Verhalten während der Prozesse



Die von Euch gezeigte Solidarität ist toll. Beide Richter heute waren beeindruckt und die Antragsteller-Kollegen offensichtlich froh um Unterstützung, wie mir ein Kollege schrieb. Es waren ja deutlich mehr da als Sitzplätze im Saal vorhanden waren.

Die Frage ist nun: wie verhalten? Reindrängeln oder draußen warten? Da ich das auch nicht genau weiß (soviel praktische Gerichtserfahrung mit so großer Solidarität) habe ich nicht, habe ich mit Heribert Fieber gesprochen, der ja diesbzgl. reiche Erfahrung hat und er hat mir gesagt: Viele Zuschauer-KollegenInnen beeindrucken den Richter, d.h. er soll Euch alle sehen, aber Ihr sollt natürlich den Saal auch nicht stürmen, d.h. wenn der Saal voll ist, bzw. der Richter sagt, das geht nicht, dann bitte sollten die, die keinen Sitzplatz haben den Saal ohne Mullen und Knullen verlassen und solidarisch draußen vor der Tür (leise) bis zum Prozeßende warten. Später erscheinende Kollegen sollten mit draußen warten, um die Verhandlung nicht zu stören. Das zeigt den Richtern und Anwälten, wie groß das Interesse und die Solidarität ist, aber es zeigt zusätzlich, dass die Siemens MitarbeiterInnen die Würde des Gerichts wahren.

Noch was, was ganz wichtig ist. Es ist nicht förderlich, wenn einige (nicht viele, aber halt doch einige) Kollegen, wie mir gesagt wurde, während der Verhandlung sich nicht ruhig verhalten (komme mir schon vor wie ein Oberlehrer, aber). Der Vorsitzende freut sich über Störungen ganz und gar nicht. In einem Fall hat der Richter mit Rausschmiß gedroht, pfeifen die Spatzen vom Dach des Arbeitsgerichts. Soweit darf es auf keinen Fall kommen. Das macht einen ganz schlechten Eindruck. Ihr wollt jetzt wissen, was die Spatzen genau pfeifen, z.B. das, ich hoffe, sie übertreiben: "Bitte nochmal darauf hinweisen, dass Gemurmel, empörtes Reinrufen und höhnisches Gelächter bei Ausführungen der Gegenseite UNBEDINGT zu unterlassen sind. Das nervt, ist unhöflich und macht sicher keinen besonders guten Eindruck beim Gericht."

Das Münchner Arbeitsgericht muss den bestmöglichen Eindruck von uns haben. Also bitte beherrschen, Ihr könnt ja nachher in die Kneipe gehen oder auf einen Kaffee.

Puh, ich hoffe, dass sich jetzt keiner über mich ärgert, weil ich jetzt so oberlehrerhaft war, aber auch dazu muss man den Mut haben, wenn es der Sache dient, denn schließlich wollen wir unsere Solidarität dazu nutzen, um dem/der KollegenIn, und letztlich uns allen, zu helfen. Also nix für unguat.

Und nun zum Ausgleich:
Eine Kollegin schrieb, die mit ein paar anderen in der falschen Verhandlung war:
"Der Richter fragt uns: "Wollten Sie alle bei einer Freistellung...zusehen" und betont: "ich, bzw. meine Kammer hat nichts mit Freistellungen zu tun" (dafür bin ich nicht zuständig) und lacht."




Autoren: Inken Wanzek
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