Artikel: Oktober 2008



InWaChRo-News: Montag, 27.10.08

SIS PSE: Belegschaft fürchtet Zerschlagung
Beabsichtigt Siemens, die österreichische SIS PSE durch Kürzung firmeninterner Aufträge "auszuhungern" und organisatorisches Herauslösen lukrativer Teile ("Rosinen") auf einen nicht überlebensfähigen Rest zu reduzieren? Falls es solche Absichten gibt, so werden sie jedenfalls in einer Resolution des Betriebsrats, der die Beschäftigten in zahlreichen Standortversammlungen so gut wie einstimmig zugestimmt haben, scharf zurückgewiesen. In der Resolution werden Absichten, die PSE (mit derzeit rund 2.500 KollegInnen weiter) zu zerlegen, um Teile auszugliedern oder zu verkaufen, ... kategorisch zurückgewiesen. Was mit einer dadurch kaum überlebensfähigen Rest-PSE passieren soll, nachdem die Rosinen herausgepickt wurden, weiß zurzeit niemand außer das Management.
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(fw)


InWaChRo-News: Samstag, 25.10.08

NSN: Reaktionen auf die Weltwirtschaftskrise
Die ersten Ausläufer der Weltwirtschaftskrise sind bereits im dritten Quartal bei NSN angekommen. Der Umsatz ist im Vergleich zum Vorquartal um 13,9 Prozent auf 3.503 Mio. Euro gesunken, der EBit ist mit -1 Mio. Euro weiterhin enttäuschend.

Verschärft wird diese Situation durch die Finanzkrise mit einer drohenden Rezession. Eine Verbesserung der Lage von NSN ist daher in absehbarer Zeit nicht zu erwarten, denn die Kunden werden ihre Investitionen zurückhalten und Kredite für Investitionen sind derzeit deutlich schwerer zu bekommen als vor der Finanzkrise, da die Banken liquide bleiben wollen. Wie ernst dieses Thema zu nehmen ist, kann man daran ablesen, dass sogar Ökonomen der Deutschen Bank für die weltweite Konjunktur eine Rezession erwarten. In den Industrieländern dürfte das Wirtschaftswachstum dabei auf den niedrigsten Stand seit der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre fallen, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Studie des Bankhauses.

Wir gehen daher davon aus, dass NSN auf diese Situation reagieren wird. Ein erster Schritt sind die angeordneten Einsparmaßnahmen wie der Travel-Ban (Stopp von Dienstreisen), Stopp von Fortbildungsmaßnahmen, Reduzierung von Hardware-Neuanschaffungen auf das absolut Notwendige, Einstellungsstopp etc.

Es ist davon auszugehen, dass es nicht bei diesen Maßnahmen bleiben wird. Wie wir erfahren haben, sollen NSN-Führungskräfte ein non-disclosure agreement unterschrieben haben, das sie zum Stillschweigen über Informationen, die nicht in die Belegschaft gelangen sollen, verpflichtet. Die Mitarbeiter sollen erst am 11.11.2008 informiert werden.

Aufgrund der Rezession rechnen Wirtschaft und Politik mit Stellenabbau, der beispielsweise in der Automobilindustrie bereits angekündigt ist. Es ist wahrscheinlich, dass auch NSN mit erneutem Stellenabbau und Ausgliederungen reagieren wird.

Momentan gehen wir davon aus, dass es nicht zu Kündigungen und Betriebsschließungen kommen wird, einmal wegen des Kündigungsschutzes bis 9.2009. Andererseits müsste NSN mit langwierigen Kündigungsschutzprozessen mit ungewissem Ausgang für NSN rechnen. Weiterhin müsste NSN höhere Kosten dafür einplanen, da mit Betriebsratswidersprüchen und damit mit Gehaltsfortzahlungen zu rechnen ist (§102 BetrVG). Die Kosten will NSN aber kurzfristig einsparen. Dies steht einer schnellen Lösung des Problems für NSN entgegen.

Es ist also sehr wahrscheinlich, dass es bald wieder Abfindungen und beE-Angebote geben wird. Es wird sicher auch eine 2jährige ATZ angeboten, aber so viele 61jährige dürfte es nicht mehr bei NSN geben. Eine 6jährige ATZ ist bei der derzeitigen wirtschaftlichen Lage eher unwahrscheinlich.

Es ist außerdem verstärkt mit Ausgliederungen zu rechnen.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Dienstag, 21.10.08

NSN: Umzug oder nicht Umzug, das ist hier die Frage
Gestern meldete der Betriebsrat München Martinstraße auf seiner Homepage, dass die Umzüge u.a. von IP Transport in die Martinstraße und auch Umzüge innerhalb der Martinstraße gestoppt seien, da das Planungsbüro die Toilettenflächen in die Büroflächen eingerechnet habe. Das Management führt die Umzugsplanung jedoch fort. Mitarbeiter in der Martinstraße sind verwirrt, da morgen bereits Kollegen aus dem Zielgebäude wegziehen sollen. Weiterhin soll offensichtlich ein Rechenzentrum für die IPT-Testanlagen geräumt werden.
Leider hat sich herausgestellt, dass in der Martinstraße nur für 15 Prozent der Mitarbeiter Tiefgaragenstellplätze vorhanden sind. Die Mitarbeiter sollten daher – auch aus Umweltschutzgründen – auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.
(cr)


InWaChRo-News: Sonntag, 19.10.08

Finanzkrise in Bildern
Nachdem Herr Ackermann bereits vor Feinden der freien Marktwirtschaft warnt und damit verbale Vorbereitungen trifft, Änderungen im Finanzwesen soweit wie möglich (für die Banken und Manager) abzuwenden, sollte man sich nocheinmal die Zeit nehmen, und die Bilder der Finanzkrise Review passieren lassen, wie dies bei Spiegel-Online geschehen ist. Vielleicht hatte Klaus Kleinfeld doch recht, als er sagte: Die Welt ist ein Haifischbecken. Die Frage ist nur wer ist der Hai? Viel Spaß beim Betrachten der Bilder.
Finanzkrise in Bildern
(iw)


InWaChRo-News: Samstag, 18.10.08

Pierer Consulting GmbH im Handelsregister eingetragen
Am 07.10.2008 wurde die von Heinrich von Pierer gegründete Pierer Consulting GmbH im Handelsregister des Amtsgerichts Fürth eingetragen (HRB 11610). Sitz des Unternehmens ist die Nägelsbachstraße 40, 91052 Erlangen, Gegenstand des Unternehmens ist die Unternehmensberatung. Das Stammkapital beträgt 25.000 Euro, Geschäftsführer ist Heinrich Pierer von Esch.
(cr)


InWaChRo-News: Samstag, 18.10.08

NSN: Entwicklung Mitarbeiterzahl
Als Nokia Siemens Networks am 01.04.2007, also vor etwa einem Jahr startete, beschäftigte dieser Konzern weltweit etwa 60.000 Mitarbeiter. Die von Nokia veröffentlichten Q3-Quartalszahlen weisen für Nokia Siemens Networks 60.183 Mitarbeiter aus (Stand: 30.09.2008). Die Gesamt-Mitarbeiterzahl bei Nokia Siemens Networks ist damit erstaunlich konstant geblieben, trotz der auch in diesem Quartal von Simon Beresford-Wylie in einer E-Mail an die Mitarbeiter bekräftigten Aussage, dass bis heute etwa 6.000 der geplanten 9.000 Arbeitsplätze abgebaut worden seien.

Die 6.000 abgebauten Arbeitsplätze müssen folglich in gleicher Zahl woanders wieder aufgebaut worden sein. Zur Entwicklung des TD-SCDMA-Netzes in China beispielsweise sind bisher bereits über 1.200 Ingenieure angeworben worden, ein weiterer Aufbau ist dort geplant. In Indien will Nokia Siemens Networks insgesamt rund 70 Mio. Dollar in ein neues Werk investieren, um "dem wachsenden Bedarf an Mobilfunk-Infrastruktur auf dem indischen Subkontinent gerecht zu werden". Insgesamt 400 neue Arbeitsplätze werden in diesem Werk aufgebaut. Der IP Transport hat in Polen einen größeren Niedriglohn-Standort aufgebaut. Nokia Siemens Networks hat also keinen weltweiten Personalabbau um 10-15 Prozent vorgenommen, sondern lediglich die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Niedriglohnländer fortgesetzt.


(cr)


InWaChRo-News: Samstag, 18.10.08

NSN: Geschäftszahlen
Nokia gab am 16.10.2008 die Geschäftszahlen des dritten Quartals 2008 bekannt. Hier die Zahlen im Überblick in einer Tabelle zusammengefasst:

Nokia Siemens Networks

Q2 2007

Q3 2007

Q4 2007

Q1 2008

Q2 2008

Q3 2008

 

 

 

 

 

 

 

Net sales

3.438

3.674

4.583

3.401

4.067

3.503

Gross profit

534

1.038

1.361

958

1.146

1.080

Gross margin, %

16

28

30

28

28,2

30,8

Research and development expenses

-986

-686

-790

-607

-653

-586

% of net sales

28,7

18,7

17,2

17,8

16,1

16,7

Selling and marketing expenses

-499

-352

-412

-338

-359

-334

% of net sales

14,5

9,6

9,0

9,9

8,8

9,5

Administrative and general expenses

-285

-146

-196

-154

-188

-141

% of net sales

8,3

4,0

4,3

4,5

4,6

4,0

Other operating income and expenses

-30

26

37

67

7

-20

 

 

 

 

 

 

 

Operating profit (Ebit)

-1.266

-120

0

-74

-47

-1

Operating margin, %

-36,8

-3,3

0,0

-2,2

-1,2

0,0



Umsatz (Net Sales):
Nokia Networks, der ausgegliederte Telekommunikationsbereich von Nokia, erzielte im Quartal vor dem Start des Joint Ventures Nokia Siemens Networks einen Umsatz von 1.697 Mio. Euro. COM Carrier Networks hatte im Jahr 2006 einen Umsatz von 9.819 Mio. Euro, pro Quartal also etwa 2.455 Mio. Euro. Insgesamt startete also Nokia Siemens Networks mit einem Umsatz von 4.152 Mio. Euro, in der Grafik als violette Linie dargestellt.

Nachdem der Umsatz im Quartal Q2 2007 auf 3.438 Mio. Euro eingebrochen war, erzielte NSN nur in Q4 2007 einen höheren Umsatz als den Ausgangswert - trotz, oder vielleicht wegen Stellenabbau, Ausgliederungen und Synergieeffekten. Mit 3.503 Mio. Euro im dritten Quartal ist der Umsatz im Vergleich zum Vorquartal wieder zurückgegangen und scheint sich auf diesen Wert einzupendeln.



Vorsteuergewinn - EBit (Operating Profit):
Im Quartal vor dem Start des Joint Ventures erzielte Nokia Networks einen operating profit von 78 Mio. Euro. Siemens wies als EBit für Com im Jahr 2006 insgesamt 283 Mio. Euro aus. Com Carrier Networks dürfte also mindestens einen EBit von 71 Mio. Euro pro Quartal gehabt haben. Leider können wir das nicht genauer feststellen. Zusammen genommen startete also Nokia Siemens Networks mit einem EBit von 149 Mio. Euro pro Quartal - die violette Linie in unserer Grafik.

Der EBit von NSN war in den vier vergangenen Quartalen immer negativ bis auf eine Ausnahme, nämlich das vierte Quartal. Aber selbst in diesem Quartal wurde kein Gewinn erzielt. Mit -1 Mio. Euro in Q3 ist der EBit weiterhin enttäuschend.



Der EBit (earnings before Interest and Taxes) ist das Ergebnis vor Steuern und Zinsen. Er wird auch als operating profit bezeichnet. Außergewöhnliche Einmalzahlungen und Zahlungen aus nicht fortgeführten Aktivitäten sind im Ebit nicht enthalten. Der Ebit wird von den Gläubigern einer Gesellschaft sehr genau beobachtet, da er ein Maß dafür ist, mit welchem Betrag die Gläubiger befriedigt werden können. Mit Sicherheit tun dies auch die Anteilseigner von NSN.

Die Zahlen, die das NSN-Management als "operating profit on a purely operating basis" bezeichnet, können wir aber leider immer noch nicht nachvollziehen, deshalb lassen wir sie ab jetzt weg.

Ausgaben für Forschung und Entwicklung (Research and development expenses):
Die Ausgaben von Nokia Siemens Networks für Forschung und Entwicklung sind seit dem letzten Quartal wieder zurückgegangen, sie scheinen sich jedoch bei etwa 600 Mio. Euro (etwa 17 Prozent des Nettogewinns) einzupendeln. Dies ist wichtig, da ein Unternehmen, das wettbewerbsfähig bleiben will, in R&D investieren muss. Nur in der R&D entstehen die innovativen Produkte und Lösungen, die morgen auf den Markt gebracht werden und den Unternehmenserfolg für die Zukunft sicherstellen.


(cr)


InWaChRo-News: Dienstag, 14.10.08

SEN: Was bedeutet die Übernahme durch die Gores Group für die Mitarbeiter?
Uns erreichte die Frage: "Wie betrifft die 51%-ige Übernahme der Firma SEN von Gores Group uns Mitarbeiter?"
"Offiziell", so ein Mitarbeiter, "erfährt man leider zurzeit überhaupt nichts. Weder vom Betriebsrat noch von den Führungskräften gibt es eine Auskunft darüber, in welcher Weise die 51%-ige Übernahme der Fa. SEN von Gores Group uns Mitarbeiter betreffen." Vielleicht sollte das mal nachgeholt werden. In der Zwischenzeit wollen wir hier einige Fragen beantworten:

Grundsätzlich gilt, unabhängig davon, ob ein Betriebsübergang stattfand oder nicht: Alle Rechte und Pflichten der Mitarbeiter bleiben unverändert bestehen. Es gelten auch alle (Gesamt)Betriebsvereinbarungen weiter. Auch der Betriebsrat besteht weiter. Im Einzelnen wurde gefragt:

Ist unser neuer Arbeitgeber jetzt Gores Group?
Antwort: Der neue Arbeitgeber ist das Unternehmen, das aus dem Joint Venture zwischen Siemens und der Gores Group hervorgegangen ist. Dieses Unternehmen hat Geschäftsführer und diese sind die obersten Chefs des neuen Unternehmens. Durch die Beteiligung der Gores Group von 51 Prozent hat diese jedoch das Sagen im neuen Unternehmen. Die Gores Group bestimmt somit den Kurs des Unternehmens. Siemens hat durch seine Beteiligung von 49 Prozent ein Mitspracherecht.

Zählt meine Firmenzugehörigkeit weiter oder beginnt diese jetzt von vorne?
Antwort: Die Firmenzugehörigkeit zählt weiter. Wer beispielsweise 20 Jahre bei SEN war, hat jetzt im Joint Venture auch eine Firmenzugehörigkeit von 20 Jahren.

Verändert sich jetzt meine Kündigungsfrist?
Da sich die Betriebszugehörigkeit nicht ändert, ändert sich auch die Kündigungsfrist nicht.

Besteht jetzt überhaupt noch die Möglichkeit auf Abfindungen oder beE bei einem möglichen erneuten Stellenabbau?
Antwort: Das kommt auf die Verhandlungen zu einem Interessenausgleich und Sozialplan an. Beides muss nach wie vor im Rahmen eines Stellenabbaus verhandelt werden (§§111, 112 BetrVG). Der Sozialplan, also beispielsweise Abfindungen, sind vom Betriebsrat über eine Einigungsstelle erzwingbar, die beE dagegen nicht. Aber es ist davon auszugehen, dass es diese auch bei Stellenabbau im Joint Venture gibt.
Sollte der bereits bei SEN begonnene Abbau noch nicht abgeschlossen worden sein, dann gilt der im Rahmen dieses Abbaus verhandelte Interessenausgleich und Sozialplan solange weiter bis der Stellenabbau abgeschlossen ist.
(iw)


InWaChRo-News: Montag, 13.10.08

Finanzkrise: Rettungspaket - ein Kommentar
Die Börse hängt am Tropf des Staates. Eine paradoxe Situation, denn gerade die Finanzmanager wehrten sich über Jahre hinweg vehement gegen staatliche Eingriffe. Der freien Marktwirtschaft wurde in Reinkultur gehuldigt. Am heutigen Montag explodierte die Börse. Der Grund: Das Rettungspaket. Der Börsenwert der angeschlagenen Hypo Real Estate stieg um 41,64 Prozent. Der Dax schoss nach oben. Er legte den größten prozentualen Zuwachs seit fünf Jahren aufs Börsenparkett. Und das alles nur, weil Papa Staat versprach für alle Sünden der Banken einzustehen. Es erinnert an den Schlager: "Der Papa wird's schon richten." Und in der Tat, Finanzmakler benehmen sich wie Jugendliche, die gerne mal über die Stränge schlagen. Man hat ein wenig den Eindruck, dass das Börsenspektakel mit Papa Staat im Rücken nun fröhlich weiter gehen soll.

Auch, wenn der Sinn des Rettungsplans, der Stopp der Talfahrt an der Börse zum jetzigen Zeitpunkt durchaus richtig ist, wird es nun darauf ankommen, wie sehr sich Papa Staat von den Finanzmaklern auf der Nase herumtanzen lässt. Nach der Rettung muss unbedingt eine Änderung des Finanzwesens, eine Beschneidung der Spekulationsmöglichkeiten, eingeleitet werden. Die Lockerung der Bilanzierungsregelungen und die Änderung des Insolvenzrechts lassen daran Zweifel aufkommen. Werden keine neuen Spielregeln eingeführt, dann könnte sich das Rettungspaket dazu führen, dass nach der Bankenkrise eine Staatenkrise folgt. Und wer rettet dann? Die Banken? Sicherlich nicht.
(iw)


InWaChRo-News: Montag, 13.10.08

Finanzkrise: Rettungspaket in Millardenhöhe
Europa schnürte ein finanzschweres Rettungspaket für das angeschlagene Bankensystem. Ziel ist es, das Vertrauen wieder herzustellen. Banken sollen sich wieder gegenseitig Geld leihen, damit der Geldfluss nicht endgültig zum Erliegen kommt. Ohne Kredite kommt die Wirtschaft zum Erliegen. Der "Finanzmarkt-Stabilisierungfonds" soll für Interbanken-Kredite bürgen. Können Kredite von Banken nicht zurückgezahlt werden, dann springt der Staat ein. Damit ist sichergestellt, dass die Banken auf jeden Fall ihr Geld zurückbekommen. Auf dieses Vorgehen hatten sich die Euro-Länder am Wochenende geeinigt.

Die europäischen Staaten bürgen mit mehr als einer Billion Euro für Europas Finanzwelt. Frankreich stützt die Finanzwelt mit 360 Milliarden Euro, Spanien und Österreich mit je 100 Milliarden Euro.

Deutschland beschloss mit 480 Milliarden Euro das größte Rettungspaket. Bis Ende der Woche soll der Gesetzentwurf den Bundestag und Bundesrat passiert haben. Der Fond soll bis zum 31. Dezember 2009 begrenzt sein. Der Bund schätzt das 20 Milliarden Euro in Anspruch genommen werden könnten. Diese Summe will der Bund in die Haushaltsplanung einbringen.

Neben der Bürgschaft kündigte die Regierung an auch direkt Geld in die Banken zu stecken, damit diese ihr Eigenkapital erhöhen können. Damit wäre wieder eine langfristige Kreditvergabe möglich. Bis zu 70 Milliarden Euro plus 10 Milliarden Euro Spielraum sieht der Gesetzentwurf dafür vor. Allerdings fordert die Bundesregierung in diesen Fällen ein Mitspracherecht in der Geschäftspolitik dieser Banken. Dies beinhaltet die Höhe der Dividendenausschüttungen an Aktionäre, Managergehälter usw. Außerdem soll der Bund Beteiligungen an diesen Banken erwerben können. Der Begriff Teilverstaatlichung wird jedoch vermieden, um die Anhänger der freien Marktwirtschaft nicht allzu sehr zu erschrecken.
(iw)


InWaChRo-News: Montag, 13.10.08

Finanzkrise: Änderung der Bilanzierungsrichtlinien
Im Rahmen des Stabilisierungsfond sollen auch die Bilanzierungsrichtlinien gelockert werden. Grund dafür sind die Wertpapiere. Fallen diese deutlich, müssen die Banken diese Wertverluste abschreiben. Dadurch entstehen in den Büchern Milliardenverluste. Das Eigenkapital der Bank sinkt. Zukünftig soll ein längerfristiger Durchschnittswert für Wertpapiere zugrunde gelegt werden, damit Papier mit langfristiger guter Prognose, aber momentanen Kursverfall, nicht so stark negativ in die Bilanz eingehen. Allerdings tut sich hier die Frage auf, wieweit diese Lockerung der Bilanzierungsregelungen, Kursverluste und damit die Zahlungsunfähigkeit einer Bank, verschleiert.
(iw)


InWaChRo-News: Montag, 13.10.08

Finanzkrise: Änderung des Insolvenzrechts
Das Bundeskabinett hat zusätzlich zur Änderung der Bilanzierungsrichtlinien das Insolvenzrecht geändert. Diese Änderung mag in der aktuellen Krise einen Sinn haben, um Unternehmen, die im Sog der Finanzkrise zahlungsunfähig geworden sind, aber sanierungsfähig, sind, den Insolvenzantrag zu ersparen. Ob diese Änderung allerdings notwendig ist, sei dahingestellt, denn auch nach bestehendem Insolvenzrecht, steht der Sanierung einer Firma nach Eintritt der Insolvenz nichts im Wege. Ist eine Firma tatsächlich sanierungsfähig, wird die Gläubigerversammlung nicht gegen die Sanierung votieren.

Nach neuem Recht müssen Unternehmen trotz vorübergehender bilanzieller Unterdeckung keinen Insolvenzantrag stellen, wenn sie voraussichtlich mittelfristig wieder liquide werden. Nach derzeitigem Recht sind Geschäftsführer solcher Unternehmen verpflichtet, innerhalb von drei Wochen nach Eintritt der rechnerischen Überschuldung Insolvenz zu beantragen. Dies sollte (einmal) die Interessen der Gläubiger schützen.

Gerade hier tut sich die Frage auf, ob dies sein musste, ob man der Wirtschaft und der Finanzwelt nicht zu viel Vertrauen entgegenbringt, dass diese gnadenlos ausnutzen können. In die Röhre schauen dann nämlich beispielsweise Zulieferfirmen, die bei späten Insolvenzantrag noch weniger ihrer Zahlungen erhalten, als dies bei normaler Insolvenz ohnehin der Fall wäre, schlicht und einfach deshalb, weil die Insolvenzmasse in der Zwischenzeit weiter verpulvert wurde.
(iw)


InWaChRo-News: Montag, 13.10.08

Finanzkrise: Ausgeglichener Bundeshaushalt
Jetzt ist es offiziell. Das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts werde sich möglicherweise bis 2011 nicht erreichen lassen, sagte die Kanzlerin. Das Ziel, künftig ohne neue Schulden auszukommen, sei aber richtig und bleibe weiter bestehen. Ähnlich hatte sich bereits Finanzminister Steinbrück geäußert. Der Staat hofft, die in die Banken investierten Gelder in besseren Zeiten durch den Verkauf von anteiligen Aktien zurückzubekommen. Hoffen wir, dass diese Zeiten kommen.
(iw)
InWaChRo-News: Sonntag, 12.10.08

Finanzkrise: Auswirkungen auf die Weltkonjunktur
Alle führenden Wirtschaftsinstitute sind sich darin einig, dass die Finanzmarktkrise auf die reale Wirtschaft übergreift.

Der Internationaler Währungsfond (IWF) prognostiziert: "Angesichts des gefährlichsten Finanzschocks auf den entwickelten Finanzmärkten seit den 1930er-Jahren tritt die Weltwirtschaft in eine größere Abschwungphase ein". Deutschland steht, ebenso wie die USA und andere europäischen Staaten eine konjunkturelle Talfahrt bevor, daran dürfte kein Zweifel sein. Der IWF rechnet damit, dass die Finanzmarktkrise weltweit zu Verlusten von 1,4 Billionen Dollar führen wird.

Das IWF prognostiziert:

  Wachstumsprognose (IWF)
weltweit + 3,0 %
USA +0,1 %
Deutschland +0,0 %
Italien -0,2 %
Spanien -0,2 %
China < +9,3 %
Indien +6,9 %

Laut IWF werde es ein "langer und beschwerlicher" Weg aus der Finanzkrise. Es werde dauern bis das Vertrauen in die Märkte zurückkehre. Diese Vertrauenskrise dürfte zu weiteren Kreditausfällen führen, die letztlich das Bankensystem ins Wanken gebracht haben. "Auch 2009 wird die angespannte Lage bei der Verfügbarkeit von Krediten wahrscheinlich anhalten", heißt es in einem Gutachten.
(iw)


InWaChRo-News: Sonntag, 12.10.08

Finanzkrise: Auswirkungen auf die Konjunktur in Deutschland
Deutschland ist von allen großen Volkswirtschaften am stärksten von der Weltwirtschaft abhängig. Der Grund ist der deutsche Titel: Exportweltmeister. Im Jahr 2007 betrug die Exportquote 45 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, in den USA waren es 10 Prozent, in Japan 15 Prozent, in Frankreich und England jeweils 27 Prozent, in China 35 Prozent.

Gut die Hälfte der deutschen Exporte geht in die EU. Die andere Hälfte fließt in Länder außerhalb der EU. Nach der USA gehen laut statistischem Bundesamt 7,6 Prozent der Exporte, nach Großbritannien 7,3 Prozent, nach China 3,1 Prozent und nach Russland 2,9 Prozent. Die höchste Exportquote ins nicht europäische Ausland geht also in die angelsächsichen Länder (USA und Großbritannien), die von der Finanzkrise besonders stark betroffen sind.

Deutschland hat aber nicht nur eine hohe Exportquote, sondern auch eine überdurchschnittlich hohe Importquote. Eine weltweite Stagnation der Wirtschaft schlägt daher auf Deutschland viele Male stärker durch als auf andere Länder.

Für 2009 liegen die Wachstumsprognosen für Deutschland zwischen 0 und 1,0 Prozent. Auswirkungen sollen bereits dieses Jahr spürbar sein.

Institute Wachstumsprognose für Deutschland
Internationaler Währungsfond (IWF) Nullwachstum
Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) Rezession, also Nullwachstum
Bundesverband der deutschen Banken (BdB) 0,5%
Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) 1,0%
Institut Christian Dreger keine Anzeichen für eine Rezession in Deutschland


Die unterschiedlichen Prognosen zeigen deutlich, dass die Folgen der Finanzkrise auf die Wirtschaft schwer einzuschätzen sind. Die Konjunktur in Deutschland war bereits vor der Finanzkrise rückläufig. So könnten, laut Stefan Kooths, DIW-Konjunkturexperte, die Krise für einige Unternehmen dazu dienen hausgemachte Probleme zu verschleiern und den Rückgang des Gewinns auf die Finanzkrise zu schieben.

Der Kreditengpass, entstanden durch das mangelnde Vertrauen der Banken untereinander, wirkt sich in Deutschland bisher nur in Einzelfällen auf die Wirtschaft aus. Doch die schwächelnde Konjunktur in den USA belastet die deutschen Exporteure: "Die Folgen der Finanzmarktkrise und der weltweiten Konjunkturabschwächung hinterlassen erste Bremsspuren beim deutschen Außenhandel", erklärt der Bundesverband des Groß- und Außenhandels, "die Konjunktureintrübung bei unseren wichtigsten Handelspartnern trübt die Entwicklung der Exportwirtschaft." Die Aussicht auf eine ungewisse Konjukturentwicklung dämpft jedoch die Bereitschaft zu investieren.

Je länger die Krise dauert, umso unsicherer werden Firmen und Konsumenten. Wirtschaftsexperten sagen voraus, dass die Krise, trotz internationaler Bemühungen, noch bis Ende des Jahres anhalten wird. Dieser lange Zeitraum dürfte die Angst von Investoren und Konsumenten weiter verstärken. Wer Angst hat, wird nicht investieren und konsumieren. Dies könnte den Abschwung weiter verstärken, befürchten Experten. "Eine Zurückhaltung bei Investitionen, weil alle die Krise im Kopf haben, könnte zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung führen.", so Heiko Stiepelmann, Sprecher des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie.

Der Bürger soll es also richten. Er soll all seine persönlichen Ängste beherrschen, vertrauen, wo Bankexperten nicht mehr vertrauen, konsumieren, als ob nichts geschehen wäre, als mittelständischer Unternehmer investieren und damit Risiken eingehen, die er heute nicht abschätzen kann. Trotz allem: Die Menschen verhalten sich erstaunlich rational. Ob das so bleibt wird wohl auch viel von der Art und Weise abhängen, wie die Politiker gedenken die Krise zu bewältigen. Die Politik braucht den Bürger, mehr denn je, und so kann der Bürger mit Recht erwarten, dass sein Erspartes garantiert wird, wenn er schon als Steuerzahler die gesamte Zeche zu bezahlen hat.
(iw)


InWaChRo-News: Sonntag, 12.10.08

Finanzkrise: Auswirkungen auf den deutschen Arbeitmarkt
Die Wirtschaftskrise werde sich im laufenden Jahr nicht auf den Arbeitsmarkt auswirken, sagen sowohl die Wirtschaftsforschungsinstitute als auch die Bundesagentur für Arbeit.

Die Bundesagentur für Arbeit geht sogar weiter von einer positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im Jahr 2009 aus. Die Zahl der Arbeitslosen werde um weitere 100.000 auf durchschnittlich 3,16 Millionen sinken, prognostiziert das BA-eigene Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Dabei geht das Institut von einem Wachstum um ein Prozent aus. Vergleicht man die Prognosen anderer Institute, dann ist diese Einschätzung optimistisch. Der prognostizierte Rückgang der Arbeitslosen ist jedoch eher auf die demografische als auf die wirtschaftliche Entwicklung zurückzuführen. Voraussichtlich scheiden 130.000 Menschen mehr aus dem Berufsleben aus als es Berufsanfänger gibt.

Im Gegensatz zur Bundesagentur für Arbeit sagt das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) wachsende Arbeitslosigkeit voraus. Die Arbeitslosenzahlen werden 2009 um fast 200.000 auf knapp 3,5 Millionen steigen. Diese Prognose erscheint angesichts der zurückgehenden Konjunktur wahrscheinlicher. Gestützt wird dies durch die Tatsache, dass der Abschwung bereits vor der Krise eingesetzt hatte und durch die Krise verstärkt wurde. Weiter dürften Zurückhaltung bei den Investitionen und im Konsum den Abschwung weiter verschärfen.

Dabei spielt es laut Wirtschaftswissenschaftlern keine entscheidende Rolle, ob es eine Rezession oder ein geringes Wachstum gibt. Entscheidend ist, ob das Wachstum eine branchenabhängige Beschäftigungsschwelle über- oder unterschreitet. Oberhalb eines bestimmten Wachstumswerts nimmt die Zahl der Arbeitslosen ab und unterhalb gehen Arbeitsplätze verloren. „Die Beschäftigungsschwelle dürfte je nach Branche bei 1,5 Prozent bis 1 Prozent [Wachstum] liegen", sagt der Chef der fünf Wirtschaftsweisen, Bert Rürup. Die meisten Institute prognostisieren ein Nullwachstum oder eines, das unter 1 Prozent liegt.

Negativ auf die Beschäftigungsentwicklung könnte sich weiter auswirken, dass Unternehmer und Aktionäre ihre Verluste an der Börse durch die Finanzkrise zumindest zum Teil ausgleichen wollen. Eine neue Gewinnmaximierungswelle, insbesondere bei großen Konzernen, dürfte die Folge sein, zumal die Ausrede „dies ist die Folge der Finanzkrise“ auf der Hand liegt. Auslagerungen in Niedriglohnländer und Streichung von Arbeitsplätzen sind zu erwarten. Weiter stehen Tarifverhandlungen an. Auch hier könnten Unternehmer versucht sein, den mehr zu zahlenden Lohn unter dem Deckmantel der Finanzkrise durch Entlassungen auszugleichen. Die Tarifverhandlungen sollten daher im Interesse der Arbeitsplatzsicherheit für einige Zeit ausgesetzt und erst wieder aufgenommen werden, wenn die Lage sich - beispielsweise in einem halben Jahr - stabilisiert hat.

Die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt werden Arbeitnehmer weiter zum Sparen veranlassen - man sorgt für Notzeiten vor. Eine Senkung der Leitzinsen und hohe Tarifabschlüsse lassen die Inflationsgefahr steigen. Das Finanz- und Wirtschaftssystem ist ein empfindliches Gebilde. Der Einzelne jedoch muss im Rahmen seiner Möglichkeiten für sich vernünftig handeln, denn eines steht fest: Ihn rettet keine Bundesregierung vor der privaten Insolvenz. Was ihm bleibt ist Hartz IV. Man muss groß sein, um gerettet zu werden.
(iw)


InWaChRo-News: Sonntag, 12.10.08

Finanzkrise: Einfluss auf den Staatshaushalt
Bis 2011 will Bundesfinanzminister Peer Steinbrück einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Die Finanzkrise könnte ihm nun einen Strich durch die Rechnung machen.

Der Bund geht in seinen Planungen für einen ausgeglichenen Haushalt von einem Wachstum von 1,2 Prozent aus. Wegen der Finanzkrise korrigierten alle führenden Institute das Wachstum jedoch deutlich nach unten. Es liegt voraussichtlich zwischen 0 und 1,0 Prozent. Tritt dies ein ist bereits dadurch das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts gefährdet.

Weiter wird als Folge der einbrechenden Konjunktur steigende Arbeitslosigkeit prognostiziert. "Eine Abkühlung der Konjunktur könnte bereits im nächsten Jahr einen Rückgang der Steuereinnahmen zur Folge haben", so das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). „Ein Prozent weniger Wachstum bedeute ein Steuerminus in Höhe von zehn bis elf Milliarden Euro“, sagte SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider. Drei Milliarden davon fallen auf den Bund. Der FDP-Haushaltspolitiker Otto Fricke rechnete sinkende Einnahmen der Sozialversicherungen mit ein und kommt sogar auf sechs Milliarden Euro: "Damit ist das Ziel der Bundesregierung, den Etat 2011 auszugleichen, ohne Sparprogramm nicht mehr zu erreichen."

Selbst dann, wenn keine der Bürgschaften für die Landesbanken, die IKB und vor allem für die Hypo Real Estate zu Ausgaben führen, wäre Steinbrücks Ziel gefährdet.
(iw)


InWaChRo-News: Sonntag, 05.10.08

Siemens: Löscher fühlt sich gegen globalen Abschwung gewappnet
Peter Löscher sieht Siemens gegen einen globalen Abschwung gewappnet. "Wir haben unseren Konzern wetterfest gemacht, als die Sonne noch schien", sagte er in einem Interview zum Tagesspiegel. Die Ausrichtung auf Sektoren mit hohen Wachstumsraten und eine sehr solide, konservative Finanzpolitik machten sich jetzt bezahlt, so Löscher. "Wir haben signifikante Liquiditätspolster und haben uns frühzeitig günstige Kreditlinien gesichert." Siemens habe weiterhin das Ziel, im neuen Geschäftsjahr ein operatives Ergebnis zwischen 8,0 Mrd. uns 8,5 Mrd. EUR zu erzielen. "Wir haben eine Abkühlung der Weltkonjunktur erwartet, vielleicht nicht ganz in der Dramatik, die sich jetzt abzeichnet", sagte Löscher.


(cr)


InWaChRo-News: Mittwoch, 01.10.08

SEN: Es wird keine leichte Aufgabe
Branchenbeobachter prophezeien SEN, die zum 1. Oktober von der Gores Group übernommen wurde und 51 Prozent der Anteile hält, eine unsichere Zukunft: "Die Kundenbasis von SEN ist immer noch sehr groß - ihre Loyalität gilt jedoch vor allem Siemens", sagt Allan Sulkin, Gründer und Chef der US-Unternehmensberatung TEQ Consult Group. "Ohne Siemens als Mutter im Rücken könnten Kunden leichter geneigt sein, auf Wettbewerber auszuweichen."

Insbesondere ältere Verträge zwischen Siemens und einigen Großunternehmen seien so genannte Kompensationsgeschäfte gewesen. "Gemäß dem Motto: Wir als Siemens sind ein großer Kunde von euch, also mietet ihr im Gegenzug unsere Telefonanlagen", sagt der IT-Verantwortliche eines Unternehmens. Durch den Verkauf an die Gores Group schwinde laut Brancheninsidern nun der Druck solche Verträge zu verlängern. "SEN profitiert bisher von durchlaufenden Umsätzen als Siemens-Tochter, etwa wenn ein Siemens-Kraftwerk automatisch mit einer SEN-Telefonanlage ausgestattet wird; das dürfte in Zukunft anders werden", sagt Alan Weckel, Analyst des US-Marktforschers Dell'Oro Group. Die Neuorientierung der Kunden wird noch durch einen weiteren Faktor verschärft. "SEN hinkt Wettbewerbern wie Alcatel-Lucent oder Avaya in Sachen Internet-Telefonie seit Langem hinterher", so Weckel.

Eine weitere Bedrohung für das SEN Geschäft könnte in geänderter Rechtsprechung liegen. So gibt der Chef eines Netzwerksausrüster, ein Experte der Telekommunikationsbranche, zu bedenken: "Die Rechtsprechung in Deutschland hat sich in der jüngeren Vergangenheit dahingehend verändert, dass Kunden mittlerweile ein außerordentliches Kündigungsrecht zugestanden wird, wenn sich grundlegende Dinge wie etwa die Eigentumsverhältnisse des Lieferanten ändern." SEN Kunden könnten versucht sein, dieses Recht für sich in Anspruch zu nehmen und aus den Verträgen aussteigen.

Siemens dagegen sieht diese Gefahren nicht. "Bereits seit zwei Jahren ist bekannt, dass Siemens sich aus dem Geschäft zurückziehen wird. Es gab in der gesamten Zeit keine Indikationen von Kunden, dass sie aus den Verträgen aussteigen wollen", hieß es bei Siemens. Außerdem habe es in den vergangenen Jahren keine Kompensationsgeschäfte mehr gegeben.

Alex Gores sind die Schwierigkeiten, die auf SEN möglicherweise zukommen, durchaus bewusst. Es werde "keine leicht Aufgabe" werden und er fügt hinzu: "Ich habe noch nie mit einem Kauf Verlust gemacht. Wir werden die geeigneten Leute nach München schicken, bis die Sache richtig läuft", sagte Alec Gores.

Und was heißt das für die Mitarbeiter? Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Eines dürfte jedoch klar sein, es schadet nichts, wenn man sich in seinen Rechten auskennt und Handlungsmöglichkeiten durchspielt, nur, um für den Fall des Falles gewappnet zu sein.
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(iw)




Autoren: Inken Wanzek, Christine Rosenboom
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