM Network Services & Solutions GmbH ist während der Laufzeit des Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages ausgeschlossen.

Zitat: „Das Unternehmen wird zunächst die übergehenden Nokia Siemens Networks Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Arbeitnehmer haben und sich zunächst schwerpunktmäßig auf die Partnerschaft mit Nokia Siemens Networks ausrichten. Daneben ist beabsichtigt, das Wissen und die Erfahrung der übergehenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in zunehmendem Maße für andere Kunden und Kundenprojekte zu nutzen und einzusetzen und damit ein erfolgreiches Geschäftsmodell aufzubauen.“

Anmerkung: Die Mitarbeiter werden an andere Firmen / IBM-Konzernunternehmen ausgeliehen, bleiben aber in der IBM Network Services & Solutions GmbH bis diese geschlossen wird.

Achtung: Das Geschäftsmodell existiert noch nicht, sonst müsste man es ja nicht erst aufbauen. Wie kann man ein Unternehmen gründen, das Bestand hat, ohne ein Geschäftsmodell zu haben? Kein Businessplan kann ohne Geschäftsmodell aufgestellt werden. Damit wäre dieses Unternehmen auch nicht kreditwürdig.

Zitat: „Ihr Arbeitsverhältnis wird anlässlich des Betriebsübergangs – sofern nicht in der auf Wunsch Ihres örtlichen Betriebsrats mit dem Gesamtbetriebsrat verhandelten Überleitungsvereinbarung andere Regelungen getroffen sind – unverändert mit der IBM Network Services & Solutions GmbH fortgeführt.“

Anmerkung: Da es sich um einen Betriebsübergang nach §613a BGB handelt, dann geht das Arbeitsverhältnis unverändert über. Die Regelungen in einer Überleitungsvereinbarung können das Gesetz nicht außer Kraft setzen. Einzige Möglichkeit: Für den Mitarbeiter günstigere Regelungen können vereinbart werden (Günstigkeitsprinzip). Günstigere Regelungen haben wir dort aber keine gefunden.

Zitat: „Die Höhe des bisher tariflich abgesicherten Jahreseinkommens bleibt unverändert, unbeschadet einer anderen Zusammensetzung. Die zurzeit gültigen Tarifverträge finden auch gemäß § 613 a BGB in der IBM Network Services & Solutions GmbH als einzelvertragliche Regelungen Anwendung. Die IBM Network Services & Solutions ist nicht tarifgebunden.“

Anmerkung: Das heißt die Regelungen des Tarifvertrages werden auf ihrem jetzigen Stand eingefroren und es gibt daher keine Tariferhöhungen mehr. Nach einem Jahr ist damit zu rechnen, dass die in den Arbeitsvertrag übergegangenen tariflichen Regelungen gekündigt werden. Wenn ihr vorher einen neuen Arbeitsvertrag bei IBM unterschreibt, sind entfallen die tariflichen Regelungen sofort. Das bedeutet beispielsweise auch, dass der tarifliche Kündigungsschutz dann entfällt.

Zitat: „Die bestehenden Gesamtbetriebsvereinbarungen und örtlichen Betriebsvereinbarungen gelten gemäß § 613a BGB bis zu einer eventuellen Neuregelung weiter, sofern in der Überleitungsvereinbarung nichts Abweichendes geregelt ist.“

Anmerkung: Die Regelungen einer Überleitungsvereinbarung können das Gesetz nicht außer Kraft setzen.

Zitat: „Eine Kündigung wegen des Betriebsübergangs ist gesetzlich gemäß § 613a Abs. 4 BGB ausgeschlossen. Das Recht zur Kündigung aus anderen Gründen bleibt unberührt." Sie werden auch weiterhin durch Ihren bisherigen Betriebsrat betreut. Dies gilt solange, bis ggf. ein neues Betriebsratsgremium für Ihre Betriebsratseinheit gewählt wurde, längstens jedoch für die Dauer von sechs Monaten ab dem Zeitpunkt des Betriebsübergangs.“

Anmerkung: Gesetz (Kontinuität des Betriebsrates); Betriebsrat muss umgehend einen Wahlvorstand einsetzen (§21a BetrVG). Wenn dieser Wahlvorstand nicht eingesetzt wird und kein Betriebsrat gewählt wird, gehen auch die (Gesamt-) Betriebsvereinbarungen in den individuellen Arbeitsvertrag über. Bei Unterschrift unter einen neuen Arbeitsvertrag gehen dann auch diese verloren, z.B. auch der Jubilarschutz.

Zitat: „Wir möchten Sie jedoch bitten, von diesem Recht nur nach sorgfältiger Abwägung Gebrauch zu machen, denn Ihr Widerspruch sichert Ihnen keinen Arbeitsplatz innerhalb der Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG, da die entsprechenden Geschäftsaktivitäten gänzlich auf die IBM Network Services & Solutions GmbH übertragen werden und damit diese Arbeitsplätze innerhalb der Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG entfallen.“

Anmerkung: Der Kündigungsschutz bis 9.2009 hält. Die Mitarbeiter, die widersprechen, müssen vertragsgemäß beschäftigt werden, da sie nicht gekündigt werden können.

Zitat: „Bei Nokia Siemens Networks kommt dann der Ihnen bekannte derzeit geltende Interessenausgleich vom 12.07.2007 mit der jeweils geltenden örtlichen Sozialplanregelung zur Anwendung. Unbeschadet vom Betriebsübergang oder Widerspruch gilt in beiden Fällen für Sie weiterhin der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis einschließlich 30.09.2009.“

Anmerkung: Man kann diese Angebote freiwillig annehmen, wenn man will. „Zur Anwendung“ kommt der IA/SP jedoch nicht automatisch. Das heißt, NSN kann keinen Mitarbeiter nach einem Widerspruch zur Annahme eines beE- oder Aufhebungsvertrages zwingen.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Samstag, 20.10.07

Jeder trägt gesellschaftliche Verantwortung
An uns wurde die Bitte herangetragen, uns auch einmal des Themas Consultants und Leiharbeitnehmer anzunehmen. Consultants und Leiharbeitnehmer sind wie die Festangestellten auch abhängig Beschäftigte und damit auch auf ihr Gehalt angewiesen. In der Regel befinden sie sich in einer arbeitsrechtlich schlechteren Position.

Leiharbeitnehmer sind teilweise schon seit Jahren fest bei Siemens / NSN beschäftigt. Bei Personalabbau werden festangestellte Mitarbeiter abgebaut, aber weitere Leiharbeitnehmer eingestellt. Die Mitarbeiter fürchten von Leiharbeitnehmern verdrängt zu werden.

Warum macht der Arbeitgeber das?
Ziel der Arbeitgeber (nicht nur von Siemens / NSN) ist es, die Anzahl der Consultants und Leiharbeitnehmer mittelfristig zu erhöhen und nur eine kleine Kernmannschaft aus festangestellten Arbeitnehmern zu behalten. Dies ist einer der Gründe, warum Arbeitgeber ständig Stellenabbau betreiben.

Viele Arbeitnehmer, die in Beschäftigungsgesellschaften entsorgt werden, kehren später mangels anderer Alternativen als Consultants oder Leiharbeitnehmer zurück.

Der große Vorteil für die Unternehmen ist, dass sie diese Mitarbeiter kurzfristig einstellen und ebenso schnell wieder an die Leiharbeitsfirma zurückgeben können. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Firmen das Know How der älteren Mitarbeiter nutzen können, ohne beispielsweise das Krankheitsrisiko zu tragen. Insbesondere dann, wenn der Mitarbeiter nicht über die erforderliche Leistungsfähigkeit oder das Know How verfügt, krank wird oder weil das Projekt, an dem er arbeitet, ausläuft, kann er sofort zurückgeschickt werden. Darüber hinaus entstehen den Firmen keine Restrukturierungskosten (Abfindungen, …) und die Rechtsposition der Leiharbeitnehmer ist im Entleiherbetrieb geschwächt.

Sämtliche Risiken liegen bei der Verleihfirma, die diese dann wiederum durch entsprechende Arbeitsverträge auf den Leiharbeitnehmer abwälzt. Die Leiharbeitnehmer kosten zwar auf den ersten Blick die Unternehmen etwas mehr, aber insgesamt rechnet sich dieses Modell durch die gebotene Flexibilität für den Arbeitgeber. Auf diese Weise werden immer größere Teile der Belegschaften in Leiharbeitnehmer umgewandelt.

Wie könnte man diese Entwicklung verhindern oder zumindest verlangsamen?
Die Mitarbeiter, die eine feste Stelle haben und deren Firma nicht vor der Insolvenz steht, dürften nicht freiwillig mit ungewissen Zukunftschancen in die beE gehen. Wir wissen, dass viele aus der beE letztlich in Zeitarbeit mit einem niedrigeren Gehalt und längeren Arbeitszeiten wechseln. Damit drücken sie mittelfristig den Standard der Arbeitsbedingungen der Festangestellten. Dieser Druck wächst, je mehr Menschen über eine Beschäftigungsgesellschaft in Leiharbeitnehmer umgewandelt werden.

Durch die vielen individuellen Entscheidungen in die beE zu gehen, entsteht über Deutschland gesehen ein kollektives Handeln der Arbeitnehmerschaft. Dieses steuert der Arbeitgeberverband durch permanenten Stellenabbau und über die Einrichtung von Beschäftigungsgesellschaften, die es inzwischen wie Sand am Meer gibt. Weiterhin übt er seinen Einfluss auf Politik und Presse aus, um den Wandel in der Arbeitswelt in den Köpfen zu verankern. Sobald dies erreicht ist, sind die Ziele des Arbeitgebers relativ leicht politisch durchzusetzen. Dazu hat er seine Lobbyisten und dazu sitzt der Arbeitgeber in allen möglichen Ausschüssen der Politik (z.B. Hartz, von Pierer …). Dazu nutzt er auch seinen Zusammenschluss im Arbeitgeberverband und die Vernetzung über die Aufsichtsräte.

Wir versuchen dieser Steuerung und diesem Wandel in der Arbeitswelt durch Aufklärung über die Arbeitnehmerrechte und die speziellen Umstände z.B. bei NSN, entgegen zu wirken. Letztlich jedoch stimmen die Arbeitnehmer mit ihren Füßen ab: Gehen oder Bleiben.

"Gehen oder Bleiben?" entscheidet auch langfristig über die Zukunft des Arbeitnehmerstatus in Deutschland und damit auch über die Strukturen unserer Gesellschaft. Entscheiden sich die Mitarbeiter zu gehen, ohne einen neuen Job als Festangestellte in Aussicht zu haben, fördern sie dieses System des Arbeitgebers, wenn sie dann gezwungen sind ein Leiharbeitsverhältnis einzugehen, um ihren Lebensunterhalt sicherzustellen. Damit beschleunigen sie die Entwicklung hin zu einem Land der Leiharbeitnehmer. Setzt sich Leiharbeit im Ausmaß, wie es der Arbeitgeber will, durch, dann werden die meisten - einschließlich unserer Kinder und insbesondere die Älteren - zu Wanderarbeitern ohne soziale Bindungen und mit geringer sozialer Absicherung. Schwächere oder Kranke haben in einem solchen System keine Chance mehr.

Die Lösung liegt also nicht darin, auf ein Wunder zu hoffen. Es wird keinen "deus ex machina" geben, der als Gottheit wie in einer antiken Tragödie an einer kranähnlichen Hebemaschine über uns schwebt und überraschend zu unseren Gunsten eingreift.

Die Lösung wäre: Kein Arbeitnehmer darf sich aus der Verantwortung stehlen, sondern muss sich mit diesen gesellschaftlichen Problemen auseinandersetzen, seine Rechte konsequent wahrnehmen und nicht aus Angst schweigen, sondern die Interessen der Arbeitnehmer in die Öffentlichkeit bringen, so wie wir das tun. Nur dann bleiben die Rechte und die Möglichkeiten, die eigenen Interessen durchzusetzen, erhalten. Immerhin schauen inzwischen auch Abgeordnete des deutschen Bundestages und Universitäten, die sich mit sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen befassen, regelmäßig auf unsere Homepage. Wer schweigt, dessen Interessen werden nicht gehört und damit nicht berücksichtigt.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Freitag, 19.10.07

NSN: Stagnierender Personalabbau beeinflusst Turnaround nicht
Wie die von Nokia vorgelegten Geschäftszahlen zeigen, hat Nokia Siemens Networks den Turaround geschafft. Dieser Turnaround wurde erreicht, obwohl der Personalabbau in Deutschland bisher nicht entscheidend greift und die Mitarbeitermotivation einen Tiefststand aufweist.

Das Erreichen des Turnarounds bei stagnierendem Stellenabbau beweist, dass der Personalabbau bei der Erhöhung der Gewinnmarge keine entscheidende Rolle spielt.

Im Gegenteil, ohne Restrukturierungskosten hätte NSN nur 34 Mio. Euro Verlust geschrieben. Hätte das Management den stagnierenden Stellenabbau abgebrochen und stattdessen in die Mitarbeitermotivation investiert, dann hätte auch der Verlust von 34 Mio. Euro spielend ausgeglichen werden können.

Selbst wenn man nur die Interessen des Arbeitgebers betrachtet, NSN zum Turnaround und zur Gewinnsteigerung zu verhelfen, besteht aufgrund der vorliegenden Fakten keine Notwendigkeit mehr, dass Mitarbeiter die Firma verlassen.

Für die Mitarbeiter selbst besteht jetzt erst recht keine Notwendigkeit mehr zu gehen, es sei denn, sie haben eine bessere Alternative. Die Argumentation aus dem Management, „Sie müssen das doch verstehen, wir benötigen den Personalabbau, damit NSN überleben kann“ hat NSN durch die Q3-Quartalszahlen selbst ad absurdum geführt. Entscheidend sind die Markteinflüsse und das aktive Akquirieren von Aufträgen, sowie die qualitativ hochwertige und termingerechte Ausführung dieser Aufträge. Darauf sollte sich das Management konzentrieren.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Freitag, 19.10.07

NSN: Turnaround erreicht
Nokia hat gestern die Geschäftszahlen des 3.Quartals bekanntgegeben.

Daraus geht hervor, dass Nokia Siemens Networks einen Verlust von 120 Mio. Euro verzeichnete.

In diesem Verlust sind 86 Mio. Euro Restrukurierungskosten und 144 Mio. Euro Abschreibungen auf immaterielle Wirtschaftsgüter (wie Patente…) und Abrechnungsposten, die mit Wertschwankungen von Einkaufspreisen zusammenhängen.

Der bereinigte Gewinn im rein operativen Geschäft beträgt damit 110 Mio. Euro. Die Gewinnmarge liegt bei 3.0 Prozent vom Nettoumsatz. Das rein operative Geschäft erbrachte im zweiten Quartal noch einen Verlust von 89 Mio. Euro. Die Marge lag im zweiten Quartal noch bei minus 2.6 Prozent vom Nettoumsatz. NSN konnte den Gewinn also um 199 Mio. Euro steigern. Dies bedeutet nach Angabe von NSN, dass wir einen signifikanten Turnaround im dritten Quartal erreicht haben.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Mittwoch, 17.10.07

NSN-SCA: IBM Folge-Outsourcing zu AT&T?
IBM hat mit AT&T vereinbart, dass die Kommunikations- und Netz-Management-Dienste der Dienstleistungssparte IBM Global Services zu AT&T übergehen sollen. Es sieht so aus, als ob die übergehenden SCA-Mitarbeiter schon weiterverkauft wären.

Laut IBM-Sprecher Fred McNeese handelt es sich um eine strategische Entscheidung: "Wir kamen zu der Überzeugung, dass das Netz-Management am besten einem Partner übertragen werden sollte und wir stehen in einer engen Arbeitsbeziehung mit AT&T." Nähere Details zu den ausgelagerten Services wurden nicht genannt.

AT&T geht davon aus, dass die Vereinbarung mit IBM in den kommenden fünf Jahren bis zu eine Milliarde Dollar mehr Umsatz in die Kassen spülen könnte.
(cr)


InWaChRo-News: Mittwoch, 17.10.07

NSN: Kauft NSN die Telekom Beschäftigungsgesellschaft VTS?
NSN kauft nach Angaben aus Branchenkreisen die Vivento Technical Services (VTS). In der nächsten Woche solle die Transaktion abschließend vereinbart werden. Weitere Details sind derzeit nicht bekannt. Weder Nokia Oy noch die Siemens AG wollten diese Angaben kommentieren.

VTS ist Teil der Telekom-Beschäftigungsgesellschaft Vivento. VTS errichtet und wartet Fest- und Mobilfunknetze vor allem für die Telekom selbst. Weitere Kunden von VTS sind O2 und der Kölner DSL-Anbieter NetCologne.

Durch diesen Deal sollen rund 2.000 Mitarbeiter zum 1.1.2008 in eine 100-prozentige Tochtergesellschaft von Nokia Siemens Networks überführt werden. Diese Mitarbeiter sind bereits jetzt nur noch zu 30 Prozent ausgelastet.

Die geplanten Restrukturierungskosten in Höhe von 280 Millionen Euro weisen darauf hin, dass in der NSN-VTS GmbH ein erheblicher Personalabbau stattfinden wird, insbesondere da die VTS nach Angaben der Deutschen Telekom hoch defizitär ist. Die Verluste würden sich bis 2010 auf ca. 480 Millionen Euro belaufen. Die Telekom verpflichtet sich zur Zahlung eines Verlust- und Restrukturierungsausgleichs in mehren Teilbeträgen. Im Gegenzug verpflichtet sich die Deutsche Telekom zur Vergabe von Aufträgen in Höhe von 280 Millionen Euro an Nokia Siemens Networks über einen Zeitraum von fünf Jahren.

Warum übernimmt der NSN-Konzern, der sich gerade selbst sanieren will und mitten im Integrationswirrwarr steckt, einen hoch defizitären Bereich, der nur zu 30 Prozent ausgelastet ist? Warum übernimmt der NSN-Konzern dabei 2.000 weitere Mitarbeiter, obwohl er gerade in Deutschland 2.290 Mitarbeiter mit ähnlichen Profilen abbauen will?

Eigentlich lässt diese Übernahme, die gegen jegliche Vernunft verstößt, offensichtlich nur einen Schluss zu: Die Deutsche Telekom dürfte angekündigt haben, dass sie zur Konkurrenz wechselt, wenn NSN die VTS nicht übernimmt. (iw/cr)


InWaChRo-News: Mittwoch, 17.10.07

SIS - Betriebsrat der SIS Region Südbayern begrüßt Lösung der ETV-Eingruppierungsverfahren
Mit E-Mail vom 16.10.2007 werden die betroffenen Mitarbeiter von SIS vom Betriebsrat der SIS Region Südbayern darüber informiert, daß er den "Vorschlag für eine abschließende Lösung der ETV - Eingruppierungsverfahren" begrüßt.

Dabei stört sich der Betriebsrat nicht daran, daß in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten eine Einkommenseinbuße von bis 12,5% für den Einzelnen einen mehr als herben Einschnitt bedeutet.

Er stört sich daran, daß es Passagen gibt, die zuviel Spielraum für Interpretationen lassen. Es ist löblich, daß man hier aufmerksam und vorsichtig geworden ist.

Trotzdem sollte sich der Betriebsrat auch diese Argumentation vor Augen halten:
Die bisher duchgeführten Einsparungsmaßnahmen habe bereits ausreichend Erfolg gezeigt, so daß sich SIS erholt hat. Momentan werden Einkommensdifferenzen über Ausgleichzahlungen ausgeglichen, so daß es dadurch keinen finanziellen Vorteil für die Firma gibt. Das heißt, die aktuellen guten Ergebnisse sind völlig unabhängig von weiteren Einkommenseinbußen bei den Mitarbeitern. Es besteht also keine Notwendigkeit, weiteren Einkommensverlusten, egal in welcher Höhe, zuzustimmen.

Stellt der Betriebsrat sich auf diese Weise auf die Seite der Betriebsleitung, so muß er sich auch bewußt sein, daß die "abschließende Lösung der ETV - Eingruppierungsverfahren" weder logisch, noch gerecht ist und weder die Moral der Mitarbeiter bessern noch auf ihre Akzeptanz stoßen wird. Möglicherweise werden die Mitarbeiter ihren Unmut über solche Lösungen auch bei der nächsten Betriebratswahl manifestieren.
(hz)


InWaChRo-News: Dienstag, 16.10.07

NSN-SCA: „Von da an ging’s rapide bergab“
                   Ein Interview mit Mitarbeitern des ehemaligen ICN-Rechenzentrums


Mitarbeiter des ICN-Rechenzentrums, die 2004 per „Betriebsübergang“ von Siemens zu IBM entsorgt wurden, nahmen zu uns Kontakt auf, um den SCA-Kollegen zu helfen, die jetzt vor der Entscheidung „IBM oder nicht IBM“ stehen. Wir geben hier das Interview mit diesen Kollegen wieder.

Wir fragten:
Wie viele Mitarbeiter haben damals dem Betriebsübergang zu IBM widersprochen?

Antwort:
Die Mehrzahl der Mitarbeiter ist übergegangen in der Hoffnung, bei IBM eine Zukunft zu haben. Ungefähr ein Viertel haben dem Betriebsübergang widersprochen, was im Nachhinein absolut richtig war. Empfehlen kann ich nur allen betroffenen Kollegen einem Betriebsübergang zu widersprechen. Die Skills, die hier übergehen sollen, gibt es in der IBM nicht und werden auch nicht benötigt.

Kommentar von uns:
Dies bestätigen auch die SCA-Mitarbeiter: „Wir finden unsere Arbeitsaufgabe definitiv nicht wieder bei IBM.“ und „Dieses Produkt, das jetzt in den Maintenance Mode kommen soll, das kenne ich gar nicht. Diese Aufgabe habe ich erst kurz vorher übernommen. Da bin ich noch nicht mal angelernt und heute sollen das meine skills sein. Das fand ich lächerlich. Die Chefs unseres Produktes gehen nicht zu IBM mit. Also die Wissensträger sind verschwunden.“

Wir fragten:
Hat IBM euch neue Arbeitsverträge vorgelegt?

Antwort:
Der Betriebsübergang nach §613a wurde uns damals nur vorgegaukelt. Wir haben alle, in Unwissenheit, bei der IBM neue Arbeitsverträge unterschrieben und damit den §613a (Besitzstandswahrung) ausgehebelt. IBM ist davon ausgegangen, dass wir von Siemens ordentlich über das Thema informiert wurden, was auch deren Pflicht gewesen wäre. Hat Siemens aber nicht gemacht.

Wir fragten:
Wie sahen die neuen Arbeitsverträge aus?

Antwort:
Die neuen Arbeitsverträge sahen auf den ersten Blick besser aus, als die von Siemens. Wir haben das auch von Anwälten prüfen lassen und diese haben das auch bestätigt. Im Nachhinein mussten wir feststellen, dass das Thema Gehaltsberechung bei der IBM anders aufgesetzt ist.

Wir fragten:
Ward ihr aufgrund der Darstellung des Siemens- und IBM-Management davon überzeugt, dass ihr bei IBM eine Zukunft habt?

Antwort:
So wie uns das Siemens Management den Deal verkauft hat, hätte uns das Paradies auf Erden erwartet. Aber wie wir später festgestellt haben, hat die Betriebleitung von Siemens uns das Blaue vom Himmel heruntergelogen und uns unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in eine böse Falle gelockt. Schon vor Ablauf eines Jahres wurde allen Mitarbeitern ein Aufhebungsvertrag im Rahmen einer Betriebschließung angeboten, Wer dieses Angebot nicht annahm, wurde gnadenlos betriebsbedingt gekündigt. Wir stehen jetzt auf der Straße.

Wir fragten:
Wann ist euch das erste Mal klar geworden, dass es bei IBM nicht so läuft, wie ihr dachtet?

Antwort:
Das war circa 8 bis 9 Monate nach dem Betriebsübergang. Hier wurde zum ersten Mal bekannt, dass der Betrieb geschlossen werden sollte. Von da an ging’s rapide bergab!

Wir fragten:
Kam das IBM Management auf euch zu (beispielsweise mit einem blauen Brief: „Ihr Arbeitsplatz entfällt“) oder wie sonst habt ihr erfahren, dass eure Jobs wegfallen. Wurde dabei mit betriebsbedingter Kündigung gedroht, wenn ihr den Aufhebungsvertrag nicht unterschreibt?

Antwort:
Bekanntgegeben wurde es auf einer Betriebsversammlung, anschließend wurde mit jedem einzelnen Mitarbeiter ein Gespräch geführt bezüglich eines Aufhebungsvertrages. Wer nicht unterschrieb wurde gekündigt.

Wir fragten:
Bemühte sich IBM, euch auf Arbeitsplätze bei IBM zu vermitteln? Wenn ja, wie sah dieses Bemühen konkret aus?

Antwort:
Nein, es gab keinerlei Bemühungen für die Mitarbeiter andere Arbeitplätze zu finden. Selbst diejenigen, die durch eine Entsendung oder Ausleihe einen „sicheren“ Arbeitplatz hatten, wurden allein auf Grund der Betriebszugehörigkeit „IBM BS Süd“ gekündigt.

Wir fragten:
Wie sah das Arbeitsplatzangebot bei IBM aus?

Antwort:
Es hätte bestimmt einige Arbeitplätze innerhalb der IBM gegeben, aber nicht für die Mitarbeiter der IBM BS Süd. Die waren alle gesperrt für Versetzungen. Keine Chance, auch bei bester Qualifikation nicht.

Wir fragten:
Wie viele von euch haben neue Aufgaben bei IBM gefunden? Woran lag das (Qualifikation, Alter, Engagement, Beziehungen oder einfach nur Glück)

Antwort:
Gefunden haben eigentlich alle etwas, die es wollten. Das hat nur keinem etwas genützt, da die „home location“ immer IBM BS Süd blieb und dieser Betrieb geschlossen wurde, egal wo die Kollegen in Einsatz waren.

Wir fragten:
Wurdet ihr unter Druck gesetzt?

Antwort:
Nein. unter Druck gesetzt kann ich nicht sagen. Es wurden hier im Rahmen der Betriebschließung durchaus sehr faire und offene Gespräche geführt, allerdings durch neu eingeflogene Führungskräfte, die keine persönliche Beziehung zu den Mitarbeitern hatten. Einen Verhandlungsspielraum gab es allerdings nicht. Entweder das Angebot unterschreiben, oder es kam die Kündigung.

Wir fragten:
Wurden alle die, die keinen Job hatten, zur gleichen Zeit gekündigt oder nacheinander?

Antwort:
Es wurde allen, auch denen die eigentlich durch Entsendung oder Ausleihe einen „sicheren“ Arbeitplatz gehabt hätten, im ersten Schritt ein Aufhebungsvertrag angeboten. Wer nicht unterschrieb, wurde betriebsbedingt gekündigt. Die Kündigungen wurden innerhalb von circa einer Woche persönlich von jeweils zwei IBM Managern zugestellt. Wir sind heute alle arbeitslos.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Montag, 15.10.07

NSN-SCA / NSN-RA: Blockiert NSN die beE?
Wie wir erfahren haben, versucht NSN offensichtlich den Mitarbeitern, die zu IBM wechseln sollen, den Weg in die beE zu versperren, indem die Vertragsunterzeichnung durch NSN hinausgezögert wird. Man will wohl abwarten, ob diese Mitarbeiter nicht doch bewegt werden können, zu IBM zu wechseln. Der Grund für dieses Verhalten könnte sein, dass jeder beE-Mitarbeiter NSN weiter Geld kostet, ein Mitarbeiter bei IBM würde NSN jedoch nichts mehr kosten. Gleiches dürfte auch für die Mitarbeiter gelten, die zu Wipro wechseln sollen.

Eine Sperre der beE für Mitarbeiter würde gegen den IA/SP verstoßen. Hier dürfen keine Mitarbeiter ausgenommen werden, die von Outsourcing-Maßnahmen betroffen sind.

Wichtig, liebe Kolleginnen und Kollegen ist: Ihr müsst, wenn ein Betriebsübergang wie zu IBM oder Wipro ansteht, nichts unterschreiben. Wenn ihr nichts tut, geht euer Arbeitsverhältnis automatisch in die neue Firma über. Sollte euch der Arbeitgeber etwas zur Unterschrift vorlegen, müsst ihr aufpassen, dass ihr nicht eine Verzichtserklärung (z.B. auf das Recht dem Betriebsübergang zu widersprechen) oder einen neuen Arbeitsvertrag unterschreibt. Ein gesundes Misstrauen ist hier angebracht. Der Arbeitgeber hat keinen Grund, euch Dokumente zu Unterschrift vorzulegen. Eine Formsache ist es dann sicherlich nicht.

Wenn ihr im Zweifel seid, schickt und die Dokumente, die ihr unterschreiben sollt.
(iw)


InWaChRo-News: Montag, 15.10.07

NSN: Schon wieder Blaue Briefe
Unser Management, offensichtlich nicht gerade mit Fantasie gesegnet, wärmt erneut die blauen Briefe auf.

In den nächsten Tagen, wir tippen mal auf Mittwoch, werden erneut blaue Briefe verteilt. Diesmal sollen sie von der direkten Führungskraft übergeben werden. Um den Mitarbeiter zu beeindrucken, sollen diese Briefe diesmal die persönliche Unterschrift der Führungskraft tragen.

Wie der Betriebsrat Mch M auf seiner Homepage berichtet, wurde ihm der Textentwurf zur Kenntnisnahme vorgelegt. Der Text enthalte keine direkten Aufforderungen an die Mitarbeiter, Gespräche wahrzunehmen.

Wie geht man mit diesen Briefen am besten um? Nehmt den Brief entgegen, legt ihn in einen mitgebrachten undurchsichtigen Aktendeckel. Hört euch an, was euer Chef euch erzählt. Es ist davon auszugehen, dass er euch nahe legt zu gehen, weil man ihm gesagt hat, dass er für euch keine Zukunft bei dieser Firma mehr sehen darf. Weiter wird er sagen, dass ihr Verständnis für die Lage der Firma aufbringen sollt. Wenn ihr wollt, könnt ihr die Frage stellen, ob die Firma denn Verständnis für eure Lage hat. Denkt daran, es ist seine Aufgabe, euch vom Gehen zu überzeugen. Er ist verpflichtet mal wieder in die Rolle des Hausierers zu schlüpfen, der das schwer gehende Produkt beE 2007 oder Aufheb 2007 verkaufen soll.

Legt dieses Gespräch zu den Akten, sortiert das Gesagte nach Fakten und psychologischer Beeinflussung und nehmt das Gespräch gelassen. Eurem Chef dürfte es ähnlich unangenehm sein wie euch.
(iw)


InWaChRo-News: Sonntag, 14.10.07

SIS: Neue Jobs hauptsächlich in Niedriglohnländern
Siemens IT Solutions and Services (SIS) will nach Aussage des Spartenchefs Christoph Kollatz neue Arbeitsplätze künftig vor allem in Indien, Russland und auf den Philippinen schaffen.

"Wollen wir konkurrenzfähig bleiben, können wir nicht mehr 100 Prozent der Wertschöpfung für deutsche Kunden auch in Deutschland erbringen", sagte Kollatz der "Berliner Zeitung" vom Samstag.

In den letzten drei Jahren, so Kollatz weiter, habe SIS dort durchschnittlich in diesen Ländern jeweils 30 Prozent zusätzliche Jobs geschaffen. Nur so könne SIS die Zahl der Jobs in Deutschland auf dem "bisherigen Niveau halten, oder sogar leicht ausbauen", behauptet Kollatz.

Dem aufmerksamen Leser fällt hier sofort ein Widerspruch auf.

Auf der einen Seite behauptet Kollatz, dass auch der Service für die deutschen Kunden aus Konkurrenzgründen in Niedriglohnländern erbracht werden muss. Dies hat voraussichtlich eine weitere Reduzierung der Arbeitsplätze in Deutschland zur Folge, denn so billig wie in Indien, Russland und den Philippinen können Mitarbeiter in Deutschland wegen der hohen Lebenshaltungskosten nie arbeiten. Auf der anderen Seite verwendet Kollatz den Aufbau in den Niedriglohnländern als Begründung für den Erhalt und leichten Ausbau der Jobs in Deutschland.

Dies entbehrt jeder Logik und ist nichts anderes als die Aneinanderreihung von Phrasen zur Beruhigung der deutschen SIS-Mitarbeiter und der Öffentlichkeit.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Sonntag, 14.10.07

Nö So Nich

beE’07
To beE or not beE, that’s the question
Verkauf mich doch!
2 Jahre halt ich noch durch
beE 2008
beE? Ich bin schon verkauft!

NSN Alumni
Produkte für beE Einsteiger

Normalerweise machen wir keine Werbung, aber hier machen wir einmal eine Ausnahme.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Samstag, 13.10.07

NSN-Abbauzähler und Feedback-Formular
Um den Überblick über die Abbauzahlen bei NSN zu behalten, haben wir auf der NSN-Seite einen Zähler neu eingerichtet. Wir werden ihn ständig aktualisieren. Dazu müsst ihr uns aber mitteilen, wenn ihr von Ausgliederungen erfahrt.

Da offensichtlich auch ein Bedarf entstanden ist, uns auch anonym Informationen zuzusenden, haben wir ein Feedbackformular erstellt. Ihr könnt uns über dieses Formular Probleme und Erlebnisse an eurem Arbeitsplatz schildern und Informationen zu Ausgliederungen, Stellenabbau etc. schicken. Wir freuen uns natürlich auch über Lob und konstruktive Kritik.

Eure persönlichen Daten behandeln wir natürlich wie immer vertraulich. Daher würde es uns freuen, wenn ihr euren Namen und eure E-Mail-Adresse weiterhin angebt.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Samstag, 13.10.07

NSN / Enterprise: Überlebenschancen bis 30.09.2009

Wir schreiben das Jahr 2007.
Dies sind die Abenteuer der Raumschiffe Enterprise und NSN,
die mit ihrer xxx Mann starken Besatzung
knapp ein Jahr lang unterwegs sind,
um neue Märkte zu erobern,
neues Leben und neue Zivilisationen.
Viele Lichtjahre von der Erde entfernt,
dringt die Enterprise/NSN in Galaxien vor,
die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Die unbekannten Welten, die der Mannschaft begegnen, sind:
beE, Aufhebungsvertrag und Ausgliederung,
Gerüchte über Betriebsschließungen und Insolvenz
Darum mancher Schrecken in der Belegschaft.
Hier spricht Captain Kirk:


Das zentrale Element bis 30.09.2009 ist, wie ihr in untenstehendem Diagramm erkennen könnt, der Kündigungsschutz. Dieser zieht quasi wie ein Magnet Mitarbeiter, die sich nicht dem Ausgliederungs- und Abbauwillen von NSN beugen wollen, in die Firma zurück.

Ein Widerspruch gegen einen Betriebsübergang ermöglicht es euch, NSN als beE zu nutzen, ohne definitiv zum 30.09.2009 ausscheiden zu müssen. Gleiches gilt natürlich im Falle einer Betriebsschließung, denn der Arbeitgeber kann euch wegen des Kündigungsschutzes nicht kündigen. Wer die Nase von NSN voll hat, kann sich natürlich auch von einem Arbeitsplatz aus, extern bewerben.

Diese Bewerbungen laufen für euch gefahrlos, denn ihr habt nach wie vor ein unbefristetes Arbeitsverhältnis und den Vorteil, euch aus einer normalen Anstellung heraus bewerben zu können. Den teilweise sinnlosen Druck der beE habt ihr dann auch nicht. Wenn es klappt, bedenkt die Probezeit beim neuen Arbeitgeber und die Tatsache, dass ihr bei diesem mit Betriebszugehörigkeitszeit Null anfangt. Wenn ihr ein gutes Gefühl habt, traut euch zu wechseln. Wenn es nicht klappt, könnte es ja - angesichts des viel gepriesenen Aufschwungs sein - dass NSN euch wieder braucht. Der Vorteil: Ihr seid dann noch da. Aber auch, wenn NSN euch ab dem 1.10.2009 immer noch glaubt, euch nicht zu brauchen, überlebt ihr länger, wenn ihr nicht in die aktuelle beE geht oder bei einer dubiosen Auslagerung mitspielt (siehe unten).

Geht ihr in die aktuelle beE, dann seid ihr definitiv ab 1.10.2009 arbeitslos, wenn ihr vorher keinen neuen Job findet. Im Falle eines Aufhebungsvertrags seid ihr sofort arbeitslos, außer ihr habt schon einen neuen Job. Die Abfindung hilft euch nicht viel weiter, insbesondere, da Ruhe- und Sperrzeiten vom Arbeitsamt zu erwarten sind, denn wer seinen Arbeitsplatz aufgibt, obwohl er Kündigungsschutz hat, handelt nach Arbeitsamt "mutwillig". Der volle Beitrag zur Krankenkasse ist in beiden Fällen vom Arbeitnehmer alleine zu tragen.

Frage: Wer schwimmen lernen will, springt auch nicht gleich ins tiefe Wasser. Wer das Bewerben (wieder) lernen will und seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt ausloten will, kann das gefahrlos dank Kündigungsschutz bei NSN tun. Warum diese Chance verspielen?

(iw)


InWaChRo-News: Samstag, 13.10.07

NSN / Enterprise / andere Firma: Überlebenschancen ab 1.10.2009

Wir schreiben das Jahr 2009.
Dies sind (immer noch!) die Abenteuer der Raumschiffe Enterprise und NSN,
die mit ihrer xxx Mann starken Besatzung
drei Jahre lang unterwegs sind,
um neue Märkte zu erobern,
neues Leben und neue Zivilisationen.
Viele Lichtjahre von der Erde entfernt,
dringt die Enterprise/NSN in Galaxien vor,
die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Die unbekannten Welten, die der Mannschaft begegnen, sind:
beE, Aufhebungsvertrag, Ausgliederung,
Gerüchte über Betriebsschließungen und Insolvenz
und jetzt sind betriebsbedingte Kündigungen möglich.
Darum mancher Schrecken in der Belegschaft.
Hier spricht Captain Kirk:


Wie ihr in der Grafik sehen könnt, überlebt ihr in jedem Fall länger, wenn ihr nicht in die aktuelle beE oder in eine Firma, die euch keine echte Zukunft bietet, wechselt.

24 Monate haben wir schon geschafft. 24 Monate Gehalt gerettet. Doch auch jetzt bleiben die Angriffe nicht aus: Ausgliederungen sind nach wie vor möglich, Betriebsschließungen denkbar, neuer Stellenabbau folgt (fast) so sicher wie das Amen in der Kirche. Doch jetzt sind betriebsbedingte Kündigungen wieder möglich. Doch die Mannschaft ist nicht wehrlos, vorausgesetzt, sie ist bereit zu kämpfen.

Der Arbeitgeber kann nun prinzipiell jeden Arbeitnehmer kündigen (Kollegen mit Arbeitsplatz, Widersprüchler gegen einen Betriebsübergang, Mitarbeiter, deren (Teil)Betrieb geschlossen werden soll).

Doch zunächst ist ein neuer IA/SP mit dem Betriebsrat auszuhandeln. In diesem dürften die Widersprüchler, die vor dem 30.09.2009 widersprochen haben, mit erfasst werden, denn NSN kann nicht einfach zwei Jahre oder mehrere Monate lang beispielsweise durch Arbeitsentzug gegen den Arbeitsvertrag verstoßen. Dann "Same procedure as every year": Prüfen der Angebote. Diese werden diesmal wohl unter der Drohung "betriebsbedingte Kündigung" ausgesprochen.

Wenn ihr 2009 einen Aufhebungsvertrag oder die beE annehmen wollt, könnt ihr ab Okt. 2007 rechnen mit:
24 Monate Gehalt + Kündigungsfrist (evt. finanziell abgegolten) + red. beE-Gehalt.

Ihr solltet aber auf jeden Fall prüfen, wie eure Chancen im Falle eines Kündigungsschutzprozesses stehen. Vielleicht habt ihr sogar Kündigungsschutz wie Jubilarschutz oder tariflichen Kündigungsschutz. Aber wenn es soweit ist, wird wohl wieder Captain Kirk ans Mikrofon treten.

Widerspricht der Betriebsrat der Kündigung ordentlich, dann erlangt ihr die Weiterbeschäftigung und damit das Gehalt bis Prozessende (§ 102 BetrVG). Falls ihr die erste Instanz gewinnt, bekommt ihr ebenfalls die Weiterbeschäftigung bis Prozessende, wenn kein BR-Widerspruch vorliegt. Im Falle einer Kündigungsschutzklage ergibt sich folgende Rechnung, gerechnet ab Okt. 2007:
24 Monate Gehalt + Kündigungsfrist + 1 bis 2 Jahre Weiterbeschäftigung bis Prozessende

Im Kündigungsschutzprozess prüft das Gericht
Im Prozess gibt es drei Möglichkeiten:
  1. Ihr gewinnt den Prozess, dann muss NSN/Enterprise euch auf einem Arbeitsplatz weiter beschäftigen. Im schlimmsten Fall muss man seinem Anwalt sagen, er möge das Urteil vollstrecken lassen. Dann klappt das, weil die Strafen sonst happig sind.
  2. Ihr vergleicht euch. Der Arbeitgeber wird Aufhebungsverträge und beE in den Prozessen wie Sauerbier anbieten
  3. Ihr verliert den Prozess, dann habt ihr Zeit (siehe obige Rechnung), Erfahrung und das Gefühl, alles euch Mögliche getan zu haben, gewonnen. Dies erhält das Selbstbewusstsein und bewahrt vor Selbstvorwürfen, leichtfertig den Arbeitsplatz aufgegeben zu haben.
Anmerkung: Findet ihr während des Prozesses einen neuen Job, dann könnt ihr den Prozess jederzeit beenden. Es ist aber zu empfehlen, den Prozess während der Probezeit im neuen Job weiterlaufen zu lassen. Besteht man sie nicht, hat man noch die Chance: Zurück zu NSN.

(iw)


InWaChRo-News: Samstag, 13.10.07

Kündigungsfristen
Da es die Kollegen immer mal wieder interessiert wie lange ihre Kündigungsfrist ist, hier die Liste (§622 BGB):
Für eine Kündigung durch den Arbeitgeber beträgt die Kündigungsfrist, wenn das Arbeitsverhältnis in dem Betrieb oder Unternehmen:
2 Jahre bestanden hat, 1 Monat zum Ende eines Kalendermonats,
5 Jahre bestanden hat, 2 Monate zum Ende eines Kalendermonats,
8 Jahre bestanden hat, 3 Monate zum Ende eines Kalendermonats,
10 Jahre bestanden hat, 4 Monate zum Ende eines Kalendermonats,
12 Jahre bestanden hat, 5 Monate zum Ende eines Kalendermonats,
15 Jahre bestanden hat, sechs Monate zum Ende eines Kalendermonats,
20 Jahre bestanden hat, sieben Monate zum Ende eines Kalendermonats.

Für die Kündigungsfrist zählen nur die Dienstjahre ab dem vollendeten 25. Lebensjahr.
(iw)


InWaChRo-News: Samstag, 13.10.07

Traum und Wirklichkeit
Der Traum eines sicheren Arbeitsplatzes, den man 2002 noch träumen konnte, wird sich nicht mehr erfüllen. Die Arbeitgeber, insbesondere die großen Konzerne, sind der Globalisierung nicht wirklich gewachsen. Sie hängen dem Glauben nach, dass sie mit Stellenabbau ihre Margen erreichen können. Auch, wenn dieses Unterfangen noch so unsinnig ist, sie sind - mangels Fantasie - nicht davon abzubringen.

Daher müsst ihr euch irgendwann mit dieser ganzen Problematik intensiv auseinandersetzen. Ansonsten könnt ihr in dieser Gesellschaft auf Dauer nicht mehr überleben. Dann aber müsst ihr euch mit Hartz IV auseinandersetzen - und das ist viel komplizierter, viel entwürdigender und viel stressiger als das Arbeitsrecht. Es ist an euch selbst, ob ihr dieses Recht für euch persönlich verspielt oder nutzt. Wer den Kopf in den Sand steckt und der Meinung ist, die Welt ist in Ordnung, sollte seine Blickrichtung ändern. Wenn er dann immer noch eine heile Welt vorfindet, kann er weiter träumen.
(iw)


InWaChRo-News: Samstag, 13.10.07

Menschen gegen Aufträge
Arbeitnehmer werden immer mehr zur Ware. Menschen werden zunehmend gegen Aufträge getauscht. Das Geschäft ist für beide Seiten lukrativ. Firmen wie Siemens oder NSN bekommen die Mitarbeiter los, die sie nicht mehr behalten möchten. Die Mitarbeiter werden in kleinen, unauffälligen Gruppen - oft durch Missbrauch des §613a BGB - in eine meist ungewisse Zukunft ausgegliedert. Die neuen Firmen brauchen diese Mitarbeiter nicht wirklich. Sie wollen sie auch nicht. Was sie wollen sind die Aufträge und die Mitgift.

So erhofft sich beispielsweise Wipro durch den Zukauf vor allem ihre geschäftlichen Möglichkeiten in Europa weiter ausbauen zu können. Nokia Siemens Networks möchte in erster Linie ihre Kosten drücken und dauerhaft eine kleine Kernmannschaft aufbauen. Für die übrigen Aufgaben werden Mitarbeiter von Firmen wie Wipro, TietoEnator, IBM etc. temporär angefordert.

Um die Anforderungen der Firmen erfüllen zu können, benötigt der Mensch eine hohe Flexibilität. Diese fordert Mobilität, psychische und physische Stabilität, die Fähigkeit, sich extrem schnell in neue Aufgaben einarbeiten zu können und die Bereitschaft Überstunden und Wochenendarbeit (bis zum Zusammenbruch) zu leisten. Da kein Mensch alle diese Anforderungen auf die Dauer erfüllen kann, entsteht ein hoher psychischer Druck durch die Notwendigkeit Defizite ständig kaschieren zu müssen.

Mitarbeiter, die die von den Firmen geforderte Flexibilität nicht mehr aufbringen können, bleiben auf der Strecke und werden der Gesellschaft zur Entsorgung überlassen. Deswegen stellen Firmen "vorsorglich" kaum ältere Mitarbeiter ein, weil sie befürchten, dass diese über kurz oder lang zusammenbrechen (Burnout).
(iw/cr)


InWaChRo-News: Freitag, 12.10.07

NSN-Wipro: Eigene Seite über die Ausgliederung eingerichtet
Wir haben für euch eine eigene Seite über die Ausgliederung von Radio Access zu Wipro angelegt. Hier werden die Wipro-Artikel gesammelt. Ihr könnt sie unter dem Menü "Aktuelles" aufrufen.

Aber: Wenn ihr aktuell bleiben wollt, schaut immer auf Aktuelles. Archiviert wird in unregelmäßigen Abständen (je nach verbleibender Zeit).
(iw)


InWaChRo-News: Freitag, 12.10.07

NSN–Wipro: Ausgliederung der Radio Access Entwicklung zu Wipro
Wie erwartet gehen die Ausgliederung scheibchenweise weiter. Schon am 01.12.2007 sollen 58 Kollegen von Radio Access in Berlin, die für die WCDMA BTS Entwicklung und das Network Engineering Team arbeiten, ausgegliedert werden. Ihr neuer Arbeitgeber soll die Wipro Technologies GmbH in Kempen werden. Die Mitarbeiter sollen zunächst ihre Aufgaben mitnehmen und nach deren Auslaufen bei Wipro neue Aufgaben bekommen.

Nach erster Recherche beschäftigt Wipro mehr als 10.000 „Wanderarbeiter“ (itinerant employees) und 7.500 Consultants. Diese Firma verleiht Arbeitnehmer an andere Firmen, bzw. diese bearbeiten Aufträge von anderen Firmen. Es handelt sich also um nichts anderes als Zeitarbeit. Die Wipro Technologies GmbH scheint der Wipro Ltd. mit Hauptsitz in Indien zu gehören.

Auf der Homepage des Betriebsrats Mch M ist zu lesen: „Aus Berlin wird berichtet, dass die dortige Informationsveranstaltung nicht überzeugend gewesen sei. Ein realistisches Geschäftsmodell sei nicht erkennbar gewesen. Man könne mit einer hohen Zahl von Widersprüchen rechnen.“

Zeitarbeit könnt ihr immer noch machen. Dazu braucht ihr nicht zu Wipro, einer Firma, die keiner kennt gehen und von der man nicht weiß, ob sie einem Tarifvertrag unterliegt, der die Zeitarbeitsbedingungen regelt. Dann kann man genauso gut zu Manpower, Adecco, Randstad etc. wechseln. Hier sollte man auf jeden Fall die Zeit mit Kündigungsschutz bis 9.2009 aussitzen.

Es ist zweifelhaft, ob die 58 Mitarbeiter überhaupt einen (Teil-)Betrieb bilden, der nach §613a BGB übergehen kann. Welche Rechte mit übergehen, ist völlig unklar. Der Zeitdruck, unter dem die Mitarbeiter sich entscheiden sollen ist unglaublich.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Freitag, 12.10.07

NSN: Angst bei SCA-MA vor Betriebsschließung in Berlin
Die Berliner Kollegen, die zu IBM ausgegliedert werden sollen, befürchten, dass der NSN-Standort Berlin in absehbarer Zeit geschlossen werden soll.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, bitte verfallt nicht in Panik und überprüft ggf. mit unserer Hilfe alle Aussagen der Betriebsleitung und kursierende Gerüchte. Wie wir schon mehrfach betonten bleiben NSN nur zwei Möglichkeiten, den Stellenabbau, an dem sie unverändert fest halten, zu realisieren: Ausgliederungen und psychologische Beeinflussung.

Um einen Betrieb schließen zu können, muss NSN die Mitarbeiter entweder betriebsbedingt kündigen oder in andere Betriebe versetzten. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis zum 30.09.2009 ausgeschlossen. NSN müsste also allen Mitarbeitern - also auch denen, die einem Betriebsübergang widersprechen - einen anderen Arbeitsplatz in einem anderen Betrieb anbieten. NSN kann den Mitarbeitern nicht einfach die Arbeit entziehen. Dies verstößt gegen den Arbeitsvertrag. Dagegen kann man sich notfalls mit einer Klage auf vertragsgemäße Beschäftigung wehren. Eine Klagewelle sieht NSN mit Sicherheit nicht gern, insbesondere dann nicht, wenn darüber von NCI berichtet wird. Klagen kosten und NSN muss sparen.

Es ist unklar, woher das Gerücht einer Betriebsschließung in Berlin stammt und ob es überhaupt einen wahren Kern hat. Es könnte von übereifrigen Managern gezielt gestreut worden sein, um den Betriebsübergang zu IBM realisieren zu können ("wenn ich Angst habe bei NSN unterzugehen, steige ich lieber in ein anderes leckes Boot". Dies nährt die Hoffnung zu überleben kurzfristig). Es könnte aber auch ebenso sein, dass dieses Gerücht aufgrund der psychischen Belastung der Mitarbeiter einfach entstanden ist.

Gerücht hin oder her. Es bleiben die Fakten. Morgen erhaltet ihr noch einmal eine Übersicht über die Überlebenschancen bei NSN bis 30.09.2009 (Kündigungsschutz!) und nach dem 01.10.2009.
(iw)


InWaChRo-News: Freitag, 12.10.07

NSN-SCA: Der „zwei Alternativen“-Effekt
Den SCA-Mitarbeitern wird angeboten, zu IBM zu gehen oder in die beE zu wechseln. Die dritte Alternative - zu bleiben - wird ihnen nicht angeboten, sie existiert aber.

Es handelt sich hier um einen psychologischen Trick, den ihr selbst im Bekanntenkreis ausprobieren könnt.
Bietet man einem Gast zwei Alternative an, also z.B. „möchtest du Kaffee oder Tee?“, dann kann man ziemlich sicher sein, dass der Gast sich sofort für eine der beiden angebotenen Alternativen entscheidet. Bietet man hingegen drei oder mehr Alternativen an, etwa „möchtest du Kaffee, Apfelsaft oder Rotwein?“, dann kann man ziemlich sicher sein, dass der Gast anfängt zu diskutieren: „Hast du vielleicht auch Weißwein?“ „ja, einen Frankenwein.“ „Nein danke, aber …“ und es kann lange dauern, bis er sich entscheidet. Je mehr Alternativen man anbietet, desto länger dauert die Entscheidung.

Es ist also vom psychologischen Standpunkt aus geschickt, den SCA-Mitarbeitern nur zwei Alternativen - „IBM“ oder „beE“ – anzubieten. Dann denkt man nur noch über diese beiden Alternativen nach und kommt gar nicht erst auf den Gedanken, sich mit anderen Alternativen auseinanderzusetzen.

Beim genauen Hinschauen erkennt man, dass beide von NSN angebotenen Alternativen euch aus NSN herausführen. Es ist NSN völlig egal, wie ihr die Firma verlasst, Hauptsache ihr verlasst sie. Es ist jetzt an euch, nicht in Panik zu verfallen, sondern euch etwas zurückzunehmen und alle Alternativen zu bewerten und euch dann für die zu entscheiden, die für euch die beste Lösung für den Erhalt eurer Existenzgrundlage „Arbeitsplatz“ ist. Diese Lösung kann auch darin bestehen, dass ihr einfach bleibt.
(cr)


InWaChRo-News: Mittwoch, 10.10.07

NSN: weist Pressebericht über zusätzlichen Personalabbau zurück
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) hatte am 6.10.2007 berichtet, Nokia Siemens Networks habe eine Unternehmensberatung beauftragt und vermutete einen weiteren Stellenabbau über die geplanten 2.290 Arbeitsplätze hinaus.

NSN wies auf unsere Nachfrage hin entschieden zurück, dass eine Unternehmensberatung mit der Vorbereitung eines weiteren Stellenabbaus beauftragt zu haben. Dieser Artikel entbehre jeglicher Grundlage, so NSN weiter.

Wir erinnern uns, dass die Unternehmensberatung EWR Consulting beauftragt wurde, die Planungen von NSN zu analysieren und zu prüfen, ob diese plausibel sind oder Lücken aufweisen. Es ist davon auszugehen, dass inzwischen die Plausibilitätslücken von NSN identifiziert wurden. Es ist möglich, dass die Informationen der FAS sich auf diese Unternehmensberatung bezogen.

Weiter besteht die Möglichkeit, dass NSN auf Basis der Ergebnisse der EWR Consulting eine weitere Unternehmensberatung beauftragt hat, ein Konzept auszuarbeiten, um die aufgedeckten Schwachstellen zu beseitigen.

Aufgrund des Kündigungsschutzes bis 30.9.2009 ist Stellenabbau in Deutschland ohnehin nur über freiwillige Maßnahmen zu erreichen. Daran würde auch eine Unternehmensberatung nichts ändern. Sie müsste die Kosteneinsparungen über andere Mittel erreichen als über Stellenabbau.
(cr)


InWaChRo-News: Dienstag, 09.10.07

NSN-SCA: Wirbt IBM für Übergang mit falschen Aussagen?
Zu der Frage, warum die übergehenden Mitarbeiter nicht von Anfang an in die IBM Deutschland GmbH mit ca. 21.000 Mitarbeitern integriert werden, sondern zunächst in ein neu zu gründendes Unternehmen (IBM-Tochter) übergehen sollen, nahm IBM nun Stellung. Das Unternehmen begründete den Schritt damit, dass ansonsten Betriebsvereinbarungen, tarifliche Regelungen etc. nicht mit übergehen können. Diese Aussage ist falsch.

Rechte der Mitarbeiter besser gewahrt bei Übergang in die IBM Deutschland GmbH
Für den Betriebsübergang nach § 613a BGB würde es genügen, wenn die auszulagernden Mitarbeiter einen Teilbetrieb bilden, der in einen bestehenden Betrieb (z.B. der IBM Deutschland GmbH) übergeht. Dann gehen auf jeden Fall alle individuellen Arbeitsbedingungen über. Betriebsvereinbarungen und tarifliche Regelungen gelten nach §613a BGB weiter, soweit es in der IBM Deutschland GmbH zu bestimmten Themen keine eigenen Betriebsvereinbarungen bzw. einen anderen Tarifvertrag gibt. Dann gelten diese. Vor allen Dingen würden die Mitarbeiter ihre Betriebszugehörigkeitszeit in die IBM Deutschland GmbH mitnehmen und sie bei Versetzungen innerhalb des Unternehmens behalten.

Die Mitarbeiter würden also mit dieser Lösung ihre Rechte aus §613a BGB behalten. Darüber hinaus käme §1 KSchG im Falle von betriebsbedingten Kündigungen voll zur Anwendung, d.h. es wäre eine Sozialauswahl über den Betrieb der IBM Deutschland GmbH erforderlich. Die Mitarbeiter müssten auf freien Stellen im Unternehmen IBM Deutschland GmbH, weiterbeschäftigt werden.

Weiter wäre die Gefahr der Betriebsschließung wesentlich geringer. Im Fall einer Teilbetriebsschließung würden wiederum die Regelungen des §1 KSchG zum Tragen kommen.

Verlust von Kündigungsschutz und sonstigen Rechten bei geplantem Konstrukt
Gehen die Mitarbeiter zunächst in die IBM-SCA-GmbH über und wechseln dann wie vorgesehen auf einen neuen Arbeitsplatz beispielsweise in der IBM Deutschland GmbH, dann würden die Mitarbeiter neben ihrer Betriebszugehörigkeitszeit auch alle Rechte aus den Siemens Betriebsvereinbarungen verlieren, wie beispielsweise den Jubilarschutz und den Kündigungsschutz bis 30.09.2009.

Schnellerer Übergang bei Integration in die IBM Deutschland GmbH
Weiter erklärte IBM den Mitarbeitern, der Übergang könne bei Eingliederung in die IBM Deutschland GmbH nicht so schnell ablaufen. Das ist eine völlig haltlose Aussage. Der Aufwand ein neues Unternehmen zu gründen, dort die benötigte Infrastruktur und Organisationsstruktur aufzubauen sowie die erforderlichen Kooperationsverträge mit anderen Konzernunternehmen abzuschließen, ist ein kostenintensiver Overhead, insbesondere unsinnig, wenn man beabsichtigt, die Mitarbeiter nach Auslaufen der Produkte in die IBM Deutschland GmbH zu überführen. Dieser Prozess dauert wesentlich länger als wenn man den Übergang direkt in die IBM Deutschland GmbH durchführt.

Warum will IBM dann trotzdem diesen Weg gehen?
Die Gründe sind:

Die Firmenleitung baut offensichtlich auf die Hoffnung, dass die Mitarbeiter sich durch die freundlichen Atmosphäre und die scheinbar kompetenten Antworten einlullen lassen.

Schaut euch einfach nur die Fakten an, streicht in den Folien und sonstigen Unterlagen, die ihr bekommen habt, alles heraus, was nicht belegt ist und was zwar schön aussieht, für euch als Mitarbeiter aber keinen Mehrwert bringt.

IBM könnte ein Konstrukt finden (Integration in die IBM Deutschland GmbH), bei dem die Mitarbeiter ihre Rechte behalten würden. Aber IBM will nicht! Fragt euch warum?
(iw/cr)


InWaChRo-News: Dienstag, 09.10.07

NSN-SCA: Keinen neuen Arbeitsvertrag bei IBM unterschreiben
Kollegen des Rechenzentrums, die 2004 zu IBM übergegangen sind, haben uns mitgeteilt, dass sie bei IBM neue Arbeitsverträge unterschrieben haben. IBM ist davon ausgegangen, dass die Mitarbeiter durch Siemens informiert wurden, dass sie neue Arbeitsverträge bekommen würden. Dies hat Siemens aber unterlassen.

Die Mitarbeiter wussten damals nicht, dass ein Betriebsübergang keinen Abschluss eines neuen Arbeitsvertrags fordert. Die Regelungen des §613a BGB. sollen gerade sicherstellen, dass der Mitarbeiter seine individuellen vertraglichen Vereinbarungen beim Übergang behält und Betriebsvereinbarungen und tarifvertragliche Regelungen weiter wirken. Letztere sind ein Jahr geschützt, es sei denn im neuen Betrieb bestehen bereits Betriebsvereinbarungen zu den geregelten Themen bzw. es existiert bereits ein Tarifvertrag.

"Der Betriebsübergang nach §613a wurde uns damals nur vorgegaukelt. Wir haben alle, in Unwissenheit, bei der IBM neue Arbeitsverträge unterschrieben und damit den §613a (Besitzstandswahrung) ausgehebelt.", so ein damaliger Kollege.
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 09.10.07

NSN-SCA: Fragen noch offen?
Die Mitarbeiter, die zu IBM übergehen sollen, werden in Veranstaltungen bearbeitet. Dabei ist die Atmosphäre freundlich - sollte sie auch sein, wenn man jemanden dazu bewegen will, den eigenen Vorstellungen zu folgen. Wie wir schon mehrfach betont haben, sollte dies aber nicht den Blick für die Fakten verstellen. Daher ein paar Fragen, anhand derer ihr überprüfen könnt, ob ihr inzwischen mehr als schöne Worte erfahren habt:

Ihr könnt natürlich auch uns eure offenen Fragen schicken.
(iw)


InWaChRo-News: Montag, 08.10.07

NSN: Unternehmensberatung beauftragt
Nokia Siemens Networks hat laut Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung eine Unternehmensberatung offenbar beauftragt einen weiteren Stellenabbau vorzubereiten. Grund für die Beauftragung ist, dass die Mütter Siemens und Nokia mit ihrer Tochterfirma unzufrieden sind.

Wie dieser Auftrag genau aussieht und ob davon auch die deutschen Standorte betroffen sind, ist nicht bekannt. Selbst wenn NSN in Deutschland mehr als die geplanten 2.290 Stellen abbauen will, ändert das nichts an dem Fakt, dass der Kündigungsschutz in der Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG bis 30.9.2009 gilt. Stellenabbau geht nach wie vor nur über freiwillige Maßnahmen wie beE, Aufhebungsvertrag und Vorruhestandsregelungen.

Ein Sprecher des Konzerns wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Montag, 08.10.07

NSN: Zwerg oder Nr. 1?
Zurzeit verhält sich das NSN-Management so, als ob es nicht mehr das Ziel ist, Nr. 1 auf dem Weltmarkt zu werden. Dies haben offensichtlich auch die Mütter Siemens und Nokia festgestellt.

Die „Lösung“ Stellenabbau funktioniert auch bei NSN nicht. Sie hat schon bei Siemens in den letzten fünf Jahren keine Besserung gebracht. Das Vorhaben, Weltmarktführer über Stellenabbau zu werden, gleicht dem Versuch, die Alpen zu überwinden, indem man ein Loch mit einem Akkubohrer bohrt, anstatt einen Weg über die Pässe zu suchen. Nicht überraschend ist, dass dieser Bohrer dauernd kaputt geht. Statt sich eine alternative Lösung zu überlegen, kauft man sich lieber wieder einen neuen. Man wundert sich dann, dass man seinem Ziel nicht näher kommt und beauftragt eine Unternehmensberatung, einen anderen Bohrer vorzuschlagen.

Worum geht hier es eigentlich? Will das NSN-Management den Stellenabbau auf Biegen und Brechen durchziehen, nur um sein Gesicht nicht zu verlieren und am Ende sagen zu können ich bin der stärkere, ich schaffe diesen Personalabbau gegen die Belegschaft oder will NSN die Nr. 1 im Weltmarkt werden? Beides zusammen geht nicht.

Produkte entwickeln sich nicht alleine, Dienstleistungen erbringen sich nicht selbst. Eine Firma braucht dazu motivierte Mitarbeiter. Wenn NSN möchte, dass die Leute davonlaufen, wenn NSN möchte, dass jüngere Leute sich nicht für dieses Unternehmen interessieren, wenn NSN möchte, dass beim Kunden Probleme auflaufen, dann ist NSN auf dem richtigen Weg.

Wenn NSN jedoch Nr. 1 im Weltmarkt werden möchte, dann ist es dringendst erforderlich, dass Alternativen zum Stellenabbau gefunden und das alte, starre Denken durchbrochen wird.

Wenn man sich vor Augen führt, dass Ericsson 65.507 Mitarbeiter in mehr als 140 Ländern beschäftigt, davon 19.285 allein im Hochlohnland Schweden und Alcatel 79.000 Mitarbeiter in mehr als 130 Ländern, wie will dann Nokia Siemens Networks nach dem Stellenabbau um 15% mit nur 51.000 Mitarbeitern die Märkte in über 160 Ländern bedienen, bessere Qualität als Ericsson und Alcatel für ihre Kunden sicherstellen und neue Kunden von der Konkurrenz abwerben und gleichzeitig neue, innovative Produkte entwickeln?

Wie die SZ in der Wochenendausgabe berichtete, hat der weltweit zweitgrößte Rückversicherer Münchener Rück mit dem Betriebsrat einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2009 vereinbart, um in Ruhe eine Restrukturierung und Verschlankung ihrer Prozesse durchführen zu können. Es gehe darum, die Schlagkraft im operativen Geschäft zu steigern, dynamischer und kreativer zu werden, sagte der Personalchef Peter Seemann. „Wir brauchen nicht den Hebel des Stellenabbaus, um besser zu werden“, so Seemann weiter. Hier versucht einmal ein Unternehmen eine Restrukturierung ohne Drohung mit betriebsbedingten Kündigungen und ohne blaue Briefe durchzuführen. Dadurch bleibt die Motivation im Unternehmen erhalten und die Basis dafür ist gelegt, dass die Restrukturierung überhaupt greifen kann. Mit der Nichtkündigungsgarantie bis 30.9.2009 hätte NSN bereits den Anfang zur Umkehr.

Die Verwirklichung einer Vision, einer erfolgreichen Restrukturierung braucht die konzentrierte Kraft aller Beteiligten: Der Mitarbeiter und des Managements.

Vielleicht sollte NSN die gleiche Unternehmensberatung beauftragen wie die Münchener Rück. Ohne neue Wege und Denkweisen wird NSN es nie schaffen, aus der Krise in die Gewinnzone zu kommen. NSN kann nun entscheiden, ob es ein Zwerg oder die Nr. 1 sein will.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Sonntag, 07.10.07

NSN-SCA: Kommentar zu den Folien: Geringe Zukunftsperspektiven bei IBM
Die SCA-Mitarbeiter haben Ende September mehrere Foliensätze erhalten, die auf den Informationsveranstaltungen gezeigt wurden. Dabei versuchte NSN die Auslagerung der betroffenen SCA-Mitarbeiter zu begründen. IBM stellte ihr Unternehmen vor. Wir haben diese Foliensätze jetzt analysiert.

Informationen weitgehend für die Mitarbeiter irrelevant
Bei allen Foliensätzen ist uns aufgefallen, dass die Informationen auf den Folien für die übergehenden Mitarbeiter weitgehend irrelevant sind. Beide Firmen gehen kaum auf die spezifische Situation der übergehenden Mitarbeiter ein. Warum, wenn der Deal eine Zukunft für die Mitarbeiter bietet?

Aus keiner Folie geht hervor, was IBM mit den übergehenden Produkten anfangen will. Die Frage, warum will IBM diese Mitarbeiter, diese Produkte überhaupt haben, bleibt unbeantwortet. Wenn IBM beabsichtigen würde, diese Produkte und Dienstleistungen dauerhaft in ihr Portfolio zu integrieren, dann wäre es nur natürlich, den Mitarbeitern die Vermarktungsperspektiven - und damit die Zukunftsaussichten der Mitarbeiter - innerhalb ihres Unternehmens aufzuzeigen. Das hat weder IBM noch NSN getan. IBM hat sich lediglich darauf beschränkt schöne Folien zu zeigen, die den Eindruck vermitteln sollen, IBM ist eine gute Firma. Im Mitarbeiter soll ein positives Gefühl entstehen - ein verkauftechnischer Trick, von dem man sich nicht blenden lassen darf. In Wirklichkeit wurde über die neu zu gründende Firma und Zukunft der Mitarbeiter fast nichts ausgesagt.

NSN listet in seinem 15-seitigen Foliensatz ausschließlich Vorteile auf, die der Firma NSN dienen, zeichnet aber keine Zukunftsperspektiven für die übergehenden Mitarbeiter. Die Zukunft der Mitarbeiter wird nur an einigen wenigen Stellen deutlich.

NSN gibt offen zu: Übergehende Mitarbeiter müssen sich einen neuen Job suchen
Im Foliensatz heißt es: "Aufgrund abnehmender Auslastung bei der Produktwartung würden die betroffenen Mitarbeiter die Möglichkeit haben, nach Abschluss ihrer Projekte bei IBM neue Aufgaben im Forschungs- und Entwicklungsbereich zu übernehmen."

In diesem Satz gibt NSN offen zu, dass die Auslastung der Mitarbeiter in der neuen Firma zurückgehen wird. Das bedeutet aber auch, dass überhaupt nicht beabsichtigt ist, die neue Firma auf Dauer mit neu akquirierten Aufträgen am Laufen zu halten. Dies wird unterstrichen durch die Bemerkung in den Notizen "pls do not talk about job security" - wir berichteten.

"Die Mitarbeiter würden die Möglichkeit haben, ... bei IBM neue Aufgaben zu übernehmen...", heißt es. Es heißt nicht: "Die Mitarbeiter bekommen dann neue Aufgaben zugeteilt". Dies bedeutet im Klartext, dass sich jeder übergehende Mitarbeiter bei IBM einen neuen Job suchen muss. Dies könnte, wie wir berichteten, schwierig sein. Wenn es nicht gelingt, wird es zu betriebsbedingten Kündigungen und/oder einer Betriebsschließung kommen. Die Chancen eine Kündigungsschutzklage zu gewinnen sind nahezu aussichtslos. Dies erlebten 2004 die Mitarbeiter des Siemens-Rechenzentrums, die 2003 zu IBM übergegangen sind.

Diese Aussage wird durch zwei weitere Punkte gestützt.
Weiter heißt es auf Seite 7 der NSN-Folien:
"Übergang der SGSN Produktkompetenz in eines der NSN Entwicklungszentren mit dem Schwerpunkt auf Siemens SGSN Maintenance."

Nach diesem Satz sollen die Mitarbeiter von SGSN ihr Know How und ihre Aufgaben bis zum Übergang an andere, von ihnen neu einzuarbeitende Mitarbeiter, übergeben. Sie gehen folglich wie auch die Kollegen von Media Gateway ohne Aufgaben zur IBM-Tochter über.

Weiter findet sich eine Aussage über das ehemalige Siemens-Produkt GGSN/IPS:
"Technischer Support und Engineering-Aufgaben für Kunden-Migrationsfälle vom Siemens GGSN/IPS zum NSN Zielprodukt Flexi ISN"

Dies bedeutet, dass das ehemalige GGSN/IPS eingestellt wird. Die Kunden erhalten eine Migration auf das NSN-Produkt Flexi ISN. Die Aufgabe ist mit Abschluss der Migration beendet. Auch diese Mitarbeiter haben dann keine Arbeit mehr.

Ein ehemaliger Mitarbeiter des damals von Siemens ausgelagerten IBM-Rechenzentrums hat sich bei uns gemeldet und gesagt: "Empfehlen kann ich nur allen betroffenen Kollegen einem Betriebsübergang zu widersprechen. Die Skills, die hier übergehen sollen, gibt es in der IBM nicht und werden auch nicht benötigt."

Zusammen mit allen anderen Informationen, die wir euch zur Verfügung gestellt haben, ergibt sich, dass IBM eine sehr unsichere Zukunft für die übergehenden Mitarbeiter bietet. Insbesondere besteht das Problem, dass die neu zu gründende IBM-SCA-GmbH einer Sackgasse gleicht. Ihr habt keine Chance einen Kündigungsschutzprozess zu gewinnen, wenn diese viel zu kleine Firma geschlossen wird (vergl. dazu Artikel: Überlebenschancen). Und nebenbei bemerkt: Wird die IBM-SCA-GmbH insolvent, hilft euch auch der Kündigungsschutz bis 2009 nichts. Schätzt daher die Risiken für euch persönlich genau ab.
(iw)


InWaChRo-News: Sonntag, 07.10.07

SIS - Abschließende Lösung der ETV-Eingruppierungsverfahren
In diesen Tagen haben die betroffenen Mitarbeiter eine E-Mail von SIS-HR mit einem Vorschlag für eine "Abschließende Lösung der ETV-Eingruppierungsverfahren" erhalten. SIS HR informiert darüber, dass sich die Betriebsleitung mit Vertretern des Gesamtbetriebsrates der Siemens AG auf eine Vorgehensweise verständigt, die den örtlichen Betriebsräten in Form einer Betriebsvereinbarung zur Annahme empfohlen wird. Diese Empfehlung beinhaltet im Wesentlichen für die Ersteintarifierung eine Ableitung des neuen Tarifentgelts aus dem bisherigen - ähnlich der bestehenden Regelung für die Regionalorganisation Deutschland. Der wichtigste Punkt hierbei: die Differenz zwischen den tariflich abgesicherten Entgeltbestandteilen zum 31.01.2007 (bis dahin galt der Flächentarifvertrag) einerseits und den neuen tariflichen Entgeltbestandteilen ab dem 01.02.2007 (gemäß ETV SIS) andererseits darf maximal 12,5 % betragen.

Die Historie der Eingruppierungen zur Erinnerung:
Im Ergänzungstarifvertrag für SIS §5 heißt es:
In Abänderung von § 7 der Tarifvertraglichen Sondervereinbarung vom 23.01.2005 werden die Beschäftigten entsprechend der ausgeübten Tätigkeiten anforderungsgerecht eingruppiert und den entsprechenden Entgeltgruppen und Entgeltstufen zugeordnet.

Nachdem es aufgrund der Ersteintarifierung massive Widersprüche gegeben hat, wurde von Siemens IT Solutions and Services (SIS) und dem Gesamtbetriebsrat der Siemens AG ein "tragfähiger Kompromiss" zur Eintarifierung gefunden, am 16.7.2007 per E-Mail bekanntgegeben und umgehend umgesetzt. Dieser sah die Einordnung der Mitarbeiter in Mindestentgeltgruppen in Abhängigkeit von ihren vorherigen Entgeltgruppen vor, was in der Regel nach wie vor eine Herabgruppierung bedeutete.

Offensichtlich war der Kompromiss nicht so tragfähig wie erhofft und die erwünschte Größenordnung an Rücknahmen von Widersprüchen durch die Mitarbeiter fand nicht statt.

Deshalb also nun die oben genannte Empfehlung für eine abschließende Lösung. Ganz offen bezieht man sich nun ausschließlich auf den finanziellen Part. Die Mitarbeiter wollen durch ihre Widersprüche erreichen, dass der Wechsel der Tarifsysteme ohne finanzielle Einbußen erfolgt. Auch wenn diese fürs erste durch Ausgleichszahlungen abgefangen werden, weiß doch jeder Mitarbeiter um die Folgen für die zukünftigen Jahre.

Faire und gerechte Eingruppierungen sind kein Thema mehr, finanzielle Gerechtigkeit erst recht nicht. Auch wenn es darum geht, die Angelegenheit schnellstmöglich über den Tisch zu bringen, stehen doch noch einige Fragen im Raum:

Ist die "abschließende Lösung" nicht Vertragsbruch gegenüber ETV § 5?

Welche Begründung gibt es dafür, dass die Mitarbeiter eine willkürliche Gehaltsminderung um bis zu 12,5 % zusätzlich zu den vorhergehenden Einsparmaßnahmen akzeptieren sollen?

Wenn es ausschließlich um die Wiederherstellung des Betriebsfriedens und den Abschluss der leidigen Angelegenheit der Eingruppierung geht, kann man der Betriebsleitung nur empfehlen, den einzig richtigen Schritt zu tun und eine glaubwürdige 1:1 Umsetzung ohne weitere finanzielle Einbußen vorzunehmen. Allenfalls eine Heraufgruppierung von bisher zurückgestellten Mitarbeitern ist akzeptabel.

Spannend wird auf jeden Fall auch die Reaktion der Betriebsräte. Es bleibt nur zu hoffen, dass sie nicht vor dem Hintergrund der schnellen Lösung einem Flickwerk zustimmen, dass in dieser Form nicht geeignet ist, Vertrauen oder gar Gerechtigkeit zu schaffen bzw. wieder herzustellen.
(hz)


InWaChRo-News: Freitag, 05.10.07

NSN – SCA: Widerspruch gegen den Betriebsübergang zu IBM
Die SCA-Mitarbeiter, die dem Betriebsübergang zu IBM widersprechen wollen, grübeln darüber nach, was denn vom Bundesarbeitsgericht anerkannte Gründe für einen Widerspruch sind.

Für einen Widerspruch gegen einen Betriebsübergang braucht man keine Gründe anzugeben (§613a VI BGB). Er ist schriftlich mit eigenhändiger Unterschrift an den alten (die Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG) oder den neuen Arbeitgeber zu richten. Folgender Text würde genügen:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit widerspreche ich dem Übergang meines Arbeitsverhältnisses in die [korrekter Firmenname]. Ich bitte Sie mir eine neue, vertragsgemäße Beschäftigung zuzuweisen.

Mit freundlichen Grüßen,

Scarlet Hazeltine“


Widerspruchsgründe kann man dennoch angeben. Diese sind nur dann relevant, wenn es zu betriebsbedingten Kündigungen kommen sollte. Hat der Mitarbeiter für seinen Widerspruch solche Gründe angegeben, muss die NSN GmbH & Co. KG den Mitarbeiter in eine Sozialauswahl einbeziehen. Bei IBM gibt es folgende gerichtlich anerkannte Gründe, die ihr in euren Widerspruch aufnehmen solltet:

Mangelnde Bonität:
Die Bonität der neuen IBM-Tochter ist unzureichend. Falls NSN Aufträge garantiert, werden diese nur ein bestimmtes, begrenztes Kontingent haben. Fraglich ist, ob diese Aufträge an die an die neu zugründende IBM-Tochter oder ein anders Unternehmen des IBM-Konzerns vergeben werden. Da nur Entwickler übergehen, hat die neue Firma keine Auftragsakquise. Sobald die Folgeaufträge ausbleiben, ist das Kapital durch die zu zahlenden Gehälter schnell aufgebraucht. Dann besteht die Gefahr der Insolvenz (Vergleiche Sinitec und BenQ).

Schlechter Ruf des neuen Arbeitgebers:
IBM hat bereits seit 2003 immer wieder Outsourcing-Projekte durchgeführt, die häufig in der Entsorgung von Mitarbeitern endeten. Dazu hat IBM Abteilungen anderer Unternehmen übernommen und später geschlossen bzw. die Mitarbeiter gekündigt.

IBM hatte beispielsweise Anfang 2004 Mitarbeiter des ICN-Rechenzentrums übernommen. Schon vor Ablauf eines Jahres wurde allen Mitarbeitern ein Aufhebungsvertrag angeboten. Wer dieses Angebot nicht annahm, wurde betriebsbedingt gekündigt. Die Kollegen haben ihre Kündigungsschutzprozesse verloren und sind jetzt arbeitslos.

Baldiger Verlust des Arbeitsplatzes droht:
Die neu entstehende Firma ist mit 235 Mitarbeitern viel zu klein, um auf diesem Sektor überleben zu können. Um am Weltmarkt bestehen zu können, muss ein Unternehmen heute eine erhebliche Größe haben. Die ereicht selbst Enterprise nach Analystenmeinung nicht.

Das spezielle Profil der übergehenden Mitarbeiter (Telekommunikation) passt nicht zu den bei IBM geforderten Profilen. Offene Stellen werden zwar in anderen IBM-Konzernunternehmen angeboten, es gibt jedoch in Deutschland nur 168 offene Stellen bei IBM, von denen aber die wenigsten Entwicklerstellen sind. Für diese Stellen müssen sich die übergehenden Mitarbeiter außerdem wie jeder andere Externe bewerben. Insbesondere die Mitarbeiter, die jetzt schon keine Aufgabe haben oder deren Projekt bald ausläuft haben keine Möglichkeit, innerhalb des neuen Unternehmens einen neuen Arbeitsplatz zu finden und müssen spätestens 2009 mit einer Kündigung rechnen.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Freitag, 05.10.07

NSN – SCA: Folgen des Widerspruchs bei potentiellen Kündigungsschutzklagen 2009
Hat ein Mitarbeiter einem Betriebsübergang begründet widersprochen, ist er in eine Sozialauswahl einzubeziehen, wie jeder andere Mitarbeiter auch. Seine Chancen in einem eventuellen Kündigungsschutzprozess verschlechtern sich durch einen begründeten Widerspruch daher nicht.

Für die widersprechenden Mitarbeiter ändert sich auch an ihrem Kündigungsschutz bis 30.9.2009 nichts. Für sie gelten auch die Angebote des IA/SP weiter. Insbesondere können sie keine Key People sein. Auch für die Widersprüchler ist empfehlenswert, nicht in die beE zu gehen, sondern NSN als beE zu nutzen.

Der Wegfall des Arbeitsplatzes durch den Betriebsübergang bedeutet nicht die Aufhebung des Arbeitsverhältnisses. NSN ist daher verpflichtet, die widersprechenden Mitarbeiter auf anderen Arbeitsplätzen weiterzubeschäftigen. Diese vertragsgemäße Beschäftigung sollte man im Zweifelsfall einklagen.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Donnerstag, 04.10.07

Siemens: 201 Millionen Strafe - zu niedrig laut Transparency International
Im Siemens-Korruptionsskandal hat das Landgericht München eine Strafzahlung in Höhe von 201 Millionen Euro verhängt. Im Gegenzug dazu wurden die Ermittlungen bei der einstigen Telekommunikationssparte Com eingestellt. Siemens verzichtet auf weitere Rechtsmittel.

"Siemens kauft sich ein bisschen frei" kommentierte der Spiegel in seiner heutigen Online-Ausgabe. Die Höhe bzw. die Niedrigkeit dieses Bußgeldes wird angesichts der Summen in den Schwarzen Kassen auch von Transparency International (TI) kritisiert. "Die Geldbuße ist für Deutschland sehr hoch, aber bei der enormen Höhe zweifelhafter Zahlungen und dem Profit aus zweifelhaften Geschäften möglicherweise bescheiden", sagt von Peter von Blomberg, stellvertretender Vorsitzender der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International (TI). Blomberg kritisiert auch die Einstellung der Untersuchungen: "Zwar ist klar, dass gegen unmittelbar Beteiligte weiter ermittelt wird - ob aber die Untersuchungen gegen Vorgesetzte oder Mitwisser weiter gehen, ist offen".

Siemens dagegen gibt sich zufrieden. "Die heutigen Entscheidungen sind wichtige Schritte bei der Aufklärung und Aufarbeitung von Unregelmäßigkeiten in der Vergangenheit", sagte Siemens-Chef Peter Löscher. "Siemens steht zu seiner Verantwortung. Wir dulden kein gesetzwidriges Verhalten und ahnden Zuwiderhandlungen mit klaren Konsequenzen"

Ein wenig zu platt klingen diese Worte angesichts des Netzes der schwarzen Kassen. Es bleibt der fade Nachgeschmack, dass Siemens sich schwer tut mit der Verantwortung, insbesondere dann, wenn sie sich der Führungsspitze nähert. So wurde beispielsweise gegen Rainer S., wie heute ebenfalls bekannt wurde, ein Anklageverfahren eröffnet. Rainer S. hat entscheidend zur Aufklärung der Korruption bei Com durch sein Geständnis beigetragen. Er wird als Schlüsselfigur bezeichnet, da er über Jahre die schwarzen Kassen bei Com verwaltet haben soll. Doch die Frage, wer hat das System der schwarzen Kassen aufgebaut, wer hat wie lange die schwarzen Kassen stillschweigend geduldet, bleibt nach wie vor unbeantwortet. Fraglich ist, ob die Frage je beantwortet wird, trotz Löschers Worten.

Obwohl die Ermittlungen in der Com-Sparte damit eingestellt werden, würden die unabhängigen Untersuchungen durch die Anwaltskanzlei Debevoise and Plimpton fortgesetzt. Siemens droht weiter eine Strafe der US-Börsenaufsicht SEC. Diese wird dann voraussichtlich deutlich höher ausfallen.

Siemens muss zusätzlich 179 Millionen Euro Steuern nachzahlen, denn insgesamt seien im Bereich Com Zahlungen von 450 Millionen Euro als steuerlich nicht abzugsfähig eingestuft worden. Hinzu kommt, dass die Korruptionsaffäre sich in hohen Beratungskosten bemerkbar macht. Allein in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres waren Aufwendungen für externe Berater von 188 Millionen Euro angefallen.
(iw)


InWaChRo-News: Donnerstag, 04.10.07

NSN: Nokia kann Siemens-Ausstieg blockieren
Peter Löscher hatte bekannt gegeben, sich von Randbereichen trennen zu wollen. Darunter falle auch Nokia Siemens Networks. Wie der österreichische Standard heute unter Berufung auf mit den Verträgen vertraute Personen berichtete, braucht Siemens bis 2013 für seinen Ausstieg aus dem Joint Venture die Zustimmung seines finnischen Partners.

Nokia-Finanzchef Rick Simonson hatte im Sommer gesagt, dass sich der NSN-Vertrag mit Siemens über sechs Jahre erstreckt. Die Frist dafür habe mit dem Start des Joint Ventures am 1. April 2007 begonnen, hieß es. Siemens wollte sich mit Verweis auf die Vertraulichkeit der Verträge nicht zu den Angaben äußern. Analysten schätzen den Wert von NSN zwischen 20 und 25 Mrd. Euro.

Löscher hatte sich zu Beginn der Woche nach nur drei Monaten aus dem NSN-Aufsichtsrat zurückgezogen und den Posten seinem Vorstandskollegen Rudi Lamprecht überlassen. Am Donnerstag bestellte NSN zudem Eric Simonsen dauerhaft zum neuen Finanzvorstand. Peter Schönhofer hatte nach nur zwei Monaten das Amt im Juni aufgegeben.
(iw)


InWaChRo-News: Donnerstag, 04.10.07

NSN: Bleiben ist die bessere Alternative
Warum wollen Mitarbeiter überhaupt in die beE gehen? Ist es nicht viel besser, NSN als beE zu benutzen? Die Vorteile dieser Vorgehensweise sind nämlich folgende:

Man kann sich aus einer ungekündigten, echten Stelle heraus bewerben. Das macht einen wesentlich besseren Eindruck beim neuen Arbeitgeber.

Wie kann man vorgehen?
Wenn man NSN als beE benutzen will, nimmt man sich vor, jedes Wochenende die Stellenanzeigen im Internet und in Zeitungen durchzusehen. Sich durch Bücher und vielleicht einen Coach das Know How aufzubauen, wie man sich richtig bewirbt, kann hilfreich sein. Dann schreibt man jedes Wochenende eine Bewerbung, evtl. eine Initiativbewerbung. Wenn ihr eine Absage bekommt, nachfragen, woran es gelegen hat, damit ihr für die nächste Bewerbung daraus lernen könnt.

Abfindung
Beim Arbeitslosengeld wird mit ziemlicher Sicherheit eine dreimonatige Sperrzeit verhängt, da ihr aufgrund eures Kündigungsschutzes durch den Aufhebungsvertrag (beE-Vertrag) wie der Gesetzgeber sagt, mutwillig euren Arbeitsplatz aufgegeben habt. Diese drei Monate einschließlich des Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteils des Krankenkassenbeitrags müsst ihr von eurer Abfindung überbrücken.

Ihr bekommt eure Abfindung mitten im Jahr und lauft Gefahr durch euer beE-Gehalt in die Progression zu kommen (Steuernachzahlungen im Folgejahr drohen). Auch wenn ihr die Abfindung erst im Folgejahr auszahlen lasst, könnt ihr durch das Arbeitslosengeld in die Progression geraten, da das zur Berechnung des Steuersatzes herangezogen wird.

Fazit
Insbesondere da es auch bei einem späteren Personalabbau Abfindungen geben wird, ist es unsinnig, jetzt in die beE zu gehen, oder eine Abfindung zu nehmen, wenn man keine sichere Alternative (neuer fester Job, 2 Jahre bis zur Rente, …) hat. NSN als beE zu nutzen, ist dann die bessere Alternative.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Donnerstag, 04.10.07

Überlebenschancen im Arbeitsplatz-Poker
Mitarbeiter fragen sich im Poker-Spiel mit der Unternehmensleitung wie und wo sie am besten finanziell überleben können. Ist der Weg in die beE der richtige? Soll ich bei einem Betriebsübergang mit übergehen? Soll ich bei NSN bleiben oder soll ich mir einfach so einen neuen Arbeitsplatz suchen?

Die Antwort ist nicht einfach. Deshalb wollen wir noch einmal eine Übersicht als Entscheidungshilfe bereitstellen.

Die Frage des Überlebens in einem Unternehmen reduziert sich auf die Frage, wie erfolgreich kann mich ein Arbeitgeber kündigen.

Grundwissen
Nokia Siemens Networks ist - wie wir schon oft dargestellt haben - ein Konzern. Dieser Konzern besteht aus mehreren Unternehmen, darunter die Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG. Dies ist ein Unternehmen, das aus mehreren Betrieben, die über ganz Deutschland verteilt sind, besteht. In München sind dies die Betriebe Mch H, Mch M, Mch P. Sinngemäß gilt dies auch für Enterprise.

Wichtig zu merken ist: Nur das Unternehmen, hier Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG, liefert für die Mitarbeiter Rechte. Die anderen Unternehmen des Konzerns sind arbeitsrechtlich betrachtet Fremdfirmen, wie Alcatel, Ericsson, O2 usw.

Der Arbeitgeber hat prinzipiell folgende Möglichkeiten zum Arbeitsplatzabbau:
Bei den betriebsbedingten Kündigungen muss der Arbeitgeber drei Kriterien nach §1 KSchG beachten: Da es sich hierbei in der Regel um eine Betriebsänderung handelt, ist ein Sozialplan vom Betriebsrat erzwingbar. Abfindungen sind also immer drin.

Ihr seht, das ist nicht so einfach. Deshalb greift der Arbeitgeber lieber zu

Auslagerungen/Verkauf:
Hier handelt es sich in der Regel um Betriebsübergänge nach §613a BGB. Der Mitarbeiter nimmt dabei alle seine erworbenen Rechte mit (Bestandschutz). Der alte Arbeitgeber muss eine rechtlich einwandfreie Unterrichtung seiner übergehenden Mitarbeiter über diesen Betriebsübergang hinbekommen. Das gelingt ihm äußerst selten.

Da es sich hierbei in der Regel um eine Betriebsänderung handelt, ist ein Sozialplan vom Betriebsrat erzwingbar. Abfindungen sind also immer drin.

(Teil-)Betriebsschließung:
Einen Betrieb kann der Arbeitgeber immer schließen. Zu beachten ist hier jedoch, dass es ein (Teil)Betrieb sein muss und kein bloßer zusammengewürfelter Haufen von Mitarbeiter, die der Arbeitgeber entsorgen will. Ein Betrieb muss einen Betriebszweck haben und die Organisationsstruktur eines Betriebes aufweisen. Gleiches gilt für einen Teilbetrieb.

Da es sich bei (Teil)Betriebsschließung um eine Betriebsänderung handelt, ist ein Sozialplan vom Betriebsrat erzwingbar. Abfindungen sind also immer drin.

Zusammenfassend kann man sagen:
Kündigungsschutz bis 30.09.2009. NSN lässt sich in dieser Zeit sehr gut wie ein beE benutzen.

Will der Arbeitgeber ab 01.10.2009 kündigen ist zunächst ein neuer Sozialplan erforderlich. Aufgrund der Erzwingbarkeit der Sozialpläne sind Abfindungen immer drin. Da der Arbeitgeber Kündigungen nur in den seltensten Fällen korrekt hinbekommt, ist die Wahrscheinlichkeit vor Gericht einen Kündigungsschutzprozess zu gewinnen oder über einen Vergleich eine Abfindung in Höhe des Sozialplans zu bekommen, relativ groß.

Ausgliederungen werden voraussichtlich von Arbeitgeberseite weiter zum Stellenabbau verwendet werden. Aber auch bei Widerspruch hält der Kündigungsschutz und der jetzt laufende Sozialplan.

Folgende Fälle sind unten dargestellt:









(iw)


InWaChRo-News: Montag, 01.10.07

Siemens: Nun auch noch eine Kur-Affäre?
Neben Korruptions- und AUB-Affäre muss sich der Siemens-Aufsichtsrat nun auch noch mit den Kuren von höchstrangigen Arbeitnehmervertretern im konzerneigenen Erholungsheim Habischried im Bayerischen Wald befassen.

Mindestens drei AUB-Funktionäre, die nicht bei Siemens beschäftigt waren, darunter der frühere Schelsky-Firmenpartner Lothar Mahling, sollen laut Stern auf der Gästeliste des Erholungsheimes stehen. Die Kuren für die AUB-Vertreter, soll der Siemens-Personalchef Walter Huber genehmigt haben. Im Fall Mahling bestätigte Siemens die Kurteilnahme, eine Rechnung sei jedoch „zeitnah“ beglichen worden. Mahling war für den Stern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Walter Huber wollte dazu keinen Kommentar abgeben.

Seit einiger Zeit beschäftigt sich auch die Firmenrevision mit den Gästelisten des Kurhauses. Nach Angaben aus internen Ermittlungskreisen seien, so der Stern, die Ehefrauen der IG-Metaller Ralf Heckmann und Lothar Adler im Herbst 2004 ebenfalls in Habischried gewesen. Die Kosten dafür - angeblich jeweils rund 1.600 Euro – soll zum Teil der Konzern übernommen haben bzw. die Kosten seien erst nachträglich, teilweise erst, als der Sachverhalt intern bekannt wurde, in Rechnung gestellt worden, schreibt der Stern weiter.

Anfang April 2007, als die Ermittlungen in der AUB-Affäre voranschritten, schloss Heckmann, der Gesamtbetriebsratvorsitzende und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Siemens AG, nicht aus, dass auch IG Metall-Betriebsräte Schmiergelder erhalten haben. „Wir gehen davon aus, dass auch in unseren Reihen Fälle hochkommen werden. … Ich möchte nicht für alle der mehr als hundert IG-Metall-Betriebsratsvorsitzenden bei Siemens meine Hand ins Feuer legen.“, sagte Heckmann damals. Der Stern fragt sich nun: „Sollte er am Ende sich selbst gemeint haben?“

Heckmann und Adler ließen dem Stern mitteilen, dass die Kuren ihrer Frauen entsprechend der Siemens-Regularien stattgefunden hätten und von ihnen bezahlt worden seien. Ob erst nachträglich, ließen sie ausdrücklich offen, so der Stern.
(cr)


InWaChRo-News: Sonntag, 30.09.07

Siemens: Untersuchung nun auch gegen von Pierer?
In der letzten Sitzung des Siemens-Aufsichtsrats sollen Aufsichtsratsmitglieder darauf gedrängt haben, zu untersuchen, ob von Pierer und weitere Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder womöglich ihre Sorgfaltspflichten verletzten, als sie den Konzern 2001 an die New Yorker Börse brachten.

Debevoise & Plimpton soll in diesem Zusammenhang prüfen, ob von Pierer und seine Vorstandskollegen damals genug unternommen haben, um schwarze Kassen zu eliminieren. Bislang unveröffentlichte Berichte für den Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats legten die Vermutung nahe, dass der frühere Vorstand zumindest fahrlässig gehandelt haben könnte.
(cr)




Autoren: Inken Wanzek, Christine Rosenboom
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