Artikel: September 2008



InWaChRo-News: Dienstag, 30.09.08

Der Fall Siemens: Der Konzern und die Korruption
Das ZDF bringt eine Dokumentation über die Korruptionsaffäre bei Siemens. Es geht um horrende Summen von Schmiergeldern, Scheinkonten, Bestechungen und Prozesse. Darüber hinaus geht es um Arbeitsplätze.
In seinem ersten und bisher einzigen Fernsehinterview berichtet der ehemalige Siemens-Manager Reinhard Siekaczek, wie das Schmiergeldsystem funktioniert hat.

Mittwoch, 01.10.2008 00:35 - 01:20 Uhr
VPS 02.10.2008 00:35
Link zur Vorschau
(iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 30.09.08

SEN: Party zum Rausschmiss
Die Worte des Managements klingen euphorisch, man hat das Gefühl der Geburt eines neuen Sterns beiwohnen zu können:

"It's a very special moment in the history of Siemens Enterprise Communications. And you can be there! ... we want to celebrate - together with you - closing for the joint venture between Siemens AG and The Gores Group. This is our point of takeoff into the future! ... We are ready for the future!", heißt es in der Einladung zu einer Feier zum Joint Venture zwischen der Siemens AG und der Gores Group.

Soll der Mitarbeiter nun ehrfürchtig und staunend vor diesem neuen Gebilde stehen? "Let's rock! Shaping the future - All together now". Soll er sich in Trance tanzen, um zu vergessen, wie er in der Vergangenheit gebeutelt wurde? Soll er vergessen, was aus Mobile Devices geworden ist? Soll er vergessen, dass nach dem Joint Venture zwischen Nokia und Siemens ein Stellenabbau nach dem anderen folgte, Ausgliederungen stattfanden?

So schnell wird eine Gehirnwäsche wohl nicht gehen. "Super wäre es, wenn keiner hingehen würde.", sagte ein Mitarbeiter und titulierte die Einladung mit "Einladung zum Rausschmiss bei SEN". Das Empfinden von Management und Mitarbeiter sind offensichtlich gegensätzlich, gegensätzlicher kann es wohl nicht sein. Es zeigt deutlich, wie wenig das Management, die Gefühle der Mitarbeiter versteht.

"This is our point of takeoff into the future!" - doch das Management sagt nicht, wie die Zukunft aussieht. Zukunft. Die Mitarbeiter wollen sie nicht feiern. Sie wollen sie sehen. Sie wollen das Gefühl spürten, es gibt auch eine Zukunft für uns - nicht nur für das Unternehmen. Sie haben in den vergangenen Jahren gelernt, dass das schon lange nicht mehr das Gleiche ist. Es erinnert an Culture Change, groß angekündigt von Siemens. Damals hatte sich die Kultur bei Siemens massiv gewandelt. Werte, auf dem Papier hochgehalten, stürzten in den Keller. Wandel, doch nicht zum Besseren.

Jetzt ist für SEN wieder von Zukunft die Rede. Wir wünschen den Mitarbeitern, dass es kein Sturzflug wird. Wir hoffen für die SEN Mitarbeitern, dass sie wach bleiben und nicht im Strom euphorischer Managerworte versinken. Eure Zukunft müsst ihr selbst gestalten, das Management wird es nicht für euch tun, aber das wisst ihr ja.
(iw)


InWaChRo-News: Samstag, 20.09.08

Siemens: Hausverbot für von Pierer
Ende Juli 2008 erhielten laut FTD elf ehemalige Zentralvorstände von Siemens einen Brief, unterzeichnet vom Vorstandsvorsitzendem Peter Löscher und dem Anti-Korruptions-Vorstand Peter Solmssen. In diesem Brief unterrichtete Siemens die ehemaligen Vorstände über eine von Siemens angestrebte Klage auf Schadensersatz wegen Verletzung ihrer Pflichten im Rahmen der Korruptionsaffäre.

Löscher und Solmssen forderten Heinrich von Pierer zusätzlich auf, die Räumlichkeiten des Siemens-Konzerns bis auf Weiteres nicht mehr zu nutzen. Als Grund für dieses in der deutschen Konzerngeschichte wohl einmalige "Hausverbot" für den Ex-Vorstandsvorsitzenden wurden "Interessengegensätze" angeführt. Der 67-jährige von Pierer besuchte auch nach seinem Rücktritt im April 2007 regelmäßig die Kantinen in München und Erlangen, wo er das Gespräch mit Mitarbeitern suchte.

Dieses Hausverbot wurde den anderen Ex-Zentralvorständen gegenüber nicht ausgesprochen, schreibt die FTD. Diese können weiterhin Büroräume bei Siemens nutzen, beispielsweise für ihre Tätigkeit bei Aufsichtsratsmandaten.
(cr)


InWaChRo-News: Samstag, 20.09.08

Von Pierer gründet Unternehmen
Heinrich von Pierer hat in Erlangen die Beratungsgesellschaft Pierer Consulting gegründet. Die Firma soll Unternehmen in Fragen der Kommunikation, der Energie und bei Projekten für die Infrastruktur und Geschäften in Asien beraten.

Diese Angebote richteten sich an deutsche Unternehmen, die in diesem Bereichen und in Asien tätig seien. Darüber hinaus will von Pierer einen formal-geschäftlichen Rahmen zur besseren Beratung von Startup-Unternehmen haben. Mit der Unternehmensgründung will von Pierer zeigen, dass er nicht daran denkt, sich aufs Altenteil zurückzuziehen – trotz der Kritik, die wegen der Korruptionsaffäre an ihm geübt wird.
(cr)


InWaChRo-News: Samstag, 20.09.08

Siemens: Auch IG Metall-Aufsichtsrat gekauft?
Nach einem "Spiegel"-Bericht soll AUB-Chef Wilhelm Schelsky nicht nur bei Siemens, sondern auch bei bis zu 40 anderen Unternehmen versucht haben, arbeitgeberfreundliche Mitarbeitervertreter zu fördern. In den Ermittlungsakten der Nürnberger Sonderkommission "Amigo" seien dubiose Kontakte unter anderem zu den Spitzen der Metro, der Metro-Tochter Saturn, dem Gabelstaplerhersteller Jungheinrich und ­ in weitaus größerem Ausmaß als bisher bekannt ­ dem Discounter Aldi Nord dokumentiert. Schelsky muss sich von diesem Mittwoch an vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth wegen Steuerhinterziehung, Beihilfe zur Steuerhinterziehung, Beihilfe zur Untreue und Betrugs verantworten.

Darüber hinaus, so tagesschau.de, seien die Fahnder auch auf Dokumente gestoßen, die den Verdacht nahelegten, dass Siemens in den 80er und 90er Jahren auch einen Vertreter der IG Metall im Aufsichtsrat mit Sonderzahlungen gefügig gemacht hat.
(cr)


InWaChRo-News: Donnerstag, 18.09.08

Alcatel Lucent: Nürnberger Belegschaft fordert Ende von Geheimverhandlungen
Die Belegschaft am Standort Nürnberg hat die Nase voll von den vertraulichen Gesprächen zwischen Betriebsleitung und Gesamtbetriebsrat. Dieser verhandelt hinter verschlossenen Türen über die Ausgliederung des Bereichs Mobility zu Harvey Nash.

"Der Vorstand will seit neuestem nicht mit der, in Nürnberg gewählten Verhandlungsgruppe, bestehend aus gewählten Vertretern der KollegInnen und Mitgliedern des Betriebsrats" verhandeln, ist auf der Homepage der Alcatel Lucent Mitarbeiter zu lesen. Weiter heißt es dort - und es dürfte auch Mitarbeiter anderer Firmen bekannt vorkommen: "Bei Alcatel, sprich ‚im Geiste des Hauses', läuft es so ab, dass zwischen dem Vorstand und den Gesamtbetriebsräten viel im Verborgenen abläuft. Hinter geschlossenen Türen und unter Ausschluss der Betriebsöffentlichkeit werden brisante Themen wie Personalabbau ‚geregelt'. Daraus entstehen so genannte ‚Eckpunktepapiere', die natürlich unter viel Einsatz und immer mit Erfolg für die ‚Arbeitnehmervertreter' abgeschlossen werden."

Die Mitarbeiter fordern in einer Rundmail, die an den Vorstand, den Gesamtbetriebsrat, den Wirtschaftsausschuss und an die IG Metall Hauptamtlichen ging, dass die Belange der Mitarbeiter des Bereichs Mobility Access Nürnberg bezüglich des Outsourcings nur in Nürnberg und nur mit der in Nürnberg gewählten Verhandlungsgruppe, verhandelt werden.

Dies sieht übrigens auch das Betriebsverfassungsgesetz so vor: "Der Gesamtbetriebsrat ist zuständig für die Behandlung von Angelegenheiten, die das Gesamtunternehmen oder mehrere Betriebe betreffen und nicht durch die einzelnen Betriebsräte innerhalb ihrer Betriebe geregelt werden können" (§50 I BetrVG).
(iw)


InWaChRo-News: Sonntag, 14.09.08

Liebe Kolleginnen und Kollegen, lieber Leserinnen und Leser unserer Seite,
wir begrüßen euch wieder auf unserer NCI Homepage und hoffen, dass auch ihr einen schönen und erholsamen Urlaub gehabt habt, der euch den täglichen großen oder kleinen Ärger am Arbeitsplatz oder gar die Angst um den Arbeitsplatz ein wenig hat vergessen lassen.

Die meisten werden es schon einmal erfahren haben: Ohne Eigenaktivität, ohne offene Augen, ohne ein wenig Mut für seine Rechte, ohne das Bewusstsein: Ich muss selbst etwas für meinen Arbeitsplatzerhalt tun, geht es heute nicht mehr. Die Zeiten eines sicheren Arbeitsplatzes sind schon lange vorbei, unabhängig davon, ob man dies wahrhaben will oder nicht. Niemand ist sicher vor Ausgliederungen und Stellenabbau.

Trotzdem: Die Lebensfreude sollte sich erhalten und sie tut es, wenn man sich darauf einlässt, ein bisschen wacher zu sein als früher. Deshalb: Ohne Eure Information, geht NCI nicht. Ohne NCI erfahrt ihr weniger. Ohne Informationen verringert sich die Chance, eine optimale Entscheidung für sich selbst zu finden. Ohne Informationen erkennt ihr vielleicht manche Chance nicht. Also lasst das Informationszeitalter nicht ohne euch stattfinden. Gestaltet es aktiv. Dann geht vieles leichter.

Wir haben etliche E-Mails bekommen. Wir bitten um Geduld für die Beantwortung.
(iw/cr)


InWaChRo-News: Sonntag, 14.09.08

Siemens: EAS: Termin für Carve Out verschoben
Wie wir am 20.03.2008 berichteten, beabsichtigt Siemens den Geschäftsbereich Electronics Assembly Systems (EAS) zum 1.10.2008 ausgliedern. Anschließend soll EAS verkauft oder in ein Joint Venture eingebracht werden. Der Termin für den Carve out in Deutschland wurde nun auf den 31.12.2008 verschoben. Die Ausgliederung der EA-Einheiten im Ausland findet weiterhin zum Termin 30. September statt.

Bei EAS werden Bestückautomaten für Elektronik-Komponenten und Leiterplatten hergestellt. Betroffen von der Ausgliederung sind 2.100 Mitarbeiter. Das Geschäft habe nur wenige Berührungspunkte mit den Produkt- und Systemgeschäften in der Siemens-Automatisierung, hieß es bei Siemens.
(iw)


InWaChRo-News: Sonntag, 14.09.08

Siemens: EAS: Stellenabbau
Auch diese Ausgliederung wird, wie üblich, von Stellenabbau begleitet. Weltweit sollen 330 Arbeitsplätze abgebaut werden. 220 Mitarbeiter sollen offensichtlich schnellstmöglichst in Deutschland abgebaut werden. Das Management hat bereits eine Liste von Mitarbeitern erstellt, die ihren Arbeitsplatz räumen sollen.

In der Belegschaft herrscht große Unsicherheit über die Zukunft. "Was ist wohl besser", fragt ein Mitarbeiter, "auf der Liste zu stehen, oder nach dem 31.12.08 auf andere weise in der neuen Gesellschaft entsorgt zu werden." und bringt damit die Stimmung der Belegschaft auf den Punkt. Da helfen auch beschwichtigende Worte und Gesprächsangebote des Managements nicht: "Ich bin von unserem Erfolg und unserer Zukunft vollkommen überzeugt. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam den Turn-around erfolgreich schaffen werden." Wort, zu oft gesprochen, zu selten wahr geworden. Die Mitarbeiter wissen das.

Der Interessenausgleich und Sozialplan (IA/SP) wurde den Mitarbeitern in einer Betriebsversammlung vorgestellt. Der Interessenausgleich schließt betriebsbedingte Kündigungen aus: "Alle Personalanpassungsmöglichkeiten erfolgen auf freiwilliger Basis", heißt es dort. Doch auch hier ist zu erwarten, dass auf die ausgewählten Mitarbeiter intensive Personalgespräche zukommen, die mit psychischem Druck und Arbeitsentzug einhergehen.

Um diese Personalgespräche zu meistern und für sich selbst die Freiwilligkeit zu erhalten, muss man sich mit der Situation aktiv auseinandersetzen und sich klar machen: Was will ich und was kann ich mir finanziell leisten? Hierzu muss man seine persönlichen Chancen und Risiken genau abwägen. Erschwert wird dieser Prozess natürlich durch die völlig unklare Zukunft von EAS, wohin kommen wir, wohin gehen wir, wer wird der Käufer sein. Doch der Fakt bleibt bestehen, eine Abfindung reicht nur begrenzte Zeit. Und diese Zeit sollte zusammen mit dem Arbeitslosengeld reichen, um sich eine Alternative aufzubauen. Vertrauen in die Zukunft? Ja, aber keine Luftschlösser, die im Tageslicht verblassen. Bei jedem Weg sollte das Risiko kalkulierbar bleiben.

Durch die Bankenkrise in den USA zeichnet sich ein wirtschaftlicher Abschwung ab (falls jemand was vom Aufschwung gemerkt haben sollte). Diese sagen Politik, Wirtschaft und Presse gleichermaßen. Bedenkt das, die Stellensuche könnte sich erschweren.

Gehen oder bleiben, vor dieser Frage stehen mal wieder Mitarbeiter.
(iw)


InWaChRo-News: Sonntag, 14.09.08

Siemens: EAS: Interessenausgleich und Sozialplan
Die im IA/SP festgeschriebenen Maßnahmen sind die Üblichen: (iw)




Autoren: Inken Wanzek, Christine Rosenboom
Impressum/Nutzungsbedingungen