Artikel: Februar 2008



InWaChRo-News: Freitag, 29.02.08

SEN/NSN/Andere: Demonstrationen der freien Entscheidung
Gestern demonstrierten laut Gewerkschaft etwa 850 Beschäftigte vor der SEN-Zentrale in München. Praktisch alle Beschäftigten hatten sich an der Betriebsversammlung samt anschließender Demonstration beteiligt. Die IG Metall fordert ein Gesamtkonzept für SEN von Siemens. Doch warum erst jetzt?

Eine Demonstration hilft Wut und Aggression abzubauen, die Ungerechtigkeit, die man fühlt hinauszuschreien. Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Interessenausgleich und Sozialplan werden anlaufen. Die Mitarbeiter werden blaue Briefe erhalten, einigen zu wiederholten Mal, andere wird es das erste Mal treffen. Gefühle überstürzen sich, Wut und Aggression werden abgelöst von der bangen Frage wie geht es weiter.

Hier nun kommt alles darauf an, ob man seine persönlichen Gefühle der Enttäuschung, den plötzlich auftretenden Fluchtinstinkt in den Griff bekommt. Gelingt einem das nicht, ist zu schnell die Unterschrift unter einen Aufhebungsvertrag gesetzt. Die Frage nach der Abfindung, die Höhe der Summe, rückt dermaßen in den Mittelpunkt, dass man nicht mehr in der Lage ist, die Realität auf dem Arbeitsmarkt für sich richtig einzuschätzen und andere Perspektiven gar nicht mehr ernsthaft betrachtet. Eine Fehlentscheidung ist schnell getroffen. Darum nehmt euch Zeit.

Gerade bei SEN und NSN gilt für alle der Kündigungsschutz bis 30.09.2009 und trotzdem ist vorauszusehen, dass viele Mitarbeiter in die beE gehen werden. Wer diesen Schritt tut, nachdem er alle Möglichkeiten eingehend geprüft hat, kann, auch dann, wenn er spürt, dass die beE zu Ende geht und er immer noch keinen Job hat, damit leben. Wer diesen Schritt aber nur tut, um seine Ruhe zu haben, aus dem Gefühl heraus, die wollen mich nicht, dann will ich bei dieser Firma auch nicht mehr arbeiten oder weil er schlicht und einfach Angst vor dem Ungewissen hat, den holen die Ängste und Probleme ein, wenn es mit dem Job nicht so klappt, wie es gehofft wurde. Der Gedanke "nur noch drei Monate bis beE-Ende", "nur noch zwei Monate bis beE-Ende", "nur noch ein Monat bis beE-Ende" wird zu einem quälenden, der einen nicht mehr schlafen lässt, wie uns ein Mitarbeiter erzählte.

Der Mensch hat grundsätzlich die Wahl zwischen zwei Handlungsmöglichkeiten: Er bestimmt sein Leben selbst oder er legt die Hände in den Schoß und lässt sein Leben bestimmen. Der Arbeitgeber mag mächtig sein, aber über mein Gehen oder Bleiben entscheide ich selbst. Selbst bei einer betriebsbedingten Kündigung, kann ich vor Gericht gehen, um sie auf ihre Rechtsmäßigkeit überprüfen zu lassen. Meist ist sie nicht rechtmäßig. Doch davon ist ohnehin nicht die Rede. Die Angebote basieren alle auf Freiwilligkeit. Verkaufen wir nicht auch noch unseren freien Willen an den Arbeitgeber, in dem wir uns zu Unterschriften drängen lassen, die wir nicht geben wollen.

Das erfordert ein wenig Arbeit an sich selbst, den Mut, sich mit seinen Gefühlen auseinanderzusetzen, fordert von einem, auf der Flucht vor der unerträglichen Situation stehen zu bleiben, sich umzudrehen und zu sagen: Ich laufe nicht blind in die Richtung, in die der Arbeitgeber mich treiben will. Ich stelle mich hin, sehe diesen Herausforderungen in die Augen, sehe mir die Fakten an, rede mit meinen Kollegen und Freunden, mit der Familie, treffe und diskutiere immer wieder mit anderen Betroffenen, um möglichst viele Aspekte kennen zu lernen.

Dann erst entscheide ich, welchen Weg ich gehen möchte. Und dann weiß ich, dass ich die Folgen meiner Entscheidung auch tragen kann und immer wieder neue Wege finden werde, um mein Leben selbst bestimmt zu gestalten. Lasst euch dies nicht nehmen. Dieses Selbstbewusstsein ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Existenzgrundlage.

Wer es nicht in sich fühlt, kann beginnen, es in sich aufzubauen. Mit ein bisschen Mut und Zähigkeit geht dies. Warum sollte ich mich aufgeben, wo es noch Wege gibt, die ich gehen kann? Dann hat der Arbeitgeber nicht über einen gesiegt, selbst dann, wenn sich der Arbeitsplatz nicht erhalten ließ. Aber warum sollte das nicht gelingen? Wer sagt das? Der Arbeitgeber. Das muss er. Er hat ein Ziel, das er konsequent verfolgt. Verfolgt euer Ziel genauso konsequent, wie immer es aussehen wird.

Aufgeben oder Kämpfen? Wenn man kämpft, erhält man sich eines immer: Sein Selbstbewusstsein.
(iw)


InWaChRo-News: Freitag, 29.02.08

SEN/NSN/Andere: Merkzettel zu Stellenabbau, Ausgliederungen etc.
NSN, SEN, Alcatel-Lucent und viele andere. Die Mitarbeiter kämpfen überall mit den gleichen Problemen. Soll ich gehen oder bleiben? Und wenn ich gehe, komme ich dann vom Regen in die Traufe - Fragen, die man sich immer wieder neu stellt. Die Angst eine falsche Entscheidung zu treffen ist groß, denn es ist schwer, die vielen Aspekte gegeneinander abzuwägen.

Um euch ein wenig in dieser Entscheidungssuche zu helfen, haben wir das Wichtigste in einem Merkzettel zusammengestellt.

Persönliche Betroffenheit
Ein Personalchef hat bei der Ankündigung eines größeren Personalabbaus gesagt: "nehmen Sie es nicht persönlich". Dies klingt im ersten Moment zynisch, doch man muss sich klar machen, dass der Arbeitgeber einen Stellenabbau oder eine Ausgliederung strategisch durchführt. Was heißt das eigentlich? Der Mitarbeiter besetzt lediglich zufällig einen Arbeitsplatz, den die Firma wegrationalisieren will. Man ist also einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Es bedeutet also nicht, dass der betroffene Mitarbeiter minderwertig ist oder eine schlechte Leistung gebracht hat. Dies behaupten Vorgesetzte nur, um den Mitarbeiter zu suggerieren, dass er keine Zukunftschancen in dieser Firma hat. Dies soll ihn zum Gehen bewegen.

Man muss wegkommen von dem Gefühl, "ich werde weggeworfen". Erst wenn man diese mentale Arbeit für sich selbst geschafft hat, ist man erst in der Lage, objektiv die Vor- und Nachteile von Angeboten für sich selbst abzuwägen. Am besten fängt man mit dieser mentalen Auseinandersetzung schon heute an. Dann ist man im Ernstfall weniger geschockt und viel schneller in der Lage, richtig für sich selbst zu entscheiden.

Know How aufbauen
Schon heute sollte man ausrechnen, wie viel Geld man zum Überleben braucht. Dazu muss man sich auch mit der Versteuerung von Abfindungen auseinandersetzen. Man sollte den Arbeitsmarkt analysieren und die individuellen Chancen auf dem Arbeitsmarkt ausloten, damit man einschätzen kann, ob ein Gang in eine Beschäftigungsgesellschaft in Frage kommt.

Auch mit der Angst vor betriebsbedingten Kündigungen sollte man sich auseinandersetzen, um zu verhindern, dass man aus Angst vor Kündigung über die beE freiwillig seinen Arbeitsplatz aufgibt. Betriebsbedingte Kündigungen sind wie der Scheinriese Tur Tur bei Jim Knopf. Je näher man ihm kommt, das heißt je detaillierter man die rechtlichen Fakten eines Kündigungsschutzprozesses betrachtet, desto kleiner wird die Angst, weil der Scheinriese schrumpft. Mit betriebsbedingten Kündigungen rechnen wir aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen nicht, da Kündigungen für den Arbeitgeber stets mit hohen Risiken und Kosten verbunden sind. Der Arbeitgeber muss nämlich bei Kündigungen eine Sozialauswahl über den Betrieb durchführen und wird daher nicht genau die Mitarbeiter los, die er gerne kündigen möchte. Dies kann er nur durch "freiwillige Maßnahmen" erreichen. Damit diese zum Ziel führen, zeigt er immer den Scheinriesen Tur Tur (betriebsbedingte Kündigung) vor. Zu hundert Prozent ausschließen kann man betriebsbedingte Kündigungen natürlich nicht.

Arbeitsentzug
Aufgrund seines Arbeitsvertrages hat jeder Mitarbeiter einen Anspruch auf eine sinnvolle Tätigkeit. Er ist nicht verpflichtet, sich eine andere Arbeit innerhalb oder außerhalb des Unternehmens zu suchen, wenn diese wegfällt. Der Mitarbeiter hat einen Arbeitsvertrag mit dem Unternehmen und nach diesem ist der Arbeitgeber vertraglich verpflichtet, den Mitarbeiter zu beschäftigen. Tut er das trotz Aufforderung nicht oder nicht angemessen, sollte man eine vertragsgemäße Beschäftigung einklagen.

Solange der Mitarbeiter tatsächlich nicht vom Arbeitgeber beschäftigt wird, kann er sich im Betrieb selbst beschäftigen, z.B. indem er dort seine Hemden bügelt oder Zeitung liest oder ein Fernstudium absolviert. Dies legte das BAG mit dem sogenannten Bügelurteil fest.

Kündigungsschutz
Alle Mitarbeiter der Siemens Enterprise Networks GmbH & Co. KG und in der Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG Kündigungsschutz bis 30.9.2009. Das heißt, die Firma kann euch bis zu diesem Zeitpunkt nicht betriebsbedingt kündigen.

Tariflichen Kündigungsschutz haben in Bayern alle Mitarbeiter, die älter als 50 Jahre und mindestens 15 Jahre bei der Firma sind und alle, die älter als 55 Jahre und mindestens 10 Jahre bei der Firma sind. Entsprechende Regelungen gibt es auch in den Tarifverträgen der anderen Bundesländer.

Jubilarschutz haben alle Mitarbeiter der Siemens Enterprise Networks GmbH & Co. KG und in der Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG mit mindestens 25 Jahren Betriebszugehörigkeit. Diese Regelung ist eine Gesamtbetriebsvereinbarung, die beim Betriebsübergang mitgenommen wurde und auch weiterhin gilt, auch über den 30.9.2009 hinaus.

Rechte aus dem Betriebsübergang nach §613a BGB
Die Betriebszugehörigkeitszeit habt ihr beim Betriebsübergang nach §613a BGB mitgenommen. Diese erhöht sich kontinuierlich jeden Monat und jedes Jahr. Sie verfällt nicht und kann auch nicht gekündigt werden, auch wenn Vorgesetzte anderweitiges behaupten. Das Alter ist bisher unstrittig und erhöht sich ebenfalls kontinuierlich.

Der Tarifvertrag ist übergegangen und bleibt weiterhin bestehen. Sowohl die Siemens Enterprise Networks GmbH & Co. KG als auch die Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG sind im Arbeitgeberverband Gesamtmetall und damit tarifgebunden. Der Tarifvertrag bleibt daher weiter gültig.

Betriebsvereinbarungen sind ebenfalls übergegangen und bleiben weiterhin bestehen. Bis heute sind noch keine Betriebsvereinbarung gekündigt worden. Dabei muss man zwischen so genannten freiwilligen und erzwingbaren Betriebsvereinbarungen unterscheiden. Letztere liegen immer dann vor, wenn der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht hat. Diese wirken im Fall einer Kündigung der Betriebsvereinbarung solange nach bis zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat eine neue Betriebsvereinbarung zu diesem Thema abgeschlossen wird. Ein Beispiel für eine erzwingbare Betriebsvereinbarung ist die Betriebsvereinbarung zur Gleitzeit.

Situation ab 1.10.2009
Auch wenn die Unternehmen nach dem Ende der Kündigungsschutzfrist ab dem 1.10.2009 einen Stellenabbau planen, müssen sie nach §111, 112, 112a BetrVG einen Interessenausgleich und Sozialplan verhandeln. Der Sozialplan ist erzwingbar. Es wird also immer Abfindungen und eine beE geben. Die Konditionen richten sich immer nach dem letztgültigen Sozialplan.

Ausgliederung nach §613a BGB
Der Arbeitgeber muss jetzt grundsätzlich eine Sozialauswahl über den Betrieb machen, wenn er kündigen will. Damit sind Mitarbeiter, die einem Betriebsübergang widersprechen nicht schlechter gestellt als Mitarbeiter, die vom Betriebsübergang nicht betroffen waren (BAG-Urteil). Ein Widerspruchsgrund ist nicht mehr erforderlich. Es genügt der einfache Satz: "Hiermit widerspreche ich dem Übergang meines Arbeitsverhältnisses in die xyz GmbH & Co. KG."

Wenn man Angst davor hat, in eine kleine Firma zu wechseln, weil diese möglicherweise keine Abfindung mehr zahlt, dann kann man dem Betriebsübergang widersprechen. SEN bzw. NSN wird dann eine Abfindung oder beE anbieten, da sie die Mitarbeiter los werden wollen.

Betriebsschließung
Auch bei einer Betriebsschließung muss nach §111, 112, 112a BetrVG ein Interessenausgleich und Sozialplan verhandelt werden. Der Sozialplan ist erzwingbar. Es wird also immer Abfindungen und eine beE geben. Die Konditionen richten sich immer nach dem letztgültigen Sozialplan.

Siemens kann sich wegen BenQ und vor allem wegen der Korruptionsaffäre keine weiteren größeren Negativschlagzeilen leisten. Daher werden sie ein Problem mit Betriebsschließungen haben. Nokia dürfte nach dem Imageschaden, der durch die Schließung in Bochum entstanden ist, vorsichtiger werden.

Insolvenz
In beiden Firmen steckt noch der Name Siemens. Wenn also Teile verkauft werden und in Insolvenz gehen, wird sofort die Erinnerung an BenQ wach. In einem solchen Fall wird Siemens wie bei BenQ bei der Finanzierung einer beE bzw. Abfindungen von Politik und Gewerkschaft in die Pflicht genommen. Dies ist auch der Fall bei Nokia in Bochum.

Merkzettel als pdf
(iw/cr)
InWaChRo-News: Mittwoch, 27.02.08

Enterprise: 6800 Mitarbeiter sollen SEN verlassen
Ganz klar war die Information in der gestrigen Mitarbeitermail nicht. 3.800 Mitarbeiter, so hieß es dort, sollen weltweit abgebaut werden. Vermischt wurde diese Information mit Zahlen, die den Verkauf von kompletten Geschäftsfeldern betrifft. Es ist gut, dass es die Presse gibt, die von Siemens offensichtlich konkretere Auskünfte bekommt als Mitarbeiter und Betriebsräte.

Aus den Pressemeldungen der Süddeutschen Zeitung, des Heute Journals und der Tagesschau geht hervor, dass zusätzlich zu den 3.800 Mitarbeitern noch weitere 3000 durch Verkauf SEN verlassen sollen. Insgesamt baut Siemens damit 6.800 Arbeitsplätze, also 38,9 Prozent ab. Von den 6000 Arbeitsplätzen in Deutschland sollen 2.000 abgebaut werden, das entspricht 32,3 Prozent. In München Hofmannstraße sind von diesem Abbau 450 Mitarbeiter von 1.450 Mitarbeitern betroffen, also 31 Prozent.

Der Abbau und der zusätzliche Verkauf von Teilen von SEN weist daraufhin, dass Siemens bereit ist, SEN zu zerschlagen. Hauptziel ist bis zum 30.09.2008 Enterprise komplett aus dem Siemens-Konzern zu entfernen, um den Bilanzierungsrichtlinien zu genügen. Die Sanierung von SEN dürfte an zweiter Stelle stehen . Siemens ist nur gezwungen darauf zu achten, dass zumindest nicht so schnell ein zweites BenQ entsteht. Dies würde weitere negative Pressemeldungen hervorrufen. Diese zu vermeiden, lässt sich leichter erreichen, wenn man SEN in kleinen Teilen verkauft. Insolvenzen und Stellenabbau in der Zukunft. fallen so weniger auf und erzeugen kein großes Medienecho.

Es ist damit zu rechnen, dass der Stellenabbau nach dem Verkauf der Enterprise-Teile beim neuen Firmeninhaber weiter geht. Die Erfahrung sagt, dass es wieder ein Drittel der Belegschaft treffen könnte. Damit hofft das Unternehmen die Motivation der verbleibenden Belegschaft zu erhalten und allzu große Unruhen in der Belegschaft zu vermeiden. Das Unternehmen rechnet mit dem Wegsehen der Nicht-Betroffenen, der Hoffnung der 2/3 "Überlebenden", jetzt geht es aufwärts, jetzt müssen wir neue Kunden akquirieren, jetzt ist mein Arbeitsplatz wieder sicher. Doch dann ein Jahr später: "Wir bedauern Ihnen mitteilen zu müssen, dass wir aufgrund des Marktdruckes und veränderten Rahmenbedingungen, gezwungen sind weitere xx Stellen abzubauen. Wir bitte Sie das Vertrauen in die Firmenstrategie zu behalten und weiter mit Energie und Konzentration an unserem gemeinsamen Ziel arbeiten."
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 26.02.08

Enterprise: Abbauzahlen
Die Enterprise-Mitarbeiter wurden heute per E-Mail über den bei Siemens Enterprise geplanten Stellenabbau informiert. Die Arbeitnehmervertreter wurden wie inzwischen üblich unter Missachtung des §111 BetrVG nicht bereits in die Planungsphase einbezogen, sondern erst heute informiert.

Soweit bekannt sind im Einzelnen folgende Abbaumaßnahmen geplant:
Weltweit 3800
Deutschland 2000 Hauptsächlich Stammhaus und zusätzliche Verwaltungs- und Supportfunktionen betroffen
Neue Bundesländer 80 Abbau von Arbeitsplätzen
München Hofmannstraße 450 von 1450
Leipzig 530 Soll verkauft werden, oder in Lösungen mit dritten eingebracht werden
SMB Vertrieb & Service, Deutschland   Partnerschaft mit IT-Anbieter
Nachrichten Kabelgeschäft 60 Soll verkauft werden
Tessaloniki, Griechenland 270 Soll verkauft werden, oder in Lösungen mit dritten eingebracht werden
Curitiba, Brasilien 470 Soll verkauft werden, oder in Lösungen mit dritten eingebracht werden
Auftrags-Callcenter in Lateinamerika 1100 Soll verkauft werden

(cr/iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 26.02.08

Enterprise: Engagiert ins Aus
Bei SEN sollen 3800 Stellen weltweit, davon 2000 in Deutschland abgebaut werden und die bayerische Wirtschaftsministerin Emila Müller spricht von "bedauerlichen Einzelfällen".

Seit über zwei Jahren warten die SEN-Mitarbeiter auf diesen Knall. Manche mögen sogar zunächst erleichtert gewesen sein, als die Nachricht kam, dass sich bei SEN endlich etwas bewegt. Doch dann traf der Schock. Man wusste es eigentlich immer und doch ist es jetzt, wo es konkret wird, irgendwie unrealistisch. Man braucht Zeit zu begreifen, dass einer der 2000 abzubauenden Arbeitsplätze in Deutschland der eigene sein könnte.

Siemens sagt in einer lapidaren E-Mail, die Mitarbeiter sollen in die Strategie der Firma weiter vertrauen, und das, obwohl das Management gerade gesagt hat: "Ihr Arbeitsplatz entfällt." Man soll engagiert und mit voller Konzentration am Umbau des Unternehmens arbeiten. Was heißt das? Soll ich der Firma etwa helfen, meinen eigenen Arbeitsplatz abzubauen? Was hilft mir eine erfolgreich vorbereitete Cebit, an deren Erfolg ich arbeiten soll, wenn ich danach meinen Arbeitsplatz verliere? Was interessiert mich der wichtigste Productlaunch des Jahres, wenn es meine Abteilung vielleicht nicht mehr geben wird? Soll ich mich freuen, dass ich helfen darf Siemens Enterprise Communications "auf dem sich rapide verändernden Weltmarkt ... zum Erfolg zu führen", in dem mir "Good-bye" gesagt wird?

Der Mensch - und auch das sollte Siemens begreifen - ist nicht schizophren. Er kann angesichts dieses massiven Stellenabbaus nicht "das Vertrauen" in die Firmen- Strategie "behalten und weiter mit Energie und Konzentration an unserem gemeinsamen Ziel arbeiten." Das Ziel ist nicht mehr gemeinsam - schon lange nicht mehr. Jeder weiß, dass Siemens nur eines will - Enterprise loswerden. Vergeblich hat Siemens versucht, es zu verkaufen. Niemand wollte es. Schließen konnte Siemens Enterprise nicht, weil das Management nach BenQ und wegen der Korruptionsaffäre keine neuen Negativschlagzeilen gebrauchen konnte. Jetzt sucht Siemens wieder einen Käufer - wegen der US-Bilanzierungsrichtlinien. Siemens will Enterprise nicht sanieren, Siemens will es loshaben. Die Sanierung ist bis heute nicht gelungen, warum soll sie morgen gelingen. Wer will eigentlich, dass sie gelingt?

Die Mitarbeiter sind nicht blind. Sie wissen wie es bei Nokia Siemens Networks läuft. Die finnischen Produkte verdrängen die deutschen ohne Ansehen der Qualität. Sie blicken zu Alcatel-Lucent und sehen Gleiches. Siemens sollte den Mut haben, das auch so zu sagen, statt mit leeren und hohlen Versprechungen und schön gefärbten Worten ein Bild zu zeichnen, das nie Realität werden wird.

Die einzigen, die blind zu sein scheinen und alles glauben, was Firmenleitungen sagen, scheinen die Politiker zu sein. Wie sonst kommt Bayerns Wirtschaftsministerin Emilia Müller (CSU) zu der Aussage: Natürlich seien die geplanten Stellenstreichungen bei Siemens SEN ein schwerer Schlag für die Betroffenen und ihre Familien. Müller: "Trotz solcher ohne Zweifel sehr bedauerlichen Einzelfälle bleibt es aber dabei, dass sich der Wirtschaftsstandort Bayern insgesamt in guter Verfassung befindet."

In den Ohren der betroffenen Mitarbeiter, die vor dem Verlust ihrer Existenzgrundlage stehen, klingen solche Worte einfach nur zynisch.
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 26.02.08

Manager und Lemminge
Und wieder will das Management eines Unternehmens die Firma zum Software- und Lösungsanbieter umbauen – wie originell. Diesmal ist es Siemens Enterprise. Vorgestern war es Nokia Siemens Networks, gestern Alcatel-Lucent, … Als ob es von solchen Firmen nicht schon genug gäbe, die schon seit Jahren erfolgreich in dieser Branche agieren - TietoEnator, TATA und wie sie alle heißen. Wahrscheinlich haben sich alle vom gleichen Analysten beschwatzen lassen. Dabei lassen die Manager völlig außer acht, dass Siemens schon seit Jahren vergeblich einen solchen Umbau versucht. Warum das nicht funktionieren kann? Um am Markt erfolgreich zu sein braucht man ein Alleinstellungsmerkmal, muss innovative Lösungen haben. Aber die Lösungen müssen zuerst da sein, dann kann man den Markt dafür erschließen und begeistern, nicht umgekehrt. Wenn man sich immer nur auf einen fahrenden Zug aufschwingt ist man von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Dann fährt man eben mit den anderen in die gleiche Richtung und muss mit denen um die Anteile auf dem Markt kämpfen aus der zweiten Reihe heraus, anstatt auf dem Markt als erster zu sein. Wenn dann das Lemmingverhalten der Manager die Firma in den Abgrund geführt hat, wer muss das dann ausbaden? Na, wieder wir, weil das Management als einzige Lösungsmöglichkeit (wie alle anderen Herden-(Manager)tiere auch) nur den Personalabbau sieht und damit die Existenz der Mitarbeiter zerstört. Was würde aus diesem Teufelskreis heraus helfen? Manager mit Phantasie, denen etwas anderes einfällt als den Wettbewerbern und die auch den Mut haben, das umzusetzen. Allerdings scheint es heute solche Manager nicht zu geben.
(cr)


InWaChRo-News: Montag, 25.02.08

NSN: Schon wieder beE-Angebote!
Die Mitarbeiter, die im Bereich UMR System Verification (Radio Access) arbeiten, bekamen heute per E-Mail mitgeteilt, dass ihre Tätigkeiten zum Ende des Jahres 2008 eingestellt werden. NSN bietet - wie üblich - diesen Kollegen an zu den im IA/SP genannten Konditionen zum 01.04.2008 in die beE zu wechseln oder mit einem Aufhebungsvertrag auszuscheiden. Wer sich bis zum 19.03.2008 für die beE entscheidet, erhält auch wieder einen Kündigungsfristausgleich.

Wenn alle dieses Angebot annehmen, muss UMR System Verification schon am 01.04.2008 mangels Mitarbeiter eingestellt werden. Wahrscheinlich hofft das Management, dass genügend Mitarbeiter wegen ihres Kündigungsschutzes bis 30.09.2009 die Angebote ablehnen.

Ansonsten könnte Ähnliches passieren wie bei SCA. Dort sind durch beE, Kündigungen und interne Jobwechsel große Lücken entstanden. Da in der Entwicklung massiv Mitarbeiter fehlen, sollen - wie wir am 31.01.2008 berichteten - Service-Mitarbeiter nun Entwickler "enablen", die aus verwandten Bereichen dafür ausgesucht werden.

Die betroffenen Mitarbeiter sollen am 26.02.2008, 28.02.2008 oder am 04.03.2008 in den Räumen der NSN beE, in München, Grillparzerstr. 6, an einer Informationsveranstaltung zur beE teilnehmen. Details hierzu fand man nicht, da der Link nicht angegeben war.

Bitte beachtet euren Kündigungsschutz bis 30.09.2009.
Eine beE mit Kündigungsfristausgleich wird es auch dann wieder gehen. Seit 2002 sagt der Arbeitgeber: "Alle Jahre wieder ...". Nutzt NSN als beE mit vollem Gehalt und mit der Option über den 30.09.2009 hinaus bei NSN zu überleben.

Gehen sollte nur der, der eine echte Alternative hat, mit der er auch zufrieden ist. Angst vor schlechten Zukunftsaussichten bei NSN ist ein schlechter Ratgeber. Die Angst vor den Folgen von Hartz IV ist wesentlich schlimmer. Denkt daran, eine schnelle, unüberlegte Unterschrift kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Montag, 25.02.08

NSN: Talentlink - zwingend in der beE
Am 19. Februar berichteten wir, dass die Daten der NSN-Mitarbeiter, die an Jobbörse der Siemens-beE teilnehmen sollen, in Großbritannien bei einer nicht näher genannten Firma für drei Jahre gespeichert werden.

Es handelt sich wahrscheinlich um "Talentlink", das auf einem Server in Großbritannien läuft und beE-Mitarbeiter zwingend vorgeschrieben ist.

Ein Kollege berichtete: "Man erhält von diesem Verfahren keinerlei Rückmeldungen und kann überhaupt nichts überprüfen. Die Daten werden - zusammen mit einem Lebenslauf - von den beE-Betreuern an Stellen anbietende Firmen weitergegeben. Einzig und allein wenn es zu einem Vorstellungsgespräch kommt erfährt man etwas. Ich bin über dieses Verfahren schon mehrmals vermittelt worden, das erfuhr ich aber nur durch Zufall".

Fragen, die bei der Anmeldung zu "Talentlink" gestellt werden, findet ihr hier. Es handelt sich um ganz normale Fragen, die bei Bewerbungen üblich sind.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Samstag, 23.02.08

Arbeitslosen-Statistik – spiegelt sie die Realität wieder?
„Statistik: Wenn der Jäger am Hasen einmal links und einmal rechts vorbeischießt, dann ist der Hase im Durchschnitt tot.“ (unbekannter Autor)

Nach einer Arbeitsmarktprognose des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) rechnet die Bundesagentur für Arbeit mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um 350.000 Menschen von 3,77 Mio. im Jahr 2007 (Arbeitslosenquote 9 Prozent) auf dann noch 3,43 Mio. im Jahr 2008. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten soll, insbesondere auf Grund des derzeit milden Wetters, um 210.000 auf 27,1 Mio. zunehmen, berichtet die Süddeutsche Zeitung.

"Statistics are like bikinis. What they reveal is suggestive, but what they conceal is vital." (Aaron Levenstein - Die Statistik ist wie ein Bikini: Sie ist andeutungsvoll, aber das Wesentliche bleibt doch verborgen)

So geben auch die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit die Realität nur teilweise wieder. Denn es gibt viele Menschen, die keine Arbeit haben und dennoch nicht von der Statistik erfasst werden. Arbeitslos im Sinne des Sozialgesetzbuches ist nur, wer dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht und jederzeit ein Jobangebot annehmen könnte. Sie müssen auf der Suche nach einer versicherungspflichtigen Beschäftigung sein, die mindestens 15 Wochenstunden umfasst.

Wer arbeitsunfähig erkrankt ist wird nicht gezählt. Allein erziehende Mütter oder Väter fallen aus der Statistik heraus, wenn die Kinderbetreuung nicht gesichert ist. Sie können nicht sofort ein Arbeitsplatzangebot annehmen, da sie keinen Betreuungsplatz für ihre Kinder bekommen haben oder bezahlen können.

Auch Arbeitnehmer, die in sogenannten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen stecken werden nicht in der Statistik berücksichtigt, sie gelten nicht als arbeitslos (§16 II SGB III). Denn wer eine berufliche Weiterbildung (205.000) macht oder einen Gründungszuschuss für den Schritt in die Selbständigkeit (236.000) erhalten hat, steht dem Arbeitsmarkt momentan nicht zur Verfügung. Dies gilt auch für Ein-Euro-Jobber (280.000) und Teilnehmer in staatlich finanzierten Trainingsmaßnahmen oder in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (Säuberung von Grünanlagen, 41.000).

Auch Zeitarbeitnehmer bei einer Personal-Service-Agentur (PSA, 4.000) werden in der Statistik nicht mitgezählt, da die PSAs Zeitarbeitsfirmen sind, die ähnlich wie Project Assignment bei Siemens, Mitarbeiter entleihen mit dem Ziel, sie in feste Jobs zu bringen. Auch Kurzarbeiter (40.000) und Mitarbeiter in Altersteilzeit und Vorruhestand (329.000) werden nicht mitgezählt.

Insgesamt befinden sich etwa 1,14 Mio. Menschen ohne Job in einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme und fallen daher aus der Statistik heraus. Dann gibt es etwa noch 600.000 Menschen, die keine Arbeit haben, nicht arbeitslos gemeldet sind, weil sie resigniert haben, die aber sagen, dass sie jederzeit eine Arbeit annehmen würden.

Rechnet man dies zusammen, dann kommt man tatsächlich auf etwa 5,5 Mio. Arbeitslose, was einer Arbeitslosenquote von 13,2 Prozent entspricht. Diese Zahlen entsprechen auch unserem Eindruck von der momentanen Situation auf dem Arbeitsmarkt. Offensichtlich hat man die oben genannten Gruppen von Arbeitslosen aus der Statistik ausgenommen, um diese zu schönen und die Realität zu verschleiern. Damit kann die Bundesregierung dem Volk weis machen, dass wir einen Aufschwung haben, der angeblich auch bei den Arbeitnehmern ankommt, nur dass viele empfinden, dass dieser Aufschwung an ihnen vorbei geht.

"Wir benutzen die Statistik wie ein Betrunkener einen Laternenpfahl: Vor allem zur Stütze unseres Standpunktes und weniger zum Beleuchten eines Sachverhalts."


(cr)


InWaChRo-News: Freitag, 22.02.08

Enterprise: Jetzt wird es ernst
SEN-Wettbewerber Alcatel-Lucent, Nortel Networks sowie der Finanzinvestor Cerberus sollen am Kauf von Siemens Enterprise interessiert sein. Dies sagte eine mit der Situation vertraute Person zu Dow Jones Newswires. Voraussichtlich Ende April wird im Siemens-Aufsichtsrat über den Verkauf entschieden. Cerberus war für Dow Jones Newswires nicht zu erreichen, Alcatel-Lucent und Nortel wollten keine Stellungnahme abgeben.

Wie SEN jetzt aufgestellt ist, ist es nicht zu verkaufen, daher stehen vor dem Verkauf noch weitgehende Restrukturierungsmaßnahmen an. Möglicherweise werden die Restrukturierungsschritte bereits in der kommenden Woche angekündigt, da Siemens unter Zeitdruck steht.

Achtung! Da die Mitarbeiter von SEN ebenfalls bis 30.9.2009 Kündigungsschutz haben, kann Siemens den Abbau nur über „freiwillige Maßnahmen“, also Aufhebungsvertrag, beE, ATZ erreichen.

Siemens hatte im vergangenen Sommer bereits den Abbau von rund 600 Stellen bei SEN angekündigt. Insider gehen davon aus, dass alleine in Deutschland etwa die Hälfte der derzeit rund 6.200 Stellen bei SEN wegfallen könnte. Weltweit hat SEN etwa 17.500 Mitarbeiter.

Der seit Januar amtierende Siemens-Personalvorstand, Siegfried Russwurm, hat bereits harte Einschnitte bei SEN in Aussicht gestellt. "Wenn es zu technologischen Sprüngen kommt, muss das Management reagieren", sagte Russwurm in einem Interview mit dem Handelsblatt, "Zum Kuscheln bin ich nicht da".
(iw/cr)


InWaChRo-News: Freitag, 22.02.08

VW: Hohe Haftstrafe für Volkert, Bewährungsstrafe für Gebauer
Nur mit Mühe gelang es den beiden Angeklagten, die Fassung zu bewahren. Die Richterin verurteilte Ex-VW-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer zu einem Jahr auf Bewährung und Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert zu zwei Jahren und neun Monaten Haft ohne Bewährung. Die beiden Angeklagten hatten wesentlich mildere Strafen erwartet.

Richterin Dreyer begründete das Strafmaß mit den Worten: "Die Angeklagten hätten die Rechtswidrigkeit ihrer Taten erkennen können und müssen". Strafverschärfend wirke sich aus, dass die Angeklagten über einen langen Zeitraum hinweg gehandelt und einen hohen Schaden angerichtet hätten. Darüber hinaus hätten sich beide persönlich bereichert.

Sowohl Gebauer als auch Volkert wollen am Oberlandesgericht Revision gegen das Urteil einlegen.

Johann Schwenn, der Anwalt Volkerts kritisierte, das Urteil sei ein "krasser Fall von Klassenjustiz". Für Ex-Personalvorstand Peter Hartz habe es mit einer Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe "ein Verfahren 1. Klasse und für Volkert ein Verfahren 2. Klasse" gegeben.

Volkert habe verlangt, was ihm seiner Meinung nach zustand - und es bekommen. Hartz, VW-Patriarch Ferdinand Piëch oder der ehemalige VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder - alle betonten, dass Volkert ein entscheidender Anteil an der Sanierung des Unternehmens zukomme und er daher gehaltlich als einflussreicher Betriebsrat wie ein Topmanager eingestuft werden musste.

Richterin Dreyer stellte fest, es komme nicht darauf an, ob Volkert sein Geld für den Arbeitgeber wert war. Entscheidend sei, dass die Entlohnung für Betriebsräte im Betriebsverfassungsgesetz eindeutig festgelegt sei.

mehr bei Spiegel-Online
(cr/iw)


InWaChRo-News: Freitag, 22.02.08

NSN: Büroflächen zu vermieten
Seit letztem Montag fällt den Mitarbeitern in Mch M auf, dass direkt links neben dem Brunnen am Eingang zu Siemens/NSN ein riesiges Schild prangt mit der Aufschrift "Zu vermieten - Büroflächen".



An sich ist die Vermietung von Büroflächen nichts Aufregendes und scheint wenig berichtenswert. Doch im Fall NSN München Martin-Straße liegt das ein wenig anders.

Die Mitarbeiter wundern sich, denn sie sitzen dicht gedrängt in ihren Büros. Die Enge ist durch ein Flächenverdichtungsprogramm von NSN entstanden, bei dem bis zu 30 Prozent Bürofläche eingespart werden soll. Diese Flächenverdichtung wurde dann "Optimalbelegung" genannt. Optimal leider nur aus Sicht der Kosten. Die Flächenverdichtung ist Teil des Kosteneinsparungsprogramms von NSN und betrifft nach und nach jeden Arbeitsplatz. Ein Mitarbeiter sagte: "Entweder wollen die die Flächenverdichtung auf die Spitze treiben, oder die wissen was zum Thema Personalabbau, was der Betriebsrat noch nicht weiß... Es ist für die Belegschaft jedenfalls eher beunruhigend".

Dabei hat NSN durchaus Vorstellungen wie ein optimales Büro aussehen soll. Modern Office heißt es auf Intranetseiten. Im Beispielbürotrakt dort gibt es Zonen für voll-, teil- und kaum mobilitätsbedürftige Mitarbeiter und Abdeckung all ihrer Bedürfnisse: Da gibt es Rückzugsräume für konzentriertes oder vertrauliches Arbeiten, Telefonräume, um die Kollegen vom eigenen Konferenzgeplapper verschonen zu können, Besprechungsräume, Projekträume, und all das flankiert von der entsprechenden Technik, die mittels Plug&Play&WLAN beliebige Flexibität erlaubt. Ja, so könnten wir uns alle das Arbeiten vorstellen und so entspräche es wohl auch den Company Values (Zitat: "We strive to build the best place to work").

Die Realität sieht leider anders aus oder haben sich die Richtlinien nur noch nicht zu den Verantwortlichen herumgesprochen? Wie sollen wir uns sonst erklären, dass es in der vorgeschlagenen beispielhaften "Optimalbelegung" eines Stockwerks auf 860 qm statt bisher 63 nun 89 Schreibtische geben soll bei konstanter Zahl von Besprechungsräumen: zwei. Phone rooms? Quiet rooms? Project rooms? Study rooms? Alles Fehlanzeige.

Stattdessen werden die Möbel virtuell so angeordnet, dass quasi gerade noch Fenster, Türen und Schreibtischschubladen auf gehen. Platz für Lärm schluckende Möbel, Sichtblenden oder Pflanzen ist keiner vorgesehen. Besonders widersinniges Ergebnis: In großflächigen Büros wird die Fläche je Arbeitsplatz am kleinsten, das Störpotential also besonders hoch. Vor lauter Ärger könnte man schon fast übersehen, dass in der "Optimalbelegung" Bildschirm-Arbeitsplätze allen Ergonomie-Erkenntnissen zum Trotz direkt zum Fenster hin oder direkt vom Fenster weg angeordnet werden.

Großzügige Quadratmeterzahlen gibt es zurzeit sowieso nur in "Chefzimmern", der Rest liegt im oder knapp unter dem üblichen Bürodurchschnitt. Aber nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für die Chefs sieht die "Optimalbelegung" engere Räume vor. Wo die dann ihre company confidential Lagebesprechungen abhalten sollen, lässt die Planung offen.

Fakt ist, durch zu dichtes Beisammensitzen erhöht sich der psychische Stress. Enge erzeugt Aggressionen. Der Lärmpegel steigt an, Störungen durch eine zu geringe Anzahl an Besprechungszimmern sind vorprogrammiert. Unter dieser Belastung leidet die Gesundheit der Mitarbeiter, es ist wesentlich schwieriger sich zu konzentrieren mit der Folge, dass auch die Arbeitsergebnisse leiden.

Der Betriebsrat Mch M ist der Meinung, dass die gesetzlichen Bestimmungen schon jetzt nicht eingehalten werden und erst recht nicht mehr eingehalten werden können, wenn noch weitere Kollegen hinzukommen. Deshalb hat er auch den Versetzungen der Perlacher Kollegen in die Münchner Martinstraße widersprochen. Noch mehr Menschen auf zu engem Raum zusammenzupferchen, ist nicht zu verantworten. Der Arbeitgeber ist vor Gericht gezogen, um sich die Zustimmung für diese Versetzungen vom Gericht ersetzen zu lassen. Die Verfahren laufen zurzeit.

NCI hat nun nachgeforscht, was hinter diesem Plakat "Zu vermieten - Büroflächen" steckt. Zu vermieten ist das Gebäude 5511. Das ist das Gebäude, in dem der Betriebsrat sitzt. Wir gehen nicht davon aus, dass NSN glaubt, den Betriebsrat einfach auf die Straße setzen zu können. Die Betriebsratsmitglieder waren die einzigen NSN-ler in diesem Gebäude, sonst waren SRE und Abteilungen der Siemens AG in diesem Gebäude untergebracht.

In diesem Bau ist der 2. und 4. Stock (nicht SAG-Jargon, sondern "normale" Zählung) noch frei und soll nun sukzessiv vermietet werden. Ein halbes Stockwerk umfasst ca. 600 qm.

Der Vermieter hätte NSN das Gebäude 5511 zwei Mal zur Miete angeboten, NSN habe das zwei Mal abgelehnt, hieß es in der Martinstraße. Deshalb wird jetzt per Plakat, sichtbar von der S-Bahn, ein neuer Mieter gesucht.

Im Kustermannpark sei auch noch was frei...

Es besteht also kein Grund zur Beunruhigung. Es handelt sich um keinen versteckten Stellenabbau. NSN wartet offensichtlich darauf, dass sie den Prozess wegen zu dichter Raumbelegung verlieren, um dann woanders wesentlich ungünstiger anmieten zu müssen, ganz abgesehen von den Pendelkosten, die dann wieder entstehen.
(iw)


InWaChRo-News: Mittwoch, 20.02.08

Nokia: Gewerkschaftsbund wirft Nokia Ausbeutung und Sklaverei vor
Das neue Nokia-Werk im rumänischen Jucu bei Cluj sollte vor allem eines sein - billig. Doch billig genügt Nokia immer noch nicht. Mitarbeiter in Rumänien sollen 60 bis 70 Stunden pro Woche schuften. Dazu will Nokia eine Änderung des rumänischen Arbeitsgesetzes erreichen, um die Ausbeutung der Mitarbeiter zu legalisieren. Nach dem rumänischen Arbeitsrecht sind derzeit höchstens 48 Stunden zulässig. Der rumänische Arbeitsminister Paul Pacuraru bestätigte vor einigen Tagen, Nokia habe bei ihm eine Änderung des Arbeitsgesetzes mit dem Ziel beantragt, dieses flexibler zu machen.

Die Gesundheit der Mitarbeiter wird sicher Schaden nehmen, aber das ist Nokia offensichtlich egal. Dann werden die Mitarbeiter eben weggeworfen, neue eingestellt oder Nokia zieht weiter wie ein Heuschreckenschwarm, der das Land leer gefressen hat.

Der rumänische Gewerkschaftsbund Cartel Alfa wirft Nokia Sklaverei vor, so etwas sei „Ausbeutung“. Anstatt mehr Beschäftigte einzustellen, wolle Nokia auf diese Weise seinen Profit steigern.

Mit diesen Forderungen nach einem 12-Stunden Arbeitstag nähern wir uns in Europa wieder den Verhältnissen im 19. Jahrhundert zu Beginn der Industrialisierung. Damals hatte man einen 14- bis 18-Stunden Arbeitstag verbunden mit Existenznot durch zu niedrige Löhne, mit unsicheren Arbeitsplätzen, individueller Entfremdung, mit Fließbandarbeit, miserablen Wohnverhältnissen, wie sie in Rumänien sowieso schon herrschen. Konzerne wie Nokia scheinen überhaupt keine Hemmungen mehr zu haben, sich gegen jegliche gesellschaftlichen Normen zu stellen. Wenn ein solcher Wind über Europa weht, dann entsteht sozialer Sprengstoff, der sich, wie die Geschichte zeigt, irgendwann entladen wird.

Nokia wies unterdessen die Beschuldigungen zurück. Unternehmenssprecherin Arja Suominen sagte in Helsinki, die Medienberichte über Anläufe zur Ausweitung der Wochenarbeitszeit über das gesetzliche Limit hinaus seien falsch. Man weise sie "scharf zurück“. Sie erklärte: "Nokia hält sich weltweit an die arbeitsrechtlichen Bestimmungen und Gebräuche im Rahmen der in den jeweiligen Ländern geltenden Gesetze."

Toll! Konzerne wie Nokia wollen durch ihre wirtschaftliche Macht Druck auf die Regierungen ärmerer Länder ausüben, um die dortigen Gesetze zu ihren Gunsten zu ändern. Damit wird Ausbeutung legalisiert. Die Legalisierung wird aber den sozialen Sprengstoff nicht entschärfen - im Gegenteil. Wenn die Arbeitnehmer der ärmeren Länder dann nicht nur billiger, wie jetzt schon, sondern auch noch wesentlich länger arbeiten, wird dieser Druck sich noch mehr auf die sogenannten Hochlohnländer auswirken. Die Regierungen dieser Länder knicken vor der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit weiter ein und liberalisieren den Arbeitsmarkt weiter. Auf der Strecke bleiben die Menschen.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Dienstag, 19.02.08

NSN-RTP: Schleichender Stellenabbau geht weiter
Letzten Freitag Nachmittag bekamen ca. 100 Mitarbeiter von RTP PD (Research Technology & Platforms) per E-Mail eine Einladung, am 29.2.2008 an einer Jobbörse in den ehemaligen BenQ-Gebäuden in der Grillparzer Straße in München teilzunehmen. Dies ist jetzt der Sitz der Siemens-beE. Die Jobbörse wird extra von Siemens für diese NSN-Mitarbeiter veranstaltet.

Als Grund für die Jobbörse gibt NSN an: „wie ja bereits früher diskutiert versuchen wir weiterhin konstruktive Lösungen zu finden, um den Einfluss des Wegfalls der Projekte abzufangen. Wir haben hier in diverse Richtungen, wie zum Beispiel komplette Outsourcing Lösungen etc. geschaut, und werden auch weiterhin nach Möglichkeiten suchen.“ Das Management konnte es nicht lassen, den Mitarbeitern wieder die Möglichkeit des Outsourcings vor Augen zu halten, obwohl Simon Beresford-Wylie mit seinem Ehrenwort dafür steht, dass NSN kein weiteres Outsourcing in Deutschland plant.

Um teilnehmen zu können, sollten die Betroffenen bis heute einen Lebenslauf und eine Datenschutzerklärung an eine Siemens-E-Mail-Adresse senden. Die Firmen, die auf der Job-Börse Stellen anbieten wollen, wurden den Mitarbeitern nicht genannt. Warum nicht? Dann hätte man sich vorher über die Firmen informieren können. Das erwarten die Unternehmen normalerweise auch von Bewerbern.

An der Jobbörse dürfen nur die Empfänger der Original-E-Mail teilnehmen. Wenn NSN so ein Problem hat, Mitarbeiter los zu werden, warum lässt das Management dann nicht einfach alle Interessierten an der Jobbörse teilnehmen, es sind ja bereits mehrere Produkte eingestellt worden.

In der Einladung wird den Mitarbeitern suggeriert, dass ihre Bewerbungsunterlagen und sonstigen persönlichen Daten nur an die teilnehmenden Unternehmen weitergegeben werden. Mit der Datenschutzerklärung erklären sich die Mitarbeiter jedoch damit einverstanden, dass die Daten nicht nur von der Siemens AG gespeichert und verarbeitet werden, sondern auch an externe Unternehmen weitergeleitet werden dürfen. Hier fehlt die Einschränkung auf Unternehmen, die zur Jobbörse geladen wurden.

Die Daten werden drei Jahre lang auf einem Server in Großbritannien gemäß den geltenden DS/IS-Bestimmungen von einem nicht näher bezeichneten Unternehmen gespeichert, das von Siemens damit beauftragt wurde. Man fragt sich, warum die Daten drei Jahre lang gespeichert werden sollen. Außerdem verpflichtet sich der Mitarbeiter über den Zeitraum der Jobbörse hinaus für drei Jahre seine Daten auf dem aktuellen Stand zu halten. Wir raten, nach der Jobbörse, oder spätestens wenn man einen Job gefunden hat, vom Recht zum Löschen der Daten Gebrauch zu machen.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 19.02.08

Siemens: AUB Affäre - vermutlich größer als bisher angenommen
Im Mai 2007 gab Jürgen Lubojanski, Anwalt des ehemaligen AUB-Chefs Wilhelm Schelsky zu, dass Schelsky von Siemens Zahlungen von mindestens 34 Millionen Euro erhalten habe, um eine Gegengewerkschaft zur IG Metall aufzubauen. Ziel sei es gewesen, die AUB tariffähig zu machen. Schelsky habe Büros und Broschüren der AUB bezahlt und auch Sportvereine unterstützt, um die AUB bekannter zu machen.

Wie der Spiegel in seiner Ausgabe 8/2008 berichtete, wird vermutet, dass die Dimensionen der AUB-Affäre großer als bisher angenommen sind. Bis 2001 sollen hauptamtliche AUB-Funktionäre sogar vom Konzern selbst bezahlt worden sein, berichteten mehrere Aufsichtsräte und Ex-Siemens-Manager. Diese Zahlungen sollen über eine nicht im Rechenwerk konsolidierte Siemens-Tochter mit Sitz in Grünwald abgewickelt worden sein. Von den hundert Angestellten sollen zeitweise bis zu neun Mitarbeiter in den Geschäftsstellen der AUB tätig gewesen sein. Laut Handelsregister bestand der Geschäftszweck der Firma mit dem Namen GVD Leasing unter anderem im Verleih von EDV-Geräten.

Die Nürnberger Staatsanwaltschaft ermittelt in dieser Richtung. Ein Siemens-Sprecher wollte dem Spiegel dazu keine Stellungnahme abgeben.
(iw)


InWaChRo-News: Sonntag, 17.02.08

NSN: Betriebszugehörigkeit kann nicht verloren gehen
Uns wurde berichtet, dass manche Vorgesetzte behaupten, nach dem 30.09.2009 würden alle durch § 613a BGB garantierten Rechte, einschließlich der Betriebszugehörigkeitszeit und sämtliche Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge ungültig werden. Sie begründen dies damit, dass NSN eine neue Firma ist und die Schutzklausel nur ein Jahr gilt.

Das ist natürlich Blödsinn. Solche Bemerkungen sind nur dafür gedacht, die Mitarbeiter gezielt zu verunsichern. Wir empfehlen NSN trotzdem dringend ihre Vorgesetzten über §613a BGB aufzuklären und sie dazu anzuhalten, keine falschen Informationen zu verbreiten. Als Pflichtlektüre empfehlen wir unser Buch: "Arbeitsplatz in Gefahr - das sind Ihre Rechte". Hier ist die Rechtslage anschaulich und verständlich dargestellt.

  1. Die Betriebszugehörigkeitszeit geht nach § 613a BGB über und kann nicht gekündigt werden. Sie erhöht sich automatisch jeden Monat um einen Monat und jedes Jahr um ein Jahr.

  2. Betriebsvereinbarungen sind nach dem Übergang für ein Jahr gegen Änderungen zum Nachteil des Arbeitnehmers geschützt. Nach diesem Jahr verlieren sie aber nicht automatisch ihre Gültigkeit, sondern wirken weiter bis sie entweder per Frist ablaufen oder gekündigt werden. Alle Betriebsvereinbarungen können mit einer Frist von drei Monaten nach dem Schutzjahr gekündigt werden.

    Dabei muss man aber zwischen so genannten freiwilligen und erzwingbaren Betriebsvereinbarungen unterscheiden. Letztere liegen immer dann vor, wenn der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht hat. Diese wirken im Fall einer Kündigung der Betriebsvereinbarung solange nach bis zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat eine neue Betriebsvereinbarung zu diesem Thema abgeschlossen wird. Ein Beispiel für eine erzwingbare Betriebsvereinbarung ist die Betriebsvereinbarung zur Gleitzeit.

  3. Der Tarifvertrag gilt natürlich weiter, da NSN Mitglied im Arbeitgeberverband Gesamtmetall und damit tarifgebunden ist. NSN müsste folglich zunächst aus dem Arbeitgeberverband austreten. Dann gibt es einen Aufschrei der IG Metall, denn Siemens hat dem Siemens Gesamtbetriebsrat in der geheimen Protokollnotiz zur Überleitungsvereinbarung vom 27.07.2006 zugesagt, dass NSN in den Arbeitgeberverband eintritt: "Die Siemens Networks GmbH & Co. KG verpflichtet sich, dem Arbeitgeberverband beizutreten."

(iw/cr)


InWaChRo-News: Sonntag, 17.02.08

Alcatel-Lucent: Keine Angst vor dem Scheinriesen
Die Mitarbeiter sollten zunächst die Gespräche im Wirtschaftsausschuss und die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über Interessenausgleich und Sozialplan abwarten. In der Zwischenzeit solltet ihr euch über eure Rechte und Handlungsmöglichkeiten bei den verschiedenen Formen des Stellenabbaus wie Aufhebungsvertrag, Beschäftigungsgesellschaft, betriebsbedingte Kündigung etc. informieren.

Betriebsbedingte Kündigungen sind wie der Scheinriese Tur Tur bei Jim Knopf. Je näher man ihm kommt, das heißt je detaillierter man die rechtlichen Fakten eines Kündigungsschutzprozesses betrachtet, desto kleiner wird die Angst, weil der Scheinriese schrumpft. Mit betriebsbedingten Kündigungen rechnen wir aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen nicht, da Kündigungen für den Arbeitgeber stets mit hohen Risiken und Kosten verbunden sind. Der Arbeitgeber muss nämlich bei Kündigungen eine Sozialauswahl über den Betrieb durchführen und wird daher nicht genau die Mitarbeiter los, die er gerne kündigen möchte. Dies kann er nur durch „freiwillige Maßnahmen“ erreichen. Damit diese zum Ziel führen, zeigt er immer den Scheinriesen Tur Tur (betriebsbedingte Kündigung) vor. Zu hundert Prozent ausschließen kann man betriebsbedingte Kündigungen natürlich nicht.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Sonntag, 17.02.08

Alcatel-Lucent: Kunde droht mit Auftrag
Auf der Nürnberger Betriebsversammlung vom 15.2.08 beklagte der aus Stuttgart angereiste Vorstandsvorsitzender Wolfgang Weik die negative globale Bilanz des Konzerns und die schlechten Marktaussichten. Er erklärte den Mitarbeitern, dass die UMTS Entwicklung nun doch nicht komplett geschlossen wird. Offensichtlich hatte man übersehen, dass bis 2010 noch ein Auftrag für AT&T abzuarbeiten ist.

Die Betriebsversammlung soll fortgesetzt werden, wenn der Vorstand Pläne hat, über die er berichten kann, will oder darf. Zunächst sollen diese Pläne aber mit dem Wirtschaftsausschuss beraten werden, berichtet Netzwerk-IT.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Sonntag, 17.02.08

NSN-VTS: Integration hinter verschlossenen Türen
Wie aus Unternehmenskreisen zu erfahren war, wurden nach dem Übergang der VTS von der Deutschen Telekom zu NSN Integrationsteams gebildet. Diese Teams arbeiten hinter verschlossenen Türen und sollen dem neuen Unternehmen im NSN-Konzern eine Gestalt geben.

"Bewährte Strukturen werden dabei auseinander gerissen, alle Mitarbeiter umsortiert, desorientiert und viel Neues übergestülpt. Alte Führungsstrukturen sind in diesen Prozess nicht involviert", so ein Mitarbeiter. Vorgesetzte sollen noch nicht einmal Auskunft darüber geben können, wer zum Kreis der "Erlauchten" gehört. "Kollegen, die bis zum Übergang zu NSN noch zum offenen Meinungsaustausch bereit waren, drucksen jetzt nur noch herum und schweigen - weil sie befürchten als ‚Informanten' negativen Folgen ausgesetzt zu werden".

Die Mitarbeiter werden in diesem Prozess außen vor gelassen. Statt auf Vertrauen in die Erfahrung und den Gestaltungswillen der Mitarbeiter zu setzen, lässt man sie offensichtlich orientierungslos warten. Verunsichert fragen sich die Kollegen unterdessen, wo die versprochenen Aufträge der Deutschen Telekom bleiben.

Gerüchteweise sollen bereits jetzt 700 Mitarbeiter zum Jahresende zur Disposition stehen. Diese dürften jedoch nur die erste Welle sein, da bereits vor dem Betriebsübergang Restrukturierungskosten für 1400 VTS-Mitarbeiter eingeplant wurden.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Samstag, 16.02.08

VDO: Conti will 2.000 Stellen bei Siemens VDO abbauen
Continental hatte im Sommer 2007 Siemens VDO für 11,4 Mrd. Euro übernommen. Vor der Übernahme plante Siemens, 500 bis 600 Stellen abzubauen. Diesen Abbau will Conti nun übernehmen, schreibt die "Financial Times Deutschland" (FTD - Freitagausgabe) unter Berufung auf das Konzernumfeld. Conti scheint diese Abbauzahl jedoch nicht zu genügen. Es sollen weitere 1.500 Arbeitsplätze entfallen. Ein Conti-Sprecher wollte das laut FTD nicht kommentieren. Der Wirtschaftsausschuss von Conti soll über die Pläne nach der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag unterrichtet werden.

Wie alle Konzerne will Conti gerichtliche Auseinandersetzungen über betriebsbedingte Kündigungen vermeiden. Es davon auszugehen, dass auch Conti überwiegend Mitarbeiter über 40 Jahre ansprechen wird und der Abbau über Aufhebungsverträge mit und ohne Beschäftigungsgesellschaft oder Ausgliederungen erfolgen wird. Vergangenen Sommer hatte Konzernchef Manfred Wennemer bereits angekündigt: "Natürlich werden wir uns Standorte anschauen und sehen, ob wir zu viele haben". Man muss daher auch mit Standortzusammenlegungen und Betriebsschließungen rechnen.

Gleichzeitig plant Continental in einigen Geschäftszweigen Personal aufzustocken. Das weist darauf hin, dass Conti die ehemalige Siemens Belegschaft zumindest teilweise auswechseln will.

Fast täglich erreichen uns Meldungen über massiven Stellenabbau in Konzernen. Insgesamt stehen tausende von Arbeitsplätzen zur Disposition. Jeder dieser Mitarbeiter hat Hoffnung, einen neuen Job zu finden. Laut Unternehmensberater Egon Kreutzer entfallen pro Tag durchschnittlich 2364 Arbeitsplätze in Deutschland (gerechnet über zwei Jahre). Wir fragen uns, wo sollen alle die Mitarbeiter, die in eine Beschäftigungsgesellschaft wechseln oder vor kurzem gewechselt haben, einen neuen Arbeitsplatz finden.
(cr)


InWaChRo-News: Samstag, 16.02.08

Enterprise: Verkaufsverhandlungen mit Nortel und Matlin Patterson
Siemens beabsichtigt nach wie vor Siemens Enterprise zu verkaufen. Dabei steht Siemens unter Zeitdruck. Gelingt der Verkauf bis Juni dieses Jahres nicht, muss der Konzern seine Bilanzen der vergangenen zwei Geschäftsjahre neu schreiben. Deshalb hat Siemens 2007 Enterprise um 567 Mio. Euro abgewertet. Experten rechnen mit einem negativen Kaufpreis.

Nach Informationen der Financial Times Deutschland befindet sich Siemens derzeit in Verhandlungen mit dem US-Wettbewerber Nortel Networks und dem US-Finanzinvestor Matlin Patterson. Laut einer unternehmensinternen Quelle gehe man derzeit jedoch nicht von einem Erfolg der Verhandlungen aus. "Ich glaube nicht mehr daran, dass der Verkauf noch stattfindet", sagte ein Unternehmensinsider. Man sei aber nicht nur mit Nortel und Patterson im Gespräch, kommentierte ein Siemens Sprecher.

Unicredit-Analyst Roland Pitz geht davon aus, dass der Verkauf an Nortel nicht zustande kommen wird. Nortel befindet sich selbst tief in der Krise und steckt mitten im Umbau. Das Geschäft mit Firmennetzen leidet darunter, dass diese Kunden stärker auf mobile und Internet-basierte Lösungen umsteigen.

Der Finanzinvestor Matlin Patterson hat der FTD zufolge Zahlen und Management von SEN intensiv geprüft. Allerdings gebe es noch viele ungeklärte Punkte. Der Finanzinvestor dürfte einen größeren Stellenabbau planen, da die Fertigung überwiegend in Deutschland stattfindet.

Siemens Enterprise hält sich tapfer im Siemens Verband. Ein Grund dafür ist, dass Siemens ein zweites BenQ vermeiden will. Dies würde das ohnehin schon angeknackste Image des Konzerns weiter verschlechtern. "Die Siemens-Führung will ein zweites "BenQ" unbedingt vermeiden", so ein Insider. Darin dürfte der Grund für die schwierigen Verhandlungen mit Matlin Patterson liegen.

Der Verkauf von Enterprise sollte schon unter Kleinfeld bis Ende 2006 abgeschlossen werden. Immer wieder verhandelte Siemens mit Finanzinvestoren und Wettbewerbern wie Avaya und Cisco. Im vergangenen Herbst platzte der Verkauf an die Private- Equity-Firmen Permira und Apollo. Enterprise ist mit seinen 15.000 Mitarbeitern und über 3 Mrd. Euro Umsatz der letzte größere Unternehmensteil der ehemaligen Telekommunikationssparte Com - und vielleicht bleibt Enterprise das auch.
(iw)


InWaChRo-News: Mittwoch, 13.02.08

NSN: Mitarbeiterentsorgung über Nokia Bochum geplant
Ihr wisst, wir berichten viel und selten fehlen uns die Worte. Hier fehlen sie uns angesichts der Tatsachen, die uns heute bekannt wurden. Gerade deshalb müssen wir berichten, mit oder ohne Worte.

Wie allen bekannt sein dürfte, soll das Nokia Werk in Bochum Ende 2008 geschlossen werden. Dies kostet über 2000 Arbeitsplätze bei der Nokia GmbH. Jetzt legt Nokia Siemens Networks unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Buchhaltung einen neuen Arbeitsvertrag vor, mit dem diese sich verpflichten sollen, in genau diese Nokia GmbH zu wechseln.

Wie lange sie dort überleben werden, kann man an den Fingern einer Hand abzählen. Wir empfinden dieses Angebot als unmoralisch, fast schon sittenwidrig.

Die betroffenen Mitarbeiter sollen nicht per Betriebsübergang verschoben werden, sondern ihnen wurde am 8.2.2008 ein neuer Anstellungsvertrag mit der Nokia GmbH ausgehändigt, den sie innerhalb von nicht einmal zwei Wochen unterschreiben sollen. NSN würde bei einer Unterzeichnung durch die Mitarbeiter 30 Prozent der im IA/SP geregelten Abfindung zahlen.

Dem nicht genug, die Mitarbeiter haben bei Nokia eine Probezeit von sechs Monaten: „Die ersten sechs Monate Ihrer Tätigkeit gelten als Einarbeitungszeit. Im ersten Monat kann das Arbeitsverhältnis mit einer Frist von einer Woche gekündigt werden. Im zweiten und dritten Monat kann das Arbeitsverhältnis mit einer Frist von zwei Wochen gekündigt werden, …“ Die einwöchige Kündigungsfrist verstößt gegen §622 III BGB. Hier sind zwei Wochen gefordert.

Es handelt sich um langjährige Mitarbeiter von Siemens / NSN. Bei Nokia beginnen sie jedoch mit Betriebszugehörigkeit Null.

Auf die Arbeitsverhältnisse wird der Manteltarifvertrag von NRW angewendet, obwohl die Mitarbeiter in München für Bochum arbeiten sollen. Diese Verträge bedeuten für die Mitarbeiter eine Gehaltseinbuße von etwa 30 Prozent. Arbeitsbeginn ist der 1.4.2008, es handelt sich dennoch um keinen Aprilscherz, der Arbeitsvertrag liegt uns vor.

Wir raten, diesen Vertrag auf keinen Fall zu unterschreiben. Ihr habt bei NSN einen Kündigungsschutz bis 30.9.2009 und bekommt bis dahin euer Gehalt. Nokia Bochum ist ein Himmelfahrtskommando.

Wir sind entsetzt, wie NSN mit seinen Mitarbeitern umgeht. Das „Angebot“, in ein Unternehmen zu wechseln, von dem alle Welt weiß, dass sein Kernbereich geschlossen wird, ist an Gefühllosigkeit nicht mehr zu überbieten.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 12.02.08

Alcatel-Lucent: Mit Mut gegen den Frust
Wir verstehen, dass ihr frustriert seid und die Situation für viele ausweglos erscheint. Der Gedanke, aus Wut, Frust oder Hoffnungslosigkeit Alcatel-Lucent zu verlassen mag vielen als der einzige Weg erscheinen. Es ist im Sinne des Managements, wenn sich eine solche Hoffnungslosigkeit verbreitet und ihr euch von negativen Emotionen zur Unterschrift unter einen Aufhebungsvertrag hinreißen lasst.

Doch diese Entscheidung solltet ihr genau überlegen, euch die Alternativen, die es gibt anschauen und diese immer wieder gegeneinander abwägen. Fällt diese Entscheidung erst dann, wenn euch alle daraus folgenden Konsequenzen bewusst sind. Da auch bei euch im Wesentlichen Mitarbeiter über 45 Jahren angesprochen werden, ist die Arbeitsmarktsituation für ältere Arbeitnehmer genau zu betrachten. Wenn ihr euch umschaut, bauen alle größeren Unternehmen insbesondere Mitarbeiter über 45 Jahren ab. Schätzt selbst die Aussichten, einen anderen Arbeitsplatz zu finden, realistisch ein. Schaut dazu in die Internet-Jobbörsen, bewerbt euch probeweise, um ein Gefühl zu bekommen, wie ihr auf dem Arbeitsmarkt ankommt.

Die hässlichste Folge einer aus der Emotion heraus getroffenen Entscheidung ist Hartz IV. Diese Folge verdrängen alle in ihrem ersten Frust, ihrer Enttäuschung über das Management, in dem Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Das böse Erwachen und der hohe psychische Druck kommen dann meistens direkt nach der Unterschrift. So erreichen uns immer wieder teilweise verzweifelte E-Mails von Mitarbeitern, die unterschrieben haben, um dem psychischen Druck zu entkommen.

Niemand kann versprechen, dass Hartz IV nie kommt. Aber unsere Erfahrung ist, dass man mit einer Hartz IV-Situation wesentlich besser umgehen kann, wenn man zuvor alle Möglichkeiten analysiert und für sich ausgeschöpft hat. Denn nur dann kann man sich sagen: „ich habe alles versucht“. Ansonsten treten unweigerlich Selbstvorwürfe ein – „hätte ich doch…“

Zu den Alternativen, die man durchdenken sollte, gehört auch, solange wie möglich in der Firma zu bleiben. Jeder Monat, jedes Jahr ist ein Monat, ein Jahr mehr ohne Hartz IV und damit ein gewonnener Monat, ein gewonnenes Jahr. Ein Monat, ein Jahr mehr auch in der Rentenversicherung. Die Kollegen, die 2003 bei Siemens um ihren Arbeitsplatz gekämpft haben, hatten die Strategie, jeder Monat mehr ist ein Gehalt mehr zum Überleben. Heute haben sie durch diese Strategie bereits 5 Jahre und 4 Monate ihren Arbeitsplatz erhalten und haben noch Kündigungsschutz bis 30.9.2009. Manche haben dadurch inzwischen auch ihren tariflichen Kündigungsschutz erreicht, den auch viele von euch haben dürften. Tariflichen Kündigungsschutz haben nach dem Metall-Tarifvertrag Tarif-Mitarbeiter, die 50 Jahre alt sind und mindestens 15 Jahre im Unternehmen bzw. 55 Jahre und mindestens 10 Jahre im Unternehmen sind.

Wir möchten euch Mut machen, nicht einfach aufzugeben, sondern erst einmal alle Wege zu suchen, die euch offen stehen und euch dann in Ruhe für den für euch besten Weg zu entscheiden.

Ihr könnt uns eure Fragen und Informationen gerne (auch anonym) schicken. Wenn diese von allgemeinem Interesse sind, werden wir dazu einen Artikel auf der Homepage veröffentlichen.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Dienstag, 12.02.08

NSN: Update Personalabbau in Mch H und Mch M
In Mch M war ursprünglich geplant, 926 Arbeitsplätze abzubauen. Inzwischen haben 770 Mitarbeiter die Firma in Mch M verlassen, also 83,2 Prozent. Diese Zahl enthält bereits diejenigen Mitarbeiter, die zum 1.4.2008 in die beE wechseln.

Wie gestern berichtet haben am Standort Mch H 134 Mitarbeiter bis 31.1.2008 die Firma verlassen. In diese Zahl waren noch nicht die 35 Mitarbeiter eingerechnet, die zum 1.4.2008 in die beE wechseln. Insgesamt sind daher 169 der geplanten 291 Arbeitsplätze abgebaut, also 58,1 Prozent.
(cr)


InWaChRo-News: Montag, 11.02.08

NSN: Restrukturierung
Die Personalabteilung Deutschland (NSN HR GER) erklärte nun offiziell:
„Bis auf die Standorte Mch M und Mch H haben … alle NSN Standorte die im Interessenausgleich vom 12.07.2007 vereinbarten Abbauziele bereits heute erreicht. Bis auf die Standorte Mch M und Mch H ist daher für alle anderen Standorte dieses Restrukturierungsprogramm abgeschlossen und der Interessenausgleich erfüllt.“

Nach Aussage der Betriebsleitung Mch H haben 134 Mitarbeiter von Mch H bis 31.01.2008 NSN verlassen. Damit ist in Mch H 46 Prozent des geplanten Abbaus von 291 Mitarbeitern erreicht.
(cr)


InWaChRo-News: Mittwoch, 06.02.08

NSN: Personalabbau in Deutschland – völlig unerwartetes Ereignis eingetreten
Bei Radio Access sollen in Deutschland 160 Mitarbeiter abgebaut werden, davon 80 in Mch M, 40 in Ulm und 40 in Berlin. In Finnland sollen etwa 110 Radio Access Mitarbeiter die Firma verlassen. Die Pläne betreffen wieder Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung. Der Stellenabbau geht also weiter.

NSN will die Entwicklung von NB/RSxxx im WCDMA-Portfolio einstellen. Die Kunden sollen auf das Nokia-Produkt Ultra/FlexiBTS umgestellt werden. Wie uns aus Fachkreisen berichtet wurde, handelt es sich bei dem einzustellenden Produkt NB/RSxxx nicht um irgendein Nischen-Produkt, sondern um eines der wichtigsten Volumenprodukte, nämlich die NEC-Siemens Basisstationen für den neuen Mobilfunkstandard UMTS, die überall auf den Hausdächern aufgestellt werden. Bezeichnend ist, dass auch Alcatel-Lucent, die UMTS-Entwicklung in Nürnberg einstellt und nach Paris verlagert.

Es ist zu erwarten, dass die Mitarbeiter blaue Briefe bekommen werden. Die deutschen Mitarbeiter haben bis zu 30.9.2009 Kündigungsschutz und sollten nicht in Panik verfallen, sondern sich die Angebote entsprechend ihrer persönlichen finanziellen Verhältnisse sehr genau überlegen. Es ist davon auszugehen, dass der Stellenabbau auch nach dem 30.9.2009 weitergeht und es dann wieder beE- und Abfindungsangebote geben wird.

Erst vor ein paar Tagen sagte Beresford-Wylie: „Der vereinbarte Abbau in Deutschland sei zu 90% erreicht und werde auch zu Ende gebracht. Es gäbe aber keine weiteren Ausgliederungspläne und keinen Plan B für weiteren Personalabbau. Dafür stehe er mit seinem Ehrenwort. Rechtlich verbindliche Aussagen könne er natürlich nicht treffen. Bei völlig unerwarteten Ereignissen hätte ganz NSN ein Problem, dann läge der Fokus jedoch nicht auf Deutschland.“

Offensichtlich traf für NSN in Berlin und Ulm bereits jetzt ein „völlig unerwartetes Ereignis“ ein, denn nach Aussage des Managements war der vereinbarte Abbau in Berlin und Ulm bereits abgeschlossen, lediglich Mch H und Mch M hätten den vereinbarten Abbau nicht erreicht. Insbesondere der Abbau in Ulm und Berlin sind also als zusätzlicher Personalabbau zu werten, der nicht durch den IA/SP von 2007 abgedeckt ist.

Ein Kollege kommentierte: „Wie schon vermutet war die Halbwertszeit von Simon Pinocchios Aussagen doch ziemlich kurz. Der Hinweis, dass das in Deutschland im Rahmen des IA/SP erfolgt ist ja offensichtlich nur ein Versuch die Nase etwas zu verkürzen.“

Es fehlen immer noch die genauen betriebsbezogenen Abbauzahlen, die laut Betriebsleitung Mch H von NSN zusammen mit den Geschäftszahlen veröffentlicht werden sollten. NSN versucht offensichtlich zusätzlichen Personalabbau zu kaschieren, indem sie behaupten, dies wäre Teil des Personalabbaus 2007.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Mittwoch, 06.02.08

Arbeitslosen Bezugsdauer geändert
Die Bundesregierung verabschiedete, folgende Änderungen für die Bezugsdauer von Arbeitslosengeld I für ältere Arbeitslose. Der Bundesrat muss dem Gesetz allerdings noch zustimmen.

Alter Bezugsdauer Erforderliche Vorversicherungszeit
50 bis 54 15 Monate 30 Monate
55 bis 57 18 Monate 36 Monate
ab 58 24 Monate 48 Monate

Diese Neuregelung wird rückwirkend auf den 1. Januar angewandt. Außerdem erhalten ältere Arbeitslose einen Gutschein zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt.

Für diese Gesetzesänderung stimmten die Bundestags-Fraktionen der SPD, CDU/CSU sowie die Partei Die Linke. Die FDP hatte in einem Antrag gefordert, die Bezugszeiten für das Arbeitslosengeld I (ALG I) nicht zu verlängern und Altersteilzeitregelungen abzuschaffen.
(iw)


InWaChRo-News: Mittwoch, 06.02.08

Ablösung der 58-er Regelung
Mit dem Gesetzentwurf zur Änderung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes verbunden ist eine Anschlusslösung für die Ende 2007 ausgelaufende so genannte 58er-Regelung. Diese ermöglichte es älteren Arbeitslosen bislang, bis zum Renteneintritt Arbeitslosengeld II (ALG II) zu beziehen, ohne dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen.

Die Ablösung der 58-er-Regelung durch die 63-er Regelung wurde vom Bundestag ebenfalls beschlossen. Der Bundesrat muss noch zustimmen.

ALG-II-Bezieher ab dem 58. Lebensjahr sollen nunmehr unverzüglich in Arbeit oder in einer Arbeitsgelegenheit vermittelt werden. Gelingt dies nicht, soll im Abstand von jeweils sechs Monaten geprüft werden, welche Maßnahmen zur Eingliederung in eine Beschäftigung erforderlich sind. Dies dürfte für ältere Arbeitnehmer eine harte Zeit werden.

Mit Vollendung des 63. Lebensjahres müssen Langzeitarbeitslose, die staatliche Leistungen benötigen, eine vorzeitige Altersrente in Anspruch nehmen.

Das neue Gesetz sieht weiter vor, dass Personen, die eine vorgezogene Altersrente oder eine Rente wegen voller Erwerbsminderung in Anspruch nehmen, jetzt 400 Euro statt bisher 350 Euro hinzuverdienen können. Damit gilt die gleiche Entgeltgrenze wie bei den geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen (Mini-Jobs).

"Die Linke" und die FDP bezeichneten diesen Gesetzesentwurf als "Zwangsrente". Auch Sachverständige bestätigen: Das Gesetz macht die Zwangsverrentung ab 63 jetzt grundsätzlich möglich, ohne dass die Betroffenen die Möglichkeit der Arbeitsmarktintegration nutzen können. Sie müssen dabei mit Abschlägen bis zu 7,2 Prozent rechnen, nach Einführung der Renten mit 67 sogar bis zu 14,4 Prozent.

FDP und Linke hatten gegen die geplante "63-er Regelung" Anträge im Bundestag eingebracht, die jedoch abgelehnt wurden. Sie wollten die Zwangsrente verhindern. Dazu wäre es erforderlich gewesen, das Nachrangigkeitsprinzip zu ändern. Dieses fordert, dass ALG II erst dann gewährt wird, wenn andere Leistungen, hier die Rente, ausscheiden.
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 05.02.08

NSN-TCS: Unterrichtungsschreiben zum Betriebsübergang
In offiziellen Schreiben sollte man im Deutschen, auch wenn das aus dem Englischen übersetzt wird, nicht das Du verwenden. Das wirkt im Deutschen sehr unpassend.

Ursprünglich geplant war ein Übergang zum 1.1.2008. Unklar ist, warum der Verkauf verschoben wurde. Der Passus, dass die Mitarbeiter bereits bis zum 14.2.2008 auf ihr Widerspruchsrecht verzichten sollen, weist darauf hin, dass TATA Druck auf NSN macht, dass die Mitarbeiter auch wirklich übergehen. TATA will hier offensichtlich möglichst bald Planungssicherheit haben.

Zu Punkt 2: „… Die Tata Consultancy Services Deutschland GmbH sieht die Übernahme der genannten Betriebsteile in erster Linie als Chance zur Integration der Geschäftsbereichsorganisation und des in ihr vorhandenen Talent- und Skill-Pools. Sie beabsichtigt, den Geschäftsbereich OBS am Standort Düsseldorf künftig als selbstständigen Betrieb im Sinne des Betriebsverfassungsgesetzes zu führen und den Geschäftsbereich OBS am Standort Düsseldorf in das weltweite Netzwerk-Delivery-Modell einzubinden …“

Dieser Passus erklärt sehr vage und allgemein, was die Zukunft der Mitarbeiter sein soll. Er lässt die volle Bandbreite offen: Von Projekteinsatz (Springertätigkeit) bis hin zu einem deutschen TCS-Center. Man hat den Eindruck, TATA schaut einfach mal, was sich da so ergibt, wenn die NSN-Aufträge abgearbeitet sind. Das kann alles heißen oder auch nichts. Als Entscheidungsgrundlage dürfte diese Erklärung nicht ausreichen.

Der Aufforderung auf das Widerspruchsrecht zu verzichten, sollte man - wie wir bereits kommentierten - besser nicht nachkommen.

Fazit: Alles, was als Entscheidungsgrundlage im Unterrichtungsschreiben enthalten sein muss, ist so vage, dass man es nicht einmal richtig kommentieren kann. Alles, was relativ unwichtig ist, wird breit ausgewalzt.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Dienstag, 05.02.08

NSN: Personalabbau in Finnland
Bei der Ankündigung des Joint Ventures hatte Nokia Net 9.130 Mitarbeiter in Finnland. Ein knappes Jahr später, zum Start des Joint Ventures betrug die Mitarbeiterzahl in Finnland nach Angabe von NSN 10.000. Davon sollten 10 bis 15 Prozent, also 1500 bis 1700 Mitarbeiter bis 2010 abgebaut werden.

In Finnland sollten im Jahr 2007 nach Vorstellung von Nokia Siemens Networks 700 Mitarbeiter in den Regionen und Städten Espoo, Helsinki, Tampere und Oulu ihren Arbeitsplatz verlieren. Tatsächlich verließen in Finnland 1.000 Beschäftigte das Unternehmen im letzten Jahr. Davon sind 230 zu TietoEnator übergegangen, 16 wurden gekündigt und die übrigen gingen mit einer Abfindung oder in Rente. Damit hat NSN 2007 in Finnland 300 Arbeitsplätze mehr abgebaut als geplant.

Jetzt sollen in einer zweiten Welle weitere 250 Mitarbeiter das Unternehmen in Finnland verlassen. Vom Abbau betroffen sind Radio Access (RA), Research, Technology and Platforms (RTP), DCM, North East Services, COO BE und CFO Corporate Security.
(cr)


InWaChRo-News: Montag, 04.02.08

NSN-TCS: Nicht auf Widerspruchsrecht verzichten!
Das Unterrichtungsschreiben zum Betriebsübergang von OBS in die Tata Consultancy Services Deutschland GmbH wurde am 31.1.2008 an die Mitarbeiter versandt. Die Widerspruchsfrist gegen diesen Betriebsübergang endet am Freitag, den 29.2.2008.

Dieses Unterrichtungsschreiben enthält folgenden sehr mit Vorsicht zu genießenden Passus:

„Um kurzfristige Klarheit über den Übergang Deines Arbeitsverhältnisses auf die Tata Consultancy Services Deutschland GmbH zu erlangen, würden wir uns freuen, wenn du schon jetzt unter Verzicht auf das Widerspruchsrecht der Überleitung Deines Arbeitsverhältnisses auf die Tata Consultancy Services Deutschland GmbH zustimmen würdest. Einen Vordruck, mit dem Du Deine Einwilligung zum Übergang Deines Arbeitsverhältnisses erklären kannst, fügen wir diesem Informationsschreiben als Anlage bei. Nach Möglichkeit bitten wir Dich, diesen Vordruck noch vor Ablauf der gesetzlichen Monatsfrist bis spätestens zum 14. Februar 2008 an die Tata Consultancy Services Deutschland GmbH, z.Hd. von … unterschrieben zu übersenden oder bis zu diesem Datum … oder … persönlich vor Ort zurückzureichen.“

Unterschreibt das beiliegende Formular, mit dem ihr auf euer Widerspruchsrecht verzichtet, auf keinen Fall!

Ihr habt keinerlei Nachteile, wenn ihr es nicht tut.

Ihr verzichtet dadurch generell auf das Widerspruchsrecht und habt damit auch nicht die Möglichkeit, dem Betriebsübergang nachträglich zu widersprechen, wenn sich später herausstellt, dass gewichtige Gründe für einen nachträglichen Widerspruch vorliegen.

Wir empfinden diesen Passus mit dem beiliegenden Formular als unzulässige Beeinflussung der Willensbildung, die möglicherweise zu einer Anfechtung nach §123 BGB berechtigen könnte.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Montag, 04.02.08

NSN: Stellungnahme zu Simons Statement zum Standort Deutschland
Auf dem All-Hands-Meeting erklärte Simon Beresford-Wylie laut BR-Homepage Mch M auf Anfrage eines Betriebsratsmitglieds sinngemäß folgendes:

„Der vereinbarte Abbau in Deutschland sei zu 90% erreicht und werde auch zu Ende gebracht. Es gäbe aber keine weiteren Ausgliederungspläne und keinen Plan B für weiteren Personalabbau. Dafür stehe er mit seinem Ehrenwort. Rechtlich verbindliche Aussagen könne er natürlich nicht treffen. Bei völlig unerwarteten Ereignissen hätte ganz NSN ein Problem, dann läge der Fokus jedoch nicht auf Deutschland. Zur Nokia-Werksschließung in Bochum betonte Simon, dass NSN ein eigenständiges Unternehmen sei, daher wäre das mit NSN-Standorten in Deutschland nicht vergleichbar. Durch die Beheimatung der beiden Mütterfirmen seien die Länder Finnland und Deutschland fix gesetzt.“

NSN hat in Deutschland eine Belegschaft vorgefunden, die sich über ihre Rechte informiert und ihre Entscheidungen wohlüberlegt trifft. Aufgrund des Kündigungsschutzes bis 30.9.2009 sind NSN in Deutschland ohnehin die Hände gebunden. Jetzt einen neuen Stellenabbau oder neue Outsourcing-Projekte aufzusetzen wäre zum Scheitern verurteilt und würde nur weitere Unruhe in die Belegschaft tragen. Beresford-Wylie möchte offensichtlich mit seinem Statement, verbunden mit seinem Ehrenwort, erreichen, dass in der Belegschaft wieder Ruhe einkehrt und die Motivation wieder steigt.

Man kann vorsichtig annehmen, dass nun bis September 2009 etwas Ruhe einkehren wird, vorausgesetzt es entstehen keine schweren Turbulenzen auf dem Telekommunikationsmarkt. Manager- und Politikerworte haben gemeinsam, dass sie nur eine kurze Halbwertszeit haben. Deshalb müssen wir alle aufmerksam und kritisch verfolgen, wie NSN in naher Zukunft zu diesen Vorsätzen steht.

Dazu muss NSN auch die Mitarbeiter, die immer noch ohne Arbeit herumsitzen, wieder in Projekte einbinden. Es sind durch den Personalabbau auch genug Lücken entstanden, die von diesen Mitarbeitern ausgefüllt werden könnten. Diese Kollegen sollten sofort aktiv auf ihre Vorgesetzten zugehen und nach einer vertragsgemäßen Beschäftigung fragen und diesen Vorgang sorgfältig dokumentieren. Sollten sie in absehbarer Zeit keine Beschäftigung bekommen, empfehlen wir ihnen dringend, eine Klage auf vertragsgemäße Beschäftigung zu führen. Man sollte sich nicht darauf verlassen, dass dieses Statement von Beresford-Wylie auch noch nach dem 30.9.2009 gilt. Vielleicht passiert ja am 1.10.2009 ein „völlig unerwartetes Ereignis“.

Leider gab Beresford-Wylie sein Statement erst am Ende des Meetings und auf Nachfrage eines Betriebsratsmitglieds von Mch M ab. Überzeugender wäre es gewesen, wenn er dies als Botschaft an den Anfang gestellt und damit der Belegschaft signalisiert hätte, dass Stellenabbau und Outsourcing endlich durch einen vernünftigen Arbeitsalltag ohne Furcht vor ständigem Existenzdruck abgelöst werden sollen. Bekräftigen könnte Beresford-Wylie seine Aussage, wenn die Aufzeichnung im Intranet zur Verfügung gestellt würde, damit man sich dieses Statement noch einmal im Original anhören kann.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Sonntag, 03.02.08

Ericsson baut in Netzwerksparte 4000 Stellen ab
Ericsson kündigte mittlerweile an, in seiner Netzwerksparte weltweit 4.000 Stellen abbauen zu wollen. Der Standort Nürnberg, wo die Handy-Teile entworfen werden, ist davon nicht betroffen. Etwa 1.000 der Stellen will Ericsson in seinem Heimatland Schweden abbauen. Ericsson begründete diese Entscheidung damit, dass sie dieses Jahr einen abflachenden Markt erwarten.
(cr)


InWaChRo-News: Sonntag, 03.02.08

Alcatel-Lucent: Wut über Job-Abbau - UMTS R&D wird nach Frankreich verlagert
Wie wir am 24.1.2008 berichteten, sollen in diesem Jahr 270 Ingenieure in Nürnberg Alcatel-Lucent verlassen. Obwohl die Zahlen den Mitarbeitern bereits bekannt waren, machte eine Aussage viele Mitarbeiter fassungslos: Forschung und Entwicklung für den Mobilfunkstandard UMTS sollen von Nürnberg in das Stammland von Alcatel, die bei dem Joint-Venture die Führung haben, nach Paris verlagert werden. Diese Verlagerung betrifft 100 Arbeitsplätze.

„Mein Bereich verschwand heute. Ich war sehr aufgewühlt und konnte heute Mittag nicht einmal meiner Frau von den Ereignissen erzählen, ohne mit der Stimme zu stocken und mit Tränen in den Augen. Es war heute hart.“

Viele schockte auch die Art und Weise, wie ihnen der Vorstand diese Nachricht überbrachte, nämlich per Webcast. Zentral von Stuttgart aus informierte der Alcatel-Lucent Vorstand die betroffenen deutschen Standorte. Für jeden Bereich wurden nach einer kurzen Begründung die Entlassungszahlen für Deutschland bekanntgegeben. Entlassen wird fast überall, insgesamt gibt es einen Abbau von 658 Arbeitsplätzen.

In Nürnberg bat der Betriebsratsvorsitzende alle Kollegen, die auf der linken Seite saßen, aufzustehen. Die Anzahl der Stühle dort entsprachen der Anzahl der geplanten Entlassungen. Damit wurde eindrucksvoll demonstriert, welche Ausmaße der geplante Stellenabbau hat. Die Betriebsversammlung wurde dann unterbrochen und soll erst dann fortgesetzt werden, wenn der komplette Vorstand anwesend ist, damit die Mitarbeiter Auge in Auge mit ihm reden können. Die Nürnberger Belegschaft machte ihrer Wut anschließend auf einer Protestkundgebung Luft.

In Frankreich will Alcatel-Lucent 398 Stellen abbauen, damit erhöht sich die Gesamtzahl des Personalabbaus in Frankreich auf 1.868 seit Alcatel-Lucent im Dezember 2006 die Geschäftstätigkeit aufgenommen hat. Es sollen jetzt weltweit 4.000 mehr Stellen abgebaut werden, von denen 3200 auf Europa entfallen. Insgesamt erhöht sich damit die Abbauzahl auf 16.500 Arbeitsplätze weltweit.

Alcatel-Lucent musste im letzten Jahr drei Gewinnwarnungen herausgeben. Die Aktien verloren mehr als 60 Prozent im letzten halben Jahr. Mach Reuters ist dies hauptsächlich auf die Schwierigkeiten, durch den Zusammenschluss von Alcatel und Lucent entstanden, zurückzuführen.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Sonntag, 03.02.08

Siemens-Österreich: Das harte Los der Zeitarbeiter
Früher wurden Mitarbeiter bei der Siemens AG in Österreich direkt angestellt. Heute wird auf die Zeitarbeitsfirma SPDL (Siemens Personal-Dienstleistungen GmbH & Co. KG) zurückgegriffen. Die SPDL wurde vor zehn Jahren eigens zu diesem Zweck gegründet.

Den bei SPDL angestellten KollegInnen wurde Hoffnung gemacht, bald in die AG übernommen zu werden. Das geschah auch in einigen Fällen. Viele warten aber seit Jahren vergeblich darauf - im Gegenteil: Die SPDL kündigte ihre Mitarbeiter sofort, wenn Siemens die von ihnen ausgeliehenen Mitarbeiter nicht mehr beschäftigen wollte.

So willigten viele in "einvernehmliche Lösungen" ohne Sozialplan ein oder kündigten selbst. Auf diese Weise verloren bei den großen Personalabbauwellen in der PSE der Jahre 2003 und 2007 'zig KollegInnen der SPDL schon vor den PSE-KollegInnen ihren Arbeitsplatz. Die SPDL nennt das "Zeitarbeit mit Niveau".
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(iw)


InWaChRo-News: Samstag, 02.02.08

Nokia: Verfahren wegen Subventionsbetrug eingeleitet
Die Staatsanwaltschaft Bochum hat gegen Nokia ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Subventionsbetruges eingeleitet. „Es liegen uns fünf Betrugsanzeigen vor, daher mussten wir ein entsprechendes Verfahren in die Wege leiten“, sagte Staatsanwalt Bernd Bienioßek. Es sei allerdings nicht klar, ob sich genug Anhaltspunkte für den Vorwurf finden ließen.

Nokia soll den Vorwürfen zufolge die Zahl der zugesagten Arbeitsplätze im Bochumer Werk jahrelang unterschritten haben und damit gegen die Subventionsvereinbarungen verstoßen haben. Nokia habe das Soll von 2860 Arbeitsplätzen in Bochum im Jahr 2002 um 318, 2003 um 368 und 2004 um 347 Beschäftigte unterschritten, sagte der Sprecher des Wirtschaftsministeriums, Joachim Neuser.

Das Wirtschaftsministerium von NRW will nun bis Mitte kommender Woche entscheiden, ob Nokia die Millionen-Subventionen zurückzahlen muss.

Nokia wies diese Vorwürfe zurück. Die nordrhein-westfälische Landesbank habe von Nokia regelmäßig alle relevanten Fakten zu Zahl und Art der geschaffenen Arbeitsplätze und die Verwendung der Subventionen erhalten, teilte das Unternehmen am Freitag in Espoo / Finnland mit. Die Bank habe keine Bedenken bezüglich dieser Dokumente geäußert. Nokia gehe deshalb davon aus, sich entsprechend der Vertragsbedingungen verhalten zu haben.
(iw)


InWaChRo-News: Samstag, 02.02.08

NSN: Kein weiterer Stellenabbau geplant
Nokia Siemens Networks will seine Standorte in Deutschland erhalten. „Es liegen keine Pläne in der Schublade, unsere Fertigung in Deutschland oder andere hiesige Niederlassungen zu schließen“, sagte CEO Simon Beresford-Wylie gegenüber der „Wirtschaftswoche“. Über den bereits angekündigten Abbau von 9000 Stellen hinaus, werde es keine Stellenstreichungen geben.

Beresford-Wylie schloss sogar einen Stellenaufbau nicht aus: „Vier große Netzbetreiber in Deutschland zählen bereits zu unseren Kunden“, sagte er. „Wenn weitere Netzbetreiber Teile ihres Geschäfts zu uns auslagern, könnte die Zahl der Mitarbeiter sogar wieder steigen.“

Auf die Frage eines Betriebsrates hin hatte Beresford-Wylie dies bereits am Ende des All-Hands-Meeting in München, am Dienstag erklärt.

Beresford-Wylie zeigte sich optimistisch, dass NSN bis Ende 2009 eine „zweistellige operative Marge“ erreichen könne. Vor allem im Dienstleistungsgeschäft erwarte er ein Wachstum von etwa sieben Prozent.

Erreicht NSN die zweistellige Marge bis Ende 2009 nicht, ist damit zu rechnen, dass weitere Restrukturierungsmaßnahmen erfolgen werden. Erreicht NSN die Marge, dann wird sicher eine höhere Ziel-Marge für die Zukunft vorgegeben. Dann kommt es auf die Lage des Unternehmens an, ob diese höhere Ziel-Marge durch wachsende Marktanteile erreicht werden kann, oder ob diese dann wie in den letzten Jahren durch Restrukturierungsmaßnahmen erzwungen wird.

Angesichts des Siemens-Korruptionsskandals erklärte Beresford-Wylie, das Gemeinschaftsunternehmen habe sich hohen ethischen Ansprüchen verschrieben und bisher keine Korruptionsfälle entdeckt. Möglicherweise besteht hier ein Zusammenhang dazu, dass sich NSN in Russland durch Aufhebungsverträge systematisch von allen leitenden Angestellten trennt, die ursprünglich von Siemens COM kamen. Nokia hatte in Russland im Netzbereich kaum Marktanteile im Gegensatz zu COM.
(cr)


InWaChRo-News: Samstag, 02.02.08

IBM: Konzernstruktur in Deutschland wird umgebaut
IBM plant, in Deutschland eine neue, stärker auf seine Kernkompetenzen ausgerichtete Konzernstruktur einzuführen. Diese soll zum 1.7.2008 in Kraft treten.

Bei diesen Kernkompetenzen handelt es sich um die Bereiche Research & Development, Sales & Consulting, Solutions & Services sowie Management & Business-Support. Dabei werden vier spezialisierte selbständige Unternehmen entstehen, in denen diese Kernkompetenzen zusammengefasst werden. Diese Gesellschaften werden einheitlich unter dem Namen IBM Deutschland mit einem speziellen Firmenzusatz fungieren.

Im Zuge der Umstellung sollen die Mitarbeiter auch organisatorisch in dem Unternehmen zusammengeführt werden, das ihren Aufgaben entspricht. Für etwa 30 Prozent der Mitarbeiter bedeutet dies einen Wechsel in eine andere IBM-Gesellschaft. Unklar ist, ob dieser Wechsel durch Betriebsübergänge, bei denen die Rechte der Mitarbeiter erhalten blieben, oder durch das Angebot neuer Arbeitsverträge realisiert werden soll.

Ein Restrukturierungsprogramm sei das aber nicht, erklärte Martin Jetter, Vorsitzender der Geschäftsführung von IBM Deutschland. Arbeitsplätze würden nicht abgebaut. IBM plane auch nicht die Verlagerung von Jobs.

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di forderte wegen der geplanten Neuausrichtung schnelle Tarifverhandlungen für die Beschäftigten, damit einheitliche Arbeits- und Entlohnungsbedingungen in den neu entstehenden Unternehmen geschaffen werden.
(cr)


InWaChRo-News: Samstag, 02.02.08

Arbeitsmarkt: Top Ten der Stellen im Januar 2008
Das gesamtwirtschaftliche Stellenangebot wird vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) quartalsweise mittels einer Betriebsbefragung erhoben. Nach IAB-Betriebs-Umfragen umfasste das gesamtwirtschaftliche Stellenangebot im III. Quartal 2007 1,25 Mio. Stellen und liegt damit um 70.000 (+5,9 Prozent) über dem Wert des III. Quartals 2006. Der Bundesanstalt für Arbeit ist daher mit 933.000 Stellen im Januar 2008 der überwiegende Teil des gesamtwirtschaftlichen Stellenangebots bekannt. Dabei entfallen auf den 1. Arbeitsmarkt 758.000 Stellen. Dazu kommen 175.000 geförderte Stellen. 19 Prozent der gemeldeten Stellen sind über die Zeitarbeit in den unterschiedlichsten Berufsfeldern zu besetzen.

Die Zahl der Arbeitslosen stieg im Januar um 253.000 auf 3,659 Mio. Dies ist der niedrigste Januar-Wert seit 1993. "Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt setzt sich fort", sagte der Chef der Bundesanstalt für Arbeit, Frank-Jürgen Weise.

In Deutschland gibt es jedoch laut der Bundesanstalt für Arbeit 7.027.000 hilfsbedürftige Personen, die Arbeitslosengeld I oder II beziehen. Davon sind 5.106.000 im erwerbsfähig und 1.921.000 nicht erwerbsfähig. Damit arbeiten 1.447.000 in prekären Beschäftigungsverhältnissen, mit denen sie ihren Lebensunterhalt nicht vollständig finanzieren können.

Im Januar wurden am ersten Arbeitsmarkt zahlreiche Mitarbeiter vor allem in kaufmännischen Berufen gesucht. Die freien bei der Bundesanstalt für Arbeit gemeldeten Ingenieurstellen stehen mit 11.000 an zehnter Stelle.

Untenstehende Tabelle zeigt die Top Ten der bei der Bundesanstalt für Arbeit gemeldeten, ungeförderten 353.000 Stellen. Da es in Deutschland keine Meldepflicht für offene Stellen gibt, ist dies nur ein Teilbereich des vorhandenen gesamtwirtschaftlichen Stellenangebots. Stellen über Job-Börse, Job-Roboter oder Sonstiges sind in untenstehender Tabelle daher nicht berücksichtigt.

Auffallend ist, dass vor allem Mitarbeiter gesucht werden, die kein Studium vorzuweisen haben. Einfache Tätigkeiten, wie Lager- und Transportarbeiter befinden sich an siebter Stelle. Aus der Tabelle lässt sich schließen, dass Akademiker-Stellen weniger über die Bundesanstalt für Arbeit als über Jobbörsen, Initiativbewerbungen oder Online-Jobangebote von Unternehmen besetzt werden oder es gibt zu wenig freie Akademikerstellen.

1. 22.000 Verkäufer, Warenkaufleute 2. 21.000 Elektriker
3. 18.000 Werbe- und Dienstleistungskaufleute
4. 18.000 Bürofachkräfte
5. 17.000 Schlosser
6. 14.000 Kellner, Gastwirte
7. 14.000 Lager- und Transportarbeiter
8. 14.000 Krankenschwestern, Sprechstundenhilfen, Masseure
9. 13.000 Kraftfahrzeugführer
10. 11.000 Ingenieure

Quelle: Bundesanstalt für Arbeit
(iw)


InWaChRo-News: Samstag, 02.02.08

NSN: Kein Übergangsmandat für Betriebsrat Mch P
Zu unserem Artikel vom 27.01.08 „NSN: ‚Beratervertrag’ für Betriebsrat Mch P?“ erreichte uns die Anfrage, ob der Betriebsrat Mch P nach der Betriebsschließung ein Übergangsmandat hätte.

§21a II BetrVG sagt: "Werden Betriebe oder Betriebsteile zu einem Betrieb zusammengefasst, so nimmt der Betriebsrat des nach der Zahl der wahlberechtigten Arbeitnehmer größten Betriebs oder Betriebsteils das Übergangsmandat wahr."

Nach den offiziellen Zahlen der Geschäftsleitung vom November 2007 hat der Betrieb Mch M 2.722 Mitarbeiter, der Betrieb Mch P 1.207 Mitarbeiter. Da der Betrieb Mch M eindeutig der größere Betrieb ist, ist das Übergangsmandat vom Betriebsrat Mch M wahrzunehmen.

Nach §21b BetrVG bleibt der Betriebsrat Mch P noch so lange im Amt, bis die Betriebsschließung in Mch P endgültig vollzogen ist und verliert dann sein Mandat.

Die von der Betriebsleitung angebotene Beratungstätigkeit des Betriebsrats Mch P in der Martinstraße ist völlig überflüssig, denn niemand kann den IG Metall-Mitgliedern des BR Mch M verwehren, sich im Rahmen ihres gewerkschaftlichen Gremiums Vertrauenskörper (VK) mit den ehemaligen BR-Mitgliedern des Betriebs Mch P zu beraten. Gleiches gilt für Betriebsräte anderer Listen. Man könnte also die gleiche Beratertätigkeit erreichen, ohne den Arbeitgeber in Anspruch nehmen zu müssen.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Samstag, 02.02.08

TCS: Übernahme von T-Systems SI durch TCS?
Der indische IT-Dienstleister Tata Consultancy Services (TCS) will Gerüchten zufolge die Sparte Systems Integration (SI) von T-Systems übernehmen. Entsprechende Verhandlungen sollen bereits weit fortgeschritten sein, es gehe nur noch um letzte juristische Details. Die Deutsche Telekom wollte die Medienberichte nicht kommentieren. Bei T-Systems ist derzeit die gesamte Pressestelle nicht zu erreichen, meldete computerwoche.de. Auch TCS gab bislang keine Stellungnahme ab.

T-Systems SI beschäftigt rund 15.000 Softwareentwickler und Techniker, die meisten davon in Deutschland. Bei der Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens würden 1000 bis 2000 Arbeitsplätze nach Indien verlagert, heißt es aus unternehmensnahen Kreisen. Dies entspricht einem Stellenabbau bei SI in der üblichen Höhe von 7 – 13 Prozent. Darüber hinaus will die Telekom neue Stellen für Programmierer in Indien schaffen. Derzeit sind dort rund 2500 Entwickler für T-System tätig.
(cr)




Autoren: Inken Wanzek, Christine Rosenboom
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