Artikel: Juli 2008



InWaChRo-News: Donnerstag, 31.07.08

SEN: Gores Group will SEN binnen kurzem profitabel machen
Liest man die Pressemeldungen, zitiert man die Gründer von Joint Ventures, klingt alles immer rosig und eine hervorragende Zukunft scheint bevorzustehen. Doch wird diese auch für den einzelnen Mitarbeiter so herausragend sein?

Fakt ist: Das von Siemens eingeleitete Sanierungsprogramm wird vollendet. Dies sagte der designierte SEN-Chef Stone. Damit fallen in Deutschland weitere 800 Stellen bei SEN weg, deren Abbau Siemens dem Käufer überlassen hat. Gores kündigte weiter an, der Umsatzverfall der vergangenen Jahre werde binnen eines Jahres gestoppt, SEN mit weiteren Zukäufen erweitert und binnen eines halben Jahres profitabel.

Es ist also damit zu rechnen, dass auch bei diesem Joint Venture für die Mitarbeiter ein rauer Wind wehen wird. Mit Siemens sei jedoch laut Reuters ein zweijähriges Stillhalteabkommen vereinbart, solange will Siemens Partner des Joint Ventures bleiben. Zu sagen hat Siemens jedoch nichts. Die Regie liegt bei der Gores Group und diese wird amerikanisch sein.

Die Frage der Mitarbeiter wird sein: Soll ich dem Betriebsübergang widersprechen oder nicht. Bevor wir darauf eingehen, könnt ihr euch informieren, welche Rechte ihr bei einem Betriebsübergang habt. Den Kündigungsschutz bis 30.09.2009 nehmt ihr mit.
Informationen zu Betriebsübergang
(iw)


InWaChRo-News: Donnerstag, 31.07.08

SEN: Gores Group wird die Marke Siemens weiter nutzen
Wie am Dienstag berichtet, bringt Siemens SEN in ein Joint Venture mit der Gores Group ein. Gores Group, die 1987 als Private Equitiy Firm gegründet wurde, bringt Enterasys Networks und SER Solutions mit in das Joint Venture ein. Enterasys ist ein "Network equipement and security solutions provider" und SER Solutions ist ein Callcenter-Software-Unternehmen. "Dank der drei Unternehmen, die wir in das Joint Venture einbringen, sind wir in der Lage, den Vertrieb von SEN sowie seinen globalen Wirkungskreis auszubauen und von einer breiteren Kundenbasis zu profitieren", sagte Alec Gores, Gründer und CEO der Gores Group.

Siemens möchte sich offensichtlich nach zwei Jahren aus dem Joint Venture zurückziehen. Es sei laut Reuters ein zweijähriges Stillhalteabkommen geschlossen worden.

Mit 51 Prozent hält die Gores Group die Mehrheit und bestimmt damit die Ausrichtung des neuen Konzerns. Das Gemeinschaftsunternehmen wird die Marke Siemens weiter nutzen. Das Joint Venture wird auch über wichtige Patente und Lizenzen von SEN verfügen und die Produktionsstätten in Leipzig, Curitiba in Brasilien und Thessaloniki in Griechenland übernehmen. Siemens betonte, Curitiba sei ein wichtiger Standort. Für Thessaloniki würden verschiedene Optionen geprüft, während für Leipzig die bis 2011 vereinbarte Standortgarantie gelte.

SEN wird weiterhin bevorzugter Zulieferer für Siemens bleiben und mit Siemens bei Kundenprojekten zusammenarbeiten. Die neuen innovativen Produkte wie OpenScape UC Server bleiben integraler Bestandteil des Portfolios. Siemens und Gores sind übereingekommen, dass SEN die OpenPath Migrationsstrategien für bestehende Produktfamilien anbieten wird, um einen reibungslosen Übergang zu den neuen gemeinsamen Kommunikationslösungen zu ermöglichen. Support und Upgrades für SEN Produkte, insbesondere HiPath 3000 und HiPath 4000 wird langfristig weitergeführt.
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 29.07.08

SEN an den US Investor Gores Group verkauft
Die Katze ist jetzt aus dem Sack. Nach zweijähriger Suche nach einem Käufer hat Siemens SEN an den US-Investor Gores Group verkauft. Gores Group hält 51 Prozent der Anteile von SEN, Siemens 49 Prozent. Damit liegt in diesem Joint Venture die operative Führung bei den Amerikanern, die ihre Töchter Enterasys und SER Solutions einbringen. Siemens möchte sich jedoch, laut Finanzchef Joe Kaeser, auf längere Sicht aus dem Gemeinschaftsunternehmen zurückziehen.

Beide Partner werden 175 Millionen Euro in das Gemeinschaftsunternehmen einbringen. Darüber hinaus möchte Siemens SEN schuldenfrei übergeben, was für Siemens einen Verlust im hohen dreistelligen Millionenbereich bedeuten könnte.

Bis Ende September soll das Geschäft vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden abgeschlossen sein.
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 29.07.08

Siemens fordert Schadensersatz von ehemaligem Zentralvorstand
Das Unternehmen gab gestern bekannt, dass gegen elf Mitglieder des ehemaligen Zentralvorstandes, darunter auch Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld, Schadensersatzforderungen erhoben werden. Der Aufsichtsrat hat gestern auf seiner Sitzung einen entsprechenden Beschluss gefasst. Die Vorstände hätten ihre Organisations- und Aufsichtspflichten verletzt und seien den Hinweisen auf die schwarzen Kassen nicht entschieden genug nachgegangen.

Die Ansprüche richten sich gegen Johannes Feldmayer, Thomas Ganswindt, Klaus Kleinfeld, Edward G. Krubasik, Rudi Lamprecht, Heinz-Joachim Neubürger, Heinrich v. Pierer, Jürgen Radomski, Uriel Sharef und Klaus Wucherer. Johannes Feldmayer und Günter Wilhelm sollen darüber hinaus auf Schadensersatz verklagt werden, die durch die Zahlungen an Wilhelm Schelsky oder an dessen Firmen entstanden sind. Den Ex-Managern drohen Millionenstrafen. Die genannten ehemaligen elf Mitglieder des Zentralvorstands werden Gelegenheit erhalten, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, bevor Schadenersatzklagen erhoben werden, so Siemens.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" wollen sich die ehemaligen Siemens-Zentralvorstände gegen etwaige Forderungen zur Wehr setzen, wie ihre Anwälte angekündigt hätten.

Aktionärsschützer äußern sich zufrieden über die Schadenersatzklagen. "Solche Klagen wie auch die Siemens- Affäre insgesamt haben eine Signalwirkung für die deutsche Wirtschaft", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) dem "Tagesspiegel". Der Fall zeige, was korrupte Manager in deutschen Unternehmen in Zukunft zu erwarten hätten.
(iw)


InWaChRo-News: Montag, 28.07.08

Siemens: Erstes Urteil in Korruptionsaffäre
Das Urteil gegen den Ex-Siemens Manager Reinhard S. wurde heute gesprochen. Als "Herr der schwarzen Kassen" bezeichnete ihn die Staatsanwältin in seinem Prozess. Das Landgericht München sah in Reinhard S. keinen Drahtzieher, sondern eine Art Buchalter der versteckten Konten. Reinhard S. übergab den Staatsanwälten kofferweise brisantes Material. Da mit seiner Hilfe die Aufklärung des größten Schmiergeld-Skandals der deutschen Wirtschaftsgeschichte möglich geworden ist, fiel das Urteil relativ mild aus. Er wurde zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt - und zu 108.000 Euro Geldstrafe. Reinhard S. hat durch die Abfindungen bei Siemens rund 900.000 Euro Vermögen.

Reinhard S. wird in weiteren Prozessen als Kronzeuge aussagen. Er hatte Aktenkopien über die dubiosen Zahlungen in einem Liechtensteiner Schließfach aufbewahrt. "Das war meine Lebensversicherung", sagte er.
(iw)


InWaChRo-News: Sonntag, 27.07.08

Siemens AUB Affäre: Weiteres ehemaliges Vorstandsmitglied unter Verdacht
In der Affäre um die Unterstützung der AUB durch Siemens verdächtigt die Staatsanwaltschaft, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, ein weiteres ehemaliges Vorstandsmitglied der Siemens AG. Der heute 72-jährige Günter Wilhelm soll seinen Managerkollegen Johannes Feldmayer aufgefordert haben, einen neuen Vertrag mit dem damaligen AUB-Vorsitzenden Wilhelm Schelsky zu vereinbaren. Feldmayer soll den Ermittlern zufolge ausgesagt haben, Günter Wilhelm habe ihn im Herbst 2000 mit diesem Ansinnen angerufen. Feldmayer habe daraufhin einen neuen Vertrag mit Schelsky unterzeichnet, die zu weiteren Zahlungen in Millionenhöhe geführt haben.

Feldmayer und Schelsky müssen sich voraussichtlich im Herbst vor dem Landgericht Nürnberg wegen Steuerhinterziehung oder Untreue verantworten. Schelsky hat den Ermittlern zufolge von Januar 2001 an pro Quartal 500.000 Euro erhalten. Insgesamt sind gut 50. Mio. von Siemens an Schelsky geflossen. Feldmayer habe, so die Justiz, die Rechnungen von Schelsky für Schulungen und Arbeitsanalysen, die nie erbracht worden sind, unter seiner Privatadresse empfangen und sie anschließend über den Siemens-Geschäftsbereich Automation und Drives in das Buchungssystem des Konzerns eingeschleust.

Während Schelsky seit Februar 2007 in U-Haft sitzt, befinden sich die anderen rund 300 Beschuldigten in der Siemens Affäre gegen die strafrechtliche Ermittlungen laufen auf freiem Fuß, darunter sind die früheren Zentralvorstände Johannes Feldmayer, Volker Jung, Heinz-Joachim Neubürger, Thomas Ganswindt und Uriel Sharef.

Gegen Reinhard S. (57) wird am Montag das Urteil erwarten. Die Staatsanwaltschaft hatte für Reinhard S. eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren und eine Geldstrafe von 180 000 Euro gefordert. Der frühere Siemens-Manager hat sich aus Sicht der Staatsanwaltschaft in insgesamt 49 Fällen der Untreue in Mittäterschaft schuldig gemacht.
(iw)


InWaChRo-News: Mittwoch, 23.07.08

Siemens: Schnelle Einigung zwischen GBR und Siemens
Es kam wie von uns bereits am 08.07.2008 vorhergesagt. Nach dem lautstarken Protest der IG Metall erfolgte die schnelle Einigung mit dem üblichen Ergebnis Aufhebungsvertrag, Beschäftigungsgesellschaft und Altersteilzeit - betriebsbedingte Kündigungen sind wie immer ausgeschlossen. Die Abbauzahlen (5.250 in Deutschland) dagegen werden wie immer selbstverständlich akzeptiert.

Es ist gerade mal zwei Wochen her, dass die IG Metall in der öffentlichen Auseinandersetzung um den Stellenabbau bei Siemens harte und langwierige Verhandlungen ankündigte. Sie werde nicht innerhalb weniger Wochen Entscheidungen treffen, nachdem der Konzern mit einem Stab von 300 Mitarbeitern ein halbes Jahr an der Ausarbeitung des Sparprogramms gearbeitet habe, erklärte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer damals. Die IG Metall kündigte an, die Zahl der zu streichenden Arbeitsplätze reduzieren zu wollen. Weiter wolle sie die Zusage des Konzerns, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde, einfordern. Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrat Ralf Heckmann spielte mit den Muskeln: "Die Stimmung ist sehr angespannt" und "Ein Arbeitskampf ist möglich".

Weder waren die Verhandlungen hart noch langwierig, noch wurde die Zahl der abzubauenden Mitarbeiter auch nur um einen reduziert.

Das ganze wirkt wie ein schlecht inszeniertes Theaterstück.

Jetzt sagt IG-Metall-Chef Berthold Huber: "Mit der Zusicherung, dass der Konzernumbau ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgt, kommt Siemens der wichtigsten Forderung der IG Metall nach" Jeder weiß inzwischen, dass Siemens seit 2003 nicht mehr betriebsbedingt gekündigt hat. Grund hierfür ist: Rechtswirksame Kündigungen nach dem Kündigungsschutzgesetz würde Siemens zwingen, eine korrekte Sozialauswahl durchzuführen. Dies würde bedeuten, dass jüngere Mitarbeiter, die der Konzern halten möchte, gekündigt werden müssten und auch hier die Familienverhältnisse berücksichtigt werden müssten. Jüngere Mitarbeiter könnten wohl relativ leicht bei Konkurrenzunternehmen eine neue Anstellung finden.

Siemens will zwar auf Standortschließungen verzichten - auch in der Verkehrstechniksparte Mobility - aber auch das ist nicht wirklich was Neues. Wie üblich fehlt auch hier der Weichmacher nicht: Bei sehr kleinen Niederlassungen könne es allerdings "zu Anpassungen kommen", hieß es bei Siemens.

Von den Plänen, die Tochter Industriemontagesparte SIMS mit ihren 1.200 Mitarbeitern in Deutschland zu verkaufen, nahm die Konzernführung Abstand. Wahrscheinlich hat Siemens dafür derzeit einfach keinen Käufer.

Im Gegenzug für das von Siemens Gewünschte sicherten die Arbeitnehmervertreter bis August wie vom Konzern erbeten eine schnelle Einigung beim Interessenausgleich und dem Sozialplan zu. Dann könnte Siemens noch in diesem Geschäftsjahr - also bis Ende September - die Kosten für das Abbauprogramm verbuchen.

Toll!
(iw/cr)


InWaChRo-News: Montag, 21.07.08

NSN: Entwicklung Mitarbeiterzahl incl. Ausgliederungen
Wie gestern berichtet hat NSN in Deutschland 2.290 Stellen über beE, Aufhebungsverträge und ATZ abgebaut. Per Ausgliederung zu IBM sind weitere 137 Mitarbeiter, zu TATA 87 Mitarbeiter und zu SGS 66 Mitarbeiter abgebaut worden. Mit diesen Ausgliederungen entfielen also von den 6.000 "weltweit" abgebauten Stellen 2.580 (43 Prozent) auf Deutschland.

Die abgebauten Arbeitsplätze sind in gleicher Zahl woanders wieder aufgebaut worden, etwa 2.000 davon durch die Eingliederung der VTS in Deutschland. Die restlichen 4.000 Arbeitsplätze wurden in Niedriglohnländer verlagert. Diese Mitarbeiter haben noch Kündigungsschutz bis Ende 2008. Danach wird auch in der VTS ein Personalabbau anstehen. Bereits beim Übergang wurden Restrukturierungskosten für den Abbau 1.400 Mitarbeitern vorgesehen.
(cr)


InWaChRo-News: Montag, 21.07.08

Siemens: Belegschaftsaktionäre starten Umfrage zu Siemens Politik
Die Belegschaftsaktionäre haben auf ihrer Homepage eine Umfrage zum Kurs der Unternehmenspolitik bei Siemens gestartet. Wer mitmachen will:
http://www.unsereaktien.de/umfrage3.htm
(iw)


InWaChRo-News: Sonntag, 20.07.08

NSN: Entwicklung Mitarbeiterzahl
Als Nokia Siemens Networks am 01.04.2007, also vor etwa einem Jahr startete, beschäftigte dieser Konzern weltweit etwa 60.000 Mitarbeiter. Bei All-Hands-Meeting am Freitag berichtete Simon Beresford-Wylie, dass bereits 6.000 Arbeitsplätze abgebaut worden seien.

Ein Blick auf die von Nokia veröffentlichten Q2-Quartalszahlen zeigt jedoch, dass Nokia Siemens Networks heute nicht 54.000, sondern 60.039 Mitarbeiter hat (Stand: 30.06.2008). Die abgebauten Arbeitsplätze sind folglich in gleicher Zahl woanders wieder aufgebaut worden. Nokia Siemens Networks hat also keinen weltweiten Personalabbau um 10-15 Prozent vorgenommen, sondern lediglich die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Niedriglohnländer fortgesetzt.



Einen kurzen Szenenapplaus bekam Beresford-Wylie für die Aussage, dass NSN nicht alles nach China und Indien verlagern wolle, sondern auch in Zukunft in Deutschland und Finnland stark vertreten sein wolle.

Wir finden jedoch erwähnenswert, dass von den 6.000 "weltweit" abgebauten Stellen 2.290, also 38,2 Prozent in Deutschland abgebaut wurden und zwar in einem wesentlich kürzeren Zeitraum als geplant - die Ausgliederungen zu IBM, TATA und SGS sind dabei noch nicht einmal mitgerechnet.

Auf Nachfrage erklärte er, der Personalabbau in Deutschland sei abgeschlossen, da dies jedoch bereits im Mai über das Intranet kommuniziert worden sei, wäre das keine Neuigkeit und daher habe er dies nicht erwähnt.

Auf eine weitere Frage hin ließ Beresford-Wylie dann jedoch die Katze aus dem Sack - es sollen weltweit weitere 3.000 Arbeitsplätze entfallen. Bosco Novak erklärte mit vielen Worten eigentlich nichts - wo diese Arbeitsplätze entfallen sollen hänge beispielsweise davon ab, wo welche Kunden welche Produkte nachfragten, andererseits seien in Deutschland und Finnland die meisten Mitarbeiter beschäftigt. Dies lässt nichts Gutes ahnen.

Wir erinnern uns, Anfang Februar hatte Simon Beresford-Wylie auf dem All-Hands-Meeting in der Münchner Martinstraße noch gesagt: Der vereinbarte Abbau in Deutschland sei zu 90 Prozent erreicht und werde auch zu Ende gebracht. Es gäbe aber keine weiteren Ausgliederungspläne und keinen Plan B für weiteren Personalabbau. Dafür stehe er mit seinem Ehrenwort. Rechtlich verbindliche Aussagen könne er natürlich nicht treffen. Bei völlig unerwarteten Ereignissen hätte ganz NSN ein Problem, dann läge der Fokus jedoch nicht auf Deutschland.

Der Wirtschaftswoche gegenüber hatte Beresford-Wylie im Februar sogar einen Stellenaufbau in Deutschland nicht ausgeschlossen: "Vier große Netzbetreiber in Deutschland zählen bereits zu unseren Kunden", sagte er damals. "Wenn weitere Netzbetreiber Teile ihres Geschäfts zu uns auslagern, könnte die Zahl der Mitarbeiter sogar wieder steigen."

Da der Stellenabbau in Deutschland inzwischen offiziell abgeschlossen ist - die Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG hat mittlerweise einschließlich der Ex-Nokia-Mitarbeiter etwa 12.000 Mitarbeiter - nehmen wir Beresford-Wylie bei seinem Ehrenwort und erwarten, dass es auch weiterhin keinen Plan B für zusätzlichen Personalabbau in Deutschland gibt. Wir sehen keine "unerwarteten Ereignisse", mit denen ganz NSN ein Problem hat. Wir sind der Meinung, unser Anteil am "weltweiten" Personalabbau ist bereits übererfüllt. Der Fokus muss nun woanders liegen.

Ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland und eine deutliche Botschaft Beresford-Wylies "Nein, es wird vorläufig keinen weiteren Personalabbau geben" wäre angebracht gewesen und hätte zur Verbesserung der Stimmung in der Belegschaft und zur Motivation der Mitarbeiter sicherlich beigetragen. Leider hat das Management hier wieder eine Chance verpasst.
(cr)


InWaChRo-News: Sonntag, 20.07.08

NSN: Geschäftszahlen
Nokia gab am 17.07.2008 die Geschäftszahlen des zweiten Quartals 2008 bekannt. Hier die Zahlen im Überblick in einer Tabelle zusammengefasst:

Nokia Siemens Networks

Q2 2007

Q3 2007

Q4 2007

Q1 2008

Q2 2008

 

 

 

 

 

 

Net sales

3.438

3.674

4.583

3.401

4.067

Gross profit

534

1.038

1.361

958

1.146

Gross margin, %

16

28

30

28

28,2

Research and development expenses

-986

-686

-790

-607

-653

% of net sales

28,7

18,7

17,2

17,8

16,1

Selling and marketing expenses

-499

-352

-412

-338

-359

% of net sales

14,5

9,6

9,0

9,9

8,8

Administrative and general expenses

-285

-146

-196

-154

-188

% of net sales

8,3

4,0

4,3

4,5

4,6

Other operating income and expenses

-30

26

37

67

7

 

 

 

 

 

 

Operating profit (Ebit)

-1.266

-120

0

-74

-47

Operating margin, %

-36,8

-3,3

0,0

-2,2

-1,2



Umsatz (Net Sales):
Nokia Networks, der ausgegliederte Telekommunikationsbereich von Nokia, erzielte im Quartal vor dem Start des Joint Ventures Nokia Siemens Networks einen Umsatz von 1.697 Mio. Euro. COM Carrier Networks hatte im Jahr 2006 einen Umsatz von 9.819 Mio. Euro, pro Quartal also etwa 2.455 Mio. Euro. Insgesamt startete also Nokia Siemens Networks mit einem Umsatz von 4.152 Mio. Euro, in der Grafik als violette Linie dargestellt.

Nachdem der Umsatz im Quartal Q2 2007 auf 3.438 Mio. Euro eingebrochen war, erzielte NSN nur in Q4 2007 einen höheren Umsatz als den Ausgangswert - trotz, oder vielleicht wegen Stellenabbau, Ausgliederungen und Synergieeffekten. Mit 4.067 Mio Euro hat NSN den Ausgangswert jetzt fast wieder erreicht.



Vorsteuergewinn - EBit (Operating Profit):
Im Quartal vor dem Start des Joint Ventures erzielte Nokia Networks einen operating profit von 78 Mio. Euro. Siemens wies als EBit für Com im Jahr 2006 insgesamt 283 Mio. Euro aus. Com Carrier Networks dürfte also mindestens einen EBit von 71 Mio. Euro pro Quartal gehabt haben. Leider können wir das nicht genauer feststellen. Zusammen genommen startete also Nokia Siemens Networks mit einem EBit von 149 Mio. Euro pro Quartal - die violette Linie in unserer Grafik.

Der EBit von NSN war in den vier vergangenen Quartalen immer negativ bis auf eine Ausnahme, nämlich das vierte Quartal. Aber selbst in diesem Quartal wurde kein Gewinn erzielt. Mit -47 Mio. Euro in Q2 nähert er sich zwar wieder der Nulllinie, liegt aber immer noch weit unter dem Vergleichswert von 149 Mio. Euro.



Der EBit (earnings before Interest and Taxes) ist das Ergebnis vor Steuern und Zinsen. Er wird auch als operating profit bezeichnet. Außergewöhnliche Einmalzahlungen und Zahlungen aus nicht fortgeführten Aktivitäten sind im Ebit nicht enthalten. Der Ebit wird von den Gläubigern einer Gesellschaft sehr genau beobachtet, da er ein Maß dafür ist, mit welchem Betrag die Gläubiger befriedigt werden können. Mit Sicherheit tun dies auch die Anteilseigner von NSN.

Die Zahlen, die das NSN-Management als "operating profit on a purely operating basis" bezeichnet, sehen besser aus. Danach wurden in den letzten vier Quartalen positive Ergebnisse erreicht. In den letzten drei Quartalen hätte dieses Ergebnis sogar über dem Ausgangswert von 149 Mio. Euro pro Jahr gelegen. Mit 292 Mio. Euro hätte der operating profit on a purely operating basis sogar seinen höchsten Stand seit dem Start des Joint Ventures erreicht.

Diese Zahlen können wir aber leider immer noch nicht nachvollziehen, da uns bis heute keiner erklären konnte, wie sie sich aus der offiziellen Bilanz von Nokia errechnen, wo NSN ja voll konsolidiert wird.



Ausgaben für Forschung und Entwicklung (Research and development expenses):
Immerhin sind die Ausgaben von Nokia Siemens Networks für Forschung und Entwicklung seit dem letzten Quartal wieder um 46 Mio. (7,6 Prozent) angehoben worden. Dies ist wichtig, da ein Unternehmen, das wettbewerbsfähig bleiben will, in R&D investieren muss. Nicht umsonst hat Siemens in seinem Geschäftsbericht immer die große Zahl seiner Entwickler, der Patente und die erheblichen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung hervorgehoben. Nur in der R&D entstehen die innovativen Produkte und Lösungen, die morgen auf den Markt gebracht werden und den Unternehmenserfolg für die Zukunft sicherstellen. Ein Unternehmen, das nicht mehr in R&D investiert, wird am Weltmarkt auf Dauer nicht bestehen können.


(cr)


InWaChRo-News: Samstag, 19.07.08

SEN: Neuer Trick, um Mitarbeiter loszuwerden
Geht es um Stellenabbau ist das Management überraschenderweise einfallsreich.

SEN will sich, wie bereits berichtet, von SMB trennen und SMB in ein Joint Venture einbringen. Ein Partner dafür wird gesucht. Ein möglicher Partner könnte die Firma Cancom sein. Diese arbeitet bereits als Subunternehmen für SMB und erhält Aufträge für Montage- und Servicearbeiten. Soweit nichts Neues, gewohnter Ausgliederungsalltag.

Jetzt aber erhielten überraschenderweise einige Kollegen das Angebot in die beE einzutreten und anschließend zur Fa. Cancom zu wechseln. Dort würden sie dieselbe Arbeit machen, die sie auch jetzt tun, jedoch für erheblich weniger Geld. Bisher lehnen die meisten Mitarbeiter dieses Angebot ab und das aus guten Gründen. Denn was passiert hier?

Mit dem Angebot zum Eintritt in die beE und anschließenden Wechsel zur Firma Cancom umgeht SEN (und damit Siemens) den §613a BGB. Durch den Eintritt in die beE wird der Arbeitsvertrag mit SEN gelöst, d.h. die Mitarbeiter scheiden aus SEN aus. Der Eintritt in die Fa. Cancom aus der beE ist ein individueller Wechsel von einem Arbeitgeber zu einem anderen, gleichzusetzen mit einer Eigenkündigung und einer Neueinstellung.

Bei den geübten Lesern unserer Homepage schlagen natürlich jetzt sofort alle Alarmglocken an, denn die Mitarbeiter müssen aufgrund des Konstrukts (beE -> Cancom) einen neuen Arbeitsvertrag bei Cancom unterzeichnen, d.h. die Bestimmungen des §613a BGB, die die Mitarbeiter bei Betriebsübergang schützen, gelten für sie nicht. Das bedeutet:

  1. Die Mitarbeiter, die mit diesen Versprechen in die beE wechseln, tragen das Risiko, dass der neue Arbeitsvertrag mit Cancom gar nicht zustande kommt. Selbst, wenn SEN dies absichern würde, bleiben noch genügend Risiken.
  2. Die Mitarbeiter verlieren ihren Kündigungsschutz, den sie bis 30.09.2009 bei SEN haben, denn nur bei einem Betriebsübergang nach §613a BGB nimmt der Arbeitnehmer die Bestimmungen aus Betriebsvereinbarungen mit.
  3. Die Mitarbeiter haben, wenn nicht anders vereinbart, eine Probezeit, in der sie mit einer Frist von zwei Wochen ohne Angabe von Gründen gekündigt werden können. Das Kündigungsschutzgesetz greift in der Probezeit nicht. Im Klartext: Durch diesen Deal tauschen Mitarbeiter einen Kündigungsschutz bis 30.09.2009 gegen die Möglichkeit einer sofortigen Kündigung ein.
  4. Die Mitarbeiter beginnen bei Cancom mit einer Betriebszugehörigkeit Null, d.h. ihre Aussichten im Falle von betriebsbedingten Kündigungen bei Cancom verschlechtern sich stark.
  5. Wenn Cancom nicht tarifgebunden ist, wovon auszugehen ist, gelten alle Bestimmungen aus dem IG Metall Tarifvertrag für diese Mitarbeiter nicht mehr, da kein Betriebsübergang vorliegt. D.h. beispielsweise, der tarifliche Kündigungsschutz entfällt für diese Mitarbeiter.
  6. Haben die Mitarbeiter, die über die beE zu Cancom wechseln, Jubilarschutz, dann entfällt dieser ebenfalls. Ebenso entfallen alle Bestimmungen aus Betriebsvereinbarungen für diese Mitarbeiter.
  7. Das Gehalt, Arbeitszeit, Urlaub der Mitarbeiter kann durch Cancom also problemlos neu festgelegt werden und das Gehalt wird, wie bereits angekündigt, niedriger ausfallen.
  8. Vertragliche Regelungen, wie beispielsweise Teilzeit, entfallen ebenfalls und müssen bei Cancom neu ausgehandelt werden.
Lockmittel ist wohl die Abfindung, die es in der beE gibt. Aber, wenn SMB ein Joint Venture mit Cancom anstrebt, dann ist diese Abfindung möglicherweise zurückzuzahlen bzw. man bekommt sie gar nicht, denn SMB ist dann möglicherweise mit 50 Prozent an dem Joint Venture beteiligt. Dies wird, rein zufällig natürlich, erst bekannt gegeben, wenn die Mitarbeiter in der beE sind. Viele werden dann wohl auch ohne Abfindung zu Cancom wechseln, denn sie brauchen einen Arbeitsplatz.

Fazit: Kein guter Deal für die Mitarbeiter.
(iw)


InWaChRo-News: Freitag, 18.07.08

NSN: Success4U-Tool rechnet falsch
Uns wurde berichtet, dass die Berechnung der Höhe des variablen Gehaltsbestandteils (Incentive) der außertariflichen Mitarbeiter mit dem Success4U-Tool zu einem Fehler führen kann, wenn als unterer Score-Wert nicht die Zahl 1 eingetragen wurde, sondern beispielsweise 50.

Das führt dazu, dass ein niedrigerer variabler Gehaltsbestandteil ausgezahlt wird, als dem Mitarbeiter zusteht. Ihr solltet daher vorsichtshalber die Berechnung selbst durchführen und den Anspruch auf den Differenzbetrag schriftlich geltend machen. Wer den neuen AT-Vertrag unterschrieben hat, muss dafür eine Frist von 3 Monaten einhalten.
(cr)


InWaChRo-News: Donnerstag, 17.07.08

BenQ: Siemens legt Revision beim Bundesarbeitsgericht ein
Nach der Insolvenz von BenQ Mobile widersprachen, wie wir berichteten, etliche Mitarbeiter nachträglich dem Betriebsübergang von Siemens Mobile Devices zu BenQ Mobile.

Über die Rechtmäßigkeit des Widerspruches wurde inzwischen vor dem Arbeitsgerichten (1. Instanz) und Landesarbeitsgericht (2. Instanz) entschieden. Dabei unterlag Siemens sowohl beim Arbeitsgericht Wesel als auch beim LAG Düsseldorf. Die Gerichte stellten fehlerhafte Information der 3000 Beschäftigten fest. Der nachträgliche Widerspruch der Kläger ist also rechtens.

Die Siemens AG hat nun, wie zu erwarten war, beim Bundesarbeitsgericht Revision gegen die Urteile des Landesarbeitsgericht Düsseldorf vom 29. April 2008, eingelegt.

In dem Urteil des LAG Düsseldorf heißt es:
" Die Beklagte [Siemens AG] hat jedoch in dem Informationsschreiben vom 29.08.2005 den Eindruck erweckt, dass es sich bei der BenQ Mobile ebenfalls um einen Teil eines 'weltweit führenden Anbieters von Consumer Elektronic Produkten' handelt und dass es sich um insoweit um eine Firma handelt, die zumindest auf dem asiatischen Markt 'zu den am schnellsten wachsenden Anbietern im Handysegment' handelt...

Diesem Sinn und Zweck (des §613 a Abs. 5 BGB) wird die Beklagte nicht gerecht, wenn sie in dem Informationsschreiben noch nicht einmal darauf hinweist, dass der Geschäftsbereich Mobile Devices nicht von dem Weltkonzern Siemens auf den Weltkonzern BenQ übertragen wird und damit auf die BenQ Corporation, sondern die neu gegründete BenQ Mobile mit einem Stammkapital von 50.000 €... Damit ergab sich zwar eine gesellschaftsrechtliche Verknüpfung mit der BenQ Corporation, nicht jedoch eine haftungsrechtliche Verknüpfung, was nicht zuletzt durch das Insolvenzverfahren zu Tage getreten ist. Die Beklagte wusste, dass ein Restrukturierungsaufwand für den defizitären Bereich erforderlich war und dass der Muttergesellschaft der übernehmenden BenQ Mobile ein dreistelliger Millionenbetrag als Restrukturierungshilfe zur Verfügung gestellt wurde. Damit war klar, dass es von dem Wohlwollen der Muttergesellschaft abhing, ob letztlich die neu gegründete BenQ Mobile überlebensfähig ist.

[Es ist] für einen Arbeitnehmer, der natürlich die Gesamtumstände der gesellschaftsrechtlichen und sonstigen rechtsgeschäftlichen Vereinbarungen nicht kennt, von wesentlicher Bedeutung, ob er sich weiter in einem Arbeitsverhältnis zu einem haftungsrechtlich potenten Arbeitgeber - Konzern - befindet oder zu einer ausgegliederten und neu bzw. in Gründung befindlichen potentiellen neuen Arbeitgeberin...

Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass der Verkauf des Geschäftsbereiches mit ca. 3000 Beschäftigten an eine neu gegründete und mit einem Stammkapital von 50.000 € ausgestattete Tochtergesellschaft der BenQ Corporation eines konkreten Hinweises auf die Neugründung bedurft hätte, zumal diese Firma zum Zeitpunkt des Informationsschreibens noch nicht einmal im Handelsregister eingetragen war."


Das Bundesarbeitsgericht hat der Siemens AG eine Frist bis zum 15. September 2008 eingeräumt, die Revision schriftlich zu begründen. Aktenzeichen des Revisionsverfahrens Siemens AG ./. Gerber lautet: 8 AZR 538 / 08.
(mg/iw)


InWaChRo-News: Mittwoch, 16.07.08

SEN: Stand der Abbaumaßnahmen
Am 11.07.2008 unterrichtete das SEN-Management die Mitarbeiter per E-Mail über den Stand der Restrukturierungsmaßnahmen. Im Interessenausgleich/Sozialplan war ein Abbau von 1.240 Arbeitsplätzen vereinbart worden. 467 Mitarbeiter wechselten zum 01.07.2008 in die beE, 245 unterschrieben einen Altersteilzeitvertrag und 365 Mitarbeiter verließen mit einem Aufhebungsvertrag das Unternehmen. Damit wurden bereits 1.077 (86,8 Prozent) abgebaut Der Stellenabbau ist damit zu 86,8 Prozent durchgeführt.

Die fehlenden 163 Arbeitsplätze entfallen im Wesentlichen auf das Stammhaus, also München Hofmannstraße einschließlich der R&D. Die betroffenen Mitarbeiter wurden angesprochen, haben aber keine Vereinbarung unterschrieben. Das SEN-Mangement will dieses „Nein“ offensichtlich nicht akzeptieren und die Gespräche mit den Mitarbeitern weiterführen. Dazu wird ein zweiter beE-Eintrittstermin zum 01.10.2008 angeboten.

Nach Urteil des Arbeitsgerichts Berlin (Az. 28Ga29101/03) kann der Arbeitgeber nicht unentwegt weitere Versuche unternehmen, den Kläger "nach Belieben ein ums andere Mal in die Mangel zu nehmen". Er muss seinen erklärten (Un)Willen und sein "Nein" akzeptieren. Sollten die Trennungsgespräche also überhand nehmen, könnt ihr den Arbeitgeber auf dieses Urteil hinweisen und ihn darum bitten, von wiederholten Trennungsgesprächen Abstand zu nehmen.
(cr)


InWaChRo-News: Mittwoch, 16.07.08

NSN: Siemens-interner Stellenmarkt nicht mehr zugreifbar
Mit der endgültigen Trennung vom Siemens-Intranet wurde auch der Zugang zum internen Siemens-Stellenmarkt für NSN Mitarbeiter gekappt. Laut Überleitungsvereinbarung in die Siemens Networks GmbH & Co. KG, die auch bei NSN weiter gilt, sind die NSN-Mitarbeiter für drei Jahre ab 1.10.2006 von Siemens wie interne Bewerber zu behandeln. Darüber hinaus gilt eine Dienstzeitanerkennungsvereinbarung. Dazu gehört natürlich auch, dass NSN-Mitarbeiter Zugriff auf die internen Siemens-Stellenangebote haben müssen. Wird ihnen dies verweigert, ist das ein Verstoß gegen die Überleitungsvereinbarung.
(cr)


InWaChRo-News: Samstag, 12.07.08

FSC: Abschied von Siemens?
Siemens werde, so berichtet Welt online unter Berufung auf interne Kreise, den seit 1999 bestehenden Joint-Venture-Vertrag mit dem japanischen Partner Fujitsu vorsorglich zum Herbst kündigen. Der Siemens Vorstandsvorsitzende Peter Löscher hatte sich bereits wiederholt unzufrieden über die Rendite des Gemeinschaftsunternehmens geäußert.

Fujitsu bestätigte Gespräche mit Siemens über die Zukunft des gemeinsamen Unternehmens. Weiter betonte Fujitsu kein Interesse daran zu haben, den FSC Anteil zu übernehmen. Beide Partner halten je 50 Prozent der Anteile. Sie müssen sich ihre Anteile zuerst gegenseitig anbieten. Erst nach einer Ablehnung ist ein Verkauf an Dritte möglich. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete Fujitsu Siemens bei 6,6 Mrd. Euro Umsatz einen Gewinn vor Steuern von 105 Mio. Euro. Zu wenig für Löscher.

Das Schicksal der rund 10.500 Mitarbeiter, davon 6.200 in Deutschland ist also offen. München, Augsburg und Sömmerda in Thüringen sind die größten FSC-Standorte.

Droht NSN das gleiche Schicksal, wenn der Joint Venture Vertrag zwischen Nokia und Siemens ausläuft? Parallelen sind durchaus zu sehen. Bereits jetzt wäre eine Auflösung des Vertrages möglich, wenn beide Partner einverstanden sind. Weder Nokia noch Siemens dürften mit der derzeitigen Rendite von NSN zufrieden sein.
(iw)


InWaChRo-News: Samstag, 12.07.08

NSN: Büroflächen in Düsseldorf angemietet
Am 03.07.2008 meldete das ns-presseportal, die Valad Property Group habe an die Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG (NSN) 17.000 Quadratmeter Bürofläche und 332 Parkplätze im Businesspark am Düsseldorfer Flughafen in der Heltorfer Straße 20 - 22 mit einem langfristigen Mietvertrag vermietet.

Prompt kursierten natürlich Gerüchte, die NSN-Zentrale in München solle nach Düsseldorf verlagert werden, um so den Stellenabbau zu erleichtern. Laut Betriebsrat München Martinstraße und Düsseldorf wurden tatsächlich aber nur bestehende Verträge verlängert, was der bisherige Vermieter als Erfolgsmeldung verkauft hat. Kein Grund also zur Beunruhigung.
(cr)


InWaChRo-News: Samstag, 12.07.08

NSN: Dienstreisen - bitte genehmigen lassen
Mitarbeiter gehen immer wieder auf Dienstreise, ohne vorher eine Genehmigung dazu eingeholt zu haben. Dies mag in vielen Abteilungen, insbesondere im Vertrieb, früher bei Siemens üblich gewesen sein, heute ist dies bei NSN nicht mehr üblich. Man kann daraus kein Gewohnheitsrecht ableiten.

Es gab bei NSN wegen nicht genehmigter Dienstreisen bereits Abmahnungen und verhaltensbedingte Kündigungen.

Der Antritt einer ungenehmigten Dienstreise erfolgt oft dann, wenn die Unterschrift des zuständigen und unterschriftberechtigten Vorgesetzten nicht rechtzeitig vorliegt. "Das geht schon in Ordnung, du kannst auch so fahren", beispielsweise gesagt von einem mitreisenden Kollegen oder Projektleiter, genügt nicht. "Wenn ich jetzt nicht fahre, verzögert sich das Projekt oder der Auftrag platzt und ich kann meine Zielvereinbarung nicht erfüllen", nervös in der Arbeitshektik gesagt, gilt rechtlich gesehen auch nicht als Entschuldigung. Es genügt auch nicht, dem Vorgesetzten eine E-Mail zu schreiben: "Morgen bin ich in Lissabon, weil der Kunde Probleme hat.", ohne die Antwort abzuwarten. Es gilt die entsprechenden Antragsformulare auszufüllen und unterschreiben zu lassen.

Die Lage ist eindeutig: Wenn keine Genehmigung vorliegt (aus welchen Gründen auch immer), wird nicht verreist. Notfalls platzt dann die Dienstreise. Dies liegt im Verantwortungsbereich des Vorgesetzten. Besser die Dienstreise platzt als euer Arbeitsverhältnis. Also achtet darauf, dass alles korrekt abgewickelt wird.

Selbstverständlich sollte auch die Abrechnung einer Dienstreise korrekt sein. Auch hier kann es zu Problemen kommen, wenn der Arbeitgeber der Meinung ist, dass hier vorsätzlich falsch abgerechnet wurde. Also lieber zweimal hinschauen, als einmal falsch machen.

Auch Siemens Mitarbeiter sollten, insbesondere da jetzt bei ihnen Stellenabbau ansteht, keine Dienstreise ohne Genehmigung antreten.

Rechtlich gesehen, ist der Antritt einer nicht genehmigten Dienstreise, unerlaubtes Fernbleiben vom Arbeitsplatz und damit ein gravierender Verstoß gegen den Arbeitsvertrag. Die Abrechnung einer solchen nicht genehmigten Dienstreise ist Betrug. Beides sind Gründe für eine fristlose Kündigung, der jedoch nach Rechtssprechung eine Abmahnung vorausgehen muss. Der Arbeitgeber kann mit dem Vorfall, der der Abmahnung zugrunde liegt, nicht mehr kündigen. Er kann erst dann kündigen, wenn der Arbeitnehmer ein zweites Mal, eine unerlaubte Dienstreise antritt oder falsch abrechnet.

Die Folgen einer verhaltensbedingten (fristlosen) Kündigung sind: Im Arbeitszeugnis steht ein Vermerk, was das Suchen einer neuen Stelle extrem erschwert. Die Agentur für Arbeit verhängt automatisch eine dreimonatige Sperre. Bei einer fristlosen Kündigung bedeutet dies: von heute auf morgen kein Geld mehr zu haben. Wer also beabsichtigt, ungenehmigte Dienstreisen anzutreten, sollte rechtzeitig Geld auf die Seite legen. Der Dank eurer Firma für übereifrigen Einsatz ist euch nicht gewiss.
(iw)


InWaChRo-News: Samstag, 12.07.08

NSN: How to live NSN values in Germany?
Am 1. Juli trafen sich neun Kollegen aus Deutschland, darunter auch Christine Rosenboom, in der Martinstraße mit unserer Geschäftsführerin Lydia Sommer zu einem Values-Workshop. Offizielles Ziel des Workshops war es, praktische Wege zu finden, wie wir die NSN-Values in Deutschland leben können.

Im Grunde ist es dem Management spätestens seit der Auswertung des Global Employee Engagement Survey klar, dass der Personalabbau der vergangenen Jahre seinen Tribut gezollt hat. Das Betriebsklima und die Motivation der Mitarbeiter sind auf dem Nullpunkt angelangt. Das Gefühl, dass Ex-Com Deutschland der unerwünschte Teil von NSN ist, dass die Worte „unsere Zukunft“ oder „win together“ uns nicht mit einschließen, ist weit verbreitet. Solange keine Perspektive für unsere Zukunft bei NSN zu erkennen ist, bangen die deutschen Kollegen um ihre Existenzgrundlage „Arbeitsplatz“. Man muss kein Psychologe sein, um zu erkennen, dass Menschen in einer solchen Lage für „values“ nicht empfänglich sind.

Wenn NSN in Deutschland eine Zukunft haben soll, dann braucht das Unternehmen motivierte Mitarbeiter und ein besseres Betriebsklima. Das NSN-Management hat möglicherweise jetzt erkannt, dass es halt doch nicht ganz ohne uns geht. Durch diese neue Values-Initiative soll nun ein Versuch gestartet werden, eine Verbesserung der allgemeinen Stimmung in den deutschen Betrieben zu erreichen.

Sollte das Management es ehrlich meinen, dann hat man hier eine Chance, eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und des Klimas zu erreichen. Darum ist es wichtig, hier Einfluss zu nehmen. Schlimmstenfalls kommt bei dieser Aktion nichts heraus. Dann war es eben Zeitverschwendung. Man sollte diese Chance, eine Änderung zu erreichen, aber nicht ungenutzt vorbeigehen lassen. Vielleicht ist dies ein erster Schritt zu einem vernünftigeren Arbeitsklima, und man kann auf diesem Weg den Kollegen Ruhe und eine Erholungsphase verschaffen, die sie nach den Belastungen der vergangenen Jahre dringend brauchen. Und vielleicht ist es auch möglich, einige der unerträglichen Kleinigkeiten, die uns das Leben schwer machen, zu beseitigen. Falls ihr Ideen oder Vorschläge habt, solltet ihr sie einbringen.
(cr)


InWaChRo-News: Mittwoch, 09.07.08

Siemens: Muskelspiel
Die öffentliche Auseinandersetzung um den Stellenabbau bei Siemens geht weiter. Die IG Metall hat harte und langwierige Verhandlungen angekündigt. Sie werde nicht innerhalb weniger Wochen Entscheidungen treffen, nachdem der Konzern mit einem Stab von 300 Mitarbeitern ein halbes Jahr an der Ausarbeitung des Sparprogramms gearbeitet habe, erklärte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer heute. Die IG Metall kündigte an, die Zahl der zu streichenden Arbeitsplätze reduzieren zu wollen. Weiter wolle sie die Zusage des Konzerns, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde, einfordern.

Anzumerken sei hier, dass Siemens und Nachfolgeunternehmen seit 2003 jeden Stellenabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen abgewickelt haben. Siemens kann sich - angesichts der Skandale, von denen der Konzern zurzeit erschüttert ist - keine weiteren Rechtsverstöße leisten. Kündigungen nach Gutsherrenart würden hierzu zählen. Siemens müsste dann ähnlich wie 2003 mit einer Prozessflut gegen die betriebsbedingten Kündigungen rechnen.

Rechtswirksame Kündigungen nach dem Kündigungsschutzgesetz würde Siemens aber zwingen, eine korrekte Sozialauswahl durchzuführen. Dies würde bedeuten, dass jüngere Mitarbeiter, die der Konzern halten möchte, gekündigt werden müssten und auch hier die Familienverhältnisse berücksichtigt werden müssten. Jüngere Mitarbeiter könnten wohl relativ leicht bei Konkurrenzunternehmen eine neue Anstellung finden.

Wenn der IG Metall-geführte Gesamtbetriebsrat Siemens hier nicht mit Auswahlrichtlinien unterstützt, in denen Alterscluster vereinbart werden und die Mitarbeiter in den Betrieben entsprechend über ihre Rechte, Chancen und Risiken in einem Kündigungsschutzprozess aufklärt, dürfte Siemens kein Interesse an betriebsbedingten Kündigungen haben. Leider erfolgt eine solche Aufklärung durch die Arbeitnehmervertreter in den Betrieben vor und während der Umsetzung der Restrukturierung kaum.

Auch bei Auswahlrichtlinien müssen nach BAG-Rechtssprechung die sozialen Kriterien ausreichend berücksichtigt werden. Auswahlrichtlinien und das sei an dieser Stelle deutlich betont, können in einem Interessenausgleich/Sozialplan nicht ohne Zustimmung des Betriebsrats vereinbart werden. Sie können, da sie stets Teil eines Interessenausgleich sind, auch nicht über eine Einigungsstelle erzwungen werden. Hier kann die IG Metall ihre Standhaftigkeit ganz konkret beweisen.

Das Arbeitnehmerlager wäre hier also in der Lage selbst Druck auf Siemens aufzubauen. 2003 bewiesen cirka 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Siemens, dass Kündigungen nach Gutsherrenart kein Verständnis beim Arbeitsgericht finden. Die Mitarbeiter gewannen ihre Gerichtsprozesse in erster und zweiter Instanz gegen den Weltkonzern Siemens und sind wieder integriert worden.

Siemens dagegen drängt auf zügige Verhandlungen über die geplante Streichung von 5.250 Stellen in Deutschland. Dabei gibt sich Personalchef Siegfried Russwurm sozial. Er wolle die Zeit der Unsicherheit für die Mitarbeiter so kurz wie möglich halten, erklärte er am Dienstag. Die Wahrheit dürfte sein, dass Siemens den Großteil der Abfindungskosten noch bis Ende September im ohnehin von zahlreichen Sondergewinnen und -verlusten verzerrten Geschäftsjahr 2007/08 verbuchen möchte und so schnell wie möglich wieder Ruhe in den Betrieben bekommen möchte.

Man darf also gespannt sein, ob die IG Metall wirklich an einem Widerstand interessiert ist, oder am Ende wieder das Übliche herauskommt.
(iw)


InWaChRo-News: Mittwoch, 09.07.08

Siemens: Bundeswirtschaftsministerium zeigt sich uninteressiert
Das Bundeswirtschaftsministerium kommentiert den Stellenabbau bei Siemens nüchtern. Es sei eine Unternehmensentscheidung - was, das sei hier gesagt, niemand bezweifelt. Die Regierung - so folgt zaghaft - werde aber wahrscheinlich mit Siemens den Arbeitsplatzabbau besprechen, sagte Beatrix Brodkorb, Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums heute zu Dow Jones Newswires. Auf die Frage, ob Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) plane mit dem Siemens Vorstandsvorsitzenden Peter Löscher über den Arbeitsplatzabbau zu sprechen, sagte sie: "Ich kann nicht sagen, ob es Gespräche zwischen den beiden geben wird. Es gibt immer Gespräche auf einer niedrigeren Stufe".

Das Volk weiß Bescheid. Eine Kommentierung erübrigt sich.

Die Arbeitnehmer wollen mehr als sozialverträgliche Lösungen, umgesetzt mit psychischen Druck. Sie wollen wieder Sicherheit. Und hier sind Gewerkschaften und Politik gleichermaßen gefordert. Der sozialen Verantwortung gerecht zu werden, beginnt nicht damit, einen Schulterschluss mit den Unternehmen zu machen, sondern klar und deutlich aufzuzeigen, dass Profit nicht über den sozialen Frieden in einem Land gehen darf. Man hat nicht den Eindruck, dass dies ernsthaft diskutiert wird. Will sich die Politik im sozialen Bereich genauso verhalten wie im Umweltschutz? Vielleicht sollte man den Politikern mal ein Geschichtsbuch schenken, damit sie nachlesen können, wohin soziales Ungleichgewicht regelmäßig in der Geschichte geführt hat.
(iw)


InWaChRo-News: Mittwoch, 09.07.08

Siemens: Betriebsschließungen bei Mobility nicht ausgeschlossen
Wie bereits gestern berichtet, sollen in der Verkehrstechniksparte Mobility 2.500 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren. Immer wieder hatte es beispielsweise mit der Straßenbahn Combino Probleme gegeben. "Aus einer Reihe von Einzelfällen hat sich letztlich eine strukturelle Schwäche herauskristallisiert", sagte Löscher. Löscher betonte, dass ein Verkauf der Sparte nicht geplant sei, die Schließung einzelner Standorte schloss Personalchef Siegfried Russwurm jedoch nicht aus.
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 08.07.08

Siemens: Löscher konkretisiert Stellenabbau
Der Siemens Vorstandsvorsitzende Peter Löscher konkretisierte die massiven Stellenabbaupläne des Konzerns. Insgesamt will Siemens fast 17 000 Arbeitsplätze abbauen, davon mehr als 5000 in Deutschland. Der Abbau betrifft die Siemens Sektoren Industry Sektor, Energy Sektor und Healthcare gleichermaßen. Siemens beschäftigt zurzeit etwa weltweit 400.000 Mitarbeiter

Wie bereits angekündigt werden in Vertrieb und Verwaltung (SG&A) mit 12.000 die meisten Arbeitsplätze abgebaut. Die SG&A Kosten sollen bis 2010 um 10 % oder um 1,2 Mrd. Euro sinken. In nicht näher definierten Restrukturierungsprojekten sollen 4150 Arbeitsplätze entfallen. Darüber hinaus will Siemens die Kosten für Berater bis 2010 um rund 300 Mio EUR und die IT-Ausgabe um rund 300 Mio EUR senken.

Der Siemens Gesamtbetriebsrat wird am 22. oder 23. Juli in seiner nächsten Sitzung über die Abbaupläne bei Siemens beraten. An dieser Sitzung soll Personalvorstand Siegfried Russwurm teilnehmen. Hier wird wohl auch diskutiert werden, dass nicht wie von Siemens ursprünglich angekündigt, überwiegend "das mittlere und obere Management" betroffen sein wird. Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG Metall Bayern sagte in einer Stellungnahme, dass rund 75 Prozent der betroffenen Mitarbeiter unter den Tarifvertrag der IG Metall fallen.

Städte Abbauzahlen
Berlin 350
Erlangen 1350
München 1000
Nürnberg 550

Sektor Abbauzahlen  
Industry Sektor,
Division Mobility
3.950 weltweit
2.500 in Europa
700 in Vertrieb und Verwaltung
1.800 in Engineering und Fertigung
Energy Sektor 3.950 weltweit 3.950 in Vertrieb und Verwaltung
Healthcare Sektor 2.800 weltweit 1.550 in Vertrieb und Verwaltung
1.250 in Divisionen Imaging & IT sowie Workflow & Solutions

(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 08.07.08

Siemens: Verkauf von Segment Industrie Montage Services (SIMS)
Die Dienstleistungstochter Segment Industrie Montage Services (SIMS), in der überwiegend Monteure und Servicemitarbeiter beschäftigt sind, soll verkauft werden. Nach Aussage von Personalvorstand Siegfried Russwurm wird jetzt mit der Suche eines Käufers begonnen.

SIMS beschäftigt rund 1.200 Mitarbeiter an 35 Standorten in Deutschland. SIMS plant den Einsatz der elektrotechnischen Siemens-Produkte und Systeme bei Industrieprojekten, setzt sie in Betrieb setzen und führt Reparatur- und Wartungsarbeiten durch.
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 08.07.08

Siemens: Austauschbare Worte
Die Worte der Manager sind austauschbar. Ich habe überlegt zu schreiben, erstaunlich austauschbar, aber, wenn ich ehrlich bin, dann erstaunt mich dies nicht. Das Management in Deutschland und vielleicht auch anderswo ist einfallslos, deshalb sind Manager wohl gezwungen seit Jahr und Tag den gleichen Stiefel zu fahren. Das wäre an sich nicht so schlimm, wenn diese Einfallslosigkeit nicht stets Tausenden von Menschen ihre finanzielle Existenzgrundlage wegreißen würde.

So begründet auch der Siemens Vorstandsvorsitzende Peter Löscher in München den neusten Stellenabbau bei Siemens mit der üblichen Argumentation "Eine besondere Dringlichkeit gewinnen diese Maßnahmen vor dem Hintergrund einer sich eintrübenden Weltkonjunktur, was wiederum zu einer deutlichen Verschärfung des Wettbewerbs führen wird" und so Siemens weiter: In Folge der Neuaufstellung seien "intern viele Synergien" zu heben. Vielleicht hätte man sagen können, aber das wollte man wohl nicht, dass die Kosten für die Aufarbeitung der Schmiergeldaffäre doch ganz schon ins Geld gehen und man (auch) deshalb sparen müssen. Es wäre zumindest mal was Neues gewesen.

Dann folgt, wie sollte es anders sein: Siemens will den Stellenabbau so "sozialverträglich wie möglich gestalten". Dazu gehören unter anderem Transfergesellschaften und Altersteilzeitregelungen. "Betriebsbedingte Kündigungen können nur das allerletzte Mittel sein", so Personalchef Russwurm - das müssen sie auch sein, sagt das Gesetz. Der Wunsch mit den Arbeitnehmervertretern "schnell Verhandlungen aufnehmen" darf abschließend natürlich auch nicht fehlen.

Gleichermaßen erfolgt der Protest der IG Metall, die sich - ebenfalls wie immer - in Kampfesstärke zeigt: "Die Stimmung ist sehr angespannt" und "Ein Arbeitskampf ist möglich", sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrat Ralf Heckmann.

Was wird am Ende rauskommen: Aufhebungsverträge, Beschäftigungsgesellschaften und Altersteilzeitregelungen. Verhandeln wird man über betriebsbedingten Kündigungen und am Ende gibt jeder seine Freude darüber zum Ausdruck, dass betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden konnten. Die Welt ist wieder in Ordnung - bis zum nächsten Mal mit den gleichen Worten. Was mit den Menschen zwischen den einzelnen Malen geschieht, sieht niemand. Es prüft niemand wirklich die Sozialverträglichkeit.

Wir können daher die Mitarbeiter nur - auch wie immer - ermuntern, sich die Siemens Angebote genau anzuschauen, sich nicht durch das Wort "betriebsbedingte Kündigung" bedrohen zu lassen, sondern genau zu prüfen, ob Siemens sie überhaupt rechtmäßig kündigen kann. Viele haben Kündigungsschutz (Jubilarschutz, tariflicher Kündigungsschutz, Schwerbehindertenschutz, Mutterschutz etc.) und wissen das gar nicht.

Und was kommt dabei raus - auch wie immer? Manche geben aus Angst vor Arbeitsplatzverlust ihren Arbeitsplatz blind und freiwillig auf, andere gehen, weil sie es sich leisten können oder realistischerweise andere Perspektiven für sich sehen, die dritten bleiben bei Siemens, einfach so, auch wenn Löscher das nicht will.
(iw)


InWaChRo-News: Samstag, 05.07.08

Der "Verein von Belegschaftsaktionären in der Siemens AG, e.V." zieht nach einem Jahr Bilanz über die Arbeit des Siemens Vorstandvorsitzenden Peter Löscher.

Angesichts des Stellenabbaus von 15.000 bis 17.000 Mitarbeitern und des Umbaus der Siemens AG, die unter den Mitarbeitern für starke Unruhe gesorgt hat und immer noch sorgt, fällt die Bilanz der Belegschaftsaktionäre für Peter Löscher nicht positiv aus: "So ist es ein Trauerspiel, dass zur Profitsteigerung nichts anderes einfällt als umfangreicher Personalabbau. Von einem innovativen Unternehmen werden zu Recht andere Lösungen erwartet."

Dem Verein der Belegschaftsaktionäre gehören Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Siemens AG und Nachfolgeunternehmen an, die durch Anträge und Präsenz in der Hauptversammlung und Analysen der Siemens Firmenpolitik die Rechte der Mitarbeiter als Belegschaftsaktionäre aktiv vertreten. Der Verein vertritt circa 6000 Belegschaftsaktionäre. Die Belegschaftsaktionäre halten insgesamt 8 Prozent des Aktienkapitals.

zur Stellungnahme der Belegschaftsaktionäre
(iw)


InWaChRo-News: Donnerstag, 03.07.08

Themenseiten: Psychologie, Personalgespräche, Mobbing
Gefühle, obwohl sie entscheidend unser Leben bestimmen, werden meist versteckt hinter einer nüchternen Sachlichkeit. Damit bleiben sie zwar für andere unsichtbar, aber für einen selbst, sind sie nach wie vor bestimmend.

Gefühle im Zusammenhang mit Stellenabbau und Ausgliederungen gleichen im Allgemeinem eher einem Gefühlschaos, das einen hin und her beutelt. Es entstehen Absurditäten wie die häufig vorkommende Tatsache, dass jemand seinen Arbeitsplatz lieber vorher freiwillig aufgibt, weil er Angst hat, ihn durch eine eventuelle betriebsbedingte Kündigung zu verlieren.

Unsere Seiten über Psychologie, Personalgespräche und Mobbing sollen euch Anregungen geben, mit diesem Gefühlschaos besser umgehen zu können. Die Seite über Mobbing ist leider nach wie vor nötig. Uns werden immer wieder Mobbingfälle aus den verschiedensten Unternehmen bekannt.
Themenseite: Mobbing
Themenseite: Psychologie
Themenseite: Personalgespräche
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 01.07.08

NSN: VB Zahlungen fließen jetzt - mal eine gute Nachricht
Am 09.06.2008 berichteten wir, dass Mitarbeiter, die einen VB-Vertrag abgeschlossen hatten, wegen Abgleichschwierigkeiten zwischen NSN und Siemens Tools voraussichtlich bis Oktober keine Zahlungen erhalten werden.

Wie uns mitgeteilt wurde, überwies NSN mittlerweile die ausstehenden Zahlungen. Wir gehen davon aus, dass die weiteren Zahlungen jetzt ordnungsgemäß erfolgen. Wir bitten euch, uns mitzuteilen, wenn es zu weiteren Unregelmäßigkeiten kommt oder Mitarbeiter ihre Zahlungen noch nicht erhalten haben sollten.
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 01.07.08

Ausgliederung von GS CSI Application Products geplant?
Internen Informationen zufolge gibt es Hinweise über eine geplante Ausgliederungen von GS (Services) CSI(Consulting and Systems Integration) Application Products. Verhandlungen mit einem oder mehreren Interessenten werden den Informationen zufolge bereits seit Mitte Mai geführt. Unklar ist, ob es sich um einen Verkauf oder um eine Partnerschaft handelt.

Die Mitarbeiter sind entsprechend beunruhigt. Möglicherweise wird mit Cisco verhandelt. Cisco hat ebenfalls eine IPTV Lösung. Dies geht aus der Homepage von Sientific Atlanta hervor, die zu Cisco gehört. "Möglicherweise ist Cisco nur an der IPTV Lösung interessiert und nicht am Rest von Applications, um entweder ihre Lösung zu ergänzen oder einfach nur einen Konkurrenten aus dem Weg zu räumen", teilte uns ein Mitarbeiter mit.

Applications ist als "manage to profit" deklariert, im Gegensatz zu den als "invest" deklarierten Bereichen. Eine Ausgliederung oder Partnerschaft ist daher nicht unwahrscheinlich.
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 01.07.08

Bitte in eigener Sache
Wenn ihr uns schreibt, was bei euch so passiert, worüber wir uns freuen, gebt bitte das Unternehmen und den Standort (bitte nicht nur Abkürzung) an, in dem ihr tätig seid. Dies ist wichtig, da an unterschiedlichen Standorten unterschiedliche Betriebsvereinbarungen gelten und Tarifverträge Bundesland spezifisch sind. Wenn ihr eine Abteilung angebt (weil diese beispielsweise für die Schilderung wichtig ist), schreibt bitte zu der Abkürzung kurz dazu, was die Abkürzung bedeutet, z.B. IPT = IP Transport.

Wir bekommen nämlich Post aus unterschiedlichen Unternehmen aus ganz Deutschland und nicht immer gehen diese Angaben eindeutig aus den Mails hervor. Dies erleichtert uns die Arbeit und dies dient letztlich euch allen.
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 01.07.08

Themenseite Betriebsübergang
Betriebsübergänge werden wohl zentraler Bestandteil des Lebens eines Arbeitnehmers bleiben, wie die neusten Ausgliederungsvermutungen zeigen. Deshalb stellen wir euch heute die nächste Themenseite vor: Betriebsübergang und was man darüber wissen sollte.
weiter ...
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 01.07.08

Siemens: beE-Klausel im Abschlusszeugnis - eine unendliche Geschichte
Wer hätte gedacht, dass dieses Thema zum Dauerbrenner wird. Immer noch enthält das Abschlusszeugnis von Mitarbeitern, die die beE verlassen den Hinweise auf "Qualifizierung und Weitervermittlung". Dieser Hinweis könnte bei einem anderen Arbeitgeber den Eindruck erwecken, der Mitarbeiter sei unqualifiziert und deshalb für die beE ausgesucht worden. Ein Kollege teilte uns mit, dass er wegen dieser Klausel tatsächlich Probleme bei Bewerbungen hatte.

Immer wieder geben Kollegen ein Zeugnis mit diesem Vermerk an die Personalabteilung zurück mit der Bitte, den Vermerk abzuändern bzw. ganz wegzulassen. Die Antwort ist in der Regel Schweigen, dann folgt meist ein E-Mail Verkehr, der zu keiner konstruktiven Verständigung führt.

Wie uns ein Mitarbeiter mitteilte, setzte er daraufhin eine Frist von zwei Wochen für die Abänderung des Passus. Nach drei Wochen erhielt er (endlich) eine E-Mail einer Rechtsanwältin von "Global Shared Services Human Resources ", die mit ihm über die weitere Vorgehensweise bezüglich seines Zeugnises sprechen wollte.

Der Mitarbeiter ist auf diesen Vorschlag nicht eingegangen (es ist immer unklug als Laie mit einem Firmenanwalt alleine zu reden) und hat seinerseits einen Rechtsanwalt eingeschaltet, der die Siemens AG letztmalig aufgefordert hat, das Zeugnis korrekt auszustellen.

"Trotzdem trat auch hier wieder eine zeitliche Verzögerung ein", sagte der Mitarbeiter, "Nun habe ich ... endlich mein Zeugnis bekommen, ohne den Vermerk der beE."

Wir fragen uns: Muss das sein? Was hat eine Firma davon, den Mitarbeitern, die ihre Freiwilligenangebote angenommen haben, mit diesem Machtspiel, weitere Steine in den Weg zu legen? Der Betriebsrat sollte bei dem nächsten IA/SP verhandeln, dass eine solche beE-Klausel nicht Bestandteil des Arbeitszeugnisses ist.
(iw)




Autoren: Inken Wanzek, Christine Rosenboom
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