Bin ich beE tauglich?
Freiwillig aufgeben sollte man immer erst, wenn man die
Aussichten
in einer Auseinandersetzung zu gewinnen,
abgeschätzt hat.
Orientierungsphase
Die Entscheidung in die beE zu gehen, kommt einem Neuanfang gleich, der mit nicht unerheblichen
Risiken verbunden ist. Daher sollte man sich selbst vorher sorgfältig prüfen. Handeln Sie
also wie ein Unternehmer, der prüft, ob er ein neues Unternehmen gründen soll. Wenn Sie
Ihren alten Arbeitsplatz aufgeben, sind Sie in einer ähnlichen Lage.
Die Orientierungsphase umfasst:
Warum wollen Sie in die beE-Wechseln?
Die beE wird Ihnen angeboten mit einer ev. drohenden Kündigung im Hintergrund. Trotz allem
ist der Wechsel in die beE freiwillig. Es ist Ihre Entscheidung in die beE zu gehen oder nicht.
Nehmen Sie sich die Freiheit dieser Entscheidung und fragen Sie sich:
- Gehe ich in die beE, weil ich Angst vor einer Kündigung habe?
Diese Angst ist mit Sicherheit kein guter Ratgeber. Sie sollten sich
deshalb darüber informieren, was eine Kündigung für Sie bedeuten würde.
Rechtlich haben Sie nämlich die Möglichkeit eine Kündigungsschutzklage
zu erheben. Bevor Sie den Anwalt befragen, können Sie sich überblicksmäßig
auch hier informieren .
Es wäre doch sehr blöde, wenn Sie hier Chancen übersehen, nur weil Sie Angst
vor dem Unbekannten haben. Vielleicht haben Sie ja Kündigungsschutz und wissen das
gar nicht.
- Gehe ich in die beE, weil ich bei Siemens für mich keine Zukunft mehr sehe?
Die Gegenfrage ist: Sehe ich außerhalb von Siemens eine Zukunft? Betrachten Sie
Ihre Jobchancen objektiv.
Fragen Sie sich, ob es nicht Frust oder verletzter Stolz ist, vielleicht das Drängen Ihres Vorgesetzten,
das Sie zu diesem Schluss hat kommen lassen. Das (menschlich verständliche Gefühl)
"Wenn Siemens mich nicht mehr will, dann gehe ich halt!" kann böse Folgen für Sie
haben. Im Moment mögen Sie zwar erleichtert sein, aber, wenn Sie keine realistischen
Perspektiven haben, kommt mit Sicherheit der Existenzdruck. Seine Stärke ist auch
für einen stabilen Menschen, eine enorme Belastung, insbesondere dann, wenn zusätzlich
noch die Familie Druck erzeugt. Es ist schwer zu den Nachbarn zu sagen: "Ich bin arbeitslos."
Unterschätzen Sie die psychische Belastung nicht, ganz abgesehen von den materiellen
Folgen, die eine Arbeitslosigkeit mit sich bringt (Haus, Wohnung, geliebte Hobbys, Lebensstandard)
Wir empfehlen Ihnen sich hier zu informieren
bevor Sie eine endgültige Entscheidung treffen.
- Ich will eh aufhören, weil ich über andere Wege finanziell abgesichert bin.
Das Geld
aus der beE ermöglicht mir dies nun endgültig. Ich brauche mir nun keine Sorgen über die Zukunft
mehr machen. Bitte rechnen Sie die Situation genau durch. Wenn Sie das getan haben
und immer noch der Meinung sind, dass das Geld reicht, um Ihren Lebensunterhalt
zu decken, dann gehen Sie in die beE, freuen sich und sagen: "Her mit dem schönen Leben!"
Tun Sie es, sie retten anderen damit den Arbeitsplatz. Beschäftigen kann man
sich auch ehrenamtlich. Dazu braucht es nicht den Siemens.
- Ich will mich endlich selbständig machen
Sie sagen, die Sache mit den Chefs, die nei durchblicken, geht Ihnen schon lange auf
die Nerven. Sie haben auch schon eine gute Idee für Ihr eigenes Geschäft; nur das
Finanzielle hat Ihnen noch gefehlt. Hier kann eine beE durchaus attraktiv sein.
Prüfen Sie aber, ob Sie wirklich eine fundierte Geschäftsidee haben und keinem Luftschloss
folgen. Optimal wäre es, wenn Sie schon einen Businessplan hätten. Prüfen Sie
hier aber eingehend, ob Sie der Typ dafür sind und ob Ihre Geschäftsidee auf
gesunden Füßen steht. Wir empfehlen hier zu klicken und folgende Fragen zu beantworten.
- Ich bin risikofreudig und sorge mich nicht um die Zukunft.
Hier geben wir zu bedenken, dass Hartz IV
sehr leicht Realität werden kann und dann kann der Traum von der Freiheit sehr schnell ein Albtraum werden.
Ihre Persönlichkeit
Natürlich hält sich jeder für gut; die Arbeit im Job läuft ja auch gut von der Hand.
Man ist bei den Kollegen anerkannt. Manchmal kann dies aber zu einer Fehleinschätzung führen,
weil man sich hier in der vertrauten Welt bewegt. Wenn Sie sich mit dem Gedanken tragen,
in die beE zu wechseln, fragen Sie sich ehrlich (und beantworten Sie es am besten schriftlich):
- Kann ich mich mit einem Selbstudium schnell in ein neues Sachgebiet
einarbeiten oder beruht mein Erfolg bei Siemens auf der langjährigen
Erfahrung in einem Gebiet? Kriterien dazu sind:
- Kann ich die IT-Normen
lesen und in kurzer Zeit verstehen oder brauche ich immer jemanden,
der mir sie erklärt und habe erst dann den Aha-Effekt?
- Lese ich die Fachbücher, die ich gekauft oder
ausgeliehen habe, auch, oder kommt immer wieder etwas dazwischen, was
mich davon ablenkt.
- Habe ich Spaß am Lernen oder ist es eine lästige Pflicht?
- Bin ich wirklich der Experte, der geschickte Manager oder der erfolgreiche Vertriebsmann/frau
- Denken Sie über Besprechungen nach. Meistern Sie diese souverän
oder sind Sie immer erleichtert, wenn dieser und jener
Kollege dabei ist, der sich besser auskennt als Sie und
der bereit ist, Ihnen aus der Patsche zu helfen
- Läuft das Projekt, dass Sie managen wirklich gut? Haben Sie
es wirklich im Griff, oder sind Sie auf die glücklichen
Zufälle, vermehrt angewiesen?
- Können Sie sich bei Kollegen durchsetzen?
- Bin ich offen für neue Menschen? Spiegeln Sie auch diese Frage an Ihrem Alltag.
- Fällt es Ihnen leicht mit Fragen auf Ihnen fremde Kollegen zuzugehen?
- Fragen Sie tatsächlich, wenn Sie etwas nicht wissen, oder neigen Sie
dazu Ihr Nicht-Wissen zu verbergen?
Wenn Sie zu dem Schluss kommen, Angst oder starke Bedenken vor einem Neuanfang zu haben, das
Gefühl haben, die damit verbundene Unsicherheit nicht ertragen zu können, sollten Sie
es sich gut überlegen, ob Sie freiwillig in die beE wechseln. Sie sollten Sie als Chance
sehen können und nicht als Belastung, die in Ihnen das Gefühl hinterlässt, zu einem Versager
gestempelt worden zu sein. Wenn Sie sich nur aus Angst vor einer Kündigung dazu entschließen,
informieren Sie sich bitte noch einmal
hier.
Ihre Fachliche Kompetenz und Ihre individuellen Chancen auf dem Arbeitsmarkt
Schätzen Sie Ihre fachliche Kompetenz richtig ein. Setzen Sie sich hin und schreiben Sie auf
über welche Kenntnisse Sie verfügen. Vergleichen Sie diese dann mit internen und vor allem
externen Stellenausschreibungen.
Jobchancen - es gibt viele, die gut sind
Aussagen über Jobchancen zu treffen, ist wohl einiges der schwierigsten Dinge. Tatsache ist,
dass wir immer noch steigende Arbeitslosigkeit haben. Der Telekommunikations- und IT-Sektor
hat sich immer noch nicht entscheidend erholt. Zwar sprechen Experten und Firmenchefs davon,
dass die Talsohle durchschritten sein, aber der Stellenabbau in dieser Branche, wie ja auch
bei Siemens, zeugt vom Gegenteil. Wo abgebaut wird, wird nicht eingestellt bzw. es werden nur
junge Mitarbeiter eingestellt, die dazu meist noch besonders qualifiziert sein müssen. Auch
Studienabgänger haben es schwer, eine Anstellung zu finden.
40 Jahre ist heute, wo sich die Firmen die Mitarbeiter aussuchen können, eine magische
Grenze. Ab 40 Jahre wird häufig nicht mehr eingestellt. Die Qualifikation spielt dabei
keine Rolle; einzige Ausnahme vielleicht: Man verfügt über ein absolutes und gefragtes
Spezialwissen. Ab 50 Jahre sinken die Chancen, eine passende Anstellung zu finden drastisch.
Natürlich ist nicht auszuschließen, dass auch über 50-jährige einen Job finden, das geschieht
auch, aber es ist die Ausnahme und nicht die Regel.
Nahezu sicher ist, dass man bei einem Jobwechsel mit niedrigerem Gehalt rechnen muss. Viele
arbeiten als Consultants, Zeitarbeiter mit befristeten Verträgen.
Machen Sie die Probe aufs Exempel: Bewerben Sie sich, scannen Sie den Arbeitsmarkt
Wir empfehlen daher, bewerben Sie sich extern bei Firmen, um ein Gefühl zu entwickeln, wie
gefragt Sie auf dem Arbeitsmarkt sind; bewerben Sie sich Siemens intern, um auch hier Ihre
Chancen herauszufinden. Scannen Sie den Arbeitmarkt nach Stellen, die für Sie in Frage
kommen könnten. Drucken Sie sich die Angebote aus, und beurteilen Sie ehrlich, wieviele
der geforderten Qualifikationen Sie tatsächlich besitzen. Fragen Sie sich, worin Sie sich
bei dieser Stelle von den hundert anderen Bewerbern abheben könnten. Und beurteilen Sie
dann ehrlich: Würde Sie sich selbst nehmen, wenn Sie als PA-Chef über die Besetzung der
Stelle entscheiden müssten. Machen Sie eine persönliche Statistik, fragen Sie nach, warum Sie abgelehnt
wurden.
Und vor allem eins: Seien Sie ehrlich gegen sich selbst
Alternativen
Wenn es in der beE mit der Jobsuche nicht so klappt wie Sie sich das vorstellen, haben
Sie dann Alternativen zur Arbeitslosigkeit, z.B.
Selbständigkeit?
Denken Sie über Alternativen nach.
Worst Case - Hartz IV
Überlegen Sie, ob Sie und Ihre Familie mit Hartz IV leben können. Verdrängen Sie den
Worst Case nicht.
Bereitschaft zum Risiko
- Obwohl ich weiß, dass die beE keinen neuen Arbeitsplatz garantiert,
bleibt es bei meinem Entschluss
- Ich gehe bewusst das Existenzrisiko ein
- Meine Familie ist ohne Vorbehalt auch dieser Ansicht