Meinungsfreiheit
18.01.04 Ersterstellung
| Vorfälle, die zu denken geben |
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Seit April 2003 werden privat versandte und empfangene Emails im Mitarbeiternetz
NCI nicht mehr mit Namen unterzeichnet, Verteiler nicht offen versandt.
Grund: Siemens hat bereits mehrere dieser privat versandten Emails in den Händen und
verwendet sie, um den Widerstand in Mch H zu zerschlagen. Siemens ist nicht bereit, vor
Gericht darzulegen, wie sie an diese Emails gekommen ist. Die aktiven
NCI-Mitglieder fürchten weitere Repressalien. Nicht zu unrecht, wie folgende Aufstellung zeigt.
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fristlose Kündigung von Inken Wanzek wegen einer angeblich von ihr verfassten privaten Mail zum Suizid von Liane P.
Artikel am 31.10.2003
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Abmahnung des Betriebsratsvorsitzenden Heribert Fieber. Begründung: Bericht über den Suizid von Liane P. auf der Betriebsrats-Homepage.
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Wegnahme des Teleworking Arbeitsplatzes von Heribert Fieber durch die GL. Begründung: Bericht über den Suizid von Liane P. auf der Betriebsrats-Homepage.
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Abmahnung des stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden Leo Mayer. Begründung: Er nannte die Zielstattstr. 71 "Leprastation". Für nicht Eingeweihte: In die Zielstattstr. 71 wurden die meisten der unerwünschten Mitarbeiter in eindeutig diskriminierender Weise abgeschoben.
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Verbot der Versendung von Massen-Mails insbes. durch den Betriebsrat.
Begründung: es werden Gerüchte verbreitet.
Massen-Mail müssen vor der Versendung der Personalabteilung vorgelegt werden. (GG, Artikel 5: "Eine Zensur findet nicht statt")
Artikel am 27.11.2003
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Ausschluss der Zielstattstr. 71 vom "Opinion Poll": Im Dezember führte die Personalabteilung dies auf "ein Problem beim Erstellen des Verteilers" zurück. Jetzt im Januar konnte dieses "Problem" immerhin schon für die Ungekündigten (Ältere und Schwerbehinderte) behoben werden. Wir drücken den Kollegen vom "Opinion Poll" die Daumen, dass es beim nächstenmal auch für die Gekündigten klappt, denn die sind nämlich immer noch ausgeschlossen.
Wir sind sicher: Ihr schafft es!
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ICN Live Chat mit Thomas Ganswindt am 20.11.2003: es wurde keine einzige kritische Frage zugelassen.
Begründung: Es sollen "vor allem Fragen berücksichtigt werden, die für alle Mitarbeiter in Europa von Interesse sind". "Die Standort-spezifischen Fragen" müssen deshalb abgelehnt werden.
Beispiel:
Auf die Frage:
Herr Ganswindt, können Sie mir einen plausiblen Grund nennen, warum trotz abgeschlossener Kapazitätsanpassung und trotz der schwarzen Zahlen, die ICN wieder schreibt, gekündigte MA und andere nicht wieder in den Arbeitsprozeß eingegliedert werden?
erhielt die Fragestellerin folgende Standardantwort:
We are sorry. Due to the great number of questions submitted we are not able to answer your question. We will try to cover your issue soon in ICNetline Click or ICNetline Print.
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ICNetline Click, das Intranet-Magazin von ICN, stellte an seine Leser die Frage: Wie finden Sie Live-Chats mit dem Vorstand?
Zugelassen waren nur drei vorgefertigte Antworten, zwei positive und eine neutrale:
- Sehr gut, denn die Fragen werden live und unvorbereitet beantwortet; das ist für mich offene Kommunikation.
- Gut, aber persönliche Kommunikation in Veranstaltungen finde ich besser.
- Ich bin kein Freund von Events im Netz, dafür bleibt mir zu wenig Zeit.
Es war also nicht möglich, eine negative oder kritische Antwort abzugeben.
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CP-Versammlung in MchH/Ma am 5.12.2003: Es wurden keine Zwischenfragen und keine Diskussion zugelassen.
Thema dieser Veranstaltung: Das "unwürdige und unqualifizierte" Verhalten "einiger weniger" auf der Betriebsversammlung in MchH/Ma am 26.10.2003. Eines der kontroversen Themen auf dieser Betriebsversammlung war wieder der Bericht über den Suizid von Liane P. auf der Betriebsrats-Homepage.
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Die Siemens AG klagt gegen die Verbreitung der Broschüre "Schöne Neue Siemens Welt", herausgegeben von der IG Metall und dem Münchner Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung (ISW). Unter dem Vorwand markenrechtlicher Argumente soll die Verbreitung einer kritischen Analyse der Personalpolitik des Konzerns verhindert werden. Als Streitwert der Klage wurden vom Gericht zwei Millionen Euro festgesetzt.
Artikel am 10.12.2003
Die Absicht dahinter:
Die von der Betriebsleitung ausgemachten "Rädelsführer" sollen mundtot gemacht werden. Die Kritik an dem gesetzeswidrigen und teilweise unmenschlichen Personalabbau soll verstummen. Betriebsrat und Belegschaft sollen eingeschüchtert werden. Die Firma Siemens setzt dabei ihre ganze wirtschaftliche Überlegenheit ein: für sie geht es um ein paar tausend Euro, für die Gemaßregelten um ihre Existenz.
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Die Belegschaft ist in zwei Lager gespalten: Die vermeintlich Davongekommenen "wollen die Vergangenheit hinter sich lassen",
die anderen können sich das nicht leisten, denn sie kämpfen um ihren Job.
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Auch bei den "Davongekommenen" gibt es jetzt zwei Gruppen: die einen, die mitmachen beim Ausgrenzen, beim Wegschauen, beim nicht mehr Grüßen. Die anderen, die ihre Kollegen weiter wie Kollegen behandeln, die Zeit haben für ein kurzes Gespräch, eine eMail in die Zielstattstraße, auch wenn der Chef dagegen ist.
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Parallel zur Beschränkung der Meinungsfreiheit findet auf der Intranet-Homepage der Betriebsleitung von MchH eine "Meinungsbildung" statt in Form von Verdrehungen und Halbwahrheiten. Im Gleichschritt mit der AUB soll der Betriebsrat für alle Probleme verantwortlich gemacht werden, die durch die katastrophale ICN-Personalpolitik verursacht wurden.
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Und alle haben Angst, vor allem wenn es darum geht, dort den Mund aufzumachen, wo viele zuhören.
Betriebsversammlung in MchH (Waldcasino) am 27.11.2003: Es kam kein einziger Diskussionsbeitrag aus dem Publikum. Zufall?
| Was können wir dagegen tun? |
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sich regelmäßig bei NCI und anderen Quellen informieren.
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Verstöße gegen die Meinungsfreiheit dokumentieren und über NCI öffentlich machen.
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miteinander über dieses Thema diskutieren.
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unseren Betriebsrat unterstützen.
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bei NCI mitarbeiten.
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bei NCI-Aktionen mitmachen.
| NCI Artikel zu diesem Thema |
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Mi, 10.12.03: Pressemitteilung des isw e.V.:
Millionenklage des Siemens Konzerns gegen IG Metall und isw wegen Schöne Neue Siemens Welt
Um was geht es hier schon wieder? Natürlich - wie sollte es anders sein, um uns, die vom Stellenabbau Betroffenen.
Wir müssen Siemens schon ganz schön im Magen liegen, wenn die Firma eine Millionenklage erhebt. Stellenabbau
ist teuer, aber das er als so teuer angesehen wird, beeindruckt und bestätigt mal wieder die These:
Die Mitarbeiter sind unser wertvollstes Gut. Für die, die die "Schöne Neue Siemens Welt" nicht kennen: Dies
ist eine Brochüre mit einem Gekündigten auf dem Cover und drüber steht eben, etwas schräg, um die Schieflage
bei Siemens anzudeuten: "Schöne Neue Siemens Welt". Deutlich springt dem aufmerksamen Leser das IG Metall Embelm in die Augen.
Nun, wie sich jeder denken kann, klar verwechselbar mit der Mitarbeiterzeitschrift "Siemens Welt", von deren
Titelseite einem meistens hübsche Damen anlachen - und die natürlich ohne IG Metall Emblem.
Pressemitteilung
http://www.de.internet.com/index.html?id=2025288§ion=Marketing-News
(jp)
Do, 27.11.03: Siemens verbietet Betriebsrat Massenmails zu verschicken
Die Leitung des Standortes München Hofmannstraße hat seit einiger Zeit dem Betriebsrat Mch H verboten
sog. Massenmails zu verschicken, wie NCI aus der Belegschaft bekannt gegeben wurde.
Eine Massenmail liegt laut Defintion der Geschäftsleitung vor, wenn
der Verteiler mehr als 10 Empfänger umfasst. Die
Geschäftsleitung verlangt, dass Massenmails von ihr genehmigt werden müssen. Damit ist es dem Betriebsrat nicht
mehr möglich die MitarbeiterInnen des Standorts München Hofmannstraße per Email mit Information zu versorgen.
Da der Betriebsrat 39 Mitglieder umfasst, ist es dem BR
folglich auch nicht mehr möglich das eigene Gremium mittels einer Email zu informieren. Dies betrifft Einladungen zu
Sitzungen sowie Informationen, die für die BR Arbeit erforderlich sind. In diesem Zusammenhang kann
man von einer Behinderung der Betriebsratsarbeit sprechen, die nach §119 Abs. 1 BetrVG "mit einer Freiheitsstrafe bis
zu einem Jahr oder mit Geldstrafe" bestraft werden kann. Angesichts der Geschehnisse in Mch H erkennt man, warum der
Gesetzgeber vorgesehen hat die Behinderung und Störung der Betriebsratsarbeits mit Freiheitsstrafe ahnden zu können.
NCI fordert die Geschäftsleitung auf, diese Repressalie zurückzunehmen. Wir befinden uns nicht im Wilden Westen (zu der Zeit, wo dieser noch
ein rechtlosen Gebiet war), sondern
in der Bundesrepublik Deutschland.
Wir bitten daher die Kolleginnen und Kollgen des Standortes vermehrt auf die BR und NCI Homepage zu schauen.
Falls es - man weiß ja nie - Schwierigkeiten mit der BR Homepage geben sollte, wird NCI die Berichterstattung übernehmen
unter der Berücksichtigung, dass Firmengeheimnisse nicht nach außen getragen werden. Ggf. wird ein Passwort eingeführt,
welches nur Siemens Mitarbeiter bekommen.
(jp)
Fr, 31.10.03: Siemens kündigt IG Metall Mitglied und Mitarbeiterin des NCI Koordinationsteam fristlos
Am Montag dieser Woche wurde unsere Kollegin und unsere im NCI engagierte Mitarbeiterin Inken Wanzek firstlos
gekündigt. Gestern wurde die ordentliche Kündigung nachgeschoben. Die fristlose Kündigung stützt sich auf eine private NCI Email
vom 13.10.03, in der der Selbstmord einer ehemaligen Kollegin bekannt gegeben wird, die im
Rahmen des Stellenabbaus bei ICN einen Aufhebungsvertrag unterschrieben hat.
Danach folgt ein Aufruf, mit seinen Problemen nicht allein zu bleiben, sich nicht zu isolieren, NCI bei Bedarf in Anspruch zu nehmen.
Email
Die Siemens AG sieht in dieser Email eine Diffamierung des Arbeitgebers. Abgesehen davon, dass die
Email nicht von Inken unterzeichnet wurde, sind die erhobenen Vorwürfe - auch nach Auskunft des
Rechtsanwalts - in keinster Weise aus der EMail herzuleiten.
Seit dem Beginn des Stellenabbaus bei Siemens
München Hofmannstraße im Mai 02 mit New Placement sieht Inken sich immer wieder Angriffen von der Geschäftsleitung ausgesetzt.
Inken ist aufgrund ihrer engagierten gewerkschaftlichen Tätigkeit im NCI und darüberhinaus in der
VK-Leitung des Standortes München MGA, stellvertretend für NCI und die IG Metall gezielt angegriffen worden,
wohl in der Hoffnung, NCI dadurch zum Schweigen zu bringen. Diesem undemokratischen Angriff auf die
Meinungsfreiheit und auf die freie gewerkschaftliche Betätigung treten wir vom NCI zusammen mit der IG Metall auf das
Schärfste entgegen. "Wir alle sind ja realistische Denker", so ein NCI-ler, "und haben natürlich sofort messerscharf
erkannt, dass da jemand NCI gewaltig ernst nimmt."
"Siemens hat nicht die Macht über unser Leben; die haben wir immer nur selbst!", so der Kommentar der
engagierten Gewerkschafterin zur fristlosen Kündigung, "NCI ist nicht erschüttert worden. Vorfälle wie
diese lassen uns nur noch weiter zusammenhalten.Wir haben inzwischen gelernt, dass es
nichts nutzt, sich über die Ungerechtigkeit zu ärgern - wir müssen dagegen kämpfen. Meine Kündigungsschutzklage
ist auf dem Weg zum Arbeitgericht."
NCI erklärt sich solidarisch mit Inken Wanzek: Solidaritätserklärung
Weitere Artikel:
IG Metall Siemens Dialog
de.internet.com
Network IT
(jp)
Autoren: Inken Wanzek, (rk)
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